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Montag, 11. Juli 2011

Gestohlene Kirchenschätze


Vor ein paar Tagen wurde im spanischen Wallfahrtsort Santiago de Compostela, aus dem Kirchenschatz der dortigen Kathedrale, das Buch „Códico Calextino“ (esp.: Códice Calixtino / lat.: Codex Calixtinus) gestohlen.

Beim „Códico Calextino“ handelt es sich um eines der wertvollsten Bücher der gesamten Kirchengeschichte.
Zwischen den Jahren 1125 und 1160 von mehreren Theologen, Malern, Fabeldichtern und Musikern geschrieben und gemalt, ist er das bedeutendste schriftliche Dokument Spaniens.

Bis jetzt tappt die spanische Kriminalpolizei im Dunkeln, denn noch weiß man nicht wer das Buch gestohlen hat, wer den Raub in Auftrag gegeben hat und wie der Raub vonstatten ging.

Kirchenraub ist auch hier in Portugal leider an der Tagesordnung.
Es vergeht nicht einen Monat, indem wir hier nicht lesen müssen, dass wieder einmal aus einer Kirche oder Kapelle wertvolle Figuren und Gemälde gestohlen worden sind.
Während früher nur die Almosenkästen (port.: caixas de esmolas) aufgebrochen wurden, verschwinden heute sogar die bronzenen Kirchenglocken, über Nacht, von den Kirchtürmen.

Die Liste der bestohlenen Kirchen ist lang und die Wiederentdeckungsquote der einzelnen Kirchenschatzteile durch die Kriminalpolizei ist leider sehr gering.
Fast immer stecken reiche Kunstsammler hinter diesen Überfällen auf die Gotteshäuser.
Praktiziert werden die Einbrüche aber meistens von organisierten Bandengruppen aus Osteuropa.
Gestohlen werden zumeist wertvolle Kruzifixe, Schüsseln, Trinkbecher, Hostienbehälter aus Silber und Gold und auch alte Gemälde.
Was für ein Wert hinter jedem Objekt steckt, wird einem erst klar, wenn man die Versicherungssumme erfährt, die hinterher für jedes einzelne Kunststück bezahlt wird.

So bezahlte die Versicherung z.B. für drei kleine silberne Kruzifixe, die aus der Kirche Igreja da Campia in Vouzela vor einiger Zeit gestohlen wurden, 15.000 Euro.
Für sieben kleine Heiligengemälde, die von der Kirche Igreja de Santo Cassourado in dem Ort Paredes de Coura, entwendet wurden, bezahlte die Versicherung gar die stolze Summe von 340.000 Euro.
Von der neuen Kirche Igreja de Nossa Senhora de Fátima in Viana do Castelo wurden in letzter Zeit vier Kupferplatten, die das Dach des Gebäudes bedecken, im Wert von ca. 2.400 Euro gestohlen. Das erscheint nicht viel, aber wenn man bedenkt, dass die Kirche ursprünglich mit 320 Kupferplatten bedeckt war, kann man sich vorstellen was für ein immenser Schaden entstehen kann, wenn man die übrigen Kupferplatten bald nicht abmontieren.

Kupfer ist überhaupt im Augenblick bei den Langfingern sehr gefragt.
So wurden in diesem Monaten die kupfernen Kirchenglocken einer Kirche in Mosteiros und einer Kirche in Gavião gestohlen.
Sogar vom altehrwürdigen Kloster Mosteiro de São Bento de Cástris, Mitten in Évora, wurde über Nacht die Glocke entwendet.

Hinter all diesen Raubzügen steckt eine Mafia, die Millionen von Euros umschlägt.
Eine Sonderkommission der portugiesischen Kriminalpolizei (port.: (port.: Polícia Judiciária = PJ) hat vor einiger Zeit die Sonderkommission „SOS Igreja“ (dt.: SOS Kirche) ins leben gerufen. Diese Sonderkommission, deren Aufgabe es ist die Diebstähle aufzuklären und zu verringern, hat in letzter Zeit auch einigen Erfolg gehabt.
Aber es wird in der Zukunft unheimlich schwer sein, sich gegen eine gut funktionierende, gut organisierte, technisch hoch ausgerüstete und skrupellose Kunstmafia zu behaupten.

Dienstag, 22. Februar 2011

Parque Nacional da Peneda-Gerês






Wer hier nach Portugal reist, den zieht es meistens in die Hauptstadt Lissabon, oder ans Meer, an die Algarve.
Portugal hat über 600 km Küste, von den schönsten Sandstränden im Süden bis zu wildesten und rauesten Klippen im Norden.

Aber außer den vielen Badestränden hat Portugal im hohen Norden auch einen Nationalpark, überhaupt den einzigen des Landes, vorzuweisen. Er galt bis vor wenigen Jahren für die ausländischen Touristen als nebensächlich und unbedeutend. Aber das hat sich die letzten Jahre geändert.

Zumindest wir Portugiesen haben seit einiger Zeit den Charme des Parque Nacional da Peneda-Gerês (dt.: Peneda-Gerês-Nationalpark), mit seinen Bergen, mit seinen klaren Flüssen und mit seinen schönen Süßwasserseen, entdeckt.

Nur zwei Stunden von der Hafenmetropole Porto entfernt, erstreckt sich dieser über 700 km² ha große Nationalpark an der portugiesisch-spanischen Grenze entlang, von der Hochebene von Castro Laboreiro bis zur Hochebene von Mourela, über die Gebirge von Peneda, Soajo, Amarela und Gerês. Der schönste Nationalpark der Iberischen Halbinsel, wie viele ihn nennen, erstreckt sich über die Distrikte Braga, Vila Real und Viana do Castelo.

Für Angler, Wassersportler und Wanderer ist der Nationalpark mit seinen vielen Seen, Flüssen und Wanderwegen ein wahres Paradies.
Die höchste Erhebung befindet sich mit 1545 m in der Serra do Gerês und ist der Nevosa.
Diese herrliche Wald- und Gebirgslandschaft wird von vielen malerischen Gebirgsseen und Stauseen, wie Vilarinho, Caniçada, Salamonde und Paradela, unterbrochen.
Zu den schönsten unter den vielen Wanderwegen des Nationalparks gehört der Trilho da Preguiça, der zu herrlichen Aussichtspunkten führt.

Hier im Nationalpark Peneda-Gerês trifft man, mit etwas Glück, auch auf viele einzigartige Pflanzen- und Tierarten.
Die Vegetation besteht aus ausgedehnten Nadelwäldern, hundertjährigen Eichen, Korkeichenwäldern und heidekrautbestandene Felslandschaften.
Die Fauna umfasst Rot- und Schwarzwild, Hasen, Luchse, Otter, Rebhühner und sogar Wölfe und Königsadlern.
Die eigentlichen Stars sind aber die Wilden Pferde, Garranos genannt.
Die einzige noch existierende Herde dieser kleinen Pferde besteht heute aus ca. 70 Tieren und ist die Attraktion des Naturparks.

Der Parque Nacional da Peneda-Gerês ist heute zum größten Teil touristisch erschlossen.
Nichtsdestotrotz kann man hier und da immer wieder etwas Neues entdecken.
Wer noch nie im Peneda-Gerês war, dem kann ich einen Besuch in diesem Nationalpark nur wärmstens empfehlen.
Er wird diesen Besuch niemals vergessen!