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Mittwoch, 31. August 2011

Lusitanien


Ich habe schon oft hier in meinem Blog die Wörter „Luso“ oder „Luso-Alemão“ und „Lusitanien“ benutzt.
Heute wurde ich von einer meiner deutschen Arbeitskolleginnen, die in meinem Blog gesurft hat, gefragt, was denn diese Wörter bedeuten würden.

Nun, um es vereinfacht darzustellen, würde ich sagen, dass die Bezeichnungen „Luso“ und „Lusitanien“ heutzutage von uns Portugiesen als Synonym für alles Portugiesische verwendet wird.
So ist ein „Luso“ ein Portugiese, ein „Luso-Alemão“ ist ein Deutsch-Portugiese und „Lusitânia“ (dt.: Lusitanien) ist ein ehemaliges geographisches Gebiet, das seinerzeit von den Römern erobert wurde und in dessen Grenzen heute teilweise in Portugal liegen.
Um ein verständliches Beispiel zu geben, würde ich sagen, das Lusitanien sich zu Portugal so verhält, wie Germanien zu Deutschland.

Lusitanien (port.: Lusitânia / lat.: Lusitania) wurde ursprünglich von dem Volk der Lusitaner bevölkert. Ursprünglich lebten die Lusitaner im heutigen Zentralportugal, zwischen dem Fluss Douro im Norden und dem Fluss Tejo im Süden.
Etwa um 700 v. Chr. dehnen die Lusitaner ihr Machtbereich bis an die heutige Algarve aus.
Um etwa 200 v. Chr. erobern die Römer die Iberische Halbinsel, und machen das westliche Gebiet der Halbinsel zu ihrer Provinz Hispania Ulterior, die in etwa das heutige Staatsgebiet Portugals und die heutigen spanischen Provinzen Extremadura und Salamanca umfasste.

Die Eroberung Lusitaniens war für die Römer alles andere als leicht. Sie mussten schwere Verluste über die Jahrzehnte hinnehmen.
Vor allem der lusitanische Anführer Viriato machte den Römern oftmals das Leben schwer. Erst als Viriato, der heute als Urvater aller Portugiesen gilt, von drei seiner eigenen Leuten verraten wurde, konnten die Römer im Jahre 139 v. Chr. Lusitanien endgültig erobern.

Die große römische Provinz Hispania Ulterior wurde nach der endgültigen Eroberung in zwei kleinere Provinzen unterteilt, im Südosten in die Provinz Hispania Baetica und im Nordwesten in die Provinz Lusitania.
Die Hauptstadt Lusitaniens wurde Emerita Augusta, das heutige Mérida in Spanien.
Andere wichtige Städte der römischen Provinz Lusitania waren Olissipo (port.: Lissabon), Ebora (port.: Évora), Myrtilis (port.: Mértola), Salacia (port.: Alcácer do Sal), Aeminium (port.: Coimbra), Balsa (port.: Tavira) und Pax Julia (port.: Beja).

Lusitanien war für die Römer eines ihrer wichtigsten Provinzen. Große Metallvorkommen, die leicht durch den Tagebau gewonnen werden konnten, waren das hauptsächliche Gut dieses Territoriums.
Vor allem Gold, Kupfer und Silber kamen in Lusitania, verhältnismäßig, in großen Mengen vor.

Um das Jahr 410 n. Chr. verlieren die Römer Lusitanien an die Sueben. Aber auch nach den Römern behält das Gebiet weiterhin den Namen Lusitania.
Nach den Sueben kamen die Mauren.
Erst mit der Vertreibung der Mauren, der Gründung der Grafschaft „Portucale“ und der christlichen Reconquista im 11. und 12. Jahrhundert, setzte sich der Name Portugal durch.

Aber auch wenn heute Lusitanien offiziell Portugal genannt wird, so gehen viele, heute noch von uns Portugiesen benutzte Bezeichnungen, auf das ursprüngliche „Luso“ zurück.

Hier ein paar Beispiele, wobei ich das portugiesische Wort „Lusitanien“ im Verhältnis zum deutschen Wort „Germanien“ als Beispiel verwende:

• lusitantismo – Lusitantismus = Portugalismus, vergleichbar mit „Germanismus“
• lusitânico – lusitanisch = portugiesisch, vergleichbar mit „germanisch“
• lusitanidade – lusitanisch = portugiesisch, vergleichbar mit „germanisch“
• lusitanizar – lusitanisieren = portugiesisieren, vergleichbar mit „germanisieren“
• lusitano – Lusitaner = Portugiese, vergleichbar mit „Germane“
• lusofonie – Lusophonie, vergleichbar mit „Germanistik“ (Sprache!)
• lusófilo – Lusofon = Portugiesenfreundlich, vergleichbar mit „Germanenfreundlich“
• lusofobo – Lusitanierfeindlich = Portugiesenfeindlich, vergleichbar mit „Germanenfeindlich“
• lusofóbia – Lusophobie = Portugiesenfeindlichkeit, vergleichbar mit „Germanenfeinlichkeit“
• luso – vergleichbar mit „Germane“ oder wenn die Sprache betreffend „germanisch“
• luso-africano – so nennt man eine Mischung zwischen einem Portugiesen und einem Afrikaner
• luso-árabe – so nennt man eine Mischung zwischen einem Portugiesen und einem Araber
• luso-alemão – so nennt man eine Mischung zwischen einem Portugiesen und einem Deutschen
• luso-brasiliero – so nennt man eine Mischung zwischen einem Portugiesen und einem Brasilianer

usw. usw.

Von Lusitanien und den Lusitaner ist, außer dem Wissen das es dieses Reich und dieses Volk einmal gab, heute nicht mehr viel vorhanden.
Ein paar Höhlen, die zu rauen Zeiten mal bewohnt waren, und ein paar eingravierte Steine, die man heute noch auf offenem Feld bestaunen kann, ist alles was von diesem sagenumwobenen Volk der Lusitaner und ihrem Reich Lusitanien übrig geblieben ist.

Montag, 6. Juli 2009

Römisches Erbe


In einem vorherigen post, mit dem Namen „Römische Vergangenheit unterm Gullideckel“, habe ich erwähnt dass die Römer für knappe 6 Jahrhunderte hier in Portugal, im damaligen Lusitanien, weilten.

In der Zeit ihrer Herrschaft führten sie Latein als Amtssprache ein, gründeten neue Städte und bauten alte Städte mit Brücken, Tempeln, Theatern, Badehäusern und Straßen aus, und schlossen diese dem damaligen römischen Wegenetz an, das sich über das ganze Römische Reich erstreckte.

Leider blieben nur wenige architektonische Juwelen aus dieser Zeit übrig, wie der weltberühmte Dianatempel in Évora, die Mosaiken von Conimbriga, der Torbogen und die Mauerreste in Beja, die unterirdischen Galerien in Lissabon und die römischen Bäder in Milreu.

Was sie allerdings ohne Zweifel hinterließen, waren die Gründungen vieler so genannter „villaes romanas“.
Villaes romanas waren römische Gutshöfe, die einen römischen Herren als Besitzer, und lusitanische Sklaven als Arbeiter hatten.
Mit den Jahren wurden aus den „villaes romanas“ Siedlungen, und die Sklaven erhielten Bürgerrechte. So entstanden von den Römern neu gegründete Städte, die heute portugiesische Großstädte sind.

Die berühmtesten „vilaes romanas“ sind Myrtilis, das heutige Mértola, Agua Flavie, die heutige Stadt Chaves und Ipses, das heutige Alvor.

Aber auch schon vor den Römern existierende Ortschaften und Städte erhielten nach der Eroberung durch sie, römische Namen
(folgend nun einige portugiesische Städte und ihre römischen Namen. Die römischen Namen stehen in Klammern)


Alcácer do Sal (Bevipo)
Alenquer (Arabriga)
Aveiro (Alavarium)
Beja (Pax Julia)
Braga (Bracara Augusta)
Castelo Branco (Castra Leuca)
Coimbra (Aeminium Conimbriga)
Évora (Liberalitas Julia)
Faro (Ossonoba)
Guarda (Lancia Oppidana)
Leiria (Collippo)
Lisboa (Felicitas Julia)
Porto (Portus Cale)
Setúbal (Caetobriga)
Tomar (Sellium)
Viseu (Verurium)

Die Flüße Minho (Fluvium Minius), Douro (Fluvius Durius), Mondego (Fluvius Monda) und Tejo (Fluvius Tagus) leiten ihre heutigen Namen von den römischen Bezeichnungen ab.

Nur bei dem höchsten Gebirge Portugals, die Serra da Estrela (Herminius Mons) hat sich der römische Name nicht durchgesetzt.

Samstag, 4. Juli 2009

Römische Vergangenheit unterm Gullideckel



Auch wenn heute leider nur noch ein paar wenige alte Steinbrücken, Tempel und Kastelle davon zeugen: die Römer waren einmal für Jahrhunderte hier in Portugal.

Natürlich waren sie auch in Lissabon. Als die römischen Legionäre im zweiten Jahrhundert vor Christus, das damalige Lusitanien besetzten, machten sie die Stadt Olissipo zur Hauptstadt ihrer westlichsten Provinz. Wahrscheinlich um Julius Cäsar zu schmeicheln, nannte der Stadthalter Roms die Stadt alsbald Felicitas Julia (Glückliches Julia). Und das muss Lissabon damals auch gewesen sein, um Christi Geburt: eine glückliche, wohlhabende und lebenswerte Stadt. Heute weiß man nämlich, aus alten Schriften, dass viele römische Beamte alles dafür taten, um nach Felicitas Julia versetzt zu werden; viel lieber als nach Gallien, Britannien oder Germanien, wo die Barbaren lebten. Die Römer fühlten sich im damaligen Lusitanien nicht nur wohl, sondern auch geborgen!

Die Lissabonner Altstadt Baixa ist von weitläufigen Galerien aus jener Römerzeit untertunnelt („Galerias romanas“), die bis heute das Fundament vieler Häuser der Baixa bilden. Die unterirdischen Gewölbe kann man heute nicht mehr genau bestimmen. Es können Wände von Lagerhäuser gewesen sein, Wasserkanäle oder Wasserzisternen. Keiner weiß es heute mehr. Entdeckt wurden diese Galerien nach dem großen Erdbeben von 1755, als der Marquês de Pombal die zerstörte Innenstadt im heutigen schachbrettartigen Muster neu aufbauen ließ. Die pragmatischen Konstrukteure der damaligen Zeit nutzten die offensichtlich noch bestens erhaltenen und robusten römischen Galerien einfach zur Stabilisierung der Neubauten. So kann man heute behaupten, das die halbe Baixa auf den Ruinen römischer Bauten steht.

Nur selten haben Touristen die Möglichkeit, diese Gewölbekeller zu besichtigen. Nämlich nur einmal im Jahr, meistens im August oder im September, öffnet sich dann mitten auf der belebten Rua da Conceição ein Loch, das direkt in die Lissabonner Unterwelt führt. Im Lissabon von heute findet man leider, wie im ganzen Land, nur noch vereinzelt Spuren der römischen Vergangenheit. Außer den erwähnten Galerien in der Baixa findet man in Lissabon nur noch das alte römische Theater, direkt neben der Kathedrale Sé.

Die Galerien, dank dem Bau der Baixa, stehen heute das ganze Jahr unter Wasser (so wie in der Stadt Venedig die meisten Gebäude ihre Fundamente ebenfalls unter Wasser haben).

Da das Auspumpen der Gewölbegänge mit großem Aufwand verbunden ist, öffnet das verantwortliche Stadtmuseum (Museu da Cidade) die Galerien nur einmal im Jahr. Der Besuch erfolgt in kleinen, geführten Gruppen. So selten der Blick in die Galerien möglich ist, so riesig ist dementsprechend der Andrang an dem einzigen Wochenende an dem sie dem Publikum zugänglich sind, zumal die Führungen kostenlos sind.

Wer die Galerien besichtigen will, muss eine Menge Geduld mitbringen und die vielen mitleidigen Blicke der Passanten, die nicht verstehen können, wie man anstehen kann, „nur“ um ein paar alte Kellergewölbe zu sehen, über sich ergehen lassen.

Ich selber habe einmal 3 Stunden angestanden, für eine etwa 20-minütige Führung. Aber das Warten hat sich ohne Zweifel gelohnt. Wenn man an der Einstiegsluke steht, einem einfachen Gullideckel, der zwischen zwei Straßenbahngleisen mitten auf der Rua da Conceição liegt, die steile Steintreppe hinabstolpert, so kommt man sich vor, als ob man in eine andere Welt hinabsteigt.

Man bekommt ein Teil Lissabons zu sehen, dass nur ganz wenige Auserwählte sehen dürfen. Denn eines darf man nicht vergessen: sobald man aus der Tiefe wieder hinaufsteigt, so werden diese Kellergewölbe für wieder mindestens ein Jahr unter Wasser verschwunden sein.

Montag, 29. Juni 2009

Maurisches Erbe


Die portugiesische Sprache ist sehr komplex.
Sie mag vielleicht Grammatisch nicht allzu schwer sein, so wie spanisch oder französisch, aber in ihrer Aussprache ist sie eine sehr diffizile Sprache.
Das heißt, man kann leicht die portugiesische Sprache erlernen, aber nur mit viel Mühe ihre richtige Aussprache beherrschen.
Mein Schwager Egbert kann leider davon ein Liedchen singen…

Portugiesisch ist eine eigene romanische Sprache, so wie italienisch, spanisch oder französisch. Portugiesisch sieht geschrieben sogar ähnlich aus wie spanisch, wird aber ganz anders ausgesprochen, ist viel melodischer und voller nasaler Laute.
Die Wurzeln der portugiesischen Sprache liegen im lusitanischen Vulgärlatein, der Sprache der Lusitanier, den ersten Menschen die das heutige Portugal besiedelten.
Deshalb spricht der Portugiese, wenn er heute von seiner Sprache redet, oft auch von der „lingua lusa", also der „lusitanischen Sprache".

Alle Völker die nach den Lusitaniern das heutige Portugal bevölkerten, hinterließen im portugiesischen Wortschatz einige ihrer Wörter (die einen mehr, die anderen weniger) und bereicherten somit die portugiesische Sprache immens.

Zuerst waren da die Römer, dann kamen die Westgoten, danach für knapp 500 Jahre die Araber und auch die Juden.
Die Franzosen, die Engländer und minimal auch die Deutschen (bitte lesen sie hierzu auch mein post „Portugiesisch-Deutsch / Deutsch-Portugiesisch"), hinterließen ebenso in der portugiesischen Sprache im laufe der Jahrhunderte ihre Zeichen.
Aber auch die Indianer Südamerikas, die Inder, Japaner, Chinesen und Afrikaner bereicherten den portugiesischen Wortschatz sehr, vor allem mit den Namen von Naturereignissen, Pflanzen und Tieren.

Aber keine Volksgruppe, außer den Lusitaniern natürlich, hat so viel zur portugiesischen Sprache beigetragen, wie die arabischen Mauren. Schätzungsweise 5% aller portugiesischen Wörter gehen heute auf die Mauren zurück.

Die Mauren herrschten für knapp 500 Jahre auf der Iberischen Halbinsel. Und unter ihrer Herrschaft blühte Lusitanien regelrecht auf.
Die arabische Architektur, die Kunst und Literatur suchten damals in der zivilisierten Welt ihres Gleichen.
So sind z.B. die Azulejos, die bunten Kacheln, die abertausende, einfache Häuser, Kirchen und Paläste auch heute noch schmücken, eine Gabe der arabischen Mauren.

Folgend nun einige Wörter, die arabischen Ursprungs sind, die ihren Weg in die portugiesische Sprache gefunden haben und die heute wie selbstverständlich als urportugiesisch gelten:

Portugiesische Wörter, mit arabischem Ursprung:
(zuerst das portugiesische Wort und dann in Klammern zuerst das arabische Wort und dann die deutsche Übersetzung)

· açorda (athurd / eine Brotsuppe)
· açúcar (assukar / wortwörtlich übersetzt: süßer Sandkorn)
· Albufeira (al-buhera / See; eine Stadt in der Algarve)
· Alcântara (al-quantara / Brücke: ein Lissabonner Stadtteil)
· alcatifa (alkatifa / Teppich)
· alcofa (alkuffa / Korb)
· alface al-khaç / Salatkopf)
· alfaiate (al-khayyât / Schneider)
· Alfama (al-khama / heißes Wasser; ein Lissabonner Stadtteil)
· algarismo (alkawarizmi / Zahl)
· Algarve (al-gharb / der Westen; Provinz im Süden Portugals)
· algema (aljami'a / Fesseln, Handschellen)
· algibeira (al-jabîra / Tasche, Hosentasche)
· algodão (alkutun / Watte)
· alguidar (alqidr / eine tiefe Keramikschüssel)
· Almada (Hisn al-Madin / Burg, Festung; eine Stadt in der Nähe von Lissabon)
· almofada (almukhadda / Kopfkissen)
· Alvalade (al-balat / ummauerter Platz; ein Lissabonner Stadtteil)
· armazém (al-Makhzan / Lager, Lagerhalle)
· azulejo (al-zuleij / bunter Stein)
· garrafa (karafâ / Flasche)
· Guadiana (al-uadi-ana / ein Grenzfluss in Südportugal)
· javali (jabali / Wildschwein)
· laranja (naranj / Orange)
· laranjeira (naranji / Orangenbaum)
· lezíria (al-jaza'ir / Inseln)
· limão (laimun / Zitrone)
· limoeiro (laimuni / Zitronenbaum)
· Lisboa (al-ushbuna / liebliche Bucht; Lissabon)
· nora (na'ûra / Schwiegertochter)
· oxalá (in-shallah / so Gott will)
· Palmela (balmallah – im Namen Gottes; Stadt in Mittelportugal)
· salamaleque (as-salam-alaik / Der Friede sei mit Dir)
· saloio (çahroi / Bauer)
· tambor (tanbur / Trommel, Tamburin)
· xadrez (xatranj / Schach, Schachspiel)
· xarope (sharab / Hustensaft, Sirup)
· xerife (xeriffa / Sheriff)
· xeque (xekkur / Schachmatt)

Dies hier sind nur ein Bruchteil der arabischen Wörter, die im portugiesischen Wortschatz ein zuhause gefunden haben.

Da ist es wirklich kein Wunder, das der Portugiese sich im Nahen Marokko, auf der anderen Seite der Straße von Gibraltar, ohne große Probleme auf dem Bazar kommunikativ zurechtfindet.

Dienstag, 16. Juni 2009

Zur Verewigung der Tugenden unserer Ahnen




Die Praça do Comercio, der ehemalige Terreiro do Paço, für mich persönlich eine der schönsten Plätze der Welt, endet, wenn man in die Rua Augusta abbiegt, in einen Triumphbogen.
Der Arco Monumental, wie ihn die Lissabonner nennen, ist die barocke Ausnahme und der marmorne Luxus der Baixa. Denn eigentlich ist die Unterstadt Baixa nicht luxuriös, sondern funktionell, gerade, direkt und ohne große Schnörkel.

„Zur Verewigung der Tugenden unserer Vorfahren“ steht auf der Attika des Bogens. Und vier „Tugendhafte“ aus Marmor schmücken die Seiten des Bogens.
Eine der Marmorstatuen stellt die Tugend der Kampfeslust des Viriato dar, jenen Robin Hood Portugals, der einst die Römer zur Weißglut brachte und ihnen eine Herrschaft im alten Lusitanien schier unmöglich machte. Erst nach seinem Tod, konnten die Römer endlich Lusitanien unterwerfen.
Der andere in Marmor behauene Tugendhafte ist Nuno Álvares Pereira, der große Feldherr, der die Spanier bei Aljubarrota vernichtend schlug, und so die Tugend des Unabhängigkeitswillens darstellt.
Der dritte im Bunde ist Vasco da Gama, der große Seefahrer und Seeheld, der für Portugal neue Welten entdeckte, und dessen Tugend der Wagemut ist.
Und der letzte in Marmor behauene, der die Bögen des Triumphbogens schmückt, ist der Marquês de Pombal, der die Baixa nach dem schweren Erdbeben von 1755 aus den Trümmern neu erwachsen lies, und deshalb die Tugend der Tatkraft symbolisiert.

Unbemerkt für die Touristen besitzt der Arco Monumental die Aura einer letzten Mahnung, die selbst nur wenige Portugiesen verstehen können.
Diese Mahnung lautet: Erinnert Euch, Portugiesen, erinnert Euch Eurer ruhmreichen Vergangenheit, seid stark, seid mutig, seid initiativ und seid inovativ.
Aber wie gesagt, selbst nur wenige Portugiesen verstehen diese Mahnung!