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Mittwoch, 2. Dezember 2015

Weihnachten 2015 kann kommen


Es ist wieder soweit:
Die Adventszeit ist da und Weihnachten steht vor der Tür!
Wieder einmal hat sich die portugiesische Hauptstadt ein festliches Lichterkleid übergezogen und so strahlen zahlreiche Arterien und Plätze Lissabons seit gestern Abend wieder in festlichem Licht.

Nach vielen Jahren der Krise hat die Stadtverwaltung beschlossen dieses Jahr an die 320.000 Euro für eine ansehnliche Weihnachtsbeleuchtung auszugeben.
Bis zum 06. Januar 2016, dem Tag der Heiligen Drei Könige, werden an die 2,1 Millionen Leuchtioden und Glühlampen insgesamt 34 Straßen und öffentlichen Plätze der Stadt weihnachtlich erleuchten.

Unter anderem kann die diesjährige Lichtdekoration an folgenden Straßen und Plätzen bewundert werden:

- Terreiro do Paço
- Praça Luis de Camões
- Chiado
- Baixa (u. a. die Straßen Rua Augusta, Rua da Prata, Rua Áurea, Rua de Santa Justa, Rua de São Nicolau)
- Praça dos Restauradaores
- Avenida da Liberade
- Avenida de Roma
- Rossio (hier steht der diesjährige Weihnachtsbaum)

Außer der Weihnachtsbeleuchtung gehören zum diesjährigen Weihnachtsprogramm u. a.:

- bis zum 06. Januar 2016 allabendliche Video Mapping-Projektionen auf dem Terreiro do Paço
- vom 08. Dezember bis 24. Dezember ein Weihnachtsmarkt auf dem Rathausplatz (port.: Praça do Município)
- mehrere Weihnachtkonzerte und Choraufführungen in verschiedenen Kirchen der Stadt
- vom 11. Dezember bis 10. Januar 2016 eine Eiskunstlaufbahn auf dem zentralen Platz Terreiro do Paço

Wer in den nächsten Wochen Lissabon besuchen wird, der wird also mit vielen Weihnachtseindrücken und festlichen Momenten konfrontiert werden.
Oder wie meine Freundin Christina aus Frankfurt einmal sagte:
„Lissabon ist wahrlich eine schöne Metropole, aber um die Weihnachtszeit ist die Stadt einfach besonders schön!“

Montag, 16. November 2015

Coretos – die kulturellen Mittelpunkte einer jeden portugiesischen Gemeinde






Meine lieben Freunde Anika und Christian aus Pforzheim, die diesen Herbst zum ersten Mal gemeinsam Lissabon, den Alentejo und die Algarve entdeckten, haben mich vor einpaar Tagen gefragt, warum in so vielen portugiesischen Dörfern und Städte Gartenpavillons stehen.
Nun, ich habe nicht lange überlegen müssen um zu wissen was sie mit den „Gartenpavillons“ meinten.

Die Bauwerke die Anika und Christian hier auf ihrer Reise durch das südliche Portugal entdeckt haben und die sie als Gartenpavillons bezeichnen, heißen auf portugiesisch „coretos“ (sing. coreto / plural coretos) und sind, obwohl man sie oftmals in Parkanlagen oder anderen Grünflächen vorfindet, doch eigentlich eher Musikpavillons als Gartenpavillons.

Es wird wohl in ganz Portugal mehr als Tausend dieser leichten und freistehenden Bauwerke geben – keiner hat sich jemals die Mühe gemacht diese urbanen architektonischen Schätze zu zählen.
Lediglich 44 von ihnen stehen heute unter Denkmalschutz!
Auf unzähligen Briefmarken und alten Postkarten verewigt stehen die meisten Coretos hierzulande in öffentlichen Parks oder auf zentralen Plätzen, wie z.B. dem Marktplatz oder vor der Dorfkirche.
Charakteristisch für einen Coreto ist das er immer überdacht, nach allen Seiten rundherum offen und im Grundriss entweder rund, vier-, sechs- oder achteckig ist.

Obwohl schon zu Zeiten der Römer – und später der Mauren – im früheren Portugal solche Pavillons anscheinend schon existierten und obwohl den Portugiesen durch ihre vielen Seereisen nach China und Japan die Architektur des Pavillons sehr wohl bekannt war, sind die Coretos, so wie wir sie heute kennen, erst in der Epoche des Barock in Portugal populär geworden.
In dieser Zeit, so Ende des 18. Jahrhunderts herum, fingen die Musikkapellen an, die bis dahin zumeist nur kirchenmusikalischen Stücke spielten, auch weltliche Aufführungen zu geben.
Um diese Auftritte vor Publikum aufzuführen, wurden dementsprechend – in einer Zeit in der es kein Radio, keine Schallplatte, kein Fernseher und kein Internet gab – die Coretos gebaut, damit eine breite Öffentlichkeit den Musikaufführungen lauschen konnte.

Kein Coreto aus dieser Zeit, die reine verschnörkelte und mit Ornamente verzierte und bemalte Kunstobjekte aus Holz waren und die eher an überdimensionale Spieldosen erinnerten, existiert heute noch.
Sie sind alle ein Opfer der „Moderne“ geworden und wurden aufgegeben, vandalisiert, dann abgerissen oder an einem anderen Ort neu aufgebaut.
Die Coretos, die im 19. Jahrhundert dann überall im Land aus Eisen errichtet wurden, wurden fast alle während des Ersten Weltkrieges demoliert und zu Kriegswerkzeug verarbeitet.

In Lissabon gibt es heutzutage in den verschiedenen Stadtteilen 22 Coretos und alle werden sie heute noch genutzt.
Der älteste steht im Zoologischen Garten und wurde um das Jahr 1830 errichtet.
Der Coreto der heute im Park Jardim da Estrela steht, ist um 1840 erbaut worden und stand ehemals auf dem „Passeio Publico“, der heutigen Avenida da Liberdade.

Auf dem Land bilden die Coretos weiterhin das kulturelle Zentrum einer jeden portugiesischen Gemeinde.
In allen Dörfern in denen diese Pavillons stehen, sind sie praktisch der Mittelpunkt eines jeden Volksfestes, eines jeden Freiluftkonzerts und einer jeden kirchlichen Walfahrt. Coretos sind hier, wie ehedem, die kleine aber besondere Bühne für die lokalen Musikkapellen, für Chöre, für Folkloregruppen, für Dichterlesungen und manchmal sogar für kleine politische Veranstaltungen.

Über viele Jahrzehnte vernachlässigt und dem Verfall preisgegeben, fangen in unserer Zeit Coretos wieder an das zu sein, was sie traditionell immer waren:
Orte der Musik, der Kultur, der Fröhlichkeit, des Feierns und des Beisammenseins.

Sonntag, 28. August 2011

Ein wahrer Zaubergarten






An der Nordwestecke des Stadtparks Parque Eduardo VII, der 1903 anlässlich eines Staatsbesuches des englischen Königs Edward VII angelegt wurde, liegt die „Estufa Fria“.

Zwischen der Alameda Engenheiro Edgar Cardoso und der Alameda Cardeal Cerejeira liegt diese 1,5 Hektar große grüne Oase.
Die Anlage wird in drei Bereiche unterteilt: in die Namengebende Estufa Fria (dt.: Kaltes Gewächshaus), in die so genannte Estufa Quente (dt.: Warmes Gewächshaus) und in die Estufa Doce (dt.: Süßes Gewächshaus).

Die Estufa Fria, die mit ca. 8.100 m² der größte Bereich der Anlage ist, wird deshalb Kaltes Gewächshaus genannt, weil hier, im Gegensatz zu den anderen Gewächshäusern, kein Wärmesystem benötigt wird, um die vielen exotischen Pflanzen, wie Azaleen (port.: azáleas / lat.: Rhododendron spp.) und Kamelien (port.: cameleiras / lat.: Camellia japonica), artgerecht zu halten.
Die Estufa Quente allerdings braucht das schon erwähnte Wärmesystem, denn hier muss tropische Wärme herrschen, damit Pflanzen wie der Kaffeestrauch (port.: cafeeiro / lat.: Coffea sp.) und der Mangobaum (port.: mangueira / lat.: Mangifera indica) richtig gedeihen können.
In der Estufa Doce, dem kleinsten Gewächshaus, herrscht ein sehr trockenes Klima. Hier können Kakteen und kaktusähnliche Pflanzen, wie Aloes, prächtig wachsen.

Das es diesen wunderbaren Platz heute mitten in Lissabon gibt, haben wir einzig und allein einem einzelnen Mann zu verdanken.
Als nämlich Ende des 19. Jahrhunderts die Stadtverwaltung von Lissabon in einem alten Basaltsteinbruch ein Depot errichtete, dessen Aufgabe es war, die Bäume und Pflanzen die für die Bepflanzung der neu gebauten Avenida da Liberdade bestimmt waren,zu beherbergen, nahm sich der Stadtgärtner Manuel de Braga der liebevollen Pflege der Pflanzen in diesem Depot an.
Mit den Jahren wurde die Avenida bepflanzt und alsbald blieben einige Pflanzen im Depot zurück, als die Avenida da Liberdade bereits voller exotischer Bäume und Pflanzen war.
Da Manuel de Braga es nicht übers Herz brachte die übrig gebliebenen Pflanzen zu vernichten, richtete er mit der Zeit den alten Steinbruch her und mit den Jahren wuchsen diese zu stattlichen, prächtigen Exemplaren heran.

Um etwa 1920 bekam das alte Depot, welches bis dahin unter freien Himmel stand, ein Dach aus Holzbrettern.
Erst 1930 beschloss die Stadtverwaltung aus dem Depot ein Gewächshaus zu machen. Und so wurde Raul Carapinha, seines Zeichen eigentlich malender Künstler, damit beauftragt Zug um Zug aus dem alten Steinbruch ein gärtnerisches Paradies zu machen. Zuerst malte er eine phantastische, blühende Tropenlandschaft an die Wände, dann setzte er seine Träume mit Manuel de Brage in die Wirklichkeit um.
1933 wurde die Estufa Fria dann feierlich eingeweiht.

Nach einer zweijährigen Umbauzeit wurde die Estufa Fria im April 2011 wieder eröffnet. Im Gegensatz zu früher ist sie jetzt wesentlich heller, da sie eine neue Dachkonstruktion erhalten hat. Das alte Dach drohte nämlich einzustürzen.
Dank eines ausgeklügelten Gittersystems, das die Anlage seitlich und nach oben abschließt, bekommt das ganz große Treibhaus wie früher eine gleichmäßige Temperatur.
Alles wächst und blüht hier, alles riecht sinnverwirrend, fremd und tropisch.
Naturbelassene Wege, kleine Treppchen führen an Grotten und Wasserfällen vorüber, und rote Goldfische schwimmen in weiß blühenden Lotusteichen.

Von einem Aussichtsgang fast unter der Decke, der wie ein Wehrgang in einer alten Burg aussieht, blickt man auf brasilianischen Regenwald, auf riesige Baumfarne, mit Palmen dazwischen, reifenden Bananen, und immer auf blühende Sträucher und seltsame Blumen. Die fremden Pflanzen, mit den schwierigen Namen die man kaum aussprechen kann, kommen unter anderem aus China und Japan, aus Korea und Australien, aus Südamerika, von den Antillen und aus Mexiko.
Etwa insgesamt 180 verschiedene Pflanzen und Bäume aus aller Welt haben hier ein neues Zuhause gefunden.

Angenehm kühl ist es in der Estufa Fria alle mal.
Deshalb finden hier hin und wieder auch Theateraufführungen, Ausstellungen und Antiquitätensammlungen statt.

Es ist kaum zu glauben, dass dieser Zaubergarten den wir heute vor uns haben, durch die Liebe und Hingabe eines einzelnen Mannes entstanden ist, der wohl nicht einen, sondern eher zwei grüne Daumen hatte.

Dienstag, 21. Juni 2011

Das Land feiert ein Fest in der Stadt






Am vergangenen Samstag, dem 18. Juni 2011, fand mitten im Zentrum von Lissabon, in der Avenida da Liberdade, der Hauptarterie der Stadt, ein Mega-Event statt, bei dem die nationale Landwirtschaft ihre landwirtschaftlichen Produkte vorstellte.

Unter dem Titel „O campo faz festa na cidade (port.: „Das Land feiert ein Fest in der Stadt”), organisierte eine große Supermarktkette, in Zusammenarbeit mit dem Rathaus von Lissabon (port.: Câmara Municipal de Lisboa), einen besonderen Bauernhof, inmitten der Stadt, mit viel Vieh und riesigen Feldern.
Die sonst stark befahrene Avenida da Liberdade wurde zu einem grünen Korridor mit viel Farbe, außergewöhnlichen Düften und Tönen, in denen angebaute Früchte (port.: frutas) und Gemüse (port.: legumes / hortaliças) genauso vorhanden waren, wie auch Tiere vom Bauernhof.

Insgesamt 32 Vieh-, Obst- und Gemüsebauern aus dem ganzen Land stellten ihre nationalen landwirtschaftlichen Produkte einer breiten Öffentlichkeit von über 500.000 Besuchern vor.
Vor allem die Stadtkinder hatten so endlich mal die Gelegenheit echte Kühe, Schafe, Schweine, Ziegen, Hühner, Enten und Truthähne zu sehen und ebenso echte Gurkenpflanzen, Sonnenblumenfelder, Orangenbäume, Möhren, Melonen, Kartoffeln, Kohlköpfe und Erdbeerpflanzen.
Über 20 t angebautes Obst und Gemüse und ca. 260 Bauernhoftiere bedeckten den Asphalt der Straße.

Bei diesem Event hatte man auch die Gelegenheit an einem großen Pick Nick (port.: piquenique) teilzunehmen. Man musste nur eine Decke von zuhause mitbringen und etwas zu essen, und schon konnte man sich mitten auf der Avenida, auf dem Rasen ausbreiten und das mitgebrachte Essen zu sich nehmen.

Doch die Kirsche auf der Torte war für viele um 20:00 h der Auftritt des portugiesischen Schlagersängers Tony Carreira, der dann seine Schnulzen zur Begeisterung vieler anwesenden weiblicher Fans, zum Besten gab.

Überhaupt nicht einverstanden mit dieser Veranstaltung war der portugiesische Automobilclub (port.: Automobil Club de Portugal = ACP).
Der ACP meinte, dass keinem Autofahrer zu vermitteln sei, dass eine der wichtigsten Straßen der Hauptstadt, einer Supermarktkette zur Verfügung gestellt wird, während der Verkehr im Chaos versinkt.
Sie argumentierten damit, dass per Gesetz, Lissabons Straßen nur bei sportlichen und politischen Veranstaltungen für den Autoverkehr gesperrt werden dürfen und nicht etwa für die Werbezwecke einer Supermarktkette, den bei diesen, so die Meinung des Automobilclubs, handelte es sich bei diesem Event zweifellos.
Vor allem die Taxifahrer drohten im Vorfeld der Veranstaltung damit, zu streiken, falls das Rathaus an seinem Vorhaben festhalten sollte.

Natürlich haben die Taxifahrer nicht gestreikt und ebenso gab es auch kein Verkehrschaos, wie vom ACP befürchtet.
Sicherlich, die Veranstaltung hätte an einem anderen Platz stattfinden können, denn ehrlich gesagt, waren zu viele Besucher in der Avenida zugegen, was einem das flanieren auf dem Boulevard fast unmöglich machte.
Aber nach vielen Jahren wurde die Avenida da Liberdade endlich wieder zu dem, was sie einmal ursprünglich war, nämlich ein „Passeio Público“ (dt.: „Bürgersteig für das Volk“).
Und alleine das, war die ganze Veranstaltung wert!

Dienstag, 15. September 2009

Schuhputzer, ein Relikt aus vergangener Zeit


„Schusters Rappen“ ist eine scherzhafte Beschreibung, von anno dazumal, für die Schuhe und das Zu-Fuß-Gehen im generellen.
Die Bezeichnung „Schusters Rappen“ ist ein Hinweis auf den sehr begrenzten Besitz von Schuhen, denn Rappen, also schwarze Pferde, waren früher ein Zeichen von Reichtum.
Wer aber Schusters Rappen bemühte, also zu Fuß ging, hatte nichts dergleichen aufzuweisen. Er war einfach arm!

Fußbekleidung hatte früher folglich auch nicht mit Mode zu tun, so wie heute.
Schuhe mussten früher robust, zweckmäßig, langlebig und – schwarz sein.
Der normale Bürger hatte selten mehr als ein Paar daheim.
Und dieses Paar wollte gepflegt sein.

Schuhputzer hatten daher Konjunktur als Spezialisten, die ramponiertes Schuhwerk wieder aufmöbelten, ihm eine lange Lebensdauer garantierten und Glanz polierten, der dem ordentlich gekleideten Städter den letzten Schliff gab.
Das galt in Deutschland, genauso wie hier in Portugal.

Heute haben nur wenige Menschen ein paar schwarze Lederschuhe zuhause, denn die sind meistens out.
Meistens hat man heute Flipflops, Turnschuhe, Riemchensandalen und Stoffschuhe im Schuhschrank stehen.

Aber Schuhputzer gibt es heute trotzdem noch hier in Portugal, obwohl sie eher eine aussterbende Berufsspezies sind.
In ganz Portugal gibt es heute nämlich schätzungsweise nur an die 100 Schuhputzer (port.: engraxadores), davon in Lissabon gut zwei Dutzend.
Der offizielle Berufstitel lautet zwar „polidor de calçado“ (deutsch: Schuhpolierer), aber jedes Kind kennt sie als die „engraxadores“.

Die Schuhputzer der Hauptstadt arbeiten vorwiegend in der Lissabonner Unterstadt Baixa, dem Rossio, der Avenida da Liberdade und ihren Querstraßen, dort wo es viele Banken und Büros gibt.
Viele Börsenleute und Banker lassen sich heute noch regelmäßig ihre Schuhe bei „ihrem“ Schuhputzer für zwei Euro auf Vordermann bringen. Wenn sie dann nicht gerade durch Pfützen laufen, hält die fachmännische Schuhpflege gut eine Woche an.

Leider sind Schuhputzer ein Relikt aus vergangener Zeit.
Trotzdem möchte ich sie nicht aus dem Lissabonner Stadtbild missen.
Die Kundschaft beschränkt sich heute hauptsächlich auf Herren über Vierzig, die überdurchschnittlich verdienen und die genau wissen, dass ungepflegte Schuhe schlimmer sind, als ein Fleck auf ihrer Krawatte.

Auch viele Touristen nehmen heutzutage die Dienste eines Schuhputzers an, obwohl meistens nur, um ein originelles Foto schießen zu können.
Manche Touristen finden aber auch, es schadet ihrem Image, wenn sie sich von einem Schuhputzer bedienen lassen. Dabei vergessen sie, dass alleine die Tatsache, dass sie den Dienst des Schuhputzers in Anspruch nehmen, diesen Berufszweig am Leben erhält.

Deshalb, wenn sie das nächste Mal nach Lissabon kommen, lassen sie sich von einem dieser älteren Herren ihre Schuhe putzen.
Sie haben danach nicht nur Schuhe, in denen sie sich spiegeln können, sondern haben teilweise auch ein Lissabonner Original vor dem Aussterben bewart!

Dienstag, 21. Juli 2009

Und sagen sie hinterher nicht, ich hätte sie nicht gewarnt!


Heute bin ich, nach einem Termin in Lissabon, durch die Avenida da Liberdade gelaufen und habe mich in einem Café hingesetzt um mir einen kühlen Orangensaft zu gönnen.

Wer noch nie in Lissabon war, dem sei gesagt, dass die Avenida da Liberdade oft mit der Champs-Elysées in Paris verglichen wird.
Denn genau wie diese, ist die Liberdade eine breite und viel befahrene Arterie der Stadt, mit vielen Büros (Lufthansa, Deutsch-Portugiesische Industrie- Handelskammer) und Geschäften (Chanel, Armani, Versace), überteuerten Kinos (Tivoli, Eden) und Clubs (Hard Rock Café, Hot Jazzclub).

Wenn diese Avenida schon den Ruf hat, wie die Champs-Elysées in Paris zu sein, dann sollte man meinen, dass sie auch gastronomisch diesem Vergleich Stand halten kann.
Weit gefehlt!

Wer wie ich, schon einmal an der Champs-Elysées war, weiß wie erbärmlich die Restaurants und Cafés an der Avenida da Liberdade sind.

Nichtsdestotrotz, und mit viel Durst, habe ich mich wie gesagt in ein Café gesetzt, und einen „frisch gepressten“ Orangensaft getrunken.
Oder besser: trinken wollen!

Denn seinen schon abgestandenen Orangensaft in einem mit Lippenstift verschmutzten Glas vorgesetzt zu bekommen, ist, selbst für mich, eine Überschreitung der erträglichen Schmerzgrenze.
Und da hört bei mir auch die Vaterlandsliebe auf.

Sollten sie, liebe(r) Leser(in) jemals nach Lissabon kommen, meiden sie es an der Avenida da Liberdade etwas Kulinarisches zu sich zu nehmen.
Flanieren sie die Avenida entlang, denn das ist wirklich ein Highlight.
Aber meiden sie die Restaurants und Cafés dieser Avenida!

Und sagen sie hinterher nicht, ich hätte sie nicht gewarnt!