Posts mit dem Label Karneval werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Karneval werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 2. März 2014

Wie der Karneval nach Brasilien kam


Der große brasilianische Dichter und Schriftsteller Carlos Drummond de Andrade soll einmal gesagt haben, das „der Karneval das größte Geschenk Portugals an Brasilien sei“ (port.: „O carnaval é o maior presente de Portugal para o Brasil“).
Wenn Drummond de Andrade das als Brasilianer so sieht, dann will ich ihm nicht widersprechen.

Es ist schon wahr, dass die Portugiesen es waren, die den Karneval (port.: carnaval) in die ehemalige südamerikanische Kolonie gebracht haben.
Aber es waren zweifellos die Brasilianer selbst, die aus diesen eigentlich religiösen Tagen vor der Fastenzeit, das größte Volksfest der Welt machten.

Im Portugal des 16. und 17. Jahrhunderts waren die Wochen vor der großen Fastenzeit, die mit dem Aschermittwoch (port.: quarta-feira de cinzas) begann und dann bis zu Ostern (port.: páscoa) dauerte, eine ausgelassene, ausschweifende und manchmal sogar recht hemmungslose und anrüchige Zeit.
Die vierzigtägige Fastenzeit die aber dann nach Aschermittwoch folgte, war voller Verbote. Vor allem essenstechnisch war den Gläubigen damals von der katholischen Kirche so einiges untersagt.

So war es einem Katholik damals, unter anderem, nicht erlaubt in der Fastenzeit Fleisch (port.: carne) zu essen.
Von dem portugiesischen Wort „carne“ leitet sich das Wort „carnaval“ (dt.: Karneval) ab, was so viel wie „Verzicht auf Fleisch“ bedeutet.
Die Tage vor Aschermittwoch aber, also die Karnevalszeit, wurden selbst im ärmsten Haushalt ausgiebig gefeiert. Die, die es sich leisten konnten, luden Freunde ein und feierten den Karneval mit großen Festen und manche sogar mit Maskenbällen.

Es waren Portugiesen aus der Insel Madeira, die Ende des 17. Jahrhunderts diese Tradition des überschwänglichen Feierns vor der Fastenzeit nach Brasilien brachten.
In einem Bericht aus Rio de Janeiro, aus dem Jahre 1723, wird zum ersten Mal über den Karneval berichtet, oder „entrudo“, wie er in Brasilien auch genannt wurde und wird.
Damals wurden die Tage vor Aschermittwoch, wie im alten Portugal, ausgelassen gefeiert. So ausgelassen, dass sich neue Sitten entwickelten.
Eine dieser neuen Sitten war es z. B. damals Freunde oder völlig Unbekannte nass zu machen und dann mit Puder oder Kalk zu bewerfen.
Ein anderer Brauch war es Streiche zu spielen. Diese Streiche konnten manchmal sehr heftig und schmerzhaft sein. Da war es besser, man maskierte sich, um ja nicht wieder erkannt zu werden.
Heutzutage haben buntes Konfetti und Luftschlangen die Rolle des Puders und des Kalks übernommen und die meisten tragen heute eine Maske nur noch so aus Spaß – außer sie haben vor eine Bank zu überfallen…

Als die portugiesische Königsfamilie Anfang des 19. Jahrhunderts vor Napoleon Bonaparte aus Portugal fliehen musste, machte sie Rio de Janeiro zur Hauptstadt des portugiesischen Königreichs.
Irgendwann, kurz nach seiner Ankunft in Brasilien, gewann auch König João VI Gefallen an dem karnevalistischen Treiben der sich in den Straßen Rio de Janeiros vollzog.
Es dauerte nicht lange und João VI gab 1811 seinen ersten Karnevalsmaskenball. Die oberen Zehntausend machten es ihm nach, und feierten alsbald den Karneval jedes Jahr recht stimmungsvoll. Diese Feiern verliefen natürlich viel gesitteter ab, als etwa die auf den Straßen Rio de Janeiros, Salvadors oder Pernambucos.
Von Jahr zu Jahr etablierte sich der Karneval immer mehr in der brasilianischen Gesellschaft.

Um das Jahr 1900 begannen die Farbigen mit ihrer Musik und ihren Tänzen den Karneval zu bereichern.
Als am 11. April 1923 die erste Sambaschule Rio de Janeiros, die „Escola de Samba Portela“, gegründet wurde, spielte die Hautfarbe ihrer Mitglieder keine Rolle mehr.
Ohne Übertreibung kann man sagen, dass der Karneval dazu beigetragen hat, die brasilianische Gesellschaft zu einigen und zu festigen -  über alle sozialen Schichten, über alle Rassenprobleme und über alle politischen Meinungsverschiedenheiten hinweg!

Samstag, 18. Februar 2012

Karneval 2012


In meinem Blog-Eintrag „É carnaval, e ninguem leva a mal“, den ich am 04. Februar 2012 verfasst habe, schreibe ich darüber, das Premierminister Pedro Passos Coelho Anfang dieses Monats verkündet hat, das er und seine Regierung dieses Jahr den Karnevalsdienstag nicht, wie sonst üblich, als einen freien Arbeitstag tolerieren werden (port.: tolerância de ponto).

Diese Mitteilung des Premierministers ist in vielen Teilen Portugals, vor allem in den Karnevalshochburgen des Landes, mit Unverständnis und Ärgernis, mancherorts sogar mit Wut, aufgenommen worden.

Heute nun wollte meine liebe Freundin Christiane, eine waschechte Kölnerin die seit gut einem Jahr hier in Lissabon lebt, von mir wissen wo denn diese „Karnevalshochburgen“ liegen würden, denn, so meinte sie, nachdem was sie so in den letzten Tagen mitbekommen hätte, würde Lissabon sicherlich nicht zu ihnen gehören.

Nun, da hat Christiane leider recht!
Die Karnevalszeit ist nicht gerade die lustigste und farbenfroheste Zeit in Lissabon. Aber es gibt sie – die Karnevalshochburgen!

Auf besonderen Wunsch von Christiane und für all diejenigen, die die fünfte Jahreszeit nicht in Rio de Janeiro, Köln oder Venedig verbringen werden, hier nun ein paar Tipps wo sie die nächsten Tage hier in Portugal den Karneval feiern können:


• Estarreja – In Estarreja findet eines der fröhlichsten Karnevalsumzüge des Landes statt. Am morgigen Karnevalssonntag, dem 19. Februar, findet der traditionelle Umzug, mit mehreren hundert Teilnehmern, im Herzen der Stadt statt. Der Haushaltsplan der Stadt hat 140.000 Euro für den diesjährigen Karneval eingeplant

• Figueira da Foz – Diese in der Nähe von Coimbra gelegene Hafenstadt veranstaltet am heutigen Samstag, den 18. Februar, und am morgigen Sonntag, den 19. Februar, je einen Karnevalsumzug durch die zentral gelegene Avenida do Brasil. Insgesamt hat die Stadt Figueira da Foz 100.000 Euro in den diesjährigen Karneval investiert

• Funchal – Funchal auf Madeira ist weltberühmt für seine Feierlichkeiten zum Jahreswechsel. Aber auch der Karneval auf dieser Insel, mitten im Atlantik, ist sehenswert. Dieses Jahr steht der Karneval von Funchal unter dem Motto „Horoskope und Tierkreiszeichen“. Am heutigen Samstag und am kommenden Karnevalsdienstag wird ein Umzug die Straßen der Stadt beleben. Da die Krise auch auf Madeira angekommen ist, wird dieser Karneval mit ca. 280.000 Euro, genauere Zahlen sind aus Madeira nie erhältlich, wohl der sparsamste der letzten zehn Jahre auf der Insel sein

• Loulé – An der Algarve wird der Karneval im Allgemeinen enthusiastischer gefeiert als im restlichen Land, unter anderem auch in der Stadt Loulé. Da aber die Stadtoberen von Loulé beschlossen haben, ihrem Öffentlichen Dienst keinen freien Tag am Karnevalsdienstag (port.: tolerância de ponto) zu gewähren, wurde der traditionelle Umzug auf den heutigen Karnevalssamstag vorgeschoben. Die Investitionen für den diesjährigen Karnevalsumzug belaufen sich auf 250.000 Euro

• Mealhada – Nirgendwo ist der Karneval in Portugal brasilianischer als hier in dieser Stadt, in der Nähe von Leiria und Coimbra. Das zeigt sich vor allem daran, dass traditionell der Karnevalskönig immer ein Brasilianer ist. Mit Eintrittskarten von 5 Euro und der Gewährung einer „tolerância de ponto“ am kommenden Karnevalsdienstag, für alle Beamten und Schüler der Stadt, hoffen die Veranstalter die Kosten von ca. 120.000 Euro wieder einzufahren

• Ovar – In der Nähe der Stadt Aveiro, am Nordende des gleichnamigen Haffs, der Ria de Aveiro, liegt das Städtchen Ovar. Hier wird dieses Jahr zum 60sten Mal ein prächtiger Karnevalsumzug stattfinden. Insgesamt 24 Karnevalsgruppen, unter ihnen vier Sambaschulen, werden am kommenden Dienstag, dem 21. Februar, durch Ovar defilieren. Mit 450.000 Euro findet dieses Jahr hier der teuerste Karneval Portugals statt

• Sines – Insgesamt 90.000 Euro hat die im Baixo Alentejo gelegene Hafenstadt Sines für ihre diesjährigen Karnevalsumzüge eingeplant. An drei Tagen, nämlich am morgigen Karnevalssonntag, am Rosenmontag und am Karnevalsdienstag werden die Bürger der Stadt und ihre Gäste gemeinsam die fünfte Jahreszeit feiern können. Da der Bürgermeister von Sines seinem Öffentlichen Dienst, darunter auch den Schulen, für den kommenden Dienstag freigegeben hat (port.: tolerância de ponto) wird hier die Stimmung besonders ausgelassen sein

• Torres Vedras – In dieser nördlich von Lissabon gelegenen Stadt der Estremadura wird, meiner Meinung nach, der ausgelassenste und beste Karneval Portugals gefeiert. Mit den traditionellen „Cabeçudos“, das sind große dickköpfige Figuren aus Pappmaché, den „bombos“ (dt.: riesige Trommeln) und farbenfrohen Masken findet am kommenden Karnevalsdienstag, dem 21. Februar, ein Umzug durch die Hauptstraßen der Stadt statt. An die 400.000 Euro hat die Stadt Torres Vedras für den Karneval 2012 schon ausgegeben, aber es wird mit dem doppelten an Einnahmen gerechnet. Eine „tolerância de ponto“ wird hier nicht nur am Karnevalsdienstag, sondern auch am Rosenmontag gewährt.


Auch wenn in allen Karnevalshochburgen die Organisatoren der Umzüge und Feierlichkeiten, in Zeiten der Krise, überall den Rotstift ansetzen mussten und auch wenn in vielen Städten und Gemeinden der Karnevalsdienstag kein tolerierter freier Tag mehr ist, sondern ein ganz normaler Arbeitstag, so bin ich mir dennoch sicher, das in den von mir hier aufgezählten Karnevalshochburgen sicherlich der Bär tanzen wird!

Samstag, 4. Februar 2012

É carnaval, e ninguem leva a mal


Hier in Portugal gibt es einen Spruch, der da lautet:
„É carnaval, e ninguem leva a mal!“
Übersetzt heißt dieser Spruch sinngemäß in etwa:
„Es ist Karneval, und keiner nimmt einem einen Streich für übel“.

Das was der portugiesische Premierminister heute aber wieder einmal seinem Volk zu sagen hatte, haben ihm einige sehr wohl für übel genommen.

Premierminister Pedro Passos Coelho hat heute nämlich verkündet, dass er dem Öffentlichen Dienst am kommenden Faschingsdienstag (port.: terça-feira de carnaval), dem 21. Februar 2012, nicht, wie sonst üblich, frei geben wird.
Somit fällt für viele der kommende Karneval (port.: carnaval) ins Wasser.

Vielen hat diese Entscheidung des Premierministers überhaupt nicht gefallen und vor allem in den portugiesischen Karnevalshochburgen Torres Vedras, Ovar, Tavira und Loulé ist dieser Entschluss der Regierung mit viel Kritik aufgenommen worden.

Zwar ist der Karnevalsdienstag hier in Portugal kein gesetzlicher Feiertag, sondern nur ein Feiertag der mancherorts toleriert wird, aber nichtsdestotrotz ist der Karnevalsdienstag in einigen Regionen Portugals ein fest verankerter und kulturell wichtiger Tag.

Als Begründung für seine Entscheidung gab Pedro Passos Coelho an, das in einer Zeit in der daran gedacht wird vier nationale Feiertage abzuschaffen, er es nicht vertreten kann das der Faschingsdienstag, der kein gesetzlicher Feiertag ist, als ein solcher akzeptiert wird.
Dies müsse die Bevölkerung verstehen – so meinte er!

Den Menschen in den Karnevalshochburgen aber, die schon mehrere Millionen Euros in die anstehenden Umzüge investiert haben, und die die zu erwarteten Einnahmen schon fest in ihre jeweiligen Stadthaushalte eingeplant hatten, ist diese Entscheidung des Premierministers alles andere als verständlich und akzeptabel.

So argumentierte z.B. Sebastião Francisco Seruca Emídio, der Bürgermeister der Stadt Loulé in der Algarve, wie folgt:
„Den diesjährigen Karneval hier in Loulé abzusagen ist so, als wenn Angela Merkel morgen verkündigen würde, in Mainz, Köln und Düsseldorf würden die kommenden Rosenmontagszüge abgesagt werden“.

Ich persönlich kann die Menschen verstehen, für die der Karneval ein fester Bestandteil ihrer Traditionen und Kultur ist.
Was ich allerdings nicht verstehen kann und will, ist warum der Öffentliche Dienst hier in Portugal schon immer eine Extrawurst gebraten bekommen hat.

Der Entschluss von Premierminister Passos Coelho mag demnach einigen ungerecht und unflexibel erscheinen.
Vom nationalen Standpunkt aus gesehen ist diese Entscheidung aber nicht mehr als gerecht und konsequent!

Samstag, 13. Februar 2010

Karneval in Portugal


Ich bin schon oftmals gefragt worden, wie denn der Karneval (port.: carnaval / lat.: carne vale) hier in meiner Heimatstadt Lissabon sei.
Ob man ihn hier genauso bunt, fröhlich und ausgelassen feiern würde wie den Karneval in Brasilien, schließlich seien ja beide Länder kulturell sehr eng miteinander verbunden.
Mit einem Wort: Nein!

Um ehrlich zu sein, man kann wirklich nicht gerade behaupten Lissabon wäre eine Karnevalshochburg.
Im Gegenteil!
Hier in Lissabon kann der Karneval regelrecht an einem vorbeiziehen, ohne das man von Karnevalsdonnerstag bis Aschermittwoch auch nur einer roten Nase oder einem bunten Kostüm begegnet.

Genauso wie in Deutschland, so gibt es auch hier in Portugal Gegenden in denen der Karneval überhaupt nicht gefeiert wird, und es gibt dann wiederum regelrechte Karnevalshochburgen. Und Lissabon ist nun wirklich keine davon.

Karnevalshochburgen sind hier in Portugal die Städte Sesimbra, Ovar, Loures, Loulé, Torres Vedras, Sines und Funchal auf der Insel Madeira, von wo die ersten Auswanderer dieser Insel den Karneval nach Rio de Janeiro brachten.

Im Gegensatz zu Deutschland, wo traditionell die Fastnacht nach offizieller Zeitrechnung am Elften im Elften um elf Uhr elf, beginnt, startet hier in Portugal die „Fünfte Jahreszeit“ erst am Karnevalssonntag.

Erst an diesem Sonntag beginnen dann hier in manchen Gegenden Portugals die drei „fetten Tage“ (port.: „dias gordos“), die die Fastenzeit anstimmen.
Nach und nach nimmt ab diesem Tag der Karneval von Groß und Klein Besitz und steigert sich dann schließlich in den Rausch der drei tollen Tage.
In den portugiesischen Karnevalshochburgen bricht die Lebenslust auf offener Strasse regelrecht aus (port.: carnaval da rua).
Und mit „offener Strasse“ ist wirklich die Strasse gemeint.
Denn obwohl es um diese Jahreszeit noch empfindlich nass und kalt sein kann in Portugal, würde es hier keinem im Traum einfallen Karneval in einem Saal und mit einer Prunksitzung zu feiern.

Eines hat aber der Karneval hier in Portugal mit allen anderen Karnevals auf der Welt gemeinsam:
Auch hier ist am Aschermittwoch alles vorbei – ausgenommen für die Müllmänner, die dann tonnenweise Konfetti, Luftschlangen und anderen Unrat wegkehren müssen.