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Sonntag, 22. November 2015

Verão de São Martinho – Altweibersommer in Portugal






Wir hatten hier in Portugal – zumindest hier auf dem Festland – in den letzten drei Wochen traumhaft schönes Wetter.
Es war sehr sonnig, die Temperaturen tagsüber sehr angenehm und wer nicht arbeiten musste, verbrachte den Tag am Strand, machte lange Spaziergänge, setzte sich in einen Park oder aß, typisch für diese Jahreszeit, ein paar geröstete Kastanien und trank dabei „vinho abafado“ oder „jeropiga“ (beides Süßweine).

Im deutschsprachigen Raum kennt man dieses nachsommerliche warme Wetter unter den Begriffen „Altweibersommer“ oder aber auch „Goldenen Oktober“.
Nun, hier in Portugal ist es eher ein „Goldenen November“, obwohl er hier nicht unter diesem Begriff bekannt ist. Hierzulande bezeichnet man diese warme meteorologische Wetterlage im Herbst mit dem Namen Verão de São Martinho (dt.: Sankt Martin-Sommer) – so genannt weil dieses Wetterphänomen meistens um den Tag des Heiligen Sankt Martin, dem 11. November, vorkommt.

Als Sankt Martins-Sommer (port.: Verão de São Martinho) bezeichnet man hier in Portugal eine ungewöhnlich trockene und warme Wetterperiode im späten Herbst, die von einem strahlend blauen Himmel begleitet wird.
Die typische Herbstwetterlage, die einen schönen Verão de São Martinho auslöst, ist ein ausgedehntes Azorenhoch entlang der iberischen Westküste in Kombination mit Kaltwetterfronten aus dem Norden Europas, die beide für kalte Nächte und warme Tage sorgen.
Bevor der regenreiche und kalte Winter kommt, zeigt sich im November noch einmal von seiner besten Zeit. Deshalb werden diese Tage hierzulande so sehr geliebt und geschätzt.

In den meisten Jahren – und so ein Jahr hatten wir heuer – bleibt eine solche Wetterlage für zwei oder drei Wochen stabil, bis ein Tiefdruckgebiet mit einer begleitenden Kaltfront für einen Wetterumschwung sorgt.
Im gebirgigen Nordportugal, in den Provinzen Minho, Trás-os-Montes, Alto Douro bis hinunter zur Serra da Estrela, wo die Temperaturen nachtsüber im November recht niedrig sein können, fällt der Verão de São Martinho meistens kürzer aus als in den Tiefebenen des Alentejo und in der südlichen Algarve.

Der Ausdruck Verão de São Martinho liegt in Portugal eine jahrhundertelange Tradition zu Grunde. Es lässt sich nachweisen, dass die Bezeichnung Verão de São Martinho bereits vor mehreren Hundert Jahren Anwendung gefunden hat, wobei das exakte Datum des Aufkommens nicht gesichert ist. Jedenfalls wird z.B. in Schriften aus den Klöstern Batalha und Alcobaça der Begriff „verão de São Martinho“ schon im 16. Jahrh. erwähnt.

Heute hat es schon etwas genieselt und es war empfindlich kalt draussen. Glaubt man den Meteorologen, dann ist der Verão de São Martinho für dieses Jahr wohl schon vorbei.
Aber er war fantastisch und ich habe ihn sehr, sehr genossen!

Montag, 11. Mai 2015

Internationaler Museumstag 2015


Am kommenden Montag, den 18. Mai 2015, ist hier in Portugal der Internationale Museumstag (port.: Dia Internacional dos Museus). Am Samstagabend zuvor, den 16. Mai, findet die hierzulande sehr beliebte Museumsnacht statt.
Im Gegensatz zu Deutschland, wo der Museumstag immer am dritten Sonntag im Mai stattfindet, wird dieser Tag hier landesweit also Wochentags begangen.
An diesem seit 1978 alljährlichen stattfindenden internationalen Ereignistag machen die verschiedensten Museen weltweit auf die große Vielfalt und die kulturelle Bedeutung ihrer historischen Gebäude und ihren oftmals wertvollen Kunstsammlungen aufmerksam.

Über 70 Museen werden sich an diesem Tag hier in Portugal mit über 400 kostenlosen Aktionen, wie Sonderführungen, Museumsfesten und den schon erwähnten Museumsnächten, präsentieren.

Genauso wie in anderen Ländern, entwickelt sich der Internationale Museumstag immer mehr zu einem kulturell vielfältigen und mancherorts auch aktionsreicher Familientag der immer kostenlos ist.

Hier nun einige der besonders sehenswertesten Bauwerke und Museen Portugals die am Internationalen Museumstag teilnehmen und die nicht nur an diesem Tag einen Besuch wert sind:

Alcobaça
- Mosteiro de Alcobaça (dt.: Kloster von Alcobaça)

Aveiro
- Museu da Cidade de Aveiro (dt.: Stadtmuseum von Aveiro)

Batalha
- Mosteiro da Batalha (dt.: Kloster von Batalha)

Caldas da Rainha
Museu de José Malhoa (dt.: Museum José Malhoa)

Coimbra
- Museu Monográfico de Conimbriga (dt.: Archäologisches Museum von Conimbriga)
- Museu Nacional de Machado de Castro (dt.: Nationalmuseum Machado de Castro)

Guarda
- Museu da Cidade da Guarda (dt.: Stadtmuseum von Guarda)

Lisboa
- Museu de Arte Popular (dt.: Volkskundemuseum)
- Museu Calouste Gulbenkian (dt.: Gulbenkianmuseum)
- Museu da Carris (dt.: Straßenbahn- und Busmuseum)
- Museu do Chiado (dt.: Museum für zeitgenössische Kunst)
- Museu da Cidade de Lisboa (dt.: Lissabonner Stadtmuseum)
- Museu do Fado (dt.: Fadomuseum)
- Mosteiro dos Jerónimos em Belém (dt.: Hieronymitenkloster in Belém)
- Museu da Musica (dt.: Musikmuseum)
- Museu Nacional de Arquelogia (dt.: Nationalmuseum für Archäologie)
- Museu Nacional de Arte Antiga (dt.: Nationalmuseum für Alte Kunst)
- Museu Nacional do Azulejo (dt.: Nationales Kachelmuseum)
- Museu Nacional dos Coches (dt.: Nationales Kutschenmuseum)
- Museu Nacional de Etnologia (dt.: Ethnologisches Nationalmuseum)
- Museu Nacional do Teatro e da Dança (dt.: Nationalmuseum für Theater und Tanz)
- Museu Nacional do Traje (dt.: Nationales Trachtenmuseum)
- Palácio Nacional da Ajuda (dt.: Nationalpalast von Ajuda)
- Panteão Nacional (dt.: Nationales Pantheon)
- Torre de Belém (dt.: Turm von Belém)


Mafra
- Palácio Nacional de Mafra (dt.: Nationalpalast von Mafra)

Porto
- Museu Nacional de Soares dos Reis (dt.: Nationalmuseum Soares dos Reis)

Portimão
- Museu da Cidade Portimão (dt.: Stadtmuseum von Portimão an der Algarve

Tomar
- Convento de Cristo (dt.: Christuskloster)

Viseu
- Museu Grão Vasco (dt.: Museum des Malers Grão Vasco)

Dienstag, 9. Dezember 2014

Das Welterbe der UNESCO in Portugal


Als Ende November dieses Jahres die UNESCO den originellen Chorgesang Cante Alentejano auf ihre Liste des Immateriellen Kulturwelterbes setzte, war diese prestigeträchtige Liste um eine kulturelle Tradition und Ausdrucksform reicher.
Nach dem Fado ist der Cante Alentejano die zweite portugiesische darstellende Kunst die es auf die Liste des Immateriellen Kulturerbes geschafft hat.

Die Liste des UNESCO-Welterbes umfasst aber nicht nur diese zwei portugiesischen Kulturformen, sondern auch 14 Weltkulturdenkmäler und ein Weltnaturdenkmal.
Außerdem sind im Rahmen des im Jahre 1992 gegründeten Programms „Memory of the World“ (port.: „Memória do Mundo“ / dt.: „Gedächtnis der Welt“) auch fünf wertvolle portugiesische Handschriften oder Handschriftensammlungen in das Weltdokumentenerbeverzeichnis aufgenommen worden.

Hier nun die Liste des gesamten UNESCO-Welterbes in Portugal:

Weltkulturerbe (port.: Património Mundial da Cultura)

-   Kloster der Heiligen Maria von Alcobaça
Das Kloster von Alcobaça (port.: Mosteiro de Santa Maria de Alcobaça) wurde im Jahre 1989 in die Weltkulturerbeliste aufgenommen. Aus dem 12. Jahrhundert stammend, beherbergt die riesige Zisterzienserklosteranlage, außer den üblichen Wirtschaftsräumen eines Klosters, fünf Kreuzgänge, sieben Dormitorien, eine Bibliothek und die größte Kirche Portugals
(lesen sie hierzu bitte auch meinen Blogeintrag „Alcobaça“ vom 17. November 2013)

-   Weinanbaugebiet des Alto Douro
Das steile Tal des Alto Douro und seine Weinanbaukultur (port.: Região Vinhateira do Alto Douro) sind seit 2001 Weltkulturerbe. Mit den Tälern weniger Nebenflüsse bildet der Alto Douro das älteste gesetzlich abgegrenzte Weinanbaugebiet der Welt! Es beginnt 100 km östlich der Stadt Porto und zieht sich über 120 km in Richtung spanisch-portugiesische Grenze. Nur in dieser Region, die auch als „País do Vinho“ (dt.: Weinland)  bezeichnet wird und in der seit über 2.000 Jahre Weinanbaukultur praktiziert wird, darf u. a. der weltberühmte Portwein angebaut werden.

-   Historisches Stadtzentrum von Angra do Heroismo
Die Stadt Angra do Heroismo, auf der Azoreninsel Terceira, ist die erste portugiesische Stadt die außerhalb Festlandportugals im Jahre 1534 gegründet wurde. Das historische Stadtzentrum von Angra do Heroismo hat mehrere besuchenswerte stattliche Barockbauten, eine schöne Kathedrale und eine mächtige Burg, den Castelo de São João Baptista, von dem man eine prächtige Panoramasicht über die Stadt hat. Bis 1822 war Angra do Heroismo die Hauptstadt der Azoren, bis es dann von Ponta Delgada, auf der Azoreninsel São Miguel, abgelöst wurde. Aber noch heute gilt die Stadt, die 1983 auf die Weltkulturerbeliste aufgenommen wurde, als der kulturelle Mittelpunkt der Azoren
(lesen sie hierzu auch bitte meinen Blogeintrag „Die Azoreninsel Terceira“ vom 8. September 2009)

-   Weinanbaukultur der Azoreninsel Pico
Der jungvulkanische Boden der Azoreninsel Pico ist auf weiten Stecken völlig ohne Humusdecke, was kaum eine erträgliche Landwirtschaft zulässt. Agrarisch ertragreich ist lediglich der Weinanbau an den mühevoll bearbeiteten Hängen des Pico Alto, einem noch heute tätigen Vulkan der mit 2.351 m die höchste Erhebung Portugals ist. Seit dem 15. Jahrhundert ist Pico für seine exquisiten Weine berühmt. Im Jahre 2004 nahm die UNESCO die Weinanbaukultur der Azoreninsel Pico (port.: Cultura da Vinha da Ilha do Pico) in ihre Welterbeliste auf
(lesen sie hierzu auch bitte einem Blogeintrag „Die Azoreninsel Pico“ vom 05. September 2009)

-   Kloster von Batalha
Die schlichte Stadt Batalha, zwischen Lissabon und Coimbra in einem fruchtbaren Talkessel des Flusses Lena gelegen, wäre wohl kaum jemanden bekannt, gäbe es da nicht das ehemalige Dominikanerkloster der Heiligen Maria der siegreichen Schlacht (port.: Mosteiro de Santa Maria da Vitótia da Batalha). Das sich an der Nordseite des Ortes erhebende Kloster wurde 1387 von König João I auf Grund eines Gelübdes gegründet, das er am 14. August 1385, zu Beginn der für die Unabhängigkeit Portugals vom Königreich Kastilien siegreichen und entscheidenden Schlacht von Aljubarrota, abgelegt hatte. Das Kloster von Batalha ist das große steinerne Freiheitsdenkmal der Portugiesen. Es wurde im Jahre 1840 zum Nationaldenkmal erklärt und ist seit 1983 Weltkulturerbe
(lesen sie hierzu auch meinen Eintrag „Batalha“ vom 21. Juni 2011)

-   Universität von Coimbra
In der Altstadt von Coimbra befindet sich die ehrwürdige Universität von Coimbra (port.: Universidade de Coimbra), mit all ihren alten Universitätsgebäuden, ihrer Universitätskirche, ihrer grandiosen Bibliothek und dem angrenzenden Botanischen Garten. Sie ist die älteste und bedeutendste Universität Portugals und eine der renommiertesten in Europa. Die Universität ist auch heute, über 700 Jahre nach ihrer Gründung, mit ihren Studenten ein kultureller und wissenschaftlicher Mittelpunkt Portugals
(lesen sie hierzu auch meine zwei Blogeinträge „Die Universität von Coimbra“ vom 18. Januar 2012 und „Coimbras Universität ist Weltkulturerbe“ vom 22. Juni 2013)

-   Die Stadt Elvas und ihre Befestigungsanlagen
Nahe der spanisch-portugiesischen Grenze liegt die alte Garnisonsstadt Elvas, mit ihren 220 registrierten Baudenkmälern. Als Stützpunkt gegen das nahe gelegene spanische Badajoz wurde die „Königin der Grenze“, wie die Stadt auch genannt wird, seit dem späten Mittelalter mit immer umfangreicheren Mauern befestigt und im 17. und 18. Jahrhundert mit mächtigen Forts gesichert, die zu den eindruckvollsten ihrer Zeit in Portugal gehören. Die Befestigungsanlagen von Elvas sind die größten und besterhaltenen der Welt! Seit 2012 ist diese alte Stadt Weltkulturerbe der UNESCO
(lesen sie hierzu bitte meinen Eintrag „Elvas, die Königin der Grenze, ist auch UNESCO-Weltkulturerbe“, vom 01. Juli 2012)

-   Historisches Stadtzentrum von Évora
Évora, die ehemalige Hauptstadt der Provinz Alentejo, steht seit dem Jahre 1986 auf der Liste des Weltkulturerbes. Die Stadt wird hier in Portugal wegen ihrer vielen historisch bedeutenden Bauwerke, darunter zahlreiche Stadtpaläste, Kirchen und Klöster, auch stolz „Cidade Museu“ (dt.: Museumsstadt) genannt
(lesen sie hierzu auch bitte meinen Blogeintrag „Évora“ vom 11. November 2011)

-   Historisches Stadtzentrum von Guimarães
Guimarães, die Geburtsstadt des ersten portugiesischen Königs, Afonso Henriques I, war die erste Hauptstadt Portugals und trägt hierzulande auch den Beinamen „Berço da Nação“ (dt.: Wiege der Nation). Die recht malerische Altstadt von Guimarães mit ihrer stattlichen Burg, ihren zahlreichen Stadtpalästen, Kirchen, Klöstern und ihren blumengeschmückten Granithäusern ist seit 2001 Weltkulturerbe der UNESCO
(lesen sie hierzu bitte auch meinen Blogeintrag „Guimarães“ vom 02. Januar 2012)

-   Turm von Belém und Hieronymuskloster in Lissabon
Belém, der südwestlichste Stadtteil Lissabons, ist wegen seiner großartigen historischen Baudenkmäler und höchst sehenswerten Museen berühmt. Die zwei wohl bekanntesten Bauwerke Lissabons, der Turm von Belém (port.: Torre de Belém) und das ehemalige Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos) liegen in diesem Stadtteil. Beide Bauwerke sind bedeutende Beispiele manuelistischer Baukunst und eindrucksvolle Symbole für Portugals Macht und Reichtum zur Zeit der kolonialen Eroberungen. Sowohl der Turm als auch das Kloster sind seit 1983 Weltkulturerbe

-   Historisches Stadtzentrum von Porto
Die historische Altstadt von Porto (port.: Centro Histórico do Porto), der zweitgrößten Stadt Portugals, beherbergt mehrere bedeutende Bauwerke, wie etwa die gut erhaltene Stadtmauer, die imposante romanische Kathedrale, den neo-klassischen Börsenpalast oder die barocke Kirche Igreja dos Clérigos mit dem Wahrzeichen der Stadt, der Torre dos Clérigos, dem höchsten Kirchenglockenturm Portugals. Seit 1996 gehört das historische Stadtzentrum Portos zum Weltkulturerbe

-   Kulturlandschaft Sintra
Die von der UNESCO im Jahre 1995 qualifizierte Kulturlandschaft von Sintra (port.: Paisagem Cultural de Sintra) beinhaltet die Altstadt von Sintra und das romantische Sintragebirge mit all seinen exotischen Parks und prächtigen Gärten und den vielen architektonisch-einzigartigen Palästen, den jahrhundertealten Klöstern und den märchenhaften Schlössern
(lesen sie hierzu auch meinen Eintrag „Sintra“ vom 23. Juli 2013)

-   Christuskloster in Tomar
Die Tempelrittermönche des 1162 gegründeten Christusritterordens (port.: Ordem de cavalharia de Nosso Senhor Jesus Cristo) sind verantwortlich für den Bau der Klosteranlage von Tomar, die aus einer umfangreichen Gruppe imposanter und reich verzierter Gebäude des 12. bis 17. Jahrhunderts besteht. Einst „zur Verteidigung des Glaubens“ von den Tempelrittern erbaut, erlebte das im gotisch-manuelistischem Stil erbaute Christuskloster (port.: Convento de Cristo) unter seinen Großmeistern Heinrich dem Seefahrer und König Manuel I seine größte Blüte. Das Christuskloster wurde 1983 auf die Weltkulturerbeliste aufgenommen

-   Archäologischer Park im Tal des Côa
Im Nordosten Portugals befindet sich das Tal des Flusses Côa. In den steinernen Uferhängen dieses Flusstals wurden Ende des letzten Jahrhunderts mehrere Tausend eingravierte Felszeichnungen aus prähistorischer Zeit, manche von ihnen gut 30.000 Jahre alt, entdeckt. Diese Felsmalereien erstrecken sich über insgesamt 17 km im ganzen Tal und zeigen vor allem Tiermotive, wie man sie bisher nur aus Höhlen und Felsengrotten Mitteleuropas her kannte. Die prähistorischen Felsmalereien stehen seit 1998 auf der Liste des UNESCO-Welterbes

Weltnaturerbe (port.: Património Mundial da Natureza)

-   Der Lorbeerwald von Madeira
Der Lorbeerwald Madeiras bedeckt 20 % der Insel, also gut 150 qkm. Er besteht aus 20 verschiedenen, für die Insel charakteristischen Baumarten, wie z.B. den Madeira-Lorbeer (port.: vinhático / latein.: Persea indica), den Madeira-Holunder (port.: sabugueiro madeirense / latein.: Sambucus lanceolata), den Barbusano (port.: barbusano / latein.: Apollonias barbujana) oder den Stinklorbeer (port.: til / latein.: Ocotea foetens), sowie aus verschiedenen Farnarten. Im Dezember 1999 wurde dieser einzigartige Urwald zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt

Immaterielles Weltkulturerbe (port.: Património Cultural Imaterial da Humanidade)

-   Fado
Der Musikstil des Fado wurde 2011 von der UNESCO zum Immaterielles Kulturerbe der Menschheit (port.: Patrimônio Cultural Imaterial da Himanidade) ernannt. Er ist wohl der portugiesischste aller Musikstile in Portugal. Der Fado ist voller Schmerz und Sehnsucht, und handelt meistens von nicht erfüllter Liebe, vom Unglück, vom Schicksal und alten, verlorenen Zeiten. Dennoch ist der Fado, trotz dieser ganzen negativen Gefühle, voller Hoffnung und Leben. Da der Fado die wehmütigen Sehnsuchtsgefühle der Portugiesen so praktisch musikalisch symbolisiert, wird er oftmals – und das zu Recht – als „die Seele Portugals“ (port.: „a alma de Portugal“) bezeichnet
(lesen sie hierzu auch bitte meinen Blogeintrag „Weltkulturerbe Fado“ vom 27. November 2011)

-   Chorgesang Cante Alentejano
Auf den Tag genau drei Jahre nach dem Fado wurde der portugiesische Musikstil des Cante Alentejano im Jahre 2014 auf die Weltkulturerbeliste von der UNESCO gesetzt.
Der Cante Alentejano ist ein Chorgesang der ohne Instrumente in einem langsamen Tempo und in einem charakteristischen harmonisch-monotonem Takt gesungen wird. Fast immer handeln die vorgetragenen Lieder vom Alltag, von der Liebe, der Freundschaft und dem schweren Arbeitsalltag im Alentejo.
(lesen sie hierzu bitte auch meinen Blogeintrag „Weltkulturerbe Cante Alentejano“ vom 27. November 2014)

Weltdokumentenerbe (port.: Programa Memória do Mundo)

-   Brief über die Entdeckung Brasilien
Der Brief über die Entdeckung Brasiliens am 22. April 1500 (port.: Carta do Achamento do Brasil) ist ein dokumentarischer Bericht des Seefahrers Pedro Álvares Cabral an den portugiesischen König Manuel I. In diesem mit dem 01. Mai 1500 datierten Brief beschrieb der Chronikschreiber Pêro Vaz de Caminha an den König in Portugal die ersten Eindrücke der Portugiesen in der neu entdeckten Welt, ihre erste Begegnung mit den Ureinwohnern und ihre ersten Einblicke in die neue, unbekannte Flora und Fauna Südamerikas. Der vierzehn Seiten doppeltbeschriftete lange Brief, der eigentlich eine Art Chronik ist, befindet sich heute im portugiesischen Nationalarchiv Torre do Tombo und gilt als das erste literarische Dokument Brasiliens. Die UNESCO nahm den Brief über die Entdeckung Brasiliens im Jahre 2005 in die Weltdokumentenerbeliste auf
(bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogbeitrag „Pero Vaz de Caminha“ vom 20. Februar 2012)

-   Vertrag von Tordesilhas
Der Vertrag von Tordesilhas (port.: Tratado de Tordesilhas), der am 07. Juni 1494 nach langwierigen Verhandlungen zwischen Portugal und Spanien abgeschlossen wurde, gilt als die dokumentierte Abschlussvereinbarung zwischen diesen beiden Königreichen, die damalige bekannte Welt untereinander aufzuteilen und die Hälfte des anderen zu respektieren. Der Vertrag von Tordesilhas gilt somit als der erste „Nichtangriffspakt“ zwischen Portugal und Spanien. Der Vertrag befindet sich heute im portugiesischen Nationalarchiv der Torre do Tombo und ist seit 2007 ein Welterbedokument

-   Chronologische Manuskriptsammlung „Corpo Cronologico“
Der „Corpo Cronologico“ ist eine Sammlung von verschiedenen Dokumenten und Manuskripten die zwischen 1756 und 1784 vom damaligen Leiter des Nationalarchivs Torre do Tombo, Manuel da Maia, zusammengetragen wurden. Die Sammlung umfasst insgesamt 83.212 verschiedene Verträge, Manuskripten und Dokumente des portugiesischen Staates die zwischen den Jahren 1161 und 1696 verfasst wurden.
Der Tatsache, das Manuel da Maia seinerseits die Schriftstücke alle chronologisch archivierte, versankt die Sammlung ihren Namen „Corpo Cronologico“. Seit 2007 ist die Sammlung, die sich weiterhin im Nationalarchiv Torre do Tombo befindet, Welterbedokument der UNESCO

-   Bericht der Flugpioniere Gago Coutinho und Sacadura Cabral
Im Jahre 1922 unternahmen die portugiesischen Flugpioniere Carlos Viegas Gago Coutinho und Artur de Sacadura Cabral den ersten Südatlantikflug der Geschichte. Am 30.März 1922 flogen beide Piloten mit ihrem Wasserdoppeldeckerflugzeug „Santa Cruz“ von Lissabon nach Rio de Janeiro in Brasilien. Über ihre Flugreise schrieben sie einen detaillierten Bericht (port.: Relatório dos aeronautas Gago Coutinho e Sacadura Cabral), der dann im Jahre 2010 als Welterbedokument von der UNESCO in ihre Liste aufgenommen wurden. Der Bericht der beiden Flugpioniere Coutinho und Cabral befinden sich heute im Archiv der Marinebibliothek in Lissabon

-   Reisetagebuch der ersten Indienfahrt des Vasco da Gama
Als der Seefahrer und Entdecker Vasco da Gama am 20. Mai 1498 seinen Fuß auf dem indischen Subkontinent setzte, hatte er als erster Mensch den Seeweg nach Indien entdeckt. Seine Reise hatte am 08. Juli 1497 in der portugiesischen Hauptstadt begonnen und erst zwei Jahre später, am 10. Juli 1499, segelte er wieder in Lissabon ein. Über seine Entdeckungsreise nach Indien verfasste er ein Reisetagebuch (port.: Diário da primeira viagem de Vasco da Gama), welches er später König Manuel I vorlegte. Dieses Reisetagebuch seiner ersten Indienfahrt ist 2013 von der UNESCO auf die Welterbedokumentenliste gesetzt worden. Es wird heute im Archiv der Stadtbibliothek von Porto aufbewahrt

Und hier nun eine Liste der von der portugiesischen Regierung nominierten Bauwerke und Naturschauplätze für eine zukünftige Bewerbung als Weltkultur- und Weltnaturerbe bei der UNESCO:

- die vulkanische Schachthöhle Angar do Carvão auf der Azoreninsel Terceira
- das historische Stadtzentrum von Santarém
- die Schwefelhöhle Furna do Enxofre auf der Azoreninsel Graciosa
- die von mittelalterlichen Mauern umgebene Kleinstadt Marvão und der kleine Berg auf dem es liegt
- die kleine unbewohnte Inselgruppe Ilhas Selvagens (dt.: Wilde Inseln) im Atlantik, vor der Küste Afrikas
- der Naturpark Südöstliche Alentejoküste im Alentejo
- die Lissabonner Unterstadt Baixa (port.: Baixa Pombalina)
- die Schloss- und Klosteranlage des Nationalpalastes von Mafra (port.: Palácio Nacional de Mafra)
- die Ortschaft Buçaco und das Waldgebiet in dem es liegt
- der Naturpark der Serra Arrábida
- die Dinosaurierfußspuren im Naturpark von Ourém-Torres Novas (port.: Parque Natural das Pegadas de Dinossáurio de Ourém-Torres Novas)

Sonntag, 15. Januar 2012

Brites, die Bäckerin von Aljubarrota


Brites de Almeida wurde um das Jahr 1350 herum, in der Stadt Faro, an der Algarve, geboren, wo ihr Vater eine kleine Weinwirtschaft (port.: taberna) besaß.

Das ganze Leben dieser Frau, die tatsächlich einmal gelebt hat, basiert auf einer Legende, die heute noch, nach vielen, vielen Jahrhunderten, hier in Portugal gerne erzählt wird.

Der Legende nach war Brites de Almeida nicht gerade mit Schönheit gesegnet. Sie soll dickleibig gewesen sein, krauses Haar und eine Hakennase gehabt haben und außerdem sollen je sechs Finger ihre beiden Hände geziert haben.
Der Geschichte nach, muss Brites wohl ein recht schwieriges Kind gewesen sein, wohl das, was man heute hier in Portugal eine „Mariarapaz“ (dt.: ein Mannsweib) nennt.
Man sagt ihr nach, dass sie ihren Eltern das Leben nicht gerade einfach machte, denn ihre Lieblingsbeschäftigungen waren das Raufen und das Saufen, was für eine junge Frau von damals, und auch heute, nicht gerade eine erbauliche Lebensart war und ist.
Als sie 20 Jahre alt ist stirbt zuerst ihr Vater, und dann ein paar Monate später, auch ihre Mutter.

Nach dem Tod ihrer Eltern lernt sie einen jungen Soldaten kennen, der sie wohl mehr liebte, als sie ihn.
Eines Tages macht er ihr, wohl im betrunkenen Zustand, einen Heiratsantrag und bedrängt sie übermütig. Brites schlägt ihn daraufhin kurz und klein und rammt ihm ein Messer in die Brust.
Ihrer schweren Tat bewusst, verlässt sie sofort Faro auf dem erstbesten Schiff, das zum Auslaufen bereit ist.
Das Schiff ist auf dem Weg ins spanische Kastilien, wird aber nur zwei Tage nach dem Auslaufen in Faro von algerischen Piraten geentert und sie und alle anderen Passagiere werden als Sklaven nach Algier verkauft.
In Algier gelingt ihr die Flucht und sie nimmt wieder ein Schiff, diesmal eines in Richtung Heimat.
In Ericeira, nördlich von Lissabon, geht sie an Land. Da sie immer noch wegen Totschlags gesucht wird, schneidet sie sich die Haare kurz, verkleidet sich als Mann und verdient ihren Lebensunterhalt erst einmal als Eselstreiberin.
Irgendwann ist sie aber das ständige Flüchten leid, lernt einen Bäcker aus Aljubarrota kennen und heiratet diesen.

Als sich am 14. August 1385, auf einem Feld unweit ihrer Bäckerei, die Truppen Kastiliens und die Truppen Portugals, letztere befehligt von König João I und seinem großen Feldherren Nuno Álvares Pereira, sich in der Schlacht von Aljubarrota gegenüber stehen, hält es Brites nicht mehr zuhause aus.

In der Nähe des Feldes, auf dem die Schlacht tobt, hilft sie dem portugiesischen Heer, das in der Unterzahl ist und daher jede Hilfe gebrauchen kann, Gräben auszugraben und mit Fallen für die kastilischen Reiter zu drapieren, so genannten „Krähenfüße“, um die Pferde und die Füße der kastilischen Soldaten zu verletzen.
Die Portugiesen gewinnen, wie wir heute wissen, die Schlacht von Aljubarrota und die Kastilier werden in die Flucht geschlagen.

Als Brites an diesem Tag erschöpft in ihre Bäckerei zurückkehrt, sieht sie dass das Schloss ihrer Backstubentür aufgebrochen ist. Ihr wird klar, dass sich kastilische Feinde auf der Flucht in ihrer Bäckerei versteckt haben. Nach kurzem suchen, findet sie sieben kauernde kastilische Soldaten in ihrem Backofen.
Sofort nimmt sie ihren Brotschieber und machte kurzen Prozess.
Sie erschlägt die sieben Soldaten einen nach dem anderen – sozusagen „Sieben auf einen Streich“!

Bei dieser, von der Phantasie beflügelten Geschichte, handelt es sich fraglos um eine Legende, die als Beiwerk zu dem Wunder der Schlacht von Aljubarrota, in der eine kleine portugiesische Armee eine Übermacht Kastiliens besiegte, alsbald nach der Schlacht überall erzählt wurde.

Aber obwohl nur eine Legende, so hat es Brites de Almeida dennoch zu einer portugiesischen Heldin gebracht, die später in vielen Geschichten und Volksliedern verherrlicht wurde, die heute noch erzählt und gesungen werden.

Dienstag, 28. Juni 2011

Unbekannter Soldat


Als ich meinen Beitrag „Batalha“ am 21. Juni dieses Jahres hier in diesem Blog veröffentlichte, erwähnte ich in ihm, das das Kloster Mosteiro de Santa Maria da Vitória da Batalha (dt.: Kloster der Heiligen Maria der siegreichen Schlacht) nicht nur die letzte Ruhestätte einiger portugiesischer Könige aus dem Hause Avis sei, sondern auch der Ort ist, an dem hier in Portugal das Grabmal des Unbekannten Soldaten (port.: Túmulo do Soldado Desconhecido) zu besichtigen ist.

Dieses Grab, das sogar die sterblichen Überreste zweier Soldaten beherbergt, nämlich die eines in den Schützengräben vom französischen Flandern gefallenen und die eines im Kolonialkrieg in Moçambique gefallenen Soldaten, wurde am 09. April 1921, drei Jahre nach der großen Schlacht von La Lys in Flandern, feierlich eingeweiht, und soll auf eine symbolische Art und Weise, all die portugiesischen Soldaten repräsentieren, die für das portugiesische Vaterland im Krieg gefallen sind.

Als Vorbild für dieses Grab diente der damaligen portugiesischen Regierung der unbekannte französische Soldat, der im Jahr zuvor in Paris, unter dem Triumphbogen begraben wurde.
Anders als in Paris, wurden aber die Leichen der unbekannten portugiesischen Soldaten nicht im Freien beerdigt, sondern unter der imposanten Kuppel des Kapitelsaals (port.: Sala do Capítulo) des Klosters Batalha.

Die Zeremonie fing bereits einige Tage vor der feierlichen Beerdigung in Batalha, in der Hauptstadt Lissabon an, wo die Särge der zwei im Krieg gefallenen Soldaten seit dem 07. April im Nationalparlament (port.: Assembleia Nacional) aufgebart wurden, nachdem sie Tage zuvor aus Frankreich und Moçambique gekommen waren.
An diesem Tag kam eine fiktive Familie zusammen, bestehend aus einer Kriegsmutter, einer Kriegswitwe und einem Kriegsweisen, und legte einen Kranz auf den Särgen der Soldaten nieder.

Dann wurden die zwei Särge vom Parlament in die Sternbasilika (port.: Basílica da Estrela), unter Anteilnahme von tausenden Schaulustigen, gebracht, wo ein feierlicher Gottesdienst abgehalten wurde.

Danach wurden dann die Särge vom Bahnhof Rossio in Lissabon in die Stadt Leiria mit dem Zug gebracht, und von Leiria, auf einer von Pferden gezogenen Lafette, nach Batalha gezogen.
Nach einem feierlichen Gottesdienst wurden die Särge der zwei im Krieg Gefallenen in den Boden des Kapitelsaals niedergelassen.

Auf der Grabplatte wurde folgender Text eingemeißelt:

„Portugal eterno nos mares, nos continentes e nas raças, ao seu Soldado Desconhecido morto pela Pátria“
(dt.: „Portugal, ewiglich auf den Meeren, auf den Kontinenten und unter den Völkern, seinen Unbekannten Soldaten, die für das Vaterland gefallen sind“

Am 09. April 1924 kam eine so genannte Ewige Flamme (port.: Chama Eterna / Chama da Memória / Chama da Pátria) an das Grab des Unbekannten Soldaten.
Sie war ein Geschenk der 5. militärischen Division von Coimbra (port.: 5ª Divisão Militar de Coimbra) und wurde vom Künstler Lourenço Chaves de Almeida erschaffen. Die Lampe ist aus purem Eisen geschmiedet und steht an der Kopfseite des Grabes.
Seit dem Tag an dem die Ewige Flamme entzündet wurde, hat sie nicht aufgehört zu brennen.

34 Jahre später, am 09. April 1958 wurde im Kapitelsaal des Klosters Batalha, ein Holzkreuz mit einer Jesusfigur aufgehängt.
Dieses Christuskreuz hat eine lange, bewegende Geschichte.

Während des ersten Weltkrieges stand auf dem Feldlager der Portugiesen im französischen Flandern, unweit der belgieschen Grenze, zwischen den Ortschaften Lacouture und Neuve-Chapelle, bei Wind und Wetter, ein Holzkreuz vor dem die Soldaten für gewöhnlich beteten, bevor sie in die jeweiligen Schlachten gingen.
Am 09. April 1918 nahmen die portugiesischen Soldaten an der blutigen Schlacht von La Lys teil.
An diesem Tag startete das 6. Deutsche Heer die so genannte Frühjahrsoffensive des Flandernfeldzuges. Unter einem gewaltigen Artilleriefeuer und unter massivem Dauerbeschuss sollten an diesem Tag über 7.500 portugiesische Soldaten ihren Tod auf dem Schlachtfeld finden.
Die Kleinstadt Neuve-Chapelle wurde vollkommen zerstört.
Zu tausenden lagen auf dem ebenen Feld die Leichen und Verwundeten.
Zwar schwer angeschlagen, ohne Beine, ohne den rechten Arm und mit einer Gewehrkugel in der Brust, stand aber das hölzerne Christuskreuz als einziger, mehr oder weniger aufrecht, auf dem Schlachtfeld.
Nach dem Krieg wurde das Holzkreuz restauriert und blieb weiterhin auf dem Schlachtfeld, diesmal um die Gräber der abertausenden gefallenen portugiesischen Soldaten zu bewachen.

Anfang 1958 bat die portugiesische Regierung formell den französischen Staat um das Christuskreuz.
Die Franzosen kamen noch im selben Jahr dem portugiesischen Wunsch nach, und so wurde am 04. April 1958, einem Karfreitag, die als „Cristo das Trincheiras“ (dt.: Christus der Schützengräber) bekannte Figur, mit einem Flugzeug nach Lissabon gebracht.
Sie wurde dann am 09. April 1958 feierlich an der Kopfseite des Grabes des Unbekannten Soldaten im Kapitelsaal aufgehängt, wo sie bis heute noch hängt.

Das Grab, das Holzkreuz und die Ewige Flamme bilden das Grabmal des Unbekannten Soldaten.
In Kombination mit einer Wachablösung, die stündlich vollzogen wird, machen sie diesen Ort zu einem der emotionalsten in ganz Portugal.

Dem Grabmal des Unbekannten Soldaten ist im Kloster von Batalha auch ein Museum gewidmet, in dem vor allem Gaben an den Unbekannten Soldaten ausgestellt werden, und verschiedene Erinnerungsstücke aus dem 1. Weltkrieg, wie Fahnen, Orden und Trophäen.

Dienstag, 21. Juni 2011

Batalha






In meinem vorhergehenden Beitrag „Grabesstätten der portugiesischen Monarchen“, erwähne ich das Kloster Mosteiro de Santa Maria da Vitória da Batalha (dt.: Kloster der Heiligen Maria der siegreichen Schlacht).
Heute bin ich gefragt worden, wie dieses Kloster zu seinem durchaus ausgefallenen Namen kommt.

Nun, die Gründung des Klosters Batalha ist eng ist den schweren Kämpfen um die Unabhängigkeit des jungen Königreichs Portugal im ausgehenden Mittelalter verbunden.
Immer wieder versuchten die mächtigen Könige von Kastilien (port.: Castela) und León (port.: Leão) ihren Anspruch auf den Thron Portugals mit Gewalt durchzusetzen.

In der Entscheidungsschlacht am 14. August 1385 siegten die mit den Engländern verbundenen Portugiesen bei Aljubarrota über die von den Franzosen unterstützten, weitaus zahlenmäßig überlegenen, Kastilier.
Der portugiesische König João I hatte vor der Schlacht in Aljubarrota (port.: Batalha de Aljubarrota) gelobt der Jungfrau Maria ein Kloster zu errichten, wenn ihm der Sieg zufallen würde.

In Erfüllung des Gelübdes begann im Jahre 1387 der Bau des Klosters Mosteiro de Santa Maria da Vitória da Batalha (port.: Kloster der Heiligen Maria der siegreichen Schlacht), das der Volksmund sehr bald in Batalha (dt.: Schlacht) umtaufte.
Nach dem Willen von König João I sollte das von Dominikaner geführte Kloster auch das Mausoleum des neuen Könighauses Avis werden.

Rund 100 Jahre wurden Angehörige der Dynastie hier beigesetzt.
Insgesamt liegen hier vier Könige, drei Königinnen und neun Infanten (dt.: Prinzen) und Infantinnen (dt.: Prinzessinnen) begraben.
Die im Mausoleum beigesetzten Mitglieder der königlichen Familie sind:

• König João I
• König Duarte I
• König Afonso V
• König João II
• Königin Philippa of Lancaster (Gemahlin von João I)
• Königin Leonor de Aragon (Gemahlin von König Duarte I)
• Königin Isabel de Portugal (Gemahlin von Afonso V)
• Infante João (Sohn von König Duarte)
• Infante Fernão (Sohn von König João I)
• Infantin Maria (Tochter von König Duarte)
• Infantin Filippa (Tochter von König Duarte)
• Infante João (Sohn von König João I)
• Infante João (Sohn von König Afonso V)
• Infante Pedro (Sohn von König João I)
• Infante Afonso (Sohn von König João II)
• Infante Henrique (dt.: Heinrich der Seefahrer, Sohn von João I)

Erst König Manuel I bestimmt für sich und seine Nachfolger das neu erbaute Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos) in Belém bei Lissabon als letzte Ruhestätte.

Sechs Könige und in ihrem Auftrag sechs Baumeister, darunter der portugiesische Baumeister Afonso Domingues und der aus Katalonien (port.: Catalunha) stammende Baumeister Huguet, haben fast 200 Jahre an dem mächtigen Kloster gebaut.
Die Stilrichtung der Bauten und Ausstattungen reicht von der Hochgotik bis zur Renaissance.
Ursprünglich war allein der Bau der Kirche, die Stiftergrabkapelle (port.: Capela do Fundador) und das Kloster mit Kreuzgang vorgesehen, die im Jahre 1436 vollendet wurden.
Dieser Baukomplex wurde jedoch bis Mitte des 16. Jahrhunderts durch einen zweiten und dritten Kreuzgang sowie ein neues Mausoleum im Anschluss an den Ostchor der Kirche stetig erweitert. Erst 1557 wurden die Bauarbeiten eingestellt.

Das hochgotische Hauptportal der Klosterkirche ist mit rund 100 Figuren geschmückt, die Heilige, Propheten, Päpste und Könige darstellen.
Der Grundriss zeigt ein dreischiffiges Langhaus mit einem östlichen Querschiff, an das sich fünf Altarkapellen anschließen.
Das Innere der Kirche überrascht durch seine imposante Höhe von 32,50 m. Die Gesamtlänge der Kirche beträgt stolze 79,20 m.

An dem südlichen Seitenschiff schließt sich die Grabkapelle des Stifters (port.: Capela do Fundador) an, mit einem sehr seltenen quadratischen gotischen Zentralbau mit einer Seitenlänge von 19,20 m, dessen figürliche Ornamente an die Phantasieformen mit Brüsseler Spitzen erinnert.
An die Chorkapellen schließt sich eine Halle an, die zu dem im 15. Jahrhundert neuen Mausoleum führt.

Um ein mächtiges Achteck von 20 m Durchmesser sind sieben Kapellen gruppiert, die reich mit Friesen geschmückt sind.
Da die Kapellen bis zum heutigen Tag unbedeckt blieben, werden sie als Unvollendete Kapellen (port.: Capelas Imperfeitas) bezeichnet.

Im Gegensatz zu anderen gotischen Kirchen auf der Welt, die stolz und unnahbar auf einem Hügel oder auf einer Anhöhe emporragen, liegt das Kloster Batalha sanft gebettet im Tal des Flusses Lena.
Bis in die Gegenwart mussten schwere Schäden behoben werden, die von den napoleonischen Truppen verursacht wurden, als diese Anfang des 19. Jahrhunderts Portugal besetzten.
Nach der französischen Besetzung wurde das Dominikaner-Kloster aufgelöst und ging in den Besitz des portugiesischen Staates über.
Man begann damals umfangreiche Restaurierungsarbeiten an dem Kloster vorzunehmen, die erst heute weitgehend abgeschlossen sind.

Aber das Kloster von Batalha ist nicht nur Grabesstätte der Königsfamilie aus dem Hause Avis.
Im Kapitelsaal (port.: Sala do Capítulo), der an der Ostseite des Kreuzganges gelegen ist, befindet sich auch die nationale Gedenkstätte mit den zwei Grabmäler für die zwei im Ersten Weltkrieg verstorbenen Unbekanten Soldaten (port.: Soldados desconhecidos).
Der eine stammt aus den französischen Schlachtfeldern von Flandern und der andere aus den Afrikakolonialkrieg im portugiesischen Moçambique.

Das Kloster, mit seiner leuchtenden Kalksteinfassade, hat durch diese auch rein äußerlich 1910 die Geltung bekommen, die ihm als erstem portugiesischem Nationaldenkmal gebührt.
1983 wurde das Kloster Batalha von der UNESCO feierlich in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen, und somit auch international gewürdigt.