Montag, 16. Juni 2014

Die Portugiesen in... Salvador da Bahia


Im Rahmen der Vorrundenspiele der Fußball-WM 2014 (port.: Mundial de futebol 2014) in Brasilien, spielt die Portugiesische Seleção am heutigen Montag gegen die Deutsche Fußballnationalmannschaft.
Spielort des ersten Gruppenspiels beider Mannschaften ist die brasilianische Hafenstadt Salvador da Bahia.
Ich werde hier im „Planet Portugal“ versuchen in nächster Zeit einige Städte vorzustellen, in denen bei der WM in Brasilien gespielt wird. Fast all diese Städte haben eine portugiesische Entstehungsgeschichte und noch heute einen starken portugiesischen Einfluss, so auch Salvador da Bahia.

Die Küste Bahias war das erste Land, das der Portugiese Pedro Álvares Cabral sichtete, als er am 22. April des Jahres 1500 Brasilien entdeckte.
Nach der Entdeckung dieses neuen riesigen Landes, entsendete der portugiesische König Manuel I verschiedene Expeditionsfahrten in Richtung der Neuen Welt, um diesen Kontinent, dessen Menschen und seine Pflanzen- und Tierwelt zu erforschen.
Eine dieser ersten Expeditionen fand im Herbst 1501 statt und stand unter dem gemeinsamen Kommando von Kapitän Gaspar de Lemos, der im Jahr zuvor der Flotte Cabrals angehört hatte als dieser das Land entdeckte, und des italienischen Seefahrers und Kartographen Amerigo Vespucci, der im Auftrag der portugiesischen Krone das neue Land auf Karten aufzeichnen sollte.

Am 01. November 1501, dem Allerheiligentag, entdeckten Lemos und Vespucci gemeinsam eine riesige, reizvolle Bucht mit einigen vorgelagerten Inseln, der sie, des Datums wegen, den Namen „Bahia de Todos os Santos“ (dt.: „Allerheiligenbucht“) gaben.

1511, 10 Jahre nach der Entdeckung der Meeresbucht, erlitt ein französisches Schiff am Eingang der Bucht Schiffbruch, und einige Mitglieder der Besatzung konnten sich an Land retten.
Unter den Schiffsbrüchigen die sich retteten war auch der Portugiese Diego Álvares, der schnell Freundschaft mit den ortsansässigen Tupinambá-Indios schloss.
Er wurde von den Indios in ihr Dorf aufgenommen, heiratete später die Häuptlingstochter Paraguaçu und lernte von den Tupinambás sogar, unter anderem, wie man Zuckerrohr anbaute.

Es dauerte nicht lange, und nach Diego Álvares kamen die ersten Abenteurer, die ersten Händler und die ersten Missionare in das Dorf und aus Bahia wurde mit der Zeit eine „Capitania“.
Eine „Capitania“ war damals eine Verwaltungszone, die vom König in Portugal an Adlige und Kapitäne – daher der Name „Capitania“ – als Lehensitz vergeben wurde.

Den jesuitischen Missionaren ist es zu verdanken, das die ortsansässigen Tupinambá-Indianer missioniert und so daher nicht versklavt wurden.
Da aber der Anbau und Handel mit Zuckerrohr damals anfing zu florieren und dringend Feldarbeiter für die Zuckerohrplantagen gebraucht wurden, verschleppten die Portugiesen einfach Afrikaner aus Angola und brachten diese als Sklaven nach Brasilien.
So legten damals die Portugiesen, auf perverse Weise, den Grundstein für ein bis heute sehr afrikanisch geprägtes Salvador.

Im Jahre 1536 machte der Nachfolger König Manuels, König João III, den Adligen Francisco Pereira Coutinho zum Verwalter der Capitania Bahia, und dieser gründete eine Siedlung unweit des Indiodorfes dem er seinen Namen gab.
Das Dorf „Pereira“ wurde zum neuen Verwaltungssitz der Capitania Bahia und somit schnell zum Geschäftszentrum der neuen Kolonie.
Die Erhebung „Pereiras“ vom einfachen Dorf zum wichtigen Handelszentrum ist wohl das einzig Positive womit Francisco Pereira Coutinho im Nachhinein in Verbindung gebracht werden kann. Denn Coutinho soll ein ungerechter, rüpelhafter, sadistischer und sehr grausamer Mann gewesen sein, vor allem den eingeborenen Indios gegenüber.
Er war von den Ureinwohnern so verhasst, das die Indios, die jahrelang mühevoll von den Missionaren im christlichen Glauben und Nächstenliebe erzogen worden waren, ihn, als sie ihn Ende 1547 zu fassen bekamen, töteten und aufaßen!

Noch vor seinem Tod hatte Francisco Pereira Coutinho den portugiesischen Seefahrer und Adligen Tomé de Sousa damit beauftragt unweit des Dorfes eine Festung zu bauen, um die Siedlung und das Umland vor feindlichen Angriffen zu schützen.
Diese Festung erhielt den klangvollen Namen „São Salvador da Bahia de Todos os Santos“ (dt.: „Heiliger Retter der Bucht von Allerheiligen“).

Nachdem Portugal sich 49 Jahre lang nicht um die Kolonialisierung des neu entdeckten Brasiliens gekümmert hatte – das Land wurde lediglich mancherorts verwaltet – machte König João III im Jahre 1549 Tomé de Sousa zum ersten Generalgouverneur der Kolonie.
Das Dorf „Pereira“ und die Festung wurden in Salvador da Bahia umbenannt und am 21. März 1549 zur Hauptstadt von Portugiesisch Amerika, dem heutigen Brasilien, erklärt.

Nach der Ernennung Salvadors zur Hauptstadt wurde die Stadt zum Verwaltungs- und Geschäftszentrum, sowie zum religiösen Mittelpunkt Südamerikas.
Noch heute zeugen viele alte Bauten und wunderschöne Kirchengebäude aus der Kolonialzeit Salvadors – einige von ihnen sind heute UNESCO-Weltkulturerbe – vom unübersehbaren portugiesischen Einfluss in der Stadt.
Dies sind z.B. in der Oberstadt (port.: Cidade Alta):

- Kathedrale Sé Primacial São Salvador
- Kloster Nossa Senhora do Carmo
- Kirche Santa Casa da Misericordia
- Kirche und Kloster São Francisco
- Kirche und Kloster Santa Teresa
- Kloster São Bento

In der Unterstadt (port.: Cidade Baixa) z.B.:

- Kirche Nossa Senhora da Conceição da Praia
- Kirche Senhor Bom Jesus do Bonfim

Salvador wurde Ende im 17. Jahrhundert zu der wichtigsten portugiesischen Kolonialstadt, und auch andere fanden die Stadt anscheinend sehr attraktiv, denn in den Jahren 1598, 1624, 1625 und 1638 überfielen und besetzten Holländer die Stadt, wurden aber alle vier Mal erfolgreich vertrieben.
Um 1640 war Salvador die größte Stadt Portugals und die größte Metropole der südlichen Welthalbkugel – einen Rang, den heute die brasilianische Metropole São Paulo hat.
Im Jahre 1763 wurde das südlicher gelegene Rio de Janeiro die neue Hauptstadt Brasiliens und Salvador lediglich zur Provinzhauptstadt.

Als die portugiesische Königsfamilie im Jahre 1807 vor den Truppen Napoleons aus Portugal fliehen musste, begab sie sich auf den Weg nach Brasilien.
Der erste Hafen den sie in Südamerika anliefen war der von Salvador da Bahia. Die riesige Flotte von Königin Maria I und ihrem Sohn, Prinzregent João, kam am 23. Januar 1808 in Salvador an. Die königliche Familie blieb aber nicht so lange in der Stadt, denn bereits 35 Tage nach der Ankunft segelten sie weiter in die Hauptstadt Rio de Janeiro, wo sie dann bis 1820 blieben.

Am 07. September 1822 erlangte Brasilien, nach 322 Jahren Kolonialzeit, die Souveränität von Portugal.
Mit der Unabhängigkeit Brasiliens endete die portugiesische Hoheit auch über Salvador da Bahia.
Der portugiesische Einfluss aber, der lebt bis heute in dieser Stadt und er wird hier wohl zweifellos auch in Zukunft sichtbar und zu spüren sein.

Mittwoch, 11. Juni 2014

Mit Übergepäck zur WM nach Brasilien


Wir schreiben den 22. April 1500, da entdeckte der portugiesische Seefahrer Pedro Álvares Cabral, wohl eher zufällig, Brasilien und nahm das Land für die portugiesische Krone in Besitz.
Heute, 514 Jahren nach dieser bedeutsamen Entdeckung, landete ein Flugzeug mit 23 jungen Männern in der Stadt Campinas, im brasilianischen Bundesstaat São Paulo, deren Aufgabe es in den nächsten Wochen sein wird, Brasilien noch einmal zu erobern – diesmal bitte im Fußball!

Cristiano Ronaldo und seine Mannschaftskollegen reisen aber selbstverständlich nicht alleine zur Fußballweltmeisterschaft nach Brasilien.
Die Seleção (port.:Portugiesische Fußballnationalmannschaft) wird natürlich von ihrem Trainer Paulo Bento begleitet, von einem Trainerstab, verschiedenen Mannschaftsärzten, einem Koch und noch dem einen oder anderen Mitglied des Portugiesischen Fußballbundes FPF (port.: Federação Portuguesa de Futebol).
Und natürlich haben sie alle Gepäck dabei – viel Gepäck!

Wie viel, das hat jetzt der hiesige Fußballbund nach Anfrage der portugiesischen Medien gestern in einer Presseerklärung mitgeteilt.
Ich fand diese Auflistung des FPF teilweise so kurios, dass ich sie hier gerne übersetzt wiedergeben möchte.

Hier also eine kleine Auflistung der Dinge, die die Portugiesische Nationalmannschaft, unter anderem, an Sportequipment, Bekleidung, Medizin und Lebensmittel nach Brasilien mitnimmt:

- 1000 Spielertrikots der Seleção
- 100 Spielershorts der Seleção
- 140 Paar Spielerstrümpfe
- 160 Torwarttrikots der Seleção
- 30 Torwartshorts der Seleção
- 30 Paar Torwartstrümpfe
- 60 Sakkos für die Spieler der Seleção
- 150 Trainingsanzüge
- 400 Polohemden
- 200 Sweatshirts
- 200 T-Shirts
- 100 Paar Trainingstrümpfe
- 200 Shorts fürs Training
- 200 Ausgehshorts
- 200 Handtücher
- 100 Regenjacken
- 60 Regenhosen
- 100 Trainingswesten
- 70 Winterjacken
- 100 Lycrahemden
- 60 Lycrahosen (Radlerhosen)
- 100 Flip-Flops
- 90 Paar Fußballschuhe
- 300 Paar Ausgehstrümpfe
- 2 Textildruckmaschinen
- 40 Fußbälle
- 15 Hürden um Freistöße zu trainieren
- 100 Kegel (Hütchen)
- 20 Stangen
- 30 Dehngymnastikmatten
- 30 kleine Hürden
- 4 Dummies zum Torwarttraining
- 2 Drucker
- 2 Kisten mit Büromaterial
- 1 Kiste mit Presseakkreditierungen
- 1 Kiste mit Druckertoner
- 2 Kisten mit Kaffeemaschinen, Kaffeepads, Zucker und Becher
- 7 Koffer mit verschiedenem Verbandmaterial
- 1 Notfall- und Erste-Hilfe-Koffer
- 1 Ultraschallgerät
- 4 Krankentragen
- 7 Transportwägelchen
- 23 Koffer mit verschiedenen Medikamenten
- 200 kg Stockfisch (port.: bacalhau)
- 35 kg Hartwurst (port.: chouriço)
- 12 kg Weichwurst
- 36 Packungen Nudeln
- 20 kg Graupen
- 12 kg Rote Bohnen
- 2 ganze Schinken
- 60 kg Reis
- 48 Flaschen Olivenöl
- 12 Flaschen Rot- und Weißweinessig
- 12 kg Marmelade
- 12 kg Schafsmilchkäse von der Serra da Estrela
- 6 kg Kuhmilchkäse von der Insel São Jorge
- 12 Kugeln Azorenkäse
- 10 kg geräucherte Schweineohren
- 10 kg geräucherter Schweineschinken
- 3 l  frischer Honig
- 80 kg gefrorener Krake

Ebenso mit nach Brasilien wurden 48 Flaschen zehn Jahre alten edlen Tawny Portweines genommen!
Diese aber, so teilte der Portugiesische Fußballbund vorsichtshalber schon einmal mit, seien nicht zur Eigenverköstigung, sondern ausschließlich als Gastgeschenke gedacht!

Soll bloß hinterher keiner behaupten, Portugal wäre nicht Weltmeister geworden weil Alkohol mit im Spiel war!...

Montag, 9. Juni 2014

Setubal


Die an der breiten Mündungsbucht des Flusses Rio Sado gelegene Industrie- und Distrikthauptstadt Setúbal hat den drittgrößten Hafen Portugals und ist Standort bedeutender Fischkonservenfabriken, Werften, Automobilmontagewerken und Salinen.
Die Stadt, die etwa 30 km von der Hauptstadt Lissabon entfernt in der historischen Landschaft Estremadura liegt, entstand vermutlich im 5. Jahrhundert anstelle der weiter südöstlich auf der Halbinsel Troia gelegenen und durch eine Flutkatastrophe vernichtenden römischen Stadt „Cetobriga“. Aber schon Kelten und Phönizier siedelten lange vor den Römern hier an dieser Stelle und lebten vor allem von der damals schon sehr lukrativen Salzgewinnung.

Um 700 n. Chr. siedelten die arabischen Mauren sich in und um Setúbal an, und blieben hier bis ins 13. Jahrhundert hinein.
Erst 1227 eroberte der portugiesische König Afonso II, mit Hilfe von Kreuzrittern die auf dem Weg nach Palästina waren, die Stadt von den Arabern.

Nach der Eroberung durch die Christen wurde Setúbal zunehmend zur wichtigen Hafenstadt, so wichtig, das die Stadt ab 1343 mit einer Stadtmauer befestigt wurde.
Später, zu Zeiten der Eroberungen von Heinrich dem Seefahrer (port.: Henrique o Navegador), wurde Setúbal noch wichtiger und die See- und Kaufleute der Stadt brachten es zu stattlichem Reichtum.
Im 15. Jahrhundert war Setúbal unter König João II sogar vorübergehend königliche Residenzstadt.
Von hier aus stach König Afonso V mit einer 25.000 Mann starken Armee im Jahre 1458 in See, um die strategisch bedeutsame arabische Kleinstadt Alcacer Ceguer (marok.: Ksar es-Seghir) an der Straße von Gibraltar zu erobern – was ihm auch gelang.
Afonso V hatte die Idee von Alcacer Ceguer aus ganz Nordafrika zu erobern, eine Idee, die sich später konkretisierte und Portugal zur ersten Seefahrernation der Welt machte.

Dank seines milden Klimas und seiner reizvollen Umgebung war Setúbal vom 16. bis 18. Jahrhundert ein bevorzugtes Gebiet für den Adel und das vom Salzhandel reich gewordene Bürgertum. Hier ließen sie sich ihre Landhäuser und Wochenendpaläste bauen.
Das große Erdbeben vom 01. November 1755 vernichtete nicht nur Lissabon, sondern zerstörte auch fast völlig Setúbal.
Am 19. April 1860 erhielt Setúbal durch König Pedro V seine Stadtrechte.
Drei Jahre später, 1863, wurde Setúbal mit einer Bahnstrecke an die Stadt Barreiro angeschlossen. Diese Bahnverbindung machte Setúbal zu einem wichtigen industriellen Zentrum Portugals – und dies ist es bis heute geblieben.

Für eine Industriestadt besitzt Setúbal ein durchaus ansprechendes Ortsbild.
Entlang des Rio Sado ziehen sich der Güter-, der Yacht- und der Fischerhafen – hier geht es jeden Morgen nach dem Einlaufen der Fischerboote und bei der anschließenden Fischauktion sehr lebhaft zu.
Nördlich vom Fischerhafen verläuft in Ost-West-Richtung eine der Hauptverkehrsachsen der Stadt, die nach der gefeierten Sängerin Luisa Todi benannte Avenida de Luisa Todi.
Jenseits dieser Avenida erstreckt sich die noch recht stimmungsvolle, unter Denkmalschutz stehende Altstadt, in der sich die wenigen vom großen Erbeben des Jahres 1755 verschont gebliebenen Sehenswürdigkeiten befinden.

Mittelpunkt ist hier der Platz Praça do Bocage mit einem Standbild des Satirikers und Literaten Manuel Maria de Barbosa du Bocage, dem bekanntesten Sohn der Stadt, der hier 1775 das Licht der Welt erblickte.
In der nahen Rua de São Domingo steht das Geburtshaus von Bocage, das ein kleines Museum über das Leben und das große Werk dieses portugiesischen Dichters beherbergt.
Das Museu Bocage ist eine der drei Außenstellen des Stadtmuseums von Setúbal (port.: Museu da Cidade de Setúbal), das im altehrwürdigen Kloster Convento de Jesus untergebracht ist.

Das ehemalige Franziskanerkloster sowie die Kirche de Jesus sind die in Portugal ersten im manuelistischen Stil errichteten Sakralbauten.
Mit den Arbeiten an Kirche und Kloster begann man im Jahre 1491 unter der Leitung des französischstämmigen Baumeisters Diogo Boytaca, der später durch den Bau der Klöster Batalha und Belém zu Ruhm kam.
Von außen präsentiert sich die dreischiffige Hallenkirche relativ schmucklos. Doch Innen beeindrucken das imposante Sterngewölbe im Chor sowie die einzigartigen Azulejo-Darstellungen aus dem Leben der Jungfrau Maria.
Wie schon erwähnt ist in den Räumen des an die Kirche grenzenden ehemaligen Klosters, sowie in dem aus Arrábidamarmor errichteten Kreuzgang aus dem 17. Jahrhundert, das Städtische Museum untergebracht. Zu seinen Exponaten gehören Gemälde portugiesischer, flämischer und katalanischer Meister sowie archäologische Funde aus dem Gebiet um Setúbal.

Zwei andere sehr sehenswerte Gotteshäuser in der Altstadt von Setúbal sind zum einen die ursprünglich aus dem 16. Jahrhundert stammende Kirche São Julião (port.: Igreja de São Julião) mit seinen zwei manuelistischen Portalen, und zum anderen die besuchenswerte Kirche Igreja de Santa Maria da Graça, eine sehr üppig verzierte und reich vergoldete Kirche aus dem 13. Jahrhundert.

Außer dem Stadtmuseum im Jesuitenkloster und dem Museum im Geburtshaus von Bocage gibt es noch das eine oder andere sehr besuchenswerte Museum in der Stadt Setúbal.

Da ist zum einen das Ozeanografische und Fischereimuseum Luiz Saldanha (port.: Museu Oceanográfico e de Pescas Luiz Saldanha) an der Avenida de Luisa Todi, das eine bedeutende Sammlung seltener Schwammarten und sonstiger Meeresbewohner bewahrt, das vor allem von dem portugiesischen Meeresbiologen Luiz Vieira Caldas Saldanha zusammengetragen wurde.

Benachbart ist das Archäologie- und Völkerkundemuseum (port.: Museu de Arqueologia e Etnologia). Ausgestellt werden hier u.a. Geräte und Werkzeuge, die in der Landwirtschaft und in der Fischerei rund um Setúbal eingesetzt wurden, sowie einige alte Bootsmodelle. An das Museum ist eine respektable Fachbibliothek mit über 5.000 Bänden angeschlossen.

Im Geburtshaus der Opernsängerin Luisa Todi in der gleichnamigen Avenida ist ein kleines Museum untergebracht, das sich dem Künstlerleben einer der größten Operndivas ihrer Zeit widmet (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Luisa Todi – die Sängerin aller Jahrhunderte“, vom 25. November 2012)

Andere sehenswerte Museen in Setúbal sind:

- das Museu Casa Sebastião da Gama (dt.: Museum Sebastião da Gama), ein kleines Museum das sich dem Leben und Werk des Lyrikers und Pädagogen Sebastião da Gama widmet

- das Museu do Trabalho Michel Giacometti (dt. : Museum der Arbeit Michel Giacometti), das nach dem französischen Ethnologen Michel Giacometti benannt ist und in dem sich eine große Sammlung landwirtschaftlicher Alltagsgegenstände befindet, die Giacometti zu Lebzeiten zusammengetragen hat

- und das Museu do Barroco (dt.: Barrokmuseum) in der Casa do Corpo Santo

Im Westen der Stadt Setúbal erhebt sich an der linken Uferseite des Sado die Festung Castelo de São Filipe.
Die Burganlage wurde Ende des 16. Jahrhunderts von dem italienischen Festungsbaumeister Filippo Terzi auf Anordnung des spanischen Königs Filipe II errichtet, der gleichzeitig als Filipe I über Portugal herrschte. Von hier aus hat man einen grandiosen Blick über die Stadt Setúbal, den Sado und den Atlantik.
In einem Teil der Burganlage ist heute eine Pousada untergebracht.

Die Umgebung von Setúbal hat vieles zu bieten:
stille Meeresbuchten, ein prächtiges Mittelgebirge und den wunderschönen Naturpark Serra da Arrábida, mit zahlreichen endemischen Arten, die nur hier beheimatet sind.

Aber, das schönste was der Distrikt Setúbal seinen Besuchern zu bieten hat, sind wohl seine sauberen Strände!
Mit der Auto- oder der Personenfähre fährt man z.B. von der Anlegestelle an der Praça da República zur Praia de Troia, einer Halbinsel mit Dünen, Wald und einem herrlichen Sandstrand. Hier ließen sich einst die Phönizier nieder, und die Römer gründeten später an gleicher Stelle einen Ort Namens „Cetobriga“, der später von einem riesigen Tsunami zerstört wurde.
Andere besuchenswerte Strände im Großraum von Setúbal sind:

- Praia do Portinho da Arrábida
- Praia dos Galapos
- Praia da Figueirinha
- Praia de Albarquel
- Praia da Maria Esguelha

Der berühmte dänische Dichter und Märchenerzähler Hans Christian Andersen hat einmal, nachdem er im Jahre 1866 für einige Tage in Setúbal verweilte, geschrieben die Stadt „sei ein irdisches Paradies“ (lesen sie bitte hierzu auch meinen Blogeintrag „Schwer von Freunden fällt der Abschied“, vom 09. Juli 2009).
Nun, ob Andersen das heute noch so sagen würde, bleibt mal dahingestellt, denn Setúbal ist, wie schon erwähnt, heute eine hektische Industrie- und Arbeiterstadt, wie es sie so viele auf der Welt gibt.
Dennoch kann man in gewissen Ecken und manchen verwinkelnden Gassen sicherlich den Charme der vergangenen Tage spüren, den diese Stadt einmal sicherlich gehabt hat.
Man muss diesen Charme in Setúbal nur suchen!...

Montag, 2. Juni 2014

Adiós Juan Carlos


Als ich heute in meiner Mittagspause die Nachricht von der Abdankung von König Juan Carlos I von Spanien  hörte, konnte ich es kaum glauben und ich habe zuerst sogar Zweifel an dieser Nachricht gehabt.
Aber dann bin ich mit meinem Handy im Internet gesurft, und musste lesen, dass es sich bei dieser Nachricht nicht um eine Ente handelt, sondern um eine reale Meldung aus unserem Nachbarland.

Nach fast 39 Jahren auf dem spanischen Thron teilte König Juan Carlos I de Borbón y Borbón heute Ministerpräsident Mariano Rajoy in einem kurzen Schreiben seine Abdankung mit.
Der Wortlaut dieser Abdankung lautet – in einem Satz:

„Der Verfassung entsprechend, teile ich dem Herrn Regierungspräsidenten hiermit meine freie Entscheidung mit, von der spanischen Krone abzudanken.
Der König von Spanien
Don Juan Carlos I de Borbón“

(span.: „A los efectos constitucionales procedentes, adjunto el escrito que leo, firme y entrego al Señor Presidente del Gobierno en este acto, mediante el cual le comunico mi decisión de abdicar la Corona de España.
El Rey de España
Don Juan Carlos I de Borbón“)

Er wolle einer neuen Generation Platz machen, sagte er in einer Rede an sein Volk.
Dieser Schritt ist dem König sicherlich nicht leicht gefallen.
Aber vielleicht bestärkt durch die Abdankungen seiner ehemaligen Amtskollegen Beatrix der Niederlande und Albert II von Belgien, nahm der spanische Monarch sich heute wohl den Mut und entschloss sich zum Thronverzicht.

Der 76 jährige Juan Carlos ist (war) ein respektabler König!
Er war es der Spanien aus dem dunklen Faschismus der Franco-Diktatur in die Moderne führte, der seinem Land Stabilität, Demokratie, Fortschritt und auch Wohlstand brachte.
Er war es der zweifellos seine Vielvölkernation mit Mühe einigte.

Und Juan Carlos war und ist ein großer Freund Portugals!
Kaum ein spanischer König hat Portugal so respektiert, ja geliebt, wie Juan Carlos.
Und kein anderer spanischer Monarch hat die portugiesisch-spanischen Beziehungen so gefördert wie er – auch nicht die drei spanischen Philipps, die zwischen 1580 und 1640 über Portugal herrschten.

Die Familie Juan Carlos verbrachte hier in Portugal viele Jahre im Exil. Seit 1946 bewohnten die Grafen von Barcelona, die Eltern von Juan Carlos, und ihr Kinder die Vila Giralda in Estoril, ein Anwesen das heute noch im Besitz der spanischen Königsfamilie ist.
Hier in Portugal verbrachte Juan Carlos mit seinen Geschwistern seine Kindheit und hier schloss er als Kind Freundschaften die bis heute bestehen.

Juan Carlos liebt Portugal und seine Menschen.
Und Portugal und viele seiner Menschen liebt auch Juan Carlos.
Er kann von sich sagen, dass er hier in Portugal immer willkommen ist – eine Tatsache die vor ihm wohl kaum ein anderer spanischer König behaupten konnte!

Obwohl, wie ich schon erwähnt habe, mich der Thronverzicht Juan Carlos sehr überrascht hat, so muss ich zugeben, dass ich seinen Schritt mutig und vernünftig finde.
Und seien wir doch einmal ehrlich:
wenn sogar ein Papst abdanken kann, warum nicht auch ein König?!?

Bleibt nur zu hoffen das König Juan Carlos, auch wenn er gesundheitlich leider sehr angeschlagen ist, noch viele Jahre vergönnt sein werden, um seinen neuen Lebensabschnitt als „Rentner“ zu genießen!

Adiós Juan Carlos

Donnerstag, 29. Mai 2014

Was dem einen der Vatertag, ist dem anderen der Kornährentag


Heute wurde ich von meiner guten Freundin Anke, die erst seit wenigen Monaten hier in Lissabon lebt, gefragt, warum ihr heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit, an verschiedenen Ecken, und sogar am Eingang zur Metro, Sträuße mit Kornblumen zum Kauf angeboten wurden.
Nun, ich habe ihr dann erklärt, dass das mit dem heutigen Feiertag Christi Himmelfahrt zu tun hat.

Genau vierzig Tage nach Ostersonntag feiert die christliche Welt Christi Himmelfahrt, ein Tag der hier in Portugal den offiziellen Namen „Dia da Ascensão de Jesus“ trägt.
Während dieser Tag in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag ist, wird er hier in Portugal nur in bestimmten Gemeinden des Landes gefeiert, so z.B. in Alenquer, Almeirim, Mafra, Vila Franca de Xira, Beja, Monchique oder Loulé – nur um einige zu nennen.

Christi Himmelfahrt ist heutzutage in Deutschland eher unter dem Namen „Vatertag“ bekannt und hier in Portugal kennt jeder diesen Feiertag eher unter dem Namen „Dia da espiga“ (dt.: „Kornährentag“) oder „Quinta-feira de espiga“ dt.: Kornährendonnerstag“).
Welchen Beinamen dieser religiöse Feiertag in anderen Ländern trägt, ist mir nicht bekannt, aber wieso Christi Himmelfahrt in Deutschland „Vatertag“ genannt wird und hier in Portugal „Kornährentag“ (port.: „Dia da espiga“), das will ich hier versuchen zu erklären.

Während die Feier der Himmelfahrt Christi in den Anfängen des Christentums überall mit dem Pfingstfest verbunden war, entwickelte sich ab dem 4. Jahrhundert dann das eigene Fest Christi Himmelfahrt.
Die Gläubigen begingen früher diesen religiösen Tag traditionell mit vielen Prozessionen außerhalb der Stadt, und so gingen sie raus auf die Felder und beteten für gute, ertragreiche Ernten.
Wie bei jeder Prozession wurde damals wie heute gut gefeiert, viel gegessen und noch mehr getrunken, und zwar mancherorts so heftig, das die Umzüge in wahre Trinkgelage ausarteten.

Während hier im Süden Europas die katholische Kirche streng über ihre Schäfchen zu wachen versuchte, so dass diese beim Feiern nicht allzu sehr über die Strenge schlugen, entwickelten sich an diesem Tag seit dem 18. Jahrhundert in manchen Ländern im Norden Europas vielerorts organisierte Ausflüge aufs Land, an dem nur Männer teilnahmen – der Vatertag war geboren.

Hier in Portugal wird Christi Himmelfahrt, wie schon erwähnt, in Anlehnung an die traditionellen Ernteprozessionen die an diesem Tag vielerorts stattfinden, „Dia da espiga“ (dt.: „Kornährentag“) genannt.
Wer es sich zeitlich leisten kann – dieser Tag ist wie gesagt kein Feiertag hier in Portugal – geht an diesem Tag raus in die Natur, pflückt verschiedene Kornähren, Feldblumen, wilden Rosmarin und Olivenzweige und bindet diese dann zu einem Strauss zusammen.

Solch ein „Ramo de espiga“ (dt.:„Kornährenstrauß“) besteht traditionell aus folgenden Blumen und Ähren und jede für sich hat eine bestimmte Symbolik:

- die Kornähre (port.: espiga) steht für das tägliche Brot das niemals auf dem Tisch fehlen sollte
- der Olivenzweig (port.: ramo de oliveira) symbolisiert den Frieden und steht gleichzeitig für das teure, viel geschätzte Olivenöl
- die weiß-gelbe Margarite (port.: malmequer) steht für Gold und Silber aber auch für den Frieden
- der rote Klatschmohn (port.: papoila) steht sinnbildlich für die Liebe und das Leben
- die Weinrebe (port.: videira) steht für Wein und Freude
- letztendlich der Rosmarin (port.: alecrim), der Gesundheit und Kraft symbolisiert

Wer nicht dazukommt sich den Strauß selber zu pflücken, der findet, wie meine Freundin Anke, an diesem Tag an jeder Ecke jemanden der einen Strauß Feldblumen und Kornähren zum Verkauf feilbietet.
Dieser Strauss wird dann daheim aufgehängt, am besten an die Innenseite der Eingangstür, und er soll dem Glauben nach, dem Heim Gesundheit, Reichtum, Glück und Segen bringen.
Der Volksmund sagt, dass dieser Strauß dann erst im nächsten Jahr durch einen neuen ersetzt werden kann.
Dies wäre, dem Kalender nach, nächstes Jahr am 14. Mai 2015.

Dienstag, 27. Mai 2014

Resümee der Europawahl 2014 in Portugal


Es ist noch nicht einmal 48 Stunden her, da schlossen die letzten Wahllokale in Europa – die Europawahl 2014 war durch das Volk an der Urne entschieden!
Bei dieser Europawahl haben in vielen Mitgliedstaaten europakritische Protestparteien zugelegt.
So siegte in Frankreich die rechtsextreme „Nationale Front“ (franz.: Front Nacional), in Großbritannien triumphierte die europafeindliche „UKIP-Partei“ (engl.: United Kingdom Independence Party) und in Griechenland wurde die rechtsradikale „Chrysi Avgi“ sogar drittstärkste Partei.

In Deutschland trat die Anti-Euro-Partei „AfD“ (dt.: Alternative für Deutschland) das erste Mal bei einer Europawahl an und gewann auf Anhieb 7% der Wählerstimmen.
In Portugal verpassten die Bürger der konservativen Regierung von Premierminister Pedro Passos Coelho, nur knapp eine Woche nach dem Verlassen des EU-Rettungsschirms, einen gehörigen Denkzettel.
Das Wahlbündnis „Aliança Portugal“ der Regierungsparteien PSD (port.: Partido Social Demokrata / dt.: Sozialdemokratische Partei) und CDS-PP (port.: Centro Democrático Social - Partido Popular / Sozialdemokratisches Zentrum – Volkspartei) belegten mit 27,7% hinter den siegreichen Sozialisten, mit 31,45%, nur den zweiten Platz bei der Wählergunst.

Insgesamt werden im zukünftigen Europaparlament 21 portugiesische Abgeordnete aus fünf verschiedenen Parteien vertreten sein.
Diese Parteien sind:

- PS (port.: Partido Socialista / dt.: Sozialistische Partei)
8 Abgeordnete
- Aliança Portugal (Wahlbündnis zwischen der PSD und der CDS-PP)
7 Abgeordnete
- CDU (port.: Coligação Democrática Unitária / dt.: Demokratische Einheitskoalition)
3 Abgeordnete
- MPT (port.: Movimento Partido da Terra / dt.: Bewegung Partei der Erde)
2 Abgeordnete
- BE (port.: Bloco de Esquerda / dt.: Linker Block)
Eine Abgeordnete

Diesen fünf Parteien gehören 21 portugiesische Europa-Abgeordnete an.
Diese sind:

- Francisco José Pereira de Assis Miranda – PS
- Maria João Rodrigues – PS
- Carlos Zorrinho – PS
- Elisa Maria da Costa Guimarães Ferreira – PS
- Ricardo da Piedade Abreu Serrão Santos – PS
- Ana Maria Rosa Martins Gomes – PS
- Pedro Cunha da Silva Pereira – PS
- Liliana Rodrigues – PS

- Paulo Artur dos Santos Castro Rangel – Aliança Portugal
- Fernando Ruas – Aliança Portugal
- Sofia Ribeiro – Aliança Portugal
- Nuno Melo – Aliança Portugal
- Carlos Coelho – Aliança Portugal
- Claudia Aguiar – Aliança Portugal
- José Manuel Fernandes – Aliança Portugal

- João Manuel Peixoto Ferreira – CDU
- Inês Cristina Zuber – CDU
- Miguel Viegas – CDU

- António de Sousa Marinho e Pinto – MPT
- José Inácio Faria – MPT

- Marisa Isabel dos Santos Matias – BE

Die portugiesische Regierung ist wie fast alle Regierungen in der EU mit dem Ausgang dieser Europawahl unzufrieden und sieht nun  schwierigen politischen Zeiten entgegen.
Aber anstatt jetzt zu kapitulieren und zu lamentieren, sollten die Herren Politiker lieber diese Wahl als Chance ansehen – als die Chance um über die zukünftige Europapolitik nachzudenken und wie man den jeweiligen Bürgern in Zukunft besser klar machen kann, wie wichtig Europa für jeden einzelnen von uns ist!

Samstag, 24. Mai 2014

Von „TripAdvisor“ bewertet


Ende dieser Woche hat die große amerikanische Touristik-Website „TripAdvisor“, die ihre Nutzer mit individuellen Erfahrungsberichten und Reisebewertungen weltweit versorgt, 2438 neue Bewertungen über Portugal aufgenommen und veröffentlicht.
In diesen 2438 Erfahrungsberichten über Portugal beurteilen Menschen aus aller Welt 299 Sehenswürdigkeiten, 1359 Restaurants und 780 Hotels hierzulande.

Auf „TripAdvisor“ können Touristen ihre eigenen Erfahrungen und Erlebnisse über Sehenswürdigleiten und Unterkünfte ihrer jeweiligen Reiseziele bewerten.
Wie bedeutend solche Erfahrungsberichte und Reisebeurteilungen sind, wird einem erst klar wenn man bedenkt, dass diese weltweit größte Reise-Website jeden Monat von mehr als 60 Millionen Besuchern angeklickt wird.

Insgesamt werden aktuell 720.361 Erfahrungsberichte und Reisebewertungen über Portugal, seine Denkmäler, Museen, Restaurants und Unterkünften bei „TripAdvisor“ angegeben.

Wer die Berichte und Bewertungen über portugiesische Reiseziele nachlesen möchte, kann dies in deutscher Sprache tun, unter:


Sonntag, 18. Mai 2014

Lissabonner Stadtfest 2014








Wie in den vergangenen Jahren, so hat Lissabon auch in diesem Jahr die schönsten Sardinen als offizielle Symbole für das diesjährige Sankt Antoniusfest, dem Lissabonner Stadtfest, durch einen Wettbewerb bestimmt.
Dieser Wettbewerb, an dem knapp Fünftausend Personen teilgenommen haben, wurde durch das Lissabonner Event- und Managementunternehmen für Kultureinrichtungen EGEAC (port.: Empresa de Gestão de Equipamentos e Animação Cultural) durchgeführt.

Aus insgesamt 8.258 eingereichten Vorschlägen – darunter knapp 1.500 aus dem Ausland, wie Italien, Brasilien, Mexiko und sogar China – kürte die Agentur EGEAC letztendlich die sieben schönsten und originellsten Sardinen aus, und gab die Sieger – sechs Portugiesen und ein Mexikaner – diese Woche bekannt.

Die Gewinner-Sardinen werden in den folgenden Wochen für das Lissabonner Stadtfest Werbung machen.
Das Lissabonner Stadtfest findet jedes Jahr im Monat Juni statt und hat seinen Höhepunkt am 13. Juni, dem Antoniustag.
Der Heilige Antonius (port.: Santo António) ist der Schutzheilige der Stadt Lissabon, und auch wenn die Welt ihn eher unter dem Namen Antonius von Padua kennt, so wird er hierzulande einfach nur Santo António de Lisboa (dt.: Antonius von Lissabon) genannt, denn er ist ein Sohn der Stadt. Hier wurde Antonius Ende des 12. Jahrhunderts geboren. (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Santo António de Lisboa“, vom 12. Juni 2009) und hier wird er auch verehrt, wie kaum anderswo auf der Welt.

Die Gewinner-Sardinen werden, abgesehen davon das sie recht bald überall in der Stadt auf Postern und Plakaten abgebildet sein werden, demnächst auch, zusammen mit anderen Sardinen die den Wettbewerb leider nicht gewonnen haben, in einer Ausstellung in der Rua Augusta, im Stadtteil Baixa, zu sehen sein.

Freitag, 16. Mai 2014

„The loveliest city in Portugal“


Wie ich erst heute in der Onlineausgabe des von mir sehr geschätzten „Guardian“ nachlesen konnte, hat diese renommierte britische Tageszeitung vor einer Woche die historische Stadt Braga mit einem Artikel „geadelt“.

In diesem sehr lesenswerten Artikel bezeichnet die us-amerikanische Reisejournalistin Jeanine Barone die nordportugiesische Metropole als „the loveliest city in Portugal“ (dt.: „die schönste Stadt Portugals“).

Braga – „das portugiesische Rom“ wie die Stadt wegen ihrer vielen Kirchen oft auch genannt wird – ist wahrlich bezaubernd und sehenswert!

Diese traditionsreiche Stadt voller bewegter Geschichte und Geschichten ist heute eine jung gebliebene, moderne Studentenstadt voller Charme und mit einer sehr reichen und energischen Kulturszene, sowie einem sehr aktiven Nachtleben.
Auch für die leckere Gastronomie Bragas und ihre Umgebung findet die Journalistin in ihrem Artikel – zu Recht – nur lobende Worte.

Jeanine Barone scheint ihre Zeit in Braga genossen zu haben, denn sie beendet ihren Artikel mit den ermutigenden Worten:

„Wie viele andere Universitätsstädte hat Braga eine kreative Energie, die Menschen allen Alters, aller sozialen Schichten und unterschiedlichster Lebensstile eint. Anstatt nur in der Vergangenheit zu schwelgen, passt sich die Stadt der Moderne an und schaut voller Optimismus in die Zukunft.“

(„Like many university towns, Braga has a creative energy that that
brings together all sorts of people, transcending age, class and lifestyle. Rather than being stuck in the past, it continues to adapt and thrive, looking to the future with a new-found sense of optimism.“ – Jeanine Barone).

Wer den interessanten Artikel von Jeanine Barone im Original nachlesen will, hier der Link aus dem „The Guardian“:


Montag, 5. Mai 2014

Sauberer Ausstieg


Nun ist es amtlich:
Gestern Abend teilte Premierminister Pedro Passos Coelho der interessierten portugiesischen und der internationalen Öffentlichkeit mit – zur besten Sendezeit live im Fernsehen – das Portugal am kommenden 17. Mai den auslaufenden Euro-Rettungsschirm ohne Überbrückungshilfen für den Notfall, d.h. ohne einen Kreditrahmen der Geldgeber von EU, IWF und der EZB, verlassen wird.
Somit hat sich Portugal, nach sehr schwierigen drei Jahren, für einen „sauberen Ausstieg“ (port.: „saída limpa“) aus dem Hilfsprogramm der Troika entschieden und wird fortan versuchen wirtschaftlich auf eigenen Füßen zu stehen.

Die meisten Politiker begrüßen diese Entscheidung, die internationale Finanzwelt ist hocherfreut, die Investoren fangen an Portugal zu vertrauen und alle loben sie die harten Reformen – die sie Fortschritte nennen – im Land!

Aber machen wir uns nichts vor:
Auch wenn uns dieses Vertrauen ehrt und die letzten Monaten und Jahre hart, ja brutal, waren, so wissen wir alle – bis auf einpaar linke Sozis, die es gewohnt sind das Geld anderer mit vollen Händen auszugeben –, das die nächsten Jahre die da kommen, hier in Portugal nicht leichter werden.
Im Gegenteil, wir haben noch eine lange Durststrecke vor uns!

Aber wenn unsere Nation und jeder einzelne von uns hinterher volkswirtschaftlich besser da steht, dann ist mir das ehrlich gesagt recht!

Donnerstag, 1. Mai 2014

Die Geschichte des 1. Mai in Portugal


Der 1. Mai (port.: Dia 1 de Maio), den man hierzulande auch den „Tag des Arbeiters“ (port.: „Dia do Trabalhador) nennt – nicht wie in Deutschland, wo dieser Tag „Tag der Arbeit“ (port.: Dia do Trabalho“ genannt wird) – , ist hier in Portugal genauso ein gesetzlicher Feiertag wie unter anderem auch in Deutschland.
Diesen Feiertag gab es aber hierzulande nicht immer!

Erst seit dem Jahre 1974 kann man hier in Portugal diesen Tag der internationalen Arbeiterbewegung und der Werktätigen wieder straffrei feiern.
Vorher, zu Zeiten der faschistischen Diktatur, war er absolut verboten!

Seinen Ursprung hat der 1. Mai in den USA.
Im April des Jahres 1886 gingen Fabrikarbeiter in der Stadt Chicago auf die Straße und demonstrierten tagelang für die Einführung des 8-Stunden-Arbeitstages und für bessere und gerechtere Löhne.
Da die Fabrikbesitzer nicht einlenkten, kam es Ende April zu Massendemonstrationen und in Folge dieser auch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen.
Am 1. Mai 1886 kam es zu einer von den Gewerkschaften organisierten riesigen Kundgebung in Chicago, mit über 500.000 Teilnehmern.
Dies war die Geburtsstunde der Arbeiterbewegung!
Drei Jahre später, 1889, trafen sich mehrere sozialistische Parteien und Gewerkschaften aus aller Welt in Paris, und erklärten den 1. Mai zum internationalen Feiertag der Arbeit und Arbeiter.

1890 wurde dann der 1. Mai zum ersten Mal international gefeiert und auch in Portugal wurde dieser Tag zum Feiertag bestimmt.
Zu Zeiten der Monarchie steckte die Arbeiterbewegung in Portugal, verglichen mit der anderer Länder, noch in den Kinderschuhen und so wurde in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts der 1. Mai hierzulande fast familiär gefeiert, mit kleinen Picknicks und Friedhofsbesuchen, bei denen man die Gräber verstorbener Arbeiter besuchte. Noch heute gibt es an diesem Tag auf Madeira und den Azoren diese Tradition des picknicken und der Friedhofsbesuche bei Personen die Opfer eines Betriebsunfalls wurden.
Erst nach dem Fall der Monarchie begannen die Gewerkschaften sich erfolgreich zu organisieren und an Stärke zu gewinnen. So erreichten sie dann am 1. Mai 1919 eines ihrer größten Ziele, und setzten den 8-Stunden-Arbeitstag in Portugal durch.

Als 1926 die Militärs gegen die Erste Republik putschten wurde Portugal zur Diktatur. Ab diesem Jahr wurde der 1. Mai als Feiertag verboten und abgeschafft.
Aber trotz Verbotes wurde dieser Tag in manchen Jahren der faschistischen Diktatur zelebriert, was zur Folge hatte, das die Teilnehmer an den jeweiligen Kundgebungen meistens im Gefängnis landeten.
Erst 1974, gerade mal sechs Tage nach der Nelkenrevolution vom 25. April, wurde der 1. Mai zum ersten Mal nach 48 Jahren Diktatur wieder offiziell in Portugal enthusiastisch gefeiert.

Heute, 40 Jahre nach der ersten Maifeier im demokratischen Portugal, ist dieser Tag im krisengeschüttelten Portugal, auch wenn er zweifellos an Bedeutung verloren hat, mehr denn je ein Tag des Trotzes, der Entschlossenheit und des Protestes.