Posts mit dem Label Brasil werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Brasil werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 21. Februar 2014

Internationaler Tag der Muttersprache

A minha pátria é a língua portuguesa
(dt.: Meine Heimat ist die portugisische Sprache)

(Fernando Pessoa)


Heute ist der 21. Februar, der Internationale Tag der Muttersprache (port.: Dia Internacional da Língua Materna).
Dieser Tag wurde im Jahre 2000 von der UNESCO ausgerufen, und soll die „sprachliche und kulturelle Vielfalt und Mehrsprachigkeit“ auf der ganzen Welt fördern.
Schätzungsweise 6.000 verschiedene Sprachen gibt es auf der Welt.
Eine von ihnen ist Portugiesisch (port.: português).

Hier einpaar Fakten über die portugiesische Sprache:

In neun Ländern der Erde ist Portugiesisch die offizielle Landessprache.
Außer in Portugal wird es auch in Angola, Äquatorialguinea, Brasilien, Guinea-Bissau, den Kapverdischen Inseln, Moçambique, Ost-Timor und São Tomé und Principe gesprochen.

In der Sonderverwaltungszone Macau der Volksrepublik China (port.: Região Administrative Especial de Macau da República Popular da China) ist Portugiesisch neben Kantonesisch und Mandarin eine der offiziellen Amtssprachen.
In vielen Ländern der Welt, hauptsächlich auf dem amerikanischen Kontinent (Uruguay, Venezuela, Bermuda), in Afrika (Südafrika, Namibia, Sambia) und in Asien (Indien, Malaysia, Sri Lanka), in denen portugiesisch nicht die Muttersprache ist, beherrschen noch heute, bedingt durch die Kolonialgeschichte Portugals und die großen Auswanderungswellen vergangener Zeiten, vielen Menschen die portugiesische Sprache.

Heute sprechen schätzungsweise 250 Millionen Menschen weltweit Portugiesisch.
Nach Mandarin (port.: mandarim), Englisch (port.: inglês), Spanisch (port.: espanhol), Hindu (port.: hindustâni) und Arabisch (árabe) steht Portugiesisch auf der Rankingliste der meistgesprochenen Sprachen der Welt auf Platz 6.
Nach Englisch und Spanisch ist es die dritthäufigste gesprochene Sprache der westlichen Welt.
Auf der südlichen Erdhalbkugel wird keine andere Sprache häufiger gesprochen wie Portugiesisch!

Nach Schätzungen der UNESCO ist Portugiesisch, nach Englisch, die europäische Sprache mit dem größten Zuwachs.
Wissenschaftler gehen davon aus, das ihm Jahre 2050 etwa 340 Millionen Menschen weltweit die portugiesische Sprache sprechen werden.

Wann werden sie, werte Leserin und werter Leser dieses Blogs, ihren Portugiesischkurs beginnen?

Sonntag, 3. Juni 2012

Eselsohren: „Brasil“



Heute Mittag habe ich die letzten Zeilen des fesselnden Romans „Brasil“ des amerikanischen Schriftstellers Errol Lincoln Uys gelesen.
Über vier Wochen lang haben mich die 1283 Seiten dieses wahrhaft gigantischen Werkes gefesselt.

„Brasil“ ist eine Familiensaga, die die Geschichte zweier portugiesischer Familien erzählt, die beide nach Brasilien ausgewandert sind.
Über einen Zeitraum von gut 500 Jahren, von der Entdeckung Brasiliens durch die Portugiesen bis zur Gründung der brasilianischen Hauptstadt Brasilia Mitte des letzten Jahrhunderts, wird über Generationen hinweg die fiktive Geschichte der Familien Da Silva und Cavalcanti – aus den einen werden später in dem Roman Zuckerrohrbarone und aus den anderen werden reiche Kaffeeplantagenbesitzer – spannungsreich und faszinierend erzählt.

Errol Lincoln Uys verbindet die rein fiktive Geschichte dieser beiden Einwandererfamilien gekonnt mit der unermesslich reichen und realen Geschichte Brasiliens und schafft dadurch eine spannende, informative und bunte Geschichte mit mitreißenden und sehr glaubwürdigen Romanfiguren.

Die amerikanische Originalausgabe des Romans erschien bereits im Jahre 1986 unter dem Titel „Brazil“ im New Yorker Verlag Simon & Schuster.
Ein Jahr später, 1987, erschien dann die von Michel Bodmer übersetzte deutsche Ausgabe „Brasil“ im Marion von Schröder Verlag, in Düsseldorf.
Doch erst jetzt, 25 Jahre später, kam dieses leicht lesbare und absolut glaubwürdige historische Roman in meine Hände.

Besser spät, als nie!!!

Wer sich für die Geschichte, die Kultur und die Natur Brasiliens, sowie für die ursprüngliche Geschichte der Portugiesen in diesem wunderbaren Land interessiert, der sollte sich Zeit nehmen „Brasil“ zu lesen.
Er wird von diesem Roman gefesselt sein!

Montag, 20. Februar 2012

Pero Vaz de Caminha



In meinem Beitrag „Die kleinste Buchhandlung der Welt“, vom 29. Januar 2012, erwähne ich den „Brief von Pero Vaz de Caminha an König Manuel I über die Entdeckung Brasiliens“ (port.: „Carta de Pero Vaz de Caminha a El-Rei D. Manuel sobre o achamento do Brasil“).
Heute bin ich nun gefragt worden wer denn Pero Vaz de Caminha eigentlich war und was es mit seinem Brief an König Manuel I auf sich hat.

Pero Vaz de Caminha, manchmal auch Pedro Vaz de Caminha genannt, wurde vermutlich zwischen den Jahren 1445 und 1450 als Sohn des adeligen Ritters Vasco Fernandes de Caminha, in der Stadt Porto geboren.
Als junger Mann kam er, Dank seines Vaters der Schatzmeister war, als Schreiberlehrling an den Hof von König Afonso V.
Hier arbeitete er in der Verwaltung der königlichen Waffenkammer.

Am 02. März 1475 nahm er erfolgreich als Soldat an der Schlacht von Toro teil und wurde nach dieser von König Afonso V, auf Grund seines Mutes und seiner Herkunft, zum Ritter geschlagen.
Im Jahr darauf, 1476, übernahm er von seinem Vater den Posten des Schatzmeisters am königlichen Hof.
Dieses Amt führte er auch nach dem Tod von König Afonso V, unter dem neun König João II, aus.

Im Jahre 1482 ehelichte er Catarinna Vaz, eine Kammerzofe von Königin Leonor de Lencastre, der Ehefrau von João II.
Zusammen wurden Pero und Catarina im Jahr darauf Eltern einer Tochter namens Isabel.

Als Manuel I im Jahre 1495 König von Portugal wurde ernannte er Pero Vaz de Caminha zu seinem persönlichen Sekretär.
Das Verhältnis zwischen den beiden soll ziemlich freundschaftlich gewesen sein und so ist es nicht verwunderlich das zwei Jahre später, im Jahre 1497, König Manuel I seinen Freund und Sekretär zum Stadtrat (port.: vereador) der Stadt Porto machte.

Da Pero Vaz de Caminha dieses politische Amt wohl zur vollsten Zufriedenheit des Königs erfüllte, bestimmte Manuel I Anfang des Jahres 1500, das er der Verwalter der neu zu gründenden portugiesischen Handelsvertretung im indischen Calecute wurde.

So brach Pero Vaz de Caminha am 10. März 1500, unter Flottenkapitän Pedro Álvares Cabral der eine Flotte von 13 Schiffen anführte, in Richtung Indien auf.
Diese 13 Schiffe wurden von den 13 Kapitänen Gaspar de Lemos, Nicolau Coelho, Nuno Leitão da Cunha, Pero de Ataíde, Vasco de Ataíde, Simão de Pina, Luis Pires, Sancho de Tovar, Simão de Miranda, Aires Correia, Bartolomeu Dias, Diogo Dias und Aires Gomes befehligt.

In seinem Brief, welches mit dem 01. Mai 1500 datiert ist, beschreibt Pero Vaz de Caminha, die Entdeckung des heutigen Brasiliens, durch den Seefahrer und Entdecker Pedro Álvares Cabral, am 22. April 1500.

Zwischen dem 22. April und dem 01. Mai des Jahres 1500 hielt Pero Vaz de Caminha auf 29 Seiten detailliert die ersten Eindrücke des neu entdeckten Landes fest.
Dieser Brief ist der erste geschichtliche Beweis Brasiliens und gilt somit als die „Geburtsurkunde“ des Südamerikanischen Landes.

Ausführlich beschreib Caminha wie am 22. April die Flotte von Pedro Álvares Cabral, nach 44 Tagen auf hoher See, endlich Land sichtete und wie dann einen Tag später Nicolau Coelho, einer der Kapitäne der Flotte Cabrals, an Land ging und dort mit den bereits am Strand wartenden Tupiniquim-Indianern einen ersten Kontakt aufnahm.

Die Flotte beschloss aber am nächsten Tag weiterzusegeln, da eine aufkommende Schlechtwetterfront und die vielen Indianer, die sich in der Zwischenzeit am Strand versammelt hatten, auch wenn diese sich den Portugiesen gegenüber freundlich verhielten, eine dringend benötigte Wasser- und Proviantaufnahme erst einmal unmöglich machten.

Etwa 50 km weiter nördlich segelte die Flotte an der Mündung des heutigen Flusses Buranhem vorbei, und in einer Bucht, die heute den Namen Bahia de Cabralia trägt und nach dem Entdecker benannt ist, ankerten sie und gingen gemeinsam an Land.
Pedro Álvares Cabral nannte dieses Fleckchen Erde „Porto Seguro“ (dt.: „Sicherer Hafen“).

Hier an diesem Platz, hielt am 26. April, dem Ostersonntag des Jahres 1500, der mitgereiste Franziskanerpater Henrique de Coimbra die erste katholische Messe auf Südamerikanischen Boden.
Laut Pero Vaz de Caminha nahmen damals an diesem Gottesdienst nicht nur Cabral und seine Mitreisenden teil, sondern auch etwa 200 neugierige Tupiniquim-Indianer.
Nach dem Gottesdienst nahm Pedro Álvares Cabral, aufgrund der rechtlichen Lage des 1494 mit Spanien abgeschlossenen Vertrages von Todesilhas, das neu entdeckte Land für die portugiesische Krone in Besitz.

Am 02. Mai 1500 brach ein Proviantschiff, unter der Leitung von Kapitän Gaspar de Lemos, nach Lissabon auf, um König Manuel I über die Entdeckung des neuen Landes in Kenntnis zu setzen und ihm, auf Befehl von Cabral, den Brief von Pero Vaz de Caminha auszuhändigen.

Cabral und die restliche Mannschaft, unter ihnen auch Pero Vaz de Caminha, setzten am nächsten Tag ebenfalls die Reise fort, allerdings in Richtung Indien.
Ende Mai erreichen sie das Kap der Guten Hoffnung (port.: Cabo da Boa Esperança), wo sie in einen schweren Sturm gerieten und vier Schiffe, samt Mannschaften, verloren.
Die Flotte setzte, nun mit acht Schiffen, ihre Reise fort und am 13. September 1500 erreichen sie Calecut in Indien.

Der Aufenthalt im indischen Calecut erwies sich für Pero Vaz da Caminha und Pedro Álvares Cabral als ziemlich schwierig.
Die ortsansässige Bevölkerung, die sich noch zwei Jahre zuvor, bei der ersten Reise von Vasco da Gama, den Portugiesen gegenüber eigentlich recht freundlich verhalten hatte, war nun eher feindlich, ja sogar kriegerisch eingestellt.
Die muslimischen Händler, die seit jeher die Handelsbeziehungen mit Indien führten sahen in den Portugiesen, zu Recht, eine drohende Konkurrenz.
Sie hatten, nach der Abfahrt von Vasco da Gama aus Indien, den Zamorin und die Bevölkerung Calecuts gegen die Portugiesen aufgebracht.

So konnte Pero Vaz da Caminha nicht, wie geplant, den Posten des Verwalters der neu zu gründenden portugiesischen Handelsvertretung in Calecut antreten.
Er musste sich diesen Posten regelrecht erkämpfen!

Bei einem dieser Kämpfe auf die Handelsvertretung in Calecut wurde er am 15. Dezember 1500 von muslimischen Soldaten tödlich verwunden und erlag noch am selben Tag seinen Verletzungen.

Als König Manuel I ein halbes Jahr später, bei der Rückkehr von Pedro Álvares Cabral aus Indien am 23.Juni 1501, von dem Tod seines Chronisten Pero Vaz de Caminha erfuhr, soll er erschüttert gewesen sein, denn schließlich war Caminha nicht nur der Chronist des Königs, sondern auch sein Freund.

Auch wenn Pero Vaz de Caminha einen ziemlich unrühmlichen Tod starb, sein Brief an König Manuel I hat ihn zweifelsohne unsterblich gemacht.
Nach dem Eintreffen des Briefes in Lissabon ging dieser, zusammen mit vielen anderen Dokumenten der verschiedenen Entdeckungsfahrten, unter und geriet in Vergessenheit.
273 Jahre nach seiner Verfassung wurde der Brief dann im Jahre 1773 im Nationalarchiv der Torre do Tombo (port.: Arquivo Nacional da Torre do Tombo) durch den Historiker und Politiker José de Seabra da Silva wiederentdeckt, der diesen dann der breiten Öffentlichkeit bekannt machte.

Heute befindet sich der „Brief von Pero Vaz de Caminha an König Manuel I über die Entdeckung Brasiliens“ (port.: „Carta de Pero Vaz de Caminha a El-Rei D. Manuel sobre o achamento do Brasil“) immer noch im Nationalarchiv der Torre do Tombo und gehört zweifelsohne zu den geschichtlich wertvollsten Schriftstücken Portugals.

Donnerstag, 19. Januar 2012

Eselsohren: „O Português que nos pariu“


Soeben habe ich das humorvolle Buch „O Português que nos pariu“ (dt.: „Der Portugiese der uns gebar“), der berühmten brasilianischen Buchautorin Angela Dutra de Menezes, zum wiederholten Mal gelesen.

Alle Jahre wieder fällt mir dieses Buch aus meinem Bücherregal in die Hände, und ich lese es dann immer wieder mit großer Freude.
Angela Dutra de Menezes schreibt nämlich die Art von Büchern, die man immer wieder lesen kann.

In „O Português que nos pariu“ versucht die Autorin auf einzigartige Art und Weiße die portugiesische Seele zu entdecken.
Mit den Augen einer „Entdeckten“, die sie als Brasilianerin ist, versucht sie das Denken und Handeln der portugiesischen Entdecker im Laufe der Geschichte zu ergründen und zu erklären.

Von der Geburt der portugiesischen Nation, der Seefahrten der Portugiesen, der Entdeckung Brasiliens durch Pedro Álvares Cabral bis hin zur Ankunft der portugiesischen Königsfamilie in der neuen Welt und die Emigration abertausender portugiesischen Einwanderer nach Brasilien beschreibt Angela Menezes die Portugiesen mit all ihren Eigenarten und ihren Geschichten, so wie sie die Brasilianer sehen.

Angela Dutra de Menezes, die aus Rio de Janeiro stammt und die von Haus aus Journalistin ist – unter anderem schreibt sie für die brasilianische Zeitung „O Globo“ und die Zeitschrift „Veja“ – hat dieses Buch bereits im Jahre 2000 geschrieben und der brasilianische Verlag „Relume Dumará“ hat es verlegt.
In Brasilien war „O Português que nos pariu“ ein Bestseller.
Hier in Portugal erschien das Buch dann im Jahre 2006, und zwar im kleinen portugiesischen Verlag „Civilização Editora“.

Wer einmal mehr über die portugiesische Geschichte erfahren will und dann die Lusos selber mit den Augen eines Nicht-Portugiesen sehen will, der sollte, wenn er denn der portugiesischen Sprache mächtig ist, dieses Buch unbedingt lesen!

Dienstag, 29. November 2011

Das brasilianische Exil der portugiesischen Königsfamilie


Heute vor 204 Jahren, am 29. November 1807, ging die portugiesische Königsfamilie, mit einem Teil ihres Hofstaates, ins brasilianische Exil. Königin Maria I, ihr Sohn der Thronfolger Infant João, die königlichen Infanten und Infantinnen, ein Teil des Hochadels, mehrere Minister und Staatsbeamte, sowie Militärs, Hofdamen, Ärzte, Handwerker, Kirchenmänner, Köche und Diener, alle machten sie sich an diesem Tag, über den Atlantik, nach Rio de Janeiro.

Zu diesem Exil war es gekommen, weil sich Frankreich unter Napoleon Bonaparte einen Monat zuvor, am 27. Oktober 1807, im Vertrag von Fontainebleau mit Spanien, das militärische Durchmarschrecht nach Portugal zugesichert hatte.
Der französische General Junot überschritt daraufhin die spanisch-portugiesische Grenze und begann das Land zu besetzen.
Schnell kamen die napoleonischen Truppen voran und die Portugiesen konnten der französischen Invasion kaum einen nennenswerten Widerstand entgegenbringen. Die Truppen Generals Junot kamen so der portugiesischen Hauptstadt von Tag zu Tag näher. Da der Regent und Sohn der Königin, Infante João, sich weigerte zu kapitulieren, und da er nicht ein Gefangener und somit eine Marionette Napoleons sein wollte, beschloss er, nach einer Abmachung mit England, mit seinem gesamten Hofstaat in die damalige Kolonie Brasilien zu ziehen und von dort aus die Regierungsgeschäfte über Portugal, so weit wie möglich, zu übernehmen.
Die Behörden in Lissabon stellen daraufhin in den ersten Novembertagen über 11.000 Pässe für jeweilige Überfahrten nach Brasilien aus.

Es muss damals genauso ein trister und nebeliger Tag gewesen sein, wie es heute einer war. Die Flotte, die die damals schon geistig umnachtete Königin Maria I und ihr Gefolge an diesem Tag nach Brasilien brachte, bestand aus den folgenden 16 königlichen Segelschiffen:

• Nau (dt.: Karacke) „Principe Real“ – unter dem Kommando von Kapitän Francisco José do Canto Castro e Mascarenhas

• Nau „Afonso de Albuquerque“ – unter dem Kommando von Kapitän Inácio da Costa Quintela

• Nau „Rainha de Portugal“ – unter dem Kommando von Kapitän Francisco Manuel Souto-Maior

• Nau „João de Castro“ – unter dem Kommando von Kapitän Manuel João Loccio

• Nau „Medusa“ – unter dem Kommando von Kapitän Henrique da Fonseca de Sousa Prego

• Nau „Principe do Brasil“ – unter dem Kommando von Kapitän Francisco de Borja Salema Garção

• Nau „Conde Dom Henrique“ – unter dem Kommando von Kapitän José Maria de Almeida

• Nau „Martins de Freitas“ unter dem Kommando von Kapitän Manuel de Menezes

• Fregatte (port.: Fragata) „Minerva“ – unter dem Kommando von Kapitän Rodrigo José Ferreira Lobo

• Fregatte „Golfinho“ – unter dem Kommando von Kapitän Luis da Cunha Moreira

• Fregatte „Urânia“ – unter dem Kommando von Kapitän João Manuel

• Brigg (port.: Brigue) „Lebre“ – unter dem Kommando von Kapitän Daniel Tompsom

• Brigg „Voador“ – unter dem Kommando von Kapitän Maximiliano de Sousa

• Brigg „Vingança“ – unter dem Kommando von Kapitän Diogo Nicolau Keating

• Schoner (port.: Escuna) „Furão“ – unter dem Kommando von Kapitän Joaquim Martins

• Schoner „Curiosa“ – unter dem Kommando von Kapitän Isidoro Francisco Guimarães

An die 10.000 Personen wurden an diesem nebeligen Novembertag auf diesen 16 königlichen Segelschiffen evakuiert. Die königliche Familie war, im Vergleich zu anderen königlichen Familien der damaligen Zeit, recht klein. Sie bestand nur aus 14 Personen, wovon die Hälfte Kinder waren. Laut Zeugenberichten von damals, brach an diesem Tag der Abreise der komplette Chos aus. Tausende Menschen versuchten am Hafen von Lissabon einen Platz auf einem der Schiffe zu ergattern, die sie nach Brasilien bringen sollten. Ein wunderschönes Gemälde im Lissabonner Kutschenmuseum (port.: Museu dos coches), das den Titel „A partida da Familia Real para o Brasil“ (dt.: „Abreise der königlichen Familie nach Brasilien“) trägt, zeigt auf eindrucksvolle Weise diesen Moment der Abreise.

Die 14 Mitglieder der königlichen Familie, die an jenem 29. November 1807 die Überfahrt nach Brasilien antraten, waren:


• Königin Maria I – geboren in Lissabon am 17.12.1734. Sie macht die Überfahrt auf dem königlichen Segelschiff „Nau Principe Real“. Sie stirbt am 20.03.1816 in Rio de Janeiro, ohne jemals wieder portugiesischen Boden zu betreten

• Infante João – geboren am 13.05.1767 in Lissabon. Kronprinz und Regent seiner Mutter Maria I, späterer König João VI. Er macht die Überfahrt auf dem königlichen Segelschiff „Nau Príncipe Real“

• Infantin Carlota Joaquina – geboren am 25.04.1775 in Aranjuez / Spanien. Kronprinzessin und Ehefrau von Infante João. Sie macht die Überfahrt auf dem königlichen Segelschiff „Nau Afonso de Albuquerque“

• Infante Pedro – ältester Sohn von Infante João und Infantin Carlota Joaquina. Geboren am 12.10.1798 in Queluz bei Sintra. Zukünftiger König Pedro IV von Portugal und Kaiser Pedro I von Brasilien. Er macht die Überfahrt auf dem königlichen Segelschiff „Nau Principe Real“

• Infante Miguel – zweitältester Sohn von Infahte João und Infantin Carlota Joaquina. Geboren am 26.10.1802 in Queluz bei Sintra. Er macht die Überfahrt auf dem königlichen Segelschiff „Nau Príncipe Real“

• Infantin Maria Teresa – älteste Tochter von Infante João und Infantin Carlota Joaquina. Geboren am 29.04.1793 in Lissabon. Verheiratet mit Infante Pedro Carlos. Sie macht die Überfahrt auf dem königlichen Segelschiff „Nau Afonso de Albuquerque“

• Infantin Maria Isabel Francisca – Tochter von Infante João und Infantin Carlota Joaquina. Geboren am 19.05.1797 in Queluz bei Sintra. Sie macht die Überfahrt auf dem königlichen Segelschiff „Nau Afonso de Albuquerque“

• Infantin Maria Francisca de Assis – Tochter von Infante João und Infantin Carlota Joaquina. Geboren in Queluz bei Sintra, am 22.04.1800. Sie macht die Überfahrt auf dem königlichen Segelschiff „Nau Rainha de Portugal“

• Infantin Isabel Maria – Tochter von Infante João und Infantin Carlota Joaquina. Geboren am 04.07.1801 in Queluz bei Sintra. Sie macht die Überfahrt auf dem königlichen Segelschiff „Nau Rainha de Portugal“

• Infantin Maria da Assunção – Tochter von Infante João und Infantin Carlota Joaquina. Geboren in Queluz bei Sintra am 25.07.1805. Sie macht die Überfahrt auf dem königlichen Segelschiff „Nau Afonso de Albuquerque“

• Infantin Ana Jesus Maria Assunção – Tochter von Infante João und Infantin Carlota Joaquina. Geboren in Mafra am 23.10.1806. Sie macht die Überfahrt auf dem königlichen Segelschiff „Nau Afonso de Albuquerque“

• Infantin Maria Francisca Benedita – Schwester von Königin Maria I. Geboren in Lissabon am 25.07.1746. Sie macht die Überfahrt auf dem königlichen Segelschiff „Nau Rainha de Portugal“

• Infantin Maria Anna de Jesus – Schwester von Königin Maria . Geboren am 07.10.1736 in Lissabon. Sie macht die Überfahrt auf dem königlichen Segelschiff „Nau Rainha de Portugal“. Sie stirbt am 16.05.1813 in Rio de Janeiro

• Infante Pedro Carlos de Borbon e Bragança – Geboren am 18.06.1786. Schwager von Infante João, verheiratet mit dessen Schwester Infantin Maria Teresa. Er macht die Überfahrt auf dem königlichen Segelschiff „Nau Principe Real“. Er stirbt am 26.05.1812 in Rio de Janeiro

Als General Junot an diesem Tag um kurz nach 9:00 Uhr früh in Lissabon einmarschierte, konnte er von dem Stadthügel „Alto de Santa Catarina“ nur noch in der Ferne die Flotte auf ihrem Weg nach Rio de Janeiro sehen. Er hatte zwar Lissabon, und somit ganz Portugal, vorerst für Napoleon Bonaparte eingenommen, aber die Königin und ihr Gefolge waren ihm praktisch in letzter Minute entkommen. Portugal sollte, in den kommenden Jahren, von Brasilien aus regiert werden und die Hauptstadt des Königreiches und alle politischen und kulturellen Institutionen wurden ab diesem Tag der Abreise nach Rio de Janeiro verlegt. Erst im Jahre 1821 sollte João VI, der nach dem Tode seiner Mutter Maria I, in Rio de Janeiro zum König gekrönt worden war, nach Lissabon und Portugal zurückkehren.