Dienstag, 20. Oktober 2015

Die Künstlerfamilie Bordalo Pinheiro


Vor einpaar Tagen fragte mich eine deutsche Urlauberin, ob ich ihr die Adresse der Deutschen Evangelischen Kirche in Lissabon nennen könne. Sie wollte gerne am sonntäglichen Gottesdienst teilnehmen.
Also habe ich ihr die Adresse aufgeschrieben:

Deutsche Evangelische Kirche Lissabon – DEKL
Avenida Columbano Bordalo Pinheiro n° 48
1070-064 Lisboa

Sie schaute sich die Adresse an und fragte mich dann ob Columbano vielleicht die portugiesische Version des Namens Kolumbus sei.
Ich erklärte ihr daraufhin das, obwohl die Namen ähnlich klingen, sie wahrlich nichts, aber auch gar nichts, miteinander zu tun haben.
Der eine – Columbano – war ein portugiesischer Maler des Realismus, der von 1857 bis 1929 gelebt hat, und der einer der größten und talentiertesten bildenden Künstler Portugals des frühen 20. Jahrh. war.
Der andere – Kolumbus (port.: Colombo) – hat angeblich Amerika entdeckt.

In der Familie Bordalo Pinheiro waren eigentlich alle künstlerisch begabt.
Der Vater Manuel Maria Bordalo Pinheiro, geboren im Jahre 1815, war mit Maria Augusta do Ó Carvalho Prostes, der Mutter seiner Kinder, verheiratet.
Er war ein kleiner Beamter, der nach den vielen Stunden im Büro zahllose Genrebilder malte, Bücher illustrierte und auch Büsten modellierte. Eines seiner schönsten Werke, eine Camões-Büste, steht heute noch in der ehemaligen portugiesischen Kolonie und heutigen chinesischen Metropole Macau.

Auch die Tochter Maria Augusta Bordalo Pinheiro, die zwischen 1841 und 1915 gelebt hat, malte. Am liebsten verewigte sie farbenfrohe Herbstblumen auf Leinwände.
Außerdem entwickelte sie sich zur Expertin für Spitzenklöppelei, der sie in Peniche, einem Städtchen etwa 100 km nördlich von Lissabon, zu einem neuen Aufschwung verhalf, als sie dort an der Gewerbeschule unterrichtete. Später wurde sie an dieser Schule Direktorin.
Für ihren Bruder Rafael arbeitete Maria Augusta ab und zu als Porzellanmalerin.

Rafael Bordalo Pinheiro war der originellste unter allen Geschwistern. Er war u. a. Zeichner, Aquarellist, Illustrator, Dekorateur, Theaterschauspieler, Journalist, Politiker und Keramiker.
Im Jahre 1846 geboren, begann Rafael Bordalo Pinheiro im Jahre 1870, nach einem Studium an der Lissabonner Kunstakademie, eine berufliche Laufbahn als Karikaturist. 1875 erschuf er die populäre Figur des „Zé Povinho“, des kleinen Mannes, der immer der Dumme ist, und seiner Frau „Maria da Paciência“, der ewig geduldigen Maria.
Im gleichen Jahr ging er nach Brasilien, wo er in Rio de Janeiro bis 1879 bei verschiedenen Zeitungen Karikaturen zeichnete.
Nach seiner Rückkehr nach Portugal fing er an, sich für Keramik zu interessieren.
Nach ersten töpferischen Versuchen gründete er 1884 seine eigene Manufaktur in der Thermalstadt Caldas da Rainha, wo er mit oft überschwänglicher Phantasie Azulejos, Vasen, Tafelaufsätze, Geschirr und Tonfiguren entwarf.
Unbekümmert griff er die verschiedensten Einflüsse auf – von der arabischen Kunst über den Manuelismus, die Renaissance, das Rokoko bis zum Jugendstil – oder er nutzte seine eigene karikaturistische Dynamik.
Das von ihm entworfene Gebrauchsgeschirr fand damals jedoch nicht den rechten Absatz; es sprang zu leicht und nahm Gerüche an, so das Rafaels Firma „Fabrica de Faianças“ um 1890 erstmals in finanziellen Schwierigkeiten geriet – ein Zustand, der sich bis zu seinem Tod im Jahre 1905 nicht mehr änderte.
Heute sind seine Kreationen dafür umso beliebter, ablesbar z. B. an dem auf einen Entwurf Rafaels zurückgehenden Kohlblättergeschirr, das man heute praktisch in jedem portugiesischen Porzellangeschäft käuflich erwerben kann.
Im Museu Rafael Bordalo Pinheiro im Lissabonner Stadtteil Campo Grande, dem ehemaligen Wohnsitz des populären Karikaturisten und Töpfers, kann man etwa 500 Keramiken und zahlreiche Karikaturen des phantasiereichen Gestalters bewundern, die einen Querschnitt seiner Arbeiten zeigen.

Ein weiteres Mitglied der Künstlerfamilie war Tomás Bordalo Pinheiro.
Tomás studierte von 1879 bis 1823 am renommierten Lissabonner Institut für Industrie und Gewerbe (port.: Instituto Industrial e Comercial de Lisboa) und schloss sein Studium als Technischer Zeichner ab.
Nachdem er die ersten Berufsjahre als Technischer Zeichner bei verschiedenen Industrieunternehmen tätig war, u. a. in der damals königlichen staatlichen Kanonengießerei, gründete er im Jahre 1893 sein eigenes Unternehmen, die Firma „Progresso Mecânico“, wo er ziemlich erfolgreich verschiedene Eisen- und Messingaccessoire, w. z. B. Haken, Stifte und Spangen für Haare, Bärte und Damenkorsetts, entwarf und produzierte.
Er schrieb mehrere Bücher und Nachschlagewerke über die Industrie und verschiedene Leitfäden und Lehrbücher über die damals aufkommenden Industrieberufe.
Seine wichtigste literarische Publikation war aber eine Zeichentrickserie mit dem Titel „O gafanhoto“, das Tomás Bordalo Pinheiro mit dem Chronisten und Historiker Henrique de Mendonça herausbrachte.
Die Zeitschrift „O gafanhoto“ erschien von 1903 bis 1910 und war das erste Comic das in Portugal publiziert wurde.

Der vierte und jüngste Bruder war schließlich der schon erwähnte Columbano Bordalo Pinheiro.
Im Jahre 1857 geboren, gilt Columbano, der seinen Vornamen einem irischen Heiligen verdankt und nicht Kolumbus, als bedeutendster portugiesischer Maler des späten 19. Jahrh. und als hervorragender Porträtist.
Er ging zunächst beim Vater in die Lehre, bewarb sich dann zweimal umsonst erfolglos um ein Stipendium an der renommierten Kunsthochschule von Paris, bis ihn schließlich der Witwer von Königin Maria II, Ferdinand von Sachsen-Coburg-Gotha, 1881 den Studienaufenthalt in der französischen Hauptstadt aus eigener Tasche finanzierte.
Er vervollkommnte in seiner Zeit in Frankreich seine Maltechnik und vor allem Manet und Edgar Degas beeinflussten ihn künstlerisch sehr.
Von 1900 bis 1924 unterrichtete er an der Lissabonner Kunstakademie und war schließlich bis zu seinem Tod im November des Jahres 1929 Direktor des Museu Nacional de Arte Contemporânia (dt.: Museum für Zeitgenössische Kunst), das wichtige Werke von ihm besitzt.

Heute ist nach Columbano Bordalho Pinheiro eine wichtige Arterie der portugiesischen Hauptstadt – an der wie gesagt sich u. a. die Deutsche Evangelische Kirche befindet – benannt.

Montag, 5. Oktober 2015

Open House Lisboa 2015


Am kommenden Wochenende, dem 10. und 11. Oktober 2015, findet hier in der portugiesischen Hauptstadt zum vierten Mal die „Open House Lisboa“ statt, die von der Architektenvereinigung „Trienal de Arquitectura“ organisiert wird.

„Open House Lisboa“ ist ein Event bei dem jeder Architekturfreund die Möglichkeit hat bekannte und architektonisch wertvolle Bauwerke in Lissabon zu besuchen und „hinter die Fassade“ zu schauen, die normalerweise das ganze Jahr für die allgemeine Öffentlichkeit geschlossen sind, wie z. B. das beeindruckende Gebäude der portugiesischen Zentralbank (port.: Banco de Portugal), die imposante Tejobrücke Ponte 25 de Abril, das auf der Welt einzigartige Kachelmuseum (port.: Museu Nacional do Azulejo) oder der historische Palácio de Santos, ein Stadtpalast der einstmals von König Manuel I bewohnt wurde und in dem heute die französische Botschaft untergebracht ist.
Vor drei Jahren, beim damaligen „Open House Lisboa“, habe ich u. a. die Möglichkeit wahrgenommen und diesen wunderschönen Palast besucht, der aus Sicherheitsgründen fast immer für die Allgemeinheit geschlossen ist. Ich war begeistert und ich kann jedem nur empfehlen das diesjährige „Open House Lisboa“ dazu zu nutzen es mir gleich zu tun.
Es lohnt sich wirklich!

Dieses Jahr bietet das „Open House Lisboa“ drei Arten von Besuchen in den verschiedenen Objekten an:
Einige Gebäude und Bauwerke können ohne Anmeldung besucht werden, andere werden durch die Mithilfe von Volunteers zu besichtigen sein und in wiederum anderen werden fachkundige Architekten die Führung durch die einzelnen Gebäude führen.
Eines haben aber alle drei Arten von Besuch gemeinsam:
Sie sind alle kostenlos!

Die meisten Gebäude und Bauwerke werden, sobald sich kleine Gruppen zusammengefunden haben, sofort zu besichtigen sein.
Bei anderen wiederum, so weiß ich aus Erfahrung, werden sie eine Wartezeit in Kauf nehmen müssen.
Generell gilt hier das Motto: „first come, first serve“.

Hier eine Liste der über 70 Wohnhäuser, Gebäude und Bauwerke die am kommenden Wochenende beim „Open House Lisboa“ zu besichtigen sein werden:

- Banco de Portugal (dt.: Bank von Portugal)

- Biblioteca Nacional de Portugal (dt.: Portugiesische Nationalbibliothek)

- Centro Cultural de Belém (dt.: Kulturzentrum von Belem)

- Estação do Rossio (dt.: Bahnhof von Rossio)

- Fundação Gulbenkian (dt.: Gulbenkian-Stiftung)

- Museu Nacional do Azulejo (dt.: Nationales Kachelmuseum)

- Padrão dos Descobrimentos (dt.: Entdeckerdenkmal)

- Palácio da Ajuda (dt.: Königspalast Ajuda)

- Palácio de Santos (dt.: Santos-Palast / Botschaft von Frankreich)

- Ponte 25 de Abril (dt.: Tejobrücke Ponte 25 de Abril)

- Supremo Tribunal de Justiça (dt.: Höchste Gericht)

- Teatro Nacional de São Carlos (dt.: Nationaltheater São Carlos / Oper)


Freitag, 11. September 2015

Portugal Night Skies




Der talentierte Paulo Ferreira, von Beruf eigentlich Technischer Zeichner und Informatiker, hat ein neues Time-lapse (dt.: Zeitraffer) produziert und ihn auf „YouTube“ gestellt.
Nach Zeitraffer-Filmen, wie z.B. über seine Geburtsstadt Porto, das romantische Noudar im Alentejo oder die Kleinstadt Marvão, ebenfalls im Alentejo gelegen, hat der begnadete Hobbyfotograph diesmal eine filmische Langzeitaufzeichnung über die Nachthimmel in Portugal gemacht, und dieses Werk dementsprechend mit dem Namen „Portugal Night Skies“ (port.: Céus nocturnos de Portugal / dt.: Nachthimmel über Portugal) tituliert.

Paulo Ferreira hat drei Jahre gebraucht, um den Film „Portugal Night Skies“, der lediglich nur drei Minuten lang ist, zu drehen.
Die wunderschönen Aufnahmen über die vielen astronomischen Sternenkonstellationen, die Milchstraße oder den Perseiden-Sternschnuppenregen wurden u. a. in den National- und Naturparks von Peneda Gerês (port.: Parque Nacional de Peneda Gerês) und Alvão (port.: Parque Natural do Alvão) aufgenommen, sowie in den Gebirgen von Marão, im nördlichen Trás-os-Montes, und  Marvão, im südlichen Alentejo.

Die Aufnahmen, bzw. der Film „Portugal Nights Skies“, war Paulo Ferreira nur möglich, weil man in Portugal, im Gegensatz zum größten Teil Europas, noch zahlreiche Orte findet die noch sehr dünn besiedelt und die nicht durch den immer häufiger auftretenden Lichtersmog „verschmutzt“ sind.
(lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Sternenhimmel über dem Alentejo“, vom 20. Juni 2015)

Wer sich den eindrucksvollen Film „Portugal Nights Skies“ einmal anschauen will, kann dies auf „YouTube“ unter folgender Adresse tun:


Samstag, 22. August 2015

Portugal, das Land in dem Wasser gepredigt und Wein getrunken wird


Wie das portugiesische Weininstitut (port.: Instituto da Vinha e do Vinho), das dem hiesigen Landwirtschaftsministerium untersteht, diese Woche verlautbaren ließ, erwarten nationale Winzer dieses Jahr eine Ernte von ca. 670 Millionen Liter Weine bester Qualität.
Im Verhältnis zum Vorjahr, wo 620 Millionen Liter Spitzenweine produziert wurden, wäre das eine Steigerung von immerhin 8%!
Nicht mitgerechnet sind hier die unzähligen Tafelweine die hierzulande angebaut werden.

Bis auf die Weinanbauregion Setúbal werden alle portugiesischen Weinanbaugebiete dieses Jahr eine signifikante Produktionssteigerung haben.
Für die Weinanbauregionen Douro, Porto und Dão wird für 2015 sogar mit einem Produktionsüberschuss von 20% gerechnet.
Insgesamt wird in Portugal auf einer Fläche von 240.000 Hektar – die siebtgrößte Weinanbaufläche der Welt – Rebensaft angebaut.

Nach einer neuen Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO (port.: Organização Mundial da Saúde) trinken Italiener 50 Liter, Franzosen 53 Liter und Portugiesen 55 Liter Wein pro Kopf und Jahr.
Damit sind Portugals Bürger Europas größte Weinkonsumenten.

Wein hat in Portugal schon immer einen hohen kulturellen und wirtschaftlichen Stellungswert gehabt.
Es ist archäologisch erwiesen, das bereits in der Bronzezeit die Menschen, die das heutige Portugal besiedelten, Getränke aus Weintrauben herstellten.
Richtig kultiviert und angebaut wurde Wein dann aber erst seit der Römerzeit in Portugal. Es waren die alten Römer, die die Weinkultur hierzulande etablierten.
Im 12. Jahrhundert, unter König D. Dinis der im Volksmund „o Lavrador“ (dt.: der Bauer) genannt wurde, wurde der Weinanbau sehr gefördert und Wein zu einem wahren portugiesischen Exportschlager der damaligen Zeit.
Jahrhunderte später, als die englische Krone hohe Zölle über importierte französische Weine verhängte, wurde Portugal Englands größter Weinlieferant.
Im Jahre 1756 ließ der absolutistisch regierende Premierminister Marques de Pombal das Weinanbaugebiet am oberen Flusslauf des Douro (port.: Alto Douro) mit Marksteinen begrenzen und machte die Region zum weltweit ersten herkunftsgeschützten Weinanbaugebiet der Welt.
Während der Diktatur von António de Oliveira Salazars im 20. Jahrhundert war die portugiesische Weinproduktion weltweit verhältnismäßig unbedeutend.
Erst mit dem Eintritt Portugals in die EU begann der portugiesische Weinanbau wieder zu florieren und ist heute verantwortlich für eines der wichtigsten Exportgüter Portugals.

Freitag, 14. August 2015

Internationales Festival für Sandskulpturen FIESA an der Algarve






Seit einiger Zeit findet in der kleinen Ortschaft Pêra, an der südportugiesischen Provinz Algarve gelegen, das weltweit größte Internationale Festival für Sandskulpturen FIESA (port.: Festival Internacional de Escultura em Areia) statt.

Realisiert wird dieses seit 2003 alljährlich in Südportugal stattfindende Festival von zahlreichen nationalen und internationalen Künstlern, u. a. aus Norwegen, der Tschechischen Republik oder Deutschland, die alle aus etwa 40 t reinem Sand die kreativsten und originellsten Skulpturen herstellen.

Das diesjährige Festival steht unter dem Motto „Musik“.
Auf einem Areal von über 15.000 m² werden dieses Jahr mehr als Hundert kunstvoll modellierte Sandskulpturen, die berühmte Musiker, Komponisten und Musikinstrumente darstellen, zu bestaunen sein.

Wem die Sandbauten nicht nur gefallen, sondern auch gerne wissen will wie sie entstanden sind, bzw. wie sie gebaut wurden, der kann auf dem Ausstellungsareal bei verschiedenen Aktivitäten und Workshops von den Carver – so werden die Sandskulpteure genannt – selbst den einen oder andere Tipp erhalten und von diesen einige Techniken erlernen.

Das Internationale Festival für Sandskulpturen FIESA in Pêra, bei Silves an der Algarve, kann bis zum 20. Oktober 2015 besucht werden.
Kinder bis 12 Jahre bezahlen 4,50 Euro und Erwachsene 9,- Euro Eintritt für den Besuch des Sandskulpturenparks.

Wer sich also bis in den Herbst hinein an der Algarve aufhält, der sollte sich dieses imposante Sandspektakel nicht entgehen lassen.

Montag, 10. August 2015

Musikfestival unter der Sonne von Costa de Caparica


Am kommenden Wochenende steigt im Badeort Costa de Caparica, südlich von Lissabon, wieder das Musikfestival „O Sol da Caparica“, ein Event das sich über vier Tage hinzieht und auf dem rein portugiesischsprachige Musik zu hören sein wird.

Musiker und Bands aus Portugal und den lusophonen Ländern Brasilien, Cabo Verde, Angola und São Tomé und Principe werden hier live die unterschiedlichsten Musikgenre, wie z.B. Fado, Rock, Reggae oder Hip Hop, zum besten geben und so die portugiesische Musik, in Zeiten in dem die englischsprachige Musik immer präsenter wird, würdigen.

Vom 13. bis zum 14. August werden über 30 verschiedene portugiesischsprachige Sangeskünstler und Musikpoeten den Badeort Costa de Caparica in eine Beachparty verwandeln.
Am Sonntag, dem 15. August, werden die Sänger Avô Cantigas und Luisa Sobral versuchen dem Publikum von Morgen – den Kindern – ein ganz besonderes Konzert mit vielen Kinderliedern und –melodien zu geben.

Hier die Agenda für das diesjährige Festival „O Sol da Caparica“ für all diejenigen die portugiesischer Musik mögen und diese vielleicht auch mal gerne live hören wollen:

13. August (Donnerstag)
-       Camané (Fado)
-       Carlão (Hip Hop)
-       Dengaz (Reggae)
-       DJ Marfox (Kuduro)
-       HMB (Soul)
-       Marcelo D2 (Rap)
-       Resistência (All-Star-Projekt)
-       Richie Campbell (Reggae)
-       The Legendary Tigerman (Blues)
-       UHF (Rock)
-       Mimicat (Soul & Blues)

14. August (Freitag)
-       Brigada Victor Jara (portuguisische Volksmusik)
-       Dino D´Santiago (Hip Hop)
-       Jorge Palma (Rock)
-       Linda Martini (Punk Rock)
-       Paulo Flores (Kizomba)
-       Paulo Gonzo (Schlager/Pop)
-       PAUS (Pop)
-       TIM (Pop)
-       Vitorino & Som Habanero (traditionelle Volksmusik)
-       Oquestrada (AtlanticBeat/Fado)
-       DJ Mastiksoul (Housemusik)

15. August (Samstag)
-       Agir (portugiesische Volksmusik)
-       Batida (Beat/Pop)
-       Luis Represas (Pop)
-       Miguel Araújo (Rock/Folk/Pop/Bossa Nova)
-       Regula (Rap)
-       Tito Paris (akrikanische Volksmusik)
-       Xutos & Pontapés (Rock)
-       Tiago Bettencourt (Rock)
-       Berg (Pop/Rock)

16. August (Sonntag)
-       Avô Cantigas (Kinderlieder)
-       Luisa Sobral (Jazz)

Die Stadt Costa de Caparica liegt südlich von Lissabon, auf der anderen Flussseite des Tejo. Die knapp 15.000 Einwohner zählende Stadt ist berühmt für ihre weitläufigen und feinsandigen Strände und dank diesen lebt der Ort hauptsächlich vom Tourismus.

Freitag, 7. August 2015

Portugals Strände – unter den besten der Welt


In ihrer letzten Ausgabe hat die US-amerikanische Onlinezeitung „The Huffington Post“ mit Hilfe ihrer Reisejournalisten und anderen redaktionellen Mitarbeitern die paradiesischste Meeresbucht der Welt gesucht und dann gekürt.
Badestrände in Brasilien, Australien, Mexiko, Hawaii und auf den Seychellen kamen auf die vordersten Plätze.
Den ersten Platz aber machte ein Strand in unseren Gefilden, nämlich der Strand in der Bucht von Ponta da Piedade südlich der Stadt Lagos, an der Algarve.

Und zu Recht, denn die Ponta da Piedade ist einer der malerischsten Küstenabschnitte der Algarve und ganz Portugals, mit vielen prächtigen Felsenbildungen, steilen Klippen, zahlreichen Grotten, kristallklarem Wasser und einem feinen Sandstrand, der das Prädikat Traumstrand ohne weiteres verdient.

Portugiesische Strände, so unterschiedlich sie auch sein mögen, waren schon immer sehr beliebt, nicht nur bei uns Portugiesen, sondern auch bei unseren ausländischen Gästen.
Hier nun im Folgenden einige internationale Bewertungen portugiesischer Strände der letzten Jahre:

- Ponta da Piedade in Lagos, Algarve
die US-amerikanische „The Huffington Post“ tituliert diese Badebucht in ihrer Onlineausgabe vom Juli 2015 als „Die schönste Bucht der Welt“

- Praia da Fábrica in Cacela Velha, bei Vila Real de Santo António, Algarve
laut den Lesern der spanischen Ausgabe der  Reisezeitschrift „Traveler“ ist dieser Strand unter den 15 anziehendsten der Welt – Ausgabe Juli 2015

- Praia da Adraga, Sintra
die Leser des englischen „The Guardian“ kürten im Mai 2014 diesen Strand zum attraktivsten in Portugal

- Praia da Salema, Vila do Bispo
die Reisezeitschrift „Travel and Leisure“ meinte im März 2012, dieser Strand sei einer der größten Geheimtipps der Welt

- Praia de Sagres, in Vila do Bispo und Praia de Sesimbra
die englische Ausgabe der „Time Out“ bezeichnet diese zwei Strandabschnitte im August 2010 als die besten und schönsten in Europa

- Praia de Porto Covo, Sines
laut der französischen Ausgabe der „Huffington Post“ vom Oktober 2014 gehört dieser zu den zehn attraktivsten Stränden der Welt

- Praia de Peniche
die spanische Ausgabe der „Lonley Planet“ bewertet Peniche im Juni 2015 als eine der zehn besten Europas im diesjährigen Sommer

Wer lange Strandspaziergänge mag, gerne eine Runde im glasklaren Wasser schwimmt oder schnorchelt, wer spektakuläre Sonnenuntergänge mag oder mit seinen Kindern lieber eine Sandburg baut, einen Drachen steigen lässt oder Muscheln sammelt, wer gerne Beachball oder Volleyball spielt oder lieber faul die Sonne genießt, der ist zweifellos mit den hiesigen Stränden immer bestens bedient!

Freitag, 31. Juli 2015

Like ice in the sunshine


Als ich ein Kleinkind war habe ich manchmal, in Begleitung meiner Eltern, meinen Urgroßvater Henrique in seinem Altersheim „Inválidos do Comércio“, im Lissabonner Stadtteil Lumir, besucht.
Ich war vier oder fünf Jahre alt und meine Erinnerungen an diese Besuche sind leider eher dürftig, aber an eine Sache kann ich mich noch sehr gut erinnern:
Bei jedem Besuch drückte mir mein Urgroßvater ein 20-Escudo-Schein beim Abschied in die Hand, mit welchem mir dann meine Mutter immer eine Eiswaffeltüte voller bunter Eiscremekugeln kaufen musste.
Das ist jetzt schon über 40 Jahre her, aber diese riesigen Eistüten voll leckerem Eis sind noch immer sehr präsent in meinen Gedanken.
Es gibt ein Kinderfoto aus dieser Zeit von mir, auf dem ich mit weit aufgerissenen und leuchtenden Augen vor der Vitrine der alten Lissabonner „Gelataria Veneziana“ stehe, so als wollte ich ihr ganzes Eis verschlingen…

Nun, die Jahre sind vergangen, meinen Urgroßvater Henrique gibt es schon lange nicht mehr, genauso wenig die 20-Escudo-Geldscheine oder die alte „Gelataria Veneziana“, aber meine Lust auf gutes, leckeres Eis ist auch heute noch vorhanden und ungebrochen.

Aber so gerne ich auch Eis (port.: gelado / sorvete / rajá) esse, so Allerweltssorten wie etwa Vanille (port.: baunilha), Schokolade (port.: chocolate), Erdbeere (port.: morango) oder Zitrone (port.: limão) sagen mir schon lange nichts mehr.
Da müssen schon ausgefallene Eissorten und eigenwillige Kreationen kommen, um mir heute geschmacklich zu imponieren.

Zum Glück mangelt es in Portugal, vor allem hier in Lissabon, nicht an jungen, ehrgeizigen und experimentierfreudigen Eisherstellern und an Speiseeismanufakturen mit einer überwältigenden Auswahl an fruchtigen, cremigen und sahnigen Eissorten, die mitunter zu den besten der Iberischen Halbinsel gehören und einfach nur zum Dahinschmelzen sind.

Hier nun, auf Anfragen einiger meiner Leser, die eine oder andere „coole“ Adresse die man in Lissabon diesen Sommer unbedingt aufsuchen sollte wenn man Speiseeisliebhaber ist und in den Genuss von schmackhaften, hausgemachten und nicht gerade alltäglichen Eissorten kommen will:

„Gelataria Artisani“
Rua Professor Francisco Gentil E1, 2
Lumair – Lisboa
Hier sollte man unbedingt probieren:
- Pastel de Nata mit Portwein (port.: pastel de nata com vinho do Porto)
- Milchreis (port.: arroz doce)
- Adzukibohne (port.: feijão Azuki)
- Frischkäse mit Kräutern (port.: requeijão com ervas aromáticas)

„Gelataria Cone ou Copo“
Praça dos Restauradores n° 58
Baixa – Lisboa
Hier sollte man unbedingt probieren:
- Ingwer mit Minze (port.: gengibre com hortelã)
- Crème brûlée (port.: leite creme)

„Gelataria FIB“
Avenida Padre Manuel de Nóbrega n° 13E
Areeiro – Lisboa
Hier sollte man unbedingt probieren:
- Weiße Schokolade mit Himbeerstückchen
(port.: chocolate branco e framboesa)
- Käsekuchen (port.: cheese cake)

„Gelataria Fragoleto“
Rua da Prata n° 61
Baixa – Lisboa
Hier sollte man unbedingt probieren:
- Veilchen (port.: violeta)
- Rosen (port.: port.: rosas)
- Schwarzer Holunder (port.: sabugueiro)

„Gelato Therapy“
Rua da Madalena 83
Baixa – Lisboa
Hier sollte man unbedingt probieren:
- Feigen mit Basilikum (port.: figos com manjericão)
- Ginjinha, ein hier in Portugal sehr beliebtes Sauerkirschenlikör (port.: ginjinha)

„Gelataria Mú“
Campo Mártires da Pátria n° 50
Arroios – Lisboa (unweit der deutschen Botschaft)
Hier sollte man unbedingt probieren:
- Avocado (port.: abacate)
- Balsamico-Essig (port.: vinagre balsâmico)

„Gelataria Résvés“
Rua 4 da Infantaria n° 26
Campo de Ourique – Lisboa
Hier sollte man unbedingt probieren:
- Johannesbrotfrucht (port.: alfarroba)
- Nestum, ein hier in Portugal sehr beliebter Kinderbrei (port.: Nestum)
Ovos moles, portugiesische Eiersüßspeise (port.: ovos moles)

„Gelataria Santini“
Rua do Carmo n° 9
Chiado – Lisboa
Hier sollte man unbedingt probieren:
- Portwein mit getrockneten Feigen und Nussstückchen (port.: vinho do Porto, figos secos e nozes)
- Weißer Nougat (port.: torrão)
- Acai-Beere mit Erdbeere (port.: açaí com morango)
- Gorgonzola mit Walnüssen (port.: gorgonzola com nozes)
- Bratapfel mit Zimt (port.: maçã assada e canela)

Soweit mir bekannt ist, stellen alle hier von mir genannten Speiseeismanufakturen traditionell ihre Produkte aus frischen Rohstoffen und Früchten her und alle rühmen sie sich damit weder künstliche Farb- oder Aromastoffe zu benutzen.
Ob dem wirklich so ist, weiß ich nicht.
Fakt ist aber, das alle hier genannten Eissorten sehr lecker schmecken und eine eiskalte Verführung sind!

Mittwoch, 29. Juli 2015

TAP Portugal – Bildnis eines Volkes


2015 ist nicht nur das Jahr in dem die TAP (port.: Transportes Aéreos Portugueses / dt.: Portugiesische Luftverkehrstransporte) privatisiert worden ist, sondern es ist auch das Jahr an dem die portugiesische Fluggesellschaft ihr siebzigjähriges Bestehen feiert.

Aus Anlass des 70. Geburtstags der TAP zeigt das Lissabonner Mode- und Designmuseum MUDE (port.: Museu do Design e da Moda) seit Mitte dieses Monats Juli die Sonderausstellung „TAP Portugal: Imagem de um Povo“ (dt.: TAP Portugal: Bildnis eines Volkes).

Flugkapitäns- und Flugbegleiteruniformen, Bordgeschirr wie Teller, Tassen und Bestecke, Reisetaschen, Flugtickets, Werbeplakate, Fotographien, Postkarten und andere Exponate – viele von ihnen von Privatleuten ausgeliehen und zur Verfügung gestellt – zeigen auf eindrucksvolle Weise die historische Entwicklung des Designs und dessen Einfluss auf die modische Geschichte der TAP vom ersten Tag an bis heute.
Gegründet wurde Portugals größte Fluggesellschaft von dem einflussreichen Politiker und General Humberto Delgado am 14. März 1945, als dieser Generaldirektor der zivilen portugiesischen Luftfahrt war.

Die Ausstellung „TAP Portugal: Imagem de um Povo“ kann noch bis zum 15. Oktober 2015 besucht werden.
Sie ist jede Woche von Dienstag bis Sonntag, 10 Uhr bis 18 Uhr, geöffnet und der Eintritt ist frei!

Montag, 27. Juli 2015

Mit einer Nussschale über den Atlantik – die historische Fahrt der „Bom Sucesso“


Wer jemals die Stadt Olhão in der südportugiesischen Algarve besucht hat (lesen sie hierzu bitte auch meinen Blogeintrag „Olhão“, vom 30. Juni 2015), dem wird am Hafen, zwischen all den Fischer- und Segelbooten, ein kleiner, aber besonders schöner Segler aufgefallen sein.
Bei diesem Kahn – einem so genannten Kaik (port.: caíque) – handelt es sich um eine maßstabgetreue Nachbildung eines Seglers, welches vor über 200 Jahren eine recht abenteuerliche Atlantiküberquerung hinter sich gebracht hat.
Der Name dieses Kaik lautete und lautet „Bom Sucesso“ (dt.: guter Erfolg / gutes Gelingen / viel Erfolg) und ist heute das Wappen der Stadt Olhão.

Kaiks – nicht zu verwechseln mit Kajaks! – sind, vereinfacht gesagt, Miniaturausgaben von Schiffstypen mit denen Portugal einst die Welt umsegelte, wie etwa Karavellen, Galeonen und Naus.
Im Gegensatz zu diesen großen Seglern, waren Kaiks aber nicht für lange Fahrten konzipiert, sondern fanden als robuste Fischer- und Frachtschiffe eigentlich nur in Küstennähe Verwendung.
Die Fischer der Algarve wagten mit diesen kleinen Kähnen gerade mal ab und zu eine Fahrt bis ins nahe Nordafrika.
Vor allem die Einwohner von Olhão benutzten diesen recht wendigen Bootstyp seit jeher um in der vor ihrer Haustür liegenden Ria Formosa zu fischen.

Als Anfang des 19. Jahrh. französische Soldaten auf Befehl von Napoleon Bonaparte Portugal besetzten, verboten sie u. a. den Fischern von Olhão die Kaiks zu benutzen und so ihrem eigentlichen Broterwerb nachzugehen.
Daraufhin fanden die Einwohner von Olhão eine zwar gefährlichere – da unter Todesstrafe stehende – aber dennoch wesentlich ertragreichere Erwerbstätigkeit:
sie schmuggelten auf Teufel komm raus!
Die schnittigen Kaiks, die kaum Tiefgang hatten, waren in den zahlreichen Kanälen, Sanddünen, Salzmarschen und seichten Lagunen der Ria Formosa hierfür für ihre Besitzer sehr von Nutzen. 

Im Juni 1808 erhoben sich die Bürger von Olhão erfolgreich gegen die französischen Besatzer.
Dank der Hilfe englischer Truppen konnten die französischen Soldaten recht schnell besiegt werden und hinter die spanische Grenze gedrängt werden.
Bereits am 23. Juni 1808 galt die Algarve als von den Franzosen befreit.

Die Nachricht über diesen überaus wichtigen Sieg gegen die verhassten Franzosen konnte zuerst einmal nicht an den Staatsoberhaupt gegeben werden, da die damalige Monarchin, Königin Maria I, und ihr Sohn Prinzregent João, der spätere König João VI, im entfernten Brasilien im Exil weilten.
Die königliche Familie war kurz vor der französischen Besatzung im November 1807, samt ihrem Hofstaat und der Regierung, außer Landes gegangen und hatte in Rio de Janeiro ihre Zelte aufgeschlagen.

Da man aber so schnell wie möglich den Prinzregenten über den durchaus wichtigen militärischen Erfolg in der Heimat in Kenntnis setzen wollte, entschloss die portugiesische Militärregierung der Algarve dem Regenten ein Dokument mit der Nachricht über den Sieg Portugals gegen Frankreich zukommen zu lassen.

Am 07. Juli 1808, drei Wochen nach der Befreiung der Algarve, bestiegen 17 einfache Männer aus Olhão den Kaik „Bom Sucesso“ und stachen wagemutig in See.
An Bord waren Manuel de Oliveira Nobre, der zum Kapitän bestimmt worden war,
Manuel Martins Garrocho, der Eigentümer der „Bom Sucesso”,
und die einfachen Fischer
António Pereira Gémio
António da Cruz Charrão
António dos Santos Palma
Domingos do Ó Borrego
Domingos de Sousa
Francisco Lourenço
João Domingues Lopes
João do Munho
Joaquim do Ó
Joaquim Ribeiro
José Pires
José da Cruz
José da Cruz Charrão
Manuel de Oliveira
und Pedro Ninil

Keiner dieser Männer hatte sich vorher so weit in den Atlantik hinausgewagt und es darf behauptet werden, dass keiner von ihnen sich auch nur annähernd vorstellen konnte was für Strapazen und Gefahren vor ihnen lagen.
Wenn man bedenkt, dass die „Bom Sucesso“ gerade mal 18 m lang und 5 m breit war, das mehrere Tausend Kilometern vor ihnen lagen, sie vor französischen Kriegsschiffen und Piraten ständig auf der Hut sein mussten und das sie, außer einer alten Seekarte, keinerlei nautisches Gerät an Bord hatten, kann man ohne Zweifel von Wagemut bei diesen Männern sprechen.
Sie orientierten sich nachts mit Hilfe der Sterne und nutzten die Winde und Meeresströmungen um ihr Ziel Rio de Janeiro zu erreichen.

Begünstigt durch aus Nordosten wehenden Winden erreichte nach einer Woche auf See die „Bom Sucesso“ am 14. Juli Funchal auf Madeira. Hier versorgte sich die Mannschaft mit frischem Wasser und Lebensmitteln.
In einer Hafenkneipe lernte Kapitän Manuel de Oliveira Nobre den Seemann Francisco Domingos Machado kennen.
Machado war zwar noch jung an Jahren, hatte aber schon als Matrose eine Reise ins entfernte Macau hinter sich gebracht, was ihn, in den Augen des Kapitäns, „hochseetauglich“ machte.
Kapitän Oliveira Nobre lud den jungen Machado zur Überfahrt ein, konnte ihn aber nicht für diese bezahlen. Außer dem Dokument mit der Nachricht an den Prinzregenten hatte die „Bom Sucesso“ keinerlei Wertsachen an Bord. Kapitän Oliveira Nobre machte Machado aber ein Angebot schmackhaft, welches er sofort annahm.
Vor versammelter Mannschaft sagte Kapitän Oliveira Nobre dem jungen Machado zu, er würde das Kommando der „Bom Sucesso“ übernehmen, sollte er selber während der abenteuerlichen Reise versterben.
Ein Angebot das der einfache Matrose Machado nicht ausschlagen konnte und wollte.
Zwei Tage später, am 16. Juli, stach die „Bom Sucesso“ wieder in See.

Nach einer langen Zeit auf dem Meer ließen sich eines Morgens zwei Pelikane auf der „Bom Sucesso“ nieder, wohl um sich auszuruhen. Da die Männer diese Vögel von ihrer Heimat her kannten, wussten sie dass sich Pelikane nur sehr selten mehr als 60 oder 70 Seemeilen vom Land zu entfernten pflegten.
Als die Männer dann auch Treibholz, Seegras und Schilfrohr im Wasser treiben sahen, wussten sie, dass sie sich wohl nicht mehr sehr weit von der Küste befinden würden.

Fünf lange und stürmische Wochen nach ihrer Wegfahrt von Madeira und nachdem sie mit großer Zähigkeit und Willenskraft alle Hindernisse auf hoher See überwunden hatten, sichteten die Männer endlich die südamerikanische Küste.
Als sie an Land gingen erfuhren sie von Missionaren, die im Urwald Indios bekehrten, dass sie nicht in Brasilien angelandet waren, sondern sich in Französisch-Guayana befanden – also in Feindesland.
Sie füllten ihre Fässer mit frischem Wasser, besorgten sich im Urwald Nahrung und stachen darauf hin sofort wieder in See.
Da sie nun wussten wo sie sich ungefähr befanden, segelten sie die restliche Strecke immer in Landesnähe.
Sie segelten und ruderten an der dicht bewaldeten Küste Amazoniens, Pernambucos und Bahias vorbei, bevor sie endlich am 22. September 1808 in die Bucht von Guanabara, in Rio de Janeiro, einfuhren.

Sie hissten die portugiesische Flagge und gingen an Land.
Sofort sammelten sich am Hafen zahlreiche Bürger der Stadt und die Soldaten Rios, die den Kaik zuerst gar nicht bemerkt hatten, dachten anfänglich an einen üblen Scherz, denn für sie war es unvorstellbar, dass solch eine Nussschale wie die „Bom Sucesso“ den Atlantik überqueren konnte.
Als dem wachhabenden Kommandeur aber das versiegelte Dokument an den Prinzregenten gezeigt wurde, wurden die Atlantiküberquerer sofort in den königlichen Palast zu Prinzregent João geführt.

Der Regent war beeindruckt und konnte zuerst einmal, wie wohl jeder an diesem Tag in Rio de Janeiro, nicht so richtig glauben das die „Bom Sucesso“ den weiten Weg von Olhão nach Brasilien gefunden hatte.
Er empfing die ganze Mannschaft und ließ dieser, nach dem lesen des Dokuments das die portugiesische Militärregierung der Algarve an ihn gesendet hatte, noch am selben Tag die stattliche Summe von 1.200 Reis, die damalige portugiesische Goldwährung, auszahlen.

Aber der Prinzregent beließ es nicht bei dieser stattlichen Geldsumme für die 18 wagemutigen und tapferen Fischer aus Olhão.
In den folgenden Tagen gab er allen einen hohen militärischen Rang und versah jeden von ihnen mit dem höchsten Verdienstsorden den der portugiesische Staat damals zu vergeben hatte, dem Christusorden (port.: ordem de Cristo), einem Orden der bis dahin eigentlich nur an Adelige verliehen wurde.
Außerdem kaufte er Manuel Martins Garrocho, dem Eigentümer der „Bom Sucesso“, seinen Kaik ab und schenkte ihm einen neuen Segler, mit dem die Mannschaft später auch die Heimreise nach Portugal antrat.

Die original „Bom Sucesso“ gibt es heute nicht mehr.
Keiner weiß was aus dieser kleinen Nussschale geworden ist. Tatsache ist, das der Kaik bis 1841 nachweißlich eines der beliebtesten Ausstellungsstücke des renommierten Marinemuseums von Rio de Janeiro war.

Am 15. November 1808 erhob Prinzregent João Olhão zur Stadt und versah diese mit dem lyrischen Beinamen „Vila de Olhão da Restauração“ (dt.: Olhão, Stadt der Wiederherstellung).
Diesen Ehrentitel gab der Prinzregent der Stadt als Dank für die wichtige Initiative der Bürger Olhãos für die „Wiederherstellung“ der Unabhängigkeit Portugals von den französischen Besatzern.

Im Februar 1809 kehren die 18 Fischer aus Olhão in ihre Heimat zurück.
An Bord nahmen sie verschiedene Schriftstücke mit, unter ihnen verschiedene Anordnungen und Befehle des Prinzregenten an die Militärverwaltungen in Lissabon und der Algarve, sowie zahlreiche Briefe und Schriftstücke bürgerlicher, adliger und kirchlicher Bürger Rios an die verschiedensten Empfänger in Portugal.
Der portugiesische Seepostweg war gegründet!

In Portugal angekommen fingen einige der 17 Männer der „Bom Sucesso“ eine militärische Karriere an, andere widmeten sich wieder der Fischerei zu und zwei von ihnen, Manuel de Oliveira Nobre und Francisco Domingos Machado blieben der portugiesischen Übersee-Seefahrt treu.

Aber so unterschiedlich sich auch ihre jeweiligen Lebenswege nach ihrer tapferen Reise über den Atlantik entwickelten, alle 18 fanden sie nach dem Tod ihre letzte Ruhestätte in der Kapelle Nossa Senhora dos Aflitos im Herzen von Olhão, dort wo sie heute noch ruhen.
Der Kaik „Bom Sucesso“, wenn auch nur die Kopie, hat sie alle überlebt und steht heute im Hafen von Olhão, wo sie der Stadt als Museums- und Ausflugsboot dient.