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Dienstag, 6. Juli 2010

Bedrohte Artenvielfalt






Heute wurde die neue „Rote Liste der bedrohten Tierarten in Portugal“ (port.: „Livro Vermelho dos Vertebrados de Portugal“) veröffentlicht.
Demnach leben zur Zeit, in Portugal und auf seinen Inseln, 399 verschiedene Vogelarten (port.: aves), 129 Säugetierarten (port.: mamíferos), 46 Reptilien (port.: répteis), 20 Amphibien (port.: anfíbios) und 73 verschiedene Flussfischarten (port.: peixes de água doce).

Von den 399 Vogelarten stehen leider 96 auf der Roten Liste, sind also somit vom Aussterben bedroht. Darunter sind der Fischadler (port.: Águia-pesqueira / lat.: Pandion haliaetus) und der Königsgeier (port.: Abutre-preto / lat.: Aegypius monachus).

Von den Säugern stehen 25 kurz vor der völligen Ausrottung, darunter der Iberische Luchs (port.: Lince-ibérico / lat.: Lynx pardinus), der Wolf (port.: Lobo / lat.: Canis lupus) und die Bergziege (port.: Cabra-montês /lat.: Capra pyrenaica).

Bei den Reptilien stehen z.B. die Furchenpanzerschildkröte (port.: Cágado-de-carapaça-estriada / lat.: Emys orbicularis) und die Seoaneviper (port.: Vibora de Seoane / lat.: Vipera seoanei) unter akuter Ausrottungsgefahr. Insgesamt 9 Reptilien stehen auf der Roten Liste.

Bei den Flussfischen sind fast 1/3 vom Aussterben bedroht, nämlich 22 Arten. Darunter sind der Flussneunauge (port.: Lampreia-do-rio / lat.: Lampetra fluviatilis), der Aal (port.: Enguia / lat.: Anguilla anguilla) und die Alse (port.: Sável / lat.: Alosa alosa).
Vor allem die Begradigung der Flüsse, die teilweise schlechte Wasserqualität und die vielen Staudämme machen diesen Wasserbewohnern ein überleben schwer.

Von den in Portugal lebenden 20 Amphibienarten sind glücklicherweise nur 2 Arten vom Aussterben bedroht, nämlich der Lusitanische Salamander (port.: Salamandra lusitânica / lat.: Chioglossa lusitanica) und der Plattmolch (port.: Tritão-palmado / lat.: Triturus helveticus). Alle 18 anderen sind in ihren Beständen einigermaßen sicher.

Der Tierschutz hat in den letzten Jahren in Portugal einen großen Auftrieb erhalten und viel Unterstützung.
Man geht heute mit der Umwelt, und somit auch mit dem Tierschutz, wesentlich konsequenter um.
So kommt es, dass heute weniger Tiere auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten aufgeführt werden als noch vor einigen Jahren.

Vor allem bei den endemischen Tierarten, d.h. Tierarten die nur in Portugal und den Inseln Madeira und Azoren vorkommen und sonst nirgendwo auf der Welt, gibt es in den letzten Jahren positive Zahlen zu vermelden.
So ist z.B. die Population des Madeira-Seelöwen, der nur auf einigen kleinen unbewohnten Inseln, die der Insel Madeira vorgelagert sind, vorkommt, in den letzten Jahren von durchschnittlich 200 Stück auf 240 Stück gewachsen.

Nichtsdestotrotz ist die biologische Artenvielfalt (port.: biodiversidade) in Portugal weiterhin in Gefahr!

Mittwoch, 8. Juli 2009

Nur die Alten bleiben zurück





„Portugal é Lisboa e o resto é paisagem” – (Portugal ist Lissabon und der Rest ist Landschaft), so lautet ein altes portugiesisches Sprichwort.

Er ist sicherlich von Lissabonnern in die Welt gesetzt worden, und auf eine vereinfacht Art und Weise zeigt er wie „größenwahnsinnig“ eigentlich die Bewohner der Hauptstadt sind, die wirklich glauben, hier in Portugal die Krönung der Schöpfung zu sein.

Aber auf eine bestimmt Weise, steht dieser alte Spruch auch für ein ernstes Problem; nämlich das Problem der Landflucht und der Verödung der alten Dörfer im ländlichen Nord- und Südportugal. Die großen urbanen Zentren an der Küste, vor allem Lissabon, Porto, Almada, Setúbal und Faro wirken wie Magnete auf das traditionell, vernachlässigte Hinterland, aus dem viele junge Leute leider noch heute wegziehen. In den alten Dörfern bleiben nur die Alten zurück.

Der Weggang der jungen, arbeitsfähigen und zukunftsorientierten Menschen aus der Provinz in die Städte, macht aus Portugal ein zweigeteiltes Land:
Während die Städte an der Küste wachsen und prosperieren, auch in Zeiten weltweiter Wirtschaftskrise, verödet das Landesinnere.

Lange war die Landwirtschaft des Hinterlandes die Haupteinkommensquelle Portugals. Doch die wachsende Bedeutung des Dienstleistungssektors, vor allem des Tourismus, leiteten einen tief greifenden sozialen Wandel ein: Immer mehr Menschen wandern auf der Suche nach Arbeit in die Städte ab.
Schon heute Leben 50% der portugiesischen Bevölkerung, also die Hälfte, in den beiden Großräumen von Lissabon und Porto!

Umgekehrt heißt das: die ländlichen Regionen wie der Minho, Trás-os-Montes, die Beira Alta, die Beira Baixa und der Alentejo veröden und sterben aus. Das führt dazu das das architektonische Erbe verfällt, Schulen werden aus Mangel an Schülern für immer geschlossen, die landwirtschaftliche Arbeit verschwindet, der Rückgang der Artenvielfalt (Biodiversität sagt man glaube ich in Deutschland dazu) schreitet voran, genauso wie die Erosion.

Es gibt Dörfer und Gemeinden in Nordportugal, die bestehen das ganze Jahr über nur aus 10 bis 12 Rentner. Erst im Sommer, wenn Ferienzeit ist, kommen ihre Kinder und Kindeskinder aus Frankreich, Deutschland und den Niederlande zurück, wo sie das ganze Jahr über als Gastarbeiter leben, und verbringen die Sommerferien „na terra“, auf dem Land, mit ihnen.

Nun hat man das Problem langsam erkannt und mit Hilfe der Europäischen Union will man nun kräftig in die Infrastruktur investieren, um junge Leute wieder in den alten Ortschaften anzusiedeln.
Bleibt nur zu hoffen, dass es dafür nicht schon ein bisschen zu spät ist.