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Samstag, 13. Juli 2013

Das Luftfahrtmuseum in Sintra








Am gestrigen Freitag war ich mit meinem Neffen und meiner Nichte in Sintra, im dortigen Luftfahrtmuseum (port.: Museu do Ár).
Wir hatten schon vorgestern versucht das Museum zu besuchen, aber Dank des Navi´s, das wir benutzt haben um dort anzukommen, sind wir in der Gegend herumgefahren und haben besagtes Museum nicht gefunden.
Gestern aber, nach einer intensiven Suche in Google-Maps, haben wir dann doch den Weg zum Museu do Ár entdeckt!

Das Luftfahrtmuseum liegt auf dem Gelände der Flugbasis Nr. 1 (port.: Base Aérea n°1), in dem kleinen Ort Pêro Pinheiro, einer Gemeinde der Stadt Sintra.
In ihm sind viele historische Flugzeuge, Hubschrauber, Flugzeugmotoren, Turbinen und zahlreiche Flugzeugmodelle ausgestellt.
Das Museum hat im Laufe der Zeit zahlreiche wertvolle militärhistorische Objekte gesammelt, diese liebevoll restauriert und sie dann hier ausgestellt.
Über insgesamt 10.000 einzelne Ausstellungsstücke bildet die wertvolle Sammlung des Museums.
Flugzeugliebhaber und Kenner der internationalen Luftfahrt bezeichnen das Museu do Ár, aufgrund seiner sehr gut erhaltenen historischen Flugapparate, als eines der besten Museen der Luftfahrt weltweit.

Die Anfänge des Museums gehen auf das Jahr 1968 zurück.
Am 21. Februar 1968 wurde es gegründet und dann, knapp 4 Monate später, am 01. Juli 1968, dem Tag der Portugiesischen Luftwaffe (port.: Força Aérea Portuguesa), offiziell eingeweiht.
In vier Hallen, ehemalige Flughangar, sowie auf einem Hallenvorfeld können Besucher über 100 Jahre portugiesischer Fluggeschichte bestaunen und erleben.

In der ersten Halle, der größten des Museums, sind verschiedene aeronautische Geräte sowie mehrere historische Flugzeuge, Hubschrauber und Doppeldecker ausgestellt.
So kann man hier z.B. eine alte Junkers JU52 aus dem Jahre 1930, einen Doppeldecker Avro Cadet aus dem Jahre 1931 und eine De Havilland DH-89 Dragon Rapide aus dem Jahre 1934 bewundern.
Eine De Havilland DH-87 Hornet, ebenfalls Baujahr 1934, und eine nordamerikanische F-86 Sabre, aus dem Jahre 1947, sind hier ebenso ausgestellt.

Die zweite Halle ist der portugiesischen Fluggesellschaft TAP (port.: Transportes Aéreos Portugueses) gewidmet.
Hier werden, unter anderem, verschiedene Flugkapitän- und Stewardessenuniformen, Geschirr, Flugzeugsitze und auch der erste Flugsimulator der Fluggesellschaft gezeigt.

In der dritten Halle, die das Historische Hangar (port.: Hangar histórico) genannt wird, befinden sich fast ausnahmslos Flugzeuge der Luftwaffe, die in den ehemaligen portugiesischen Überseegebieten in Afrika, wie Angola, Moçambique und Guiné-Bissau, unterwegs waren.
So sind hier z.B. eine Dassault Falcon, eine einstrahlige Lockheed T-33 sowie ein Northrop T-38 Talon Überschalljet ausgestellt.

In der vierten und letzten Halle, dem Saal der Pioniere (port.: Sala dos Pioneiros) wird den Männern gedacht (Frauen sind leider keine dabei!), die für die portugiesische Luftfahrt unglaubliches geleistet haben und als Flughelden in die Geschichte eingegangen sind.
So werden hier persönliche Gegenstände, Flugkarten und historische Bilder, von António Jacinto da Silva Brito Paes, dem ersten Menschen der im Jahre 1924 den ersten Flug von Portugal nach Macau vollzog und von José Manuel Sarmento de Beires, dem ersten, der 1927 den Südatlantik nachts überflog, gezeigt.
Ebenso zu sehen sind hier einige persönliche Exponate der Piloten Carlos Eduardo Bleck und Humberto da Cruz, die 1930 die Flugverbindung Lissabon – Angola, gründeten.
Auch den zwei größten Flugpionieren Portugals, Carlos Viegas Gago Coutinho und Artur de Sacadura Freire Cabral, den beiden Ersten Menschen, die 1922 den Atlantik von Osten nach Westen, von Lissabon nach Rio de Janeiro, erfolgreich überflogen, ist in dieser Halle ein Platz gewidmet.

Die Flugbasis von Sintra, auf der das heutige Museum steht und die auch eine Flugakademie (port.: Academia da Força Aérea) beherbergt, war die erste Militärflugbasis Portugals.
Das Museum kann, sofern sie den Weg dorthin finden, an jedem Wochentag, außer Montags, von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr besichtigt werden.

Samstag, 25. Juni 2011

Hermínio de Palma Inácio


Es gibt Männer (und natürlich auch Frauen!) die ich einfach wegen ihres Mutes und ihrer Zielstrebigkeit schätze!

Einer von ihnen ist Hermínio da Palma Inácio.
Im Ausland kaum bekannt, wird er hier in Portugal teilweise sogar bewundert.
Abgesehen davon das er der erste Luftpirat der Welt war, der ein Flugzeug entführte, und er der Autor eines der beispiellosesten Banküberfälle hier in Portugal war, war er auch ein Mensch voller Prinzipen und Aufrichtigkeit.

Wie kommt es aber, das ein Flugzeugentführer und Bankräuber, so viel Achtung und Respekt hier in Portugal besitzt?
Nun ich werde versuchen dies hier zu erklären.

Hermínio da Palma Inácio wird am 29. Januar 1922 in dem Ort Ferragudo, bei Lagos, an der Algarve geboren.
Nach seinem Abitur wird er Flugmechaniker bei der Portugiesischen Luftwaffe (port.: Força Aérea Portuguesa).
Die Luftfahrt hat es ihm angetan, und er will nicht nur Flugzeuge reparieren, sondern sie auch gerne fliegen.
Also macht er mit 20 Jahren seinen zivilen Flugschein (port.: brevet de piloto civil).
Er macht seinen Militärdienst auf der Flugzeugbasis Nr. 1 von Sintra (port.: Base Aérea n° 1 de Sintra), und dort fängt er an, gegen das politische System von Diktator Salazar zu kämpfen.
Am 10. April 1947, im Alter von nur 25 Jahren, nimmt er an einem Militärputsch teil, den General Marques Godinho befehligt.
Seine Aufgabe ist es, die Flugzeuge die auf der Flugbasis stehen, zu sabotieren.
Er wird auch seiner Aufgabe gerecht, aber der Putsch misslingt gründlich.

Palma Inácio wird denunziert und von der Geheimpolizei PIDE (port.: Policia International e da Defesa do Estado) festgenommen.
Hätte die Geheimpolizei damals schon gewusst, das Palma Inácio einmal dem Diktator Salazar und seinem Regime so viel Kopfschmerzen bereiten würde, hätten sie ihn bestimmt erschossen oder in eine der Kolonien deportiert.

Nach seiner Festnahme in der Nähe von Loures, foltert die Geheimpolizei Palma Inácio zwölf lange Tage im Gefängnis von Aljube.
Sie wollen von ihm wissen wer sein Kontaktmann ist.
Er überlebt schwer verletzt die Folter, bleibt aber standhaft.
Er verrät keinen einzigen Namen!

Er bleibt bis Mai 1949 im Gefängnis.
In diesem Monat kann er aus einem offenen Toilettenfenster des Gefängnisses flüchten.
Mit der Hilfe von vier Bettlaken, die aneinander geknotet sind, springt er 15 Meter in die Tiefe. Als die Wärter seine Flucht bemerken, entkommt er ihnen nur dadurch, dass es ihm gelingt, sich unter die Menschen in der Lissabonner Baixa zu mischen.

Nach seiner Flucht verbringt er sieben Monate, bei guten Freunden versteckt, auf einem Bauernhof in der Nähe von Odivelas, bevor er auf einem Frachtdampfer in Richtung Casablanca, im damaligen französischen Marokko, fliehen kann.

In Marokko heuert er, mit falschem Namen, auf mehreren Handelsschiffen als Lastenträger an, die ihn nach Nordeuropa, Asien und in die USA bringen.
In den USA lebt er einige Zeit lang im Bundesstaat Massachusetts, bis die amerikanischen Behörden im Jahre 1955 dahinter kommen, das er sich illegal im Lande aufhält.
Er wird aus den USA ausgewiesen und geht nach Rio de Janeiro, in Brasilien.

Hier tritt er mit Humberto Delgado, den er noch aus seiner Zeit bei der portugiesischen Luftwaffe kennt und Henrique Galvão, den zwei größten Kritikern des Salazarregimes, in Verbindung.
In Brasilien wird er Besitzer einer kleinen Firma die Flugzeuge repariert, und mit dieser wird er dann auch etwas wohlhabend.
Das meiste Geld aber, das er verdient, steckte er in revolutionäre Aktionen die er plant.

Eine dieser ersten Aktionen, die er plant, ist die „Operation Vagô“, die erste Flugzeugentführung der Welt.
Am 10. November 1961 steigt Palma Inácio, mit fünf anderen Antifaschisten, in Casablanca, in eine viermotorige „Super Constellation“ der Fluggesellschaft TAP, in Richtung Lissabon, ein.

Knapp eine halbe Stunde vor der Ankunft in Lissabon betritt Palma Inácio, mit einer Waffe in der Hand, das Cockpit.
Er wendet sich an Flugkapitän José Marcelino und Copilot Raul Teles Grilo, und sagt zu ihnen, mit ruhiger Stimme:
„Meine Herren, dies ist eine revolutionäre Aktion. Ich möchte keinem Weh tun“.
Er verlangt von dem Flugkapitän, dass er eine Landung in Lissabon simuliert und dann besonders niedrig über der Hauptstadt fliegt.
Von Lissabon aus fliegen sie dann weiter gen Süden, über die Städte Barreiro, Setúbal, Beja und Faro.
Jede dieser Städte wird mit tausenden antifaschistischen Flugblättern „bombardiert“ – über 100.000 Stück insgesamt – auf denen für freie Wahlen geworben, das Regime von Salazar offen anprangern und dessen Sturz gefordert wird.

Hermínio de Palma Inácio befiehlt Flugkapitän José Marcelino den marokkanischen Flughafen Tanger anzufliegen.
Da die „Super Constellation“ besonders niedrig fliegt, kann sie vom Radar der Kampfjets der Flugwaffe nicht geortet werden.
Über dem Atlantik aber, werden zwei Zerstörer der portugiesischen Marine auf das Flugzeug aufmerksam.
Mit einem gekonnten Flugmanöver, den Palma Inácio selbst fliegt, kann das Flugzeug aus dem Schussfeld der Zerstörer genommen werden.

Die 13 Passagiere an Bord der „Super Constellation“ bemerken während des ganzen Fluges nichts. Erst als sie in Tanger landen, wird ihnen klar, dass sie entführt worden sind.
Palma Inácio entschuldigt sich bei jedem Fluggast und trinkt mit ihnen ein Glas Sekt, um mit ihnen den Erfolg der Mission zu feiern.
Er verabschiedet sich von ihnen und begibt sich wieder nach Brasilien, wo er die Arbeit, als einfacher Mechaniker, in seiner eigenen kleinen Firma wieder aufnimmt.

In den nächsten Jahren spart er wieder etwas Geld, um erneut eine Operation gegen das Salazarregime zu starten.
Er will wieder dem Diktator den Schlaf rauben.
Er plant die „Operation Mondego“, dessen Ziel es ist, die Zweigstelle der Bank von Portugal (port.: Banco de Portugal), in der Stadt Figueira da Foz, zu überfallen.
Er plant den Überfall auf diese Bank, weil er der Meinung ist, das es kein besseres Ziel gibt, als die Bank von Portugal, die ein Symbol des Staates ist.
Und diesem Symbol des Staates das Geld zu rauben, um damit zukünftige Aktionen gegen den selbigen zu unternehmen, ist sein großes Ziel.

Bevor Palma Inácio mit seinen drei Gefährten Camilo Mortágua, Barracosa und Luis Benvindo den Raub begeht, versprechen sie sich, das geraubte Geld niemals für sich selbst privat zu nutzen, sondern es für erneute Aktionen zu verwenden.
Außerdem machen sie aus, bei ihren Aktionen, niemals Blut vergießen zu lassen.

Am 17. Mai 1967, zehn Minuten vor Schließung der Bank um 16:00 Uhr, zielt Palma Inácio mit einem Revolver Smith & Wesson auf den Bankangestellten Adelino Cardoso und sagte zu diesem, mit ruhiger Stimme: „Dies ist ein Überfall! Keiner Bewegt sich!“
Nachdem die acht Bankangestellten und die drei Kunden überwältigt sind, rauben sie den Tresor aus und schließen ihre Geiseln in der Toilette ein.
Ohne dass sie auffallen, gehen sie mit dem Geld aus der Bank und begeben sich zum Flugplatz von Cernache, in der Nähe von Coimbra.
Der Raub bringt ihnen damals stolze 29.274.390 Escudos ein, was nach heutigem Wert ca. 5 Millionen Euro sind.

Am Flugplatz nehmen sie sich eine einmotorige „Auster“, um mit dieser zu fliehen.
Sie landen in Vila do Bispo, an der Algarveküste, wo sie der Polizei eine falsche Spur legen. Während diese nämlich glaubt, die Bankräuber wären über das Meer in das nahe Marokko geflohen, machen sie sich über Spanien auf den Weg nach Frankreich.

In Paris werden sie bei dem Versuch eine große Menge Geldscheine zu wechseln, von der Polizei festgenommen.
Palma Inácio muss wieder ins Gefängnis, bis die Regierung von Präsident Charles De Gaulle entscheidet ob sie ihn an Portugal ausliefern soll, so wie es Salazar wünscht, oder nicht.
Nach sechs Monaten kommt die französische Regierung zu dem Entschluss, das der Banküberfall politisch motiviert war, und nicht nur kriminell. Palma Inácio wird daraufhin frei gelassen.

Er hätte sich spätestens jetzt zur Ruhe setzen können.
Aber er ist weiterhin politisch aktiv und 1972 betritt er erneut sein Heimatland.
Er will diesmal irgendeinen hohen Politiker des Regimes entführen, um ein politisches Zeichen zu setzen.
Doch er gerät erneut in die Fänge der Geheimpolizei PIDE und wird bei der Vorbereitung zu diesem Coup festgenommen und später im Gefängnis von Caxias schwer gefoltert.
Erst am 26. April 1974, einen Tag nach der geglückten Nelkenrevolution, kommt er, wie viele andere politische Gefangene, frei.
Endlich sieht er sich am Ziel seiner Träume – einem freien Portugal!

Nachdem Portugal nun eine Demokratie ist, begibt er sich freiwillig in die Stadt Figueira da Foz, um dort auf einem öffentlichen Platz, Rechenschaft über das Geld abzugeben, welches er 1967 dort beim Bankraub gestohlen hat.

Am 14. Juli 2009 stirbt er, verarmt aber nicht alleingelassen, in einem Altersheim in Lissabon.
Er, der er ein Kämpfer für die Freiheit und die Demokratie war, war wohl der letzte romantische Revolutionär Portugals.