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Sonntag, 13. Juli 2014

Die Portugiesen in... Rio de Janeiro


Portugal ist bei der Fußball-WM 2014 (port.: Mundial de futebol 2014) in Brasilien bereits in der Vorrunde ausgeschieden.
Nichtsdestotrotz wurde in Brasilien weiter Fußball gespielt.
So findet am heutigen Sonntag, im berühmten Maracanã-Stadion zu Rio de Janeiro, das Finale der diesjährigen Fußball-WM statt.
Ich habe hier im „Planet Portugal“ in den letzten vier Wochen versucht den einen oder anderen Austragungsort dieser Fußball-WM in Brasilien vorzustellen. Alle diese Städte haben eine portugiesische Entstehungsgeschichte und noch heute einen starken portugiesischen Einfluss, so wie auch die Stadt Rio de Janeiro.

Hier nun im Folgenden eine mehr oder weniger umfassende chronologische Stadtgeschichte von einer der schönsten Städte der Welt – Rio de Janeiro.
Ich habe bei der Erstellung der Chronologie vor allem Wert auf die Entstehungsgeschichte der wichtigsten noch vorhandenen portugiesischen Baudenkmäler gelegt, sowie ebenso auf die wichtigsten geschichtlichen und politischen Ereignisse in der Stadt während der portugiesischen Kolonialzeit.


Rio de Janeiro – die chronologische Geschichte einer Stadt:

- 1500
Die Region in der sich heute die Stadt Rio de Janeiro befindet, wird damals von Tamaio-Indios, vom Volk der Tupinambá, bevölkert. Man schätzt heute die damalige Bevölkerungszahl der Tamaio (tupi: „Großeltern“) auf ca. 70.000 Menschen.
Der Seefahrer Pedro Álvares Cabral entdeckt, eher zufällig auf dem Weg nach Indien, Brasilien. Er landet mit seiner Flotte am 22. April 1500 in Porto Seguro, im heutigen Bundesstaat Bahia

- 1502
Gaspar de Lemos, Navigator einer der Expeditionsflotten des Seefahrers André Gonçalves, entdeckt am 01. Januar die Bucht von Guanabara (tupi: „Meeresarm“ / port.: Bahia de Guanabara). Weil er glaubt, es handelt sich bei dieser Meeresbucht um die Mündung eines großen Flusses, nennt er den „Fluss“ Rio de Janeiro (dt.: Januarfluss)

- 1503
Der portugiesische Entdecker Gonçalo Coelho errichtet am Strande von Flamengo, an der Mündung eines Baches, der sich damals zur wichtigsten Süßwasserquelle für die folgenden Schiffsbesatzungen entwickelte, eine kleine Handelsniederlassung aus Lehm. Diesen Bach nennen die Tamaio-Indianer Carioca (tupi: „Haus des weißen Mannes“). Heute werden die Einwohner Rios „Cariocas“ genannt

- 1506
Nachdem er zwei Jahre am Rio Carioca gesiedelt hat, tritt der Entdecker Gonçalo Coelho die Heimreise nach Lissabon an

- 1515
Der spanische Seefahrer Juan Diaz de Solis macht im November, auf seiner Expeditionsfahrt ins südliche Südamerika, Halt in der Bucht von Guanabara

- 1519
Am 13. Dezember ankert die Flotte von Fernão de Magalhães (dt.: Ferdinand Magellan), bestehend aus den vier Segelschiffen „La Trinidad“, „Santo Antonio“, „Victoria“ und „Conception“, in der Bucht von Guanabara.
Fernão de Magalhães benennt, wissentlich oder unwissentlich, die Bucht mit dem Namen „Santa Luzia“

- 1530
Der erste Gouverneur Brasiliens, Martim Afonso de Sousa, besucht mit einer Flotte von fünf Schiffen und 500 Mann Besatzung, die Bucht von Guanabara auf seinem Weg ins südliche Brasilien.
Dort gründet er später im heutigen Bundesstaat São Paulo die erste europäische Stadt Südamerikas, São Vicente.

- 1531
Der adelige Seefahrer und Pero Lopes de Sousa, der zur Mannschaft von Martim Afonso de Sousa gehört, baut das erste Steinhaus am Bach Carioca

- 1553
Der erste Generalgouverneur Brasiliens, Tomé de Sousa, kommt mit seinem Freund, dem Jesuitenpater und bedeutenden Theologen Manuel da Nobrega, in der Bucht von Guanabara an. Manuel da Nobrega ist auf der Durchreise und gründet ein Jahr später die spätere Stadt São Paulo

- 1555
Der französische Admiral Nicolas Durand de Villegagnon dringt mit seinen Männern in die Bucht von Guanabara ein, besetzt die Kolonie und errichtet die Festung Fort Coligny auf der von den Indios genannten Insel Serigipe (tupi: „im Fluß der Krebse“). Die Insel trägt heute zu ehren Admirals de Villegagnon seinen Namen, Ilha de Villegagnon

- 1559
Nach 4 Jahren Besetzung verlässt Nicolas Durand de Villegagnon wieder die Bucht von Guanabara. Fort Coligny und die Insel Serigipe bleiben aber unter französischer Herrschaft

- 1560
Den Portugiesen gelingt es, unter dem Kommando des Juristen und späteren Generalgouverneurs Mem de Sá, das Fort Coligny einzunehmen und die Franzosen von der Insel Serigipe zu vertreiben. Diese versuchen sich daraufhin auf der 36 km² großen Insel Paranapuam (tupi: „Wildkatze“), der heutigen Ilha do Governador (dt.: Gouverneursinsel), anzusiedeln

- 1565
Estácio de Sá, ein Neffe von Mem de Sá, gründet am 01. März die Stadt São Sebastião do Rio de Janeiro und wird ihr Gouverneur.
Die Stadt erstreckte sich damals lediglich zwischen dem Zuckerhut (port.: Pão de Açucar) und dem heutigen Stadtteil Urca, wo sich heutzutage das Forte de São João befindet

- 1567
Am 20. Januar gelingt es dem Stadtgründer Estácio de Sá die Franzosen von der Insel Paranapuam und somit endgültig aus der portugiesischen Kolonie zu vertreiben. Er verletzt sich aber bei dieser Befreiungsaktion und stirbt einen Monat später, am 20. Februar, an seinen schweren Verletzungen.
Nach dem Tod von Estácio de Sá wird sein Onkel Mem de Sá Gouverneur der Stadt.
Im selben Jahr gründen die Jesuiten die erste Schule von Rio

- 1568
Salvador Correia de Sá, ein Neffe von Mem de Sá, folgt seinem Onkel auf dem Stuhl des Gouverneurs

- 1572
Cristóvão de Barros löste Salvador de Sá als Gouverneur ab

- 1576
Der Richter António Salema wird neuer Gouverneur der Stadt

- 1577
Salvador Correia de Sá, der von 1568 bis 1572 schon einmal die Stadt verwaltet hat, löst nach nur einem Jahr Amtszeit António Salema als Gouverneur von Rio de Janeiro ab

- 1582
Aleixo Manuel, der erste praktizierende Arzt von Rio de Janeiro, lässt auf dem Hügel São Bento die Kapelle Nossa Senhora da Conceição errichten.
Das Krankenhaus der Santa Casa da Misericórdia, eine kirchlich-soziale Einrichtung, wird gebaut. Neben dem Krankenhaus entsteht die Kirche Igreja de Nossa Senhora do Bonsucesso

- 1585
Die Kirche Igreja de São Sebastião dos Capuchinhos, im heutigen Stadtteil Tijuca, wird gebaut

- 1586
Aus Bahia kommen die ersten Benediktinermönche in die Stadt. Sie beginnen mit dem Bau des Münsters Mosteiro de São Bento

- 1590
Die ersten Mönche des Karmeliterordens kommen in Rio an.
Der Kaufmann João Pereira de Sousa, der mit Spitznamen „bota fogo“ (dt.: „Brandstifter“) genannt wird, kauft von seinem Freund Francisco Velho ein Grundstück, an dem sich heute der Stadtteil und der Strand von Praia de Botafogo erstreckt.
Der Stadtteil (port.: bairro) Botafogo wird gegründet

- 1592
Die ersten Franziskanermönche kommen in Rio an.
Am Strand von Praia de Santa Luzia, den es heute nicht mehr gibt da die Landebahn des Flughafen Santos Dumont bis ans Wasser reicht, errichten die Franziskaner eine kleine Kapelle, die heutige Kirche Igreja de Santa Luzia

- 1599
Francisco de Mendonça e Vasconcelos übernimmt von Salvador Correia de Sá das Amt des Gouverneurs von Rio de Janeiro.
Olivier van Noort, der dabei ist als erster Holländer die Welt zu umrunden, trifft in der Bucht von Guanabara ein. Ihm wird aber verweigert dort zu ankern und so segelt er weiter in Richtung Feuerland

- 1602
Martim Correia de Sá, Sohn des ehemaligen Gouverneurs Salvador Correia de Sá, tritt seine erste Amtszeit als Gouverneur von Rio de Janeiro an

- 1603
Die Festung Forte de São Tiago, wo heute das Nationalhistorische Museum der Stadt untergebracht ist (port.: Museu Histórico Nacional da Cidade do Rio de Janeiro), wird gebaut

- 1608
Afonso de Albuquerque – nicht zu verwechseln mit dem berühmten portugiesischen Vizekönig in Indien gleichen Namens – wird Gouverneur von Rio de Janeiro.
Der Franziskanermönch Francisco dos Santos beginnt mit dem Bau des Klosters Convento de Santo António, der bis 1620 dauern wird

- 1609
Auf See, unweit der brasilianischen Küste, erleidet das Segelschiff „Candelária“ Schiffbruch und droht zu sinken. Das wohlhabende Passagierehepaar António Martins Palma und Leonor Gonçalves geloben eine Kapelle zu stiften, sollten sie nicht untergehen. Das Schiff schafft es mit Mühe an die Küste und das Ehepaar überlebt. Daraufhin halten sie Wort und stiften eine kleine Kapelle, die heutige Kirche Igreja de Nossa Senhora da Candelária

- 1611
Der Karmelitermönch Pedro Viana, der zuvor schon in der Stadt Santos für den Bau des dortigen Karmeliterklosters verantwortlich war, übernimmt auch in Rio den Bau des Klosters Convento do Carmo. Dieses Kloster, das heute noch existiert, wird im 19. Jahrhundert, nach Ankunft der portugiesischen Königsfamilie in Brasilien, von der Krone beschlagnahmt und dann zum offiziellen Wohnsitz von Königin Maria I umfunktioniert

- 1614
Constantino de Menelau wird 10. Gouverneur von Rio

- 1617
Rui Vaz Pinto wird zum Gouverneur von Rio de Janeiro ernannt.
Aus Bahia kommen die ersten Benediktinermönche in die Stadt. Sie beginnen mit dem Bau des Klosters São Bento

- 1620
Francisco Fajardo wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1623
Correia de Sá wird zum zweiten Mal Gouverneur von Rio

- 1633
Rodrigo de Miranda Henriques wird Gouverneur von Rio

- 1635
Es wird mit dem Bau der Kirche Igreja de Nossa Senhora da Penha begonnen

- 1637
Der aus Cadiz stammende Militär Salvador Correia de Sá Benevides wird zum ersten Mal Gouverneur von Rio de Janeiro. Er ist es, der das erste Rathaus und das erste Gefängnis in Rio bauen lässt

- 1639
Auf der Insel Ilha das Cobras (dt.: Schlangeninsel), einer der Inseln in der Bucht von Guanabara, wird mit dem Bau der Festung Fortaleza de São José begonnen

- 1642
Duarte Correia Vasqueanes, Halbbruder des ehemaligen Gouverneurs Salvador Correia de Sá, wird für wenige Monaten Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1643
Luis Barbalho Bezerra wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1644
Francisco de Souto Maior wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1645
Am 08. Mai verzichtet Francisco de Souto Maior auf sein Gouverneursamt, da er an einer Expedition nach Portugiesisch Westafrika teilnimmt, wo er mithelfen will die Holländer aus Angola zu vertreiben.
Sein Nachfolger wird Duarte Correia Vasqueanes, der schon einmal das Gouverneursamt für kurze Zeit inne hatte

- 1648
Salvador Correia de Sá e Benevides wird Anfang des Jahres zum zweiten Mal Gouverneur der Stadt, verzichtet aber Mitte des Jahres wieder auf sein Amt, da er an einem Eroberungsfeldzug in Angola teilnehmen will, um dort die Holländer aus der portugiesischen Kolonie zu vertreiben. Sein Nachfolger wird erneut für kurze Zeit Duarte Correia Vasqueanes

- 1649
Sebastião de Brito Pereira wird neuer Gouverneur von Rio

- 1651
António Galvão wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1652
Luis de Almeida Portugal wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1657
Tomé Correia de Alvarega wird zum ersten Mal Gouverneur von Rio de Janeiro.
Mönche des Franziskanerordens fangen mit dem Bau der Kirche Igreja da Ordem Terceira de São Francisco da Penitência, eine der schönsten Kirchen der Stadt, an

- 1659
Salvador Correia de Sá e Benevides beginnt seine dritte Amtszeit als Gouverneur der Stadt

- 1660
Tomé Correia de Alvarega wird erneut Gouverneur von Rio, wird aber noch im selben Jahr von Agostinho Barbalho Bezerra ermordet, der selber das Amt des Gouverneurs übernimmt

- 1661
Auf Befehl von König Afonso VI im fernen Portugal, wird Agostinho Barbalho Bezerra abgesetzt und João Correia de Sá, ein Nachfahre des Gründers von Rio de Janeiro,  Estácio de Sá, zum neuen Gouverneur ausgerufen

- 1662
Pedro de Melo wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1665
Der Stadtteil (port.: bairro) Urca wird gegründet

- 1666
Pedro Mascarenhas de Lencastre wird Gouverneur von Rio

- 1670
João da Silva e Sousa wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1671
Der Portugiese António Caminha stiftet eine kleine Kapelle, die an der Stelle gebaut wird, wo einmal später die Kirche Igreja da Glória stehen wird

- 1675
Matias da Cunha wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1676
Rio de Janeiro wird zum Bistum

- 1679
Der General Manuel Lobo tritt am 09. Mai sein Amt als Gouverneur von Rio de Janeiro an, doch zwei Monate später tritt er eine Expeditionsreise ins südliche Brasilien an.
João Tavares Roldon vertritt ihn als Gouverneur

- 1681
Pedro Gomes wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1682
Duarte Teixeira Chaves wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1686
João Furtado de Mendonça wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1689
Am 24. Juni wird Francisco Napier de Lencastre Gouverneur von Rio de Janeiro.
Er gründet die erste Volksmiliz und die erste Militärschule der Stadt, bevor er zu einer Expeditionsreise nach Angola aufbricht

- 1690
Luis César de Meneses wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1693
António Pais de Sande wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1694
André Cusaco tritt am 29. August sein Amt als Gouverneur von Rio de Janeiro an. Cusaco wurde ursprünglich in Irland geboren und hieß Andrew Cusack

- 1695
Am 19. April wird Sebastião de Castro e Caldas Gouverneur von Rio de Janeiro.
Als der französische Kommandant De Gennies versucht die Stadt zu überfallen, lässt ihn Sebastião de Castro e Caldas von der neu erbauten Festung Fortaleza de Santa Cruz da Barra aus, erfolgreich mit Kanonen bombardieren

- 1697
Am 15. Oktober wird Martim Correia Vasques zum ersten Mal Gouverneur von Rio de Janeiro ernannt. Da er sich aber noch im selben Monat auf dem Weg nach São Paulo macht, besetzt Francisco de Castro Morais den Platz des Gouverneurs.
Die Münzprägeanstalt Casa da Moeda wird in Rio gegründet

- 1699
Artur de Sá Meneses, noch ein Mitglied der Familie Sá die so viele Gouverneure in Rio hervorgebracht hat, wird Gouverneur von Rio de Janeiro. Bis Juli 1702 bleibt er im Amt

- 1702
Álvaro da Silveira e Albuquerque wird im Juli Gouverneur von Rio de Janeiro. Er bleibt bis April 1704 im Amt.
Auf Anordnung des Bischofs von Rio, D. Francisco de São Jeronimo, wird der erste Bischofspalast der Stadt gebaut

- 1704
D. Francisco de São Jeronimo, Bischof von Rio de Janeiro, wird im April der erste Geistliche auf dem Stuhl des Gouverneurs. Bis zum August 1705 bleibt er im Amt

- 1705
Der Adelige Fernando Martins Mascarenhas Lencastre wird im August Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1709
António de Albuquerque Coelho de Carvalho ist von Juni bis Dezember Gouverneur von Rio de Janeiro. Danach löst ihn Gregorio de Castro Morais als Gouverneur ab

- 1710
Francisco de Castro Morais wird das zweite Mal zum Gouverneur ernannt.
Der französische Freibeuter Jean-François Duclerc überfällt mit seinen Männern Rio de Janeiro, kann die Stadt aber nicht einnehmen. Duclerc wird festgenommen und unter Hausarrest gesetzt. Am 11. März wird er auf mysteriöse Art und Weise von einer Gruppe Maskierter in seinem Gefängnis umgebracht

- 1711
Am 12. September wird die Stadt erneut von Franzosen, unter dem Kommando des Freibeuters und Marineoffiziers René Duguay-Trouin, attackiert. Duguay-Trouin und seine Männer wollen die über 600 französischen Gefangenen in den Gefängnissen von Rio befreien.
Den Freibeutern gelingt es die Stadt einzunehmen, zu plündern und vorerst zu besetzen.
Am 10. Oktober unterzeichnet der Feldherr João de Paiva Souto Maior, Repräsentant des Gouverneurs in der Stadt, die Kapitulationsurkunde.
Die portugiesische Krone setzt daraufhin António de Albuquerque Saldanha de Carvalho erneut als Gouverneur ein

- 1713
Der Adlige Francisco Xavier de Tavora wird Gouverneur von Rio

- 1716
Manuel Almeida Castelo Branco ist von Anfang des Jahres bis zum Juni das erste Mal Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1717
António de Brito Freire de Meneses wird Gouverner von Rio

- 1719
Manuel Almeida Castelo Branco wird zum zweiten Mal Gouverneur von Rio de Janeiro, wird aber noch im selben Jahr von Oberst Aires de Saldanha e Albuquerque Coutinho Matos e Noronha abgelöst.
In Rio de Janeiro wird das erste Aquädukt für die öffentliche Wasserversorgung der Stadt, der Aqueduto da Carioca, gebaut

- 1723
In Rio feiern portugiesische Einwanderer aus Madeira und den Azoren zum ersten Mal Karneval in den Straßen der Stadt

- 1725
Luis Vaía Monteiro wird Gouverner von Rio de Janeiro.
Der Bau an der ersten Straße, die einmal die zwei Städte Rio de Janeiro und São Paulo verbinden soll, beginnt

- 1727
Obwohl die Tupi-Sprache – die Sprache der Ureinwohner – die meistgesprochene Sprache der Kolonie ist, wird ihr Gebrauch von Gouverneur Luis Vaía Monteiro in der Stadt verboten

- 1732
Manuel de Freitas da Fonseca wird Gouverneur von Rio

- 1733
Der Edelmann Gomes Freire de Andrade wird Gouverneur in Rio de Janeiro. Er wird sein Amt 30 Jahre lang ausüben, so lange wie kein anderer vor ihm. Und Gomes Freire de Andrade wird auch der letzte Gouverneur sein, denn nach ihm wird Rio de Janeiro zur Hauptstadt des Vize-Königreiches Brasilien und von einem Vize-König regiert werden

- 1743
Gomes Freire de Andrade baut sich einen neuen Gouverneurspalast, der später einmal zum Palast des Vize-König umgebaut wird

- 1747
Die erste Druckerei Rio de Janeiros wird in Betrieb genommen, aber gleich wieder auf Anordnung Portugals geschlossen

- 1749
Die Einwohnerzahl Rio de Janeiros beläuft sich zu dieser Zeit auf etwa 24.000 Personen

- 1750
Der Aquädukt da Carioca, eines der bedeutendsten Bauten der portugiesischen Kolonialzeit in Brasilien, wird fertig gestellt

- 1754
Die Straße zwischen Rio de Janeiro und São Paulo, die erste Landverbindung zwischen diesen zwei wichtigen Städten, wird fertig gestellt

- 1759
Auf Anordnung des portugiesischen Premierministers, dem Marques de Pombal, müssen 190 Jesuiten die Stadt verlassen. Alle Besitztümer der Jesuiten werden entweder verstaatlicht oder von der Krone versteigert.
Das erste Weisenhaus der Stadt, das Colégio dos Órfãos de São Pedro, wird in Betrieb genommen

- 1763
Der Gouverneur Gomes Freire de Andrade stirbt am 01. Januar.
Am 27. Juni wird D. António Alvares da Cunha erster Vize-König von Brasilien und Rio de Janeiro Hauptstadt des Vize-Königreiches. Er hat sein Amt bis zum 31. August 1767 inne

- 1767
D. Antonio Rolim de Moura Tavares wird am 17. November zweiter Vize-König von Brasilien und bleibt in diesem Amt bis zum 04. November 1769.
Genau gegenüber dem Palast des Vize-Königs, dem alten Gouverneurspalast, wird mit dem Bau eines Opernhauses, dem ersten Theaterhaus Brasiliens, begonnen

- 1769
D. Luis de Almeida Silva Mascarenhas wird am 04. November dritter Vize-König von Brasilien und bleibt im Amt bis zum 30. April 1778

- 1772
Die Wissenschaftliche Akademie von Rio wird gegründet

- 1776
Das Opernhaus wird fertig gestellt und eingeweiht

- 1779
D. Luis de Vasconcelos e Sousa wird am 30. April Vize-König von Brasilien und bleibt im Amt bis zum 09. Mai 1790
Die Naturkundliche Akademie wird gegründet

- 1783
Der erste öffentliche Park der Stadt Rio und ganz Südamerikas, der heutige Passeio Público, wird von dem Mulatten Valentim da Fonseca e Silva, von vielen einfach nur Mestre Valentim (dt.: Meister Valentin) genannt, angelegt

- 1786
Die Literarische Gesellschaft (dt.: Sociedade Literária) von Rio wird gegründet.
Anlässlich der Hochzeit des Kronprinzenpaares João und Carlota Joaquina in Portugal finden in der Stadt verschiedene Feierlichkeiten statt

- 1789
Der brasilianische Freiheitskämpfer Tiradentes, der gegen die Sklavenpolitik der portugiesischen Kolonialherren kämpfte, wird am 12. Mai in Rio de Janeiro festgenommen.
In ganz Rio de Janeiro gibt es zu dieser Zeit 14 Wirtshäuser

- 1790
D. José Luis de Castro wird am 09. Mai der fünfte Vize-König von Brasilien und bleibt im Amt bis zum 14. Oktober 1801.
Ein Brand im Senatsgebäude am 20. Juli vernichtet fast alle wichtigen Dokumente der Stadt

- 1792
Am 21. April wird Tiradentes hingerichtet. Nach der Unabhängigkeit Brasiliens und nach dem Kaiserreich wird er zum ersten Nationalhelden Brasiliens

- 1794
In ganz Rio gibt es jetzt 18 Wirtshäuser

- 1798
Das Postwesen wird in Rio eingeführt

- 1799
Die Einwohnerzahl Rios wird auf ca. 43.000 geschätzt

- 1801
D. Fernando José de Portugal e Castro wird am 14. Oktober der sechste Vize-König von Brasilien und bleibt im Amt bis zum 14. Oktober 1806

- 1806
D. Marcos de Noronha e Brito wird am 14. Oktober der siebte und letzte Vize-König von Brasilien und bleibt im Amt bis zum 22. Januar 1808.

- 1808
Die portugiesische Königsfamilie verließ, auf der Flucht vor den französischen Truppen Napoleons, Portugal am 29. November 1807.
Mit der Ankunft der königlichen Familie in Rio de Janeiro, am 08. März, finden verschiedene, teilweise sehr gravierende Veränderungen und Gründungen in der Stadt statt, die nun die Hauptstadt des portugiesischen Imperiums ist und ca. 80.000 Einwohner zählt.
- So wird der Palast des Vize-Königs (port.: Paço dos Vice-Reis), der auch schon als Gouverneurssitz (port.: Casa dos Governadores) gedient hatte, mit Ankunft der Königsfamilie im März offiziell zum neuen Königspalast (port.: Paço Real)
- Das Kloster Convento do Carmo ist ab April das offizielle Domizil von Königin Maria I
- Am 13. April wird die Kirche Nossa Senhora do Monte do Carmo zur Kathedrale von Rio de Janeiro bestimmt
Am 12. Mai wird die Militär- und Geheimpolizei (port.: Policia Militar e Secreta) von Rio gegründet
Am 27. Mai werden in Rio die Müllabfuhr und Straßenreinigungen eingeführt
Am 06. Juni wird die erste Medizinhochschule (port.: Escola de medicina) in Rio gegründet
Am 10. September erscheint die Zeitung „Gazeta do Rio de Janeiro“, die erste Zeitung Brasiliens
Am 12. Oktober wird die Bank von Brasilien (port.: Banco do Brasil) gegründet

1810
Am 27. Juli wird Die brasilianische Nationalbibliothek (port.: Biblioteca Nacional do Brasil), die erste öffentliche Bibliothek des Landes, von Prinzregent João gegründet

1811
 Der ca. 140 Hektar große Botanische Garten (port.: Jardim botânico) von Rio de Janeiro wird gegründet

1816
Königin Maria I, Königin des Vereinigten Königreiches von Portugal, Brasilien und der Algarve, stirbt am 20. März in Rio de Janeiro. Nachfolger wird ihr Sohn João, der als João VI den Thron besteigt.
Der Franzose Adolph Pharoux eröffnet das erste Hotel der Stadt

1818
König João VI wird am 06. Februar in der Stadt gekrönt
Das erste Museum der Stadt, das Museu Real, wird von König João VI eingeweiht

1821
Am 20. April verlässt König João VI schweren Herzens Brasilien um wieder in Lissabon den portugiesischen Thron zu besetzen, wo er am 03. Juli ankommt.
Er lässt seinen Sohn Pedro als Regenten in Rio de Janeiro zurück.
Man schätzt die Einwohnerzahl Rios in diesem Jahr auf etwa 112.000 Einwohner

1822
Nachdem sich Prinzregent Pedro weigert verschiedene koloniale Anordnungen aus Lissabon in Brasilien einzuführen, wird ihm befohlen nach Lissabon zurückzukehren.
Er weigert sich und proklamiert daraufhin am 01. August die weitgehende Autonomie Brasiliens vom Mutterland.
Am 07. September erklärt Pedro in São Paulo, mit dem „Schrei von Ipiranga“ (port.: „Grito do Ipiranga“), die Unabhängigkeit Brasiliens. Daraufhin wird er am 12. Oktober zum Kaiser Brasiliens proklamiert und am 01. Dezember in Rio de Janeiro als Pedro I gekrönt.

Mit der Unabhängigkeit Brasiliens endete eine über 300 Jahre lange ständige Präsenz Portugals in Rio de Janeiro. Aber auch nach der Unabhängigkeit blieb Brasilien dem Mutterland Portugal wie keine andere Kolonie verbunden. Und keine Stadt des ehemaligen Kolonialreiches ist auch heute noch so „portugiesisch“ wie Rio de Janeiro.

Samstag, 5. Juli 2014

Die Portugiesen in… Fortaleza


Portugal ist bei der Fußball-WM 2014 (port.: Mundial de futebol 2014) in Brasilien bereits in der Vorrunde ausgeschieden.
Nichtsdestotrotz wird in Brasilien weiter Fußball gespielt.
Ich werde hier im „Planet Portugal“ versuchen in nächster Zeit noch den einen oder anderen Austragungsort dieser Fußball-WM in Brasilien vorzustellen. Fast all diese Städte haben eine portugiesische Entstehungsgeschichte und noch heute einen starken portugiesischen Einfluss, so auch Fortaleza.

Die Geschichte Fortalezas begann vor vielen Jahren, als die Portugiesen begannen um die Festung Fortaleza de Nossa Senhora da Assunção – das portugiesische Wort für Festung lautet „fortaleza“ – eine kleine Siedlung zu errichten. Diese Siedlung wurde über die Jahrhunderte hinweg zu dem was heute die fünftgrößte Stadt Brasiliens ist.
Wer heute Fortaleza besucht, der kann sich kaum vorstellen wie schwierig die Gründung der Stadt einstmals gewesen ist.
In einem der trockensten Landstriche Brasiliens gelegen, wirtschaftlich unrentabel und mit Indios bevölkert, die den Portugiesen gegenüber feindlich gesinnt waren – das waren nur drei der Gründe, warum dieser fast wüstenähnliche Landstrich an dem heute Fortaleza liegt, von der portugiesischen Krone im 16. Jahrhundert kaum beachtet wurde.

Knapp 100 Jahre nachdem Pedro Álvares Cabral im Jahre 1500 das Land entdeckt hatte, erhielten die Portugiesen Martim Soares Moreno und Pero Coelho de Sousa vom spanischen König Phillip II, der zu dieser Zeit als Felipe I auch über Portugal herrschte, den Befehl die Küste von Ceará, das damals zur Capitania de Maranhão gehörte, zu kolonialisieren.
Während der Azoreaner Pero Coelho de Sousa damals wegen einer lang andauernden, erbarmungslosen Dürre kapitulieren musste und 1606 daraufhin Ceará verließ konnte Martim Soares Moreno sich durchsetzen.

Nachdem Soares Moreno sich über Jahre hinweg mit den angriffslustigen Indios im reinsten Kriegszustand befunden hatte, erreichte er im Jahre 1611 einen Bund mit den Indios des Jaguaribestammes, die ihm dann auch halfen eine Festung an der Mündung des Flusses Rio Ceará zu bauen. Diese Festung nannte Soares Moreno Fortaleza de São Sebastião.
Im Jahre 1612 versuchten französische Piraten die Festung zu erobern, was ihnen aber nicht gelang.
Auch gegen die den Portugiesen gegenüber feindlich gesinnten Indios des Stammes der Tupinambá und denen des Stammes der Tapuia erwies sich die Festung in den folgenden Jahren als wehrhaft.
Nur den Holländern gelang es Fortaleza später einzunehmen.

Schon 1593 und 1604 überfielen niederländische Seeräuber portugiesische Stützpunkte in Brasilien.
Als dann 1621 die niederländische Westindien-Kompanie gegründet wurde, wurden diese Überfälle auf portugiesische Stützpunkte und Städte regelmäßiger.
Als Folge dieser ständigen Plünderungen brach im Jahre 1624 der Niederländisch-Portugiesische Krieg los.
Den Holländern gelang es in den folgenden Jahren an die 700 portugiesische Schiffe zu kapern und verschiedene Städte in Portugiesisch-Amerika, darunter Olinda und Recife, zu besetzen.
1649 eroberten die Holländer auch Fortaleza und gründeten, um die von ihnen zerstörte portugiesische Festung Forte de São Sebastião zu ersetzen, die niederländische Festung Fort Schoonenborch.
1654 eroberten portugiesischen Truppen unter dem Kommando von Kapitän Alvaro de Azevedo Barreto die Festung Fort Schoonenborch zurück.
Fortan trug die Festung den Namen Fortaleza de Nossa Senhora da Assunção.
Den Portugiesen gelang es zwar die Holländer aus Fortaleza zu vertreiben, der Niederländisch-Portugiesischer Krieg aber sollte noch bis 1661 andauern.

Nach der niederländischen Invasion gründeten die Portugiesen um die Festung eine kleine Siedlung.
Diese Siedlung ist die Keimzelle der heutigen Stadt Fortaleza.
Am 27. Juni 1656 änderten sich die administrativen Verwaltungshoheiten in Brasilien, und ein Teil der Capitania Maranhão wechselte zur Capitania Pernambuco, darunter auch Fortaleza.
Am 17. Januar 1799 wurde auf Anordnung von Königin Maria I die Capitania Pernambuco aufgeteilt und ein neues Verwaltungsgebiet, die Capitania Ceará, gegründet.
Fortaleza, das bis dahin nichts weiter als ein Dorf war, wurde Hauptstadt der neu ins Leben gerufenen Capitania Ceará und zu ihrem ersten Gouverneur wurde der Adelige Bernardo Manuel de Vasconcelos ernannt.
Langsam begann sich Fortaleza wirtschaftlich zu entwickeln und als Umschlagplatz für Baumwolle aus der Umgebung und für Rinderzüchter aus dem Landesinneren zu etablieren.
Erst am 17. März 1823, knapp ein halbes Jahr nach der Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal, gab der brasilianische Kaiser Pedro I Fortaleza den Status einer Stadt.

Heute ist Fortaleza im brasilianischen Bundesstaat Ceará, dank seiner Nähe zum Äquator, seiner so gegebenen Sonnengarantie und seinen kilometerlangen Dünnenstränden ein absoluter Touristenmagnet.
Aus der Festung und dem Dorf von ehemals, ist heute eine Millionenstadt geworden, mit einer reichen Kultur, vielen bildenden Künstlern und wunderbaren, humorvollen Einwohnern, die fast alle einen besonderen Wert auf ihre portugiesischen und niederländischen Geschichte legen.

Sonntag, 22. Juni 2014

Die Portugiesen in… Manaus


Im Rahmen der Vorrundenspiele der Fußball-WM 2014 (port.: Mundial de futebol 2014) in Brasilien, spielt die Portugiesische Seleção am heutigen Sonntag gegen die USA.
Spielort des zweiten Gruppenspiels beider Mannschaften ist die brasilianische Stadt Manaus, mitten im Regenwald, im Bundesstaat Amazonien.
Ich werde hier im „Planet Portugal“ versuchen in nächster Zeit einige Städte vorzustellen, in denen bei der WM in Brasilien gespielt wird. Fast all diese Städte haben eine portugiesische Entstehungsgeschichte und noch heute einen starken portugiesischen Einfluss, so auch Manaus.

Als der portugiesische Seefahrer Pedro Álvares Cabral am 22. April 1500 Brasilien entdeckte, wurde das Land schon vor tausenden von Jahren von einer Urbevölkerung bewohnt, die wir heute als Indios kennen.
Einige dieser Indios machten auch gleich nach der Ankunft Bekanntschaft mit den Portugiesen, doch noch viele Hunderttausende von ihnen lebten damals über das ganze Land verteilt.

Da die Portugiesen sich der Dimensionen des Landes nicht bewusst waren, und da sie doch eher Seefahrer als Eroberer waren, führten sie in den ersten Jahrzehnten eine Kolonialpolitik, die sich lediglich auf die riesige Küste Brasiliens beschränkte.
Und so wurde das riesige Urwaldgebiet Amazoniens nicht etwa von den Portugiesen, von der Küste her entdeckt und erobert, sondern nach der Umschiffung des amerikanischen Kontinents durch den Portugiesen Fernão de Magalhães (dt.: Ferdinand Magellan), von dem von Spanien neu entdeckten Peru her.

Es war der spanische General Francisco de Orellana, der sich im Jahre 1541 mit 4.000 Mann von Peru aus gen Osten auf den Weg machte, um die sagenumwobene goldene Hauptstadt der Inkas, das „El Dorado“, zu entdecken.
„El Dorado“ fanden Francisco de Orellana und seine Mannen während ihrer zweijährigen Expedition nicht, aber sie entdeckten dafür einen riesigen Wasserstrom – den Amazonas!

Bei einer Fahrt durch das immense Amazonasbecken entdeckte Orellana dann am 03. Juni 1542, eher zufällig, eine größere Siedlung eingeborener Indios das am linken Ufer des Rio Negro lag, unweit dessen Mündung in den Amazonas.
Diese Siedlung wurde von den einheimischen Indianern „Manao“ genannt, und war wohl die Keimzelle des heutigen Manaus.
Francisco de Orellana versuchte zwar, nach damaliger Eroberungsmanier, sich der Siedlung „Manao“ zu bemächtigen, wurde aber von den Indios vehement daran gehindert.
Orellana fuhr den Amazonasstrom nach Osten weiter, und am 26. August 1542 erreichte er das riesige Mündungsdelta des Amazonas und den Atlantik.

Der Regenwald Amazoniens hatte sich eher als „undurchdringliche Hölle“ herausgestellt, als ein goldenes „El Dorado“.
Vom eroberungspolitischen Standpunkt ausgesehen, war Amazonien wertlos!
Also ließen sich die Portugiesen sehr viel Zeit, bis auch sie sich mit der „grünen Hölle“ beschäftigten und sich langsam in sie hineinwagten.
Die ersten Portugiesen die sich intensiv mit dem Amazonasgebiet beschäftigten, waren Händler und Missionare des Jesuiten- und des Carmeliterordens – die einen missionierten die Indios, die anderen trieben alsbald mit ihnen Handel.
Und der artenreiche Regenwald gab viel her um zu Handeln.
Die portugiesischen Kolonialherren waren vor allem an den vielen Edelhölzern, wie Rosenholz, Palisander und dem roten Brasilholz, der letztendlich dem neu entdeckten Land seinen Namen gab, interessiert.

Im Jahre 1660 gründeten Soldaten, Händler und Missionare an dem Ort an dem sich das Indiodorf „Manao“ befand, die Siedlung Barra do Rio Negro.
Fünf Jahre später, 1665, erbauten die Jesuiten die erste Missionskirche, die heutige Kathedrale Nossa Senhora da Conceição.
Im Jahre 1669 ließ der damalige Gouverneur der Capiania São José do Rio Negro, Kapitän António Albuquerque de Carvalho, die Festung „Forte de São José da Barra do Rio Negro“ erbauen, die fortan die Aufgabe hatte, den Ort zu beschützen.
Die Gründung des Forts am 24. Oktober 1669 gilt seitdem als der Gründungstag der Stadt Manaus.

Das Fort blieb die ersten Jahrzehnte immer sehr übersichtlich.
In einem Bericht aus dem Jahre 1784 an den portugiesischen Hof wurde bekannt, dass das Fort damals an die 300 Bewohner beherbergte – davon waren nur weiße 40 Portugiesen.
1791 wurde das kleine São José da Barra do Rio Negro vom damaligen Gouverneur Manuel da Gama Lobo d´Almada zur Provinzhauptstadt ernannt, und das obwohl der Ort noch nicht einmal den Status einer Stadt hatte.

Erst nach der Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal wurde die Siedlung 1856 als Stadt anerkannt und zu Ehren der Indianer und zum Andenken an ihre alte Siedlung „Manao“, in Manaus umbenannt.

Manaus ist heute die Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amazonas und hat gut 2 Millionen Einwohner. Sie ist eine moderne, pulsierende in voller Entwicklung befindliche Stadt, mitten im Regenwald, die von ihrer abenteuerlichen Geschichte geprägt ist.

Montag, 16. Juni 2014

Die Portugiesen in... Salvador da Bahia


Im Rahmen der Vorrundenspiele der Fußball-WM 2014 (port.: Mundial de futebol 2014) in Brasilien, spielt die Portugiesische Seleção am heutigen Montag gegen die Deutsche Fußballnationalmannschaft.
Spielort des ersten Gruppenspiels beider Mannschaften ist die brasilianische Hafenstadt Salvador da Bahia.
Ich werde hier im „Planet Portugal“ versuchen in nächster Zeit einige Städte vorzustellen, in denen bei der WM in Brasilien gespielt wird. Fast all diese Städte haben eine portugiesische Entstehungsgeschichte und noch heute einen starken portugiesischen Einfluss, so auch Salvador da Bahia.

Die Küste Bahias war das erste Land, das der Portugiese Pedro Álvares Cabral sichtete, als er am 22. April des Jahres 1500 Brasilien entdeckte.
Nach der Entdeckung dieses neuen riesigen Landes, entsendete der portugiesische König Manuel I verschiedene Expeditionsfahrten in Richtung der Neuen Welt, um diesen Kontinent, dessen Menschen und seine Pflanzen- und Tierwelt zu erforschen.
Eine dieser ersten Expeditionen fand im Herbst 1501 statt und stand unter dem gemeinsamen Kommando von Kapitän Gaspar de Lemos, der im Jahr zuvor der Flotte Cabrals angehört hatte als dieser das Land entdeckte, und des italienischen Seefahrers und Kartographen Amerigo Vespucci, der im Auftrag der portugiesischen Krone das neue Land auf Karten aufzeichnen sollte.

Am 01. November 1501, dem Allerheiligentag, entdeckten Lemos und Vespucci gemeinsam eine riesige, reizvolle Bucht mit einigen vorgelagerten Inseln, der sie, des Datums wegen, den Namen „Bahia de Todos os Santos“ (dt.: „Allerheiligenbucht“) gaben.

1511, 10 Jahre nach der Entdeckung der Meeresbucht, erlitt ein französisches Schiff am Eingang der Bucht Schiffbruch, und einige Mitglieder der Besatzung konnten sich an Land retten.
Unter den Schiffsbrüchigen die sich retteten war auch der Portugiese Diego Álvares, der schnell Freundschaft mit den ortsansässigen Tupinambá-Indios schloss.
Er wurde von den Indios in ihr Dorf aufgenommen, heiratete später die Häuptlingstochter Paraguaçu und lernte von den Tupinambás sogar, unter anderem, wie man Zuckerrohr anbaute.

Es dauerte nicht lange, und nach Diego Álvares kamen die ersten Abenteurer, die ersten Händler und die ersten Missionare in das Dorf und aus Bahia wurde mit der Zeit eine „Capitania“.
Eine „Capitania“ war damals eine Verwaltungszone, die vom König in Portugal an Adlige und Kapitäne – daher der Name „Capitania“ – als Lehensitz vergeben wurde.

Den jesuitischen Missionaren ist es zu verdanken, das die ortsansässigen Tupinambá-Indianer missioniert und so daher nicht versklavt wurden.
Da aber der Anbau und Handel mit Zuckerrohr damals anfing zu florieren und dringend Feldarbeiter für die Zuckerohrplantagen gebraucht wurden, verschleppten die Portugiesen einfach Afrikaner aus Angola und brachten diese als Sklaven nach Brasilien.
So legten damals die Portugiesen, auf perverse Weise, den Grundstein für ein bis heute sehr afrikanisch geprägtes Salvador.

Im Jahre 1536 machte der Nachfolger König Manuels, König João III, den Adligen Francisco Pereira Coutinho zum Verwalter der Capitania Bahia, und dieser gründete eine Siedlung unweit des Indiodorfes dem er seinen Namen gab.
Das Dorf „Pereira“ wurde zum neuen Verwaltungssitz der Capitania Bahia und somit schnell zum Geschäftszentrum der neuen Kolonie.
Die Erhebung „Pereiras“ vom einfachen Dorf zum wichtigen Handelszentrum ist wohl das einzig Positive womit Francisco Pereira Coutinho im Nachhinein in Verbindung gebracht werden kann. Denn Coutinho soll ein ungerechter, rüpelhafter, sadistischer und sehr grausamer Mann gewesen sein, vor allem den eingeborenen Indios gegenüber.
Er war von den Ureinwohnern so verhasst, das die Indios, die jahrelang mühevoll von den Missionaren im christlichen Glauben und Nächstenliebe erzogen worden waren, ihn, als sie ihn Ende 1547 zu fassen bekamen, töteten und aufaßen!

Noch vor seinem Tod hatte Francisco Pereira Coutinho den portugiesischen Seefahrer und Adligen Tomé de Sousa damit beauftragt unweit des Dorfes eine Festung zu bauen, um die Siedlung und das Umland vor feindlichen Angriffen zu schützen.
Diese Festung erhielt den klangvollen Namen „São Salvador da Bahia de Todos os Santos“ (dt.: „Heiliger Retter der Bucht von Allerheiligen“).

Nachdem Portugal sich 49 Jahre lang nicht um die Kolonialisierung des neu entdeckten Brasiliens gekümmert hatte – das Land wurde lediglich mancherorts verwaltet – machte König João III im Jahre 1549 Tomé de Sousa zum ersten Generalgouverneur der Kolonie.
Das Dorf „Pereira“ und die Festung wurden in Salvador da Bahia umbenannt und am 21. März 1549 zur Hauptstadt von Portugiesisch Amerika, dem heutigen Brasilien, erklärt.

Nach der Ernennung Salvadors zur Hauptstadt wurde die Stadt zum Verwaltungs- und Geschäftszentrum, sowie zum religiösen Mittelpunkt Südamerikas.
Noch heute zeugen viele alte Bauten und wunderschöne Kirchengebäude aus der Kolonialzeit Salvadors – einige von ihnen sind heute UNESCO-Weltkulturerbe – vom unübersehbaren portugiesischen Einfluss in der Stadt.
Dies sind z.B. in der Oberstadt (port.: Cidade Alta):

- Kathedrale Sé Primacial São Salvador
- Kloster Nossa Senhora do Carmo
- Kirche Santa Casa da Misericordia
- Kirche und Kloster São Francisco
- Kirche und Kloster Santa Teresa
- Kloster São Bento

In der Unterstadt (port.: Cidade Baixa) z.B.:

- Kirche Nossa Senhora da Conceição da Praia
- Kirche Senhor Bom Jesus do Bonfim

Salvador wurde Ende im 17. Jahrhundert zu der wichtigsten portugiesischen Kolonialstadt, und auch andere fanden die Stadt anscheinend sehr attraktiv, denn in den Jahren 1598, 1624, 1625 und 1638 überfielen und besetzten Holländer die Stadt, wurden aber alle vier Mal erfolgreich vertrieben.
Um 1640 war Salvador die größte Stadt Portugals und die größte Metropole der südlichen Welthalbkugel – einen Rang, den heute die brasilianische Metropole São Paulo hat.
Im Jahre 1763 wurde das südlicher gelegene Rio de Janeiro die neue Hauptstadt Brasiliens und Salvador lediglich zur Provinzhauptstadt.

Als die portugiesische Königsfamilie im Jahre 1807 vor den Truppen Napoleons aus Portugal fliehen musste, begab sie sich auf den Weg nach Brasilien.
Der erste Hafen den sie in Südamerika anliefen war der von Salvador da Bahia. Die riesige Flotte von Königin Maria I und ihrem Sohn, Prinzregent João, kam am 23. Januar 1808 in Salvador an. Die königliche Familie blieb aber nicht so lange in der Stadt, denn bereits 35 Tage nach der Ankunft segelten sie weiter in die Hauptstadt Rio de Janeiro, wo sie dann bis 1820 blieben.

Am 07. September 1822 erlangte Brasilien, nach 322 Jahren Kolonialzeit, die Souveränität von Portugal.
Mit der Unabhängigkeit Brasiliens endete die portugiesische Hoheit auch über Salvador da Bahia.
Der portugiesische Einfluss aber, der lebt bis heute in dieser Stadt und er wird hier wohl zweifellos auch in Zukunft sichtbar und zu spüren sein.