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Freitag, 3. April 2015

Folar – ein altes Familienrezept



In meinem vorherigen Blogeintrag „Der Folar – das portugiesische Osterbrot“, vom 02. April 2015, schreibe ich über den traditionellen Folar, eine Backware die zu Ostern auf keinem Tisch hierzulande fehlen darf.

Nachdem mich nun einige Interessierte angeschrieben und mich nach einem Rezept des Folar gefragt haben, habe ich den heutigen Nachmittag dahingehend verwendet, um ein altes Familienrezept dieses typischen portugiesischen Osterbrotes ins Deutsche zu übersetzen (habe ja sonst nichts zu tun an Karfreitag ;-)

Dieses Backrezept, das ich hier niederschreibe, ist aus dem Backbuch meiner Tante Aida, einer Großtante meiner Mutter.
Er ist nur einer von vielen Folar-Rezepten die es hierzulande gibt, denn schließlich hat ja jede portugiesische Region, ja gar jede portugiesische Familie, ein anderes Rezept dieses süßen Brotes.
Hier nun also das Folar-Rezept meiner Großtante Aida:

Folar – portugiesisches Osterbrot

Zutaten:

1 kg Weizenmehl
70 g Bäckerhefe
250 g Zucker
200 g Schweineschmalz oder Margarine
250 g Rosinen
6 Eier
2 dl lauwarme Milch
2 dl lauwarmes Wasser
1 Messerspitze Salz
etwas geriebene Zitronen- oder Orangenschale
Zimt und Gewürzanis nach Geschmack
1 bis 4 hart gekochte Eier mit Schale, zur Dekoration

  1. Zu aller erst die Hefe in etwas lauwarmer Wasser auflösen und mit ein wenig Mehl zu einem Vorteig vermengen
  2. dann das restliche Mehl, den Zucker, die Milch, die ganzen Eier und den Hefevorteig in einer Schüssel zusammenrühren und zu einem Klumpen energisch kneten
  3. dem Teigklumpen nun das Schmalz, die Rosinen, das Salz, die geriebene Zitronen- oder Orangenschale, das Zimt und den Anis hinzufügen und weiter kneten, bis die Masse Brotteigqualität erreicht hat und sich von der Schüssel löst (wie normales Brotteig!)
  4. den Teigklumpen nun mit einem nassen Tuch zudecken und gut 3 Stunden ruhen lassen, damit er aufgeht
  5. nachdem der Teig aufgegangen ist, den Klumpen noch einmal durchkneten und als runde Form auf ein gefettetes oder mit Backpapier ausgelegtes Backblech geben
  6. dann eins bis vier hart gekochte Eier  (mit Schale!) als Dekoration auf den geformten Teig etwas vertieft auflegen
  7. wer will, kann mit etwas übrig gebliebenem Teig kleine Streifen formen und dieser über die Teigkugel und die gekochten Eier gitterförmig anordnen
  8. nun die Teigkugel wiederum abgedeckt an einem warmen Ort ca. 1 Stunde nochmals gehen lassen
  9. dann den Teigrohling vor dem backen mit einem Pinsel mit etwas Eigelb bestreichen
  10. in der Zwischenzeit heizt man den Backofen bei 200°C vor und schiebt dann den Teigrohling für gut 30 Minuten hinein, bis der Folar seine gold- bis hellbraune Farbe erreicht hat. Gegebenenfalls während des Backens mit Alufolie abdecken, damit der Folar nicht zu dunkel wird

Anmerkung: Da man hier in Portugal so etwas wie Eiermalfarben nicht kennt, färbt man sie hier auf natürliche Art und Weise, wie z.B. mit Zwiebelschalen oder Safran.
Ich habe noch nie bemalte Eier in den Backofen geschoben, und weiß daher nicht ob diese mit der Hitze nicht abfärben.

Wie ich schon hier erwähnt habe, gibt es hierzulande viele Rezepte dieses traditionellen Osterbrotes.
Aber die Variante mit Rosinen, die ich hier vorgestellt habe, esse ich am liebsten!

Allen Lesern von „PlanetPortugal“ und all meinen Freunden wünsche ich ein frohes und leckeres Osterfest!

Montag, 29. Dezember 2014

Traditionelle Sitten und Bräuche zum Jahreswechsel in Portugal


Weihnachten ist vorbei und in noch nicht einmal drei Tagen bricht ein neues Jahr für uns alle an.
Wie überall auf der Welt, so wird auch hier in Portugal der Jahreswechsel mit Böllern, reichlich Feuerwerk und feuchtfröhlichen Silvesterpartys gefeiert.
Zu Silvester (port.: noite de São Silvestre) und Neujahr (port.: Ano Novo) gibt es hier in Portugal auch die unterschiedlichsten Bräuchen und Sitten.
Während in Deutschland Kleeblätter, Schweine und das Bleigießen die Rolle als Glücksbringer fürs neue Jahr übernehmen, sind hierzulande vor allem Rosinen, neue Wäsche und ein Neujahrbad im Meer Symbole des Glücks und Geldsegens.

Manche portugiesischen Silvesterbräuche sind vielen Deutschen gänzlich unbekannt und kommen diesen sicherlich etwas skurril vor. Aber für die meisten Portugiesen ist z.B. ein grinsender Schornsteinfeger als Glücksbringer mindestens genauso bizarr, wenn nicht gar Angst einflössend.

Hier nun die traditionellsten Bräuche und Sitten mit denen hier in Portugal das alte Jahr verabschiedet und das neue Jahr begrüßt wird:

Zwölf Rosinen um Mitternacht
Die wohl am häufigsten angewandte Silvestertradition mit denen ein Portugiese ins neue Jahr wechselt, ist der Verzehr von zwölf Rosinen.
Hierbei wird um punkt Mitternacht, mit jedem Glockenschlag, jeweils eine Rosine zu sich genommen. Jede Rosine steht für einen Wunsch oder einen guten Vorsatz den man sich für die kommenden zwölf Monate vornimmt. Somit ist, so glaubt man hier, einem für das kommende Jahr das Glück hold.

Eine Münze in der Hand halten
Wer sich um Mitternacht nicht mit Rosinen rumschlagen will, zumal ja nicht jeder gerne vertrocknete Trauben isst, der beginnt das neue Jahr hierzulande mit einer Geldmünze in der Hand.
Das Jahr mit einer Münze in der Hand zu beginnen, verheißt Wohlstand im neuen Jahr, so heißt es.

Von einem Stuhl springen
Eine besonders lustige Art und Weise das neue Jahr zu beginnen ist es, sich auf einen Stuhl zu stellen, und dann von diesem um punkt Mitternacht runter zu springen. Damit springt man sozusagen voll Schwung und Elan ins neue Jahr.
Den Alkoholpegel sollte man aber einigermaßen unter Kontrolle halten, denn so manche Silvesternacht hat schon für den Einen oder Anderen mit einem spektakulären „Absturz“ begonnen…

Neue Wäsche
Sich an Silvester neue Wäsche zu gönnen ist eine alte portugiesische Tradition, die regional sehr unterschiedlich gehandhabt wird und die den reinen und unverschmutzten Start ins neue Jahr symbolisiert.
In manchen Gegenden Portugals beziehen die Menschen in der Silvesternacht ihr Bett mit neuer Bettwäsche in anderen Regionen besteht man darauf an diesem Tag neue Kleidung anzuziehen und wieder in anderen Gegend trägt man in der Neujahrsnacht neue Unterwäsche.
Ein No Go ist es in der Silvesternacht eng anliegende, durchlöcherte oder geflickte Kleidung zu tragen, sowie Wäschestücke an denen die Knöpfe fehlen – das alles bringt nämlich im neuen Jahr Unglück.
Die portugiesische Tradition an Silvester neue Kleidung anzuziehen hat es sogar über den Atlantik, nach Brasilien, gebracht. Hier ist es üblich das neue Jahr immer in strahlendweißer Kleidung zu beginnen

Das erste kalte Bad des Jahres
Hat sich der Portugiese seiner neuen Wäsche entledigt, dann gönnt sich so mancher oftmals im neuen Jahr ein Bad im Atlantik.
Diese Sitte, das neue Jahr mit einem mutigen frischen Bad im Meer zu beginnen, wird vor allem an den Stränden von Matosinhos, Vila Nova de Gais, Figueira da Fóz, Nazaré, Carcavelos und auch an der Algarve von hunderten kälteresistenten Portugiesen zelebriert

Singend von Haus zu Haus gehen
Ein besonders schöner ländlicher Neujahrsbrauch sind die „janeiras“, die in den mittelportugiesischen Regionen der Beira Alta und der Beira Baixa ihren Ursprung haben.
Bei den „janeiras“ gehen Gruppen junger Menschen singend durch die Straßen der Ortschaften, von Haus zu Haus, und wünschen mit ihrem Gesang allen Nachbarn ein gutes und gesundes neues Jahr.
Die „janeiras“ werden traditionell von Weihnachten bis zum Tag der Heiligen Drei Könige gesungen, haben ihren Höhepunkt in vielen Dörfern aber in der Neujahrsnacht

Geschirr zerdeppern und Töpfe und Pfannen aneinander schlagen
In den ländlichen Regionen Portugals ist es Brauch, in der Silvesternacht das neue Jahr mit altem Geschirr, welches man aus den Fenstern schmeißt und das das Feuerwerk ersetzt, polternd zu begrüßen. Eine andere ländliche Art und Weise das neue Jahr laut und lärmend zu begrüßen, ist mit Pfannen, Töpfen oder Topfdeckeln Krach zu machen. Zerdeppertes Geschirr, Pfannen und Töpfe sind die alte Version der heute üblichen Neujahrskracher um die bösen Geister zu vertreiben.

Den wohl lautesten und buntesten Jahreswechsel erlebt man hier in Portugal allerdings auf der Atlantikinsel Madeira.
In der dortigen Hauptstadt Funchal kann man dem wohl eindrucksvollsten und, laut Guinness-Buch der Rekorde, weltweit größten Silvesterfeuerwerk beiwohnen. Dieses Feuerwerk wird an über 50 verschiedenen Stellen der Stadt gezündet und ist dann über eine halbe Stunde lang in der Silvesternacht zu bewundern.

Dieses grandiose und bunte Feuerwerk ist zweifelsohne wohl das imposanteste was Portugal, mit all seinen Bräuchen und Sitten, zum Jahreswechsel zu bieten hat.