Donnerstag, 30. Mai 2013
Lavadeiras de Caneças
Ein italienischer Arbeitskollege von mir hat neuerdings eine neue Mode für sich wiederentdeckt. Seit Tagen kommt er mit einem bunten Kopftuch auf dem Kopf zur Arbeit.
Ich weiß nicht ob ihm vielleicht einer gesagt hat, dies wäre im Augenblick modisch der letzte Schrei oder ob er in letzter Zeit im Kino „Fluch der Karibik“ mit Johnny Depp gesehen hat, ich weiß nur das dies nicht gerade mein modischer Stil ist, aber das steht auf einem anderen Blatt!
Meine schweizerische Kollegin Nadja Waldmeier meint, dieser modische letzte Schrei würde man schlechthin als Piratenstil bezeichnen, woraufhin ich ihr zur Antwort gab, das mich diese Aufmachung doch eher an eine „lavadeira de Caneças“ erinnert, als an einen Piraten.
Woraufhin natürlich von Nadja die berechtigte Frage in den Raum geworfen wurde, was den eine „lavadeira de Caneças“ sei.
Nun, bei einer „lavadeira de Caneças“ handelt es sich, wortwörtlich ins Deutsche übersetzt, um eine „Wäscherin aus Caneças“, und somit um einen ehemals sehr ehrwürdigen Berufsstand, den es, dank der Erfindung der Waschmaschine und des modernen Waschprozesses, heute leider nicht mehr gibt.
„Lavadeiras de Caneças“ waren früher Frauen, die den Beruf einer Wäscherin ausübten und die aus dem kleinen Lissabonner Vorort Caneças kamen.
Die Wäscherinnen von Caneças waren für ihre harte, zuverlässige und gute Arbeit bei den wohlhabenden Bürgern der Hauptstadt, die es sich leisten konnten ihre Wäsche durch Wäscherinnen waschen zu lassen, sehr beliebt.
Der Ort Caneças ist eine kleine Gemeinde, die heute zur Stadt Odivelas gehört, und die einstmals für ihr glasklares und sehr kalkarmes Quellwasser bekannt war.
Der Berufsalltag einer Wäscherin war anno dazumal alles andere als einfach und angenehm.
Abgesehen von der schweren körperlichen Arbeit, die die Wäscherinnen verrichten mussten, mussten sie sich auch mit, heute würde man sagen, sehr aggressiven Reinigungsmittel, wie z.B. Soda, herumschlagen.
Die Wäsche wurde fast immer mit Soda gewaschen, nur selten kamen die hautverträglichen Kern- und Schmierseife zum Einsatz.
Mit der Hilfe einer Bürste und eines Waschbrettes wurde dann direkt in einem Waschzuber gewaschen. Der exzessive Gebrauch von Soda und das eiskalte Quellwasser waren oftmals dafür verantwortlich, das die meisten Wäscherinnen extrem ausgelaugte Hände hatten.
Nach dem Einseifen wurde die Wäsche dann außer Haus im glasklaren Quellwasser ausgespült, da noch am Anfang des letzten Jahrhunderts über 95% der Haushalte in Caneças noch über keinen eigenen Wasseranschluss verfügte.
Nach dem Waschen wurde die Wäsche dann mühevoll ausgewringt und auf eine große, saubere Wiese ausgebreitet, wo sie dann in der Sonne ausbleichte.
Danach wurde die Wäsche bei den Wäscherinnen zuhause mit einem Kohlebügeleisen gebügelt, ordentlich zusammengefaltet und nach Lissabon, an ihre jeweiligen Besitzer mit der Hilfe von Esel- oder Pferdekarren ausgeliefert.
Ich selber kann mich an solche Szenen hier im Raum Lissabon nicht mehr erinnern, da das weit vor meiner Zeit geschah.
Aber als Kind erinnere ich mich sehr wohl, in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, oftmals, bei meinen reisen durch Coimbra, die dortigen Wäscherinnen am Ufer des Flusses Mondego bei ihrer Arbeit gesehen zu haben!
Mein Gott, wie die Zeit vergeht!
Damit wir uns nicht missverstehen:
Der Beruf einer „lavandeira“ war zwar kein Beruf, für den man einen Universitätsabschluss brauchte, aber dadurch das die Wäscherinnen einen körperlich sehr schweren, mit vielen Kenntnissen und Fähigkeiten fachspezifischen Beruf ausübten und sie zudem auch als sehr ordentlich, pünktlich und reinlich galten, gehörten sie zu den zuverlässigsten und beliebtesten Arbeiterinnen der ganzen Hauptstadt.
Deshalb war die Bezeichnung „lavandeira de Caneças“ früher, aber auch heute, eher positiv als negativ behaftet.
Die Wäscherinnen aus Caneças waren und sind in der nationalen Bevölkerung auch heute noch sehr hoch angesehen.
Ende des letzen Jahrhunderts errichtete man ihnen zu ehren, inmitten von Caneças sogar ein Monument.
1928 komponierte Frederico Guedes de Freitas den hier in Portugal sehr beliebten Fado „As Lavadeiras de Caneças“, welches später dann, unter anderen, von der großen Fadosängerin Amália Rodrigues gesungen wurde.
Absoluten Ruhm erlangten die Wäscherinnen im Jahre 1938, als der Filmemacher Eduardo Augusto Chianca da Silva Garcia ihnen mit der Komödie „Aldeia da Roupa Branca“, mit den in der damaligen Zeit sehr beliebten Schauspielerinnen Beatriz Costa und Herminia Silva in den Hauptrollen, ein cineastisches Denkmal setzte.
Heute gibt es in Caneças leider keine Wäscherinnen mehr.
Sie sind mit der Erfindung der Waschmaschine ausgestorben.
Als 1969 die letzte, noch lebende Wäscherin in einer dieser Nachmittagstalkshows auftrat und dort von ihrem interessanten Beruf erzählte, erhielt sie zum Dank – na raten sie mal…
…eine Waschmaschine!
Sonntag, 26. Mai 2013
Die drei neuen F´s
Heute traf ich mich mit meiner guten Freundin Beate aus Regensburg, um mit ihr und ihrem Freund zu Mittag zu essen.
Während des Gesprächs, das wir während des Essens führten, fragte mich Beates Freund, der im Gegensatz zu Beate zum ersten Mal hier in Portugal ist, ob es stimmen würde, das man Portugal auf die die drei F-Wörter „Fado – Fatima – Fußball“ reduzieren könne?
Er hätte das in seinem schlauen Reiseführer gelesen.
Nun, da ich nicht wusste ob er wegen des gestrigen Champions-League-Finalsieges seiner Bayern noch etwas alkoholisch angeschlagen war und weil ich, aus Respekt vor Beate, die ich sehr schätze, nicht gleich eine meiner trocken-sarkastischen Antworten geben wollte, konterte ich mit einer Gegenfrage, nämlich was er denn davon halten würde, wenn man Deutschland klischeehaft als das Land der grölenden, humorlosen und biertrinkfreudigen Trabifahrer bezeichnen würde?
Sicherlich die drei F´s gibt es wirklich und sie sind tatsächlich eine portugiesische Erfindung.
Es war der ehemalige portugiesische Diktator António de Oliveira Salazar, der während seiner faschistischen Herrschaft, die von 1932 bis 1968 dauerte, den Portugiesen tatsächlich weiß machen wollte, sie bräuchten, um glücklich und zufrieden zu sein, nur die sehnsuchtsvolle und wehmütige Fadomusik, eine alljährliche Wallfahrt nach Fátima und, getreu dem altem römischen Motto „Panem et circenses“ (dt.: „Brot und Spiele“), ab und zu ein Besuch im Fußballstadion!
Alles andere, wie Wissen, Lesen oder Schreiben, da war sich Salazar sicher, würde das Volk zum Denken animieren, und somit unglücklich machen!
So hielt der Diktator sein, zumeist analphabetisches Volk, über Jahrzehnte hinweg willenlos, schwach und dumm!
Diese drei F-Wörter „Fado – Fátima – Fußball“ (port.: „Fado – Fátima – Futebol“) waren und sind leider immer noch so klischeehaft behaftet, das sie es doch tatsächlich anscheinend geschafft haben, in Reiseführer unserer Zeit Einzug zu finden!
Uns Portugiesen sind die drei F´s also sehr wohl ein Begriff.
Doch wenn heute meine Landsleute an die drei F´s denken, dann meinen sie nicht „Fado – Fátima – Futebol“, sondern neuerdings, in Zeiten der schweren Wirtschaftskrise, verbinden sie mit den drei F´s eher die Begriffe „Frustração“ (dt.: „Frustration“), „Falta de Emprego (dt.: Arbeitslosigkeit) und „crise Financeira“ (dt.: Finanzkrise).
Die Zeiten sind zweifellos andere, die Probleme und die Nöte sind andere, die Begriffe sind andere und auch die Menschen sind andere.
Aber was gleich geblieben ist, und was auch unbedingt gleich bleiben muss, ist der starke Überlebenswille der Portugiesen gegen die alltäglichen Ungerechtigkeiten die auch heute noch in diesem Land herrschen!
Mittwoch, 22. Mai 2013
Lissabonner Buchmesse - Feira do Livro de Lisboa 2013
Am morgigen Donnerstag, den 23. Mai 2013, wird die 83. Lissabonner Buchmesse (port.: Feira do Livro de Lisboa) eröffnet.
Auf 241 kleine Pavillons verteilt, werden dann über 480 Verlage, Buchhändler und nationale und internationale Autoren und Schriftsteller, im zentral gelegenen Lissabonner Park Eduardo VII, über 100.000 Bücher vorstellen und versuchen diese an den Mann, bzw. Frau, zu bringen.
Der Ausrichter der Buchmesse, die Associação Portuguesa de Editores e Livreiros (dt.: Portugiesischer Verleger- und Buchhändlerverein), kurz APEL genannt, rechnet damit das dieses Jahr über 500.000 Besucher, diesen hier in Portugal sehr beliebten Buchmarkt, besuchen werden.
Seit 1939 findet diese Buchmesse in Lissabon statt.
Ganz am Anfang wurde sie noch in der Avenida da Liberdade ausgerichtet.
Später waren der Rossio und die angrenzende Rua Augusta die Austragungsorte.
Dann wurde sie auf die große Praça do Comércio verlegt, bis sie schließlich im Parque Eduardo VII, unweit des Marques de Pombal, ihren aktuellen Ausstellungsort fand.
Man wird auf der Lissabonner Buchmesse nicht nur das eine oder andere Werk der Literatur, der Kunst, der Musik oder der Wissenschaft käuflich erwerben können, sondern man wird auch die Gelegenheit haben an verschiedenen Veranstaltungen, wie Lesungen, Vorträgen, Konzerten und Diskussionsforen, teilzunehmen.
Für jeden, der so wie ich, gerne über die neuesten Erscheinungen auf dem Büchermarkt informiert ist, lohnt sich ein Besuch der Feira do Livro de Lisboa alle mal.
Die Buchmesse wird bis zum 10. Juni 2013 für Jedermann kostenlos zu besuchen sein!
Montag, 20. Mai 2013
I´m back!
Wie einige von Euch es schon bemerkt haben, habe ich mich in letzter Zeit hier in meinem Blog so ziemlich rar gemacht.
Ich war weder krank, wie es manche leider vermutet haben, noch hatte ich eine meiner berühmtberüchtigten „Schreibblockaden“.
Nein, nichts dergleichen!
Ich war lediglich die letzten zwei Wochen in meinem wohlverdienten Urlaub und bin erst an diesem Wochenende nach Lisboa zurückgekehrt.
Zwar war das ein ziemlich verregneter und kalter Urlaub, aber wenigstens war er erholsam und ich konnte mit Freunden und Familie zusammenkommen.
Ich werde also ab dieser Woche wieder anfangen regelmäßig hier bei „Planet Portugal“ präsent zu sein, und meine Meinungen und einfachen Gedanken, die mich beschäftigen, hier aufzuschreiben und zu veröffentlichen.
I´m back!
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Mittwoch, 1. Mai 2013
1. Mai – „Tag der Arbeit“
Am heutigen „Tag der Arbeit“ (port.: „Dia do Trabalho“) sind, nach hiesigen Gewerkschaftsangaben, heute in Portugal in verschiedenen Städten des Landes mehrere tausend Menschen, unter ihnen nicht nur Arbeiter, sondern auch viele Arbeitslose, Rentner und Jugendliche, für mehr soziale Gerechtigkeit und bessere Lebensbedingungen auf die Straße gegangen.
Auf den Hauptversammlungen der beiden größten Gewerkschaftsbündnisse des Landes, der CGTP (port.: Confederação Geral dos Trabalhadores Portugueses / dt.: Allgemeiner Gewerkschaftsbund der Portugiesischen Arbeiter) und UGT (port.: União Geral de Trabalhadores / dt.: Generale Arbeitervereinigung) forderten die Demonstranten ein Recht auf Arbeit und eine gerechtere Bezahlung der Arbeiter, sowie ein Ende der harten Sparmaßnahmen der Regierung.
Der 1. Mai ist weltweit traditionell der „Tag der Arbeit“.
Schon im Jahre 1848 hatte die australische Arbeiterbewegung zu einem Generalstreik am 1. Mai aufgerufen, weil australische Arbeitnehmer ihren Zwölf-Stunden-Arbeitstag auf acht Stunden reduziert haben wollten.
Arbeiter in vielen Ländern Europas und Amerikas riefen in den folgenden Jahren, immer zum 1. Mai, zu Massenprotesten und Streiks auf um ihre Forderungen durchzusetzen.
Der Auslöser aber, für die Gründung eines internationalen Tages der Arbeit, war ein damals für den 1. Mai 1886 angesetzter Generalstreik einiger nordamerikanischer Fabrikarbeiter, die damals ebenfalls für einen Acht-Stunden-Tag und bessere Arbeitsbedingungen, in der Stadt Chicago demonstrierten.
Drei Jahre später, 1889, rief die Zweite Sozialistische Internationale, ein Zusammenschluss linker Parteien, dazu auf, den 1. Mai zum „Kampftag der Arbeiterklasse“ zu machen.
Daraufhin wurde am 1. Mai 1990 dieser Tag dann als Erster Protestgedenktag der Arbeiterbewegung, mit verschiedenen Massendemonstrationen überall auf der Welt, gewürdigt und gefeiert.
In Portugal feiert man den Protesttag der Arbeit und der Arbeiter erst seit dem Jahre 1974, da er in der Zeit der Diktatur in Portugal streng verboten war.
Erst nach der gelungenen Nelkenrevolution, am 25. April 1974, konnten die portugiesischen Arbeiter den „Tag der Arbeit“ ohne Angst vor Repressalien feiern.
Die diesjährigen Kundgebungen standen hier in Portugal unter dem Motto „Crescimento e Emprego, Recuperar a Esperança“ (dt.: „Wachstum und Arbeit, Rückgewinnung der Hoffnung“) und fanden in über 40 Städten des Festlandes und auch auf den Inseln, statt.
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Donnerstag, 25. April 2013
Die Toten der Nelkenrevolution
Heute vor genau 39 Jahren, am 25. April 1974, um kurz nach Mitternacht, spielte der katholische Radiosender Radio Renascença das von der damaligen Diktatur verbotene Protestlied „Grândola, Vila Morena“ (lesen sie hierzu auch bitte meinen Blogeintrag „Grândola, Vila Morena“), vom 26. April 2010), des antifaschistischen Sängers José Afonso.
Das abspielen dieses Liedes war für die revolutionären Offiziere im ganzen Land das vereinbarte Zeichen, ihre Streitkräfte für den Aufstand zu mobilisieren.
Einen Aufstand der dann später als „Nelkenrevolution“ (port.: „Revolução dos Cravos“) in die Geschichtsbücher einging.
Nach noch nicht einmal 18 Stunden stürzte damals eine so genannte „Bewegung der Streitkräfte“ (port.: „Movimento das Forças Armadas“) die älteste Diktatur Westeuropas!
In vielen nationalen und internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Büchern die über die Geschehnisse dieses 25. April 1974 damals erschienen und auch noch heute publiziert werden, wird oftmals berichtet, die „Nelkenrevolution“ sei eine friedliche und unblutige Erhebung des portugiesischen Volkes gegen die autoritäre und faschistische Diktatur die damals in Portugal herrschte, gewesen.
Sicherlich, die „Nelkenrevolution“ verlief, im Vergleich zu vielen anderen Revolutionen die überall auf der Welt vor ihr und nach ihr stattgefunden haben, recht friedlich.
Aber unblutig war sie leider nicht, denn an diesem 25. April kamen fünf unbewaffnete und friedliche Demonstranten in Lissabon durch die Gewehrkugeln regimetreuer Geheimpolizisten ums Leben.
Der damalige Machthaber, Diktator Marcelo Caetano, hatte sich an diesem Tag, auf der Flucht vor den revoltierenden Truppen, in das Hauptquartier der Republikanischen Nationalgarde (port.: Guarda Nacional Republicana), am Largo do Carmo, Mitten in Lissabon, verbarrikadiert.
Als bekannt wurde, dass der Diktator sich dort aufhielt, kamen viele Demonstranten auf dem Platz vor der Kaserne zusammen und verlangten seine Auslieferung.
Da aus der Carmokaserne (port.: Quartel do Carmo) keine Reaktion kam, schoss gegen 15.30 Uhr ein ungeduldiger Soldat der „Bewegung der Streitkräfte“, aufgestachelt durch die Demonstranten, eine Gewehrsalve mit seinem Maschinengewehr in Richtung des Gebäudes, ohne allerdings jemanden zu verletzen oder gar zu töten.
Eine knappe Dreiviertel Stunde nach dieser versuchten Machtdemonstration durch die „Bewegung der Streitkräfte“, um 16.15 Uhr, wurde, ebenfalls mit Maschinengewehren, aus einem Fenster der Carmokaserne auf die demonstrierende Menschenmenge geschossen.
Mehrere Menschen wurden bei diesem Schusswechsel verletzt und einer von ihnen, der 32jährige Lissabonner Arbeiter António Lage, wurde so schwer getroffen, das er noch an Ort und Stelle seinen Verletzungen erlag.
Der erste Tote der Nelkenrevolution hatte sein Leben für die Freiheit gelassen!
Wenn die Nationalgarde gedacht hatte, die Demonstranten würden jetzt weichen und aus Angst den Platz räumen, dann wurden sie eines Besseren belehrt, denn genau das Gegenteil traf ein!
Immer mehr Demonstranten und revoltierende Soldaten trafen im Largo do Carmo ein, und forderten in Sprechchören Diktator Marcelo Caetano zur Aufgabe auf und verlangten er möge sich ergaben.
Die Situation wurde immer explosiver!
In der Zwischenzeit hatten sich schon hunderte Menschen auf dem kleinen Platz und den Seitenstraßen versammelt und die Situation heizte sich immer mehr auf.
Gegen 21 Uhr, also knapp fünf Stunden nach dem ersten Zwischenfall, wurde aus dem Hauptgebäude der politischen Geheimpolizei „Polícia International e de Defesa do Estado“ (dt.: Internationale Staatsschutzpolizei), kurz PIDE genannt, das in der Rua António Maria Cardoso, unweit des Carmoplatzes, lag, wieder auf die Menschenmenge geschossen.
Insgesamt 49 Menschen wurden durch Schüsse getroffen, vier von ihnen so schwer, dass sie später ihren Verletzungen erlagen.
Diese vier toten Demonstranten waren, damit sie niemals vergessen werden:
- der erst 18jährige Büroangestellte Fernando Carvalho Gesteiro, aus der nordportugiesischen Stadt Montalegre, in Trás-os-Montes
- der aus Vendas Novas, im Alentejo, stammende 37jährige verheiratete José James Barnetto
- der Lissabonner Fernando Barreiros dos Reis, ein 24jähriger Soldat, der sich aber an diesem Tag nicht im Dienst befand
- der 20jährige Student José Guilherme Rego Arruda, der aus der Azoreninsel São Miguel stammt
Nach diesem blutigen Zwischenfall drohte die „Bewegung der Streitkräfte“ die Kaserne der Republikanischen Nationalgarde zu stürmen und den Diktator und seine Männer gewaltsam zur Aufgabe zu zwingen.
Doch bevor dies geschah, ergab sich Marcelo Caetano seinem Schicksal und ließ sich von den Soldaten der Befreiungsarmee festnehmen.
Den vier Männern, die am Abend beim zweiten Schusswechsel ums Leben gekommen waren, wurde am darauf folgenden Tag auf besondere Weise gedacht.
Unter dem Straßenschild der Rua António Maria Cardoso, am Gebäude der Geheimpolizei, brachten Demonstranten damals spontan ein zweites Schild an, auf dem man „Avenida dos Mortos pela PIDE“ (dt.: „Allee der Toten der PIDE“) lesen konnte.
Dieses Schild wurde später durch eine Gedenktafel ersetzt, die dort heute noch hängt.
Warum das erste Opfer der Nelkenrevolution, der Arbeiter António Lage, der damals beim ersten Schusswechsel ums Leben gekommen war, nicht namentlich auf besagter Gedenktafel erwähnt wird, ist nicht etwa als eine Geringschätzung seines Lebens zu verstehen, sondern schlicht und einfach ein Versäumnis der Stifter der Gedenktafel.
Sie haben ihn einfach vergessen!
Samstag, 13. April 2013
Einfach nicht zahlen?!?
Wir durchleben hier in Portugal, wie jeder weiß, sehr harte und schwierige Zeiten, und haben somit leider im Moment sehr wenig zu lachen.
Die Wut auf die skrupellosen Sparmaßnahmen von Premierminister Pedro Passos Coelho und seiner Regierung, die Unfähigkeit von Staatspräsident Anibal Cavaco Silva unparteiisch zu sein, und somit Präsident des ganzen Volkes zu sein, und nicht nur Präsident einiger Portugiesen, und die innenpolitischen Querelen der regierenden Mitte-Rechts-Koalition mit den linken Oppositionsparteien bringen den normalen Bürger hier eher zum weinen, als zum lachen!
Die Regierung ist hier in Portugal, dank der Unterstützung des Staatspräsidenten, im Augenblick politisch so machtvoll, weil die Opposition im Moment nichts und niemanden hat, der der Regierungskoalition legal gefährlich werden könnte.
Schaut man sich die Oppositionspolitiker der Sozialistischen Partei (port.: Partido Sacialista = PS), der Kommunisten (port.: Partido Comunista Português = PCP) und des Linken Blocks (port.: Bloco de Esquerda) an, und hört man ihren interessanten, aber größtenteils völlig unrealisierbaren, politischen Alternativausführungen zu, kann es einem recht bange werden.
So wie diese Woche, als der ehemalige sozialistische Premierminister Mario Soares, der zwischen 1986 und 1996 auch Präsident der Republik war, in einem Radiointerview mit dem Radiosender „Antena 1“, doch tatsächlich den Portugiesen riet, sich der Zahlung der Schulden, die das Land bei der Troika nun hat, einfach zu verweigern!
Wortwörtlich sagte er:
„Portugal wird nie seine Schulden bezahlen können, so sehr die Menschen sich auch anstrengen, so sehr man ihnen das Geld aus den Taschen ziehen wird und so sehr sich der Staat auch anstrengen mag, er wird niemals das bezahlen können was er schuldet. Wenn man nicht bezahlen kann, ist die einzige Lösung einfach nicht zu zahlen!“
(port.: „Portugal não pode nunca pagar aquilo que já deve e, por mais que se empobreça as pessoas, por mais que se roube o dinheiro às pessoas que o têm, por mais que faça, o Estado não é capaz de pagar aquilo que deve. Quando não se pode pagar, a única solução é não pagar!“)
Er gab als Beispiel für seine, wie ich meine, total unqualifizierte und sicherlich nicht überdachte Äußerung, die Argentinische Krise zur Jahrtausendwende an.
Damals, um das Jahr 2000 herum, geriet Argentinien in eine starke Rezession und das Finanzsystem des südamerikanischen Landes brach völlig zusammen. Das führte in Argentinien zu einer großen politischen Instabilität und die sozialen Folgen waren verheerend.
Argentinien hat bis heute den größten Teil der damals angehäuften Schulden an die Geberländer nicht zurückbezahlt, und scheint mit dieser Politik des „Nichtzurückzahlens“ Erfolg gehabt zu haben, denn heute steht das Land verhältnismäßig solide da.
Mario Soares, aufgrund dessen mutigen Kampfes gegen die Diktatur in Portugal sicherlich hier und da noch einige Sympathien entgegengebracht werden, von dem ich aber persönlich meine, dass seine politische Meinung maßlos überbewertet wird, dieser Mario Soares ist also der Meinung, Portugal sollte einfach die vereinbarten Abkommen mit der EU, der EZB und dem IWF nicht einhalten.
Dann würde sich das Problem schon von alleine lösen…
Gott bewahre uns vor einer Ausweitung der Sparwut von Premierminister Passos Coelho und seines Finanzministers Vitor Gaspar, die das Land immer weiter in den Abgrund stürzen.
Aber Gott bewahre uns auch vor solchen Politikern wie Mario Soares und seinen Parteifreunden, allen voran António José Seguro, die uns das Blaue vom Himmel versprechen und dann nichts einhalten werden können.
Die Sozialisten waren nämlich vor zwei Jahren noch selbst an der Macht, und haben die aktuelle Krise im Land mitzuverantworten, obwohl sie jetzt so tun, als ob sie eine weiße Weste hätten.
Die Mehrheit der Politiker hier, egal welcher Partei sie angehören, haben den meisten Portugiesen in den letzten Jahrzehnten vorgegaukelt, sie wären alle Bürger einer Erste-Welt-Nation.
Aber heute müssen viele im Land leidvoll realisieren, das sie hier am Rande Europas nichts weiter sind, als ein Land der Dritten Welt!
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Dienstag, 9. April 2013
Just say NAO
In seinem Blog „The Conscience of a Liberal“ (dt.: Das Gewissen eines Liberalen), das in der renommierten US-amerikanischen Tageszeitung „The New York Times“ erscheint, hat der weltbekannte Universitätsprofessor und Wirtschaftsexperte Paul Krugman am letzten Sonntag, den 07. April 2013, einen kurzen Eintrag publiziert.
In diesem Blogeintrag, der nur zwei Absätze klein ist und den Titel „Just say NAO“ trägt, kommentiert Paul Krugmann, der Träger des Weltwirtschaftsnobelpreises (port.: Nobel de Economia) von 2008 ist, auf kurze und knappe, aber prägnante Art und Weise die aktuelle wirtschaftspolitische Lage in Portugal.
Die portugiesische Regierung hatte am Wochenende erneut drastische Kürzungen beim Gesundheits- und Sozialwesen, der Bildung und bei den staatlichen Betrieben angekündigt.
Er hätte seinen Blogeintrag auch auf Englisch „Just say NO“ nennen können, wollte aber anscheinend dem ganzen einen portugiesischen Touch geben, und hat dann das englische „NO“ durch das portugiesisches „NAO“, ohne das Überzeichen ~ ersetzt.
Krugmann hat so, wohl ungewollt, dafür gesorgt, dass „Just say NAO“ ein weiteres Geflügeltes Wort dieser Krise werden könnte.
Anbei der Originalblogeintrag aus der „New Tork Times“ und eine, mit meinen eigenen Worten geschriebene Übersetzung, bei der mich meine Kollegin Malene unterstützt hat.
Da ich des amerikanischen Slangs nicht mächtig bin, habe ich den Text nicht wortwörtlich übersetzt, sondern so geschrieben, wie er mir am logischsten erschien.
Just say NAO
Update: yes, I know about the tilda, but could not persuade the software to show it. The tilda, I’ve always said, means that there’s an “n” at the end that isn’t written but which you don’t pronounce — if you’ve ever heard Portuguese, you’ll understand what I mean.
Sorry about the silence — I spent yesterday being human (the High Line in NYC is all it’s cracked up to be!), and then had a hellishly busy day today. If I had more energy left I’d plunge into the next stage in the European crisis; the moving finger of instability has now reached Portugal, with the government, of course, proposing to cure matters with More Austerity. But it will have to hold until tomorrow.
(Originalblogeintrag von Paul Krugman vom 07.04. 2013, aus der New York Times)
Just Say NAO
Aktualisierung: Ja ich kenne die „Tilde“, konnte aber die Software nicht davon überzeugen, sie anzuzeigen. Die „Tilde“ ist, wie ich schon einmal erwähnt habe, ein Überzeichen, das dafür sorgt, das ein Wort mit einem „n“ am Ende ausgesprochen wird, ohne das dieses geschrieben wird – wenn sie jemals Portugiesisch vernommen haben, werden sie verstehen was ich meine.
Ich bitte meine Abwesenheit zu entschuldigen – aber ich war gestern einfach nur Mensch (der Druck hier in New York City macht mich fertig!) und heute hatte ich dann einen höllisch anstrengenden Tag. Wenn ich mehr Energie hätte, würde ich mich in die nächste Stufe der Europäischen Krise stürzen; die Schattenhand der Instabilität hat nun Portugal vollständig erreicht, und die Regierung versucht jetzt natürlich, mit mehr Sparmaßnahmen die Probleme zu lösen.
Aber das wird bis Morgen warten müssen.
(Übersetzung von Angelo / Malene)
Sonntag, 7. April 2013
Schuld sind immer die Anderen
In einer mit Spannung erwarteten Erklärung hat sich heute am späten Nachmittag Premierminister Pedro Passos Coelho in einer Fernsehansprache an die Nation gewandt.
Nachdem das portugiesische Verfassungsgericht (port.: Tribunal Constitucional) am letzten Freitag, dem 05. April 2013, den diesjährigen Staatshaushalt 2013 aus verfassungswidrigen Gründen teilweise für illegal erklärte, sah sich der Regierungschef heute genötigt neue Sparauflagen anzukündigen.
Da ihm die 13 obersten Richter des Landes untersagt haben teilweise neue Steuererhöhungen zu realisieren, wird er, um das nun entstandene Haushaltsloch von über 1 Milliarde Euro zu stopfen, noch mehr Einschnitte bei den Staatsausgaben durchführen.
Diese Einschnitte sollen vor allem die internationalen Geldgeber des IWF, der EZB und der EU beruhigen und zufrieden stellen.
Premierminister Passos Coelho teilte wörtlich mit, dass das Urteil der Verfassungsrichter „ernsthafte Konsequenzen für das Land“ haben werde.
Er werde nun die Ausgaben, vor allem in den Bereichen Bildung, Gesundheitswesen und die sozialen Leistungen kürzen müssen.
Mit anderen Worten:
Er macht die Verfassungsrichter, die obersten Hüter der Verfassung, praktisch für seine fast schon manische Sparsucht verantwortlich!
„Ernsthafte Konsequenzen für das Land“ hat Passos Coelho uns heute prophetisch vorhergesagt.
Wir sind in den letzten zwei Jahren hier am Rande Europas so krisengeschüttelt worden, das kaum noch ein Portugiese diese Worte als Drohung wahrnimmt.
Viel mehr erschreckt es uns da, das ein Politiker sich über die Entscheidung eines hohen Gerichts so abwertend äußert und er dabei vergisst das Richter alleine dem Gesetz und ihrem Gewissen unterworfen sind und nicht der Politik!
Ratlosigkeit
Nachdem das portugiesische Verfassungsgericht (port.: Tribunal Constitucional de Portugal) am letzten Freitagabend, dem 05. April 2013, einige der geplanten Sparmaßnahmen der Regierung gekippt hat, muss Premierminister Pedro Passos Coelho nun neue Wege finden um das entstandene Loch von über 1 Milliarde Euro im diesjährigen Haushalt zu stopfen, will er das Rettungspaket, das 2011 mit der Troika ausgehandelt wurde, nicht gefährden.
Die 13 Richter der höchsten Rechtsinstanz in Portugal legten ihr Veto gegen vier Sparbeschlüsse im Haushalt 2013 ein, da ihrer Meinung nach diese nicht mit dem in der Verfassung verankerten Gleichheitsgrundsatz vereinbar waren.
So urteilten sie, dass die Annullierung des Urlaubsgeldes bei Staatsbeamten und Angestellten im öffentlichen Dienst, sowie eine Kürzung der Renten um 6,4 % nicht mit der portugiesischen Verfassung vereinbar seien. Ebenso sei eine geplante Steuereinführung auf das jetzt schon sehr niedrige Arbeitslosengeld nicht Verfassungskonform.
Das ist ein herber Rückschlag für den Premierminister!
Passos Coelho wird zwar sicherlich Mittel, Wege und Steuern finden um das jetzt entstandene Haushaltsdefizit auszugleichen, aber politisch ist die Entscheidung des Verfassungsgerichtes für ihn ein wahres Fiasko, denn er verliert immer mehr an Autorität!
Diese Autorität ist aber sehr wichtig, wenn er die nun bevorstehenden neuen Sparmaßnahmen durch das Parlament bringen will.
Und was noch viel schlimmer ist:
Portugal riskiert immer mehr, das Vertrauen der Geldgebertroika, bestehend aus der EU, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalem Währungsfond, zu verspielen!
Schon der vorjährige Haushalt 2012 von Passos Coelho, mit seinen extremen Steuererhöhungen und Sparmaßnahmen, war von den Richtern teilweise für verfassungswidrig erklärt worden.
Da aber der Premierminister sehr resistent gegen Kritik ist, hat er versucht im diesjährigen Haushalt noch härtere Sparbeschlüsse durchzubringen.
Das ist nun gewaltig in die Hose gegangen!
Am gestrigen Samstag hat er sein Kabinett zu einer eilig Krisensitzung einberufen, um mit seinen Ministern die schwierige aktuelle Lage zu erörtern und mögliche Alternativmaßnahmen für den Haushalt zu diskutieren.
Doch die stundenlangen Beratungen scheinen nicht sehr gefruchtet zu haben, denn den meisten Ministern seiner Mitte-Rechts-Koalition stand pure Ratlosigkeit in den Gesichtern geschrieben, als sie die Krisensitzung verließen.
Nach dem Zusammentreffen mit seinen Ministern hatte der Premierminister ein halbstündiges Gespräch mit seinem Parteifreund, Staatspräsident Anibal Cavaco Silva.
Dieser sprach sich gegen eine Ablösung der Regierung und Auflösung des Parlaments, und somit auch gegen eventuelle Neuwahlen aus.
Heute, am späten Sonntagnachmittag, will sich Premierminister Passos Coelho in einer Fernsehansprache an das Volk wenden.
Mal sehen was er uns zu sagen hat…
Donnerstag, 4. April 2013
Ein Rücktritt, der zu spät kommt
Zahlreiche portugiesischen Schüler und Studenten, und sicherlich auch einige ihrer Lehrer und Professoren, haben heute die eine oder andere Flasche geköpft!
Der Grund für ihre allgemeine Feierlaune war die Nachricht, dass heute Miguel Relvas von seinem Amt als Minister für parlamentarische Angelegenheiten zurückgetreten ist.
Nur einen Tag nachdem die Regierung von seinem Parteifreund Premierminister Pedro Passos Coelho, dessen Stellvertreter Miguel Relvas ebenfalls war, einen Misstrauensantrag der im portugiesischen Parlament vertretenden Oppositionsparteien überstanden hat, legte Relvas, der eigentlich für sein Leben gern im Rampenlicht steht, ohne einen einzigen persönlichen Kommentar sein Amt nieder.
Auch aus seinem Ministerium wurde kein Grund für den Rücktritt genannt.
Und so ist bis jetzt nicht bekannt, welches der vielen Skandale, in die er verwickelt ist, ihn letztendlich zur Amtsniederlegung gezwungen hat.
Relvas, der als der unbeliebteste Minister im Kabinett Passos Coelho galt, hat eine wenig rühmliche politische und zweifelhafte akademische Laufbahn hinter sich.
Und genau diese zweifelhafte akademische Laufbahn scheint ihm jetzt endgültig das Genick gebrochen zu haben.
Genau wie einem gewissen Karl-Theodor von und zu Guttenberg im Jahre 2011 in Deutschland vorgeworfen wurde, seinen Doktortitel nicht ehrlich erworben zu haben, wirft man Miguel Relvas hierzulande vor, bei seinem Lizenziat, einer Vorstufe zum Doktor, ebenfalls betrogen zu haben.
Seine studentische Ausbildung ist mehr als fragwürdig!
So schrieb er sich 1984 an der privaten Freien Universität (port.: Universidade Livre de Lisboa) für ein Jurastudium ein, brach sein Studium aber nach gut einem Jahr ab, und fing an der gleichen Universität ein Geschichtsstudium an.
Nach kurzer Zeit brach er auch dieses Studium ab!
Neun Jahre später, 1995, meldete er sich an der Lissabonner Universität Lusiada (port.: Universidade Lusiada de Lisboa) an, wo er „Internationale Beziehungen“ studieren wollte.
Da er aber angeblich keinen einzigen Kurs besuchte und er der Universität angeblich hohe Studiengebühren schuldig blieb, wurde er nach einem Jahr von dieser hinausgeworfen.
2006 fing er an der privaten Universität Lusófona (port.: Universidade Lusófona de Humanidades e Tecnologias) in Lissabon, „Politikwissenschaften und Internationale Beziehungen“ zu studieren, und beendete sein Studium schon im Jahr darauf mit dem Lizenziat.
Normalerweise dauert das Studium eines Lizenziats zwei bis drei Jahre.
Da die Universität Miguel Relvas aber seine zahlreichen politischen Ämter anrechnete, konnte er sein Studium früher beenden.
Das Problem ist nur, das sich an der Universität Lusófona, so wird behauptet, kaum ein Studienkollege an einen gewissen Miguel Relvas erinnert und es heisst sogar, viele hätten ihn dort niemals angetroffen.
Und was noch viel schlimmer ist und sein ganzes Studium unglaubwürdig macht, ist die Tatsache, das die Lusófona ihm später Kurse angerechnet haben soll, die aber im Winter- und Sommersemester 2006 / 2007 an besagter Universität gar nicht angeboten wurden!
Wenn diese Vorwürfe stimmen sollten, ist es verständlich, das viele sich fragen,wie Miguel Relvas also zu seinem Universitätsabschluss kommt!
Eine Frage die jetzt von einer akademischen Untersuchungskommission durchleuchtet wird und die hoffentlich bald zu einem Ergebnis kommen wird.
Aber wie auch immer dieses Ergebnis ausfallen mag:
Die Mehrheit der portugiesischen Schüler und Studenten, die ehrlich und mühevoll ihr Studium absolvieren, hatte schon heute einen Grund zu feiern!
Premierminister Passos Coelho, der wegen des extremen Sparkurses seiner Regierung immer mehr unter Druck steht, hat sich noch nicht zum Rücktritt seines Freundes Relvas geäußert.
Aber er wird sich wohl sehr darüber im Klaren sein, das dieser Rücktritt nur die Spitze des Eisberges in seinem Kabinett ist!
Die nächsten Tage werden es zeigen!
Freitag, 29. März 2013
Frohe Ostern 2013
Die Natur erwacht dieses Jahr nur langsam und der Winter scheint sich weder hier in Portugal noch in Deutschland so endgültig von uns verabschieden zu wollen.
Daher wird ein gemütlicher Osterspaziergang bei wunderbarem Frühlingswetter dieses Jahr für die meisten von uns nur ein unerfüllter Traum bleiben.
Dennoch wünsche ich allen Lesern von „Planet Portugal“, ihren Familien und Freunden einen besinnlichen Karfreitag, ein rundum frohes und gesegnetes Osterfest 2013 und erholsame und gesunde Feiertage.
Frohe Ostern / Páscoa feliz!
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Mittwoch, 27. März 2013
European Best Destination Award 2013
Die portugiesische Hauptstadt Lissabon wurde am letzten Wochenende von der Internetseite „European Best Destination“ zum zweitliebsten Reiseziel Europas gekürt.
Drei Wochen lang hatten die Besucher der prestigeträchtigen Seite www.europeanbestdestinations.org die Möglichkeit, unter 20 ausgewählten Städten in Europa, ihren persönlichen Favoriten zu nominieren.
Noch ein Jahr zuvor hatte Lissabon, bei der gleichen Wahl, auf den 8. Platz gestanden!
Zum Sieger des diesjährigen „European Best Destination Award 2012“ ist die türkische Metropole Istanbul von den Besuchern der o.g. Internetseite gewählt worden.
Die Top 10 des diesjährigen „European Best Destination Award“ lautet:
1. Istanbul (Türkei)
2. Lissabon (Portugal)
3. Wien (Österreich)
4. Barcelona (Spanien)
5. Amsterdam (Niederlande)
6. Madrid (Spanien)
7. La Valletta (Malta)
8. Nizza (Frankreich)
9. Mailand (Italien)
10. Stockholm (Schweden)
Das vorwiegend gute Wetter, die vielen Aussichtspunkte (port.: miradouros) der Stadt, die Kombination zwischen alter und moderner Architektur, die vielen interessanten Museen und die Freundlichkeit seiner Einwohner, waren einige der Gründe warum sich viele für eine positive Bewertung Lissabons aussprachen.
Lissabon wird als Wochenendreiseziel in Europa immer beliebter!
Sonntag, 10. März 2013
Angeblich gar nicht so steil, wie so manch einer denkt
Als meine gute Freundin Sabine mich zum ersten Mal hier in Lissabon mit ihrem damaligen Freund und jetzigen Ehemann Marcel besuchte, sagte sie mir einmal, nachdem die beiden erschöpft die Altstadt zu Fuß erobert hatten, sie hätten sich Lissabon niemals so hügelig und so voller steiler Anstiege vorgestellt.
Sicherlich, auf einer einfachen Stadtkarte sieht Lissabon so herrlich flach aus, so ganz ohne Hügel und Steigungen.
Aber die Realität sieht in Lissabon anders aus!
In einer Stadt in der Fahrstühle, die so genannten „elevadores“, öffentliche Verkehrsmittel sind und wo man, um von A nach B zu gelangen, oftmals 50 – 100 Meter Höhenunterschied überwinden muss, bekommt man oftmals als nicht Ortsansässiger das Gefühl, Lissabon sei eine Stadt in der es unmöglich ist, ohne einen ständigen Muskelkater herumzulaufen.
Sind die Straßen Lissabons für Fußgänger und Fahrradfahrer wirklich so steil und schwer zu überwinden, wie so viele behaupten, oder sind die Straßen der Hauptstadt gar nicht so extrem und bei der „Unbezwingbarkeit“ der Lissabonner Straßen handelt es sich einfach nur um ein Mythos?
Nun, nach einer Studie, die der Lissabonner Oberbürgermeister António Costa jetzt in Auftrag gegeben hat, sind die Straßen der Hauptstadt gar nicht so steil!
Nur 25% der Straßen (port.: ruas), Alleen (port.: avenidas), Gassen (port.: beco) und Wege (port.: caminhos) Lissabons haben eine Steigung von 6 % und mehr, d.h. drei Viertel der Verkehrswege der Hauptstadt zeigen ein normales Gefälle – was „normales Gefälle“ auch immer heißen mag!
Laut der von der Stadt Lissabon in Auftrag gegebenen Studie sind nur die Straßen in den Stadtteilen Castelo, Alfama, Mouraria, Bica und Santa Catarina teilweise wirklich so extrem steil.
Alle anderen Stadtteile haben, größtenteils, normale Straßenverhältnisse.
Aber wenn 75% der Lissabonner Straßen, was ihre Neigung angeht, sich wirklich nicht von denen anderer Städte unterscheiden, weshalb haben dann so viele Touristen, die ja oftmals nur zu Fuß unterwegs sind, solch ein Negativbild von der Stadt?
Nun, das hat zweifellos damit zu tun, das ausgerechnet die Stadtteile, die so oft von Touristen besucht und durchlaufen werden, wie Castelo, Mouraria oder Alfama, eben gerade die sind, dessen historisches Straßengewirr so steil ist.
Wir Lissabonner, die wir die Stadt ja nicht anders kennen und in ihr schon seit langer Zeit leben, haben uns mit den steilen Anstiegen und den hügeligen Verhältnissen vor Ort schon lange arrangiert.
Womit wir weniger gut umgehen können, sind die Tücken der Moderne.
Die Straßen und Gassen der Lissabonner Altstadt sind sehr schlecht erhalten und wurden einstmals nur für Pferdefuhrwerke und Sänfteträger gebaut, nicht aber für Autos.
Und so verstopfen heute viele PKW´s die Innenstadt und machen uns Fußgängern das Leben schwer, weil sie Rücksichtslos auf allen verfügbaren und noch so engen Plätzen parken.
Vielleicht sollte die Stadt Lissabon ja eine neue Studie in Auftrag geben, nämlich die Studie:
„Wie können wir den ganzen Verkehr aus der historischen Altstadt verbannen und den Menschen, sowohl den Touristen als auch den Einheimischen, eine bessere Infrastruktur, und somit eine höhere Lebensqualität, anbieten?“
Das wäre vielleicht einmal eine nützliche Studie die Oberbürgermeister Costa in Auftrag geben könnte!
Freitag, 8. März 2013
Der deutsche Osterbazar 2013 in Lissabon
Am übernächsten Sonntag, dem 17. März 2013, veranstalten die deutschsprachige Katholische Kirchengemeinde (port.: Igreja católica de lingua alemã de Lisboa) und die Deutsche Evangelische Kirche in Lissabon (port.: Igreja evangélica alemã de Lisboa) wieder einmal den alljährlich stattfindenden, und bei allen sehr beliebten, ökumenischen Osterbazar.
Wie die Jahre zuvor, so wird er auch dieses mal in der Schule der Salesianer ( port.: Colégio dos Salesianos), im Lissabonner Stadtteil Campo de Ourique, stattfinden.
Ab 12.00 Uhr werden verschiedene Aussteller ihr breit gefächertes Angebot an liebe- und kunstvoll handgefertigten Osterschmuck, Geschenkartikel und handgemachten Schmuck präsentieren.
Für das leibliche Wohl ist an diesem Sonntag wieder einmal gesorgt, so dass man Spezialitäten aus der deutschen Küche zum Mittagessen wird genießen können.
Auch die nachmittägliche Kaffeetafel wird reichlich gedeckt sein.
Hier können sich die Besucher des Osterbazars die selbstgebackenen Kuchen und Torten schmecken lassen und bei einer Tasse Kaffee oder Tee miteinander ins Gespräch kommen.
Ein Flohmarkt mit nostalgischem Krimskrams, ein Büchermarkt sowie eine Tombola mit vielen Supergewinnen komplettieren das reichhaltige Angebot dieses Osterbazares.
Der Bazar ist mit den Buslinien 701 und 773 und den Straßenbahnlinien 25E und 28E der öffentlichen Lissabonner Verkehrsbetriebe „Carris“ leicht zu erreichen.
Donnerstag, 7. März 2013
Von kreativen und inspirierenden Demonstranten
In einem Interview, den er gestern Abend am Rande einer Kirchenkonferenz über das Thema „Die Kirche in der portugiesischen Gesellschaft“ gab, hat der von mir sehr geschätzte Militärbischof (port.: Bispo das Forças Armadas), D. Januário Torgal Mendes Ferreira, wieder einmal seiner Meinung freien Lauf gegeben.
Der Seelsorger der portugiesischen Streitkräfte, der kein großer Freund der aktuellen Regierung ist, sagte, das seiner Meinung nach, die landesweiten Großdemonstrationen vom vergangenen Wochenende, bei denen über 1,5 Millionen Menschen auf die Straße gegangen sind (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Zum Teufel mit der Troika“, vom 02. März 2013), mehr als deutlich zeigen würden, das die Bevölkerung mit der jetzigen Regierung und den größten Steuererhöhungen in der Geschichte Portugals nicht einverstanden seien.
D. Januário, der schon mehrmals die Politik von Pedro Passos Coelho kritisiert hat, so verglich er vor einiger Zeit die Politik des Premierministers mit der des Diktators Salazar und bezeichnete die aktuelle Regierung gar als zutiefst korrupt und unglaubwürdig, warf dem Premierminister Unsensibilität vor und riet ihm sogar „zu gehen“.
Pedro Passos Coelho bleibt ungerührt und verlässt sich weiterhin darauf, dass die Mehrheit seiner Bürger fast grenzenlos leidensfähig und obrigkeitstreu ist.
Fragt sich nur, wie lange noch?!?
Einer meiner deutschen Freund meinte dieser Tage, er hätte es als sehr kreativ und inspirierend empfunden, als er im Fernsehen sah, wie tausende Demonstranten am vergangenen Samstag gemeinsam das Revolutionslied „Grândola, vila morena“ (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Grândola, vila morena“ vom 26. April 2010) sangen.
Ich glaube, „kreativ und inspirierend“ sind zwei Ausdrücke, die genau das wiedergeben, wie die Mehrheit der Portugiesen im Moment mit der politischen Klasse umgeht, wenn sie versucht, sich Gehör zu verschaffen.
Wie originell so mancher Protest im Augenblick sein kann, zeigt zweifellos eine neue Aktion, die sich jetzt tausende wütender Bürger haben einfallen lassen:
Sie lassen sich Rechnungen und Quittungen in Pedro Passos Coelhos Namen ausstellen und geben auch seine Steuernummer 177.142.430 an, so dass am Ende des Jahres die Ausgaben sein offizielles Einkommen übersteigen werden, und er dann, theoretisch, Besuch von der Steuerfahndung bekommen wird.
Natürlich ist dies nur eine geniale Protestform mehr, die am Ende doch im Sand verlaufen wird.
Aber wenigstens kämpft man mit solchen Aktionen gegen das immer größer werdende Gefühl der Machtlosigkeit hierzulande an!
Samstag, 2. März 2013
Zum Teufel mit der Troika
Über 1,5 Millionen Portugiesen, in mehr als 40 Städten landesweit, sind am heutigen Samstag auf die Straße gegangen, um gegen die harte Sparpolitik der hiesigen Regierung und die daraus resultierende Verarmung der Bevölkerung zu protestieren.
Die Proteste richteten sich in erster Linie gegen die Sparauflagen, die die Troika von Europäischer Union (EU), Europäischer Zentralbank (EZB) und Weltwährungsfonds (IWF) der liberalkonservativen Regierung von Premierminister Pedro Passos Coelho in Lissabon auferlegt haben, als sie seinerseits dem Land 78 Milliarden Euro Finanzhilfe gewährten.
Portugals wirtschaftliche Situation ist momentan alles andere als rosig!
Wir stecken, trotz der ganzen drastischen Sozialkürzungen und Steuererhöhungen die uns aufgehalst werden, in einer absoluten Rezession.
Die Wirtschaft wird in diesem Jahr vermutlich um 2 % schrumpfen und die Arbeitslosenquote liegt mit 17,6 % so hoch wie noch nie!
Premierminister Passos Coelho gibt sich trotz der Kundgebungen ungerührt und er hat durch seinen Sprecher schon mitteilen lassen, dass für ihn eine Abkehr seiner Sparpolitik nicht in Frage kommt und das er auch den Rücktrittsforderungen der Demonstranten nicht nachgeben wird.
Die Demonstrationen, die von der überparteiischen Bürgerbewegung „Que se lixe a troika“ (dt.: „Zum Teufel mit der Troika“) organisiert wurden, verliefen überall ausnahmslos friedlich.
Nur in Porto musste die Polizei eingreifen und drei Demonstranten festnehmen, als diese eine Bankfiliale mit Graffiti beschmierten.
Derweil steigt die Wut unter der portugiesischen Bevölkerung immer mehr.
Die heutige Demonstration, die zu einer der größten Protestkundgebungen der vergangenen Jahrzehnte zählt, verlief mal wieder friedlich.
Aber ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Unmut über Steuererhöhungen, die extremen Kürzungen im Sozialwesen und das daraus resultierende wachsende Unwohlsein, auch hierzulande die Menschen wohl zu unüberlegten Handlungen bringen wird!
Ich hoffe, dass ich mich da irre!
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Freitag, 1. März 2013
Winterimpressionen
Festlandsportugal hat, entsprechend seiner Lage am Westrand der Iberischen Halbinsel (port.: Peninsula Ibérica), generell ein mediterranes, ozeanisch geprägtes, Klima.
So sind die Sommer zumeist heiß und trocken und die Winter feucht und mäßig kalt. Schneien tut es hier in Portugal eigentlich nur selten.
Aber ab und zu, so wie in den letzten Tagen, werden Teile Kontinentalportugals von sehr außergewöhnlich niedrigen Temperaturen heimgesucht, so das die winterlichen Niederschläge dann als Schnee herunterkommen.
Seit Wochen schneit es regelmäßig in der Serra da Estrela, dem höchsten Gebirge Portugals, und in Trás-os-Montes, im Norden Portugals, kommt in den letzten Tagen auch so einiges an Schnee herunter.
Ende dieser Woche hat es sogar in einigen Teilen des Alentejo heftig geschneit.
Laut dem portugiesischen Wetteramt (port.: Instituto Português do Mar e da Atmosfera) soll es auch in den nächsten Tagen in manchen Teilen des Landes weiterschneien.
Anbei nun einige außergewöhnliche, aktuelle Winterimpressionen aus dem Netz, die Portugal so zeigen, wie es die meisten Nichtportugiesen sicherlich nicht kennen.
Mittwoch, 27. Februar 2013
Trotz aller Umfragen: Ich fühle mich als Europäer!
Laut einer dieser Woche veröffentlichte Umfrage der Europäischen Union, die als Grundsatzfrage den positiven oder negativen Wert Europas für das persönliche Leben jedes einzelnen Bürgers der EU hatte, fühlen sich nur 59 % der Portugiesen als wahre Europäer.
Keine Ahnung ob sich die anderen 41 % meiner Landsleute eher als Asiaten, Afrikaner oder Australier fühlen – Fakt ist aber, das sich noch nie so wenige Portugiesen mit der EU identifizieren konnten.
Ich selber, der ich so viele Jahre im Ausland gelebt habe, fühle mich durch und durch als Europäer.
Für die, die genauso fühlen und denken wie ich, sind der freie Personen- und Warenaustausch zwischen den einzelnen Ländern der EU (27 %), der Frieden in Europa (12 %) und der, trotz aller aktuellen Schwierigkeiten, vorhandene soziale Frieden (10 %) die wichtigsten Argumente um an das politische Europa zu glauben.
Wir Portugiesen sind von Natur keine geborenen Europäer – weiß Gott nicht!
Zwar segeln wir seit Jahrhunderten in der Weltgeschichte herum und haben seit Generationen mit Menschen aller Hautfarben und Kulturen auf allen Kontinenten zu tun, aber erst seit wenigen Jahrzehnten lernen wir auch mit unseren direkten europäischen Nachbarn umzugehen.
So ist, statistisch gesehen, zurzeit nur jeder fünfte Portugiese (20 %) jemals im europäischen Ausland gewesen, und nur 28 % haben in ihrem Bekannten-, Kollegen- bzw. Freundeskreis eine Person aus einem EU-Land.
Nur 13 % haben jemals eine nichtportugiesische Zeitung oder Zeitschrift gelesen oder ein ausländisches Fernsehprogramm gesehen.
Aber das Ergebnis der Umfrage, die am meisten aufhorchen lässt ist, dass heute 14 % der Portugiesen mit Europa nichts mehr anfangen können, bzw. in der Institution der Europäischen Union für sich keinerlei Nutzen oder Zukunft mehr sehen.
Das sind Zahlen, die weit unter dem EU-Durchschnitt liegen!
Angesichts dieser Zahlen, die das Resultat einer schlechten Europapolitik und einem miserablen Management der Euro-Krise sind, müssen sich einige Politiker hier in Lissabon aber auch so mancher Europaabgeordneter in Brüssel, überlegen, ob sie die bisherige Europapolitik fortführen wollen und können.
Brüssel hat seinen Bürgern offene Grenzen, eine gemeinsame Währung und Handels- und Reisefreiheiten geschenkt, ihnen auch das allgemeine Gefühl von Wohlsstand vermittelt, aber es kläglich verpasst, seine Bürger für schwere Zeiten zu solidarisieren und zu motivieren!
Die bittere Lektion, die leider aus dieser Politik zu ziehen ist:
Brüssel hat seine Bürger zu richtigen Europagegnern gemacht!
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Samstag, 16. Februar 2013
World Press Photo 2013
Am gestrigen Freitag, den 15. Februar 2013, hat die unabhängige Jury der World Press Photo Organisation, deren Anliegen es seit 1955 ist, die Arbeit professioneller Fotojournalisten und Bildredakteure zu unterstützen, in Amsterdam die World Press Photos 2013 ausgezeichnet.
Der erste Preis, in der Kategorie „Daily Life“ (port.: „Vida Quotidiana“ / dt.: „Alltag“), ging dieses Jahr an den 25 Jahre alten portugiesischen Fotografen Daniel Rodrigues.
Das Foto, das Daniel Rodrigues den Sieg brachte, wurde von ihm im März 2012 in der ehemaligen portugiesischen Kolonie Guinea-Bissau (port.: Guiné-Bissau) geschossen und zeigt eine Gruppe fußballspielender Kinder auf einem Sandplatz inmitten des Dorfes Dolumbi.
Rodrigues hatte im Frühjahr 2012 in Guinea-Bissau an einer humanitären Mission teilgenommen.
Er, der er ein ausgesprochener Freund Afrikas ist, hielt sich damals für gut einen Monat fotographisch in der ehemaligen portugiesischen Kolonie auf und bereiste auch nebenbei Mali.
In Mali saß er, eher unfreiwillig, dann auch für zwei Wochen fest, da malische Truppen den Flughafen der Hauptstadt Bamako nach einem Staatsstreich besetzten und er damals nicht ausfliegen konnte.
Da niemand Interesse an seiner Arbeit zeigt, wurde keines seiner Fotos, die er bei dieser Reise durch Westafrika machte, damals von einer Zeitung oder Zeitschrift gedruckt.
Auch sonst scheint der junge Fotograf beruflich wenige Aufmerksamkeiten auf sich gezogen zu haben.
So kam es, das Daniel Rodrigues Anfang September arbeitslos wurde und er bis heute keine Anstellung gefunden hat.
Er wird jetzt Anfang März wieder nach Guinea-Bissau reisen.
Erneut will er wieder an einer neuen humanitären Mission im Dorf Dolumbi teilnehmen. Diesmal wird er sich aber nur der Mission widmen und nicht fotografieren.
Nicht das er nicht gerne fotografieren würde – im Gegenteil!
Leider ist ihm dies aber im Augenblick nicht möglich.
Denn, um die laufenden Rechnungen und Ausgaben der letzten Monate zu begleichen, hat er seine Kamera und seine gesamte Fotoausrüstung verkaufen müssen!
Und so kommt es, dass der diesjährige Gewinner des World Press Photos, noch nicht einmal eine Kamera hat um seiner Leidenschaft und seinem Beruf, dem fotografieren, nachzugehen.
Er selbst hofft ja, dass sich jetzt mit dem Gewinn des World Press Photo-Wettbewerbes, sich beruflich etwas für ihn ändert.
Zu wünschen wäre es ihm!
Donnerstag, 14. Februar 2013
Kosmische Grüße von der ISS
Der kanadische Astronaut Chris Austin Hadfield, der schon mit den Raumfähren „Atlantis“ und „Endeavour“ um die Erde geflogen ist, befindet sich derzeit wieder im All.
Zusammen mit seinem us-amerikanischen Kollegen Thomas Marshburn und dem Russen Roman Romanenko bilden die drei die aktuelle Crew der ISS (engl.: International Space Station / dt.: Internationale Raumstation / port.: Estação Espacial Internacional), die 350 km über unser aller Köpfe schwebt.
Hadfield hat ein ausgefallenes Hobby.
Er hat die Angewohnheit die Welt von oben zu fotografieren und dann diese Fotos bei Twitter oder facebook mit seinen Freunden zu teilen.
Am gestrigen Mittwoch, den 13. Februar 2013, ist er wieder einmal seinem Hobby nachgegangen, und hat einige Bilder ins soziale Netz gesetzt.
Unter anderem veröffentlichte er dabei auf Twitter ein Bild, der portugiesischen Hauptstadt bei Nacht.
Das Foto zeigt das hell erleuchtete Lissabon, seine Vororte Estoril, Cascais, Sintra und ein Teil der südlich von der Hauptstadt gelegenen Setubal-Halbinsel (port.: Peninsula de Setúbal), sowie rechts den nicht beleuchteten Tejo und links davon den ebenfalls nicht beleuchteten, dunklen Atlantik.
Deutlich sind auf dem Foto die zwei Tejobrücken, der Monsantopark (port.: Parque de Monsanto), die grüne Lunge der Stadt, und auf der südlichen Tejoseite die Städte Almada, Seixal, Montijo und Barreiro zu sehen.
Der Blick vom Weltall auf unsere Erde ist immer imposant und traumhaft schön!
Astronauten, die von ihrem Weltraumausflug zurückkehren schwärmen noch Jahrzehnte nach ihrem Aufenthalt im All davon.
Umso schöner ist es da, dass Chris Austin Hadfield uns Normalsterbliche an diese einzigartigen Ausblicke teilhaben lässt.
Wer Hadfield auf Twitter verfolgen will: Chris Hadfield @Cmdr_Hadfield
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Freitag, 8. Februar 2013
Schleudersitz Premierminister in der Ersten Republik
Vom Ende der Monarchie, am 05. Oktober 1910, bis zum Staatsstreich, am 28. Mai 1926, gab es in 16 Jahren insgesamt 44 republikanische Regierungen (port.: governos repúblicanos), die von 35 verschiedenen Ministerpräsidenten (port.: Presidentes do Ministério) und Juntas geführt wurden.
Als die Republik in Portugal ausgerufen wurde, versprachen die Republikaner dem Volk, unter anderem, Frieden, Fortschritt, Ordnung und Stabilität, aber sie brachten der Nation nur Chaos.
Zwar wurden ein paar wenige Reformen durchgeführt, doch die damals so dringend für das Land erforderliche Agrarreform blieb aus.
Der Parteieinstreit der unter sich gespaltenen Republikaner, revolutionäre Unruhen, Streiks, politische Korruption und die anhaltende Finanzkrise verhinderten damals eine stabile Regierungsbildung.
Die Namen der Männer, die damals auf dem Schleudersitz eines Ministerpräsidenten saßen, und die viele heute, selbst hier in Portugal, noch kaum einer kennt, sind:
Joaquim Teófilo Fernandes Braga (1843 – 1924)
Amtszeit: 05. Oktober 1910 – 03. September 1911
Amtsdauer: 333 Tage
João Pinheiro Chagas (1863 – 1925)
Amtszeit: 03. September – 12. November 1911
Amtsdauer: 70 Tage
Augusto César de Almeida de Vasconcelos Correia (1867 – 1951)
Amtszeit: 12. November 1911 – 16. Juni 1912
Amtsdauer: 217 Tage
Duarte Leite Pereira da Silva (1864 – 1950)
Amtszeit: 16. Juni 1912 bis zum 23. September 1912
Amtsdauer: 99 Tage
Augusto César de Almeida de Vasconcelos Correia (1867- 1951)
Amtszeit: 23. September – 30. September 1912
Amtsdauer: 7 Tage
Duarte Leite Pereira da Silva (1864 – 1950)
Amtszeit: 30. September 1912 – 09. Januar 1913
Amtsdauer: 101 Tage
Afonso Augusto da Costa (1871 – 1937)
Amtszeit: 09. Januar 1913 – 09. Februar 1914
Amtsdauer: 1 Jahr und 31 Tage
Bernardino Luis Machado Guimarães (1851 – 1944)
Amtszeit: 9. Februar – 12. Dezember 1914
Amtsdauer: 306 Tage
Vítor Hugo de Azevedo Coutinho (1871 – 1955)
Amtszeit: 12. Dezember 1914 – 25. Januar 1915
Amtsdauer: 44 Tage
Joaquim Pimenta de Castro (1846 – 1918)
Amtszeit: 25. Januar – 14. Mai 1915
Amtsdauer: 109 Tage
José Maria Mendes Ribeiro Norton de Matos (1867 – 1955)
António Maria da Silva (1872 – 1950)
José de Freitas Ribeiro (1968 – 1929)
Alfredo Ernesto de Sá Cardoso (1864 – 1950)
Álvaro Xavier de Castro (1878 – 1928)
Amtszeit: Regierten alle gemeinsam in einer Verfassungsjunta vom 14. – 15. Mai 1915
Amtsdauer: 1 Tag
João Pinheiro Chagas (1863 – 1925)
Amtszeit: 15. – 17. Mai 1915
Amtsdauer: 2 Tage
José Ribeiro de Castro (1868 – 1929)
Amtszeit: 17. Mai – 04. September 1915
Amtsdauer: 110 Tage
Afonso Augusto da Costa (1871 – 1937)
Amtszeit: 04. – 05. September 1915
Amtsdauer: 1 Tag
José Ribeiro de Castro (1868 – 1929)
Amtszeit: 05. September – 29. November 1915
Amtsdauer: 85 Tage
Afonso Augusto da Costa (1871 – 1937)
Amtszeit: 29. November 1915 – 15. März 1916
Amtsdauer: 107 Tage
António José de Almeida (1866 – 1929)
Amtszeit: 16. März 1916 – 25. April 1917
Amtsdauer: 1 Jahr und 39 Tage
Afonso Augusto da Costa (1871 – 1937)
Amtszeit: 25. April – 06. Oktober 1917
Amtsdauer: 103 Tage
José Maria Mendes Ribeiro Norton de Matos (1867 – 1955)
Amtszeit: 07. bis zum 25. Oktober 1917
Amtsdauer: 18 Tage
Afonso Augusto da Costa (1871 – 1937)
Amtszeit: 25. Oktober – 18. November 1917
Amtsdauer: 24 Tage
José Maria Mendes Ribeiro Norton de Matos (1867 – 1955)
Amtszeit: 18. November – 08. Dezember 1917
Amtsdauer: 21 Tage
António Maria de Azavedo Machado Santos (1875 – 1921)
José Feliciano da Costa Júnior (1884 - 1929)
Sidónio Bernardino Cardoso da Silva Pais (1872 – 1918)
Amtszeit: Regierten alle drei gemeinsam in einer revolutionären Junta vom 08. Dezember – 11. Dezember 1917
Amtsdauer: 3 Tage
Sidónio Bernardino Cardoso da Silva Pais (1872 – 1918)
Amtszeit: 11. Dezember 1917 – 14. Dezember 1918
Amtsdauer: 1 Jahr und 3 Tage
António Egas Moniz (1874 – 1955)
João do Canto e Castro (1862 – 1934)
João Tamagnini Barbosa (1883 – 1948)
Jorge Couceiro da Costa (1858 – 1937)
Álvaro César de Mendonça (1875 – 1959)
João Alberto Azavedo Neves (1877 – 1955)
Alexandre de Vasconcelos e Sá (1872 – 1929)
José Alfredo Mendes de Magalhães (1870 – 1957)
Henrique Forbes Bessa
José João Pinto da Cruz Azevedo (1888 - )
Eduardo Fernandes de Oliveira
Amtszeit: bildeten gemeinsam eine Militärjunta, vom 14. – 15. Dezember 1918
Amtsdauer: 1 Tag
João do Canto e Castro (1862 – 1934)
Amtszeit: 15. – 23. Dezember 1918
Amtsdauer: 8 Tage
João Tamagnini Barbosa (1883 – 1948)
Amtszeit: 23. Dezember 1918 – 27. Januar 1919
Amtsdauer: 35 Tage
José Carlos de Mascarenhas Relvas (1858 – 1929)
Amtszeit: 27. Januar 1919 – 30. März 1919
Amtsdauer: 62 Tage
Domingos Leite Pereira (1882 – 1956)
Amtszeit: 30. März – 29. Juni 1919
Amtsdauer: 91 Tage
Alfredo Ernesto de Sá Cardoso (1864 – 1950)
Amtszeit: 29. Juni 1919 – 15. Januar 1920
Amtsdauer: 200 Tage
Francisco José de Meneses Fernandes Costa (1857 – 1925)
Amtszeit: regierte am 15. Januar1920
Amtsdauer: nur knappe fünf Minuten
Alfredo Ernesto de Sá Cardoso (1864 – 1950)
Amtszeit: 15. – 21. Januar 1920
Amtsdauer: Regierte nach seiner Wiederernennung noch weitere 6 Tage
Domingos Leite Pereira (1882 – 1956)
Amtszeit: 21. Januar – 08. März 1920
Amtsdauer: 47 Tage
António Maria Baptista (1866 – 1920)
Amtszeit: 08. März – 06. Juni 1920
Amtsdauer: 90 Tage
José Ramos Preto (1871 – 1949)
Amtszeit: 06. – 26. Juni 1920
Amtsdauer: 20 Tage
António Maria da Silva (1872 – 1950)
Amtszeit: 26. Juni – 19. Juli 1920
Amtsdauer: 23 Tage
António Joaquim Granjo (1881 – 1921)
Amtszeit: 19. Juli – 20. November 1920
Amtsdauer: 124 Tage
Álvaro Xavier de Castro (1878 – 1928)
Amtszeit: 20. – 30. November 1920
Amtsdauer: 10 Tage
Liberato Damião Ribeiro Pinto (1880 – 1949)
Amtszeit: 30. November 1920 – 02. März 1921
Amtsdauer: 273 Tage
Bernardino Luis Machado Guimarães (1851 – 1944)
Amtszeit: 02. März – 23. Mai 1921
Amtsdauer: 82 Tage
Tomé José de Barros Queirós (1872 – 1925)
Amtszeit: 23. Mai – 30. August 1921
Amtsdauer: 99 Tage
António Joaquim Granjo (1881 – 1921)
Amtszeit: 30. August – 19. Oktober 1921
Amtsdauer: 50 Tage
António Manuel Maria Coelho (1857 – 1943)
Amtszeit: 19. Oktober – 05. November 1921
Amtsdauer: 17 Tage
Carlos Henrique da Silva Maia Pinto (1866 – 1932)
Amtszeit: 06. November – 16. Dezember 1921
Amtsdauer: 41 Tage
Francisco Pinto da Cunha Leal (1888 – 1970)
Amtszeit: 16. Dezember 1921 – 06. Februar 1922
Amtsdauer: 52 Tage
António Maria da Silva (1872 – 1950)
Amtszeit: 06. Februar 1922 – 15. November 1923
Amtsdauer: 1 Jahr und 282 Tage
António Ginestal Machado (1874 – 1940)
Amtszeit: 15. November – 18. Dezember 1923
Amtsdauer: 33 Tage
Álvaro Xavier de Castro (1878 – 1928)
Amtszeit: 18. Dezember 1923 – 06. Juli 1924
Amtsdauer: 201 Tage
Alfredo Rodrigues Gaspar (1865 – 1938)
Amtszeit: 06. Juli – 22. November 1924
Amtsdauer: 139 Tage
José Domingues dos Santos (1885 – 1958)
Amtszeit: 22. November 1924 – 15. Februar 1925
Amtsdauer: 85 Tage
Vitorino Máximo de Carvalho Guimarães (1876 – 1957)
Amtszeit: 15. Februar – 01. Juli 1925
Amtsdauer: 136 Tage
António Maria da Silva (1872 – 1950)
Amtszeit: 01. Juli – 01. August 1925
Amtsdauer: 31 Tage
Domingos Leite Pereira (1882 – 1956)
Amtszeit: 01. August – 17. Dezember 1925
Amtsdauer: 138 Tage
António Maria da Silva (1872 – 1950)
Amtszeit: 17. Dezember 1925 – 30. Mai 1926
Amtsdauer: 164 Tage
Am 28. Mai 1926 setzt General Manuel de Oliveira Gomes da Costa mit einem Militäraufstand dem Trauerspiel der Ersten Republik in Portugal ein Ende.
Er löst das Parlament auf und setzt die Verfassung außer Kraft.
Aber kaum ist Portugal von einem Trauerspiel befreit, schon beginnt für das Land ein neues.
Nach mehreren Militärputschen wird António de Oliveira Salazar 1933 Ministerpräsident eines ständisch-autoritären Staates, nach faschistischem Vorbild.
Der „Estado Novo“ (dt.: Neue Staat) wird geboren und sollte bis 1974 überleben!
Samstag, 2. Februar 2013
Die Fünf-Minuten-Regierung
Als am 05. Oktober 1910 ein paar radikale Mitglieder der Republikanischen Partei Portugals (port.: Partido Repúblicano Português) vom Balkon des Lissabonner Rathauses die Republik ausriefen, fand die Monarchie, gezwungener Maßen, in Portugal ihr vorzeitiges Ende.
Anstatt, wie es die Republikaner damals versprochen hatten, Portugal Frieden, Fortschritt, Ordnung und Stabilität zu bringen, brachte die Erste portugiesische Republik (port.: Primeira Republica Portuguêsa), die von 1910 bis zur Gründung der Diktatur des Estado Novo im Jahre 1926, 16 Jahre lang dauerte, dem Land eher eine Menge Chaos, Unstabilität und Extremismus.
Man kann nicht sagen, dass in den ersten Jahren nach der Monarchie, ein politisches Amt in Portugal etwas dauerhaftes oder langlebiges gewesen wäre.
Im Gegenteil, in 16 Jahren brachte es die Erste Republik immerhin auf acht Staatspräsidenten, 20 Staatsstreiche und sage und schreibe 44 Regierungen!
Den traurigen Rekord, was die Kurzlebigkeit einer Regierung angeht, hält hierbei der aus Foz de Arouce, bei Lousã, stammende Rechtsanwalt Francisco José de Meneses Fernandes Costa.
Er stand seiner Regierung als Präsident des Ministerrates (port.: Presidente do Concelho de Ministros), was dem heutigen Titel eines Premierministers gleichkommt, gerade mal fünf Minuten vor!
Fernandes Costa, der von Haus aus Rechtsanwalt war, hatte zuvor schon mehrere politische Ämter bekleidet.
Unter anderem war er von Juni 1912 bis zum Januar 1913 Minister der Marine, ein Amt das er im Jahre 1915 noch einmal für ganze zwei Tage, vom 15. bis zum 17. Mai, innehatte.
Vom März 1916 bis zum April 1917 war er, immerhin für 13 Monate, Bauminister!
Am 14. Januar 1920 berief der damalige Präsident der Republik, António José de Almeida, seinen Parteifreund Fernandes Costa zum neuen Premierminister.
Am nächsten Tag, dem 15. Januar, befand sich Fernandes Costa am Morgen in seinem Büro am Terreiro do Paço, in der Junta do Crédito Público (dt.: Öffentliche Kreditverwaltung), dessen Präsident er war.
Nachdem er von seiner Nominierung erfahren hatte, wartete er auf die Autoeskorte die ihn und einpaar seiner zukünftigen Minister zum Amtssitz des Staatspräsidenten, dem Palacio de Belém, zu ihrer Vereidigung bringen sollte.
Als sie die Autos besteigen wollten, gruppierte sich eine Menschenmenge vor dem Gebäude, die vom militanten Arm des Partido Democrático (port.: Demokratische Partei), die doch eher radikal als demokratisch waren, angestachelt wurden, und den zukünftigen Premierminister tätlich angriffen, bespuckten und mit Steinen bewarfen.
Als die herbeigerufene Sicherheitspolizei GNR (port.: Guarda Nacional Repúblicana = dt.: Republikanische Nationalgarde), die damals unter der Leitung extremer Militärs stand, keine Anstalten machte die zukünftigen Minister zu schützen und der Mob schließlich das Gebäude stürmte, beschloss Fernandes Costa durch den Hinterausgang zu fliehen.
Wie vereinbart fuhr Fernandes Costa nach Belém, zum Amtsitz des Staatspräsidenten.
Dort legte er sein Amtseid vor Präsident António José de Almeida ab.
Doch angesichts der Geschehnisse vom Tag, bat er diesen gleich danach um seinen Rücktritt.
Zwischen Amtseid und Amtsverzicht von Francisco José de Meneses Fernandes Costa sollen an diesem 15. Januar 1920 ganze fünf Minuten gelegen haben!
Fünf Minuten, die als die „Fünf-Minuten-Regierung“ (port.: „Governo dos Cinco Minutos“) in die portugiesischen Geschichtsbücher eingegangen ist.
Donnerstag, 31. Januar 2013
Die Vierzig Märtyrer von Brasilien
In meinem letzten Blogeintrag „Das Landgut Quinta de Vale do Rosal“, das ich vor wenigen Tagen hier veröffentlicht habe, habe ich im Text von den Vierzig Märtyrer von Brasilien erzählt.
Ich wurde nun gestern gefragt, wer denn diese 40 Märtyrer eigentlich waren, bzw. woher sie kamen.
Nun, leider ist heute, außer den Namen dieser 40 Männer und ihre Herkunft, noch kaum etwas über sie bekannt.
Das hängt damit zusammen, das als die Jesuiten im Jahre 1579 aus Portugal verbannt und viele ihrer Klöster und Kirchen systematisch geplündert und vandalisiert wurden, damals auch viele Archive mit wertvollen Schriften, Notizen und Daten unwiederbringlich zerstört wurden, und somit viele wichtige Aufzeichnungen verloren gingen – auch die über diese vierzig Männer.
Die, die heute als die „40 Märtyrer Brasiliens“ bekannt sind, gehörten einer Gruppe von ca. 70 jungen Männern an, die meisten von ihnen Theologiestudenten, die fast alle zwischen 20 und 30 Jahren alt waren und aus Portugal und Spanien stammten.
Im Januar 1570 trafen sie sich alle in der Quinta de Vale do Rosal, bei Almada, um dort von dem 43jährigen Jesuitenpater Inácio de Azavedo den letzten geistigen Schliff zu erhalten, bevor sie sich gemeinsam auf dem Weg nach Brasilien machten, um dort Indios zu missionieren.
Der Theologe Inácio de Azavedo hatte schon zwischen den Jahren 1565 und 1568 in Brasilien Indios bekehrt und war nun vom Jesuitenorden auserkoren worden, der Leiter der neuen Mission zu sein.
Fünf Monate, bis Ende Mai 1570, blieben die Kirchenmänner in der Quinta de Vale do Rosal, in Charneca da Caparica, wo sie alle körperliche und selige Kraft für ihre zukünftige Aufgabe in Brasilien tankten.
Am 05. Juni 1570 bestiegen sie in Lissabon das Handelsschiff „Santiago“, welches sie nach Brasilien bringen sollte. Insgesamt waren 86 Personen, 70 Jesuiten und 16 Seemänner, an Bord.
Am 12. Juni machten sie ihren ersten Zwischenhalt auf der Insel Madeira, wo sie bis zum Ende des Monates blieben.
Anfang Juli bestieg Pater Inácio de Azavedo mit 39 seiner Gefährten erneut die „Santiago“, um die Weiterfahrt nach Brasilien fortzuführen.
Am Morgen des 15. Juli 1570 wurden sie, wenige Seemeilen vor der Ortschaft Tazacorte, auf der Kanareninsel La Palma, von dem aus Frankreich stammenden hugenottischen Freibeuter Jacques de Soures und seinen Männern überfallen.
De Soures, der den wenig schmeichelhaften Beinamen „L’Ange Exterminateur“ (dt.: „der Würgeengel“) trug, war ein gefürchteter Pirat, der für seine Raubzüge, seine Plünderungen und seine rohe Gewalt berühmtberüchtigt war.
Jacques de Soures war außerdem ein radikaler Calvinist, der für seinen Hass gegenüber der Katholischen Kirche und ihren Kirchenmännern bekannt war.
Als er und seine Mannen die „Santiago“ enterten, war das Schicksal der Jesuiten damals so gut wie besiegelt.
Angesichts der gewaltsamen Behandlung durch die Piraten, soll sich Pater Inácio de Azavedo an seine Glaubensbrüder auf dem Schiff gewandt haben, und der Überlieferung nach, folgende Worte gesagt haben:
„Irmãos, preparemo-nos todos, porque hoje vamos povoar o Céu.
Ponhamo-nos todos em oração e façamos de conta que esta é a última hora que temos de vida“
(dt.: „Brüder, bereiten wir uns alle vor, noch heute den Himmel zu bevölkern.
Beten wir alle, so als ob dies die letzte Stunde unseres Lebens sei.“)
Jacques de Soures soll ihm daraufhin geantwortet haben:
„Pfaffe, du brauchst nicht so zu tun, als ob dies deine letzte Stunde auf Erden sei. Dein letztes Stündchen hat jetzt und hier wirklich geschlagen!“
Nach diesen Worten soll Soures dem Jesuitenpater gewaltsam auf den Kopf geschlagen, und ihn dann ins kalte Wasser des Atlantiks gestoßen haben, wo dieser schließlich ertrank.
Inácio de Azavedos Gefährten erging es keinesfalls besser – sie wurden alle grausam getötet, entweder erschlagen, erstochen oder ins Meer gestoßen, wo sie letztendlich auch ertranken.
Die Namen dieser Kirchenmänner, die heute unter dem Namen „Vierig Märtyrer Brasiliens“ bekannt sind, waren:
1. Pater Inácio de Azevedo, Pfarrer und Leiter der Mission (geb. 1527 in Porto, Portugal)
2. Pater Diogo de Andrade, Pfarrer (geb. in Pedrógão Grande / Beira Litoral, Portugal)
3. Bruder Aleixo Delgado, Theologiestudent (geb. in Elvas / Alentejo, Portugal)
4. Bruder Alonso de Baena, Kaplan (geb. in Villatobas, Toledo, Spanien)
5. Bruder Álvaro Mendes Borralho, Theologiestudent (geb. in Elvas / Alentejo, Portugal)
6. Bruder André Gonçalves, Theologiestudent (geb. in Viana do Alentejo, Portugal)
7. Bruder Amaro Vaz, Kaplan (geb. in Benviver bei Marco de Canavezes / Douro Litoral, Portugal)
8. Bruder António Correia, Theologiestudent (geb. in Porto, Portugal)
9. Bruder António Fernandes, Kaplan (geb. in Montemor-o-Novo / Alentejo, Portugal)
10. Bruder António Soares, Theologiestudent (geb. in Trancoso / Beira Alta, Portugal)
11. Bruder Bento de Castro, Theologiestudent (geb. In Chacim, bei Macedo de Cavaleiros / Trás-os-Montes, Portugal)
12. Bruder Brás Ribeiro, Kaplan (geb. in Braga / Minho, Portugal)
13. Bruder Diogo Pires Mimoso, Theologiestudent (geb. in Nisa / Alentejo, Portugal)
14. Bruder Domingos Fernandes, Theologiestudent (geb. in Borba / Alentejo, Portugal)
15. Bruder Esteban de Zuraire, Kaplan (geb. in Amescoa, Biskaya, Spanien)
16. Bruder Fernán Sanchez, Theologiestudent (geb. in Castela-a-Velha, Spanien)
17. Bruder Francisco Álvares, Kaplan (geb. in Covilhã / Beira Baixa, Portugal)
18. Bruder Francisco de Magalhães, Theologiestudent (geb. in Alcácer do Sal / Alentejo, Portugal)
19. Bruder Francisco Pérez Godói, Theologiestudent (geb. in Torrijos, Toledo, Spanien)
20. Bruder Gaspar Álvares, Theologiestudent (geb. in Porto, Portugal)
21. Bruder Gonçalo Henriques, Theologiestudent (geb. in Porto, Portugal)
22. Bruder Gregório Escribano, Kaplan (geb. Viguera, Logroño, Spanien)
23. Bruder João Adaucto, Novize (geb. in Entre Douro e Minho, Portugal)
24. Bruder João Fernandes, Theologiestudent (geb. in Braga / Minho, Portugal)
25. Bruder João Fernandes, Theologiestudent (geb. in Lissabon, Portugal)
26. Bruder Juan de Mayorga, Kaplan (geb. in Saint-Jean-Pied-de-Port, ehemals Navarra, heute Frankreich)
27. Bruder Juan de San Martín, Theologiestudent (geb. in Yuncos, Toledo, Spanien)
28. Bruder Juan de Zafra, Kaplan (geb. in Jerez de Badajoz, Spanien)
29. Bruder Luís Correia, Theologiestudent (geb. in Évora / Alentejo, Portugal)
30. Bruder Luís Rodrigues, Theologiestudent (geb. in Évora / Alentejo, Portugal)
31. Bruder Manuel Álvares, Kaplan (geb. in Estremoz / Alentejo, Portugal)
32. Bruder Manuel Fernandes, Theologiestudent (geb. in Celorico da Beira / Beira Alta, Portugal)
33. Bruder Manuel Pacheco, Theologiestudent (geb. in Ceuta, ehemals Portugal, heute Spanien)
34. Bruder Manuel Rodrigues, Theologiestudent (geb. in Alcochete / Ribatejo, Portugal)
35. Bruder Marcos Caldeira, (geb. in Vila da Feira, Portugal)
36. Bruder Nicolau Diniz, Theologiestudent (geb. in Bragança / Trás-os-Montes, Portugal)
37. Bruder Pedro Fontoura, Kaplan (geb. in Chaves / Trás-os-Montes, Portugal)
38. Bruder Pero Nunes, Theologiestudent (geb. in Fronteira / Alentejo, Portugal)
39. Bruder Simão da Costa, Kaplan (geb. in Porto, Portugal)
40. Bruder Simão Lopes, Theologiestudent (geb. in Ourém / Beira Litoral, Portugal)
284 Jahre nach dem Tod dieser vierzig Gottesmänner, sprach Papst Pius IX Inácio de Azavedo und seine Gefährten am 11. Mai 1854 in Rom selig.
Die Katholische Kirche feiert die Märtyrer jedes Jahr am 15. Juli!
Sonntag, 27. Januar 2013
Das Landgut Quinta de Vale do Rosal
Unweit meines Wohnortes, im kleinen Ort Charneca da Caparica, gibt es ein altes, in den letzten Jahren leider etwas heruntergekommenes Landgut, das den Namen „Quinta de Vale do Rosal“ (dt.: Landgut des Tales des Rosenstockes) trägt, und das sehr idyllisch gelegen ist.
Einige, vor allem Brasilianer, kennen das Landgut auch unter seinem zweiten Namen „Quinta dos Quarenta Mártires“ (dt.: Landgut der Vierzig Märtyrer).
Wie die Quinta zu diesem Namen kommt, werde ich etwas später hier im Text erklären.
Als ich gestern Mittag an dem Landgut vorbeifuhr, musste ich traurig feststellen, das der Orkan, der vor genau acht Tagen hier in Portugal heftig gewütet und mancherorts für viele Zerstörungen gesorgt hat, auch die Quinta de Vale do Rosal nicht verschont hat.
Eine riesige Zypresse, die majestätisch an der Toreinfahrt gestanden hatte, ragte nun, umgeknickt, über die Mauer des Landgutes, und ist nun wohl unwiderruflich verloren.
Sicherlich, man findet im Park der Quinta de Vale do Rosal viele schöne und seltene Bäume, aber diese über 300 Jahre alte prächtige Zypresse war wohl eines der schönsten ihrer Art hier in Portugal.
Die Quinta de Vale do Rosal geht auf das Jahr 1559 zurück, als Mitglieder der Gesellschaft Jesu (port.: Companhia de Jesus / lat.: Societas Jesu) hier ein Kloster mit Spital und Kolleg gründeten, den sie das Kloster Unserer Lieben Frau zur Rose (port.: Convento de Nossa Senhora da Rosa) nannten.
Hier pflegten sie Kranke und bildeten später auch ihre Novizen aus, bevor diese nach Indien, China, Japan und Lateinamerika gingen, um dort zu missionieren.
Mitte des 16. Jahrhunderts errichteten die Jesuiten auf dem Gebiet der Quinta, auf einer Anhöhe die im Volksmund bis heute Monte da Cruz genannt wird, ein Holzkreuz, wo sie oft zum beten zusammenkamen.
Im 19. Jahrhundert wurde dann das hölzerne Kruzifix durch ein Kreuz aus Stein ersetzt.
Dieses Kreuz ist auch heute noch ein wichtiger geistiger Treffpunkt, nicht nur für die Bevölkerung von Charneca da Caparica, sondern auch für viele andere Gläubige aus ganz Portugal und Übersee.
Im Januar 1570 ließ sich der Jesuitenpater Inácio de Azevedo mit 40 jungen Schülern des Ordens für fünf Monate auf der Quinta de Vale do Rosal nieder, und sicherlich haben auch sie dann auch vor besagten Holzkreuz gebetet.
Hier wollten sie körperliche, selige und geistige Kraft tanken, bevor sie sich alle auf dem Weg nach Brasilien machten, wo sie im Süden der damaligen portugiesischen Kolonie die Indios bekehren wollten.
Diese 40 Gottesmänner, die im Juli 1570 alle den Märtyrertod vor den kanarischen Inseln sterben sollten und somit niemals bis nach Brasilien kamen, sind in die Geschichtsbücher als die „Die Vierzig Märtyrer Brasiliens“ (port.: „Os Quarenta Mártires do Brasil“) eingegangen.
Papst Pius IX sprach sie alle, 284 Jahre später, am 11. Mai 1854, in Rom selig.
Als im September 1759 auf Anweisung des Marques de Pombal, seines Amtes Premierminister von König José I, die Jesuiten aus Portugal und seinen Kolonien vertrieben und die ganzen Güter und Besitztümer des Ordens beschlagnahmt wurden, fiel auch, genau 200 Jahre nach ihrer Gründung, die Quinta de Vale do Rosal in den Besitz des portugiesischen Staates.
Erst nach über 120 Jahren, nachdem es den Jesuiten wieder erlaubt war sich in Portugal niederzulassen, wurde die Quinta de Vale do Rosal 1880 dem Jesuitenorden wiedergegeben.
Sie sollte aber nie wieder die geistige und Bedeutung für den Orden erlangen, die sie einmal hatte.
Als am 04. Oktober 1910 in Almada die Republik in Portugal ausgerufen wurde, einen Tag bevor dies in Lissabon geschah, wurde das Landsgut von Revolutionären und Antiklerikalen überfallen, die Kapelle und das Gutshaus in Brand gesetzt und das ganze Anwesen geplündert und mutwillig zerstört.
Die Quinta de Vale do Rosal gelang wieder einmal in den Besitz des portugiesischen Staates.
Vier Jahre nach der Republikgründung stand die Quinta zum Verkauf.
Doch erst zwei Jahre später erwarb der Lissabonner Kaufmann João Carlos die Quinta de Vale do Rosal bei einer öffentlichen Versteigerung.
Am 16. Oktober 1916 unterschrieb er den Kaufvertrag und macht das Anwesen fortan zu seinem neuen Wohnsitz.
Bis zum heutigen Tag ist die Quinta de Vale do Rosal im Besitz der Familie Carlos geblieben.
Viele Portugiesen, auch viele Einwohner von Almada, wissen heute nicht mehr welchen wertvollen geschichtlichen Schatz sich im Umkreis ihrer Stadt befindet.
Aber die Quinta de Vale do Rosal ist nicht völlig vergessen, denn viele Brasilianer besuchen heute noch die Quinta regelmäßig um den 40 Märtyrern, Inácio de Azavedo und seine Begleiter, zu gedenken.
Es ist traurig, aber wahrscheinlich muss erst wohl die Katholische Kirche die 40 Märtyrer heilig sprechen, damit die kulturelle, geistige und geschichtliche Bedeutung dieses Landgutes hier, von den portugiesischen Behörden und der Stadt Almada, endlich richtig gewürdigt wird.
Einige, vor allem Brasilianer, kennen das Landgut auch unter seinem zweiten Namen „Quinta dos Quarenta Mártires“ (dt.: Landgut der Vierzig Märtyrer).
Wie die Quinta zu diesem Namen kommt, werde ich etwas später hier im Text erklären.
Als ich gestern Mittag an dem Landgut vorbeifuhr, musste ich traurig feststellen, das der Orkan, der vor genau acht Tagen hier in Portugal heftig gewütet und mancherorts für viele Zerstörungen gesorgt hat, auch die Quinta de Vale do Rosal nicht verschont hat.
Eine riesige Zypresse, die majestätisch an der Toreinfahrt gestanden hatte, ragte nun, umgeknickt, über die Mauer des Landgutes, und ist nun wohl unwiderruflich verloren.
Sicherlich, man findet im Park der Quinta de Vale do Rosal viele schöne und seltene Bäume, aber diese über 300 Jahre alte prächtige Zypresse war wohl eines der schönsten ihrer Art hier in Portugal.
Die Quinta de Vale do Rosal geht auf das Jahr 1559 zurück, als Mitglieder der Gesellschaft Jesu (port.: Companhia de Jesus / lat.: Societas Jesu) hier ein Kloster mit Spital und Kolleg gründeten, den sie das Kloster Unserer Lieben Frau zur Rose (port.: Convento de Nossa Senhora da Rosa) nannten.
Hier pflegten sie Kranke und bildeten später auch ihre Novizen aus, bevor diese nach Indien, China, Japan und Lateinamerika gingen, um dort zu missionieren.
Mitte des 16. Jahrhunderts errichteten die Jesuiten auf dem Gebiet der Quinta, auf einer Anhöhe die im Volksmund bis heute Monte da Cruz genannt wird, ein Holzkreuz, wo sie oft zum beten zusammenkamen.
Im 19. Jahrhundert wurde dann das hölzerne Kruzifix durch ein Kreuz aus Stein ersetzt.
Dieses Kreuz ist auch heute noch ein wichtiger geistiger Treffpunkt, nicht nur für die Bevölkerung von Charneca da Caparica, sondern auch für viele andere Gläubige aus ganz Portugal und Übersee.
Im Januar 1570 ließ sich der Jesuitenpater Inácio de Azevedo mit 40 jungen Schülern des Ordens für fünf Monate auf der Quinta de Vale do Rosal nieder, und sicherlich haben auch sie dann auch vor besagten Holzkreuz gebetet.
Hier wollten sie körperliche, selige und geistige Kraft tanken, bevor sie sich alle auf dem Weg nach Brasilien machten, wo sie im Süden der damaligen portugiesischen Kolonie die Indios bekehren wollten.
Diese 40 Gottesmänner, die im Juli 1570 alle den Märtyrertod vor den kanarischen Inseln sterben sollten und somit niemals bis nach Brasilien kamen, sind in die Geschichtsbücher als die „Die Vierzig Märtyrer Brasiliens“ (port.: „Os Quarenta Mártires do Brasil“) eingegangen.
Papst Pius IX sprach sie alle, 284 Jahre später, am 11. Mai 1854, in Rom selig.
Als im September 1759 auf Anweisung des Marques de Pombal, seines Amtes Premierminister von König José I, die Jesuiten aus Portugal und seinen Kolonien vertrieben und die ganzen Güter und Besitztümer des Ordens beschlagnahmt wurden, fiel auch, genau 200 Jahre nach ihrer Gründung, die Quinta de Vale do Rosal in den Besitz des portugiesischen Staates.
Erst nach über 120 Jahren, nachdem es den Jesuiten wieder erlaubt war sich in Portugal niederzulassen, wurde die Quinta de Vale do Rosal 1880 dem Jesuitenorden wiedergegeben.
Sie sollte aber nie wieder die geistige und Bedeutung für den Orden erlangen, die sie einmal hatte.
Als am 04. Oktober 1910 in Almada die Republik in Portugal ausgerufen wurde, einen Tag bevor dies in Lissabon geschah, wurde das Landsgut von Revolutionären und Antiklerikalen überfallen, die Kapelle und das Gutshaus in Brand gesetzt und das ganze Anwesen geplündert und mutwillig zerstört.
Die Quinta de Vale do Rosal gelang wieder einmal in den Besitz des portugiesischen Staates.
Vier Jahre nach der Republikgründung stand die Quinta zum Verkauf.
Doch erst zwei Jahre später erwarb der Lissabonner Kaufmann João Carlos die Quinta de Vale do Rosal bei einer öffentlichen Versteigerung.
Am 16. Oktober 1916 unterschrieb er den Kaufvertrag und macht das Anwesen fortan zu seinem neuen Wohnsitz.
Bis zum heutigen Tag ist die Quinta de Vale do Rosal im Besitz der Familie Carlos geblieben.
Viele Portugiesen, auch viele Einwohner von Almada, wissen heute nicht mehr welchen wertvollen geschichtlichen Schatz sich im Umkreis ihrer Stadt befindet.
Aber die Quinta de Vale do Rosal ist nicht völlig vergessen, denn viele Brasilianer besuchen heute noch die Quinta regelmäßig um den 40 Märtyrern, Inácio de Azavedo und seine Begleiter, zu gedenken.
Es ist traurig, aber wahrscheinlich muss erst wohl die Katholische Kirche die 40 Märtyrer heilig sprechen, damit die kulturelle, geistige und geschichtliche Bedeutung dieses Landgutes hier, von den portugiesischen Behörden und der Stadt Almada, endlich richtig gewürdigt wird.
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