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Dienstag, 9. Dezember 2014

Das Welterbe der UNESCO in Portugal


Als Ende November dieses Jahres die UNESCO den originellen Chorgesang Cante Alentejano auf ihre Liste des Immateriellen Kulturwelterbes setzte, war diese prestigeträchtige Liste um eine kulturelle Tradition und Ausdrucksform reicher.
Nach dem Fado ist der Cante Alentejano die zweite portugiesische darstellende Kunst die es auf die Liste des Immateriellen Kulturerbes geschafft hat.

Die Liste des UNESCO-Welterbes umfasst aber nicht nur diese zwei portugiesischen Kulturformen, sondern auch 14 Weltkulturdenkmäler und ein Weltnaturdenkmal.
Außerdem sind im Rahmen des im Jahre 1992 gegründeten Programms „Memory of the World“ (port.: „Memória do Mundo“ / dt.: „Gedächtnis der Welt“) auch fünf wertvolle portugiesische Handschriften oder Handschriftensammlungen in das Weltdokumentenerbeverzeichnis aufgenommen worden.

Hier nun die Liste des gesamten UNESCO-Welterbes in Portugal:

Weltkulturerbe (port.: Património Mundial da Cultura)

-   Kloster der Heiligen Maria von Alcobaça
Das Kloster von Alcobaça (port.: Mosteiro de Santa Maria de Alcobaça) wurde im Jahre 1989 in die Weltkulturerbeliste aufgenommen. Aus dem 12. Jahrhundert stammend, beherbergt die riesige Zisterzienserklosteranlage, außer den üblichen Wirtschaftsräumen eines Klosters, fünf Kreuzgänge, sieben Dormitorien, eine Bibliothek und die größte Kirche Portugals
(lesen sie hierzu bitte auch meinen Blogeintrag „Alcobaça“ vom 17. November 2013)

-   Weinanbaugebiet des Alto Douro
Das steile Tal des Alto Douro und seine Weinanbaukultur (port.: Região Vinhateira do Alto Douro) sind seit 2001 Weltkulturerbe. Mit den Tälern weniger Nebenflüsse bildet der Alto Douro das älteste gesetzlich abgegrenzte Weinanbaugebiet der Welt! Es beginnt 100 km östlich der Stadt Porto und zieht sich über 120 km in Richtung spanisch-portugiesische Grenze. Nur in dieser Region, die auch als „País do Vinho“ (dt.: Weinland)  bezeichnet wird und in der seit über 2.000 Jahre Weinanbaukultur praktiziert wird, darf u. a. der weltberühmte Portwein angebaut werden.

-   Historisches Stadtzentrum von Angra do Heroismo
Die Stadt Angra do Heroismo, auf der Azoreninsel Terceira, ist die erste portugiesische Stadt die außerhalb Festlandportugals im Jahre 1534 gegründet wurde. Das historische Stadtzentrum von Angra do Heroismo hat mehrere besuchenswerte stattliche Barockbauten, eine schöne Kathedrale und eine mächtige Burg, den Castelo de São João Baptista, von dem man eine prächtige Panoramasicht über die Stadt hat. Bis 1822 war Angra do Heroismo die Hauptstadt der Azoren, bis es dann von Ponta Delgada, auf der Azoreninsel São Miguel, abgelöst wurde. Aber noch heute gilt die Stadt, die 1983 auf die Weltkulturerbeliste aufgenommen wurde, als der kulturelle Mittelpunkt der Azoren
(lesen sie hierzu auch bitte meinen Blogeintrag „Die Azoreninsel Terceira“ vom 8. September 2009)

-   Weinanbaukultur der Azoreninsel Pico
Der jungvulkanische Boden der Azoreninsel Pico ist auf weiten Stecken völlig ohne Humusdecke, was kaum eine erträgliche Landwirtschaft zulässt. Agrarisch ertragreich ist lediglich der Weinanbau an den mühevoll bearbeiteten Hängen des Pico Alto, einem noch heute tätigen Vulkan der mit 2.351 m die höchste Erhebung Portugals ist. Seit dem 15. Jahrhundert ist Pico für seine exquisiten Weine berühmt. Im Jahre 2004 nahm die UNESCO die Weinanbaukultur der Azoreninsel Pico (port.: Cultura da Vinha da Ilha do Pico) in ihre Welterbeliste auf
(lesen sie hierzu auch bitte einem Blogeintrag „Die Azoreninsel Pico“ vom 05. September 2009)

-   Kloster von Batalha
Die schlichte Stadt Batalha, zwischen Lissabon und Coimbra in einem fruchtbaren Talkessel des Flusses Lena gelegen, wäre wohl kaum jemanden bekannt, gäbe es da nicht das ehemalige Dominikanerkloster der Heiligen Maria der siegreichen Schlacht (port.: Mosteiro de Santa Maria da Vitótia da Batalha). Das sich an der Nordseite des Ortes erhebende Kloster wurde 1387 von König João I auf Grund eines Gelübdes gegründet, das er am 14. August 1385, zu Beginn der für die Unabhängigkeit Portugals vom Königreich Kastilien siegreichen und entscheidenden Schlacht von Aljubarrota, abgelegt hatte. Das Kloster von Batalha ist das große steinerne Freiheitsdenkmal der Portugiesen. Es wurde im Jahre 1840 zum Nationaldenkmal erklärt und ist seit 1983 Weltkulturerbe
(lesen sie hierzu auch meinen Eintrag „Batalha“ vom 21. Juni 2011)

-   Universität von Coimbra
In der Altstadt von Coimbra befindet sich die ehrwürdige Universität von Coimbra (port.: Universidade de Coimbra), mit all ihren alten Universitätsgebäuden, ihrer Universitätskirche, ihrer grandiosen Bibliothek und dem angrenzenden Botanischen Garten. Sie ist die älteste und bedeutendste Universität Portugals und eine der renommiertesten in Europa. Die Universität ist auch heute, über 700 Jahre nach ihrer Gründung, mit ihren Studenten ein kultureller und wissenschaftlicher Mittelpunkt Portugals
(lesen sie hierzu auch meine zwei Blogeinträge „Die Universität von Coimbra“ vom 18. Januar 2012 und „Coimbras Universität ist Weltkulturerbe“ vom 22. Juni 2013)

-   Die Stadt Elvas und ihre Befestigungsanlagen
Nahe der spanisch-portugiesischen Grenze liegt die alte Garnisonsstadt Elvas, mit ihren 220 registrierten Baudenkmälern. Als Stützpunkt gegen das nahe gelegene spanische Badajoz wurde die „Königin der Grenze“, wie die Stadt auch genannt wird, seit dem späten Mittelalter mit immer umfangreicheren Mauern befestigt und im 17. und 18. Jahrhundert mit mächtigen Forts gesichert, die zu den eindruckvollsten ihrer Zeit in Portugal gehören. Die Befestigungsanlagen von Elvas sind die größten und besterhaltenen der Welt! Seit 2012 ist diese alte Stadt Weltkulturerbe der UNESCO
(lesen sie hierzu bitte meinen Eintrag „Elvas, die Königin der Grenze, ist auch UNESCO-Weltkulturerbe“, vom 01. Juli 2012)

-   Historisches Stadtzentrum von Évora
Évora, die ehemalige Hauptstadt der Provinz Alentejo, steht seit dem Jahre 1986 auf der Liste des Weltkulturerbes. Die Stadt wird hier in Portugal wegen ihrer vielen historisch bedeutenden Bauwerke, darunter zahlreiche Stadtpaläste, Kirchen und Klöster, auch stolz „Cidade Museu“ (dt.: Museumsstadt) genannt
(lesen sie hierzu auch bitte meinen Blogeintrag „Évora“ vom 11. November 2011)

-   Historisches Stadtzentrum von Guimarães
Guimarães, die Geburtsstadt des ersten portugiesischen Königs, Afonso Henriques I, war die erste Hauptstadt Portugals und trägt hierzulande auch den Beinamen „Berço da Nação“ (dt.: Wiege der Nation). Die recht malerische Altstadt von Guimarães mit ihrer stattlichen Burg, ihren zahlreichen Stadtpalästen, Kirchen, Klöstern und ihren blumengeschmückten Granithäusern ist seit 2001 Weltkulturerbe der UNESCO
(lesen sie hierzu bitte auch meinen Blogeintrag „Guimarães“ vom 02. Januar 2012)

-   Turm von Belém und Hieronymuskloster in Lissabon
Belém, der südwestlichste Stadtteil Lissabons, ist wegen seiner großartigen historischen Baudenkmäler und höchst sehenswerten Museen berühmt. Die zwei wohl bekanntesten Bauwerke Lissabons, der Turm von Belém (port.: Torre de Belém) und das ehemalige Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos) liegen in diesem Stadtteil. Beide Bauwerke sind bedeutende Beispiele manuelistischer Baukunst und eindrucksvolle Symbole für Portugals Macht und Reichtum zur Zeit der kolonialen Eroberungen. Sowohl der Turm als auch das Kloster sind seit 1983 Weltkulturerbe

-   Historisches Stadtzentrum von Porto
Die historische Altstadt von Porto (port.: Centro Histórico do Porto), der zweitgrößten Stadt Portugals, beherbergt mehrere bedeutende Bauwerke, wie etwa die gut erhaltene Stadtmauer, die imposante romanische Kathedrale, den neo-klassischen Börsenpalast oder die barocke Kirche Igreja dos Clérigos mit dem Wahrzeichen der Stadt, der Torre dos Clérigos, dem höchsten Kirchenglockenturm Portugals. Seit 1996 gehört das historische Stadtzentrum Portos zum Weltkulturerbe

-   Kulturlandschaft Sintra
Die von der UNESCO im Jahre 1995 qualifizierte Kulturlandschaft von Sintra (port.: Paisagem Cultural de Sintra) beinhaltet die Altstadt von Sintra und das romantische Sintragebirge mit all seinen exotischen Parks und prächtigen Gärten und den vielen architektonisch-einzigartigen Palästen, den jahrhundertealten Klöstern und den märchenhaften Schlössern
(lesen sie hierzu auch meinen Eintrag „Sintra“ vom 23. Juli 2013)

-   Christuskloster in Tomar
Die Tempelrittermönche des 1162 gegründeten Christusritterordens (port.: Ordem de cavalharia de Nosso Senhor Jesus Cristo) sind verantwortlich für den Bau der Klosteranlage von Tomar, die aus einer umfangreichen Gruppe imposanter und reich verzierter Gebäude des 12. bis 17. Jahrhunderts besteht. Einst „zur Verteidigung des Glaubens“ von den Tempelrittern erbaut, erlebte das im gotisch-manuelistischem Stil erbaute Christuskloster (port.: Convento de Cristo) unter seinen Großmeistern Heinrich dem Seefahrer und König Manuel I seine größte Blüte. Das Christuskloster wurde 1983 auf die Weltkulturerbeliste aufgenommen

-   Archäologischer Park im Tal des Côa
Im Nordosten Portugals befindet sich das Tal des Flusses Côa. In den steinernen Uferhängen dieses Flusstals wurden Ende des letzten Jahrhunderts mehrere Tausend eingravierte Felszeichnungen aus prähistorischer Zeit, manche von ihnen gut 30.000 Jahre alt, entdeckt. Diese Felsmalereien erstrecken sich über insgesamt 17 km im ganzen Tal und zeigen vor allem Tiermotive, wie man sie bisher nur aus Höhlen und Felsengrotten Mitteleuropas her kannte. Die prähistorischen Felsmalereien stehen seit 1998 auf der Liste des UNESCO-Welterbes

Weltnaturerbe (port.: Património Mundial da Natureza)

-   Der Lorbeerwald von Madeira
Der Lorbeerwald Madeiras bedeckt 20 % der Insel, also gut 150 qkm. Er besteht aus 20 verschiedenen, für die Insel charakteristischen Baumarten, wie z.B. den Madeira-Lorbeer (port.: vinhático / latein.: Persea indica), den Madeira-Holunder (port.: sabugueiro madeirense / latein.: Sambucus lanceolata), den Barbusano (port.: barbusano / latein.: Apollonias barbujana) oder den Stinklorbeer (port.: til / latein.: Ocotea foetens), sowie aus verschiedenen Farnarten. Im Dezember 1999 wurde dieser einzigartige Urwald zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt

Immaterielles Weltkulturerbe (port.: Património Cultural Imaterial da Humanidade)

-   Fado
Der Musikstil des Fado wurde 2011 von der UNESCO zum Immaterielles Kulturerbe der Menschheit (port.: Patrimônio Cultural Imaterial da Himanidade) ernannt. Er ist wohl der portugiesischste aller Musikstile in Portugal. Der Fado ist voller Schmerz und Sehnsucht, und handelt meistens von nicht erfüllter Liebe, vom Unglück, vom Schicksal und alten, verlorenen Zeiten. Dennoch ist der Fado, trotz dieser ganzen negativen Gefühle, voller Hoffnung und Leben. Da der Fado die wehmütigen Sehnsuchtsgefühle der Portugiesen so praktisch musikalisch symbolisiert, wird er oftmals – und das zu Recht – als „die Seele Portugals“ (port.: „a alma de Portugal“) bezeichnet
(lesen sie hierzu auch bitte meinen Blogeintrag „Weltkulturerbe Fado“ vom 27. November 2011)

-   Chorgesang Cante Alentejano
Auf den Tag genau drei Jahre nach dem Fado wurde der portugiesische Musikstil des Cante Alentejano im Jahre 2014 auf die Weltkulturerbeliste von der UNESCO gesetzt.
Der Cante Alentejano ist ein Chorgesang der ohne Instrumente in einem langsamen Tempo und in einem charakteristischen harmonisch-monotonem Takt gesungen wird. Fast immer handeln die vorgetragenen Lieder vom Alltag, von der Liebe, der Freundschaft und dem schweren Arbeitsalltag im Alentejo.
(lesen sie hierzu bitte auch meinen Blogeintrag „Weltkulturerbe Cante Alentejano“ vom 27. November 2014)

Weltdokumentenerbe (port.: Programa Memória do Mundo)

-   Brief über die Entdeckung Brasilien
Der Brief über die Entdeckung Brasiliens am 22. April 1500 (port.: Carta do Achamento do Brasil) ist ein dokumentarischer Bericht des Seefahrers Pedro Álvares Cabral an den portugiesischen König Manuel I. In diesem mit dem 01. Mai 1500 datierten Brief beschrieb der Chronikschreiber Pêro Vaz de Caminha an den König in Portugal die ersten Eindrücke der Portugiesen in der neu entdeckten Welt, ihre erste Begegnung mit den Ureinwohnern und ihre ersten Einblicke in die neue, unbekannte Flora und Fauna Südamerikas. Der vierzehn Seiten doppeltbeschriftete lange Brief, der eigentlich eine Art Chronik ist, befindet sich heute im portugiesischen Nationalarchiv Torre do Tombo und gilt als das erste literarische Dokument Brasiliens. Die UNESCO nahm den Brief über die Entdeckung Brasiliens im Jahre 2005 in die Weltdokumentenerbeliste auf
(bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogbeitrag „Pero Vaz de Caminha“ vom 20. Februar 2012)

-   Vertrag von Tordesilhas
Der Vertrag von Tordesilhas (port.: Tratado de Tordesilhas), der am 07. Juni 1494 nach langwierigen Verhandlungen zwischen Portugal und Spanien abgeschlossen wurde, gilt als die dokumentierte Abschlussvereinbarung zwischen diesen beiden Königreichen, die damalige bekannte Welt untereinander aufzuteilen und die Hälfte des anderen zu respektieren. Der Vertrag von Tordesilhas gilt somit als der erste „Nichtangriffspakt“ zwischen Portugal und Spanien. Der Vertrag befindet sich heute im portugiesischen Nationalarchiv der Torre do Tombo und ist seit 2007 ein Welterbedokument

-   Chronologische Manuskriptsammlung „Corpo Cronologico“
Der „Corpo Cronologico“ ist eine Sammlung von verschiedenen Dokumenten und Manuskripten die zwischen 1756 und 1784 vom damaligen Leiter des Nationalarchivs Torre do Tombo, Manuel da Maia, zusammengetragen wurden. Die Sammlung umfasst insgesamt 83.212 verschiedene Verträge, Manuskripten und Dokumente des portugiesischen Staates die zwischen den Jahren 1161 und 1696 verfasst wurden.
Der Tatsache, das Manuel da Maia seinerseits die Schriftstücke alle chronologisch archivierte, versankt die Sammlung ihren Namen „Corpo Cronologico“. Seit 2007 ist die Sammlung, die sich weiterhin im Nationalarchiv Torre do Tombo befindet, Welterbedokument der UNESCO

-   Bericht der Flugpioniere Gago Coutinho und Sacadura Cabral
Im Jahre 1922 unternahmen die portugiesischen Flugpioniere Carlos Viegas Gago Coutinho und Artur de Sacadura Cabral den ersten Südatlantikflug der Geschichte. Am 30.März 1922 flogen beide Piloten mit ihrem Wasserdoppeldeckerflugzeug „Santa Cruz“ von Lissabon nach Rio de Janeiro in Brasilien. Über ihre Flugreise schrieben sie einen detaillierten Bericht (port.: Relatório dos aeronautas Gago Coutinho e Sacadura Cabral), der dann im Jahre 2010 als Welterbedokument von der UNESCO in ihre Liste aufgenommen wurden. Der Bericht der beiden Flugpioniere Coutinho und Cabral befinden sich heute im Archiv der Marinebibliothek in Lissabon

-   Reisetagebuch der ersten Indienfahrt des Vasco da Gama
Als der Seefahrer und Entdecker Vasco da Gama am 20. Mai 1498 seinen Fuß auf dem indischen Subkontinent setzte, hatte er als erster Mensch den Seeweg nach Indien entdeckt. Seine Reise hatte am 08. Juli 1497 in der portugiesischen Hauptstadt begonnen und erst zwei Jahre später, am 10. Juli 1499, segelte er wieder in Lissabon ein. Über seine Entdeckungsreise nach Indien verfasste er ein Reisetagebuch (port.: Diário da primeira viagem de Vasco da Gama), welches er später König Manuel I vorlegte. Dieses Reisetagebuch seiner ersten Indienfahrt ist 2013 von der UNESCO auf die Welterbedokumentenliste gesetzt worden. Es wird heute im Archiv der Stadtbibliothek von Porto aufbewahrt

Und hier nun eine Liste der von der portugiesischen Regierung nominierten Bauwerke und Naturschauplätze für eine zukünftige Bewerbung als Weltkultur- und Weltnaturerbe bei der UNESCO:

- die vulkanische Schachthöhle Angar do Carvão auf der Azoreninsel Terceira
- das historische Stadtzentrum von Santarém
- die Schwefelhöhle Furna do Enxofre auf der Azoreninsel Graciosa
- die von mittelalterlichen Mauern umgebene Kleinstadt Marvão und der kleine Berg auf dem es liegt
- die kleine unbewohnte Inselgruppe Ilhas Selvagens (dt.: Wilde Inseln) im Atlantik, vor der Küste Afrikas
- der Naturpark Südöstliche Alentejoküste im Alentejo
- die Lissabonner Unterstadt Baixa (port.: Baixa Pombalina)
- die Schloss- und Klosteranlage des Nationalpalastes von Mafra (port.: Palácio Nacional de Mafra)
- die Ortschaft Buçaco und das Waldgebiet in dem es liegt
- der Naturpark der Serra Arrábida
- die Dinosaurierfußspuren im Naturpark von Ourém-Torres Novas (port.: Parque Natural das Pegadas de Dinossáurio de Ourém-Torres Novas)

Dienstag, 7. Januar 2014

Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung


Ich bin heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit klitschenass geworden, denn ein orkanartiger Sturm zieht gegenwärtig über Portugal.

Seit Tagen herrscht eine raue See an der ganzen Küste Portugals und durch das aufgewühlte Meer trauen sich die Fischer seit Tagen nicht mehr auf den Atlantik hinaus.
Mehrere durch den starken Wind und die meterhohe Wellen verursachte Überschwemmungen haben viele Strandrestaurants und Wohnhäuser landesweit zerstört, etliche Dächer abgedeckt und Windböen Fenster eingeschlagen.
Zahlreiche Bäume, Strom- und Telefonmaste knickten um und fielen so den extremen Wetterkapriolen zum Opfer.
Auf den eher gemäßigten Azoreninseln Faial und Pico ist, Dank der polaren Luft die gerade über Nordamerika zieht, sogar schon Schnee gefallen.
Im Norden Portugals, an der Douromündung bei Porto, wurden gestern über 60 Autos durch eine riesige Welle weggeschwemmt und vier Menschen wurden dabei verletzt.
Zum Glück gab es aber keine Toten zu beklagen.
Noch im Dezember sah es anders aus.
Letzten Monat wurden nämlich insgesamt zwölf Menschen hier im Lissabonner Raum durch Riesenwellen ins Meer gerissen und kamen dabei ums Leben.

Für die nächsten Tage ist in ganz Kontinentalportugal weiterhin mit einer dichten Bewölkung zu rechnen, aber der Wind und der Regen werden wohl nachlassen, so das portugiesische Wetteramt.
Wollen wir mal hoffen, das die Herren Meteorologen recht behalten, denn das schlechte Wetter hat mich heute einen Regenschirm gekostet, was zur Konsequenz hatte, das meine Klamotten durchnässt waren, als ich auf Arbeit erschien.
Aber vielleicht hätte ich mich besser gegen den Regen wappnen müssen, getreu dem alten deutschen Sprichwort:

„Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung!“
(port.: „Não há mau tempo, só roupa inadequada!“)

Samstag, 5. September 2009

Die Azoreninsel Pico




Auf der Insel Pico (Ilha do Pico) existiert eine eigene Welt, die im laufe der Jahrhunderte von Walfängern, Bauern und Fischern geschaffen wurde.

Die zweitgrößte Azoreninsel, die fünf Kilometer von der Nachbarinsel Faial und 18 Kilometer von der Insel São Jorge entfernt liegt, ist nach dem gleichnamigen 2.351 Meter hohen Vulkan Ponta do Pico, der höchsten Erhebung Portugals, benannt.

Die Hauptstadt und älteste Siedlung der Insel ist Lajes do Pico, ein ehemaliger Walfanghafen mit 2.500 Einwohnern.
Insgesamt leben auf Pico schätzungsweise 15.000 Menschen.
Die nächst größeren Siedlungen der Insel, sind São Roque und Madalena.
Pico gehört zur Zentralgruppe (Grupo Central) der Azoren.

Die Insel ist für drei Attraktionen, in und auch außerhalb Portugals, berühmt.

Da wäre zum einen natürlich der 2351 Meter hohe Ponta do Pico, der majestätisch aus dem Atlantik herausragt und dessen ungewöhnlich steiler Gipfel oft von Wolken umhüllt ist. Dieser heute noch aktive Vulkan ist zweifellos der Hauptanziehungspunkt der Insel.

Dann wäre da der Wein der Insel, der auf Grund der vulkanischen Erde, ein ausgeprägtes Aroma hat. Im 19. Jahrhundert wurde der Verdelho-Wein in allen Königs- und Fürstenhäuser Europas getrunken. Selbst der russische Zar und der deutsche Kaiser waren Liebhaber dieses Weines.
Der Weinbau auf Pico ist zweifelsohne eine herkulische Arbeit.
Zuerst muss der harte Lavaboden aufgebrochen werden und dann müssen die schweren Lavasteine zu Mauern geschichtet werden, die die einzelnen Weinstöcke vor den starken Atlantikwinden schützen sollen.
Im Jahre 2004 wurde die Weinbaukultur der Insel, von der UNESCO, als Weltkulturerbe in ihre Liste aufgenommen.

Die dritte Attraktion für die Pico weltberühmt ist, ist schließlich das „Whale-watching“.
Auf Pico hat sich seit dem Ende des letzten Jahrhunderts ein Zentrum für die sanfte „Walbeobachtung“ entwickelt.
Von Lajes und Madalena starten Boote und Schiffe um Meeressäuger, wie Blau-, Pott- und Grauwale und Delfine, zu beobachten. Die Insel zählt heute zu den weltweit besten Walbeobachtungsgebieten.

An den ehemaligen Walfang erinnern heute nur noch die Museen, die filigrane Schnitzereien und Gravuren aus Walzähnen und Walknochen präsentieren.
Bis ins 19. Jahrhundert hinein kamen amerikanische Walfänger nach Pico, um Wale zu jagen und Harpuniere anzuheuern.
Danach gingen die Inselbewohner mit schlanken Ruderbooten selber auf Walfang. Der Kampf zwischen Mensch und Meeresriesen endete nicht selten in einer Tragödie.

Glücklicherweise sind diese Zeiten vorbei!

Inseln der Glückseeligkeit: Die Azoren






Für Menschen wie mich, die die Natur lieben, sind die Azoreninseln (Ilhas dos Açores) ein wahres Paradies.
Hier gibt es tiefblaue Seen, eine unglaublich reiche Blumen- und Pflanzenwelt, hohe Berge, pittoreske Dörfer und Städte, erloschene Vulkane und einen Ozean, der viele Möglichkeiten zum Segeln, Tauchen, Hochseeangeln, Surfen und auch für Beobachtungstouren auf Wale und Delfine bietet.
Und auf den Azoren gibt es etwas, was man heute nur noch selten in Europa findet: eine Stille und einen Frieden, der schon fast idyllisch ist.

Und diese Stille und diesen Frieden verdanken die neun Azoreninseln der Tatsache, dass die dortige Bevölkerung aus Menschen besteht, die im vollen Einklang mit der Natur und ihren Traditionen leben und natürlich der Tatsache dass die Inseln Mitten im weiten Ozean liegen.
Wie Trittsteine in einem großen Teich im weiten Atlantik sehen sie vom Flugzeug aus. Auf der Landkarte stolpert man über sie, wenn der Finger auf dem 40. Breitengrad entlangfährt.
Da sind sie, in der Mitte zwischen New York und Lissabon. Gut 2100 Kilometer liegt dieses Archipel von Europa entfernt. Von Amerika trennen ihn rund 3600 Kilometer. Die neun Azoreninseln bilden, mit der Insel Madeira, eine der zwei Autonomen Regionen Portugals (Região Autónoma dos Açores). Die Verwaltungshauptstadt ist Ponta Delgada auf São Miguel.

Die größte Azoreninsel ist São Miguel (deutsch: Sankt Michael).
Sie ist berühmt für ihre klaren Seen, die vielen Hortensien und die heißen vulkanischen Quellen.
Südlich von São Miguel liegt die Insel Santa Maria (deutsch: Heilige Maria).
Auf Santa Maria liegen die steilen Weinterrassen von São Lourenço und die Engelskapelle (Capela dos Anjos), in der Kolumbus, nach seiner ersten Amerikaentdeckungsreise, betete.
São Miguel und Santa Maria bilden die Ostgruppe (Grupo Oriental) der Azoren.

Die Zentralgruppe (Grupo Central) besteht aus fünf Inseln, die alle relativ dicht beieinander liegen.
Da wären zum einen die Insel Terceira (deutsch: die Dritte), mit der Hauptstadt Angra do Heroismo, die zum Weltkulturerbe gehört.
Dann die Insel Faial (deutsch: Buchenwald) mit ihren ausgedehnten Buchenwäldern, den blauen Hortensien und den, unter Seglern, weltberühmten Jachthafen.
Die Insel Pico (deutsch: Spitze) ragt, wie ihr Name schon sagt, spitz aus dem Atlantik heraus. Die gleichnamige Montanha do Pico (deutsch: Berg Pico) ist, mit 2.352 Metern, überhaupt die höchste Erhebung Portugals.
Das Landschaftsbild auf der Insel São Jorge (deutsch: Heiliger Georg) ist geprägt von den immergrünen Weiden und den kleinen Landzungen am Fuße kleiner Küstenhänge in denen nur wenige Einwohner leben, den so genannten Fajãs.
Die Insel Graciosa (deutsch: Die Anmutige oder die Reizende) ist die kleinste Insel der Zentralgruppe der Azoren. Sie ist berühmt für ihre Weinberge, auf denen rote und weiße Windmühlen stehen.

Die Inseln Flores (deutsch: Blumen) und Corvo (deutsch: Rabe) bilden die Westgruppe (Grupo Ocidental) der Azoren.
Flores heißt nicht umsonst die „Blumeninsel“. Sie ist ein einziger schwimmender Garten, Mitten im Atlantik.
Corvo schließlich ist die kleinste der neun Azoreninseln, aber gleichzeitig einer der zauberhaftesten, mit ihrem wunderschönen Vulkankegel.
Diese zwei westlichsten Inseln gehören kurioserweise geologisch bereits zur Nordamerikanischen Kontinentalplatte.

Als ich vor Jahren die Azoreninsel São Miguel besuchte, fühlte ich mich wie im Garten Eden.
Nirgendwo in Europa habe ich, zuvor und auch danach, jemals so schöne Naturlandschaften gesehen, wie dort.

Dies muss auch Diogo de Silves gedacht haben, als er 1427 im Auftrag von Heinrich dem Seefahrer (Henrique o Navegador), die Inseln entdeckte und für Portugal in Besitz nahm.
Er nannte die gerade entdeckten Eilande „Ilhas dos Açores“, was ins deutsche übersetzt „Habichtsinseln“ heißt, nach den vielen „Habichten“ die auf den Inseln lebten. Erst später stellte er fest, dass es sich bei den Habichten eigentlich um Bussarde handelte. Der Name blieb aber auch nach der Entdeckung des Irrtums bestehen, sonst würden die Inseln heute nicht Ilhas dos Açores heißen, sondern „Ilhas dos Busardos“.

Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts sind die Inseln bewohnt. Und seit ihrer Entdeckung, spielen die Inseln, Mitten im Atlantik, eine wichtige strategische und wirtschaftliche Rolle. Die ersten Einwohner der Azoren kamen aus den portugiesischen Provinzen Algarve, Minho und Alentejo, sowie aus dem niederländischen Flandern und der französischen Bretagne.
Der Anbau von Ananas, Zitrusfrüchten, Tee, Pastellpflanzen und Tabak machten die Inseln zur europäischen Schatzkammer der portugiesischen Krone im 17. und 18. Jahrhundert. Auch der Walfang florierte hier, wie nirgendwo anders in Europa.
Mit der zunehmenden Schiff- und Luftfahrt, im 19. und 20. Jahrhundert, wurden die Azoren zum Anlaufplatz für die aufkommende Dampfschifffahrt und die Transatlantikflüge zwischen Europa und Amerika.

Auch während des Zweiten Weltkrieges waren die Azoren unersetzlich. Sie waren der erste Anlaufpunkt der Amerikaner, auf ihrem Weg nach Europa. Noch heute haben die Amerikaner in Lajes, auf der Insel Terceira, eine Militärbasis (Base Militar das Lajes) die sie ihr Eigen nennen.

Heute sind vor allem die Landwirtschaft, die Fischerei und der Ökotourismus die wichtigsten Wirtschaftszweige der Inseln.

Die Azoren verfügen, bedingt durch die ozeanische Lage und zudem unter dem Einfluss des nördlich vorüberziehenden Golfstroms, über ein extrem gemäßigtes subtropisches Klima. Die Temperaturen unterbieten kaum die 14°C im Winter und übersteigen selten die 22°C im Sommer.
In der Wetterkunde spielen die Azoren eine wichtige Rolle, da sich in ihrem Raum häufig sehr stabile Hochdruckzonen ausbilden, deren Einfluss bis Deutschland und dem restlichen Mitteleuropa reicht und, dort als „Azorenhoch“ bekannt, für beständige schöne Witterung sorgt.
Seltener, und weniger schön, sind dagegen die „Azorentiefs“.

Auf den Azoren leben ungefähr 250.000 Menschen. Die Einwohner sind wie folgt auf die Inseln verteilt:

- São Miguel 132.000 Einwohner
- Santa Maria 6.000 Einwohner
- Faial 18.000 Einwohner
- São Jorge 11.000 Einwohner
- Pico 15.000 Einwohner
- Terceira 58.000 Einwohner
- Graciosa 5.000 Einwohner
- Flores 4.000 Einwohner
- Corvo 425 Einwohner