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Sonntag, 6. Dezember 2015

Nikolaustag und Zweiter Advent 2015


Der Zweite Advent, der dieses Jahr auf den 06. Dezember fällt, ist somit auch der Tag des Heiligen Nikolaus.
Der Nikolaustag (port.: Dia de São Nicolau), der vor allem in Deutschland von unzähligen Kindern und Junggebliebenen sehnsüchtig erwartet wird und von dem sie hoffen, wenn sie ihre sauberen Stiefel vor die Haustür stellen, er würde diese mit Schokolade, Nüssen, Orangen, Äpfel oder gar einem kleinen Geschenk füllen, wird hier in Portugal in keinster Weise vom Nachwuchs gefeiert und so zelebriert wie in Deutschland.

Der Heilige Nikolaus, der oftmals mit dem Weihnachtsmann verwechselt wird, wurde im 4. Jahrhundert im Gebiet der heutigen Türkei geboren, wo er als Bischof von Myra wirkte und wo er zahlreiche Wunder bewirkt haben soll.
Eines dieser Wunder besagt das einmal, bei einem Seesturm in Not geratene Seeleute, den heiligen Nikolaus um Hilfe riefen und dieser dann plötzlich auf dem Schiff erschien, das Schiff rettete und die Seemänner sicher an Land brachte.
Seitdem, also dem 4. Jahrhundert, gilt der Heilige Nikolaus als Schutzpatron (port.: padroeiro) der Seefahrt.
Und hier in Portugal, wo die Seefahrt seit jeher eine wichtige Rolle gespielt hat, wurde und wird der Nikolaus eher von Matrosen, Schiffseignern oder Seefahrern gefeiert.

In Nordportugal, in der Stadt Guimarães, werden, so ist es urkundlich belegt, seit dem Jahr 1664 um den Nikolaustag herum, von den männlichen Studenten der Stadt – anscheinend scheint die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau bei den Studenten von Guimarães noch nicht vorgedrungen zu sein! – die „Festas Nicolinas“ (dt.: Nikolausfeiern oder Nikolausfestlichkeiten) gefeiert. Bei diesen jahrhundertealten Festlichkeiten feiern die Studenten ihren Schutzpatron mit Musik und Gesang.
Sie ziehen durch die zahlreichen Gassen und Gässchen der Stadt, stimmen die „Toques Nicolinos“ (dt.: Nikolausklänge) mit ihren Trommeln und Blasinstrumenten an und nehmen dann alle an den traditionellen und animierten Abendessen der Studentenvereinigungen (port.: Ceias Nicolinas) in den zahlreichen Restaurants der Altstadt teil.

Aber, ob nun Nikolaustag oder Zweiter Advent, ich hoffe alle meine Leser und Freunde, haben heute einen geruhsamen, besinnlichen und schokosüßen Tag.

Dienstag, 9. Dezember 2014

Das Welterbe der UNESCO in Portugal


Als Ende November dieses Jahres die UNESCO den originellen Chorgesang Cante Alentejano auf ihre Liste des Immateriellen Kulturwelterbes setzte, war diese prestigeträchtige Liste um eine kulturelle Tradition und Ausdrucksform reicher.
Nach dem Fado ist der Cante Alentejano die zweite portugiesische darstellende Kunst die es auf die Liste des Immateriellen Kulturerbes geschafft hat.

Die Liste des UNESCO-Welterbes umfasst aber nicht nur diese zwei portugiesischen Kulturformen, sondern auch 14 Weltkulturdenkmäler und ein Weltnaturdenkmal.
Außerdem sind im Rahmen des im Jahre 1992 gegründeten Programms „Memory of the World“ (port.: „Memória do Mundo“ / dt.: „Gedächtnis der Welt“) auch fünf wertvolle portugiesische Handschriften oder Handschriftensammlungen in das Weltdokumentenerbeverzeichnis aufgenommen worden.

Hier nun die Liste des gesamten UNESCO-Welterbes in Portugal:

Weltkulturerbe (port.: Património Mundial da Cultura)

-   Kloster der Heiligen Maria von Alcobaça
Das Kloster von Alcobaça (port.: Mosteiro de Santa Maria de Alcobaça) wurde im Jahre 1989 in die Weltkulturerbeliste aufgenommen. Aus dem 12. Jahrhundert stammend, beherbergt die riesige Zisterzienserklosteranlage, außer den üblichen Wirtschaftsräumen eines Klosters, fünf Kreuzgänge, sieben Dormitorien, eine Bibliothek und die größte Kirche Portugals
(lesen sie hierzu bitte auch meinen Blogeintrag „Alcobaça“ vom 17. November 2013)

-   Weinanbaugebiet des Alto Douro
Das steile Tal des Alto Douro und seine Weinanbaukultur (port.: Região Vinhateira do Alto Douro) sind seit 2001 Weltkulturerbe. Mit den Tälern weniger Nebenflüsse bildet der Alto Douro das älteste gesetzlich abgegrenzte Weinanbaugebiet der Welt! Es beginnt 100 km östlich der Stadt Porto und zieht sich über 120 km in Richtung spanisch-portugiesische Grenze. Nur in dieser Region, die auch als „País do Vinho“ (dt.: Weinland)  bezeichnet wird und in der seit über 2.000 Jahre Weinanbaukultur praktiziert wird, darf u. a. der weltberühmte Portwein angebaut werden.

-   Historisches Stadtzentrum von Angra do Heroismo
Die Stadt Angra do Heroismo, auf der Azoreninsel Terceira, ist die erste portugiesische Stadt die außerhalb Festlandportugals im Jahre 1534 gegründet wurde. Das historische Stadtzentrum von Angra do Heroismo hat mehrere besuchenswerte stattliche Barockbauten, eine schöne Kathedrale und eine mächtige Burg, den Castelo de São João Baptista, von dem man eine prächtige Panoramasicht über die Stadt hat. Bis 1822 war Angra do Heroismo die Hauptstadt der Azoren, bis es dann von Ponta Delgada, auf der Azoreninsel São Miguel, abgelöst wurde. Aber noch heute gilt die Stadt, die 1983 auf die Weltkulturerbeliste aufgenommen wurde, als der kulturelle Mittelpunkt der Azoren
(lesen sie hierzu auch bitte meinen Blogeintrag „Die Azoreninsel Terceira“ vom 8. September 2009)

-   Weinanbaukultur der Azoreninsel Pico
Der jungvulkanische Boden der Azoreninsel Pico ist auf weiten Stecken völlig ohne Humusdecke, was kaum eine erträgliche Landwirtschaft zulässt. Agrarisch ertragreich ist lediglich der Weinanbau an den mühevoll bearbeiteten Hängen des Pico Alto, einem noch heute tätigen Vulkan der mit 2.351 m die höchste Erhebung Portugals ist. Seit dem 15. Jahrhundert ist Pico für seine exquisiten Weine berühmt. Im Jahre 2004 nahm die UNESCO die Weinanbaukultur der Azoreninsel Pico (port.: Cultura da Vinha da Ilha do Pico) in ihre Welterbeliste auf
(lesen sie hierzu auch bitte einem Blogeintrag „Die Azoreninsel Pico“ vom 05. September 2009)

-   Kloster von Batalha
Die schlichte Stadt Batalha, zwischen Lissabon und Coimbra in einem fruchtbaren Talkessel des Flusses Lena gelegen, wäre wohl kaum jemanden bekannt, gäbe es da nicht das ehemalige Dominikanerkloster der Heiligen Maria der siegreichen Schlacht (port.: Mosteiro de Santa Maria da Vitótia da Batalha). Das sich an der Nordseite des Ortes erhebende Kloster wurde 1387 von König João I auf Grund eines Gelübdes gegründet, das er am 14. August 1385, zu Beginn der für die Unabhängigkeit Portugals vom Königreich Kastilien siegreichen und entscheidenden Schlacht von Aljubarrota, abgelegt hatte. Das Kloster von Batalha ist das große steinerne Freiheitsdenkmal der Portugiesen. Es wurde im Jahre 1840 zum Nationaldenkmal erklärt und ist seit 1983 Weltkulturerbe
(lesen sie hierzu auch meinen Eintrag „Batalha“ vom 21. Juni 2011)

-   Universität von Coimbra
In der Altstadt von Coimbra befindet sich die ehrwürdige Universität von Coimbra (port.: Universidade de Coimbra), mit all ihren alten Universitätsgebäuden, ihrer Universitätskirche, ihrer grandiosen Bibliothek und dem angrenzenden Botanischen Garten. Sie ist die älteste und bedeutendste Universität Portugals und eine der renommiertesten in Europa. Die Universität ist auch heute, über 700 Jahre nach ihrer Gründung, mit ihren Studenten ein kultureller und wissenschaftlicher Mittelpunkt Portugals
(lesen sie hierzu auch meine zwei Blogeinträge „Die Universität von Coimbra“ vom 18. Januar 2012 und „Coimbras Universität ist Weltkulturerbe“ vom 22. Juni 2013)

-   Die Stadt Elvas und ihre Befestigungsanlagen
Nahe der spanisch-portugiesischen Grenze liegt die alte Garnisonsstadt Elvas, mit ihren 220 registrierten Baudenkmälern. Als Stützpunkt gegen das nahe gelegene spanische Badajoz wurde die „Königin der Grenze“, wie die Stadt auch genannt wird, seit dem späten Mittelalter mit immer umfangreicheren Mauern befestigt und im 17. und 18. Jahrhundert mit mächtigen Forts gesichert, die zu den eindruckvollsten ihrer Zeit in Portugal gehören. Die Befestigungsanlagen von Elvas sind die größten und besterhaltenen der Welt! Seit 2012 ist diese alte Stadt Weltkulturerbe der UNESCO
(lesen sie hierzu bitte meinen Eintrag „Elvas, die Königin der Grenze, ist auch UNESCO-Weltkulturerbe“, vom 01. Juli 2012)

-   Historisches Stadtzentrum von Évora
Évora, die ehemalige Hauptstadt der Provinz Alentejo, steht seit dem Jahre 1986 auf der Liste des Weltkulturerbes. Die Stadt wird hier in Portugal wegen ihrer vielen historisch bedeutenden Bauwerke, darunter zahlreiche Stadtpaläste, Kirchen und Klöster, auch stolz „Cidade Museu“ (dt.: Museumsstadt) genannt
(lesen sie hierzu auch bitte meinen Blogeintrag „Évora“ vom 11. November 2011)

-   Historisches Stadtzentrum von Guimarães
Guimarães, die Geburtsstadt des ersten portugiesischen Königs, Afonso Henriques I, war die erste Hauptstadt Portugals und trägt hierzulande auch den Beinamen „Berço da Nação“ (dt.: Wiege der Nation). Die recht malerische Altstadt von Guimarães mit ihrer stattlichen Burg, ihren zahlreichen Stadtpalästen, Kirchen, Klöstern und ihren blumengeschmückten Granithäusern ist seit 2001 Weltkulturerbe der UNESCO
(lesen sie hierzu bitte auch meinen Blogeintrag „Guimarães“ vom 02. Januar 2012)

-   Turm von Belém und Hieronymuskloster in Lissabon
Belém, der südwestlichste Stadtteil Lissabons, ist wegen seiner großartigen historischen Baudenkmäler und höchst sehenswerten Museen berühmt. Die zwei wohl bekanntesten Bauwerke Lissabons, der Turm von Belém (port.: Torre de Belém) und das ehemalige Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos) liegen in diesem Stadtteil. Beide Bauwerke sind bedeutende Beispiele manuelistischer Baukunst und eindrucksvolle Symbole für Portugals Macht und Reichtum zur Zeit der kolonialen Eroberungen. Sowohl der Turm als auch das Kloster sind seit 1983 Weltkulturerbe

-   Historisches Stadtzentrum von Porto
Die historische Altstadt von Porto (port.: Centro Histórico do Porto), der zweitgrößten Stadt Portugals, beherbergt mehrere bedeutende Bauwerke, wie etwa die gut erhaltene Stadtmauer, die imposante romanische Kathedrale, den neo-klassischen Börsenpalast oder die barocke Kirche Igreja dos Clérigos mit dem Wahrzeichen der Stadt, der Torre dos Clérigos, dem höchsten Kirchenglockenturm Portugals. Seit 1996 gehört das historische Stadtzentrum Portos zum Weltkulturerbe

-   Kulturlandschaft Sintra
Die von der UNESCO im Jahre 1995 qualifizierte Kulturlandschaft von Sintra (port.: Paisagem Cultural de Sintra) beinhaltet die Altstadt von Sintra und das romantische Sintragebirge mit all seinen exotischen Parks und prächtigen Gärten und den vielen architektonisch-einzigartigen Palästen, den jahrhundertealten Klöstern und den märchenhaften Schlössern
(lesen sie hierzu auch meinen Eintrag „Sintra“ vom 23. Juli 2013)

-   Christuskloster in Tomar
Die Tempelrittermönche des 1162 gegründeten Christusritterordens (port.: Ordem de cavalharia de Nosso Senhor Jesus Cristo) sind verantwortlich für den Bau der Klosteranlage von Tomar, die aus einer umfangreichen Gruppe imposanter und reich verzierter Gebäude des 12. bis 17. Jahrhunderts besteht. Einst „zur Verteidigung des Glaubens“ von den Tempelrittern erbaut, erlebte das im gotisch-manuelistischem Stil erbaute Christuskloster (port.: Convento de Cristo) unter seinen Großmeistern Heinrich dem Seefahrer und König Manuel I seine größte Blüte. Das Christuskloster wurde 1983 auf die Weltkulturerbeliste aufgenommen

-   Archäologischer Park im Tal des Côa
Im Nordosten Portugals befindet sich das Tal des Flusses Côa. In den steinernen Uferhängen dieses Flusstals wurden Ende des letzten Jahrhunderts mehrere Tausend eingravierte Felszeichnungen aus prähistorischer Zeit, manche von ihnen gut 30.000 Jahre alt, entdeckt. Diese Felsmalereien erstrecken sich über insgesamt 17 km im ganzen Tal und zeigen vor allem Tiermotive, wie man sie bisher nur aus Höhlen und Felsengrotten Mitteleuropas her kannte. Die prähistorischen Felsmalereien stehen seit 1998 auf der Liste des UNESCO-Welterbes

Weltnaturerbe (port.: Património Mundial da Natureza)

-   Der Lorbeerwald von Madeira
Der Lorbeerwald Madeiras bedeckt 20 % der Insel, also gut 150 qkm. Er besteht aus 20 verschiedenen, für die Insel charakteristischen Baumarten, wie z.B. den Madeira-Lorbeer (port.: vinhático / latein.: Persea indica), den Madeira-Holunder (port.: sabugueiro madeirense / latein.: Sambucus lanceolata), den Barbusano (port.: barbusano / latein.: Apollonias barbujana) oder den Stinklorbeer (port.: til / latein.: Ocotea foetens), sowie aus verschiedenen Farnarten. Im Dezember 1999 wurde dieser einzigartige Urwald zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt

Immaterielles Weltkulturerbe (port.: Património Cultural Imaterial da Humanidade)

-   Fado
Der Musikstil des Fado wurde 2011 von der UNESCO zum Immaterielles Kulturerbe der Menschheit (port.: Patrimônio Cultural Imaterial da Himanidade) ernannt. Er ist wohl der portugiesischste aller Musikstile in Portugal. Der Fado ist voller Schmerz und Sehnsucht, und handelt meistens von nicht erfüllter Liebe, vom Unglück, vom Schicksal und alten, verlorenen Zeiten. Dennoch ist der Fado, trotz dieser ganzen negativen Gefühle, voller Hoffnung und Leben. Da der Fado die wehmütigen Sehnsuchtsgefühle der Portugiesen so praktisch musikalisch symbolisiert, wird er oftmals – und das zu Recht – als „die Seele Portugals“ (port.: „a alma de Portugal“) bezeichnet
(lesen sie hierzu auch bitte meinen Blogeintrag „Weltkulturerbe Fado“ vom 27. November 2011)

-   Chorgesang Cante Alentejano
Auf den Tag genau drei Jahre nach dem Fado wurde der portugiesische Musikstil des Cante Alentejano im Jahre 2014 auf die Weltkulturerbeliste von der UNESCO gesetzt.
Der Cante Alentejano ist ein Chorgesang der ohne Instrumente in einem langsamen Tempo und in einem charakteristischen harmonisch-monotonem Takt gesungen wird. Fast immer handeln die vorgetragenen Lieder vom Alltag, von der Liebe, der Freundschaft und dem schweren Arbeitsalltag im Alentejo.
(lesen sie hierzu bitte auch meinen Blogeintrag „Weltkulturerbe Cante Alentejano“ vom 27. November 2014)

Weltdokumentenerbe (port.: Programa Memória do Mundo)

-   Brief über die Entdeckung Brasilien
Der Brief über die Entdeckung Brasiliens am 22. April 1500 (port.: Carta do Achamento do Brasil) ist ein dokumentarischer Bericht des Seefahrers Pedro Álvares Cabral an den portugiesischen König Manuel I. In diesem mit dem 01. Mai 1500 datierten Brief beschrieb der Chronikschreiber Pêro Vaz de Caminha an den König in Portugal die ersten Eindrücke der Portugiesen in der neu entdeckten Welt, ihre erste Begegnung mit den Ureinwohnern und ihre ersten Einblicke in die neue, unbekannte Flora und Fauna Südamerikas. Der vierzehn Seiten doppeltbeschriftete lange Brief, der eigentlich eine Art Chronik ist, befindet sich heute im portugiesischen Nationalarchiv Torre do Tombo und gilt als das erste literarische Dokument Brasiliens. Die UNESCO nahm den Brief über die Entdeckung Brasiliens im Jahre 2005 in die Weltdokumentenerbeliste auf
(bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogbeitrag „Pero Vaz de Caminha“ vom 20. Februar 2012)

-   Vertrag von Tordesilhas
Der Vertrag von Tordesilhas (port.: Tratado de Tordesilhas), der am 07. Juni 1494 nach langwierigen Verhandlungen zwischen Portugal und Spanien abgeschlossen wurde, gilt als die dokumentierte Abschlussvereinbarung zwischen diesen beiden Königreichen, die damalige bekannte Welt untereinander aufzuteilen und die Hälfte des anderen zu respektieren. Der Vertrag von Tordesilhas gilt somit als der erste „Nichtangriffspakt“ zwischen Portugal und Spanien. Der Vertrag befindet sich heute im portugiesischen Nationalarchiv der Torre do Tombo und ist seit 2007 ein Welterbedokument

-   Chronologische Manuskriptsammlung „Corpo Cronologico“
Der „Corpo Cronologico“ ist eine Sammlung von verschiedenen Dokumenten und Manuskripten die zwischen 1756 und 1784 vom damaligen Leiter des Nationalarchivs Torre do Tombo, Manuel da Maia, zusammengetragen wurden. Die Sammlung umfasst insgesamt 83.212 verschiedene Verträge, Manuskripten und Dokumente des portugiesischen Staates die zwischen den Jahren 1161 und 1696 verfasst wurden.
Der Tatsache, das Manuel da Maia seinerseits die Schriftstücke alle chronologisch archivierte, versankt die Sammlung ihren Namen „Corpo Cronologico“. Seit 2007 ist die Sammlung, die sich weiterhin im Nationalarchiv Torre do Tombo befindet, Welterbedokument der UNESCO

-   Bericht der Flugpioniere Gago Coutinho und Sacadura Cabral
Im Jahre 1922 unternahmen die portugiesischen Flugpioniere Carlos Viegas Gago Coutinho und Artur de Sacadura Cabral den ersten Südatlantikflug der Geschichte. Am 30.März 1922 flogen beide Piloten mit ihrem Wasserdoppeldeckerflugzeug „Santa Cruz“ von Lissabon nach Rio de Janeiro in Brasilien. Über ihre Flugreise schrieben sie einen detaillierten Bericht (port.: Relatório dos aeronautas Gago Coutinho e Sacadura Cabral), der dann im Jahre 2010 als Welterbedokument von der UNESCO in ihre Liste aufgenommen wurden. Der Bericht der beiden Flugpioniere Coutinho und Cabral befinden sich heute im Archiv der Marinebibliothek in Lissabon

-   Reisetagebuch der ersten Indienfahrt des Vasco da Gama
Als der Seefahrer und Entdecker Vasco da Gama am 20. Mai 1498 seinen Fuß auf dem indischen Subkontinent setzte, hatte er als erster Mensch den Seeweg nach Indien entdeckt. Seine Reise hatte am 08. Juli 1497 in der portugiesischen Hauptstadt begonnen und erst zwei Jahre später, am 10. Juli 1499, segelte er wieder in Lissabon ein. Über seine Entdeckungsreise nach Indien verfasste er ein Reisetagebuch (port.: Diário da primeira viagem de Vasco da Gama), welches er später König Manuel I vorlegte. Dieses Reisetagebuch seiner ersten Indienfahrt ist 2013 von der UNESCO auf die Welterbedokumentenliste gesetzt worden. Es wird heute im Archiv der Stadtbibliothek von Porto aufbewahrt

Und hier nun eine Liste der von der portugiesischen Regierung nominierten Bauwerke und Naturschauplätze für eine zukünftige Bewerbung als Weltkultur- und Weltnaturerbe bei der UNESCO:

- die vulkanische Schachthöhle Angar do Carvão auf der Azoreninsel Terceira
- das historische Stadtzentrum von Santarém
- die Schwefelhöhle Furna do Enxofre auf der Azoreninsel Graciosa
- die von mittelalterlichen Mauern umgebene Kleinstadt Marvão und der kleine Berg auf dem es liegt
- die kleine unbewohnte Inselgruppe Ilhas Selvagens (dt.: Wilde Inseln) im Atlantik, vor der Küste Afrikas
- der Naturpark Südöstliche Alentejoküste im Alentejo
- die Lissabonner Unterstadt Baixa (port.: Baixa Pombalina)
- die Schloss- und Klosteranlage des Nationalpalastes von Mafra (port.: Palácio Nacional de Mafra)
- die Ortschaft Buçaco und das Waldgebiet in dem es liegt
- der Naturpark der Serra Arrábida
- die Dinosaurierfußspuren im Naturpark von Ourém-Torres Novas (port.: Parque Natural das Pegadas de Dinossáurio de Ourém-Torres Novas)

Dienstag, 31. Juli 2012

Maria Guimarães




Zwar macht seit Anfang des Jahres ein originelles und kunstvoll-stilistisches rotes Herz Werbung für Guimarães als diesjährige Kulturhauptstadt Europas.
Die Stadt Guimarães selber aber, konnte bis dato mit keinem eigenen Maskottchen aufwarten.

Dem wurde, mit dem heutigen Tag, Abhilfe geleistet.
Seit heute hat die traditionsreiche und geschichtsträchtige Stadt Guimarães, die oftmals von uns Portugiesen auch als „die Wiege der Nation“ bezeichnet wird (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Guimarães“, vom 02. Januar 2012), ein eigenes Maskottchen.

Erschaffen wurde dieses Maskottchen, das auf den Namen „Maria Guimarães“ getauft wurde, von der aus Nordportugal stammenden jungen Künstlerin Madalena Martins, die schon vor Monaten für ihre Heimatstadt Ponte de Lima das Maskottchen „Maria de Ponte“ kreiert hat.
Madalena Martins arbeitet für das kreative, und für seine humorvollen Arbeiten bekannte, Designer- und Marketingbüro „Bicho Sete Cabeças“.

Wenn es nach dem Wunsch der Stadtväter von Guimarães geht, so soll „Maria Guimarães“ demnächst den berühmtesten Sohn der Stadt, König Afonso Henriques, als Ikone der Stadt ablösen. So soll zukünftig das Maskottchen nicht nur auf offiziellem Briefpapier und Prospekten der Stadt zu finden sein, sondern die mit einem Helm und einer Lanze ausgestattete „Maria Guimarães“ soll alsbald auch als Aufkleber, Kühlschrankmagnet, Schokolade, Stoffpuppe und noch vieles mehr in die weite Welt hinausgehen.

Donnerstag, 5. Juli 2012

Die Portugiesischen Gitarren von Malabar Emotional Design









Die Portugiesische Gitarre (port.: guitarra portuguesa) ist zweifelsohne das typischste portugiesische Musikinstrument und untrennbar mit dem Fado verbunden.
Sie ist birnenförmig, etwas kleiner als eine normale klassische Gitarre und im Gegensatz zu dieser hat sie nicht acht sondern zwölf Saiten auf denen gespielt wird.
Eine Portugiesische Gitarre besteht zumeist aus Fichten- oder Lindenholz, manchmal auch aus Zedernholz, und sie ist, entsprechend der Farbennuancen dieser Hölzer, immer holzfarben.

Man muss sagen:
sie ist für gewöhnlich holzfarben!

Denn jetzt hat die aus Porto stammende Designerfirma „Malabar Emotional Design“ eine Kollektion von Portugiesischen Gitarren hervorgebracht, die ihresgleichen suchen.
Unter dem Namen „Tudo isto é Fado…“ (dt.: „All dies ist Fado…“ stellte „Malabar Emotional Design“ in ihrer Pop Up Galerie ASA, die sich in der diesjährigen europäischen Kulturhauptstadt Guimarães befindet, ihre neusten Gitarrenkreationen vor.

21 verschiedene Künstler, unter ihnen der renommierte Architekt Álvaro Siza Vieira, der Modedesigner Miguel Vieira und die bildende Künstlerin Joana Vasconcelos, haben verschiedene originelle und bis dato einzigartige Portugiesische Gitarren entworfen und diese nun einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.

Diese einzigartigen Gitarren von Malabar, so meinen viele junge Komponisten und Virtuosen der Portugiesischen Gitarre, sind qualitativ sehr hochwertig und ästhetisch wertvoll.
Meiner Meinung nach sind sie zudem vor allem ein Beweis dafür, wie kreativ portugiesische Künstler und portugiesische Kunst in unserer heutigen schwierigen Zeit sein können.

Bravo!

Montag, 2. Januar 2012

Guimarães





In meinem Blogeintrag „Guimarães 2012 – Programm einer Kulturhauptstadt“, vom 10. Dezember 2011, berichte ich über die einzelnen Programmfelder der diesjährigen europäischen Kulturhauptstadt.
Da nicht jeder außerhalb Portugals so richtig mit „Guimarães“ etwas anfangen kann, will ich all denen, die weder wissen wo die Stadt liegt, noch welche Sehenswürdigkeiten Guimarães zu bieten hat, hier einmal diesen wunderbaren und geschichtsträchtigen Ort ein wenig näher bringen.

Das im Norden Portugals, am Fuße der Serra de Santa Catarina gelegene Guimarães, liegt im Distrikt Braga in der alten Provinz Minho und wird von uns Portugiesen ehrfurchtsvoll als „Berço da Nação“, als „Wiege der Nation“, bezeichnet.
Diesen Beinamen verdankt Guimarães der Tatsache, das sie einst die erste Hauptstadt des neu gegründeten Königreiches Portugals und aller Wahrscheinlichkeit auch Geburtsort des ersten Königs des Landes, Afonso Henriques, war.
Zwar sind in den letzten Jahren Zweifel darüber aufgekommen ob Afonso Henriques wirklich in Guimarães geboren wurde, oder vielleicht doch in der Stadt Viseu das Licht der Welt erblickte, aber den Titel als „Wiege der Nation“ kann Guimarães keiner nehmen.

Aber auch wenn es in letzter Zeit darüber Zweifel gab, ob Afonso Henriques ein Sohn der Stadt Guimarães ist oder nicht, so gibt es wahrlich andere Männer und Frauen die mit Sicherheit von sich behaupten können Vimaranenses zu sein – so werden nämlich die Bürger der Stadt Guimarães genannt.
Es sind dies, unter anderem, der Dramatiker und Theaterpionier Gil Vicente, der hier 1465 geboren wurde, die Leichtathletiklegenden und Zwillingsbrüder Dionísio und Domingos Castro, die hier 1963 das Licht der Welt erblickten, der Historiker Alberto Sampaio, Jahrgang 1841, nach dem eines der schönsten Museen der Stadt benannt wurde und die Operndiva Elisabete Matos, die, wie es sich für eine richtige Diva gehört, ein Staatsgeheimnis aus ihrem Geburtsjahr macht.

Guimarães hat schätzungsweise 60.000 Einwohner und liegt zwischen den Städten Porto und Braga.
Sie ist unweigerlich mit der historischen Gründung Portugals verbunden.
Als Gründerin der Stadt gilt die aus Galizien stammende Gräfin Mumadona Dias. Sie ließ um das Jahr 960 herum, dort wo sich heute der Platz Largo da Oliveira erstreckt, eine Klosterburg errichten, nämlich den Castelo Vimaranes.
Die Klosterburg sollte das Kloster, und die wenigen Häuser die es damals umgaben, vor den Angriffen der arabischen Mauren und Normannen schützen.
Genau dort, wo sich einst der Castelo Vimaranes befand, steht heute die Kirche Igreja de Nossa Senhora da Oliveira.

Mit seiner wohlerhaltenen Altstadt, seinen unzähligen Gassen und Gässchen, seiner kulturellen Vielfalt und einer Fülle an historischen Baudenkmälern und bedeutenden Kunstschätzen ist Guimarães zu recht zur diesjährigen europäischen Kulturhauptstadt 2012 gewählt worden.

Mit den vielen auffallenden, für portugiesische Verhältnisse durchaus nicht selbstverständlichen, Grünanlagen macht Guimarães auf seine Besucher einen freundlichen Eindruck.
Die malerische Altstadt mit ihren stattlichen Granithäusern, die mit eisenvergitterten Balkonen und einem reichen Blumenschmuck aufwarten können, bildet den historischen Mittelpunkt der Stadt.

Über der Stadt erhebt sich die düster-mächtige, von einem Kranz hoher schlanker Zinnen gekrönte Stadtburg (port.: Castelo da Cidade) aus dem 10. Jahrhundert. Sie ist zweifelsohne eine der eindruckvollsten Wehrburgen Portugals.
Hier soll im Jahre 1110 der schon erwähnte erste König Portugals, Afonso Henriques, geboren worden sein, was dem Bauwerk erst recht den Charakter einer nationalen Weihestätte verleiht.
Etwas unterhalb des Burgeinganges befindet sich die kleine aber wuchtige Burgkapelle São Miguel do Castelo aus dem Jahre 1105. In ihr soll der kleine Afonso Henriques getauft worden sein. Beim Taufbecken handelt es sich aber heute nur um eine Kopie. Das Original befindet sich in der Kirche Igreja de Nossa Senhora da Oliveira, mitten in der Stadt.

Aber die Burg ist nur eines der vielen historischen Bauwerke die man in Guimarães besichtigen und bewundern kann.
Sehenswert sind auch, unter anderem, die folgenden Bauwerke:

• Paço dos Duques de Bragança (dt.: Palast der Herzöge von Bragança) – Der von Grünanlagen umgebene und ausgedehnte Paço Ducal war einmal der Palast der Herzöge von Bragança. Er wurde Anfang des 15. Jahrhunderts, auf Anweisungen von Afonso, dem ersten Herzogs von Bragança, im französischen Geschmack der damaligen Zeit errichtet. Mit der Verlegung der Residenz der Herzöge, Anfang des 16. Jahrhunderts, nach Vila Viçosa im Alentejo, verkam der gotische Prachtbau zunehmend. Erst im 20. Jahrhundert wurden umfangreiche Restaurierungsarbeiten an dem Palast vorgenommen, so dass wir ihn heute in seiner vollen Pracht bewundern können.

• Largo da Oliveira (dt.: Platz des Olivenbaums) – Dieser, mitten in der Altstadt gelegene Platz, hat sich seinen mittelalterlichen Charakter größtenteils bewahren können. Verschiedene historische Gebäude gruppieren sich um diesen Platz. Einer von ihnen ist das Alte Rathaus (port.: Antigos Paços do Concelho) an der Nordseite des Platzes. In ihm ist heute das Stadtarchiv untergebracht. Der Bau mit seinen spitzbogigen Arkaden wurde unter König João I im 14. Jahrhundert begonnen und im 17. Jahrhundert grundlegend umgestaltet. In der Platzmitte steht eine gotisch-manuelinische Siegeshalle (port.: Alpendre), zum Gedenken an die Schlacht von Rio Salado im Jahre 1340. Bei der Schlacht von Salado (port.: Batalha de Salado) besiegten damals die verbündeten portugiesischen und kastilienschen Truppen die Streitkräfte des Sultans von Marokko.

• Igreja de Nossa Senhora da Oliveira (dt.: Kirche Unserer lieben Frau vom Olivenbaum) – Diese Kirche liegt am historischen Largo da Oliveira (port.: Platz des Olivenbaums). An der stelle der heutigen Kirche befand sich im 10. Jahrhundert die Klosterburg Castelo Vimaranes. König Afonso Henriques ließ dann im 12. Jahrhundert zum Dank für die erfolgreich geschlagene Schlacht von Ourique (port.: Batalha de Ourique) hier eine Kirche errichten, die dann zwischen 1387 und 1400 auf Anweisung von König João I zum Gedenken an die Schlacht von Aljubarrota (port.: Batalha de Aljubarrota) erheblich erweitert wurde. So wie sich die Kirche heute präsentiert, stammt sie weitgehend aus dem 16. Jahrhundert. Der manuelinische Glockenturm wurde im Jahre 1505 angefügt. Besonders Sehenswert in dieser Kirche ist das steinerne romanische Taufbecken aus der Kirche São Miguel do Castelo, über dem Afonso Henriques einstmals getauft worden sein soll. Die Bürger von Guimarães haben eine sehr enge Bindung zu dieser Kirche, denn sie beherbergt die Schutzpatronin der Stadt.

• Museu de Alberto Sampaio (dt.: Museum Alberto Sampaio) – Das im Kreuzgang der Kirche Igreja de Nossa Senhora da Oliveira beheimatete Museum für sakrale Kunst Alberto Sampaio bewahrt eine einzigartige Kollektion an Gemälden und Plastiken portugiesischer Meister aus dem 16. Jahrhundert, sowie wertvolle Goldschmiedearbeiten und eine kostbare Sammlung historischer Gewänder und Möbel.

• Igreja dos Santos Passos (dt.: Kirche der Heiligen Schritte) – Am Largo do Brasil, einem der schönsten Plätze der Stadt, liegt die zweitürmige Barockkirche Santos Passos aus dem 18. Jahrhundert. Sie ist mit einem reichen Azulejoschmuck und wunderschönen italienisch beeinflussten Dekorplastiken ausgestattet. Die Kirche ist dem Stadtheiligen São Gualter gewidmet.

• Igreja de São Francisco (dt.: Sankt Franziskuskirche) – Diese Kirche wurde um das Jahr 1400 von König João I gestiftet und später barock umgestaltet. Ihr weiter Innenraum ist ganz und gar mit Azulejos ausgekleidet und ihre Sakristei wird von einer wuchtigen Kassettendecke gekrönt.

• Museu de Martins Sarmento (dt.: Museum Martins Sarmento) – Dieses, in einem ehemaligen Dominikanerkloster untergebrachte Museum, beherbergt die größte und wichtigste archäologische Sammlung der Stadt und ihrer Umgebung.

• Convento de Santa Clara (dt.: Kloster Santa Clara) – In diesem alten Kloster befindet sich heute das Rathaus der Stadt.

Dies sind nur einige der vielen Sehenswürdigkeiten die die Kulturhauptstadt Europas des Jahres 2012 ihren Gästen zu bieten hat.

Wenn ein Fremder die Seele Portugals kennen lernen möchte, dann sollte er sich auf den Weg mach Guimarães machen.
Nur dort wird er sie, wenn überhaupt, antreffen können!

Samstag, 10. Dezember 2011

Guimarães 2012 – Programm einer Kulturhauptstadt


In gut einem Monat wird die nordportugiesische Stadt Guimarães, die einstmals die erste historische Hauptstadt des Landes war, Kulturhauptstadt Europas für das Jahr 2012 sein.
Das Programm startet zwar offiziell erst am 21. Januar 2012, doch ist jetzt schon der eine oder andere Programmpunkt bekannt.

Die zentrale Idee der Veranstalter von „Guimarães 2012“ ist es, die Menschen als Akteure in den Mittelpunkt des Geschehens der Kulturhauptstadt zu stellen.
Unter dem Dach der vier Programmfelder Stadt (port.: Cidade), Denken (port.: Pensamento), Kunst (port.: Arte) und Community (port.: Comunidade) sollen die Einwohner und die Gäste von Guimarães mit nationalen und international renommierten Künstlern und Kreativen zusammenwirken.
So soll sich in erster Linie ein Netzwerk kreativen Schaffens gebildet und ein urbaner, ökonomischer und sozialer Wandel in der Stadt gefördert werden.

Die vier Programmfelder im Einzelnen sind:

• Programmfeld Stadt – Dieses Themenfeld steht unter der Schirmherrschaft von Tom Fleming und umfasst bisher zehn Projekte. Diese sind, unter anderem, die Entwicklung eines neuen Navigationssystems, eine digitale Werkstatt, ein kreatives Unternehmerförderungsprogramm sowie die Installation eines Minilabors

• Programmfeld Denken – In diesem Programmfeld geht es um die Innovation sozialer und politischer Systeme. Eines der vorhergesehenen Projekte dreht sich um die Frage „Was will Europa heute?“. Schirmherr des Programmfeldes Denken ist der berühmte Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa, der sich hier nicht nur literarisch einbringen wird, sondern auch als Mentor und Führer fungieren wird

• Programmfeld Kunst – Die Schirmherrschaft über das Programmfeld Kunst wird von einem mehrköpfigen Team geleitet. Die Mitglieder dieses Teams sind João Lopes, der für den Schwerpunkt Film und Audiovision zuständig ist, Marcos Barbosa, verantwortlich für die darstellende Kunst, Rui Massena, zuständig für die Musik und Gabriela Vaz-Pinheiro, die für die bildende Kunst und die Architektur verantwortlich ist. So unterschiedlich die personelle Zusammensetzung hier auch sein mag, so divers sind auch die vielen Stilrichtungen die hier angeboten werden. Alleine im Projekt Musik wird der Besucher von Guimarães 2012, unter anderem, zwischen Rock, Pop, Jazz, Underground, alternativer und portugiesischer Musik wählen können

• Programmfeld Community – Suzana Ralha übernimmt die Schirmherrschaft für das Programmfeld Community und wird ein Jahr land die Öffentlichkeitsarbeit des Events leiten. Sie wird dafür verantwortlich sein, das alle, denen die Zukunft Europas, die Kultur und die Kunst am Herzen liegt, sich in Guimarães wohl fühlen werden.

Nach Lissabon im Jahre 1994 und Porto im Jahre 2001 wird Guimarães die dritte portugiesische Kulturhauptstadt Europas sein.
Wer sich schon jetzt, vorab über das kulturelle Event informieren will, sollte die aufschlussreiche Internetseite www.guimaraes2012.pt besuchen.

Samstag, 8. Oktober 2011

Citânia de Briteiros






Rund 12 km östlich von Braga, der charmanten Stadt in der nordportugiesischen Provinz Minho, befindet sich auf der Anhöhe Monte São Romão, umgeben von den sattgrünen Hügel der Serra Falperra, in dem kleinen Ort Salvador de Briteiros, die Reste der alten eisenzeitlichen Siedlung Citânia de Briteiros.
Citânia de Briteiros ist die älteste bekannte Siedlung in ganz Portugal.

Entdeckt wurde der Ort im Jahre 1874 von dem Archäologen Francisco Martins Sarmento.
Ein Jahr später fing Sarmento an die alte keltiberische Siedlung freizulegen.
Nach neuesten Untersuchungen vermutet man, dass die Ansiedlung bereits um das Jahr 500 v. Chr. gegründet wurde.
Seine höchste Blüte erlebte der Ort wohl im 4. Jahrhundert v. Chr., aber wie Grabungsfunde belegen, wurde er bis in die spätrömische Zeit besiedelt.

Der antike Ort, der ursprünglich von drei Ringwällen umschlossen war, die alle eine Höhe von ca. fünf Metern vorzuweisen hatten und von denen es heute nur noch Reste gibt, umfasste etwa 150 einräumige Wohnhäuser, die größtenteils einen runden oder ovalen, teilweise auch einen rechteckigen Grundriss hatten.
Errichtet wurden die Häuser aus behauenen Steinen, die so passend übereinander geschichtet wurden, dass sie auch ohne Mörtel ein statisch sicheres Haus ergaben. Die ursprüngliche Bedachung bestand damals wohl aus einfachem Stroh.
Deutlich erkennbar sind noch heute die Wasserleitungen der einzelnen Häuser und die Straßen und Wege der Ansiedlung, die bereits damals mit einfachen Steinplatten gepflastert waren.

Heutzutage sind zwei der etwa 150 Rundhäuser des Ortes wieder rekonstruiert worden. Sie sollen einem, in etwa, die ehemalige Bauweise verdeutlichen.
Zwei andere Häuserruinen unterscheiden sich deutlich von den anderen im Ort.
Da wäre einmal ein etwas größeres Haus, das ein Durchmesser von 11 m hat und von dem man vermutet, dass es wohl zu Versammlungszwecken diente.
Das andere Haus liegt, etwas abseits, außerhalb der drei Mauerringe.
Früher nahm man an das dieses Haus eine Todesstätte war, weil es von den anderen doch etwas entfernt liegt.
Aber heute ist man der Meinung, dass es sich bei diesem Gebäude wohl eher um so etwas wie ein gemeinschaftliches Badehaus handelt.

Der Archäologe Francisco Martins Sarmento fand bei seinen Ausgrabungen in den Trümmern zahlreiche bemalte Keramikstücke, kunstvoll behauene Steine, Waffen, Schmuck und die verschiedensten Gerätschaften frühzeitlicher Bauern und Jäger.
All diese Fundstücke befinden sich heute in der nahe gelegenen Stadt Guimarães, in dem kleinen, nach dem Entdecker der Citânia de Briteiros benannten Museum, „Museu da Sociedade de Martins Sarmento“.

Eines der schönsten Ausstellungsstücke des Museums ist der berühmte Monolith „Pedra Formosa da Citânia de Briteiros“ (dt.: „Schöner Stein der alten Wohnstätte Briteiros“), ein mit Gravierungen geschmückter riesiger Stein aus dem vermuteten Badehaus des keltischen Ortes.
Um eine ungefähre Vorstellung der Größe dieses Steines zu haben, muss man wissen, dass er vor schätzungsweisen 3.000 Jahren graviert wurde, er drei Meter breit und zwei Meter hoch ist und an die fünf Tonnen wiegt.

Wie ich aus eigener Erfahrung weiß, sollte man sich für eine Besichtigung der Citânia de Briteiros, ruhig viel Zeit nehmen, da erst im Detail die Schönheit des alten Ortes zum Ausdruck kommt.
Citânia de Briteiros ist seit 1910 ein „Nationales Monument“ (port.: „Monumento nacional“).

Die Ausgrabungen die der Archäologe Francisco Martins Sarmento im Jahre 1875 begann, sind bis heute bei weitem nicht abgeschlossen.
So ist zu vermuten, dass die Citânia de Briteiros noch viele Geheimnisse birgt, die es noch zu entdecken gilt.

Montag, 29. August 2011

Egas Moniz


Egas Moniz, der den Beinamen „o Aio“ trug und Herr von Ribadouro war, erblickte im Jahre 1080 das Licht der Welt.
Er war der Sohn von Monio Hermígues und dessen Gattin Ouroana.
Egas Moniz entstammte einer der edelsten, reichsten und mächtigsten Familien der Grafschaft Portucale, die ursprünglich aus der Provinz Entre-Douro-e-Minho herstammte.
Die Familie war so angesehen, das der Graf von Portucale, Henrique de Borgonha, seinen ältesten Sohn Afonso Henriques in die Obhut von Egas Moniz gab, damit dieser ihn erziehen und ritterlich ausbilden möge.
Mit seinen zwei Brüdern Ermígio und Mendo gehörte er ab 1106 zum engsten Kreis am Hofe des Grafen von Portucale.
Der Erziehung des zukünftigen Königs von Portugal verdankt Egas Moniz auch seinen Beinamen „o Aio“ (dt.: „der Hauslehrer“).
Von frühester Zeit an sollte Egas Moniz zum wichtigsten persönlichen Freund und militärischen Berater des jungen Afonso Henriques werden.

Aus der Kindheit und der frühesten Jugend von Egas Moniz ist so gut wie nichts bekannt.
Man weiß heute, dass er im Jahre 1109, im Alter von 29 Jahren, zum ersten Mal heiratete.
Mit seiner Gattin Dórdia Pais de Azevedo hatte er fünf Söhne – Lourenço, Afonso, Mem, Rodrigo und Hermígio.

Als im Jahre 1127 Afonso VII König von Kastilien und Léon (port.: Castela e Leão) wird, erklärt er sich eigenmächtig zum König der gesamten Iberischen Halbinsel (port.: imperador de toda a Hispânia).
Er forderte von allen Edelleuten des Königreiches die Lehnsherrschaft und den absoluten Gehorsam.
Aber Afonso Henriques, der zukünftige Graf von Portucale (port.: Condado Portucale), weigerte sich als einziger Edelmann Afonso VII, seinen eigenen Vetter, als König anzuerkennen.

Im Alter von nur 20 Jahren besiegt Afonso Henriques am 24.06.1128, in der Schlacht von São Mamede, in der Nähe von Guimarães, seine eigene Mutter Teresa, die eigentliche Herrscherin der Grafschaft und treue Anhängerin des kastilischen Königs, und erklärt sich selbst zuerst zum Grafen von Portucale und später zum König von Portugal.

Es kam, wie es kommen musste – alsbald führten Afonso Henriques und Afonso VII Krieg gegeneinander.
Die Schlacht von Valdevez brachte aber für beide Seiten kein eindeutiges Ergebnis.

Afonso Henriques zog sich mit Egas Moniz und seinem Clan und den Oberhäuptern der sieben anderen einflussreichsten Familien der Grafschaft Portucale nach Guimarães, der Hauptstadt, zurück.
Neben der Familie Moniz gehörten damals zu den mächtigsten Adelsfamilien des portugiesischen Reiches die Familien da Maia, de Sousa, de Baião, de Lanhoso, da Silva, Guedeão und de Bragança.

Nach der Schlacht von Valdevez belagerte der kastilische König die Burg von Guimarães und setzte Afonso Henriques unter Druck.
Dieser ließ Afonso VII ausrichten, das er lieber sterben würde, als sich diesem zu ergeben und ihm Treue zu schwören.

Darauf hin wurde Egas Moniz zu König Afonso VII gesandt, um mit diesem ein Friedensvertrag, bei dem jede Partei ihr Gesicht wahren sollte, auszuhandeln.

In diesem Friedensvertrag erkennt Afonso Henriques den kastilischen König als Lehnsherren an und verpflichtet sich, auch im Namen seiner Männer, Afonso VII treu ergeben zu sein.
Als Gegenleistung verpflichtet sich Afonso VII die Belagerung zu beenden.
Afonso VII akzeptiert die Lehnsbereitschaft seines Vetters, und nachdem Egas Moniz mit seinem Wort für die Einhaltung dieses Vertrages im Namen Afonso Henriques bürgt, beendet der kastilische König die Belagerung von Guimarães.

Aber noch nicht einmal ein Jahr später, als Afonso Henriques die weiter südlich gelegene Stadt Coimbra zur neuen Hauptstadt des Königreiches ernennt, vergisst er sein zuvor gegebenes Versprechen und fällt über Galizien her.
Bei der Schlacht von Cerneja, in Jahre 1137, geht er als Sieger hervor.

Als Egas Moniz sieht, das sein König und Herr Afonso Henriques gegenüber dem kastilischen König sein Wort bricht, begibt er sich mit seiner gesamten Familie, alle barfuss und in Büßergewänder gehüllt, nach Toledo, an den Hof von Afonso VII.
Dort gibt er sein Leben, das seiner zweiten Gattin Teresa und das seiner vier jüngsten Kinder Dórdia, Soeiro, Elvira und Urraca in die Hände König Afonso VII.

Der kastilische König ist von dem Mut und von der Demut Egas Monizes so beeindruckt, das er diesen begnadigt und wieder nach Portugal ziehen lässt.
Aber auch der portugiesische König ist von dem Verhalten Egas Moniz so angetan, das er diesen mit Ländereien hoch belohnt.
Bis an sein Lebensende wird Egas Moniz an der Seite des portugiesischen Königs stehen.

Als er im Jahre 1146 stirbt, wird er im Kloster Paço de Sousa (port.: Mosteiro de Paço de Sousa), in einem reich verzierten Grabmal, der noch heute besichtigt werden kann, beigesetzt.

Samstag, 23. Juli 2011

Krawattenzwang aufgehoben


Gestern hatte ich geschäftlich auf der Bank etwas zu erledigen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, etwas sei anders als die anderen Male in denen ich zur Bank gehe.
Auch als mich der Bankangestellte freundlich bediente, wurde ich dieses misstrauische Gefühl nicht los, das da etwas war, was anders war als sonst.

Kurz vor dem Verlassen der Bank, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Die ganzen männlichen Bankangestellten hatten keine Krawatte um den Hals!
Diese Herren, die mich sonst immer mit hoch geknöpften Hemden und einem Schlips empfangen und bedienen, selbst bei den höchsten Sommertemperaturen, waren auf einmal Schlipslos.

Es scheint so, als ob das nicht tragen einer Krawatte nun auch im finanziellen Sektor angekommen ist.

Begonnen hat diese Mode des nicht tragen einer Krawatte aber im hiesigen Landwirtschafts- und Umweltministerium (port.: Ministerio da Agricultura e do Ambiente).
Als die neue junge Landwirtschafts- und Umweltministerin Assunção Cristas Anfang dieses Monats ihr Amt antrat, war eine ihrer ersten Amtshandlungen das Herausgeben eines neuen Erlasses aus ihrem Haus.

Dieser Erlas besagt, das der Krawattenzwang im Ministerium aufgehoben ist und jeder Mann dieses Symbol universeller Formalität zukünftig zuhause lassen kann!
Somit werden Schlipsträger, so scheint es, in gewissen Kreisen bald zu einer vom aussterben bedrohten Art gehören.

Die Ministerin Assunção Cristas gibt als Grund für diese Maßnahme, die den originellen Namen „Ar Cool“ trägt, das Sparen von Energie in ihrem Ministerium an.
Laut der Ministerin besagen Studien aus Japan, das man in einem Büro in dem Männer keine Krawatte tragen müssen, die Klimaanlagen im Durchschnitt um 2°C runtergedreht werden können.
Laut des Umweltministeriums wird das herunterfahren der Klimaanlagen im Sommer so alleine im Landwirtschafts- und Umweltministerium dafür sorgen das im Durchschnitt so viel CO² eingespart werden kann, mit der sonst eine Stadt wie Aveiro, Braga oder Guimarães die Umwelt während einem Tag im Jahr belasten.

Dieser Erlas aus dem Landwirtschafts- und Umweltministerium soll kein symbolischer Akt sein.
Er soll viel mehr zukünftig landesweit auf alle ca. 2500 Regierungsgebäude ausgeweitet werden und für die ca. 44.500 Staatsbeamten gelten.
Assunção Cristas, die mit gutem Beispiel vorangehen will, muss nur noch ihre Ministerkollegen von diesem Vorhaben überzeugen.

Dieser Erlas ist für keinen Ministerialbeamten bindend.
Jedem ist es freigestellt ab jetzt Krawatte zu tragen oder nicht.
Aber eines hat die Ministerin schon klargestellt – nach Brüssel werden die Herren auch weiterhin mit Krawatte reisen.

Donnerstag, 3. Februar 2011

Die ägyptische Prinzessin


Francisco de Gouveia Martins Sarmento ist ohne Zweifel einer der bekanntesten Archäologen Portugals, und zu seiner Zeit, Ende des 19. Jahrhunderts, war er wohl der berühmteste seines Fachs.

Geboren wurde Martins Sarmento am 09. März 1833 in der Stadt Guimarães.
Sein ganzes Leben widmete er der Archäologie Nordportugals und den ersten Bewohnern dieser Gegend - den Kelten, den Lusitaniern und den Iberern.
Vor allem die Gegend um seine Heimatstadt Guimarães hatte es ihm angetan, und man sah Martins Sarmento oft bei Ausgrabungen in dieser Gegend, die dann mit den Jahren auch zu seinem Hauptforschungsgebiet wurde.
Er war Autor interessanter und wichtiger Fachliteratur, wie z.B. „Os Argonautas“ (dt.: Die Argonauten), „Lusitanos“ (dt.: Lusitanier), „Ora Marítima“ und „Ligures e Celtas“.

Sein Herz schlug aber nicht nur für die nationale, sondern auch für die fremdländische Archäologie, auch wenn diese eher sein Hobby wurde, als seine Berufung.
Martins Sarmento hat nie an einer archäologischen Ausgrabung in Ägypten teilgenommen, obwohl er dies durchaus gerne getan hätte.
Wie damals üblich, hatte auch er einen Hang für alles was ägyptisch war.

1871 bestellte er sich deshalb bei einem englischen Händler in Porto die Mumie einer Prinzessin aus Ägypten, die so eine Art Attraktion seines neuen Heimes werden sollte, wenn ihn seine Freunde zuhause besuchen sollten.
Irgendwann, im laufe des Jahres 1872, traf diese Mumie dann auch in Porto, aus London kommend, endlich ein.
Als Martins Sarmento sie am Hafen abholen wollte, um sie nach Hause zu bringen, war die Mumie aber wie vom Erdboden verschwunden.
Es stellte sich heraus, dass die Hafenverwaltung - heute würde man gemeinhin sagen der Zoll - die Kiste geöffnet hatte.
Sie fanden einen schwärzlichen Körper vor und kamen zu dem Schluss, dass er einem Menschen gehört haben musste, den man in einem Ofen geröstet hatte.
Die antiken Bandagen, die die Mumie umhüllten, waren ihrer Ansicht nach, die Reste eines angesengten Hemdes.
Man brachte die Mumie daraufhin in eines der städtischen Leichenhäuser von Porto.
Wäre Martins Sarmento nicht rechtzeitig gekommen um die Mumie auszulösen, wäre die ägyptische Prinzessin sicherlich nach zweitausendjährigem Schlaf in den Pyramiden noch in einem katholischen Grab gelandet.

Noch heute kann man diese Mumie im Museum Sociedade Martins Sarmento bestaunen, welches in Sarmentos Geburtstadt Guimarães liegt. Dort kann man viele archäologische Objekte finden, die von Martins Sarmento persönlich ausgegraben und gesammelt wurden.
Die Sociedade Martins Sarmento ist „die“ kulturelle Institution von Guimarães.

Hier, in der Stadt in der er das Licht der Welt erblickte, verstarb er auch am 09. August 1899, im Alter von 66 Jahren.

Donnerstag, 2. Juli 2009

Geburtsort unbekannt!


Mit dem Festprogramm „900 Jahre – 900 Stunden“ hat die Stadt Guimarães diese Woche mit den Feierlichkeiten zum 900. Geburtstag von Afonso Henriques, dem ersten König von Portugal begonnen.

Afonso Henriques wurde voraussichtlich am 15. August 1109, als Sohn Alfons I, des Grafen von Burgund (Afonso de Borgonha) und dessen Ehefrau, Dona Teresa de Castella, geboren.
Er erhielt bei seiner Geburt den Titel eines Grafen von Portucale.
Da sein Vater starb, als er erst 3 Jahre alt war, wurde er recht früh zum Ritter geschlagen.
Die Beziehung zwischen ihm und seiner Mutter war seit frühester Zeit sehr gespannt, zumal seine Mutter später versuchte ihm, zugunsten ihres neuen Liebhabers, den Grafentitel von Portucale streitig zu machen.
Dies führte dazu, das Afonso Henriques 1128 gegen seine eigene Mutter revoltierte und in der Schlacht von São Mamede ihre Truppen bezwang, und sie, zusammen mit ihrem Liebhaber der Grafschaft verwies.
Der erste Akt zur Gründung der portugiesischen Nation war vollzogen.

Afonso Henriques hatte in den folgenden Jahren noch etliche Auseinandersetzungen mit seiner Mutter und seinem Onkel, dem König von Kastilien, zu überstehen.
Gleichzeitig führte er auch gegen die arabischen Mauren einen Eroberungskrieg im Namen Gottes und des Glaubens, was ihm große Sympathien bei den Kirchenfürsten einbrachte.

1139 gelang es ihm bei der Schlacht von Ourique, die Mauren aus dem Alentejo zu vertreiben. Nach der Schlacht von Ourique erklärte Afonso Henriques seine Grafschaft zu einem Königreich und er selber, ernannte sich zum König von Portugal.
Der zweite Akt zur Gründung der portugiesischen Nation war vollzogen.

Am 05. Oktober 1143 erkannten dann im Vertrag von Zamorra, die Könige von Kastillien widerwillig die portugiesische Unabhängigkeit an.
Somit war der dritte Akt zur Gründung Portugals vollzogen.

Im Jahre 1179 wurde dann die Unabhängigkeit Portugals auch von Papst Alexander III, in der Bulle Manifestis probatum anerkannt.
Mit dieser Bulle, die als die erste Unabhängigkeitserklärung Portugals gilt, war Portugal nun endgültig ein unabhängiger und freier Staat.
Der vierte und letzte Akt zur Gründung Portugals war vollzogen!

Bei seinem Regierungsantritt Bestand die portugiesische Nation allerdings nur aus dem heutigen Großraum Porto und der Provinz Minho.
Erst mit den Jahren, und nach vielen Reconquistakriegen gegen die Mauren, konnte Afonso Henriques, der den Beinamen „der Eroberer“ erhielt, seinen Regentschaftsbereich bis nach Lissabon, das er 1143 eroberte, und sogar noch weiter südlich erstrecken.

An einem kalten Dezembermorgen des Jahres 1185 verstarb Afonso Henriques, nach langen 46 Regierungsjahren, als König von Portugal, in der von ihm eroberten Stadt Coimbra.
Dort, in der Kirche von Santa Cruz wurde er nach seinem Tod beigesetzt.

Diese ganzen Heldentaten und Heldendaten von Afonso Henriques sind schriftlich überliefert und an ihnen besteht nicht der geringste geschichtlicher Zweifel.

Was man aber bis heute nicht sicher sagen kann und woran sehr wohl in letzter Zeit geschichtlich gezweifelt wird, ist in welcher Stadt Afonso Henriques das Licht der Welt erblickt hat.

Es gibt keine schriftlichen Dokumente, die 100%ig belegen können, in welcher Stadt genau der erste König von Portugal geboren wurde. Man orientiert sich nach uralten mündlichen Überlieferungen.
Über Jahrhunderte hinweg galt die Stadt Guimarães nicht nur als die Wiege der Nation („Berço da Nação“), sondern auch als Geburtsort von Afonso Henriques.
Doch seit einigen Jahren, nachdem man in einem Kloster der nordportugiesischen Stadt Viseu dubiose Urkunden entdeckt hat, die darauf hinzuweisen scheinen, das Afonso Henriques eventuell in Viseu geboren wurde, hängt bei den Historikern der Haussegen schief.

Denn die einen Historiker beharren weiterhin darauf das Afonso Henriques in Guimarães geboren worden ist.
Und die anderen Historiker wiederum, unter der Leitung des renommierten Historikers João Silva de Sousa, behaupten nun, Viseu sei die Geburtstätte des ersten portugiesischen Königs, und nicht Guimarães.

Ich habe da so meine eigene Meinung:
Wenn man über jahrhunderte lang in den Schulen beigebracht bekommen hat, das Guimarães der Geburtsort von Afonso Henriques ist, dann sollte man es vielleicht, um des Friedens willen, auch dabei belassen.
Denn ohne hieb- und stichfeste Beweise wird die ganze Sache, außer einem großen Streit, sowieso nichts bringen; und das ausgerechnet zu so einem wichtigen Jubiläum.

Um aber gleich Nägel mit Köpfen zu machen, hat dieser Woche die Stadtverwaltung von Guimarães, den goldenen Schlüssel der Stadt an ihren größten Sohn verliehen.
Da der aber nun schon seit über 800 Jahre tot ist, hat man stellvertretend für ihn, den goldenen Schlüssel an den heutigen höchsten Mann im Staate, Präsidenten Anibal Cavaco Silva weitergegeben.
So werden historische Fakten geschaffen!

Nicht das da einer aus der Stadt Viseu noch auf die Idee kommt, Afonso Henriques die Ehrenbürgerwürde zu verleihen…