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Donnerstag, 3. Mai 2012
War der „Tag der Arbeit“ doch eher ein „Tag des Fremd Schämens“?
Heute wurde ich von meinem hier in Lissabon lebenden deutschen Freund Thomas Maurer gefragt, warum ich hier in meinem Blog nicht über die Ereignisse berichtet habe, die sich hier landesweit am 01. Mai in den Supermärkten „Pingo Doce“ zugetragen haben und ob ich keine eigene Meinung zu der ganzen Sache hätte.
Natürlich habe ich meine eigene Meinung und natürlich habe ich mir zwei oder dreimal überlegt hier in meinem Blog über die Geschehnisse zu schreiben, die sich am „Tag der Arbeit“ hier in besagten Supermärkten zugetragen haben.
Aber, und das habe ich schließlich versucht Thomas auch zu erklären, ich schreibe hier in „Planet Portugal“ nur über Dinge die mich wirklich interessieren und für die ich mich nicht fremd schämen muss.
Und was sich an besagtem Tag in besagten Supermärkten ereignete, hat mich, ganz ehrlich, zwar nicht interessiert, mich aber dann sehr wohl zum fremd schämen gebracht.
Warum ich mich fremd geschämt habe erkläre ich etwas später.
Für alle die, die außerhalb Portugals leben und deshalb nicht wissen,
was sich hier am 01. Mai dieses Jahres zugetragen hat, hier eine kurze Erklärung:
Die Supermarktkette „Pingo Doce“, die zum Einzelhandelsimperium Jerónimo Martins gehört, der übrigens eines der Umsatzstärksten und größten Handelskonzerne Portugals ist, hat am vergangenen Dienstag ihren Kunden eine Werbecampagne offeriert, die es, zugegebener Maßen, in sich hatte.
Diese Werbecampagne lautete wie folgt:
Wer am „Tag der Arbeit“ bei Pingo Doce für über 100 Euro Einkäufe betätigte, musste am Ende nur 50 % des Warenwertes an der Kasse bezahlen!
Nun, in Zeiten knapper Hauhaltskassen ist eine solche Campagne für viele natürlich ein Knaller.
Ob allerdings die Arbeiter und viele Kunden von „Pingo Doce“, die an diesem Tag nicht in den Genuss des Rabatts von 50 % kamen, auch der Meinung sind, das diese Campagne ein Knaller war, sei mal dahin gestellt.
Nun zu der Stelle, an der ich gerne erklären will, warum ich mich fremd geschämt habe.
Als ich im Fernsehen die ersten Bilder der chaotischen Zustände gesehen habe, die sich in und vor den einzelnen Filialen des „Pingo Doce“ abspielten, konnte ich es erst gar nicht glauben.
Da spielten sich tumultartige Szenen ab, die einfach nur abstoßend, grotesk und niveaulos waren und die Menschen zeigten, die zu wahren kaufwütigen Zombies mutiert waren.
Missverstehen wir uns nicht:
Ich kann es verstehen, das in denn schwierigen Zeiten die wir gerade hier in Portugal leben, viele Menschen versuchen billiger an ihre Lebensmittel zu kommen und solche Werbeaktionen nutzen.
Aber gehören z.B. teure Spirituosen, Weine, Zigaretten, Schokolade oder Parfum zu den Grundnahrungsmitteln?
Und muss man, um an diese Sachen ranzukommen, andere Menschen schlagen, treten und schubsen bis diese hinfallen?
Muss man Verkäufer am „Tag der Arbeit“ bedrohen und nötigen, nur damit man an seine Steaks, seinen Reis oder seinen Fisch rankommt?
Muss man private Sicherheitskräfte, die eigentlich nur für Ordnung und Sicherheit im Rahmen des Möglichen sorgen wollten, attackieren und mit Eiern bewerfen?
Muss man Polizisten, die mancherorts zu einem Großeinsatz gerufen werden mussten, verhöhnen und verspotten?
Nun, da ich auf alle diese meine Fragen bis heute keine zufrieden stellende Antwort erhalten habe, hielt ich es erst einmal nicht für nötig, hier in meinem Blog über die Ereignisse vom 01. Mai zu schreiben.
Aber dieser Eintrag hier, ist nun der beste Beweis dafür, dass ich letztendlich doch auch über Dinge schreiben kann, die ich im tiefsten meines Herzens, nicht verstehe und für die ich mich auch leider fremd schämen muss!
„Es geht alles, man muss es nur wollen!“, sagte Thomas zu mir, und motivierte mich so zu diesem Eintrag zu später Stunde.
Labels:
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