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Montag, 5. Oktober 2015

Open House Lisboa 2015


Am kommenden Wochenende, dem 10. und 11. Oktober 2015, findet hier in der portugiesischen Hauptstadt zum vierten Mal die „Open House Lisboa“ statt, die von der Architektenvereinigung „Trienal de Arquitectura“ organisiert wird.

„Open House Lisboa“ ist ein Event bei dem jeder Architekturfreund die Möglichkeit hat bekannte und architektonisch wertvolle Bauwerke in Lissabon zu besuchen und „hinter die Fassade“ zu schauen, die normalerweise das ganze Jahr für die allgemeine Öffentlichkeit geschlossen sind, wie z. B. das beeindruckende Gebäude der portugiesischen Zentralbank (port.: Banco de Portugal), die imposante Tejobrücke Ponte 25 de Abril, das auf der Welt einzigartige Kachelmuseum (port.: Museu Nacional do Azulejo) oder der historische Palácio de Santos, ein Stadtpalast der einstmals von König Manuel I bewohnt wurde und in dem heute die französische Botschaft untergebracht ist.
Vor drei Jahren, beim damaligen „Open House Lisboa“, habe ich u. a. die Möglichkeit wahrgenommen und diesen wunderschönen Palast besucht, der aus Sicherheitsgründen fast immer für die Allgemeinheit geschlossen ist. Ich war begeistert und ich kann jedem nur empfehlen das diesjährige „Open House Lisboa“ dazu zu nutzen es mir gleich zu tun.
Es lohnt sich wirklich!

Dieses Jahr bietet das „Open House Lisboa“ drei Arten von Besuchen in den verschiedenen Objekten an:
Einige Gebäude und Bauwerke können ohne Anmeldung besucht werden, andere werden durch die Mithilfe von Volunteers zu besichtigen sein und in wiederum anderen werden fachkundige Architekten die Führung durch die einzelnen Gebäude führen.
Eines haben aber alle drei Arten von Besuch gemeinsam:
Sie sind alle kostenlos!

Die meisten Gebäude und Bauwerke werden, sobald sich kleine Gruppen zusammengefunden haben, sofort zu besichtigen sein.
Bei anderen wiederum, so weiß ich aus Erfahrung, werden sie eine Wartezeit in Kauf nehmen müssen.
Generell gilt hier das Motto: „first come, first serve“.

Hier eine Liste der über 70 Wohnhäuser, Gebäude und Bauwerke die am kommenden Wochenende beim „Open House Lisboa“ zu besichtigen sein werden:

- Banco de Portugal (dt.: Bank von Portugal)

- Biblioteca Nacional de Portugal (dt.: Portugiesische Nationalbibliothek)

- Centro Cultural de Belém (dt.: Kulturzentrum von Belem)

- Estação do Rossio (dt.: Bahnhof von Rossio)

- Fundação Gulbenkian (dt.: Gulbenkian-Stiftung)

- Museu Nacional do Azulejo (dt.: Nationales Kachelmuseum)

- Padrão dos Descobrimentos (dt.: Entdeckerdenkmal)

- Palácio da Ajuda (dt.: Königspalast Ajuda)

- Palácio de Santos (dt.: Santos-Palast / Botschaft von Frankreich)

- Ponte 25 de Abril (dt.: Tejobrücke Ponte 25 de Abril)

- Supremo Tribunal de Justiça (dt.: Höchste Gericht)

- Teatro Nacional de São Carlos (dt.: Nationaltheater São Carlos / Oper)


Mittwoch, 15. Juni 2011

Prémio Valmor






Ich bin heute gefragt worden, was denn der Valmor-Preis (port.: Prémio Valmor) für ein Preis sei.

Um es vereinfacht zu sagen:
der Valmor-Preis ist wohl der wichtigste Architekturpreis, der in unregelmäßigen Abständen an das originellste neu gebaute Gebäude oder Bauwerk in der Hauptstadt Lissabon, vergeben wird.
Man kann behaupten, dass der Valmor-Preis wohl der bedeutendste Architekturpreis des ganzen Landes ist.

Nach dem testamentarischen Wunsch seines Stifters und Namensgebers Fausto Queiroz Guedes, dem Vicomte von Valmor (port.: Visconde de Valmor), der 1837 geboren wurde und als Diplomat und Politiker seiner Zeit eine wichtige Rolle spielte, wird der Preis zu gleichen Teilen zwischen dem jeweiligen Architekten des neu errichteten Bauwerkes und dessen Bauherrn aufgeteilt.
Das Rathaus von Lissabon (port.: Câmara Municipal de Lisboa) finanziert diesen Preis, der im Jahre 1902 zum ersten Mal verliehen wurde, aus den Rücklagen der 50 Contos de Reis, die der Gründer damals für diesen Zweck testamentarisch hinterlassen hat.

Eine dreiköpfige Juri, bestehend aus drei ausgesuchten Architekten, die von der Stadt Lissabon nominiert werden, ernennen einen oder mehrere Siegerkollegen, die ihrer Meinung nach ein preiswürdiges Gebäude in Lissabon neu errichtet haben.

Ursprünglich wurde der Valmor-Preis nur an Wohngebäude verliehen. Doch ab 1938 fing man an, auch andere neu gebaute und originelle Gebäude, Bauwerke, Baukomplexe und Parks der Hauptstadt zu prämieren.
Seit 1982 heißt der Valmor-Preis offiziell „Prémio Valmor e Municipal de Arquitectura“ (dt.: „Städtisches Architektur und Valmor-Preis“).

Der Visconde de Valmor starb 1878, aber durch die Vergabe seines Preises an die originellsten Gebäude der Stadt, ist er heute noch lebendig in der Hauptstadt.

Die Sieger des Valmor-Preises sind, chronologisch aufgeführt:

• 1902 – Der Palast Lima Mayer (port.: Palácio Lima Mayer)
• 1903 – Casa Ventura Terra (Wohnhaus)
• 1904 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1905 – Casa de Malhoa (Museum Dr. Anastácio Gonçalves)
• 1906 – Casa Viscondes de Valmor (Wohnhaus)
• 1907 – Casa Empis (leider schon abgerissen!)
• 1908 – Gebäude mit der Hausnr. 2, in der Av. Almirante Reis
• 1909 – Palacete Mendonça (dt.: Mendonça Palast)
• 1910 – Gebäude mit der Hausnr. 30, in der Av. Fontes Pereira de Melo (leider schon abgerissen!)
• 1911 – Gebäude mit der Hausnr. 25, Rua Alexandre Herculano
• 1912 – Villa Sousa (Villa)
• 1913 – Gebäude mit der Hausnr.23, Avenida da República
• 1914 – Wohnhaus mit der Hausnr. 28 Av. Fontes Pereira de Melo
• 1915 – Gebäude mit den Hausnrn. 206-218, Avenida da Liberdade
• 1916 – Gebäude mit den Hausnrn. 58-60, Rua Tomás Ribeiro
• 1917 – Gebäude mit der Hausnummer 5, in der Rua Viriato
• 1918 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1919 – Wohnhaus mit der Hausnr. 47, Avenida Duque de Loulé
• 1920 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1921 – Palast in der Rua Cova da Moura Nr. 1
• 1922 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1923 – Gebäude mit der Hausnr. 49, Avenida da República
• 1924 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1925 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1926 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1927 – Pensão Tivoli (dt.: Pension Tivoli)
• 1928 – Palacete Vale Flor (dt.: Vale Flor Palast)
• 1929 – Gebäude mit den Hausnrn. 207-215, Avenida 5 de Outubro
• 1930 – Gebäude mit den Hausnrn. 64 und 66, in der Rua Casilho (leider schon abgerissen!)
• 1931 – Gebäude mit den Hausnrn. 92-94, Rua de Infantaria 16
• 1932 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1933 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1934 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1935 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1936 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1937 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1938 – Igreja de Nossa Senhora do Rosário de Fátima (dt.: Kirche Unserer Jungfrau vom Rosenkranz von Fátima)
• 1039 – Wohnhaus mit der Hausnummer 52, in der Avenida Columbano Bordalo Pinheiro
• 1940 – Verlagsgebäude von Diário de Notícias
• 1941 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1942 – Gebäude mit der Hausnummer 25, in der Rua da Imprensa
• 1943 – Gebäude mit der Hausnr. 9, Av. António Augusto Aguiar
• 1944 – Wohnhaus mit der Hausnr. 67, Avenida Pedro Álvares Cabral
• 1945 – Gebäude mit der Hausnr. 14, Avenida Sidónio Pais
• 1946 – Gebäude mit der Hausnr. 12, Avenida Casal Ribeiro, n.º 12
• 1947 – Wohnhaus mit der Hausnr. 8, Rua São Francisco Xavier
• 1948 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1949 – Gebäude mit der Hausnr. 105, Rua da Artilharia Um
• 1950 – Wohnhaus mit der Hausnr. 37, in der Rua Duarte Pacheco Pereira im Stadtteil Restelo
• 1951 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1952 – Gebäude mit der Hausnummer 23, in der Avenida do Restelo
• 1953 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1954 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1955 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1956 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1957 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1958 – Gebäude des Pasteur-Instituts Unabhängigen Universität (port.: Laboratórios Pasteur na Universidade Independente)
• 1959 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1960 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1961 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1962 – Gebäude mit der Hausnr. 44, in der Rua Almirante António Saldanha, im Stadtteil Restelo
• 1963 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1964 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1965 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1966 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1967 – Gebäude mit der Hausnr. 55, in der Rua General Silva Freire im Stadtteil Olivais Norte
• 1968 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1969 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1970 – Gebäude mit der Hausnummer 53, in der Avenida dos Estados Unidos da América
• 1971 – Gebäude mit der Hausnummer 9 in der Rua Braancamp
• 1972 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1973 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1974 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1975 – Hauptgebäude, Museum und Park der Gulbenkian Stiftung
• 1975 – Herzjesu Kirche (port.: Igreja do Sagrado Coração de Jesus)
• 1976 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1977 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1978 – Gebäude mit den Hausnrn. 2-4, Rua Maria Veleda
• 1979 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1980 – Gebäude mit den Hausnrn. 223–233, Rua Castilho
• 1981 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1982 – Wohnkomplex im Stadtteil Olaias(port.: Encosta das Olaias).
• 1983 – Gebäude des Ehrensitzes der Architekten (port.: Menção Honrosa dos Arquitectos)
• 1984 – Bankgebäude des Banco Fonsecas & Burnay
• 1985 – Bankgebäude des Banco Credit Franco Portugais
• 1985 – Wohnkomplex im Stadtteil Lumiar
• 1986 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1987 – Institut Jacob Rodrigues Pereira (port.: Instituto Jacobo Rodrigues Pereira) in der Rua D. Francisco de Almeida
• 1988 – Bankgebäude der Lloyds Bank, Av. da Liberdade, 222
• 1989 – Wohnkomplex in der Rua Prof. Queiroz Veloso, Hausnrn. 2-3
• 1990 – Gebäude mit den Hausnrn. 107-109, Rua do Século
• 1990 – Gebäude mit der Hausnr. 2, Rua da Academia das Ciências
• 1990 – Gebäude mit den Hausnrn. 2-6, Travessa da Horta
• 1991 – Fakultät für Psychologie und Naturwissenschaften der Lissabonner Universität (port.: Faculdades de Psicologia e Ciências da Universidade de Lisboa)
• 1992 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1993 – Amoreiraskomplex (port.: Complexo das Amoreiras)
• 1994 – Gebäude mit der Hausnummer 4, in der Rua Professor Cavaleiro Ferreira
• 1995 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1996 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1997 – Bagatelagebäude
• 1998 – Portugalpavillon auf derEXPO98 (port.: Pavilhão de Portugal)
• 1998 – Meerespavillon auf der EXPO98 (port.: Pavilhão Conhecimento dos Mares)
• 1999 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 2000 – Gebäude der Fakultät für Physik und Chemie der Lissabonner Universität (port.: Edifício da Faculdade de Física e Química da Universidade de Lisboa)
• 2001 – Atrium Saldanha
• 2002 – Rektorgebäude der Neuen Universität von Lissabon (port.: Edifício da Reitoria da Universidade Nova de Lisboa
• 2002 – Gebäude II des Institutes I.S.C.T.E. (port.: Edifício II do I.S.C.T.E.)
• 2003 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 2004 – Terraços de Bragança (dt.: Bragança-Terrasssen
• 2005 – Stadtpark Quinta das Conchas (port.: Parque Urbano da Quinta das Conchas)
• 2006 – Gebäude mit der Hausnr. 21, Rua Rodrigo da Fonseca
• 2007 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 2008 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 2009 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 2010 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben

Montag, 13. Juni 2011

Casa do Voo dos Pássaros




Ich war noch nie ein großer Fan von moderner Architektur.
Vielleicht weil moderne Architektur mir für gewöhnlich fehlende Kreativität, Kälte und Einfachheit vermittelt, während ich in der alten Architektur, sei es in der Gotik, der Romantik, der Renaissance, dem Barock und erst recht in der Manuelinik ein riesiges Potential an Kunstfertigkeit und Wärme sehe.

Die moderne Architektur hat in Portugal, vor allem hier in Lissabon, meiner Meinung nach, in den letzten Jahrzehnten mehr Schäden und Zerstörungen angerichtet, als wenn eine ganze Kompanie Abrissbagger mit ihren respektiven Abrissbirnen durch Lissabon durchgefahren wäre!

Alt und geschichtsträchtig abreißen und neu und modern klotzen, das war bis vor kurzem die gängige Praxis in der Baubranche und in der Architektur hier in Portugal.
Doch die neue Generation von Architekten, die jetzt in Portugal anfängt tätig zu werden, macht dem Land Hoffnung.
Die meisten von ihnen versuchen jetzt nämlich die alten Baustile mit neuem Design zu kombinieren und wenn sie moderne Gebäude bauen, versuchen sie jedem Objekt das gewisse Etwas zu geben.

Einer dieser jungen und außergewöhnlichen portugiesischen Architekten ist der 1972 in Ponta Delgada, auf der Azoreninsel São Miguel, geborene Bernardo Rodrigues.
Auf den Inseln, mitten im Atlantik, lebte Rodrigues bis zu seinem 18. Lebensjahr. Kaum volljährig geworden zog er nach Porto, wo er an der dortigen Hochschule anfing Architektur zu studieren.
Dann zog es ihn in die USA, an die berühmte Columbia-Universität in New York und später nach London, wo er sein Studium erfolgreich beendete.

Seine erste Anstellung, nämlich als Praktikant, fand er 2001 im „Atelier 15“, dem renommierten Büro der Architekten Alves da Costa und Sérgio Fernandez.
Hier wurde er, dank seines Charismas und seiner Energie, die vitale Figur des architektonisch-kulturellen Lebens in Portugal, die er heute ist.

2003 wird er Gastprofessor an der Universität von Palermo in Italien.
Seit 2006 leitet er sein eigenes Architekturbüro in Porto.
In Zusammenarbeit mit der Harvard-Universität begann er später ein Projekt für umweltfreundliches und innovatives Bauen und er verwirklicht heute, dank dieses Projektes, vor allem in China und in den USA, seine kreativen Ideen.

Jetzt hat er solch ein innovatives Bauprojekt auch auf seiner Heimatinsel São Miguel realisiert.
Im Norden der Insel, nahe der Ortschaft Rabo de Peixe, hat er ein modernes Wohnhaus gebaut, welches, so die Meinung des Architekten selbst, „vollkommen mit der Natur im Einklang ist“.
Das Haus, ist auf einem Hügel unweit des Ortes erbaut, und trägt den originellen Namen „Casa do Voo dos Pássaros“ (dt.: „Haus des Fluges der Vögel“ / engl.: „Flight of Birds House“).
Schon von weitem soll das Haus sichtbar sein.
Es soll regelrecht über der Ortschaft „schweben“ mit seinem gewellten Dach und seinen geometrischen Formen.

Aber das einzigartige an diesem Haus ist nicht nur die ausgefallene Architektur, sondern vor allem die Tatsache, dass dieses Haus vollkommen autonom von den üblichen Energiequellen der Insel ist.
Mit der Hilfe der Sonne, dem Wind und sogar dem Regenwasser produziert dieses Haus seinen eigenen Strom!
Es produziert sogar mehr Strom, als es eigentlich verbraucht.
Somit hat Bernardo Rodrigues nicht nur ein, zugegeben, schönes und modernes Gebäude gebaut, sondern ein sehr umfeldfreundliches und nützliches dazu.
Man kann ruhigen Gewissens behaupten, das das Haus ein gelungener Wegweiser für die architektonische Zukunft hier in Portugal ist - wenn nicht sogar weltweit!

Andere nationale und internationale Auftragsarbeiten des jungen Architekten sind, unter anderem, das „The Bow and Orchid Hotel“ (port.: „Hotel O Arco e a Orquídea“ / dt.: „Bogen und Orchideen Hotel“) im chinesischen Xian, das „Jade Hotel“ (port.: „Hotel de Jade“ / dt.: „Hotel Jade“) in Shanghai, die „Capela da Luz Eterna“ (dt.: „Kapelle des Ewigen Lichtes“) auf den Azoren und die „Casa da Explicação do Universo“ (dt.: „Das Haus der Erklärung des Universums“) im portugiesischen Constância.

Alles außergewöhnliche und originelle Bauwerke; so außergewöhnlich und originell das der Künstler uns Betrachtern zugestehen muss, das wir diese für alles Mögliche halten, nur nicht für „unauffällig“…

Dienstag, 24. November 2009

Ludovici, der Deutsche der zu Lebzeiten eine Legende war.


Wer jemals in Mafra war, einem kleinen Ort, 50 km nördlich von Lissabon entfernt, der wird vom gigantischen Klosterpalast (port.: Convento e Palácio Nacional de Mafra), der das kleine unscheinbare Städtchen fast erdrückt, begeistert sein.
Und wer aus Süddeutschland oder Österreich nach Mafra kommt, der wird staunen, wie sehr ihn der gewaltige Bau an seine heimatlichen Klöster und Barockschlösser erinnert.

Der Baumeister dieses riesigen Bauwerkes, Johann Friedrich Ludwig, der von den Portugiesen João Frederico Ludovici genannt wurde, brachte die Idee für dieses Werk, sein Meisterwerk, aus seiner deutschen Heimat nach Portugal.
Geboren wurde Johann Friedrich 1673, auf Schloss Honhardt in Schwaben, als Sohn von Peter Ludwig und dessen Ehefrau Elisabeth Rosina Engelhardt.

Als 14jähriger verliert Johann Friedrich seinen Vater, und sein Onkel Johann Wilhelm Engelhardt, Architekt von Beruf, nimmt sich seiner an.
Durch ihn lernt Johann Friedrich die liebe zur Architektur kennen. Doch von Beruf wird er erst einmal Goldschmied.
In Ulm und Augsburg erlernt er diese filigrane Fertigkeit.
1697 zieht er nach Rom, wo er in der Werkstatt des deutschen Goldschmieds Johann Adolf Gaap, arbeitet.
In Rom, wo er Anfang des Jahres 1700 die Italienerin Ciara Agnese Morelli heiratet, und, wie damals üblich, den italienischen Namen Giovanni Frederico Ludovici annimmt, widmet er sich nun regelmäßig seiner alten Liebe, der Architektur.
Aus Liebe zu seiner Frau, tritt er zum katholischen Glauben über, und lernt in dieser Zeit einige einflussreiche Jesuiten kennen.
Die Jesuiten sind es, die von seinen Goldschmiedarbeiten so begeistert sind, dass sie einige religiöse Dekorationsgegenstände für ihre Kirchen anfertigen lassen.

Mitte des Jahres 1700, fährt Ludovici mit seiner Frau Ciara in seine alte Heimat Schwaben, um sie dort seiner Familie vorzustellen.
Aus Gründen, die bis heute nicht nachvollziehbar sind, die aber so schwerwiegend gewesen sein müssen, das er sogar beschließt mit seiner Ehefrau nach Amerika auszuwandern, verwirft er sich mit seiner Mutter und seinen Geschwistern.

Ende 1700 kommt Ludovici mit seiner Gattin in Lissabon an, um hier ein Schiff in die Neue Welt zu nehmen.
Doch am 01. Januar 1701 ereignet sich ein Ereignis, welches Ludovici dazu bewegt, in Lissabon zu bleiben.
Sein Sohn João Pedro Ludovici kommt in Lissabon zur Welt, aber bei der Geburt des Kindes stirbt seine Ehefrau Ciara.

Ludovici verwirft daraufhin die Pläne nach Amerika auszuwandern und stürzt sich in die Arbeit.
Er ist verantwortlich für die Innenarchitektur vieler Jesuitenkirchen in Lissabon und Umgebung.
Auf Wunsch von König Pedro II erledigt er auch den einen und anderen Auftrag am Hofe.
Der Nachfolger von Pedro II auf dem portugiesischen Thron, König João V, ist von seinen Arbeiten so überzeugt, das er Ludovici 1712 den Auftrag für den Umbau des königlichen Palastes „Palácio da Ribeira“ gibt.
Völlig zufrieden mit diesen Umbauarbeiten, erteilt daraufhin der Monarch dem Architekten den Auftrag in Mafra ein Schlosskloster zu bauen, welches das spanische „El Escorial“ bei Madrid in den Schatten stellen soll.

Die Entwürfe Ludovicis sahen, auf Wunsch des Königs, eine Doppelfunktion der riesigen Anlage vor.
Einerseits sollte der Bau ein Palast für den Hof, andererseits ein Kloster für Hunderte von Mönchen sein.
João V und seine österreichische Gemahlin Maria Anna erfüllten aufgrund eines 1711 abgelegten Gelübdes und aus Dankbarkeit für die Geburt eines Thronerben, des späteren Königs José I, die Verwirklichung des Baus.
Mit den Bauarbeiten wurde am 17. November 1717 begonnen.
Sie sollten sich über 50 Jahr hinziehen…

Die Durchführung des überdimensionalen Projektes stellte für den Architekten keine geringe Aufgabe dar: Bisweilen arbeiteten 50 000 Handwerker und Hilfskräfte am Bau.
Den portugiesischen Staat brachte dieser Bau fast an den Rand des Ruins.
Über 60 Bildhauer fertigten, auf Anweisungen Ludovicis, die zahlreichen Statuen der Kirche, die zu den Meisterwerken portugiesischer Kunst zu zählen sind.
Mönche schufen die Einbände einer Bibliothek, die fast vollständig die Werke der Zeit umfasste.
Eine Kunstakademie (port.: Escola de Risco) die Ludovici in Mafra gründete, lehrte junge Portugiesen an, auch für spätere Generationen im Geiste der Schule von Mafra tätig zu sein.

Aber Ludovici ist nicht nur für den Monumentalbau in Mafra verantwortlich, sondern er ist auch der Erbauer, unter anderem, des Hochaltars der Kathedrale von Évora (port.: Sé de Évora), des Hochaltars von Sankt Vincent in Lissabon (port.: São Vicente de Fora), der Universität von Coimbra (port.: Universidade de Coimbra), mit ihrem charakteristischen Uhrturm und teilweise ist er auch der Konstrukteur des Aquädukt von Alcântara (port.: Aqueduto das Águas Livres no Vale de Alcântara).

Für sich selbst erbaute Ludovici, in der Nähe von Benfica, das Landgut „Quinta de Alfarrobeira“, in dessen Kapelle er 1720 mit der Portugiesin Anna Maria Verney seine zweite Ehe einging, und mit der er sieben gemeinsame Kinder hatte.
Nach seiner Heirat nahm er die portugiesische Staatsbürgerschaft vom König dankend an und ließ sich erneut umtaufen.
Aus Giovanni Frederico Ludovici, ehemals Johann Friedrich Ludwig, wurde nun João Frederico Ludovici.

João Frederico Ludovice wurde 1750 von König José I zum Hofarchitekten (port.: Arquitécto-mor / lat.: Regius Architectus) ernannt und zum Brigadegeneral der Infanterie (port.: Brigadeiro da Infantaria) befördert. Außerdem wurde ihm der Christusorden verliehen, die höchste Auszeichnung der portugiesischen Nation.

Hoch geehrt, bewundert und sogar geliebt, verstarb Ludovici am 18. Januar 1752 in Lissabon, als lebende Legende.