Freitag, 26. Juni 2015

Das beste Strandrestaurant der Welt


Die britische Reisezeitschrift „Condé Nast“ hat ihre Leser vor einiger Zeit darum gebeten, sie möchten doch bitte das beste Strandrestaurant (port.: restaurante de praia) oder die beste Strandbar (port.: bar de praia) der  Welt auswählen.
Hierzu wurden die Leser auf der ganzen Welt gebeten per Twitter Fotos von den für sie jeweils besten Restaurants / Bars an die Redaktion zu schicken.
In die engere Auswahl kamen dann acht Strandrestaurants / Strandbars die von den Lesern schlussendlich klassifiziert und in der letzten Ausgabe der „Condé Nast“ vorgestellt wurden.

Den ersten Platz als bestes Strandrestaurant der Welt gewann das Restaurant „Sal“, an der 4 km langen Praia do Pego (dt.: Strand von Pego) gelegen, in der etwas über 1.000 Einwohner zählenden Gemeinde Comporta im Alentejo.
Die Leser der Zeitschrift begründen ihre Wahl für das „Sal“ vor allem mit dem frischen Fisch der hier jeden Tag auf den Tisch kommt, den leckeren Steaks, der eiskalten Sangria und vor allem mit der paradiesischen Lage am türkisblauen Atlantik und dem weißen Sandstrand.

Ob das Strandrestaurant „Sal“ wirklich das Beste der Welt ist, kann ich nicht beurteilen, da ich die anderen die zur ‚Auswahl standen nicht kenne.
Das man aber im „Sal“ sehr gut und lecker essen kann und man hier einen wunderbaren und unbeschwerten Tag am Strand verbringen kann, das kann ich bezeugen!

Samstag, 20. Juni 2015

Sternenhimmel über dem Alentejo


„Ich seh den Sternenhimmel, Sternenhimmel, Sternenhimmel, oho…“

so in etwa ging der Refrain eines Liedes, den der Sänger Hubert Kah, einst eine Ikone der Neuen Deutschen Welle, Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts sang.

Bestimmt hat Hubert Kah nicht an den portugiesischen Sternenhimmel gedacht als er seinen erfolgreichen Song zum Besten gab, aber Tatsache ist, dass er ohne Zweifel den Nachthimmel über dem Alentejo hätte meinen können – so sehr funkeln die Sterne hier in der Nacht.

Die dünne Besiedlung des Alentejo und die praktisch nicht vorhandene Lichtverschmutzung (port.: poluição luminosa) machen diese Gegend Portugals zum idealen funkelnden Paradies. Ein Paradies das man den Namen „Dark Sky“ gegeben hat und das von der UNESCO im Jahre 2011 zum weltweit erster „Starlight Tourism Destination“ (dt.: Touristisches Sternenlichtreiseziel / port.: destino turistico da luz de estrelas) auserkoren wurde.

Das „Sternenschutzgebiet Dark Sky“ (port.: Reserva Dark Sky) erstreckt sich über ein Gebiet von über 3.000 km² und schließt die Gemeinden Alandroal, Barrancos, Moura, Mourão, Portel, und Reguengos de Monsaraz ein.
Diese sechs Ortschaften liegen alle um den riesigen Alqueva-Stausee (port.: Barragem do Alqueva) – dem größten Wasserreservoir Europas.
Die sechs Gemeinden unterstützen mit verschiedenen Projekten das „Starlight Tourism Destination“. So haben sie sich u. a. alle vertraglich dazu verpflichtet jede Nacht die künstlich erzeugte Beleuchtung auf ein Minimum herabzusetzen.

Mit statistisch durchschnittlich 286 wolkenlosen und sternenklaren Nächten im Jahr, ohne eine Großstadt in der Nähe und somit praktisch ohne die geringste Lichtverschmutzung ist dieser Teil Portugals zweifellos einer der besten Orte weltweit, um die Milchstraße, den Mond, die Planeten und die Millionen und Abermillionen von funkelnden Sternen am spektakulären Nachthimmel zu beobachten und zu bewundern.

Wer einmal plant am Alqueva-Stausee oder in seiner Umgebung Urlaub zu machen, der sollte abends hier unbedingt zum Sternengucker werden.
Auch wenn man hier nicht nach den Sternen greifen kann, so hat man doch das Gefühl, dass man ihnen hier so Nahe ist wie kaum sonst wo auf der Welt!

Donnerstag, 18. Juni 2015

Erinnerungen an die EXPO 98


Im imposanten Portugal-Pavillon (port.: Pavilhão de Portugal), das auf dem ehemaligen Gelände der EXPO 98 steht, ist seit kurzem ein Informationszentrum (port.: Centro Interpretativo do Parque das Nações) eingerichtet worden.
Dieses neue Informationszentrum, im Lissabonner Stadtteil Parque das Nações gelegen, dient als Museum und zeigt momentan in seinen Innenräumen die Ausstellung „A Cidade Imaginada“ (dt.: die erdachte / erfundene Stadt).

Mit zahlreichen Fotografien – die vor, während und nach der Weltausstellung aufgenommen wurden – und verschiedenen Bauplänen und Miniaturmodellen ehemaliger EXPO-Gebäude wird hier an die erste Weltausstellung auf portugiesischem Boden vor 17 Jahren gedacht – eine Weltausstellung die zweifelsohne das Gesicht Lissabons sowohl architektonisch, urbanistisch als auch umweltpolitisch für immer verändert hat!

Einstmals ein heruntergekommenes, brach liegendes und umweltverschmutztes Hafen- und Industriegelände ist der Stadtteil Parque das Nações (dt.: Park der Nationen) heute die beliebteste und teuerste Wohn- und Bürogegend der portugiesischen Hauptstadt.

Wer die Geschichte dieses Lissabonner Stadtteils kennen lernen oder in Erinnerungen schwelgen möchte, kann dies bis zum 30. September 2015 machen.
Solange nämlich wird die Ausstellung „A Cidade Imaginada“ im Portugal-Pavillon kostenlos zu besichtigen sein.

Montag, 15. Juni 2015

Chegas de bois – wenn in Nordportugal die Hörner krachen



Wer jemals einem typisch-portugiesischen Stierkampf beigewohnt hat, der weiß dass dieser wesentlich unblutiger über die Bühne läuft als etwa z.B. die spanische Version dieses Schauspiels.
Wem aber die portugiesische „tourada“ trotz allem doch ein wenig zu „gewalttätig“ ist, der sollte eine der in Nordportugal um diese Jahreszeit üblichen „chegas de bois“ besuchen.

Im Gegensatz zu einem normalen Stierkampf in der Arena, bei dem sich immer Mensch und Tier gegenüber stehen, ist die „chegas de bois“ immer nur ein Kräftemessen zwischen zwei Tieren.
Diese Duelle zwischen zwei Stieren, bei dem die männlichen Tiere auf natürliche Art und Weise ihre Rangordnung klären, gehen für gewöhnlich immer unblutig aus. Sobald einer der kämpfenden Tiere mit den Knien den Boden berührt oder er vor seinem Gegner Reißaus nimmt, ist der Kampf beendet.
So ein Wettbewerb kann nur wenige Sekunden lang dauern, kann sich aber auch über eine gute halbe Stunde hinziehen – es kommt immer auf das Aggressionspotential der einzelnen Tiere an.

Der Kampf zwischen zwei männlichen Rindern, bei dem die Tiere instinktiv ihre Rangfolge klären, war schon bei den alten Römern ein beliebtes Schauspiel. Mit den Jahrhunderten aber starb diese Art des Spektakels aus und der klassische Stierkampf, zwischen Torero und Stier, setzte sich hierzulande durch.

Erst vor einpaar Jahrzehnten kam die seit vielen Generationen ausgestorbene Tradition der „chegas de bois“ wieder in Mode.
Durch die immer größer werdende technische Industrialisierung der Landwirtschaft nach der Nelkenrevolution in Portugal waren sehr viele heimische landwirtschaftliche Nutztiere, die nicht rentabel waren, plötzlich vom aussterben bedroht.
So „entdeckten“ einige Bauern und Grundbesitzer in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts die „chegas de bois“ wieder, organisierten zahlreiche Wettbewerbe, schrieben Preisgelder für die Duelle aus, erlaubten das Wetten und machten so auf diese Weise fast ausgestorbene Rinderrassen für Züchter und Publikum wieder attraktiv.

Der Ausdruck „chegas de bois“, mancherorts auch unter dem Begriff „chegas de touros“ bekannt, setzt sich aus dem portugiesischen Verb „chegar“ (dt.: beikommen, annähern) und dem Wort für Stier (port.: boi, touro) zusammen, und beschreibt einfach so die „Annährung von Stieren“ (port.: „chegas de bois“) die miteinander kämpfen wollen.

Zwei fast ausgestorbene portugiesische Rinderrassen kamen durch diese ausgefallenen Stierkämpfe bei Bauern und Rinderzüchtern wieder in Mode:
das kleine Barrosão-Rind (port.: raça barrosã), mit seinen langen, geschwungenen und bis zu 100 cm langen Hörnern, das in der Region um die nordportugiesischen Städte Montalegre, Alfândiga da Fé, Mirandela und Vila Flor seine Heimat hat und das bis 1.200 kg schwere und temperamentvolle Mirandesa-Rind (port.: raça mirandesa), aus der Gegend um die Städte Miranda do Douro, Bragança, Vinhais, Vimioso und Mogadouro, in der nordöstlichsten Provinz Portugals, dem Trás-os-Montes.

Die meisten Stiere dieser beiden Rinderrassen die zum Kampfwettbewerb antreten, gehören heute zumeist privaten Züchtern und Bauern.
Doch einige Dörfer und Gemeinden im Norden Portugals, in denen traditionsgemäß das Vieh immer der ganzen Dorfgemeinschaft gehörte und gehört, stellen heute noch so genannte „bois do povo“ (dt.: Volksstiere / Allgemeinheitsstiere) zum Kampf auf.

Die „chegas de bois“ finden den ganzen Sommer lang – meistens bis Mitte August – in vielen Städten und Dörfern Nordportugals statt und sind ein imposantes und spektakuläres Schauspiel, das ich jedem nur empfehlen kann!

Samstag, 13. Juni 2015

Die Nacht der Nächte – die Sankt Antoniusnacht in Lissabon






In der Werbung, in der Musik und  in der Literatur wird uns Portugiesen oftmals suggeriert wie leicht das Leben doch ist.
Außerdem glauben wir hier das unsere Freunde stets für uns da sind und das wir immer einen guten Wein und einen guten Café zum trinken haben.
Auch glauben wir felsenfest, dass unsere „seleção“, unsere Fußballnationalmannschaft, jedes Turnier gewinnen kann und dass ein Volksfest ohne uns kein richtiges Volksfest ist.

Sicher, dies alles mag ja das ganze Jahr über reine Wunschvorstellung sein.
Aber spätestens in der Nacht vom 12. auf den 13. Juni, wenn Lissabon ausgelassen die Sankt Antoniusnacht (port.: noite de Santo António) feiert und die Bürger der Stadt mit viel Musik und Tanz, bunten Umzügen, reichlich gutem Essen und Trinken diese besondere Nacht zum Tag machen, spätestens dann werden all diese Traumvorstellungen für uns Lissabonner Realität – und sei es mit Hilfe von Alkohol, viel Alkohol.

Das Lissabonner Stadtfest (port.: festas de Lisboa) findet im Rahmen der Feierlichkeiten für die drei Volksheiligen (port.: santos populares) – die drei Volksheiligen sind Santo António, São João und São Pedro –  den ganzen Monat Juni statt, erreicht aber am Vorabend des Sankt Antoniustag (port.: dia de Santo António), seinen Höhepunkt.

Gewidmet ist dieses Fest dem Heiligen Antonius, der einst in Lissabon geboren wurde, dann aber unter dem Namen „Antonius von Padua“ weltweit Berühmtheit erlangte.
Antonius, der Überlieferung nach ein wortgewaltiger Redner dem sogar die Fische zuhörten, ist Lissabons Schutzpatron.

Gestern feierten die Lissabonner, viele Zugereiste und Touristen, wieder eine fröhliche – teilweise auch feuchtfröhliche – Antoniusnacht und heute kann jeder den Stadtfeiertag ausgelassen genießen…

Schönen Feiertag!
Bom feriado!

Mittwoch, 10. Juni 2015

Lamego


Der heutige Mittwoch ist hier in Portugal ein Feiertag.
Man feiert hier den Portugal-Tag (port.: Dia de Portugal, de Camões e das Comunidades Portuguesas), einen Nationalfeiertag der hierzulande immer am 10. Juni gefeiert wird und der überall auf der Welt von Portugiesen als Feiertag begangen wird. Außerdem gedenkt man an diesem Tag dem im Jahre 1580 verstorbenen Nationaldichter Luis de Camões.
Jedes Jahr wird eine Stadt vom Staatspräsidenten auserkoren, die die offiziellen Feierlichkeiten ausrichten darf.
Letztes Jahr gebührte es z.B. der Stadt Guarda die zentrale Feier zum Feiertag des 10. Juni abzuhalten.

Dieses Jahr hat Präsident Anibal Cavaco Silva die nordportugiesische Kleinstadt Lamego, die im Weinanbaugebiet des Douro liegt, für die traditionellen Feierlichkeiten auserwählt.

Das reizvoll am Abhang des Monte Penude, ca. 100 km östlich von Porto, inmitten von Weinbergen und Feldern gelegene und heute an die 13.000 Einwohner zählende Bischofstädtchen Lamego ist wohl einstmals von den iberischen Stämmen der Keltiberern gegründet und später von Römern besiedelt worden.
Nach den Römern besiedelten die Westgoten Lamego, christianisierten den Ort und machten ihn bereits im Jahre 570 zum Bischofsitz.

Als sich die arabischen Mauren ab dem 7. Jahrhundert n. Chr. daran machten die Iberische Halbinsel zu besetzen, nahem sie in der Folgezeit ihrer Eroberungen auch Lamego in Besitz.
Erst unter dem leon-kastilischen König Ferdinand I (esp.: Fernando I de León), der Lamego im November 1057 im Rahmen der Reconquista eroberte, kam der Ort wieder unter christliche Herrschaft, wurde erneut Bischofsitz und in der Folgezeit ein wichtiger Handels- und Umschlagplatz für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse seiner fruchtbaren Umgebung.

Im Jahre 1143 versammelten sich in der Stadt Lamego erstmals die portugiesischen Landstände (port.: cortes) in der Kirche Santa Maria de Almacave, um den Grafen von Portucale feierlich und hochoffiziell als D. Afonso Henriques zum König des neuen Staates zu proklamieren.
Hier in Lamego beschlossen sowohl König Afonso Henriques als auch seine Gefolgsleute das neu gegründete Königreich nach dem Namen der Grafschaft Portucale (port.: Condado Portucalense) zu titulieren, und nannten es fortan „Portugal“.

Lamego wurde zu einer der bedeutendsten Städte im portugiesischen Mittelalter.
Im Jahre 1290 erhielt Lamego die Marktrechte und wurde zu einem der wichtigsten Handelsplätze des Königreiches. Kaufleute aus der ganzen Iberischen Halbinsel, selbst die aus den entlegenen arabischen Königreichen Granada und Cordoba, machten zu dieser Zeit in der Stadt ihre Geschäfte.
Bis ins 15. Jahrh. hinein profitierte Lamego von seiner guten Lage und den vielen Handelsrouten die hier zusammentrafen. Erst die aufkommenden portugiesischen Entdeckungsreisen sorgten dafür das Lamego handelspolitisch an Bedeutung verlor, da mit den Entdeckungen andere Handelswege erschlossen wurden.

Nichtsdestotrotz blieb Lamego über die Jahrhunderte hinweg ein kleines und schlichtes Städtchen, mit viel Esprit und Charme; einem Charme den es vor allem seinen zahlreichen schönen Bürgerhäusern (port.: casas brasonadas) aus dem 16. bis 18. Jahrh und den vielen geschichtsträchtigen Bauwerken zu verdanken hat.

Im Zentrum der Stadt erhebt sich auch heute noch die im Jahre 1129 von König Afonso Henriques gegründete imposante Kathedrale, die Sé.
Im 16. und 17. Jahrh. wurde der wuchtige Bau der Kathedrale stark verändert, so dass von dem ursprünglichen gotischen Gebäude alleine der massige, rechteckige Turm erhalten blieb. Im 18. Jahrhundert wurde das Innere der Sé im Renaissancestil umgebaut. Die Kathedrale ist heute die Hauptkirche der Diözese von Lamego.

Schräg gegenüber der Kathedrale, am Largo de Camões, wurde im ehemaligen Bischöflichen Palais (port.: Paço Episcopal) aus dem 18. Jahrhundert das bemerkenswerte Stadtmuseum (port.: Museu da Cidade) untergebracht. Gezeigt werden hier u.a. flämische Gobelins aus dem 16. Jahrh., die von jeher zur Ausstattung des Bischöflichen Palais gehörten, portugiesische Malerei aus dem 16. bis 18. Jahrh., Plastiken des 13. bis 17. Jahrh. sowie sakrale Kunst und Volkskunst.

Südlich der Kathedrale, an der nach Guarda führenden Hauptstraße liegt die kleine Capela do Desterro. Die um 1840 erbaute Kapelle besitzt ein Renaissanceportal und ist im Inneren reichlich mit vergoldeten Holzschnitzereien, der so genanten „talha dourada“ und Azulejos sowie einer schön bemalten Kassettendecke ausgestattet.

Auf einer Anhöhe über der Stadt erhebt sich die ursprünglich maurische Burg (port.: castelo) aus dem 11. Jahrh. Von ihr sind heute lediglich der Bergfried und einige Mauerreste erhalten geblieben.

Unterhalb der Burgruine steht die romanische Kirche Igreja de Santa Maria de  Almacave, die einige beachtenswerte Plastiken vorweisen kann. In dieser Kirche wurde einstmals Afonso Henriques zum ersten König Portugals proklamiert.

Hauptsehenswürdigkeit von Lamego ist aber zweifelsohne die im Rokokostil gehaltene Wallfahrtskirche Nossa Senhora dos Remédios.
Von der Stadt führt eine prächtige 686-stufige Treppenanlage mit 14 Stationskapellen aufwärts zur weithin sichtbaren Wallfahrtskapelle auf den Monte de Santo Estevão. Der Bau wurde im 18. Jahrh. recht prunkvoll mit einer doppeltürmigen Hauptfassade errichtet.
Alljährlich suchen hier in den ersten Tagen des Monats September Tausende von Gläubigen Trost und Heilung von ihren Gebrechen.
Auf der Terrasse, unterhalb der Kirche, sind die Statuen von Königen und biblischen Gestalten versammelt. Die Mitte schmücken ein mit Reliefen versehener Obelisk und eine über 700 Jahre alte, mit Efeu überwucherte, Kastanie.
Mehr als Skulpturenschmuck und Kastanie überzeugt jedoch der überragende Blick – er reicht von hier weit über Lamego und seine fruchtbare Umgebung.

Aber Lamego ist nicht nur wegen seinen zahlreichen historischen und kirchlichen Bauwerke berühmt.
Nein, auch die Gastronomie der Stadt und der Region in der sie liegt ist in ganz Portugal berühmt.
Besonders erwähnungswert sind hier das Zicklein und der Hase, die im Ofen gebraten werden, der berühmte Käse Queijo da Serra und natürlich die „bôlas“, schmackhafte Brote die z.B. mit Schinken, Salami, Hähnchenfleisch, Thunfisch, Bacalhau und noch vielem anderem gebacken werden.
Auch wegen seiner vielen guten Weine aus der Douro-Region und dem prickelnden Schaumwein „Raposeira“ ist Lamego hier in Portugal sprichwörtlich in aller Munde.

Lamego, mit seiner malerischen Lage in geringer Entfernung zum Douro und seinen vielen Weinbergen, gehört ohne Zweifel zu den schönsten Städten Nordportugals.
Klein, überschaubar, historisch, traditionsreich, kulinarisch wertvoll und zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert – das ist Lamego!

Sonntag, 7. Juni 2015

Die Anredeform „Dom“ und „Dona“


Vor wenigen Tagen, am 28. Mai, veröffentlichte ich hier in meinem Blog einen Beitrag mit dem Titel „Das neue Kutschenmuseum in Lissabon“.
Besagter Beitrag fing folgendermaßen an:
„D. Afonso de Albuquerque, einst Vizekönig in Indien…“

Claudia, eine Leserin meines Blogs, hat mich jetzt angeschrieben und mich gefragt was das „D“ vor dem Namen bedeuten würde, ob es überhaupt eine Bedeutung hat oder ob es lediglich ein Schreibfehler ist.
Nun, um es vorweg zu nehmen, das „D“ ist kein Schreibfehler und somit hat es sehr wohl eine Bedeutung!

Das „D“ steht für die respektvolle und höfliche Anredeform „Dom“ (männlich) und ist eigentlich ein altes Adelsprädikat. Diese heute hier in Portugal im Alltag doch eher seltene Anredensform, war früher die Anrede für einen Adligen und wird heute praktisch nur noch ab und zu als Namenszusatz verwendet.
Die weibliche Form des „Dom“ lautet „Dona“ und wird hierzulande im Alltag noch des öfteren benutzt.

Ursprünglich wurde diese Anredeform vom portugiesischen Monarchen an bestimmte standesherrliche Familien des Hochadels verliehen.
Die Anrede „Dom“ oder „Dona“ stammen von den lateinischen Wörtern „dominus“ (dt.: Herr, Gebieter, Meister) und „domina“ (dt.: Herrin, Gebieterin, Meisterin) ab.
Auch in anderen lateinischen Sprachen, wie dem spanischen und dem italienischen, gibt es diese Anrede, und zwar als „Don“ oder „Dona“.

So selten die Anredeformen „Dom“ oder „Dona“ heute auch sind, in der portugiesischen Gesellschaftsgeschichte waren sie einstmals fundamental.
Das „Dom“ oder das „Dona“, abgekürzt mit einem einfachen „D“, waren und sind ein Namenszusatz und stehen immer vor dem Vornamen, niemals vor dem Nachnamen. Das setzen der Anrede „Dom“ oder „Dona“ vor dem Nachnamen gilt hierzulande als sehr unhöfflich, ja beleidigend!

Beispiele richtig: D. Vasco, D. Carlos, D. Afonso, D. Maria, etc.
Beispiele falsch: D. Alves, D. Cavaco, D. Soares, D. Mendes, etc.

In den ersten Jahrhunderten der portugiesischen Geschichte stand es alleine dem jeweiligen König, der Königin und den königlichen Prinzen zu, diesen Titel zu tragen.
Ab dem 15. Jahrhundert fingen die portugiesischen Könige an einige Mitglieder des höchsten Adels (port.: grandes do reino) aber auch nichtadlige Bürger, die sich um die Nation verdient gemacht hatten, mit dem Titel eines „Dom“ oder „Dona“ zu versehen.
Ein gutes Beispiel ist hierfür der Seefahrer Vasco da Gama, der von Geburt an zwar kein Adliger war, aber als Dank für die Entdeckung des Seeweges nach Indien, von König Manuel den Titel „Dom“ verliehen bekam.

Als König Philipp II von Spanien, der gleichzeitig auch als Filipe I König von Portugal war, den portugiesischen Thron bestieg, erließ er während seiner Regierungszeit die so genannte „Philippinische Rechtsprechung“ (port.: código filipino).
Dieses neue Recht besagte unter anderem, das ab 1595 alle Herzöge, Fürsten, Grafen und Barone, sowie alle Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe und alle Generäle und Admiräle zur See den Titel eines „Dom“ vor ihrem Namen tragen durften und diesen auch vererben durften.

Eine Anredeform, die also ursprünglich als ein Prädikat gedacht war, wurde mit dem Gesetzt des spanischen Königs zu etwas ganz Gewöhnliches.
Dies war eine der Formen die Philipp II gefunden hatte, um den portugiesischen Hochadel zu etwas ganz vulgäres zu machen!

So kam es, das es über die Jahrhunderte hinweg immer mehr Personen gab, die den Titel eines „Dom“ oder „Dona“ trugen.
Mit dem Ende der Monarchie und dem Wegfall der öffentlich-rechtlichen Verankerung des Adels in Portugal im Jahre 1910 wurde aus dem Titel „Dom“ oder „Dona“ eine reine Anredeform.

Als obsolete Höflichkeitsform ist die Anrede „Dom“ heute eigentlich nur noch bei männlichen Nachkommen des Adels und hohen Kirchenmännern, wie Kardinäle, Erzbischofe oder Bischofe, hier in Portugal üblich.
Die weibliche Anredeform „Dona“ dagegen ist auch heute noch verbreitet. Generell benutzt man diese als Höflichkeits- und Respektbezeugung gegenüber allen zumeist etwas älteren Frauen.

Donnerstag, 4. Juni 2015

Das neue Stierkampfmuseum in der Arena von Lissabon



Die portugiesische Hauptstadt ist seit dieser Woche um ein Museum reicher!
Nachdem letzten Monat der Neubau des Kutschenmuseums (port.: Museu dos Coches) im Stadtteil Belém der Öffentlichkeit übergeben wurde, ist jetzt im Stadtteil Campo Pequeno das neue Stierkampfmuseum (port.: Museu Tauromáquico do Campo Pequeno) eröffnet worden.

Das neue Museum befindet sich im zweiten Stockwerk der arabisierten Stierkampfarena (port.: praça de touros) Lissabons, unweit des Haupteingangs.
In fünf neu renovierten Ausstellungsräumen versucht das Museum einem breiten Publikum die jahrhunderte alte Tradition und die Kunst des portugiesischen Stierkampfes (port.: tourada) – der sich wesentlich vom spanischen Stierkampf unterscheidet – näher zu bringen.

Im ersten Ausstellungsraum, dem Hauptsaal, wird die Geschichte und das kulturelle Erbe des Stierkampfes in Portugal anhand von über 400 Stierkampfutensilien, Bekleidungsstücken, Gemälden, Fotografien, Grafiken und alten Plakaten erzählt.
Die „tourada“ war und ist ein buntes, farbenprächtiges, ritualisiertes Schauspiel, in das sich das Publikum für gewöhnlich integriert, das aber nicht jedermanns Sache ist.

Der nachfolgende Ausstellungsbereich widmet sich der Geschichte und den Geschichten der imposanten Lissabonner Stierkampfarena. Die Arena wurde 1892 erbaut und ist mit 10.000 Sitzplätzen die größte des Landes.
In diesem Raum sind zahlreiche Erinnerungsstücke von berühmten Stierkämpfern, wie z.B. António Ribeiro Telles, Joaquim Bastinhas oder dem berühmten Simão da Veiga, ausgestellt.

Im dritten Raum werden die „forcados“ thematisiert, eines der wichtigsten und typischsten Bestandteile des portugiesischen Stierkampfes. Als „forcados“ wird die Gruppe junger Männer bezeichnet, die am Ende eines jeden Stierkampfes in Teamarbeit versucht den Stier in der Arena „bei den Hörnern zu packen“ und ihn so festzuhalten.

Der vierte Ausstellungsraum widmet sich ausschließlich dem Hauptakteur eines jeden Stierkampfes, dem Kampfstier (port.: touro).
Eindrucksvoll wird hier der Ursprung, das Aussehen, die Aufzucht und das Verbreitungsgebiet dieser besonderen Rinderrasse anhand von zahlreichen Bildern und Ausstellungsobjekten dokumentiert. Eine besondere Aufmerksamkeit widmet man hier historischen Kampfstieren, die einst in der Arena von Lissabon Geschichte machten.

Im fünften und letzten Ausstellungsraum ist ein Multimediasaal eingerichtet, in dem verschiedene Animationen und Videoaufnahmen den Stier und den Stierkampf filmisch zum Thema machen.

Das neu eröffnete Stierkampfmuseum ist mit nur 3,00 Euro Eintritt eines der billigsten in Lissabon. Verbindet man den Besuch des neuen Museums mit einer Besichtigung der im preudo-arabischen Stil erbauten Arena, so beträgt der Preis 5,00 Euro.

Dienstag, 2. Juni 2015

Ohne Sardinen – keine Santos populares – kein Volksfest!


Nun ist er endlich da, der Monat Juni, der hierzulande der „Monat der Volksheiligen“ (port.: „mês dos Santos populares“) genannt wird.
Als Volksheilige werden die drei Heiligen Santo António (dt.: Heiliger Anton), São João (dt.: Sankt Johann) und São Pedro (dt.: Sankt Peter) bezeichnet.
Traditionell ist der Juni der Monat, indem hier in Portugal landauf landab viele kirchliche Zeremonien, Prozessionen, Wallfahrten und Volksfeste stattfinden. Vor allem in Lissabon (Santo António), in der nordportugiesischen Metropole Porto (São João) und in vielen Städten der Algarve (São Pedro) wird dieser Monat mit viel Belustigungen, Umzügen, Tanz, Gesang, Brauchtum, gutem Essen und Trinken gefeiert.

Festschmaus der landesweit stattfindenden Feste sind traditionell gegrillte Sardinien (port.: sardinhas assadas).
Was die Weißwürste für München, das Eisbein für Berlin und die gekochten Rippchen für Frankfurt sind, sind ohne Zweifel die Sardinen für Lissabon und Porto in der Volksfestzeit.

Sardinen sind das Symbol, das Wahrzeichen des feiernden Portugals – ein Wahrzeichen das langsam in den Meeren Portugals selten wird.
Um es deutlicher zu sagen, dieser hier so beliebte Fisch droht regelrecht auszusterben!

Laut einer Schätzung des Instituto Português do Mar e da Atmosfera (dt.: Portugiesisches Institut des Meeres und der Atmosphäre), einem Institut welches die Aufgabe hat die Öffentlichkeit über Forschungsaktivitäten und Expertisen zu informieren und unabhängige Veröffentlichungen herauszubringen, werden dieses Jahr im Feiermonat Juni schätzungsweise nur ca. 2.000 t Sardinen von portugiesischen Trawlern aus dem Meer geholt werden.

2.000 t Sardinen entsprechen, so haben es einpaar kluge Köpfe ausgerechnet, schätzungsweise 35 Millionen Sardinen.
Da der Monat 30 Tage hat, heißt das mit anderen Worten, das etwas mehr als 1 Million dieser Fische diesen Monat hierzulande auf den Tisch kommen werden, das sind 48.000 Sardinen jede Stunde, 805 Sardinen pro Minute oder 13 Sardinen jede Sekunde.

Das mag jetzt einem unheimlich viel erscheinen, aber Tatsache ist, dass die Sardinenfischerei hierzulande jedes Jahr geringere Fangresultate aufweisen kann – dieses Jahr die kleinste Menge an Sardinen der letzten 75 Jahre überhaupt!

Vor 30 Jahren konnte Portugal gut 200.000 t Sardinen anlanden.
Vor zehn Jahren waren es dann, wegen jahrelanger Überfischung und immer stärker werdenden klimatischen Veränderungen, nur noch 100.000 t.
Während portugiesische Trawler im Jahre 2012 gut 32.000 t Sardinen aus dem Meer holten, waren es 2013 bereits nur noch 28.000 t und 2014 gar nur noch 16.000 t, d.h. in zwei Jahren hat sich die Fangmenge um ganze 50% reduziert.
Für das Jahr 2015 ist eine Fangquote von lediglich nur noch 13.500 t vorgesehen, was den Preis dieses Fisches ins astronomische katapultiert hat.
Hat man letztes Jahr für ein Kilo Sardinen noch um die 3,50 Euro bezahlt, so wird man dieses Jahr wohl bereits gut 5,00 Euro für das Kilo hinblättern müssen.

Nichtsdestotrotz sind die meisten Portugiesen weiterhin bereit Sardinen zu kaufen, auch wenn diese fast unerschwinglich geworden sind.
Denn jeder Portugiese ist sich über eines im Klaren:

ohne Sardinen – keine Santos populares – kein Volksfest!

Donnerstag, 28. Mai 2015

Das neue Kutschenmuseum in Lissabon





D. Afonso de Albuquerque, einst Vizekönig in Indien, blickt gelassen, in Bronze, von einer pseudo-manuelinischen Säule auf den gleichnamigen Platz und Grünanlage im Lissabonner Stadtteil Belém herab.
Am Nordende der Praça Afonso de Albuquerque befindet sich das alte Gebäude des nationalen Kutschenmuseums (port.: Museu Nacional dos Coches), eines der meistbesuchten Museen der portugiesischen Hauptstadt.
Auf der anderen Straßenseite, praktisch gegenüber des alten Museums, ist am vergangenen Wochenende, nach einer langen Plan- und Bauphase, endlich das neue Gebäude des Kutschenmuseums eröffnet worden. Eigentlich ist das neue Museumsgebäude bereits seit 2013 fertig gebaut, konnte aber aufgrund der schlechten finanziellen Lage in Portugal erst jetzt eröffnet werden.

„Portugals Seewege sind seine besten Trophäen. Die grässlichen Landwege stapft höchstens der Teufel entlang, und selbst der Belzebub würde umkehren, grau von Staub und krumm von Mühsal und höllisch fluchend vor Entsetzen.“
Diese wenig schmeichelhaften Reiseerinnerungen eines Franzosen sind über 150 Jahre alt. Aber die Kutschen, Karossen, Tragstühle und Sänften im alten und im neuen Lissabonner Kutschenmuseum sind um vieles älter (lesen sie hierzu bitte auch meinen Blogeintrag „Das Kutschenmuseum in Belém“, vom 06. Januar 2010).

Das imposante Museumsgebäude das am 23. Mai 2015 eröffnet wurde, auf den Tag genau 110 Jahre nach der Eröffnung des ersten Kutschenmuseums im Jahre 1905, ist ein Werk des brasilianischen Stararchitekten und renommierten Pritzker-Preisträgers Paulo Mendes da Rocha und des Portugiesen Ricardo Bak Gordon.

Insgesamt hat das neue Museum eine Ausstellungsfläche von 6.000 m², bestehend aus zwei riesigen Ausstellungshallen und einer großen Halle für Sonderausstellungen, sowie einem Auditorium und einer Bibliothek. Somit ist das neue Museum drei Mal so groß wie das alte Ausstellungsgebäude.

Vorerst 80 Kutschen und Karossen aus verschiedenen Epochen und Ländern, wie Italien, Frankreich, Spanien, Österreich und natürlich auch Portugal, werden im neuen Museumsgebäude ausgestellt.
55 Reisegefährte wurden vom alten in das neue Museum transportiert und 25 Kutschen wurden aus dem Museum der ehemaligen Königsresidenz, dem Herzogspalast von Vila Viçosa, nach Lissabon gebracht.
Zu besichtigen sind fortan im neuen Kutschenmuseum so prachtvolle und aufwendig gestaltete Kutschen wie

– Coche de D. Filipe II (dt.: Kutsche von Philipp II)
mit dieser Reisekutsche, die älteste des Museums, reiste der spanische König Philipp II im Jahre 1581 von Madrid nach Lissabon, um sich hier die portugiesische Königskrone aufzusetzen und so die portugiesisch-spanische Personalunion zu proklamieren

– Coche de D. Maria Francisca de Sabóia (dt.: Kutsche von Maria Francisca von Savoyen)
diese besonders schöne Kutsche aus dem 17. Jahrh., eine französische Arbeit, gehörte zum Fuhrpark der Nichte des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV, Königin Maria Francisca, die hintereinander Gattin zweier portugiesischer Könige war

– Coche do Embaixador (dt.: Kutsche des Botschafters)
mit dieser prachtvollen Kutsche fuhr im Jahre 1716 der portugiesische Botschafter D. Rodrigo de Almeida e Meneses bei Papst Clemens XI in Rom vor. Der prunksüchtige portugiesische König João V ließ diese pompöse, goldverzierte Kutsche einstmals in Rom bauen. Große mythische Figuren die die Flüsse Tiber und Tejo und die Städte Rom und Lissabon symbolisieren, zieren die Seitenwände des offenen Wagens.
In überlieferten Schriften heißt es, die anderen Diplomaten hätten sich damals geniert in ihren eigenen Kutschen beim Heiligen Vater vorzufahren. Diese Galakutsche war eine von fünf Kutschen die König João V einstmals in Rom anfertigen ließ. Zwei andere dieser fünf Kutschen waren die Kutsche der Ozeane und die Lissabonner Krönungskutsche

– Coche dos Oceanos (dt.: Kutsche der Ozeane)
Dies war eine weitere Kutsche die der damalige Botschafter Portugals, D. Rodrigo de Almeida e Meneses, im Jahre 1716 bei seinen diplomatischen Missionen in Rom bei Papst Clemens XI benutzte.
Auch sie wurde, wie die so genannte Kutsche des Botschafters, von König João V in Rom in Auftrag gegeben.
Das besondere an dieser pompösen Kutsche sind die vergoldeten Putten, die den Atlantik, den Indischen Ozean, den Pazifik und das Mittelmeer symbolisieren 

– Coche da Coroação de Lisboa (dt.: Lissabonner Krönungskutsche)
auch diese Kutsche ließ sich der prunkliebende König João V im Jahre 1716 in Rom anfertigen. Im Gegensatz zu den anderen Kutschen die sich der König in Italien anfertigen ließ, war diese nicht für den diplomatischen Dienst angefertigt worden, sondern war für zukünftige Krönungszeremonien in Lissabon gedacht.
Da die Kutsche über 7 m lang und 3 m breit war ist sie in den damaligen engen Straßen Lissabons nie im Einsatz gewesen. Nach ihrer Fertigung wurde diese prachtvolle Kutsche per Segelschiff nach Lissabon gebracht

– Coche da Coroa (dt.: Kutsche der Krone)
diese Galakutsche aus dem Anfang des 18. Jahrh. wurde von vom portugiesischen König João V in Frankreich in Auftrag gegeben und von dessen Botschafter am Hofe des Sonnenkönigs, Luis Manuel da Câmara Graf von Ribeira Grande, benutzt

– Coche Papa Clemente XI (dt.: Kutsche von Papst Clemens XI)
König João V erhielt diese Kutsche im Jahre 1715 von Papst Clemens XI als Geschenk zur Geburt seines Sohnes, des portugiesischen Thronfolgers José, geschenkt

– Coche de D. Pedro II (dt.: Kutsche von Pedro II)
diese mit vergoldeten Holzschnitzereien versehene Kutsche aus dem 17. Jahrh. gehörte einstmals dem Bragança-König Pedro II. Sie ist im französischen Stil aber in Portugal angefertigt worden

– Coche dos Patriarcas (dt.: Kutsche der Patriarchen)
die Lissabonner Patriarchen ließen sich in dieser im 17. Jahrh. gebauten und mit silberbesticktem Samtbrokat versehenen Kutsche anno dazumal über das schlechte Pflaster schaukeln

– Coche de D. Maria Ana de Austria (dt.: Kutsche von Maria Ana von Österreich)
als die Habsburger Erzherzogin Maria Ana von Österreich im Oktober 1708 mit einer Flotte von elf Schiffen in Lissabon eintraf um den portugiesischen König João V zu ehelichen, brachte sie unter anderem aus ihrer Heimat eine prachtvolle Kutsche mit.
Diese Kutsche, die heute ihren Namen trägt, wurde vom Bruder von Maria Ana, Kaiser Josef I, in Österreich in Auftrag gegeben und dort von österreichischen und holländischen Handwerkern gebaut

– Coche de D. João V (dt.: Kutsche von João V)
in Portugal hergestellt, ist diese Kutsche eine der wenigen, von denen man mit Sicherheit sagen kann wer sie gebaut, bzw. dekoriert hat.
Anfang des 18. Jahrh. bat der portugiesische Monarch João V die Brüder José de Almeida, Bildhauer, und Felix Vicente de Almeida, Holzschnitzer, darum ihm eine Prunkkarosse zu bauen. Für die malerischen Verzierungen und Bilder an der Kutsche wurden die beiden Maler José da Costa Negreiros und der Franzose Pierre-Antoine Quillard herangeholt.
Das Ergebnis ist die prachtvolle Kutsche die man heute im Kutschenmuseum bewundern kann  

– Coche de D. José I (dt.: Kutsche von José I)
diese in Portugal, im Stile Louis XV erbaute Kutsche, wurde im 18. Jahrh. von König José I in Auftrag gegeben.
Für ihren Bau waren die Brüder José de Almeida und Felix Vicente de Almeida verantwortlich. Die Malereien die den Wagen zieren werden dem portugiesischen Künstler Cirilo Volkmar Machado zugeschrieben

– Carruagem da Coroa (dt.: Staatskarosse)
König João VI gab diese Kutsche im Jahre 1824, kurz nachdem er aus Brasilien nach Portugal zurückgekehrt war, in Auftrag.
Sie diente ihm und seinen Nachfolgern als Staatskarosse. Im Jahre 1889 wurde die Kutsche signifikant umgebaut um dem Monarchen Carlos I als Krönungskutsche zu dienen.
1957 wurde die Kutsche anlässlich des Staatsbesuches von Königin Elisabeth II von Großbritannien aus dem Museum geholt und nochmals als Staatskarosse benutzt.
Dies war das letzte Mal, bis auf die kurze Reise die sie jetzt vom alten ins neue Museumsgebäude gemacht hat, das die Kutsche das Museum verlassen hat  

– Landau do Regicidio (dt.: Landauer des Königsmord)
diese viersitzige, vierrädrige und an beiden Achsen gefederte Kutsche, Landauer genannt, ist ein portugiesisches Fabrikat und stammt aus dem Ende des 19. Jahrh. Dieser Landauer ist das Fahrzeug, auf den am 01. Februar 1908 ein Attentat gegen den König verübt wurde.
Als der königliche Landauer an diesem Tag den zentralen Platz Terreiro do Paço überquerte, feuerten zwei Attentäter auf die königliche Familie.
König Carlos I und der Thronfolger Luis Filipe kamen bei diesem Königsmord (port.: regicidio) ums Leben. Nur Königin D. Amélia, die Begründerin des ersten Kutschenmuseums, und der zweitälteste Sohn des Königpaares, Manuel,  überlebten das Attentat.
An dem ausgestellten Landauer kann man heute noch sehr deutlich die entsprechenden Einschusslöcher erkennen.

Das neue Museu dos Coches, das pro Jahr an die 350.000 Besucher anziehen soll, hat dem portugiesischen Staat 40 Millionen Euro gekostet.
Am jetzigen Eröffnungswochenende besuchten knapp 20.000 Besucher die neuen Ausstellungshallen.

Sonntag, 24. Mai 2015

Ihrer Zeit weit voraus – die Barockmalerin Josefa de Óbidos








Wer in den nächsten Wochen hier in Lissabon verweilt und plant das berühmte Museum für Alte Kunst (port.: Museu de Arte Antiga) aufzusuchen, der wird die Gelegenheit haben eine faszinierende Sonderausstellung zu besuchen, die den Namen „Josefa de Óbidos e a invenção do barroco português“ (dt.: Josefa de Óbidos und die Erfindung des portugiesischen Barocks“) trägt, und die den Werken der Barockmalerin Josefa de Óbidos gewidmet ist.

Josefa de Óbidos, die eigentlich als Josefa de Ayala Figueira im Jahre 1630 in der spanischen Stadt Sevilla geboren wurde und die sich erst später in ihrem Leben mit dem Namen ihrer Wahlheimat Óbidos titulierte, war die bedeutendste portugiesische Malerin des Barocks und ohne Zweifel eine für ihre Zeit sehr ungewöhnliche Frau.

Josefa de Óbidos wurde im Februar des Jahres 1630, der genaue Tag ist leider nicht bekannt, als Tochter des portugiesischen Malers Baltazar Gomes Figueira im andalusischen Sevilla geboren.
Sie wurde, dem Taufbuch der Kirche San Vicente nach, am 20. Februar 1630 in dieser Kirche in Sevilla getauft.
Ihr Vater war als junger Mann im Jahre 1626 aus Portugal nach Sevilla gezogen, um dort beim Militär eine Karriere zu machen.
Doch dann entschloss er sich, er der anscheinend immer einen Hang für die schönen Künste besaß, an der damals einflussreichen Sevillaner Malerschule (esp.: Escuela de Sevilla) das Malen zu erlernen.
Sevilla übte im damaligen vereinigten Portugal und Spanien einen sehr großen Einfluss auf das gesamtiberische Kunstschaffen aus.
Die Maler die Anfang des 17. Jahrhunderts in Sevilla lebten und arbeiteten belieferten nicht nur die zahlreichen Kirchen, Klöster und Paläste im damaligen Vereinigten Königreich Spanien-Portugal mit ihren Bildern, sondern auch die vielen in dieser Zeit neu entstehenden Kirchen und Klöster in den Kolonien Mittel- und Südamerikas.

In Sevilla lernte Baltazar Gomes Figueira seine spätere Ehefrau, die andalusische Adelige Catarina de Ayala Camacho Cabrera Romero, kennen und ehelichte diese im Jahre 1628.
1634, Josefa war gerade mal vier Jahre alt geworden, verließen ihre Eltern mit ihr und ihrer kleinen Schwester Luisa, die 1632 auf die Welt gekommen war, Sevilla und zogen nach Portugal zurück.
Da ihr Vater keinen Hehl daraus machte, dass er die portugiesische Unabhängigkeitsbewegung unterstützte, wurde er zur „persona non grata“ erklärt und ihm wurde das Arbeiten in Spanien unmöglich gemacht.
Nach dem Verlassen Spaniens lebte die Familie zuerst in der kleinen Stadt Peniche, an der Atlantikküste, wo ihr Vater eine Anstellung gefunden hatte.
Doch etwas später, als Josefa sechs Jahre alt wurde, fanden sie und ihre Eltern in der Stadt Óbidos, auf dem Landgut Quinta da Capeleira, der zum Familienbesitz ihres Vaters gehörte, ihr neues Zuhause.

Seit ihrer frühesten Kindheit schaute sie ihrem Vater beim malen über die Schultern und dieser brachte ihr die ersten Pinselstriche bei.
Josefa war das, was man heute wohl ein „künstlerisch begabtes Kind“ nennen würde, denn sie fing nicht nur an ihre Zeichnungen und Malereien zu perfektionieren – sie spezialisierte sich vor allem darauf Blumen, Früchte und andere Stillleben (port.: natureza morta) zu malen – sondern zeigte auch viel Fingerfertigkeit beim gravieren, töpfern, Silber- und Goldschmieden.

Als sich Portugal im Jahre 1640 von der Personalunion mit Spanien löste und wieder unabhängig wurde, wurde ihr Vater Baltazar Gomes Figueira nach Lissabon berufen, wo er am Hofe des neuen Königs João IV Hofmaler wurde.
Josefa blieb mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester in der Provinz, in Óbidos, zurück.
Der Vater kam nur noch sporadisch nach Óbidos, da ihn seine Arbeit als Hofmaler in Lissabon voll beschäftigte.
Trotz der geographischen Trennung, bekamen Josefas Eltern in den folgenden Jahren noch fünf weitere Kinder: Francisco im Jahre 1634, Basilia 1635, José 1637, Antonia 1639 und nach dem frühen Tod des ersten Josés bekamen die Eltern 1643 noch einen Sohn, den sie ebenfalls José nannten.

Wohl ab dem Jahre 1644, so belegen Unterlagen des Augustinerklosters Santa Ana in der Stadt Coimbra, besuchte sie die dortige Klosterschule und erhielt religiösen Unterricht.
Für sie war eine Zukunft als Nonne vorgesehen – so hatten es wohl jedenfalls ihre Eltern geplant.
Doch sie zeigte wenig interessierte an dem religiösen Leben; das einzig spirituelle das für sie damals wohl Bedeutung hatte, waren die biblischen Motive die sie auf ihre Leinwände pinselte. Beweis dafür waren ihre ersten erhaltenen zwei Gravuren – eine „Santa Catarina“ und ein „São José“ -, welche sie mit 14 und 15 Jahren im Kloster in Coimbra malte.

Um 1653 verließ Josefa mit Erlaubnis ihres Vaters das Kloster Santa Ana und kehrte von Coimbra nach Óbidos in ihr Elternhaus zurück. Doch bevor sie Coimbra verließ, malte sie noch für die dortige Universität und für die Kathedrale auf Wunsch mehrere Bilder, darunter die Bilder „Santa Maria Madalena“ und „São Francisco e Santa Clara adorando o menino Jesus“, ihre wohl berühmtesten Frühwerke.

In Óbidos wieder angekommen fing sie an, im Alter von 23 Jahren, ihre ersten bezahlten Auftragswerke zu malen. Diese zwei Gemälde – eine Mutter Gottes und ein Christuskind – malte sie für das Franziskanerkloster Convento de Varatojo in der Stadt Torres Vedras.

Sowohl dem Klerus als auch dem Adel gefielen ihre Werke äußerst gut und so begann sie regelrecht im Akkord zu malen.
Zeitgenossen sagten über Josefa, sie würde so schnell und gut Bilder malen, wie ein Bäcker schnell gutes Brot backen würde.

Die nächsten Aufträge die sie malte waren verschiedene Gemälde mit biblischen Motiven für das Kloster in Alcobaça (port.: Mosteiro de Alcobaça), das Kloster in Batalha (port.: Mosteiro da Batalha) und das Kloster São Jerónimo in Vale Bem-Feito, bei Mirandela.
Für die Kathedrale von Évora malte sie um 1662 eines ihrer schönsten und berühmtesten Bilder, ein von Blumen umringtes Osterlamm (port.: cordeiro pascal), das heute im Regionalmuseum von Évora (port.: Museu Regional de Évora) hängt.
Diesen Bildern folgen noch viele andere für Kirchen, Klöster und Adelspaläste darunter z.B. Werke wie „Natureza morta: caixa com potes“ (1660) oder „O Mês de Março“ (1668).

Ab 1668 fing Josefa an ihre Bilder mit „Josefa de Óbidos“ zu unterschreiben, einen Namen mit dem sie fortan ihre Bilder bis an ihr Lebensende signierte.

Mit den Jahren entwickelt sich Josefa de Óbidos, die immer in der Provinz blieb und die so niemals die Barockhochburgen Italien oder Flandern kennen lernte und die nicht mit anderen Barockmalern wie Caravaggio, Rubens, Rembrandt, Vermeer oder van Dyck verkehrte, hierzulande zu einer Meisterin dieser Malkunst.
Ihre zahlreichen religiösen Bilder, die sie voller Frömmigkeit malte und dabei perfekt das Sakrale mit dem Profanen verband, ihre einzigartigen Portraits, die die gemalte Personen immer sehr real zeigten, als auch ihre vielen ästhetischen Stillleben mit den verschiedensten Motiven, wie z.B. Obst, Fische, Jagdwild oder Blumen – vor allem Blumen – waren immer von Licht und Schatten geprägt und voller Leben und kräftiger Farbigkeit.

Beste Beispiele aus dieser Zeit sind z.B. „Adoração dos Pastores“ (1669), „Natureza morta: frutos e flores“ (1670), „Menino Jesus Peregrino“ (1672),  „Transverberação de Santa Teresa“ (1672), „Visão de São João da Cruz“ (1673) und „O menino Jesus Salvador do Mundo“ (1673).

Als ihr Vater 1674 starb, erhielt sie vom Königshaus den Auftrag verschiedene Porträts zu malen, darunter eines von Königin Maria Francisca Luisa Isabel de Saboia, Gattin des neuen Königs Pedro II, und eines der einzigen Tochter des Königpaares, der Infantin Isabel Luisa de Bragança.
Zur Hofmalerin machte Pedro II sie nicht, obwohl der Monarch anscheinend sehr mit ihren Arbeiten zufrieden war.
Aber eine Frau als Hofmalerin, das wäre dann doch zu viel des Guten gewesen, für die damalige konservative Zeit.

Andere Bilder die sie nach dem Tod ihres Vaters malte waren u.a. so berühmte wie „Cesta com cerejas, queijos e barros“ (1675), „Anunciação“ (1676), „Calvario“ (1679) und „Natureza morta: vaso de flores“ (1680).

Nach dem Tod ihres Vaters Baltazar wurde Josefa die alleinige Ernährerin ihrer Mutter, ihrer Geschwister sowie ihrer Nichten.
Da ihre Gemälde immer bekannter und beliebter wurden, konnte sie ihre Familie gut über die Runden bringen, sowie das Haus und den Hof.
Josefa selbst trat nie in den Stand der Ehe ein.
An Kunden für ihre gemalten Kunstwerke mangelte es Josefa nicht. Es wird erzählt, das alles was damals Rang und Namen hatte, und im benachbarten Badeort Caldas da Rainha zur Kur ging, bei ihr in Óbidos vorbeischaute um eins oder gleich mehrere Bilder in Auftrag zu geben.

Am 22. Juli 1684 verstarb Josefa de Óbidos – heute würde man sagen „plötzlich und unerwartet“ – im Alter von nur 54 Jahren.
Sie war so bekannt und beliebt, dass man sie unter dem Altar der Stadtkirche São Pedro in Óbidos beisetzte, wo sie heute noch liegt.

Josefa de Óbidos, war eine gebildete und für die damalige Zeit sehr moderne, emanzipierte Frau, die damals, in einer von Männern beherrschten Welt, mit vielen, vielen Tabus brach.
Ihre Werke zeigen uns heute noch, wie viel künstlerische Begabung in dieser rein autodidaktischen Künstlerin steckte.

Wie am Anfang dieses Textes schon erwähnt, kann man in den nächsten Monaten im renommierten Museum für Alte Kunst (port.: Museu de Arte Antiga) in Lissabon eine Sonderausstellung besuchen, die dieser großen Künstlerin und den über 130 ihrer Werke gewidmet ist, die für diese Exposition zusammengetragen wurden.
Ich kann jedem diese Ausstellung nur wärmstens ans Herz legen!

Museu de Arte Antiga – Lisboa
Exposição Josefa de Óbidos e a ivenção do barroco português
16. Mai – 06. September 2015