Montag, 13. Februar 2012

Ich bekenne: ich bin ein Aficionado!


Die portugiesische „Stierkampfindustrie“ ist im Verhältnis zur spanischen, mexikanischen oder kolumbianischen eher klein.
Nichtsdestotrotz werden jedes Jahr hier in Portugal mit der Aufzucht, der Haltung und der Ausrichtung verschiedener Kämpfe, Millionen von Euros umgesetzt.

Zwischen den Monaten April und Oktober werden vor allem hier in Lissabon und im Ribatejo Stierkämpfe ausgetragen.
Aber auch in vielen Touristenzentren, so in den Arenen von Lagos, Quarteira und Albufeira, werden in den Sommermonaten ein- oder zweimal wöchentlich Stierkämpfe veranstaltet, oftmals auch auf Wunsch der vielen ausländischen Urlauber.

Der portugiesische Stierkampf ist Teil der portugiesischen Kultur und er ist weit weniger blutrünstiger als der im spanischsprachigen Raum, zumal der Stier hier in Portugal am Ende immer lebend die Arena verlässt.
Vielleicht ist er auch deshalb bei so vielen Ausländern beliebt.

Um landesweit die ganzen Arenen und die oftmals damit verbundenen Volksfeste mit Kampfstieren zu versorgen, braucht es in erster Linie Stierkampfzüchter und –halter.
Insgesamt 104 Kampfstierzüchter garantieren den Nachschub für die portugiesischen Arenen.

Der Generalsekretär der Vereinigung der Portugiesischen Kampfstierzüchter APCTL (port.: Associação Portuguesa de Criadores de Toiros de Lide), António Vasco Lucas, hat heute in der portugiesischen Nachrichtenagentur LUSA verlautbaren lassen, das in diesem Jahr damit gerechnet wird, das sich mindestens 1.600 Kampfstiere in den portugiesischen Arenen mit Toreros messen werden.

Kaum hatte der Generalsekretär der APCTL diese Mitteilung bekannt gegeben, da meldeten sich auch schon die ersten Tierschützer. Empört prangerten sie den Stierkampf an, und nannten jeden Stierkampfliebhaber (port.: aficionado) einen „Mörder“ und „blutrünstiges Tier“.
Sie forderten einen sofortigen Verbot des Stierkampfes und ein Ende der Industrie die hinter diesem steckt.

Persönlich frage ich mich oftmals ob diese so genannten Tierschützer überhaupt wissen, mit wie viel Liebe, Aufopferung und Hingabe die Stierkampfzucht heutzutage betrieben wird.
Ich frage mich auch, ob sie wissen welchen Respekt und welche Ehrfurcht die Stiere in den Männern und Frauen finden, die letztendlich dann mit ihnen in der Arena „kämpfen“.

Man kann ja zum Stierkampf stehen wie man will.
Einen Stierkampfliebhaber, einen Stierzüchter oder einen Torero aber generell als „Mörder“ oder „blutrünstiges Tier“ zu titulieren zeugt in meinen Augen von Klischeedenken und Populismus in seiner niedrigsten Form.

Ich bekenne: ich bin ein Aficionado!

Kommentare:

  1. Das ist wahrlich keine Kultur auf die man stolz sein sollte, denn es ist ein sehr ungleicher Kampf. Wenn der Stier Messer oder Schwerter an den Hörnern hätte, dann würde ich es als "Kampf" bezeichnen.

    Und das der Stier ja am Ende lebend die Arena verlässt, wenn er es denn überhaupt noch schafft, dann nur um dann direkt dort geschlachtet zu werden. Oder wofür braucht man einen "Nachschub" von 1.600 (S)Tieren?

    Traurige Kultur.

    Ich bekenne: Ich hasse Stierkampf!

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  2. Akzeptiere natürlich Deine Meinung SusiP. Aber es scheint mir, als ob Du Dich noch nie so richtig mit der Materie befasst hättest.
    Schade!

    Gruss
    PlanetPortugal

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  3. Du hast deine erste Antwort gelöscht und bist etwas zurückgerudert. Mit der Materie beschäftigt? Ein Tier leidet unnötig und die Verursacher begründen das mit Kultur. Wenn wir das alles beibehalten hätten, dann würden wir uns wohl noch gegenseitig essen.

    Es ist nicht weniger blutrünstig als anderswo. Das ist schönreden. Wenn nur einer von beiden eine Waffe hat, ist es ein ungleicher Kampf. Stell dir mal vor, du hast ein tolles Leben. Essen und trinken satt, kannst auf einem großen Gelände in die Sonne oder in den Schatten. Traumhaft, vor allem für ein Tier hier in Portugal. Dann wirst du mitgenommen, kommst in Rondell, es ist laut, du willst eigentlich nur weg. Es kommt jemand und ärgert dich, hört auch nicht auf dich zu ärgern. Es ist laut, du willst eigentlich nur weg. Aber der hört nicht auf dich zu ärgern über lange Zeit. Tut dir auch noch weh, immer und immer wieder, du blutest, du bist müde und KANNST nicht weg.

    Was für eine Leistung für den Stecher! Und was du als Ehrfurcht bezeichnest ist das letzte bisschen Schiss was da noch vorhanden ist.

    Nimm es dir nicht zu Herzen, wie du so nett geschrieben hast, ich lese bei dir wirklich gerne, aber bei dem Thema, wie bei allen Themen, die hier im Land mit Tieren zu tun haben, kann ich meine Tastatur nicht zurückhalten.

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  4. Hallo SusiP

    Wie Du weißt, ist dies hier ist ein Blog.
    Mein Blog!
    Hier drücke ich meine Gedanken und Gefühle aus. Dies ist weder ein Forum noch eine Diskussionsseite, oder sonst etwas in der Art. Ich bin weder Dir noch sonst irgendjemand Rechenschaft über meine Meinung schuldig. Deshalb vermeide ich es, hier mit den Lesern meines Blogs zu diskutieren, denn dafür gibt es weiß Gott andere Möglichkeiten. Nichtsdestotrotz würde ich gerne auf Dein letztes Kommentar antworten:

    1. Ich bin in meiner ersten Antwort vom letzten Mal „zurückgerudert“ weil ich nicht verletzend sein wollte.
    2. Ich muss mich korrigieren, Du scheinst Dich mit den Themen „Stierkampf“ und „Kampfstier“ doch schon befasst zu haben, auch wenn ich der Meinung bin, das Du Dir nur die „Rosinen“ aus dem ganzen herausgepickt hast.
    3. Du fragst mich, wie ich mich fühlen würde, wenn ich ein zufriedenes Leben hätte und man mich dann plötzlich in ein lautes Rondell stecken würde. Nun darauf kann ich Dir mit Leichtigkeit Antworten: Wenn ich die Wahl hätte, zwischen dem Leben eines frei lebenden Kampfstieres – und wir reden hier von mindestens fünf Jahren in freier Wildbahn – und dem Leben eines Rindes das in einem Stall aufwachsen muss, gemästet wird um dann nach etwa 8 Monaten, manche als Kälbchen sogar noch viel früher, zur Schlachtbank getreten wird, dann fällt mir die Wahl wirklich nicht schwer. Lieber würde ich fünf oder sechs glückliche Jahre in Freiheit Leben und dann 10 Minuten in einer Arena leiden wollen, als mein ganzes Leben lang gemästet zu werden und ein namenloser Fleischlieferant zu sein. Über Hühner in Legebatterien, Mastscheine, Stopfenten usw. möchte ich erst gar nicht reden.
    4. Die Behauptung, es wäre keine Leistung sich als „Stecher“, wie Du sie nennst, vor einem Stier zu stellen, ist meiner Meinung nach ganz schön überheblich. Also ich hätte den Mut nicht! Von den acht jungen Männern (seit ein paar Jahren sogar einige junge Frauen) die sich freiwillig einem 500 kg schweren, muskelbepackten Vierbeiner ohne „Waffen“ (Dein Wort!) gegenüberstellen, erst gar nicht zu reden.
    5. Wenn Du, wie ich glaube, dich wirklich schon einmal mit dem Thema Stierkampf auseinandergesetzt hast, dann musst Du ehrlich zugeben, dass es die Rasse des Kampfstieres heute gar nicht mehr gäbe, wenn der Stierkampf nicht wäre.
    6. Wie ich schon geschrieben habe, akzeptiere ich Deine Meinung. Versuch deshalb auch meine Meinung zu akzeptieren, denn ich werde sie bestimmt nicht Deinetwegen ändern!

    In diesem Sinne, wünsche ich dir noch einen guten Abend und eine restliche schöne Woche.
    Nichts für ungut!

    Gruß

    PlanetPortugal

    P.S.: Heute bin ich mal nicht „zurückgerudert“

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  5. Ein mutiger Beitrag.

    Die Gruppe der Deutsch sprechenden aficionados ist zwar klein, aber kennt sich ungewöhnlich gut aus.

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