Mittwoch, 10. August 2011

Der Fledermausturm von Troia


Auf der Halbinsel Troia (port.: Península de Tróia), in der Nähe der Stadt Setúbal, steht am Rande der Nationalstraße ein 10 m hoher Turm, von dem sich schon manch einer gefragt hat, warum und weshalb er dort mitten in der Landschaft steht.

Nun, bei diesem Turm handelt es sich um einen „morcegário“, einem „Fledermausturm“.
Seit dem Jahre 2003 steht er dort.
Er wurde errichtet, um den Bulldoggfledermäusen (port.: morcego-rabudo / lat.: tadarida teniotis), die hier in Portugal vom aussterben bedroht sind und unter Naturschutz stehen, einen künstlichen Wohnraum zu bieten.
Damals gab es auf der eher hügellosen Halbinsel Troia, wie heute auch, zwar keine Höhlen, aber es gab die riesige Bauruine eines ehemaligen Hotelkomplexes, in dem die Bulldoggfledermäuse es sich mit den Jahren gemütlich gemacht hatten.
Bulldoggfledermäuse leben zwar vorwiegend in gebirgigen Regionen mit Schluchten und Felswänden, kommen aber auch ohne weiteres in Ortschaften wie Troia vor.

Die Hotelbauruine wurde im Jahre 2003 dem Erdboden gleichgemacht.
Aber vor ihrer Sprengung siedelten Mitglieder der Tierschutzorganisation Quercus die über 4.000 Fledermäuse in den schon erwähnten neu errichteten Fledermausturm um.
Die Tierschützer waren selbst überrascht wie leicht die Bulldoggfledermäuse zuerst ihr neues Zuhause annahmen.
Aber einige Jahre nach der Umsiedlung ist man von dem Erfolg des Fledermausturms nicht mehr so überzeugt.
Man hat nämlich festgestellt, dass es immer weniger Fledermäuse auf Troia gibt.
Das liegt nicht daran das sie generell aussterben, sondern hat mit der Tatsache zu tun, das viele von ihnen ins Arrabida Gebirge (port.: Serra da Arrabida) abwandern, wo sie im dortigen Naturschutzgebiet, nur etwa eine halbe Flugstunde von Troia entfernt, eine Menge natürlicher Höhlen als Wohnraum vorfinden.

Nichtsdestotrotz ist der Fledermausturm momentan eine wichtige Alternative für die Bulldoggfledermäuse von Troia.
Bleibt nur zu hoffen, dass diese Naturschutzmaßnahme der Fledermauspopulation in Troia zukünftig auch weiterhin als Zufluchtsort dient.

Dienstag, 9. August 2011

Cognomen


Der wohl berühmteste Träger eines Beinamen hier in Portugal ist Heinrich der Seefahrer (port.: Henrique o Navegador).
Ohne den Namenszusatz „der Seefahrer“ währe Heinrich der Seefahrer nichts weiter als einer von vielen Heinriche die es auf der Welt gibt.
Erst der Beiname „der Seefahrer“ machen aus diesem Infanten aus dem Hause Avis, jemand unverwechselbares und einzigartiges.

Der Beiname (port.: cognome / lat.: cognomen) ist ein schon in der Römerzeit verwendeter Namenszusatz, der dazu diente die verschiedenen Träger eines und des selben Vornamens, voneinander zu unterscheiden.
Eigentlich war der „cognomen“ ursprünglich ein Beiname der seinen Träger wenig schmeichelte, ja sogar verspottete.
Doch mit der Zeit wurden die Beinamen zu richtigen Titeln.
Da es in Portugal bis in ins 13. Jahrhundert hinein keine Nachnamen gab, sondern nur Vornamen, wurde aus dem Beinamen vieler Personen mit der Zeit auch deren Nachnamen.

Vor allem die Monarchen, und das nicht nur hier in Portugal, erhielten mit der Zeit Beinamen die sie charakterisierten oder aber auch, wie ich schon erwähnte, verspotteten.
Mit den Jahrhunderten wurden die „cognomen“ zu so etwas wie die Spitznamen der Edelleute.

Nicht immer war das Volk bei der Namensgebung der „cognomen“ schmeichelhaft.
So wurde z.B. der portugiesische König Afonso II lächerlich gemacht, in dem man ihn „den Dicken“ nannte, obwohl nicht übermäßiges Essen für seine Leibesfülle verantwortlich war, sondern eine Art von Lepra.
Pedro I wurde wenig schmeichelhaft „der Stotterer“ genannt, Fernando I war „der Wankelmütige“, João II „der Tyrann“ und Königin Maria II musste sich sogar den Beinamen „die Wahnsinnige“ gefallen lassen.

Anbei nun eine Liste all der Beinamen, die portugiesischen Könige über die Jahrhunderte hinweg, als „cognomen“ vom Volk erhielten:

• Afonso I Henriques – „O Conquistador“ (dt.: der Eroberer), „o Fundador“ (dt.: der Gründer) und „o Grande“ (dt.: der Große)

• Sancho I – „O Povoador“ (dt.: der Bevölkerer“)

• Afonso II – „O Gordo“ (dt.: der Dicke), „o Crasso“ (dt.: der Grobe) und „o Legislador“ (dt.: der Gesetzgeber)

• Sancho II – „O Capelo“ (dt.: der Kaplan) und „o Piedoso“ (der Fromme)

• Afonso III – „O Bolonhês“ (dt.: der Bolognese)

• Dinis I – „O Lavrador“ (dt.: der Landwirt), „o Tovador“ (dt.: der Troubadour), „o Rei-Poeta“ (dt.: der Poetenkönig) und „o Rei-Agricultor“ (dt.: der Bauernkönig)

• Afonso IV – „O Bravo“ (dt.: der Tapfere)

• Pedro I – „O Justiceiro“ (dt.: der Gerechte), „o Cru“ (dt.: der Rohe), „o Cruel“ (dt.: der Grausame), „o Tartamudo“ (dt.: der Stotterer), „o Apaixonado“ (dt.: der Verliebte) und „o Até-ao-fim-do-mundo“ (dt.: der Bis-ans-Ende-der-Welt)

• Fernando I – „O Formoso“ (dt.: der Schöne), „o Inconstante“ (dt.: der Wankelmütige) und „o Inconsciente“ (dt.: der Unverantwortliche)

• João I – „O de Boa Memória“ (dt.: der mit der Guten Erinnerung)

• Duarte I – „O Eloquente“ (dt.: der Beredete) und „o Filósofo“ (dt.: der Philosoph)

• Afonso V – „O Africano“ (dt.: der Afrikaner)

• João II – „O Princípe Perfeito“ (dt.: der Perfekte Prinz) und „o Tirano“ (dt.: der Tyrann)

• Manuel I – „O Venturoso“ (dt.: der Glückliche) und „o Afortonado“ (dt.: der Glückspilz)

• João III – „O Piedoso“ (dt.: der Fromme)

• Sebastião I – „O Desejado“ (dt.: der sehnsüchtig Erwartete)

• Henrique I – „O Casto“ (dt.: der Keusche“) und „o Cardeal-Rei“ (dt.: der Kardinalkönig)

• Filipe I (Philipp II von Spanien) – „O Prudente“ (dt.: der Kluge)

• Filipe II (Philipp III von Spanien) – „O Pio“ (dt.: der Gutherzige)

• Filipe III (Philipp IV von Spanien) – „O Grande“ (dt.: der Große)

• João IV – „O Restaurador“ (dt.: der Wiederhersteller oder der Erneuerer)

• Afonso VI – „O Vitorioso“ (dt.: der Siegreiche) und „o Prisioneiro“ (dt.: der Gefangene)

• Pedro II – „O Pacífico“ (dt.: der Friedliebende)

• João V – „O Magnânimo“ (dt.: der Großherzige“) und „o Rei-Sol-Portugues“ (dt.: der portugiesische Sonnenkönig)

• José I – „O Reformador“ (dt.: der Reformer)

• Maria I – „A Piedosa“ (dt.: die Fromme) und „a Louca“ (dt.: die Wahnsinnige)

• João VI – „0 Clemente“ (dt.: der Milde)

• Pedro IV – „O Libertador“ (dt.: der Befreier) und „o Rei-Soldado“ (dt.: der Soldatenkönig)

• Maria II – „A Educadora“ (dt.: die Erzieherin) und „a Boa-Mãe“ (dt.: die Gute Mutter)

• Pedro V – „O Esperançoso“ (dt.: der Hoffnungsvolle) und „o Muito-Amado“ (dt.: der Vielgeliebte)

• Luis I – „O Popular“ (dt.: der Volksnahe), „o Bom“ (dt.: der Gute) und „o Rei-Marinheiro“ (dt.: der Matrosenkönig)

• Carlos I – „O Diplomata“ (dt.: der Diplomat), „o Mártir“ (dt.: der Märtyrer), „o Oceanógrafo“ (dt.: der Ozeanograph) und „o Rei-Pintor“ (dt.: der Malerkönig)

• Manuel II – „O Patriota“ (dt.: der Patriot)

Die „cognomen“ die ich hier aufgeführt habe, sind sozusagen die offiziellen Beinamen der portugiesischen Monarchen gewesen.
Es gab auch inoffizielle „cognomen“ die aber niemals so charakteristisch für ihre Träger waren, und dementsprechend auch niemals so bekannt wurden, wie die die ich hier aufgezählt habe.

Montag, 8. August 2011

Das Chalet der Comtesse d´ Edla


Wer das Sintragebierge (port.: Serra de Sintra) kennt, weiß das es dort an exklusiven Häuschen, Schlösschen und Burgen nicht mangelt.
Eines dieser exklusiven Häuser ist das Chalet der Comtesse d´ Edla (port.: Chalet da Condessa d´ Edla), der zweiten Ehefrau von Fernando II, dem Prinzgemahlen der ehemaligen portugiesischen Königin Maria II.

Als die Königin im November 1853 im Kindbett stirbt, bleibt Fernando II, der aus dem Hause Sachsen-Coburg-Gotha stammte, zuerst einmal Witwer.
Im Jahre 1869 geht er aber eine zweite Ehe mit der deutschstämmigen Opernsängerin, Elise Frederica Hensler, der Comtesse d´ Edla, ein.
Elise Hensler war alles andere als beim Volk beliebt.
Und so ließ Ferdinand II in der Tapada da Vigia, im Sintragebierge, ein kleines Refugium für sich und seine zweite Frau errichten.

In diesem Refugium verbrachte das Paar viele intime Stunden zusammen.
Hier konnten sie auch die Natur genießen und der Botanik nachgehen, eine Leidenschaft die beide verband.

Auch wenn das Chalet einem heute wie ein UFO inmitten des Sintragebierges vorkommt, so gibt es für seine, für diese Gegend eher ausgefallene alpine Architektur, eine simple Erklärung.
Fernando II und Elisa Hensler stammen, wie schon erwähnt, beide aus Deutschland und sie wollten sich damals mit dem Bau des originellen Hauses lediglich „ein kleines Stück Heimat“ nach Portugal holen.

Insgesamt zwei Jahre brauchten damals die Architekten um die genauen Vorstellungen des Paares als Model aufs Papier zu bringen.
Die Bauzeit dagegen dauerte noch nicht einmal acht Monate.
Von außen sieht das Chalet wie ein nordamerikanisches Holzblockhaus aus.
Aber in Wirklichkeit ist diese Imitation ganz aus Stein, Ziegeln und Mörtel.

Dieses Jahr wurde das Chalet, nach dem schweren Brand im Jahre 1999, restauriert.
Man hat sich viel Mühe gegeben das Gebäude wieder im alten rustikalen Glanz erscheinen zu lassen.
Vor allen Dingen hat man sich den Malerarbeiten an der Fassade gewidmet, und diese, nach alten Fotografien, behutsam rekonstruiert.

Aber auch der zum Chalet gehörende Park wurde wieder hergerichtet.
Er war mit den Jahren vollkommen verwahrlost.
Jetzt hat man, anhand von alten Fotographien und Briefen, die vielen Azaleen, Rhododendrons und Kamelien wieder erblühen lassen
Auch viele riesige australische und neuseeländische Farne, die noch von der Comtesse d´ Edla damals gepflanzt wurden und in ganz Portugal ihres gleichen suchen, schmücken den Park.

Beide, sowohl das Chalet der Comtesse d´ Edla als auch der Park können jetzt jeden Tag von 9:30 Uhr bis um 19:00 Uhr besichtigt werden.
Ein Besuch in Sintra ist immer lohnend.
Aber einen Nachmittag im Park des Chalet der Comtesse d´ Edla kann ich jedem nur empfehlen!

Sonntag, 7. August 2011

Museu de Macau






Heute war ich im kleinen, aber feinen, Museu de Macau (dt.: Macau-Museum) in Lissabon.
Das Museum, welches die Geschichte und die Kultur des ehemaligen portugiesischen Territoriums Macau dem Besucher nahe bringen will, gehört dem renommierten Institut „Centro Científico e Cultural de Macau“, kurz auch CCCM genannt, (dt.: Institut des wissenschaftlichen und kulturellen Zentrums von Macau) an.

Das Institut wurde 1995 in Lissabon gegründet, um die kulturellen, geschichtlichen, wissenschaftlichen und sozialen Beziehungen zwischen Portugal und China, zu dem das Territorium Macau heute gehört, zu fördern und die Forschungen und Innovationen der beiden Länder zu intensivieren.

Aus dieser sino-portugiesischen Zusammenarbeit resultiert das schon erwähnte Museum.
Das Museu de Macau wurde im Jahre 1999 eröffnet und beherbergt heute die größte und wertvollste Sammlung chinesischer Kunst auf der gesamten Iberischen Halbinsel.
Das Museum besticht nicht in erster Linie durch seine Größe, sondern vor allem durch seine originelle Sammlung.

Die meisten Objekte der Sammlung wurden von dem aus Macau stammenden Sammler António Sapage zusammengetragen.
Er brachte einzigartige Objekte aus Terrakotta, Sandstein und Porzellan, sowie verschiedene Bekleidungsstücke, alte See- und Landkarten und Bücher zusammen, die heute im Museum ausgestellt sind.
Beeindruckend ist auch die numismatische Sammlung, die seltene chinesische Münzen aus verschiedenen Jahrhunderten zeigt.

Auch ein Original des ersten portugiesisch-chinesischen Wörterbuchs aus dem Jahre 1580 wird hier ausgestellt.
Dieses Wörterbuch war das erste das in China damals in einer europäischen Sprache erschien. Über 2000 Begriffe der portugiesischen Sprache, zumeist aus der Seefahrt, dem Handel und der Politik, werden in ihm ins chinesische übersetzt.
Autoren dieses ersten portugiesisch-chinesischen Wörterbuches waren der Jesuit Miguel Roggiero und der aus Macau stammende Jesuit Sebastião Fernandes, der mit chinesischen Namen eigentlich Tchong Ming-Jem hieß.

Das Museu de Macau liegt in der Rua da Junqueira n° 30, im Lissabonner Stadtteil Alcântara, und kann jeden Tag, außer Montags, besucht werden.

Pack die Badehose ein


Selten assoziiert man Lissabon mit Stränden.
Ich weiß nicht warum, aber die meisten Menschen, wenn sie über Lissabon reden, ignorieren völlig die Tatsache das Lissabon praktisch an einer kilometerlangen Sandküste liegt.
Wenn man von Lissabon spricht, dann erwähnt man meistens seine geschichtlichen Bauten, die wundervollen Museen, die charakteristischen Stadtteile, den schwermütigen Fado und selbst die leckeren „Pasteis de nata“, aber niemals, wirklich niemals, seine Strände!

Dabei ist Lissabon eine der wenigen Hauptstädte auf der Welt, die von sich behaupten kann, einzigartige und feinsandige Badestrände zu besitzen, von denen viele noch nicht einmal 20 Minuten von der Lissabonner Innenstadt entfernt, leicht erreichbar und alle sauber sind.
Von den Wassertemperaturen will ich hier mal nicht sprechen, denn die sind mit 16°C bis 18°C eher gewöhnungsbedürftig, um nicht zu sagen saukalt.

Nichtsdestotrotz habe ich hier, nun folgend, die für mich schönsten und besuchenswertesten Strände im Lissabonner Großraum aufgeführt, die ich selbst aufzusuchen pflege, wenn ich mal die Gelegenheit dazu habe einen Tag am Strand zu verbringen:

• Praia do Inatel (Costa de Caparica / Almada)
• Praia de Sesimbra (Sesimbra)
• Praia da Costa de Caparica (Costa de Caparica / Almada)
• Praia da Fonte da Telha (Costa de Caparica / Almada)
• Praia da Figueirinha (Serra da Arrábida / Setúbal)
• Praia das Maçãs (Colares / Linha de Sintra)
• Praia do Estoril (Estoril / Linha de Sintra)
• Praia de Oeiras (Oeiras / Linha de Sintra)
• Praia dos Coelhos (Serra da Arrábida / Setúbal)
• Praia dos Galapinhos (Serra da Arrábida / Setúbal)
• Praia Grande (Linha de Sintra)
• Praia do Castelo (Costa de Caparica / Alamda)
• Praia do Portinho da Arrábida (Serra da Arrábida / Setúbal)
• Praia da Adraga (Almoçageme / Linha de Sintra)
• Praia de São João (Costa de Caparica / Almada)
• Praia do Guincho (Linha de Sintra)
• Praia do Rei (Costa de Caparica / Almada)

Die 17 Strände die ich hier aufgeführt habe bilden nur einen kleinen Teil der vielen Hausstrände die es im Lissabonner Großraum gibt.

Lissabon liegt zwischen zwei großen Küstenabschnitten.
Im Süden der Hauptstadt liegt der Küstenabschnitt der als „Costa de Lisboa“ (dt.: Küste von Lissabon) bekannt ist.
Die Costa de Lisboa beginnt am Mündungstrichter des Flusses Tejo und geht hinunter, immer entlang der Ausläufer der Serra da Arrábida, bis zum Mündungstrichter des Flusses Sado.
Diese Küste ist, bis auf die Gegenden um Caparica und Sesimbra, noch weitgehend vom internationalen Tourismus unberührt.
Viele Lissabonner verbringen gerne hier ihre Freizeit und auch ihre Sommerferien.

Westlich von Lissabon liegt der Küstenabschnitt „Costa do Sol“ (dt.: Sonnenküste).
Die Costa do Sol wird auch, wegen der ansprechenden Landschaft, der schönen Strände und des fast immer guten Klimas auch die „Portugiesische Riviera“ genannt.
Nicht umsonst verbringen viele Lissabonner ihre freie Zeit hier.
In der Hauptsaison, die von Juni bis September geht, sind die Strände daher meistens überfüllt und auf den Küstenstraßen herrscht dann das reinste Verkehrschaos.

Ich bin neulich mal gefragt worden, welches denn mein persönlicher Lieblingsstrand wäre.
Nun, ich werde mich hüten solch ein Geheimnis preiszugeben!
Schließlich will ich auch weiterhin meine wertvolle und knappe freie Zeit in Ruhe und Gelassenheit am Strand verbringen!

Einen kleinen Tipp kann ich hier aber dennoch geben:
In der weiter oben von mir aufgeführten Liste habe ich meinen Lieblingsstrand, wie konnte es auch anders sein, natürlich aufgezählt.

Samstag, 6. August 2011

Zé Povinho





In meinem Beitrag „F*** you Moody´s“, vom 23.07.2011, berichte ich von der Porzellanmanufaktur „Faianças Bordallo Pinheiro“ in Caldas da Rainha, die der Raitingagentur Moody´s eine ziemlich originelle Porzellanfigur geschickt hat.

Bei dieser Porzellanfigur handelt es sich um einen „Zé Povinho“ der eine obszöne Geste zeigt, die hier in Portugal „manguito“ genannt wird.
Heute wurde ich nun gefragt welchen symbolischen Wert und Tradition der Zé Povinho hier in Portugal hat.

Nun, der Zé Povinho entstand ursprünglich als eine Karikatur des typischen Portugiesen.
Damals wie heute gilt er als personifiziertes Nationalsymbol, mit dem sich jeder Portugiese mehr oder weniger identifizieren kann.
Erfunden wurde die Figur von dem Keramiker und Zeichner Rafael Bordalo Pinheiro, der ihm den fiktiven Namen João Bítor gab. Doch das Volk gab ihm alsbald den Namen „Zé Povinho“, was im deutschen so viel heißt wie „Josef Völkchen“ oder „Josef vom Volk“.

Am 12. Juni 1875 tauchte er zum ersten Mal auf.
Er wurde in der Satirezeitung „A Laterna Mágica“ (dt.: „Die magische Laterne“) in einer satirischen Auseinandersetzung um eine geplante Steuererhöhung (die schweren Zeiten wiederholen sich immer wieder!) karikiert.
Zé Povinho übernahm dort die Rolle eines einfachen, ärmlichen Bauern, dessen Unwissenheit und Naivität von Serpa Pimentel, dem damaligen Finanzminister, schamlos ausgenutzt wurde.
Er blieb in seiner Rolle stets der Ignorant der er war und der Gegenüber Korruption und Ungerechtigkeit leicht resignierte.

Aber trotz seiner Einfachheit und seiner geistigen Schlichtheit hat er sich in den 136 Jahren seines Bestehens doch weiterentwickelt und gilt heute als eine Figur voller Gegensätze.
So wird er als treu, gastfreundlich, milde, ruhig, fleißig und sozial sehr engagiert charakterisiert.
Gleichzeitig aber auch als aufmüpfig, revolutionär, wütend, mutig, aktiv und ungläubig dargestellt.

Auf humoristische Art und Weise steht er, über die Jahrzehnte hinweg, zu seinen Eigenschaften und seinen politischen Einstellungen, und ist trotzdem stets aktuell.
Sein derber Humor ist so aktuell, das, wie schon in diesem Blog erwähnt, selbst in heutiger Zeit, sogar Raitingagenturen seinen derben Humor ertragen müssen.

Portugiesen in der EU


Die Anzahl der Portugiesen die in den anderen Ländern der EU leben, hat im Jahre 2010 die 1 Millionengrenze zum ersten Mal überschritten, dies teilte diese Woche das Europäische Statistikamt „Eurostat“ mit.
Laut den erhobenen Daten von „Eurostat“ lebten so insgesamt 1.007.289 portugiesische Staatsbürger in den anderen Ländern der Europäischen Union.
Insgesamt repräsentieren die Portugiesen so 3,1 % der im ganzen EU-Gebiet beheimateten 32,5 Millionen Ausländer.

Nach der Türkei, Rumänien, Marokko, Polen, Italien und Albanien steht Portugal an siebter Stelle, was die ausländische Bevölkerung in Europa angeht.
Außerhalb der EU leben in Europa noch einige Portugiesen, davon alleine in der Schweiz an die ca. 206.000.
Portugiesische Staatsbürger bilden sowohl in Frankreich als auch in Luxemburg die größte ausländische Gemeinde.

Von den 1.007.289 in der EU lebenden Portugiesen leben

• 490.444 in Frankreich
• 142.500 in Spanien
• 113.208 in Deutschland
• 95.000 in Großbritannien
• 88.401 in Luxemburg
• 41.000 in Belgien
• 18.700 in den Niederlanden
• 5.750 in Italien

Insgesamt 12.186 Portugiesen teilen sich auf die anderen EU-Länder auf.

Freitag, 5. August 2011

America´s Cup World Series 2011


Vom 06. August bis zum 14. August 2011 findet in den Wassern des Badeortes Cascais die erste von acht Etappen der weltberühmten America´s Cup World Series statt.

Zum ersten Mal in seiner 160jährigen Geschichte findet der America´s Cup nicht auf hoher See statt, sondern in einer Meeresbucht vor Cascais.
Diese Tatsache wird es vielen Menschen ermöglichen, vom Ufer aus, an der weltgrößten Regatta teilzuhaben.

Insgesamt neun Mannschaften, zu je sechs Mann Besatzung, werden an der diesjährigen Regatta teilnehmen.

Diese Mannschaften sind:

• Aleph (Frankreich)
• Artemis Racing (Schweden)
• China Team (China)
• Emirates Team (Neuseeland)
• Energy Team (Frankreich)
• Green Comm Racing (Spanien)
• Team Korea (Südkorea)
• Oracle Racing 4 (USA)
• Oracle Racing 5 (USA)

Wie die Rennleitung verlautbaren ließ, werden an der Regatta zum ersten Mal auch AC45-Segler teilnehmen, die die unglaubliche Geschwindigkeit von 60 km/h erreichen können und für den Segelsport den gleichen Stellenwert haben, wie Formel 1-Wagen für den Autosport.
Nur vier Nationen, nämlich die USA, Neuseeland, Australien und die Schweiz haben bis heute den America´s Cup gewonnen.

Da die Regatta dieses Jahr auch zum ersten Mal via Internet live übertragen wird, rechnen die Veranstalter damit, dass weltweit bis zu 60 Millionen Menschen sich dieses aufregende Segelspektakel anschauen werden.
Sollte der America´s Cup, sowohl für die Segler als auch für die Stadt Cascais ein Erfolg werden, dann ist mit einer neuen Etappe im nächsten Jahr sehr wohl zu rechnen.

Testanruf oder Falschanruf?


Vier jungte Abgeordnete der regierenden Partei PSD haben in den letzten Tagen für viel Wirbel hier in Portugal gesorgt.

Am letzten Mittwoch haben die Abgeordneten Joana Barata Lopes, Rui Tabosa, Luis Vales und Nuno Reis einen, wie sie es nennen, „Testanruf“ (port.: „chamada de teste“) bei der hiesigen Notrufzentrale INEM (port.: Instituto Nacional de Emergência Médica) gemacht.
Sie wollten wissen, ob wie gesetzlich vorgeschrieben, bei der Notrufzentrale innerhalb von fünf Sekunden ein Notruf entgegengenommen wird oder nicht.
Die Notrufzentrale hat an diesem Mittwochmorgen nicht fünf Sekunden gebraucht um abzunehmen, sondern drei Mal so lange, nämlich 15 Sekunden!

Da es jedem Portugiesen per Gesetz verboten ist, die Notrufnummer 112 grundlos anzurufen, wirft man den Abgeordneten jetzt vor, unverantwortlich gehandelt und eine Straftat begangen zu haben.
Der Leiter der Notrufzentrale meinte sogar, die Abgeordneten müssten sich nun für diesen Falschanruf öffentlich entschuldigen.

Nun, ob es sich bei diesem Anruf um einen Falschanruf gehandelt hat oder nicht sei mal dahingestellt.
Fakt ist jedenfalls, hätten die Abgeordneten nicht diesen Selbstversuch gestartet, könnte der INEM weiterhin behaupten vorschriftsmäßig die eingehenden Notrufe innerhalb von fünf Sekunden entgegenzunehmen.

Viele werden jetzt sagen, warum die ganze Aufregung wegen nur zehn Sekunden unterschied.
Aber wer schon einmal selbst ein Notfall hatte oder einen geliebten Menschen in einer Notsituation hatte, für den können zehn Sekunden eine Ewigkeit sein und manchmal sogar, der Unterschied zwischen Leben und Tod!

Donnerstag, 4. August 2011

Pavillon der lebendigen Wissenschaften






Diesen Urlaub war ich mit meiner Nichte Lorena und meinem Neffen Nélson im Parque das Nações, dem ehemaligen Expogelände.
Wir haben dort den „Pavillon der lebendigen Wissenschaften“ (port.: Pavilhão da Ciência Viva), am linken Tejoufer besucht.
Der Pavillon ist ein Ort, an dem jedermann, vor allem Kinder, wissenschaftlich und technologisch stimuliert werden und dazu angeregt werden selbst die Welt wissenschaftlich interaktiv zu entdecken.

Das von dem Architekten Carrilho da Graça konzipierte Gebäude war ursprünglich als „Pavilhão do Conhecimento dos Mares“ (dt.: Pavillon der Entdeckung der Meere) eines der Anziehpunkte der ehemaligen Weltausstellung Expo 98 hier in Lissabon.
Nach der Weltausstellung wurde der Pavillon zum heutigen „Pavillon der lebendigen Wissenschaften“ umgebaut und am 25. Juli 1999 als interaktives Museum, in dem man nicht nur Besucher ist, sondern auch selbst auf 4. 000 qm physikalisch, mathematisch und technologisch die Welt entdecken kann, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Außer den temporalen Ausstellungen, die mehrmals im Jahr wechseln, sind im Museum vier ständige Ausstellungen präsent.

Die ständigen Ausstellungen sind:

• Vê, faz, aprende! (dt.: Schaue, tue es, lerne)
• Matemática viva (dt.: lebendige Mathematik)
• Explora (dt.: Erforsche)
• A casa inacabada (dt.: Das unferige Haus)

Lorena und Nélson hatten eine Menge Spaß im Museum und sie konnten eine spannende Welt spielend entdecken.

Mittwoch, 3. August 2011

Schokolade von Regina


Heute Morgen war ich in meinem Stammcafé und ich habe gesündigt.
Seitdem ich im April krank geworden bin, habe ich alles, was auch nur annährend schokoladig schmeckt vermieden.

Aber heute habe ich alle guten Vorsätze sein lassen, und mich an einem Schokoladenhütchen von „Regina“ erfreut.
Heutzutage sieht man die Schokoladenhütchen, wie überhaupt alle Produkte von „Regina“, nur noch selten in den Auslagen der Geschäfte liegen.
Die Konkurrenzprodukte von Ferrero, Milka, Lindt, Mars, etc. haben diese portugiesische Schokolade einfach vom Markt verdrängt.

Das war nicht immer so!
Noch vor zwei Jahrzehnten habe ich wirklich alles liegen und stehen lassen, wenn ich eine kleine Schokoladentafel dieser Firma, von meiner Großmutter zur Ankunft in Portugal bekommen habe.

Natürlich hatte ich in Deutschland das ganze Jahr über gute Schokolade im Überfluss.
Nichtsdestotrotz habe ich mich damals über Reginaschokolade sehr gefreut, weil sie einfach besonders schmeckte.
Nur wer jemals diese Schokolade selbst probiert hat, weiß wovon ich rede.
Reginaschokolade hat einen besonderen Geruch, einen besonderen Geschmack.
Heute schmeckt jede Schokolade, so meine Empfindung, zum großen Teil gleich!

Die Firma „Regina“ produzierte über Jahrzehnte die beste Schokolade die es hier in Portugal gab.
Aber dann, durch Missmanagement und internen Streitereien, ging diese ehrenwerte portugiesische Firma bankrott.
Nichts konnte sie mehr retten.

Also wurde sie an den portugiesischen Schokoladenhersteller „Imperial“ Insolvenzverkauft.
Der kaufte sich aber nur den Namen „Regina“, nicht aber die originalen Produktionsgeheimnisse von „Regina“.

So kommt es, dass heute Reginaschokolade zwar nicht mehr genau so schmeckt wie früher, aber nachdem ich heute besagtes Schokoladenhütchen gegessen habe, muss ich wirklich sagen, dass es Reginaschokolade jederzeit mit einer schweizer, deutschen oder italienischen Schokolade aufnehmen kann.

Mittwoch, 27. Juli 2011

Meuterei auf der Bounty in Neuzeitversion


Eine Sondereinheit der Marinepolizei (port.: Grupo de Ações Táticas da Polícia Marítima) musste gestern, mitten in der Nacht, mit zehn Mann ausrücken um dem Kapitän des unter maltesischer Flagge fahrenden Öltankers "Al-Mahhoobah" zu Hilfe zu kommen.

Der Kapitän hatte nämlich um 00:30 Uhr ein Notruf ausgesendet, indem er behauptete, die Besatzung wolle ihn lynchen.
Da die Marinepolizei (port.: Polícia Marítima) solch ein Notruf nicht ignorieren kann, machten sich also zehn Mann der Sondereinheit auf den Weg um den 100 m langen und 40 m breiten Öltanker in ihre Gewalt zu nehmen.

Die 18 Mann Besatzung, alles philippinische Staatsbürger, wurden von der Polizei auf See, in etwa der Höhe von Cascais, vernommen und am Ende zwei von ihnen, anscheinend die Rädelsführer, festgenommen.

Wie die Polizei mitteilte, hatte es an Bord wegen dem Be- und Entladen des Tankers Unstimmigkeiten gegeben.
Laut dem Kapitän fingen die Streitigkeiten im Hafen von Leixões, unweit von Porto, an, und eskalierten dann kurz vor der Ankunft des Tankers im Lissabonner Hafen.

Der Tanker durfte dann in Porto Brandão, in der Nähe von Lissabon, vor Anker gehen, und dort verbleibt er, bis er von der Polizei freigegeben wird.

In letzter Zeit häufen sich die Fälle von Gewalt an Bord von ausländischen Schiffen und Tanker, die durch portugiesische Gewässer fahren.
Die Marinepolizei verzeichnete alleine in der ersten Hälfte dieses Jahres 83 angezeigte Fälle.
Aufgenommen werden diese Anzeigen von der Polizei, auch heute noch, mit dem Begriff "rebelião" oder "revolta".
Dies kommt, auch wenn man es kaum glauben mag, dem deutschen Begriff der "Meuterei" nahe.

Dienstag, 26. Juli 2011

Snoopy-Parade Lisboa






Vor Jahren fand hier in Lissabon die „Cowparade Lisboa“ statt. Dutzende buntbemalte Kühe dekorierten damals, auf originelle Weise und zur Freude eines jeden von uns, Lissabons wichtigste Straßen und Plätze.
Nachdem sie einige Wochen das Stadtbild bereichert hatten, wurden dann die Kühe versteigert und der Erlös ging an wohltätige Organisationen.

Dieses Jahr wiederholt sich das ganze Schauspiel wieder, allerdings nicht mit Kühen, sondern mit riesigen Snoopyfiguren.
Insgesamt 20 verschiedene bunte Figuren dieses Zeichentrickhelden können bis zum kommenden 15. August in der Avenida Duque D´ Ávila, unweit der Praça Duque de Saldanha, bewundert werden.

Anlässlich des 60. Geburtstages von Snoopy wurden berühmte portugiesische Persönlichkeiten aus Radio, Film und Fernsehen aufgefordert, Snoopyfiguren originell anzumalen und zu dekorieren.

Schauspieler, Komiker und Sänger wie Herman José, Albuquerque Mendes, Nuno Markl, Ana Galvão, Guilherme Parente, Rita Fernandes, Mariola, Anna Westerlund, Marta de Castro, Evelina Oliveira, Acácio de Carvalho, Graça Viterbo, Pedro Ribeiro, Vanda Miranda und Vasco Palmeirim wurden so gebeten jedem einzelnen Snoopy eine individuelle Note zu geben.

Die Snoopyfiguren werden ab dem 15. August versteigert, und der Erlös kommt dann der UNICEF zugute, die damit das Projekte „Schulen für Afrika“ unterstützt.

Die „Snoopy Parade Lisboa“ ist eine Initiative der Copyright Promotions und der Peanuts Worldwide.

Samstag, 23. Juli 2011

Krawattenzwang aufgehoben


Gestern hatte ich geschäftlich auf der Bank etwas zu erledigen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, etwas sei anders als die anderen Male in denen ich zur Bank gehe.
Auch als mich der Bankangestellte freundlich bediente, wurde ich dieses misstrauische Gefühl nicht los, das da etwas war, was anders war als sonst.

Kurz vor dem Verlassen der Bank, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Die ganzen männlichen Bankangestellten hatten keine Krawatte um den Hals!
Diese Herren, die mich sonst immer mit hoch geknöpften Hemden und einem Schlips empfangen und bedienen, selbst bei den höchsten Sommertemperaturen, waren auf einmal Schlipslos.

Es scheint so, als ob das nicht tragen einer Krawatte nun auch im finanziellen Sektor angekommen ist.

Begonnen hat diese Mode des nicht tragen einer Krawatte aber im hiesigen Landwirtschafts- und Umweltministerium (port.: Ministerio da Agricultura e do Ambiente).
Als die neue junge Landwirtschafts- und Umweltministerin Assunção Cristas Anfang dieses Monats ihr Amt antrat, war eine ihrer ersten Amtshandlungen das Herausgeben eines neuen Erlasses aus ihrem Haus.

Dieser Erlas besagt, das der Krawattenzwang im Ministerium aufgehoben ist und jeder Mann dieses Symbol universeller Formalität zukünftig zuhause lassen kann!
Somit werden Schlipsträger, so scheint es, in gewissen Kreisen bald zu einer vom aussterben bedrohten Art gehören.

Die Ministerin Assunção Cristas gibt als Grund für diese Maßnahme, die den originellen Namen „Ar Cool“ trägt, das Sparen von Energie in ihrem Ministerium an.
Laut der Ministerin besagen Studien aus Japan, das man in einem Büro in dem Männer keine Krawatte tragen müssen, die Klimaanlagen im Durchschnitt um 2°C runtergedreht werden können.
Laut des Umweltministeriums wird das herunterfahren der Klimaanlagen im Sommer so alleine im Landwirtschafts- und Umweltministerium dafür sorgen das im Durchschnitt so viel CO² eingespart werden kann, mit der sonst eine Stadt wie Aveiro, Braga oder Guimarães die Umwelt während einem Tag im Jahr belasten.

Dieser Erlas aus dem Landwirtschafts- und Umweltministerium soll kein symbolischer Akt sein.
Er soll viel mehr zukünftig landesweit auf alle ca. 2500 Regierungsgebäude ausgeweitet werden und für die ca. 44.500 Staatsbeamten gelten.
Assunção Cristas, die mit gutem Beispiel vorangehen will, muss nur noch ihre Ministerkollegen von diesem Vorhaben überzeugen.

Dieser Erlas ist für keinen Ministerialbeamten bindend.
Jedem ist es freigestellt ab jetzt Krawatte zu tragen oder nicht.
Aber eines hat die Ministerin schon klargestellt – nach Brüssel werden die Herren auch weiterhin mit Krawatte reisen.

Ab jetzt ist nur noch laufen billiger


Das Verkehrsministerium hier in Lissabon hat gestern verlautbaren lassen, dass die Preise im Öffentlichen Verkehr (port.: transportes públicos) bald durchschnittlich um 15% angehoben werden sollen.
In Worten: fünfzehn Prozent!
Das heißt, dass manche Transportmittel sogar um 25% teurer werden können.
Noch einmal in Worten: fünfundzwanzig Prozent!

Meine Monatskarte, für die ich im Augenblick 55,00 Euro bezahle, wird mich also demnächst mindestens 63,25 Euro kosten!
Die Preiserhöhung soll schon ab dem kommenden Monat August gelten.

Dies ist, meiner Meinung nach, Raub auf höchstem Staatsniveau.
Wir werden hier in Portugal in letzter Zeit mit immer weniger Verkehrslinien und -verbindungen der öffentlichen Verkehrsmittel konfrontiert, die zumeist unpünktlich und unsauber sind und dazu noch unfreundliches Personal haben.
Dafür sollen wir nun mehr bezahlen!

„Das will mir nicht in den Kopf rein.
Wieso soll ich für eine schlechtere und unfreundlichere Dienstleistung mehr bezahlen, als ich es jetzt schon tue?“

Diese Frage habe ich gestern, per E-Mail, an vier in Lissabon ansässigen Transportfirmen geschrieben.
24 Stunden später habe ich noch keine Antwort bekommen, weder von der Carris (Busse und Straßenbahnen), der TransTejo (Schiffe und Fährboote), der CP (Bahnen) noch von der Metro (U-Bahnen).

Nun ja, es ist Wochenende, vielleicht lassen sich die Herrschaften ja noch ein bisschen Zeit mit einer Antwort.
Fakt ist nur eins:
Ab jetzt ist nur noch laufen billiger!

F*** you Moody´s


Die Raitingagentur Moody´s hat dieser Tage ein besonderes Souvenir aus Portugal erhalten.
Die Porzellanmanufaktur „Faianças Bordallo Pinheiro“, die für ihre erstklassige Ware berühmt ist, hat Humor gezeigt, und der hier in Portugal im Augenblick wenig geliebten Moody´s, eine Porzellanfigur zukommen lassen, die einen „Zé Povinho manguito“ in einem Fass darstellt.

Ein „Zé Povinho“ ist eine männliche Figur, die traditionell auf komische Art und Weise den typischen Portugiesen darstellt, und gleichzeitig das personifizierte Nationalsymbol Portugals ist.
„Manguito“ ist eine obszöne Geste mit dem Arm, die man jemanden zeigt den man nicht mag, ähnlich dem Mittelfingerzeigen in Deutschland.
Somit ist ein „Zé Povinho manguito“ eine wenig schmeichelhafte Figur, die man nur wirklich ganz besonderen Personen und Institutionen schenkt.
So eine besondere Institution ist die Raitingagentur Moody´s für uns Portugiesen!

Ob die Herren von Moody´s die Figur besonders lustig fanden, wage ich zu bezweifeln.
Die meisten Portugiesen aber finden die Figur sehr originell und die Manufaktur hat schon begonnen, aufgrund der starken Nachfrage, die originelle Porzellanfigur zu produzieren.
Die Figur wird jetzt sogar in einer Geschenkbox angeboten, in der auch eine frankierte und an Moody´s adressierte Postkarte steckt, die jeder Käufer dann persönlich beschriften und an Moody´s senden kann.
Käuflich zu erwerben ist die Porzellanfigur für 64,00 Euro im Geschäft "Vista Alegre", am Largo do Chiado, in Lissabon.

Die Firmenleitung von „Faianças Bordallo Pinheiro“ rechnet fest damit, „Zé Povinho-Figuren“ auch nach Griechenland, Irland, Italien und Spanien exportieren zu können.

So kommt es, das Moody´s im Augenblick einem kleinen Industriezweig in Portugal eher hilft als schadet!

Freitag, 22. Juli 2011

Die neue Stadtteilaufteilung von Lissabon


Nach einem Beschluss des Stadtrates von dieser Woche, besteht Lissabon ab jetzt, anstatt der 53 Stadtteile (port.: freguesia) die es bis dato hatte, nur noch aus 24 Stadtteilen.
Dies ist eine Reduzierung um mehr als die Hälfte.
Die meisten Stadtteile werden zusammengelegt und erhalten neue Namen.
Das neue Stadtteilaufteilungsgesetzt soll im September im Stadtparlament zur Wahl stehen und soll dann bei der nächsten Kommunalwahl im Jahre 2013 in Kraft treten.

Diese neue Aufteilung wurde unternommen, um die Bürokratie in der Stadt zu minimieren, um Geld zu sparen und um Entscheidungen die im Stadtparlament getroffen werden, besser umsetzen zu können.

Nicht jeder, zumal die die schon seit Generationen in so manch altem Stadtteil leben, war mit dieser neuen Grenzziehung der Stadtteile einverstanden.
Aber die Mehrheit des Stadtrates hat entschieden und das Gesetz wird sicherlich mit großer Mehrheit im September angenommen.

Die 24 neuen Lissabonner Stadtteile sind:

• Belém (hier werden die ehemaligen Stadtteile Francisco Xavier und Santa Maria de Belém zusammengelegt)
• Ajuda (unverändert)
• Alcântara (unverändert)
• Benfica (unverändert))
• São Domingos de Benfica (unverändert)
• Alvalade (hier werden die Stadtteile Campo Grande, São João de Brito und Alvalade zusammengelegt)
• Marvila (unverändert)
• Areeiro (Zusammenschluss der zwei Stadtteile Alto do Pina und São João de Deus)
• Santo António (drei Stadtteile bilden dieses Stadtteil: São Mamede, São José und Coração de Jesus)
• Santa Maria Maior (insgesamt 13 alte Stadtteile legen sich zu diesem neuen Mega-Stadtteil zusammen. Es sind: Mártires, Sé, Socorro, Sacramento, São Nicolau, Madalena, Santa Justa, Santiago, São Cristóvão, São Lourenço, Castelo, São Miguel und Santo Estêvão)
• Estrela (hier tun sich Lapa, Santos-o-velho und Prazeres zusammen)
• Campo de Ourique (Zusammenlegung von Santo Condestável und Santa Isabel)
• Misericórdia (vier Stadtteile tun sich hier zusammen: Mercês, Santa Catarina, Encarnação und São Paulo)
• Arroios (hier werden die Stadtteile Anjos, Pena und São Jorge de Arroios zusammengehen)
• Beato (unverändert)
• São Vicente (Zusammenlegung der ehemaligen Stadtteile São Vicente de Fora, Graça und Santa Engrácia)
• Avenidas Novas (besteht aus den zwei Stadtteilen São Sebastião da Pedreira und Nossa Senhora de Fátima)
• Penha de França (Zusammenlegung der zwei Stadtteile São João und Penha de França)
• Lumiar (unverändert)
• Carnide (unverändert)
• Santa Clara (Charneca e Ameixoeira)
• Olivais (Santa Maria dos Olivais)
• Campolide (unverändert)
• Parque das Nações (neu gegründet)

Donnerstag, 21. Juli 2011

Die Erfindung des Spannbetttuches


Heute habe ich mal wieder mein Bett bezogen.
Mit wenigen Handgriffen hatte ich nach kurzer Zeit mein Bett gemacht. Aber ein Bett in kurzer Zeit zu beziehen ist heute nur möglich, dank der Erfindung des Spanbetttuches.

Die Erfindung des Spannbetttuches war wohl eine der angenehmsten Erfindungen für alle die, die es satt hatten, dass sich das Bettlaken während des Schlafes zusammenknüllte und jeden Morgen irgendwo wieder zu suchen war.
So viele Menschen leben ihr Leben, ohne jemals eine einzige brauchbare Idee zu haben.
Johannes Gutenberg aus Mainz war da anders: Er hatte gerade wütend eine handgeschnitzte Druckplatte kaputt getreten, als ihm die Idee kam, in Zukunft mit beweglichen Lettern zu drucken.
Und schon war der Buchdruck erfunden!

Nicht ganz so bekannt wie Gutenberg ist der Portugiese Mário Marques, und doch ist seine Erfindung auf einem anderen Gebiet kaum weniger revolutionär: Vor gut dreißig Jahren war er es nämlich, der die Idee zum Spannbetttuch hatte.

Im Sommer 1977 war der damals 34jährige portugiesische Textilkaufmann Mário Marques auf Dienstreise in Schweden. Dort lernte er eine junge Dame kennen und lud diese in sein Hotelzimmer ein.
Als er morgens mit besagter Dame aufwachte, stellte er fest, dass das Bettlaken fast noch genauso straff auf der Matratze lag, wie am Abend zuvor. So als hätten er und die Dame gar nicht darin geschlafen.
Dieses Phänomen verwunderte den Textilkaufmann sehr und er sah sich Betttuch und Matratze genauer an, alleine schon aus beruflichen Gründen.
Als er die Matratze hochhob, bemerkte er, dass die Ecken des Lakens mit Schnüren zusammengebunden waren.
Die Idee fand Mário Marques grandios und sie ließ ihn auch nach seiner Rückkehr nicht mehr los.

Zurück in Portugal gründete er mit seinem Bruder eine Fabrik für Spannbettlaken. Um den Aufwand zu minimieren, d.h. nicht jedes Mal die komplette Matratze umzudrehen, versahen sie die Bettlaken rundum mit Gummibändern, die einfach unter der Matratze zu fixieren waren. Nach einem halben Jahr Experimentierphase kam das neu erfundene Spannbettlaken auf den Markt.

Von 1978 bis 1983 hatte Marques mit seiner Erfindung bereits 97 % aller europäischen Haushalte erreicht.
800 Angestellte arbeiteten für Mário Marques und bereits mit 38 Jahren war er, der ehemalige Textilkaufmann, Multimillionär.
Seine Geschichte und sein Leben erinnern einen stark an die berühmte Geschichte vom Tellerwäscher, der zum Millionär wird.
Mit 47 Jahren verkaufte Mário Marques seine Anteile an seiner Firma und erwarb, er der er immer ein begeisterter Hobbywinzer war, das Weingut Quinta de Santa Cruz in der Nähe von Maia, bei Porto.
Dort widmet er sich der Produktion, des für die Region typischen, Vinho Verde.

Ein einziges, kleines Makel hat allerdings die Erfindung des Spannbetttuches: Bis heute weiß niemand so recht, wie man ein Spannbettlaken nach dem Waschen zusammenlegt.
Knüllen?
Rollen?
Irgendwie schief falten?
Es wird Zeit, dass nach Mário Marques endlich wieder einmal ein Mensch eine gute Idee hat.

Dienstag, 19. Juli 2011

Flamingos im Tejo


Wenn man Lissabon in Richtung Alentejo verlässt, und über die imposante Vasco da Gama Brücke (port.: Ponte Vasco da Gama) fährt, fällt einem beim genaueren hinschauen des südlichen Tejoufers auf, das dort tausende rosafarbene Vögel mit langen Beinen im Wasser stehen.

Beim genaueren hinschauen erkennt man dann, das es sich bei diesen Wasservögeln um Flamingos handelt.
Man möchte es kaum glauben, aber es sind wirklich Rosaflamingos (port.: flamingos-rosados / lat.: Phoenicopterus roseus) die sich da im Wasser tummeln.

Rosaflamingos sehen zwar exotisch aus, und ihre Heimat ist vor allem Afrika und Asien, aber sie kommen sehr wohl auch hier in Südeuropa vor, von Südfrankreich über Spanien bis hierher, nach Portugal.
In Portugal kommen sie vor allem an der Algarve und in den großen Flussdeltas des Tejo und des Sado vor.
Hier im Tejo kommen sie von Alcochete, Moita über Montijo und Samoco bis hinüber nach Barreiro, Seixal und Corroios vor.
Dank der vielen metallurgischen Industrie, die noch vor einigen Jahren am südlichen Tejoufer angesiedelt war, waren Rosaflamingos hier im Lissabonner Unland, die letzten Jahrzehnte eher selten anzutreffen.

Aber in den letzten Jahren gibt es immer mehr Flamingos, die sich hier treffen, um sich zu paaren und zu nisten.
Man schätzt das etwa 8.000 dieser Vögel im Tejodelta beheimatet sind.
Das es heute wieder eine größere Anzahl von Rosaflamingos im Lissabonner Raum gibt, ist, wie ich schon in meinem Beitrag „Delphinschule zu Besuch in Lissabon“, vom 15.07.2011 erwähnt habe, der stark verbesserten Wasserqualität des Tejo zu verdanken und der Tatsache das die meisten Schwerindustriebetriebe ihre Arbeit eingestellt haben.
Vor allem die neuen Kläranlagen in Lissabon und in Seixal sorgen endlich für mehr sauberes Wasser.

Wer schon einmal im Zoo Flamingos gesehen hat, weiß dass diese Vögel eine beachtliche Größe erreichen können. Zwischen 120 cm und 140 cm können die Rosaflamingos groß werden.
Wie der Name schon sagt, haben sie ein rosafarbenes, auffälliges Gefieder und dunkelrosafarbene lange Beine, so dass man sie unter hunderten von Vögeln sofort erkennt.

Als die Vasco da Gama Brücke vor Jahren gebaut wurde, liefen die Umweltschützer Sturm. Sie zeigten sich besorgt, dass die Flamingos durch den aufkommenden Verkehr, für immer aus dem Tejodelta verschwinden könnten.
Aber genau das Gegenteil ist eingetroffen.
Seit Jahren steigt die Population der Rosaflamingokolonie stetig an.
Die Flamingos fühlen sich nämlich nicht durch den Autoverkehr gestört, der auf der Brücke herrscht, sondern sie fühlen sich dank des sauberen Wassers immer mehr wohler im Tejo.

Auf das diese grazilen Wasservögeln, die so ein wunderschöner Anblick sind, noch lange das Tejodelta mit ihrer Präsens bevölkern und beleben mögen.

Eurostat-Statistik 2011


Wie die europäische Agentur Eurostat, die für die offiziellen Statistiken innerhalb der EU zuständig ist, vor einigen Tagen veröffentlichte, leben in Portugal zurzeit etwa 457.000 ausländische Mitbürger.
Davon sind in etwa 25.000 deutsche Staatsbürger, die zumeist an der Algarve leben oder sich im Großraum Lissabon aufhalten.

Zum Vergleich:
in Deutschland leben und arbeiten an die 120.000 Portugiesen, die vor allem in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen leben.

Insgesamt machen die ganzen Ausländer die hier leben, 4,3 % der aktuellen portugiesischen Gesamtbevölkerung aus.

Laut Eurostat, stammen von den ca. 457.000 Ausländern, ca. 94.000 aus den Staaten der Europäischen Union (port.: União Europeia) und ca. 353.000 aus Nicht-EU-Ländern (port.: países extracomunitários).

Glaubt man der Statistik, leben im Augenblick ca. 32,5 Millionen Ausländer aus Nicht-EU-Ländern in der Gemeinschaft.
Das sind 6,5 % der gesamten Bürger der EU.

Freitag, 15. Juli 2011

Erobere den Alentejo


Mit dem spanischen Werbeslogan „Conquista el Alentejo“ (dt.: Erobere den Alentejo / port.: Conquista o Alentejo) läuft im Augenblick eine Campagne des Portugiesischen Touristikamtes (port.: Turismo de Portugal), die hierzulande, in großen Teilen der Bevölkerung, für Unverständnis und Unmut sorgt.

In den verschiedensten Printmedien und auf riesigen Outdoorplakaten, die in vielen spanischen Städten hängen, sieht man wie mit dem berühmten Badestrand von Troia und einer im Wind wehender spanischer Flagge, Werbung für einen günstigen Urlaub im Alentejo gemacht wird.

Der Fakt, dass eine spanische Flagge an einem portugiesischen Strand, im Alentejo, als Werbekulisse dient, ist für manchen Portugiesen alleine schon ein Affront.
Aber mit dem Titel der Campagne „Erobere den Alentejo“ geht das Portugiesische Touristikamt für viele eindeutig zu weit.
Ich habe mir die Campagne schon selber angeschaut, und finde diese eher absurd, als böswillig gemacht.

Insgesamt 200.000 Euro hat das Touristikamt für diese Campagne, die bis zum Ende des Jahres andauern soll, ausgegeben.
Aber die Campagne droht ein Fiasko zu werden.

In der Zwischenzeit ist nämlich im Internet eine Petition gegen die sie angelaufen.
Über 600.000 Menschen haben diese virtuelle Petition schon „unterschrieben“, um gegen die Werbecampagne zu protestieren.
Sie argumentieren, dass diese Campagne ein Akt des „Kolonialismus“ ist.

Ich kann den Ärger von vielen Portugiesen Verstehen, aber meiner Meinung nach, reagieren viele auch übertrieben.
Man darf nicht vergessen, dass es sich hierbei lediglich um eine Werbeaktion handelt.
Nicht mehr und nicht weniger!

Da gleich von Kolonialismus zu reden, ist starker Tobak.
Man sollte die Kirche im Dorf lassen und erst einmal sehen was diese Campagne dem Tourismus im Lande überhaupt einbringt.
Leider hat sich dadurch mal wieder gezeigt, dass wir Portugiesen, jedenfalls die Mehrheit, keinerlei Humor haben!

In Zeiten wie diesen, sollte man einen gewissen Stolz ablegen und sich auf das Wesentliche konzentrieren.
Wer sich jetzt dem Luxus hingibt, so vehement gegen diese Campagne auszusprechen, sollte selber Urlaub im Alentejo machen, und somit diese Region fördern, oder einfach nur den Mund halten.
Alles andere ist sonst sinnloses Gerede, welches keinem etwas einbringt!

Delphinschule zu Besuch in Lissabon





Etwa 20 Delphine, darunter auch einige Jungtiere, waren letzte Woche wieder einmal zu Besuch in Lissabon.

Es ist zwar ein seltenes Phänomen, dass diese Meeressäuger im Tejo gesichtet werden, aber in letzter Zeit kommen solche Besuche öfters mal vor.
Dies war nicht immer so!

Noch vor nicht allzu langer Zeit war die Wasserqualität des Tejo so schlecht, das den Bürgern Lissabons sogar vom schwimmen im Fluss dringest abgeraten wurde.
Ich selber kann mich noch an die trübe, stinkende Brühe erinnern, die jahrelang vor aller Augen, am Terreiro do Paço und am nahen Cais do Sodré, aus den Kanalisationsrohren direkt in den Fluss geleitet wurde.

Heute aber, nachdem die Kläranlage (port.: Estação de Tratamento de Águas Residuais = ETAR) im Stadtteil Alcântara am 21. Januar 2011 in Betrieb genommen wurde, ist die Wasserqualität um vieles besser.
In Lissabon werden heute alle Abwässer gereinigt und dies hat zur Folge, dass nun, wie schon geschrieben, wir öfters Mal Besuch von Delphinen bekommen.
Uns Lissabonner sind die Delphine jedenfalls jederzeit
willkommen!

Mittwoch, 13. Juli 2011

Padrão dos Descobrimentos






Der Diktator António de Oliveira Salazar sagte einmal die bedeutenden Worte:

„Unsere glorreiche Vergangenheit als Portugiesen lastet schwer auf unserer Gegenwart“.

Nun, die Wort Salazars wogen einmal viel.
In der heutigen Zeit aber, haben nur noch seine Denkmäler Gewicht, viele von ihnen sogar mehr Gewicht als Zierde.
Der Padrão dos Descobrimentos (dt.: Denkmal der Entdeckungen) aber ist eine Ausnahme.

Zum 500. Todestag von Heirich dem Seefahrer (port.: Henrique o Navegador) im Jahre 1960, gab Salazar dieses Denkmal bei Leopoldo Neves de Almeida, dem offiziellen Architekten des Diktators, in Auftrag.
Neben dem Jachthafen, am Ufer des Tejo, mit dem Hieronymuskloster im Hintergrund und der Torre de Belém nur ein paar hundert Meter weiter, sticht der steinerne Bug eines Segelschiffes majestätisch in den Fluss.

An der Spitze des Denkmals steht Heinrich der Seefahrer, mit einem, für ihn so charakteristischen „Chapéu Bolhones“ (dt.: Bologneser Hut) und einer Karavelle in der Hand.
Hinter dem Navigator sind mehrere Adlige, Kartographen, Kapitäne, Astronomen und Chronisten rechts und links von ihm aufgereiht, so als wären sie alle eine Mannschaft die jeden Augenblick in See stechen will.

Insgesamt sind es 33 Persönlichkeiten aus der Zeit der Entdeckungen, die das riesige Denkmal zieren.
Nur eine von ihnen ist eine Frau, nämlich Königin Filipa de Lencastre, die Mutter von Heinrich dem Seefahrer.
Die 33 historischen Personen, die in Stein gemeißelt, das Denkmal schmücken, sind:

• Infante Henrique (dt.: Heinrich der Seefahrer)
• Infante Pedro (Bruder von Heinrich dem Seefahrer)
• Infante Fernando (Bruder von Heinrich dem Seefahrer)
• König Afonso V (Bruder von Heinrich dem Seefahrer)
• Königin Filipa de Lencastre (Mutter von Heinrich)
• Fernão Mendes Pinto (Schriftsteller)
• Gonçalo de Carvalho (Mönch)
• Henrique de Carvalho (Mönch)
• Luís de Camões (Portugals berühmtester Dichter)
• Nuno Gonçalves (Maler)
• Gomes Eanes de Azurara (Chronist und Historiker)
• Pêro da Covilhã (Forscher)
• Jehuda Cresques (Kartograph)
• Pêro Escobar (Seefahrer, Entdecker der Goldküste)
• Pedro Nunes (Mathematiker und Astronom)
• Pêro de Alenquer (Seefahrer)
• Gil Eanes (Seefahrer, Entdecker des Kap Bojador)
• João Gonçalves Zarco (Seefahrer, Entdecker Madeiras)
• Vasco da Gama (Entdecker des Seewegs nach Indien)
• Afonso Gonçalves Baldaia (Seefahrer, Entdecker des Goldflusses)
• Pedro Álvares Cabral (Seefahrer, Entdecker Brasiliens)
• Fernão Magalhães (Seefahrer und erster Weltumsegler)
• Nicolau Coelho (Seefahrer und Indienfahrer)
• Gaspar Corte-Real (Seefahrer, Entdecker Neufundlands)
• Martim Afonso de Sousa (Erster Gouverneur von Brasilien)
• João de Barros (Historiker)
• Estêvão da Gama (Seefahrer, Gouverneur von Indien)
• Bartolomeu Dias (Seefahrer, Entdecker des Kaps der Guten Hoffnung)
• Diogo Cão (Seefahrer, Entdecker des Kongos)
• António de Abreu (Seefahrer, Entdecker der Moluken)
• Afonso de Albuquerque (Seefahrer, Militär und Politiker)
• São Francisco Xavier (Missionar, der Heilige Franziskus)
• Cristóvão da Gama (Seefahrer und Kapitän zur See)

Heutzutage ist es verboten das Denkmal als „Kletterburg“ zu benutzen.
Aber in meiner Kindheit bin in ich oft, wenn wir hier in Portugal Urlaub gemacht haben, auf den riesigen Figuren rumgeklettert und habe mich ab und zu auch hinter den Verse haltenden Camões versteckt.

Vor dem Eingang des Denkmals befindet sich auf dem Boden eine riesige Windrose aus marmornen Mosaiksteinen. Die Windrose ist ein Geschenk der Republik Südafrika, anlässlich der Feiern zum 500. Todestag von Heinrich dem Seefahrer im Jahre 1960, und hat ein Durchmesser von 50 m.
Eine Weltkarte, ebenfalls aus Mosaiksteinen, im Zentrum der Windrose, zeigt die Seerouten und Entdeckerdaten der portugiesischen Seefahrer im 15. und 16. Jahrhundert.

Von der 52 m hohen Plattform des Denkmals der Entdeckungen hat man, so meine persönliche Meinung, die schönste Sicht auf Lissabon und den Stadtteil Belém.
Leider werden die Besucher, die die Stadt in nächster Zeit besuchen, nicht in den Genuss dieser wunderschönen Aussicht kommen, denn das Denkmal der Entdeckungen wird ab dieser Woche für Besucher, wegen aufwendiger Renovierungs- und Säuberungsarbeiten, geschlossen bleiben.

Montag, 11. Juli 2011

Gestohlene Kirchenschätze


Vor ein paar Tagen wurde im spanischen Wallfahrtsort Santiago de Compostela, aus dem Kirchenschatz der dortigen Kathedrale, das Buch „Códico Calextino“ (esp.: Códice Calixtino / lat.: Codex Calixtinus) gestohlen.

Beim „Códico Calextino“ handelt es sich um eines der wertvollsten Bücher der gesamten Kirchengeschichte.
Zwischen den Jahren 1125 und 1160 von mehreren Theologen, Malern, Fabeldichtern und Musikern geschrieben und gemalt, ist er das bedeutendste schriftliche Dokument Spaniens.

Bis jetzt tappt die spanische Kriminalpolizei im Dunkeln, denn noch weiß man nicht wer das Buch gestohlen hat, wer den Raub in Auftrag gegeben hat und wie der Raub vonstatten ging.

Kirchenraub ist auch hier in Portugal leider an der Tagesordnung.
Es vergeht nicht einen Monat, indem wir hier nicht lesen müssen, dass wieder einmal aus einer Kirche oder Kapelle wertvolle Figuren und Gemälde gestohlen worden sind.
Während früher nur die Almosenkästen (port.: caixas de esmolas) aufgebrochen wurden, verschwinden heute sogar die bronzenen Kirchenglocken, über Nacht, von den Kirchtürmen.

Die Liste der bestohlenen Kirchen ist lang und die Wiederentdeckungsquote der einzelnen Kirchenschatzteile durch die Kriminalpolizei ist leider sehr gering.
Fast immer stecken reiche Kunstsammler hinter diesen Überfällen auf die Gotteshäuser.
Praktiziert werden die Einbrüche aber meistens von organisierten Bandengruppen aus Osteuropa.
Gestohlen werden zumeist wertvolle Kruzifixe, Schüsseln, Trinkbecher, Hostienbehälter aus Silber und Gold und auch alte Gemälde.
Was für ein Wert hinter jedem Objekt steckt, wird einem erst klar, wenn man die Versicherungssumme erfährt, die hinterher für jedes einzelne Kunststück bezahlt wird.

So bezahlte die Versicherung z.B. für drei kleine silberne Kruzifixe, die aus der Kirche Igreja da Campia in Vouzela vor einiger Zeit gestohlen wurden, 15.000 Euro.
Für sieben kleine Heiligengemälde, die von der Kirche Igreja de Santo Cassourado in dem Ort Paredes de Coura, entwendet wurden, bezahlte die Versicherung gar die stolze Summe von 340.000 Euro.
Von der neuen Kirche Igreja de Nossa Senhora de Fátima in Viana do Castelo wurden in letzter Zeit vier Kupferplatten, die das Dach des Gebäudes bedecken, im Wert von ca. 2.400 Euro gestohlen. Das erscheint nicht viel, aber wenn man bedenkt, dass die Kirche ursprünglich mit 320 Kupferplatten bedeckt war, kann man sich vorstellen was für ein immenser Schaden entstehen kann, wenn man die übrigen Kupferplatten bald nicht abmontieren.

Kupfer ist überhaupt im Augenblick bei den Langfingern sehr gefragt.
So wurden in diesem Monaten die kupfernen Kirchenglocken einer Kirche in Mosteiros und einer Kirche in Gavião gestohlen.
Sogar vom altehrwürdigen Kloster Mosteiro de São Bento de Cástris, Mitten in Évora, wurde über Nacht die Glocke entwendet.

Hinter all diesen Raubzügen steckt eine Mafia, die Millionen von Euros umschlägt.
Eine Sonderkommission der portugiesischen Kriminalpolizei (port.: (port.: Polícia Judiciária = PJ) hat vor einiger Zeit die Sonderkommission „SOS Igreja“ (dt.: SOS Kirche) ins leben gerufen. Diese Sonderkommission, deren Aufgabe es ist die Diebstähle aufzuklären und zu verringern, hat in letzter Zeit auch einigen Erfolg gehabt.
Aber es wird in der Zukunft unheimlich schwer sein, sich gegen eine gut funktionierende, gut organisierte, technisch hoch ausgerüstete und skrupellose Kunstmafia zu behaupten.

Mautgebühren


Nun ist es amtlich: Ab diesem Jahr muss man wieder, nach 15 Jahren, eine Mautgebühr (port.: portágem) bezahlen, wenn man die Tejobrücke „Ponte 25 de Abril“ mit dem Auto, dem Bus oder dem Motorrad im Monat August überqueren will.

Diese Maßnahme überrascht kaum einen, denn sie war schon von der alten sozialistischen Regierung unter José Socrates, im Falle eines Wahlsieges, vorhergesehen.
Die Sozialisten verloren zwar die Wahlen, aber die schwere wirtschaftliche Lage in Portugal zwingt die neue Regierung von Pedro Passos Coelho an dieser Maßnahme festzuhalten.

Laut Álvaro Santos Pereira, dem neuen Wirtschafts- und Arbeitsminister, spart der portugiesische Staat durch diese Maßnahme an die 48 Millionen Euro bis zum Jahre 2019.
Alleine schon diesen August werden ca. 4,4 Millionen Euro eingenommen.

Natürlich gibt es schon die ersten Proteste gegen diese Maßnahme. Vor allem die Einwohner Almadas, die zum großen Teil in Lissabon beschäftigt sind, beschweren sich das sie nun auch im August die Mautgebühr bezahlen werden müssen.
Sie finden dies durchaus ungerecht, da sie ja das ganze Jahr die Maut bezahlen müssen, und somit finanziell benachteiligt sind.

Dies ist aber eine Milchmädchenrechnung, denn im Monat August, dem Monat indem die meisten Portugiesen Urlaub haben, werden auch sicherlich tausende Lissabonner die Brücke überqueren müssen, wenn sie an die Lissabonner Hausstrände fahren wollen

Ich, der ich selber in Almada lebe und jeden Tag nach Lissabon rein muss, finde es nicht mehr als gerecht wenn ab jetzt auch im August die Mautgebühr erhoben wird.
Wenn ich nämlich das ganze Jahr über, egal in was für einen Monat, in den Norden, in den Süden oder in den Osten des Landes fahren will, muss ich ja auch immer Mautgebühren bezahlen.
Warum sollten also im Monat August, die abertausenden Lissabonner und Touristen aus aller Welt, die diese Brücke mit dem Auto überqueren, nicht ebenfalls zur Kasse gebeten werden?
Ich meine, wenn ich mit dem Auto nach Spanien, Frankreich oder Belgien fahre, muss ich doch auch das ganze Jahr über Mautgebühren bezahlen.

Ich kann allerdings diejenigen verstehen, die darüber aufgebracht sind, das wir hier im Süden des Landes, wenn wir nach Lissabon rein fahren wollen, immer eine Mautgebühr entrichten müssen, während weiter oben im Norden, in der Stadt Porto, kein einziger Cent bezahlt werden muss, wenn man dort in die Stadt rein fährt.
Besonders gerecht ist das nun ja wirklich nicht!

Ob nun mit oder ohne Mautgebühren, ich wünsche allen eine allzeit gute Fahrt auf Portugals Strassen und einen schönen, sonnigen Urlaub.

„Boas Férias“