Posts mit dem Label Rossio werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Rossio werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Weihnachten 2015 kann kommen


Es ist wieder soweit:
Die Adventszeit ist da und Weihnachten steht vor der Tür!
Wieder einmal hat sich die portugiesische Hauptstadt ein festliches Lichterkleid übergezogen und so strahlen zahlreiche Arterien und Plätze Lissabons seit gestern Abend wieder in festlichem Licht.

Nach vielen Jahren der Krise hat die Stadtverwaltung beschlossen dieses Jahr an die 320.000 Euro für eine ansehnliche Weihnachtsbeleuchtung auszugeben.
Bis zum 06. Januar 2016, dem Tag der Heiligen Drei Könige, werden an die 2,1 Millionen Leuchtioden und Glühlampen insgesamt 34 Straßen und öffentlichen Plätze der Stadt weihnachtlich erleuchten.

Unter anderem kann die diesjährige Lichtdekoration an folgenden Straßen und Plätzen bewundert werden:

- Terreiro do Paço
- Praça Luis de Camões
- Chiado
- Baixa (u. a. die Straßen Rua Augusta, Rua da Prata, Rua Áurea, Rua de Santa Justa, Rua de São Nicolau)
- Praça dos Restauradaores
- Avenida da Liberade
- Avenida de Roma
- Rossio (hier steht der diesjährige Weihnachtsbaum)

Außer der Weihnachtsbeleuchtung gehören zum diesjährigen Weihnachtsprogramm u. a.:

- bis zum 06. Januar 2016 allabendliche Video Mapping-Projektionen auf dem Terreiro do Paço
- vom 08. Dezember bis 24. Dezember ein Weihnachtsmarkt auf dem Rathausplatz (port.: Praça do Município)
- mehrere Weihnachtkonzerte und Choraufführungen in verschiedenen Kirchen der Stadt
- vom 11. Dezember bis 10. Januar 2016 eine Eiskunstlaufbahn auf dem zentralen Platz Terreiro do Paço

Wer in den nächsten Wochen Lissabon besuchen wird, der wird also mit vielen Weihnachtseindrücken und festlichen Momenten konfrontiert werden.
Oder wie meine Freundin Christina aus Frankfurt einmal sagte:
„Lissabon ist wahrlich eine schöne Metropole, aber um die Weihnachtszeit ist die Stadt einfach besonders schön!“

Freitag, 8. Mai 2015

10. Internationales Festival der Iberischen Maske


Der Lissabonner Altstadtplatz Rossio wird für die nächsten Tage der zentrale Ausgangspunkt für das alljährlich stattfindende Internationale Festival der Iberischen Maske (port.: Festival Internacional da Máscara Ibérica) sein, eine Veranstaltung die seit nunmehr 10 Jahren viele Freunde origineller und kunstvoller Gesichtsbedeckungen zusammenbringt.

Weit über 600 Mitglieder verschiedener Trachten- und Festumzugsgruppen aus ganz Nord- und Zentralportugal, sowie mehreren spanischen Regionen und dieses Jahr auch zum ersten Mal eine Volksgruppe aus dem italienischen Sardinien, nehmen an diesem bunten und fröhlichen Festival teil.

Die Benutzung von Masken in Portugal bei rituellen und religiösen Veranstaltungen, oft in Kombination mit einer Verkleidung, ist sehr lange bekannt.
Schon die Römer und später die arabischen Mauren, die beide über viele Jahrhunderte hinweg Besatzer eines großteils Iberiens waren, verwendeten bei vielen ihrer traditionellen Festen oftmals eine Kostümierung in Verbindung mit einer Maske.
Überhaupt geht das Wort Maske (port.: máscara) auf das arabische Wort „maskharat“ zurück, das wörtlich soviel wie Scherz, Narretei oder Posse bedeutet.

Nach den Römern und den Mauren, die zum herstellen ihrer Masken vor allem Holz, Ton, Leder und Pflanzenteile verwendeten, haben dann Portugiesen und Spanier in vielen ihrer Regionen und Provinzen die Tradition der Gesichtsmaske bei vielen religiösen und rituellen Brauchtümer beibehalten.
Und so ist die Sitte des Verhüllens des Gesichtes auch heute noch in manchen Gebieten Portugals bei Volksfesten allgegenwärtig.

Da nicht jeder diese Volksfeste besuchen kann und er so oftmals nicht die Möglichkeit hat die Originalität dieser Masken zu bewundern, empfehle ich jedem der am kommenden Wochenende in Lissabon verweilt, einmal in der Baixa vorbeizuschauen.

Außer einer täglich stattfindenden Maskenparade kann man sich auf dem Festival auch die gute Küche und Weine der verschiedenen Regionen Iberiens in über 30 Fressbuden schmecken lassen, sowie die volkstümliche Musik Portugals, Spaniens und Süditaliens auf einer riesigen Bühne Mitten auf dem Rossio genießen.

Das X. Internationale Festival der Iberischen Maske findet bis zum kommenden Sonntag, dem 10. Mai 2015, statt!

Freitag, 10. April 2015

Der Brand der Rua da Madalena in Lissabon


Brände haben seit jeher die Geschichte der Städte mitgeschrieben, sei es durch die immer wieder vernichtenden Feuersbrünste die oftmals immense materielle Schäden verursachten oder durch die manchmal zahlreichen Menschenopfer die die Brände forderten.
Die Stadt Lissabon ist da keine Ausnahme!

Oftmals in der Stadtgeschichte Lissabons mussten ihre Einwohner hilflos mit ansehen wie Teile der Hauptstadt Opfer wütender Flammen wurden und zusehen wie wichtige Gebäude ihrer Stadt durchs Feuer bis auf ihre Grundmauern zerstört wurden, so z.B. im Jahre 1996 als das Rathaus (port.: Câmara Municipal) brannte – davor hatte ein Feuer bereits 1863 das Gebäude völlig zerstört – oder im August 1988 als der halbe Stadtteil Chiado ein Opfer der Flammen wurde.
Im August 1959 versank die Barockkirche São Domingos (port.: Igreja de São Domingos) am Rossio in Schutt und Asche und wenige Jahre darauf, im Dezember 1964, brannte ein Flamenmeer das Nationaltheater D. Maria II (port.: Teatro Nacional D. Maria II), ebenfalls am Rossio liegend, nieder.
Als am 01. November 1755 nach einem verheerenden Erdbeben die Stadt völlig zerstört wurde, brannte sie tagelang lichterloh und auch 1363, als das Lissabonner Judenviertel (port.: Jadiaria) durch Brandstiftung ein Raub der Flammen wurde, brannte dieser  Teil der Stadt mehrere Tage.

Ein Großbrand, der den Bürgern Lissabons bis heute im Gedächtnis geblieben ist, auch wenn er schon vor über Hundert Jahre gewütet hat, ist ein Brand der unter dem Namen „Incêndio da Rua da Madalena“ (dt.: Brand der Rua da Madalena) bekannt ist und der sich damals in der Straße gleichen Namens, in der Lissabonner Unterstadt Baixa, ereignet hat.
In den Morgenstunden des 10. April 1907, also auf den Tag genau vor 108 Jahren, breitete sich in einem vierstöckigen Wohn- und Lagerhaus in der Rua da Madalena / Ecke Escadinhas de Santa Justa ein Brand aus, bei dem 14 Menschen starben.
Zehn der Opfer kamen in den Flammen um, die vier anderen wiederum starben, weil sie sich in den oberen Stockwerken befanden und sie auf die Straße sprangen. Ihnen war durch die lodernden Flammen der Fluchtweg auf die Straße versperrt gewesen.
37 Personen konnten sich aber, zum Teil schwer verletzt, retten.

Für den Brand wurden damals zwei spanische Bürger – Leandro Gonzalez und Antonio Fernandez – verantwortlich gemacht, zwei Männer die im Untergeschoß des Gebäudes ein kleines Stofflager betrieben.
Nach dem Brand kam heraus, dass die zwei Spanier nur drei Monate vor dem Brand eine hohe Versicherung für ihr Lager im Erdgeschoß des Gebäudes und die darin befindliche Ware abgeschlossen hatten. Außerdem fand man später in einem anderen Lager der beiden Spanier mehrere Kanister des Brandbeschleunigers Ethanol.
Nachdem Gonzalez und Fernandez der Brandstiftung überführt waren und sie die Tat gestanden, wurden die zwei festgenommen und zu lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt.
Antonio Fernandez starb nach drei Jahren Zuchthaus im Jahre 1910.
Leandro Gonzalez reichte nach acht Jahren Haft – in der Zwischenzeit war aus dem monarchistischen Portugal eine Republik geworden – einen Gnadengesuch bei dem ersten verfassungsmäßig gewählten Staatspräsidenten Manuel de Arriaga ein.
Arriaga, der von Haus aus Jurist und als ehemaliger Generalstaatsanwalt für seine Kompromisslosigkeit in Rechtsdingen bekannt war, gab dem Gnadengesuch nicht statt und ließ den Häftling daraufhin wissen:
„Politische Systeme mögen kommen und gehen, das Rechtsbewusstsein eines Menschen aber sollte unumstößlich sein.
Ich kann einem Mörder keine Gnade vor Recht gewähren!...“.

Erst zehn Jahren später, 1917, gab der neue Präsident Bernardino Machado, auf Druck Spaniens, endlich dem Gnadengesuch von Leandro Gonzales statt, verwaiste ihn aber, sobald er das Zuchthaus verlassen hatte, des Landes.

Heute steht an der Stelle, an der vor über Hundert Jahren eine der größten Brandkatastrophen des modernen Lissabon stattgefunden hat, ein Wohn- und Geschäftshaus das nach Originalplänen des ursprünglichen Gebäudes errichtet wurde.

Dienstag, 17. Dezember 2013

Lissabons weihnachtliche Beleuchtung 2013





Nachdem es letztes Jahr, dank der Krise, so gut wie keine weihnachtliche Beleuchtung  (port.: ilmuninação natalícia) in den Straßen und auf den öffentlichen Plätzen der Hauptstadt gegeben hat, hat sich dieses Jahr Lissabons Stadtverwaltung erbarmt, und seinen Bürgern und den Touristen ein paar bunte und festliche Lichter spendiert.

An die schätzungsweise 300.000 Euro wird Lissabon dieses Jahr ausgeben, um die wichtigsten Arterien und Knotenpunkte der Stadt zum leuchten zu bringen und so hoffentlich etwas wie eine stimmungsvolle Atmosphäre in der Vorweihnachtszeit zu verbreiten.

Dies ist auch annähernd gelungen, denn letztes Jahr sah die Sache noch ganz anders aus.
Da sah Lissabon nämlich so richtig kahl, trostlos und traurig aus.
Das war kein schöner Anblick!
Dieses Jahr haben wir nun hier zwar keine überragende Leuchtdekoration, aber immerhin glitzert und funkelt es an den wichtigsten zentralen und touristischen Stellen der Hauptstadt – und das macht ganz schön viel aus!

Folgende Straßen und Plätze sind dieses Jahr in Lissabon weihnachtlich beleuchtet:

- Avenida de Roma
- Avenida da Igreja
- Avenida Guerra Junqueiro
- Avenida da Liberdade
- Baixa pombalina
- Chiado
- Estrada de Benfica
- Marques de Pombal
- Parque Eduardo VII
- Praça do Comercio
- Praça do Chile
- Praça da Figueira
- Restauradores
- Rossio
- Rua Castilho
- Rua Ferreira Borges

Und selbst der Largo do Intendente, ein Platz im Stadtteil Anjos, hat dieses Jahr ein Anrecht auf eine Weihnachtsbeleuchtung!
Aber das auch nur, weil Oberbürgermeister António Costa dort sein Büro hat…

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Lissabon, Stadt des Lichtes



In meinem vorhergehenden Blogeintrag „Lisboa, Mittelpunkt Europas während des Zweiten Weltkrieges“, vom 20. Oktober, erwähne ich das Buch „Lisboa, A Guerra nas Sombras da Cidade da Luz“ (dt.: „Lissabon, der Krieg im Schatten der Stadt des Lichtes“), des schottischen Schriftstellers Dr. Neill Lochery.
Heute wurde ich auf besagtes Buch, bzw. seinen Titel, angesprochen.

„Lissabon, der Krieg im Schatten der Stadt des Lichtes“ – dieser Titel sei doch wohl zu hoch gegriffen, meinte mein Freund Ricardo Capelotti, wo doch jeder wisse, das eigentlich Paris die wahre „Stadt des Lichtes“ sei.

Nun, wer schon einmal Paris besucht hat, zumal zur Weihnachtszeit, der weiß, wie hell Paris wirklich erleuchtet ist, wenn nämlich alle Gebäude, Avenuen und Monumente nachts im hellen Lichterglanz erstrahlen.
Aber das ist, wohlgemerkt, heute so.
Es war leider auch schon einmal anders!

In den Kriegsjahren 1939 bis 1945 war Paris, wie alle anderen Städte des Krieges in Europa in diesen Jahren auch, dazu verdammt sein Stadtbild aus Angst vor möglichen Luftangriffen der Deutschen Luftwaffe, nachts zu verdunkeln.
In Lissabon aber, wurde nichts verdunkelt!
Keiner musste damals, im neutralen Portugal, Angst vor nächtlichen Luftangriffen und Übergriffe aus Nazideutschland haben!

Als in diesen Jahren des Krieges die vielen religiös, kulturell und politisch Verfolgten nach Lissabon kamen, fanden sie eine Stadt vor, die tagsüber von der Sonne hell durchflutet war und nachts von tausenden Lampen erstrahlt wurde.
Während ganz Europa damals im Dunkeln lag, gab sich Lissabon dem Luxus des Lichtes und der Hoffnung hin!

Wohl auch deshalb spricht Neill Lochery in seinem Buch von der „Stadt des Lichtes“!

Anbei eine Aufnahmen aus der hier in diesem Blog schon erwähnten Fotoausstellung „Lisboa, Centro da Europa na Segunda Guerra Mundial” (dt.: „Lissabon, Mittelpunkt Europas während des Zweiten Weltkrieges“), die auf eindrucksvolle Art zeigt, wie hell erleuchtet der Rossio in den Kriegsjahren 1939 bis 1945 war.
Schaut man sich die Fotografien der 1940er Jahre an, und vergleicht sie mit der traurigen Realität von heute, dann muss man neidvoll zugeben, dass das Lissabon von damals besser beleuchtet war, als das Lissabon unserer Tage...

Freitag, 1. Juni 2012

Lissabon ist in Feierlaune




Mit einem riesigen Straßenevent, mitten im Herzen Lissabons, begannen gestern Abend die Feierlichkeiten für das diesjährige Lissabonner Stadtfest.
Unter der Regie der Eventfirma EGEAC, die weltweit für ihre ausgefallenen Events berühmt ist, boten zahlreiche Schauspieler und Akrobaten zwischen der Praça dos Restauradores und dem Rossio eine einmalige Show aus Feuer, Musik und bizarren Flugmaschinen dar, die den Namen „Firebirds“ trug.

Diese Performance, die einem gestern Nacht geboten wurde, war der Auftakt für das jedes Jahr stattfindende Lissabonner Sankt-Antonius-Fest (port.: Festas de Santo António) das dem Stadt- und Volksheiligen Santo António gewidmet ist.
Jedes Jahr feiert Lissabon im Juni mit viel guter Musik, Tanz, farbenprächtigen Umzügen, Konzerten, Kinoaufführungen, interessanten Ausstellungen und gutem Essen und Trinken sein Stadtfest.

Das Lissabonner Stadtfest wird an keinem speziell ausgewiesenen Ort gefeiert, so wie etwa in München auf der Theresienwiese das Oktoberfest gefeiert wird oder auf dem Frankfurter Messplatz immer die Dippemess stattfindet.
Nein, in ganz Lissabon finden diesen Monat auf zahlreichen öffentlichen und privaten Plätzen und Hinterhöfen Feste und Feiern statt, die man hierzulande „arraiais“ (dt.: Festplätze) nennt, und die zumeist nicht von der Stadt organisiert werden, sondern etwa von Vereinen, Schulen, Gemeinden, Innungen, Pfadfindern, Kindergärten, Sportclubs, usw.

Ein „arraial“ (dt.: Festplatz oder Rummelplatz), zumal wenn er privat organisiert ist, ist für gewöhnlich ein sehr farbenfroher, lebendiger und geselliger Ort, an dem die Bevölkerung des jeweiligen Stadtteils mit den anderen Lissabonnern und den Touristen aus aller Welt zusammenkommt.

Wer noch nie das Antoniusfest mit Freunden in einem „arraial“ gefeiert hat, der sollte es dieses Jahr unbedingt nachholen.
Denn zu keiner Zeit und an keinem Ort ist Lissabon so „lissabonnerisch“, wie im Monat Juni in einem „arraial“.

Anbei habe ich hier einmal ein paar „arraiais“ zusammengetragen, in denen ich mich jedes Jahr sehr wohl fühle und die ich nur weiterempfehlen kann:


1.
Arraial do Santana Futebol Club
Calçada dos Sete Moinhos
Stadtteil Campolide

2.
Arraial da Associação Grupo Os 16 do Bairro Padre Cruz
Rua Professor Almeida Silva
(genau gegenüber des Pavilhão Natália Correia)
Stadtteil Carnide

3.
Arraial do Clube Oriental de Lisboa
Praça David Leandro da Silva
Stadtteil Marvila

4.
Arraial dos Ingleses Futebol Clube
Rua Candido de Oliveira
Stadtteil Santa Maria dos Olivais

5.
Arraial do Bola Cintilante
Jardins Móveis do Cais do Sodré
Cais do Sodré
Stadtteil São Paulo

6.Arraial da Voz do Operário
Rua da Voz do Operário n° 9
Stadtteil São Vicente de Fora

7.
Arraial da Associação Desportíva e Cultura de Encarnação e Olivais
Bairro da Encarnação
Stadtteil Santa Maria dos Olivais

8.
Arraial do Grupo Desportivo da Pena
Beco São Luis da Pena
Stadtteil Pena

9.
Arraial da Academia de Santo Amaro
Rua Academia Recreativa de Santo Amaro
Stadtteil Alcântara

10.
Arraial do Corpo de Escutas Agrupamento 48 de Santa Catarina
Calçada do Combro
(genau neben der Kirche Santa Catarina)
Espaço do Olival
Stadtteil Santa Catarina

Samstag, 27. August 2011

Feira da Ladra


Heute Morgen habe ich die Feira da Ladra (dt.: Markt der Diebin), den Lissabonner Flohmarkt, besucht.
Erstanden habe ich dieses Mal zwar nichts, aber ich gehe auch nicht in erster Linie auf den Lissabonner Flohmarkt um dort unbedingt etwas zu kaufen, sondern um in die typische und pittoreske Atmosphäre zu tauchen, die es dort gibt.
An Markttagen ist die Feira da Ladra nämlich eine Insel der Farben, überfüllt, laut, malerisch und liebenswert.

Wer glaubt dieser Trödelmarkt wäre eine Erfindung aus jüngster Zeit, etwa aus Hippietagen, der irrt sich gewaltig.
Im Gegenteil, die „Feira da Ladra“ ist der älteste noch heute existierende Markt im Lissabonner Raum.
Seinen Ursprung hat der Markt im Mittelalter, so um das Jahr 1185 herum, etwa zu einer Zeit also, als Portugal als Nation geboren wurde.
Damals hieß er zwar noch nicht „Feira da Ladra“, sondern „Mercado Franco de Lisboa“ („Freier Markt von Lissabon“) und war ein ganz normaler Wochenmarkt, aber genauso wie heute, konnte man dort schon feilschen und so manches Schnäppchen preiswert erstehen.

Seinen ersten Standort hatte der Markt an der Südmauer der Lissabonner Burg, an einem Platz der heute noch „Chão da Feira“ (dt.: „Marktgelände“) genannt wird.
Abgehalten wurde der Markt damals ein Mal pro Woche, nämlich immer Dienstags. Dieser Wochentag hat sich bis heute erhalten!
Doch König João I wurde das wöchentliche Getriebe vor seiner Haustür wohl zu laut, und damit begannen die Umzüge der Feira.

Der Markt zog um 1430 zuerst zum Hauptplatz Rossio, und dort blieb er auch bis zum verheerenden Erdbeben von 1755.
Nach dem großen Erdbeben, als man daran ging die Stadt und somit auch den Rossio, wiederaufzubauen, zog der Markt im Jahre 1809 zur Praça da Alegria.

Aber auch hier an diesem Platz blieb der Markt nicht für lange Zeit. Als sich der Marques de Castelo Melhor in seinem nahen Palácio do Cadaval von dem lauten Marktgeschrei belästigt fühlte, musste der Markt am 02. Februar 1823 erneut umziehen, diesmal zum Campo de Sant´Ana, genau dahin, wo sich heute die Deutsche Botschaft befindet.

Nach starken Protesten der Marktleute, die sich über die unmöglichen Bedingungen und den Platzmangel auf dem Campo de Sant´Ana beschwerten, zog der Markt, nach noch nicht einmal einem halben Jahr, wieder zur Praça da Alegria zurück.
1835 zog der Markt erneut in den Campo de Sant´Ana um, wo er, jetzt da der Platz erweitert worden war, 47 Jahre blieb.

Im Jahre 1882 zog der Markt in den Campo de Santa Clara um, an den Ort, an dem er heute noch jede Woche abgehalten wird.
Hier, zwischen dem nüchternen Kloster São Vicente de Fora und der schneeweißen Kirche Santa Engracia, dem heutigen Pantheon, entwickelt sich der Markt auch von einem gewöhnlichen Wochenmarkt zu dem Trödelmarkt der er heute ist.
Und erst hier erhält er dann auch den Namen unter dem er noch heute bekannt ist, „Feira da Ladra“.

„Feira da Ladra“ heißt ins deutsche übersetzt so viel wie „Markt der Diebin“. Der Name dieses Flohmarktes spielt auf die Tatsache hin, dass hier oftmals Diebesgut zum Verkauf angeboten wurde und leider noch heute angeboten wird.
Übrigens verdankt der deutsche Begriff „Flohmarkt“ seinen Namen den spätmittelalterlichen Kleidergaben der Fürsten an das einfache Volk. Einmal dem Volk überlassen, wurde mit diesen Kleidungsstücken auch gehandelt. Dabei wechselte der eine oder andere „Floh“ den Besitzer.

1903 genehmigt die Lissabonner Stadtverwaltung den Markthändlern einen zusätzlichen Verkaufstag auf dem Markt.
Zu dem traditionellen Dienstag, der schon seit dem 12. Jahrhundert existiert, kommt nun auch der Samstag dazu.

Ein Besuch der Feira da Ladra an einem dieser zwei Wochentagen ist allemal ein Erlebnis.
Alles Aussortierte, Weggeworfene und leider auch oftmals Gestohlene, wird hier feilgeboten.
Ich habe heute z.B., unter anderem zusammengeklebte Vasen, Sturmlampen für Fischerboote, abgelegte Heilige, alte Ölschinken, kitschig bemalte Teller, Bruchstücke von Azulejos, verbogene Briefbeschwerer, originelle Hüte und selbst verrostete Betten gesehen, die zum Verkauf standen.

Wenn man viel Zeit hat und sehr viel Glück hat, findet man zwischen all diesem Trödel noch die eine oder andere kleine Kostbarkeit.
Sammler origineller Dinge werden zweifellos ihre Freude an der „Feira da Ladra“ haben.

Samstag, 24. April 2010

Nelkenrevolution



Wir schreiben das Jahr 1974.
Am frühen Morgen des 25. April, kurz nach Mitternacht, erklingt im portugiesischen Radiosender „Rádio Renascença“ das von der Diktatur bis dahin zensierte Lied „Grândola, Vila Morena“, des Sängers José Afonso.

Dieses einfache, aber vom Text her sehr ausdruckreiche Lied, ist das Startsignal für einen minutiös geplanten Aufstand, der Portugal von seiner damals verhassten faschistischen Diktatur befreien, und als die Nelkenrevolution (port.: Revolução dos Cravos) in die Geschichte eingehen wird.
Über 48 Jahre hinweg hatten die Diktatoren António de Oliveira Salazar und Marcelo Caetano mit strenger Hand über das Land und die Kolonien geherrscht.
Diese Herrschaft endete nun am 25. April, mit besagter unblutigen Nelkenrevolution.

April ist die Zeit der Nelken.
An diesem 25. April wird diese unscheinbare Blume, die ich abschätzig „Friedhofskraut“ nenne, weil ich einfach keine Nelken mag, zum Symbol der friedlichen Revolution.
Inspiriert von der „flower power“ schmückten damals die Studenten und die Arbeiter, die Hausfrauen und selbst Kinder, die Panzer mit den Nelken und stecken sie in die Gewehrläufe der Soldaten.

Als am späten Nachmittag über das Radio die Nachricht verbreitet wurde, das der Diktator Marcelo Caetano sich der MFA (port.: Movimento das Forças Armadas / dt.: Bewegung der Streitkräfte) ergeben und die Macht an General António Sebastião Ribeiro de Spinola übergeben hatte, setzt ein stundenlanger Hupkonzert ein und lockte auch die letzten Zweifler aus ihren Häusern zum Rossio und in die Baixa.
Von diesem Hupkonzert hat mir meine Großmutter Sara später noch oft erzählt.

Ich selber, der ich zu dieser Zeit schon mit meinen Eltern und meiner Schwester in Deutschland lebte, erlebte diesen Morgen in der Wilhelm-Busch-Grundschule in Arheilgen.
Ich weiß noch, als ob es erst gestern gewesen wäre, wie damals meine Grundschullehrerin Frau Koppe auf dem Schulhof auf mich zukam, und mich fragte wie es mir gehen würde, und ob ich wüsste wie es meiner Familie gehen würde.
Als achtjähriges Kind hatte ich damals keine Ahnung von Politik, und auch keine Ahnung was meine Lehrerin eigentlich von mir wollte und erst recht wusste ich nicht, was sich in diesen Stunden in meinem Heimatland abspielte.
Aber selbst als kleines Kind begriff ich, es musste etwas „weltbewegendes“ passiert sein in dem Land das ich damals unter Protest verlassen hatte und welches meine Eltern Portugal nannten.

Für mich als Kind änderte sich damals nichts im Leben.
Aber heute, 36 Jahre später, weiß ich sehr wohl, das an diesem Tag, Werte wie die Meinungsfreiheit, die Versammlungsfreiheit und die Gleichberechtigung in Portugal, ihre Geburtsstunde hatten.

Dennoch gibt es noch heute einige die sich die „Diktatur der Ordnung“ zurückwünschen. Man kann zu den Diktatoren Salazar und Caetano stehen wie man will.
Aber eines muss auch diesen ewig Gestrigen klar sein:
Unter einer faschistischen Diktatur, wie es sie fast 50 Jahre lang in Portugal gegeben hat, wären die Gedanken niemals frei und Portugal nichts weiter als ein riesiges Gefängnis!

Donnerstag, 24. September 2009

Fahrrad vs. Porsche


In meinem post „Esel vs. Ferrari“, vom 05. Juni 2009 berichte ich von dem „Rennen“ eines Esels gegen ein Ferrari, das vor gut 16 Jahren von einem Fernsehsender gesponsert wurde.

Damals, im Lissabonner Vorort Queluz startend, traten der graue Vierbeiner und der rote Sportwagen an, um zu sehen welcher von Beiden wohl als erster am Lissabonner Rossio ankäme.
Der Esel ging damals haushoch als Sieger durchs Ziel, denn der Ferrari hatte, aufgrund des starken Berufsverkehrs, keinerlei Chance durch die Innenstadt zu kommen.

Gestern, am Europäischen Autofreien Tag, wurde wieder solch ein originelles Rennen veranstaltet, diesmal vom Lissabonner Rathaus organisiert.
An den Start gingen ein Radfahrer, ein Porsche, ein Taxi und der Lissabonner Bürgermeister höchstpersönlich, in einer U-Bahn (Metro).

Gestartet wurde im Campo Grande um genau 09.33 Uhr.
Der Radfahrer Rui Sousa, der die Strecke vom Campo Grande, wo er wohnhaft ist, zum Rossio fast täglich fährt, da er in der Lissabonner Unterstadt Baixa in einer Bank arbeitet, brauchte für die 7 km lange Strecke ganze 13 Minuten.
Er war es auch, der als Sieger durch die Ziellinie am Rossio ging, und am „Café Nicola“ auf seine Mitstreiter wartete.

Vier Minuten nach dem Radfahrer, kam Lissabons Bürgermeister António Costa mit der U-Bahn an der Metrostation Rossio an.
Vier weitere Minuten später hielt der Taxifahrer Pedro Rosa vor dem „Café Nicola“ an, und gesellte sich zu den anderen zwei.
Als letzter, nämlich 23 Minuten nach dem Radfahrer, kam der Porschefahrer am Rossio an, wo sich die anderen drei schon an einem kräftigenden Frühstück stärkten.

Der Sinn dieses Rennens war es, so der amtierende Bürgermeister, dem Normalbürger zu zeigen, dass es sich auf alle Fälle lohnt öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, zumal in einer Großstadt wie Lissabon.

Befänden wir uns nicht gerade vor Parlaments- und Kommunalwahlen, so wäre wahrscheinlich kein Mensch auf die Idee gekommen, dieses Rennen zu veranstalten.
Aber in Wahlkampfzeiten zeigen solche Aktionen ihre Wirkungen, und sei es auch nur für eins oder zwei Tage.

Jedenfalls beteuerten die meisten Bürger, die am Rossio spontan befragt wurden, was sie von der ganzen Aktion halten würden, sie würden am nächsten Tag „auf alle Fälle“ mit den Öffentlichen zur Arbeit fahren!

Wer es glaubt, wird selig!

Samstag, 19. September 2009

Der Bahnhof Rossio


Wenn ich ausländische Freunde zu besuch habe, und mit ihnen durch Lissabon laufe, dann kommen wir irgendwann auch am Lissabonner Hauptplatz Rossio vorbei.

Dort stelle ich mich dann mit ihnen vor einem großen neomanuelinischen Gebäude hin, und frage sie, was sich wohl hinter dessen Mauern befindet.
Ich bekomme dann meistens als Antwort, es handele sich bei dem Gebäude, am Largo de Dom João da Câmara, zwischen dem Rossio und der Praça dos Restauradores, um ein Theater oder um ein Hotel. Manche meinen auch, dahinter verberge sich vielleicht ein imposantes Stadtschloss oder ein interessantes Museum.

Wenn ich meinen Freunden dann aber sage, dass es sich bei dem Gebäude um den ersten Lissabonner Hauptbahnhof handelt, stehen sie meistens mit offenem Mund da, und können es kaum glauben.
„Denn“, so meinen die meisten, „er ist einfach zu schön, um nur ein Bahnhof zu sein!“
Aber dem ist wirklich so.
Hinter der aufgeputzten Fassade befindet sich der noch heute funktionstüchtige Kopfbahnhof Rossio (port.: Estação de Caminhos de Ferro do Rossio).

Er wurde zwischen den Jahren 1886 und 1890, im Auftrag der Real Companhia dos Caminhos de Ferro Portugueses (deutsch: Königliche Eisenbahngesellschaft Portugals) nach Plänen des Architekten José Luís Monteiro errichtet, und am 23. November 1890, unter dem Namen „Estação da Avenida“ feierlich eröffnet. Schnell wurde aber aus der Estação da Avenida die Estação do Rossio.

José Luís Monteiro ist auch verantwortlich für den Bau des Nebengebäudes des Bahnhofes, das Hotel International. Das Hotel stand den Mitarbeitern der Eisenbahngesellschaft bis 1892 zur Verfügung.
Das Hotel heißt heute Avenida Palace und ist eines der exklusivsten Adressen der Stadt. In den ersten Jahren gab es sogar eine direkte Verbindung zwischen dem Bahnhof und dem Hotel. Diese existiert aber heute leider nicht mehr.

Will man einen Zug nehmen, muss man – bedingt durch den steilen Hügel an dem der Bahnhof liegt – in die dritte Etage hinauf. In den unteren Stockwerken liegen Geschäfte und Cafés. Erst im dritten Stockwerk stößt man auf die Bahnsteige.
Von hier aus verlassen heute, durch den 2.613 m langen und 8 m breiten zweigleisigen Tunnel, der unter dem Stadtteil Campolide führt, nur noch die Vorortzüge nach Sintra die Stadt.

Der Bahnhof am Rossio, auf dessen Vorplatz am 14. Dezember 1918 das Attentat auf den damaligen Staatspräsidenten und Diktator Sidónio Pais verübt wurde, war, bevor der Bahnhof Santa Apolonia gebaut wurde, der Hauptbahnhof der Stadt.
Hier kamen auch die Fernzüge aus Spanien und Frankreich an.
Heute, zumal nach dem Bau des Bahnhofes Garre do Oriente, hat der Bahnhof Rossio nur noch eine Rolle als Vorortsbahnhof.

Die mangelnde Funktionalität des Baus war Gegenstand von Kritik, schon kurz nach seiner Fertigstellung.
Doch das der Bahnhof mit seiner originellen Fassade, mit seinen Steintauen als gliedernde Elemente, mit den Türen und Fenstern in Form von Hufeisen, mit seinen maurischen und gotischen Zitaten und der fast schwebenden Eisendachkonstruktion, auf dem Niveau europäischer Architektur gegen Ende des 19. Jahrhunderts ist, kann man heute noch bestaunen.

Dienstag, 15. September 2009

Schuhputzer, ein Relikt aus vergangener Zeit


„Schusters Rappen“ ist eine scherzhafte Beschreibung, von anno dazumal, für die Schuhe und das Zu-Fuß-Gehen im generellen.
Die Bezeichnung „Schusters Rappen“ ist ein Hinweis auf den sehr begrenzten Besitz von Schuhen, denn Rappen, also schwarze Pferde, waren früher ein Zeichen von Reichtum.
Wer aber Schusters Rappen bemühte, also zu Fuß ging, hatte nichts dergleichen aufzuweisen. Er war einfach arm!

Fußbekleidung hatte früher folglich auch nicht mit Mode zu tun, so wie heute.
Schuhe mussten früher robust, zweckmäßig, langlebig und – schwarz sein.
Der normale Bürger hatte selten mehr als ein Paar daheim.
Und dieses Paar wollte gepflegt sein.

Schuhputzer hatten daher Konjunktur als Spezialisten, die ramponiertes Schuhwerk wieder aufmöbelten, ihm eine lange Lebensdauer garantierten und Glanz polierten, der dem ordentlich gekleideten Städter den letzten Schliff gab.
Das galt in Deutschland, genauso wie hier in Portugal.

Heute haben nur wenige Menschen ein paar schwarze Lederschuhe zuhause, denn die sind meistens out.
Meistens hat man heute Flipflops, Turnschuhe, Riemchensandalen und Stoffschuhe im Schuhschrank stehen.

Aber Schuhputzer gibt es heute trotzdem noch hier in Portugal, obwohl sie eher eine aussterbende Berufsspezies sind.
In ganz Portugal gibt es heute nämlich schätzungsweise nur an die 100 Schuhputzer (port.: engraxadores), davon in Lissabon gut zwei Dutzend.
Der offizielle Berufstitel lautet zwar „polidor de calçado“ (deutsch: Schuhpolierer), aber jedes Kind kennt sie als die „engraxadores“.

Die Schuhputzer der Hauptstadt arbeiten vorwiegend in der Lissabonner Unterstadt Baixa, dem Rossio, der Avenida da Liberdade und ihren Querstraßen, dort wo es viele Banken und Büros gibt.
Viele Börsenleute und Banker lassen sich heute noch regelmäßig ihre Schuhe bei „ihrem“ Schuhputzer für zwei Euro auf Vordermann bringen. Wenn sie dann nicht gerade durch Pfützen laufen, hält die fachmännische Schuhpflege gut eine Woche an.

Leider sind Schuhputzer ein Relikt aus vergangener Zeit.
Trotzdem möchte ich sie nicht aus dem Lissabonner Stadtbild missen.
Die Kundschaft beschränkt sich heute hauptsächlich auf Herren über Vierzig, die überdurchschnittlich verdienen und die genau wissen, dass ungepflegte Schuhe schlimmer sind, als ein Fleck auf ihrer Krawatte.

Auch viele Touristen nehmen heutzutage die Dienste eines Schuhputzers an, obwohl meistens nur, um ein originelles Foto schießen zu können.
Manche Touristen finden aber auch, es schadet ihrem Image, wenn sie sich von einem Schuhputzer bedienen lassen. Dabei vergessen sie, dass alleine die Tatsache, dass sie den Dienst des Schuhputzers in Anspruch nehmen, diesen Berufszweig am Leben erhält.

Deshalb, wenn sie das nächste Mal nach Lissabon kommen, lassen sie sich von einem dieser älteren Herren ihre Schuhe putzen.
Sie haben danach nicht nur Schuhe, in denen sie sich spiegeln können, sondern haben teilweise auch ein Lissabonner Original vor dem Aussterben bewart!

Dienstag, 25. August 2009

Rossio



Der Rossio ist der Hauptplatz der Stadt Lissabon. Er ist das „Herz“ der Hauptstadt, wo man sich zum Kaffeetrinken, Zeitungslesen und auf ein kleines Schwätzchen trifft.
Eigentlich heißt der Rossio offiziell seit über 125 Jahren „Praça Dom Pedro IV“.

Aber wie ich schon einmal, in einem früheren post, geschrieben habe, gewöhnen sich die Lissabonner nur sehr schwer an die Namensänderungen ihrer Straßen, Plätze und Parks.

Wortwörtlich übersetzt heißt Rossio „großer Platz“. Und das ist er dann auch, einer der größten und majestätischsten Plätze der Stadt. Schon auf den ältesten Stadtkarten Lissabons taucht er als der zentrale Platz auf. Er hat schon vieles gesehen und erlebt, der Rossio: öffentliche Hinrichtungen, Zirkusleute und Gaukler die ihre Kunststücke vollführten, Turniere, Hexenverbrennungen, Stierkämpfe, königliche Hochzeiten, Revolutionen und Jubelfeiern.

Alles begann Mitte des 13. Jahrhunderts. Da war hier, wo heute das Herz Lissabons schlägt, ein großer Olivenhain. Unter den Olivenbäumen begann man damals einen Wochenmarkt abzuhalten. Mit der Zeit dann, begann man um den Olivenhain Häuser, Werkstätte und Lager zu bauen. Sogar ein Krankenhaus, das Allerheiligenkrankenhaus (Hospital de Todos os Santos) stand bis 1750 hier.

Andere historischen Gebäude, die hier am Platz standen und die es heute leider nicht mehr gibt, waren das Dominikanerkloster (Convento de São Domingo) und der Estauspalast (Paço dos Estaus), aus dem 15. Jahrhundert, der über 300 Jahre hinweg Botschaftern, Hofangestellten und im 16. Jahrhundert für einige Zeit sogar der königlichen Familie, als Wohnsitz diente.

Das Gericht der Inquisition, stand dort, wo sich heute das Nationaltheater D. Maria II steht. In seinen Mauern fanden die Tribunale der Heiligen Inquisition statt. Dort herrschten Engstirnigkeit, Grausamkeit, Fanatismus, Verblendung und Intoleranz.
Gleich vor dem Inquisitionsgebäude, dort wo heute die Brunnen stehen, wurden über die Jahrzehnte hinweg tausende von Menschen wegen ihres Glaubens und ihrer politischen Einstellung gefoltert und hingerichtet. Juden, Mauren, Glaubensabtrünnige und so genannte Hexen wurden wegen ihrer Überzeugungen getötet.

Die Gebäude, die heute den Rossio umrahmen, stammen alle aus dem 19. Jahrhundert, und wurden nach dem großen Erdbeben von 1755 errichtet. Nur ein Bauwerk ist aus früherer Zeit übrig geblieben, nämlich der Bandeirabogen (Arco da Bandeira), der an der Südseite des heutigen Rossios lokalisiert ist, und sich zwischen dem Rossio und der Rua dos Sapateiros spannt.

Zwei Brunnen stehen auf dem Rossio. Zwischen diesen beiden Brunnen, steht auf einer 28 Meter hohen Marmorsäule, die Statue für König D. Pedro IV, die 1870 eingeweiht wurde, und die dem Platz den heutigen Namen gab.

Dieses Denkmal, für einen der wichtigsten Monarchen der portugiesischen Geschichte erbaut, stellt aber nicht König Pedro IV dar, sondern den mexikanischen Kaiser Maximilian I.

Wie kommt es aber dazu, dass ein mexikanischer Kaiser da steht, wo eigentlich ein portugiesischer König stehen sollte?

Nun, Kaiser Maximilian regierte zur selben Zeit wie König Pedro IV. Als Maximilian, im fernen Mexiko, bei einer Revolution erschossen wurde, weigerte sich der mexikanische Staat dem französischen Bildhauer Elias Robert, der ein Denkmal für Maximilan fertiggebaut hatte, auszubezahlen. Dieser hatte nun eine Statue zu viel in seinem Atelier. Als nun König Pedro IV ein Denkmal von sich in Auftrag gab, bot ihm der französische Künstler an, das Denkmal Kaiser Maximilians, natürlich nach einigen kleinen Veränderungen, zu einem sehr günstigen Preis zu überlassen.
König Pedro IV nahm diese Offerte, nach kurzem Zögern, aus zwei unschlagbaren Gründen an:

Zum ersten, waren er und Kaiser Maximilian sich äußerlich sehr ähnlich, und in 28 Metern Höhe würde sowieso keiner mehr den Unterschied merken, so meinte er selbstironisch.

Und zum zweiten befand sich Portugal damals, nach den Kriegen mit Napoleon, in einer sehr schwierigen wirtschaftlichen und finanziellen Situation. Der Staatsbankrott war ausgerufen worden, und so konnte der König das Angebot von Elias Robert nicht ausschlagen (in einem zukünftigen post werde ich ausführlicher über die Statue von Pedro IV berichten) und nahm dieses Denkmal im Ausverkauf an.

Heute beherrschen die Cafés und Restaurants, sowie ein paar alte Geschäfte den Rossio. Losverkäufer schreien die Nummer ihrer Lotterielose und Schuhputzer warten auf ihre Kunden, während Blumenverkäuferinnen ihre Ware an den Mann, bzw. an die Frau bringen.

Der Rossio ist wahrhaft eine Theaterbühne, auf der tagtäglich eine Aufführung des Lebens der Stadt dargeboten wird. Und wir, die Bürger dieser Stadt, haben den Luxus auf dem Rossio wie auf einem Logenplatz zu sitzen, während wir unsere Bica genießen.

Dienstag, 11. August 2009

Eugen Tillinger


„Für jemanden, der diese Stadt von früher kennt, ist es geradezu unvorstellbar, wie sie sich innerhalb ganz kurzer Zeit verändert hat.
Das Leben, das hier herrscht, steigert sich von Tag zu Tag. Immer neue Flüchtlinge aus Frankreich und den von den Deutschen okkupierten Gebieten kommen an.
Am Rossio Platz, im Zentrum der Stadt, hört man kaum ein Wort Portugiesisch. Hingegen vernimmt man so ziemlich sämtliche Sprachen und Idiome, die es gibt, vor allem aber Französisch, Englisch und Deutsch. Doch auch Polnisch, Holländisch und Flämisch klingt einem entgegen.

Lissabon ist ausverkauft. Als vergleich kann man vielleicht die paar Wochen in Salzburg während der alten Festspiele heranziehen: die Hotels sind überkomplett, man vermietet Badezimmer und legt die Matratzen in den Korridore.
Cafés und Restaurants sind überfüllt. Seit vielen Jahren hat es so etwas hier nicht gegeben. Die Stadt lebt auf. Gewaltige Summen ausländischen Geldes sind ins Land gekommen und werden von den Fremden in Umlauf gebracht.
Die Portugiesen wissen das aber auch zu schätzen und sind gegenüber den Fremden von einer bezaubernden Zuvorkommenheit.

Offiziell ist man streng neutral…
Die Neutralität wird sogar in en Zeitungskiosken beachtet; die englische und deutsche Presse, Tageszeitungen und Magazine hängen nebeneinander und zwar immer in Parität: 10 Tageszeitungen aus London müssen neben 10 Tageszeitungen aus Berlin hängen usw.“

Eugen Tillinger
In seinem Artikel „Aufbau“
vom 12.10.1940

Samstag, 1. August 2009

Voll, kurz, getropft oder mit Duft





Heute Morgen war ich in Lissabon.
Vor meinem Termin bin ich in die Pastelaria Suiça, einem der traditionsreichen Cafés der Hauptstadt am Rossio, eingekehrt.
Dort wurde ich Zeuge, wie ein deutsches Touristenpaar, ohne Portugiesisch- oder Englischkenntnisse, verzweifelt versuchte sich einen Kaffee zu bestellen.
Der Kellner war ihnen dabei keine allzu große Hilfe, denn entweder verstand er wirklich nicht, was das Paar von ihm wollte oder er stellte sich einfach nur blöd. Ich tippe auf Letzteres!

Jedenfalls sah ich mich „gezwungen“, einzuschreiten.
Ich fragte beim deutschen Paar nach, ob ich behilflich sein konnte, und bestellte dann beim Kellner zwei „Abatanados“ für sie, was dem deutschen Kaffee am nahesten kommt.
Das Paar bedankte sich freundlichst bei mir und jeder von uns ging dann seiner Wege.

Aber später dann, in der U-Bahn, habe ich mir darüber Gedanken gemacht, wie unterschiedlich manchmal Dinge in verschiedenen Ländern sein können, die eigentlich den gleichen Namen tragen.
In Deutschland ist ein Kaffee ein Getränk das in einer großen Tasse serviert wird.
Hier in Portugal, ist ein Kaffee ein Getränk welches in einer kleinen Tasse gereicht wird und was man in Deutschland wohl ein Espresso nennt.

Wie schon in meinem post „Kaffee mit Zucker ist nichts weiter als Sirup“ vom 04.06.2009 erwähnt, hat Portugal eine ausgeprägte Kaffeekultur.

Deshalb führe ich hier, für alle die mal nach Portugal kommen wollen, alphabetisch einige Kaffeekreationen auf, welche man hier zu Lande bestellen kann.

- Abatanado: der „Abatanado“ oder auch „Café Americano” genannt, ist das was man in Deutschalnd unter einer normalen Tasse Kaffee versteht.

- Café: der „Café“, im Lissabonner Raum auch „Bica“ und in Nordportugal „Cimbalino“ genannt, ist das was man in Deutschland unter einem Espresso kennt. Die Espressotasse ist zu 2/3 mit starkem Kaffee gefüllt.

- Café cheio: ein „Café cheio“ (deutsch: „voller Kaffee“) wird in einer Espressotasse gereicht und ist ein normaler Espressokaffee, mit etwas mehr Wasser.

- Café com cheirinho: wörtlich übersetzt heißt „Café com cheirinho“ nichts weiter als „Kaffee mit Duft“. Hier ist ein normaler Espressokaffee gemeint, der mit einem Schluck „bagaço“ (Schnaps) oder Whisky bereichert wird.

- Café pingado: ein „Café pingado“ (deutsch: „getropfter Kaffee“) ist ein normaler Espressokaffee mit einem Tropfen Milch. In Nordportugal sagt man zum „Café pingado“ auch „Café cortado“.

- Carioca de café: ein „Carioca de café” ist ein ganz schwacher Kaffee der in einer großen Kaffeetasse gereicht wird und der in Deutschland auch unter dem Begriff “Blümchenkaffee” bekannt ist.

- Descaféinado: ein entkoffeinierter Espresso.

- Galão: ein Galão ist ein Milchkaffee, der in einem Glas serviert wird, und meistens aus 2/3 Milch und 1/3 Kaffee besteht.

- Garoto: eine Espressotasse, gefüllt mit warmer Milch und einem Schuss Kaffee. In Nordportugal sagt man zum „Garoto“ auch „Pingo“ (nicht zu verwechseln mit dem „Café pingado“!).

- Italiana: eine „Italiana“ ist ein starker Espresso. Hier wird meistens die Espressotasse nur bis zur Hälfte gefüllt. Die „Italiana“ wird auch „Café curto“ (deutsch: „kurzer Kaffee“) genannt.

- Meia de leite: bei der „Meia de leite“ handelt es sich um eine große Kaffeetasse die zur Hälfte mit Milch und zur anderen Hälfte mit Kaffee gefüllt ist.

Natürlich gibt es neben den typisch portugiesischen Kaffeevariationen auch ausländische Kaffeespezialitäten, wie z.B. den „Cappuccino“ oder den „Irish Coffee“. Diese werden aber eher von Touristen bestellt und auch getrunken.

Kaffee ist in Portugal eine Alltagskultur.
Anfangs mag der stark geröstete Kaffee etwas ungewöhnlich schmecken; erst recht wenn man ihn ohne Zucker trinkt.
Dann aber gewöhnt man sich schnell an ihn und wird ihn bald nicht mehr missen wollen.

Mit oder ohne?





Der Lissabonner Alltag kann ganz schön stressig sein. Busse stehen im Stau, Gesprächspartner verspäten sich über das erlaubte Maß hinaus, Lärm, Enge, Hektik: Wie gut, dass es auch so manch einen Geheimtipp für die kleine Stärkung zwischendurch gibt.
Wie wäre es z.B. mit einem Ginjinha?

Ginjinha nennt der Portugiese ein traditionelles Kirschenlikör, bestehend aus 18% Alkohol und der Sauerkirschenart Schattenmorelle (port.: ginja / lat.: Prunus cerasus).
Seinen Ursprung hat der Ginjinha in Lissabon, genauer gesagt, in dem kleinen Laden „A Ginjinha“ am Largo de São Domingos, unweit des Rossio, dem Herzen der Stadt.
In diesem winzigen Lissabonner Laden, versteckt in einem kleinen Hauseingang, ohne Tische, ohne Stühle und nur mit einem Tresen ausgestattet, wird seit über 150 Jahren und in der fünften Generationen, einzig und alleine der Ginjinha-Likör ausgeschenkt.

Früher nur bei den Einwohnern der Hauptstadt beliebt, zieht der Laden „A Ginjinha“ heutzutage auch viele Touristen aus aller Welt an.
Der Likör Ginjinha hat eine charakteristische rote Farbe und einen einzigartigen Geschmack.

Dieser Likör wird wahlweise mit (com elas) oder ohne (sem elas) den ganzen Schattenmorellen ausgeschenkt.
Man unterscheidet meistens einen Touristen von einem Einheimischen dadurch, dass der eine seine Ginjinha mit und der andere seine Ginjinha ohne Schattenmorellen bestellt.

Die Touristen nämlich, bestellen ihre Ginjinha meistens mit Morellen. Ein Einheimischer aber, bestellt die Ginjinha fast immer ohne Morellen.
Denn, so der pfiffige Lissabonner, das Volumen welches durch die Morellen im Glas ausgefüllt wird, hat er lieber als Likör im Glas.

Nach dem Bestellen der Ginjinha geht man aus dem Laden hinaus, stellt sich auf dem öffentlichen Platz Largo de São Domingos hin, und trinkt sein Likörglas aus. Die Kerne spuckt man dann, nach dem Verzehr der Schattenmorellen, traditionsgemäß auf den Boden.

Außer dem traditionsreichen Laden „A Ginjinha“, kann man den Ginjinha-Likör auch im 1840 gegründeten Laden „Ginjinha Espinheira“, ebenso am Largo de São Domingos gelegen, genießen. Drei andere traditionsreiche Ginjinha-Läden sind der „Ginjinha Sem Rival“ in der Rua das Portas de Santo Antão, der „Ginjinha Rubi“ in der Rua de Barros Queirós und der Laden „A Licorista“ in der Rua dos Sapateiros, im Stadtteil Baixa.

Freitag, 3. Juli 2009

Der alte grüne Doppeldeckerbus




Gestern Mittag war ich in Lissabon zu einem Bewerbungsgespräch. Und in der Altstadt Baixa wäre ich, durch fehlende Aufmerksamkeit meinerseits, beinahe von einem Sightseeingbus überfahren worden.

Diese Sightseeingbusse, die heute durch Lissabon fahren, sind alte, bunt angestrichene Doppeldeckerbusse, denen man das Dach abgenommen hat, und die früher ihren Dienst bei den Lissabonner Verkehrsbetrieben „Carris“ versehen haben. Heute, wie gesagt, fahren sie Touristen durch die Stadt.

Ich kann mich noch sehr genau an diese, damals in meiner Kindheit allerdings grünen Busse, erinnern.
In Großbritannien, von der Firma AEC-Society hergestellt, wurden die Busse, Modell Leyland, ursprünglich in zwei Farben lackiert.
Rot, wenn sie für den Londoner Markt vorhergesehen waren, und grün, wenn sie für den Lissabonner Markt bestimmt waren.

Als Kind, ich muss so um die vier oder fünf Jahre alt gewesen sein, bin ich ab und zu mit ihnen gefahren. Sie gehörten zum Lissabonner Stadtbild so wie die alten Straßenbahnen („electricos“).
Die Straßenbahnen haben zum Glück bis zum heutigen Tag überlebt. Die alten, grünen Doppeldeckerbusse („autocarro de 2 pisos“) allerdings, wurden schon vor gut 40 Jahren aus dem Verkehr gezogen.

Ich bin leider nicht sehr oft mit diesen Bussen gefahren, denn mit sechs Jahren zogen ich und meine Eltern nach Deutschland, und als ich dann zehnjährig wieder nach Portugal kam, da waren sie bereits außer Dienst gestellt.
Aber ich werde niemals die unzähligen grünen, riesigen (für ein Kleinkind sieht alles riesig aus!) Leylandbusse mit den Karosserien von Weymann vergessen, wie sie am Rossio und am Restauradoresplatz standen oder die breiten Avenidas entlangfuhren.

Eine meiner frühesten Kindheitserinnerung, die ich niemals vergessen werde, spielt sich in so einem alten Leylandbus ab.

Eines Tages fuhr meine Mutter Luisa, mit mir und meiner kleineren Schwester Carla, in so einem Doppeldeckerbus in die Stadt.
Ich weiß noch, dass ich immer im oberen Deck mitfahren wollte, da man ja von da oben einen besonderen Blick über die Stadt hatte.
Und um es so richtig auszukosten, fuhr ich auch wirklich immer bis zum letzten Moment auf dem oberen Deck mit, sehr zum Leidwesen meiner Mutter, die mit meiner Schwester auf dem Arm sich immer sputen musste, um hinten rechtzeitig auszusteigen.

An diesem Tag, als meine Mutter mit uns Kinder also in die Stadt fuhr, trödelte ich mal wieder beim Aussteigen.
Jedenfalls muss es das gewesen sein, denn das nächste an das ich mich erinnern kann, ist wie meine Mutter, mit meiner kleinen Schwester auf dem Arm, hinter dem Bus herläuft (die alten Leylandbusse hatten hinten keine Türen, sondern waren offen) und ich im fahrenden Bus ihnen hinterher schaue.
Nur Dank der anderen Fahrgäste, die den Fahrer zuriefen, er möge sofort anhalten, hielt der Bus noch einmal an, und meine Mutter konnte ihren Sohnemann wieder in ihre Arme nehmen.

Und an noch eine bestimmte Begebenheit kann ich mich erinnern, was die alten Leylandbusse angeht.
Ich weiß noch, als ob es gestern gewesen wäre, wie oft mich meine Mutter ermahnt hat, nicht in die Wohnungen der Leute rein zu schauen, wenn der Bus an einer Ampel oder Kreuzung anhielt. Sie hielt das für äußerst unhöflich!
Da das obere Deck des Busses genau mit dem ersten Stockwerk der Wohnhäuser kombinierte, konnte man den Leuten regelrecht in die Suppenteller reinschauen, wenn sie die Fenster offen hatten.
Die Aufforderungen meiner Mutter, nicht in die Wohnungen der Leute reinzuschauen, waren für mich damals total unverständlich.
Was konnten denn diese netten Menschen (manche winkten mir sogar zu) denn schon dagegen haben?

Ich mag nicht sehr oft mit ihnen gefahren sein, den alten Leylandbussen der traditionsreichen Firma AEC.
Aber ich habe oft von den wenigen Fahrten, die ich mit ihnen machen durfte, geträumt!
Das sind Kindheitserinnerungen die man nie vergisst!
Diese Erinnerungen sind noch nicht einmal 40 Jahre alt.
Aber mir kommt es vor, jetzt wo ich dieses post schreibe, als ob das alles schon 100 Jahre her ist.