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Dienstag, 29. Juni 2010

Sommerfest 2010 der DEKL





Wie jedes Jahr, so fand auch dieses Jahr im Garten der Deutschen Evangelischen Kirchengemeinde zu Lissabon (port.: Igreja Evangélica Alemã em Lisboa) ein Sommerfest statt, dem zuvor ein ökumenischer Familiengottesdienst einherging.

Der 27. Juni 2010 war ein Tag mit herrlichem Sommerwetter, einer vollen Kirche, einem gutgelaunten Pastor Stalling mit einer originellen Predigt, schmackhaftem Essen, kühlen Getränken und einem schönen Gartenfest.

Für die musikalische Umrahmung des Tages sorgten Carina Lasch, Rute Martins und der neu gegründete Chor der Kirchengemeinde, dem ich seit seiner Gründung Anfang dieses Jahres, angehöre.
Die musikalische Leitung des Chors liegt in den Händen von Carina Lasch (unserem Hauptfeldwebel, wie ich sie liebevoll nenne).
Wir sangen an diesem Festtag die Lieder „Was Gott tut, das ist wohl getan“ und „Oh happy day!“.

Obwohl mir im Augenblick, wegen eines Todesfalls in der Familie (bitte lesen sie hierzu auch mein post „In memoriam: Raul Rodrigues Pires, vom 07. Juni 2010), wahrlich nicht nach dem singen von „Oh happy day!“ zumute war, so muss ich doch gestehen, das das vortragen dieses Liedes hinterher für mich doch befreiend war.

Auch den anderen Besuchern des Gottesdienstes muss das Lied recht gut gefallen haben, denn das anschließende Fest im Gemeindegarten war ein voller Erfolg.
So schlecht können wir also gar nicht gesungen haben…

Das Sommerfest 2010 ist nun Geschichte.
Jetzt arbeiten wir auf das Fest im kommenden Jahr hin, einem besonderen Fest.
Denn dann wird die Deutsche Evangelische Kirchengemeinde Lissabon ihren 250 Geburtstag feiern.

Montag, 7. Juni 2010

In memoriam: Raul Rodrigues Pires


Ich schaue hinauf zu den Bergen – woher kann ich Hilfe erwarten?
Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat!
Der Herr wird nicht zulassen dass du fällst; er dein Beschützer schläft nicht.
Ja, der Beschützer Jerusalems schläft und schlummert nicht.
Der Herr gibt auf dich Acht; er steht dir zur Seite und bietet dir Schutz vor drohenden Gefahren.
Tagsüber wird dich die Sonnenglut nicht verbrennen, und in der Nacht wird der Mond dir nicht schaden.
Der Herr schützt dich vor allem Unheil, er bewahrt dein Leben.
Er gibt auf dich Acht, wenn du aus dem Hause gehst und wenn du wieder heimkehrst. Jetzt und für immer steht er dir bei!

(Psalm 121, 1-8)

Zum Gedenken an Raul Rodrigues Pires (geb. in Lissabon, 20. Mai 1942), meinen Onkel, Patenonkel und Freund, der am letzten Freitag, dem 04. Juni 2010, plötzlich und unerwartet, von uns gegangen ist.
Ich werde ihn nie vergessen!


Á memória de Raul Rodrigues Pires

Elevo os meus olhos para os montes; de onde me virá o socorro?
O meu socorro vem do Senhor, que fez o céu e a terra.
Não deixará vacilar o teu pé; aquele que te guarda não tosquenejará.
Eis que não tosquenejará nem dormirá o guarda de Israel.
O Senhor é quem te guarda; o Senhor é a tua sombra e a tua direita.
O sol não te molesterá de dia nem a lua de noite.
O Senhor te guardará de todo o mal, ele guardará a tua alma.
O Senhor guardará a tua entrada e a tua saída, desde agora e para sempre!

(Salmo 121, 1-8)

Á memória de Raul Rodrigues Pires, (nas. Lisbao, 20 de Maio de 1942), meu estimado tio, padrinho e grande amigo, que faleceu nesta última sexta-feira, 04. de Junho 2010, e que deixa um enorme vazio no meu coração!

Samstag, 11. Juli 2009

Jedes Foto hat seine eigene Geschichte – Cada foto é uma história






In meinem vorherigen post, mit dem Titel „Mit den Überseekriegen kam das Ende des Imperiums“ erwähnte ich beiläufig, das drei meiner Onkel an den Überseekriegen (Guerras do Ultramar) teilnehmen mussten, um, wie es das Salazarregime damals ausdrückte, der Nation zu dienen.

Einer von ihnen, mein Onkel Raul Rodrigues Pires, ist der Bruder meiner Mutter Luisa und auch mein Patenonkel.

Ihm möchte ich nun dieses post hier widmen, und ein wenig über seine Militärzeit in Portugiesisch Guinea (Guiné Portuguesa), an der Westküste Afrikas, erzählen.
Seine Geschichte steht stellvertretend für die tausender anderer junger Soldaten, die ihren Dienst an der Waffe für Portugal in Afrika verrichten mussten.

Mein Onkel Raul wurde am 20. Mai 1942 in Lissabon geboren und besuchte dort die Schule. In der Hauptstadt verbrachte er auch seine Kindheit und seine Jugend.
Mit 19 Jahren, im Herbst 1963, begann er seinen Militärdienst in der Stadt Castelo Branco, im Norden Portugals.
Dort, in Castelo Branco erhielt er dann auch seinen Einberufungsbefehl nach Portugiesisch Guinea. Nach einer Trainingsphase in den Kasernen von Tomar und Santa Margarida im Norden Portugals, wurde er im Juli 1964 mit seinen Kameraden, auf dem Transportschiff „India“ nach Portugiesisch Guinea verschifft, wo er am 21. Juli im Hafen von Bissau ankam.

In Guinea angekommen, wurde er mit seinem Bataillon (Batalhão Caçadores 6/97 = Feldjägerbataillon 6/97) in Fá stationiert, einer Ortschaft, Mitten im afrikanischen Urwald, die zwischen den Städten Bambadinca und Bafatá, lag. In Fá blieb er dann die meiste Zeit seines Militärdienstes. Er verließ Fá nur um an militärischen Operationen gegen die marxistisch orientierten Guerillakämpfer teilzunehmen.

So nahm er unter anderem, im März 1965, an der erfolgreichen Befreiung der Halbinsel Ponta do Inglês im Westen des Landes, teil.

Im Gegensatz zu heute, wo jeder ein Handy mit Fotokamera oder eine Digitalkamera zur Hand hat, waren damals private Fotographien eine Ausnahme.
Auch achteten die Militärs, durch Zensur, darauf das nicht jedes Fotos nach Portugal geschickt werden konnte. So waren Fotos, auf denen Kriegshandlungen oder verletzte Soldaten zu sehen waren, verboten. Denn das Risiko das sich im Mutterland Portugal viele gegen die Kolonialkriege aussprechen würden, wenn sie solche gewalttätigen Bilder sehen würden, war gegeben.
So passierten nur Fotos die Zensur, auf denen die Soldaten bei gemeinsamen Aktivitäten, wie Sport, Essen und Trinken, Musizieren und Feiern zu sehen waren.
Bilder auf denen sich Soldaten mit Tieren Westafrikas zeigten, oder mit der ortsansässigen Bevölkerung ablichten ließen, wurden ohne weiteres an ihre Familien in Portugal durch die Feldpost gesendet. Fotos aber, auf denen kriegerische Aktivitäten nur andeutungsweise zu sehen waren, wurden sofort aussortiert und nicht weitergegeben.

So hatten die Familien der Soldaten daheim, den Anschein, dass die Überseekriege gar nicht so gefährlich waren, wie es die ausländischen Presseagenturen berichteten.
Viele, viele Jahre später, während der beiden Golfkriege, sollten die Amerikaner genau diese Fotozensur verwenden, um die Familien und Freunde der Soldaten die im Irak ihren Dienst versahen, hinters Licht zu führen.

Auf der Rückseite eines seiner Fotos, die mein Onkel Raul regelmäßig seiner damaligen Verlobten Albertina, meiner heutigen Tante, seiner Mutter und seinen Schwestern sendete, schrieb er folgenden Vierzeiler, welches ich hier gerne übersetzen will:

„Cada foto é uma história,
Que eu tenho para contar,
À minha querida familia
Quando eu a casa chegar.

(Raul Rodrigues Rires, 25.08.1964, Fá – Guiné Portuguesa)


Jedes Foto hat eine eigene Geschichte,
die ich Euch erzählen werde,
wenn ich, liebe Familie
zu Euch nach hause Wiederkehre.

(Übersetzung von Paulo Alves, 10.07.2009)

Mein Onkel Raul blieb zwei Jahre in Portugiesisch Guinea. Er erlebte viel, sah viel Unglück und wurde mehrmals mit dem Tod konfrontiert. Viele seiner Kameraden starben und blieben in Afrika. Guinea wurde für Portugal das, was Vietnam für die Amerikaner noch werden sollte.
Doch Gott sei Dank, kehrte er im 03. Mai 1966 gesund nach hause zurück. Im gleichen Monat, am 12. Mai, wurde ich geboren und er wurde mein Patenonkel.

Wie in seinem Vierzeiler versprochen, so kann er uns heute, Gott sei Dank, viele, viele Geschichten erzählen!