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Mittwoch, 2. Februar 2011

Caldeirada-Wettbewerb


Seit dem letzten Samstag, dem 29. Januar 2011, findet in Costa de Caparica, unweit von Lissabon, der 7°Caldeirada-Wettbewerb (port.: Concurso de Caldeirada) statt.
Dieser Wettbewerb wird bis zum 28. Februar dauern, und hat als Ziel, die „Caldeirada“, bei Nichtkennern dieses Fischgerichtes, bekannt zu machen und zu fördern.
Was dem Franzosen seine Bouillabaisse ist, ist dem Portugiesen seine Caldeirada, wobei man bei der Caldeirada eher von einem Fischeintopf als von einer Fischsuppe sprechen muss.

An dem diesjährigen Wettbewerb nehmen insgesamt 16 verschiedene Restaurants der Stadt Costa de Caparica teil, jedes mit seinem eigens für den Event kreierten Caldeirada-Rezept.
Die traditionelle Caldeirada besteht aus verschiedenen Kochfischsorten, Zwiebeln, Tomaten, Paprika und Kartoffeln.
Die Kunst bei der Caldeirada besteht darin, sie zu würzen und sie so geschmacklich verschieden zu servieren.
Die einen begnügen sich nur mit Salz und Pfeffer als Gewürz. Wiederum andere geben ihr eine Menge Weißwein, Fenchel und Koriander bei.
Wieder andere geben ihr Knoblauch, Olivenöl und Zitrone hinzu und andere eine pikante Wurst in Scheiben und Speck.
Und manche werfen von allem etwas in den Kochtopf hinein.
So hat jedes Restaurant, ja jede Hausfrau, ihr eigenes Caldeirada-Rezept.

Costa de Caparica, ein Ort der im Sommer von den Lissabonnern als Badeort regelrecht überrannt wird, ist jetzt im Winter wie ausgestorben.
Daher findet dieser Wettbewerb, mit Absicht, seit sieben Jahren im Winter statt, um der dortigen Gastronomie wirtschaftlich entgegenzukommen und den Liebhabern dieses Fischgericht einen Grund zu geben, Costa de Caparica nicht nur im Sommer zu besuchen, sondern auch jetzt in dieser Jahreszeit.

Ende Februar wird fest stehen, welcher gastronomische Betrieb der diesjährige Gewinner des Caldeirada-Wettbewerbes ist.
Und das besondere an diesem Wettbewerb ist, das nicht etwa Meisterköche oder Restaurantkritiker die beste Caldeirada auswählen, sondern der normale Restaurantbesucher, der nach dem essen, seine Caldeirada auf einer Bewertungsskala von 1 bis 5 bewertet.
So gesehen ist jeder Restaurantbesucher der beste Kritiker den sich ein Restaurant nur wünschen kann!

Dienstag, 15. September 2009

Und einen Donnerkeil führ ich im Munde


Es gibt hier in Portugal eine Unart, die meistens von Männern aller Altersgruppen, sehr selten von Frauen, praktiziert wird.
Diese Unart ist selbst für mich sehr gewöhnungsbedürftig, obwohl ich ehrlich gestehen muss, dass auch ich schon mehrmals diesem „Laster“ verfallen bin.

Ich rede von dem Benutzen eines Zahnstochers in aller Öffentlichkeit, so wie man es in Deutschland niemals wagen würde.
Ein Zahnstocher (port.: palito) ist hier in Portugal so etwas wie ein Attribut männlicher Macht und Würde, den man bei allen Gelegenheiten im Munde führt.

Nach einem leckeren Mahl, ragt er angriffslustig, wie der Zahn eines Vampirs, aus dem Mundwinkel oder hängt schlaff und traurig wie eine erloschene Zigarette von den Lippen herunter, je nach seelischer Befindlichkeit des Trägers.
Im Restaurant wird nach dem üppigen Mahl vom Ober erwartet das er ohne Aufforderung die Zahnstocher serviert. Tut er dies nicht, so wird er regelrecht angeherrscht, es gefälligst zu tun.
Er bringt sie dann eilfertig, und schon kann man(n) sich hinter vorgehaltener Hand, ohne das Gespräch zu unterbrechen, der Lust des Zahnstocherns hingeben.

Wie ich bereits zugegeben habe, pflege auch ich manchmal ein leckeres Mahl in einem Restaurant mit einem Zahnstocher zu beenden. Aber ich könnte niemals, so wie manche meiner Landsleute, sogar auf die Tanzfläche mit einem Zahnstocher gehen, obwohl ich zugeben muss, dass dann beim Tanzen ansatzweise die nötige Distanz gewahrt wird und eine hoheitsvolle Kopfhaltung gegeben ist.
Ich könnte auch Niemals, wie viele, nach der Mittagspause die Firma mit dem Zahnstocher im Mund betreten.
Für mich undenkbar, aber für viele meiner Landsleute absolut normal.

Bei Friedrich Schiller, in seinem Werk "Johanna von Orleans" heißt es an einer Stelle:

„...und einen Donnerkeil führ ich im Munde."

Hier in Portugal handelt es sich bei diesem Donnerkeil wohl ohne Zweifel um einen Zahnstocher!