Dienstag, 29. März 2011

Sócrates, die Witzblattfigur


Ich habe heute einen Witz erzählt bekommen, über den ich mich noch vor einer Woche totgelacht hätte, der mich aber heute lediglich zum schmunzeln gebracht hat.
Nichtsdestotrotz will ich ihn hier noch einmal erzählen:

Der von vielen Portugiesen schon fast gehasste Premierminister José Sócrates steht vor seinem Bürofenster und meint zu seinem Staatssekretär:
„Ich werde jetzt einen 500-Euro-Schein aus dem Fenster werfen, und einen Portugiesen glücklich machen!“
Daraufhin meint sein Staatssekretär:
„Aber Herr Premierminister, werfen sie doch fünf 100-Euro-Scheine aus dem Fenster und machen sie gleich fünf Portugiesen glücklich!“
Daraufhin meint eine Bürodame zu Sócrates:
„Aber Herr Premierminister, werfen sie doch zehn 50-Euro-Scheine aus dem Fenster, dann sind gleich 10 Portugiesen glücklich!“
Sócrates erwidert daraufhin:
„Nein, ich werde 20-Euro-Scheine aus dem Fenster werfen, dann mache ich gleich 25 Portugiesen glücklich!“
Daraufhin meint der Papagei, der bei Sócrates im Büro im Käfig sitzt:
„Mensch Sócrates, wirf dich doch selber aus dem Fenster und du wirst sehen, du machst sofort 10 Millionen Portugiesen glücklich!...“

Wie gesagt, noch vor einer Woche wäre dieser Witz der Brüller gewesen.
Aber heute, nachdem Sócrates vor einpaar Tagen mit seinem vierten Sparpaket (port.: PEC IV) im Parlament gescheitert ist und er seinen Rücktritt bei Staatspräsident Cavaco Silva eingereicht hat, ist er nur halb so witzig.

Das Portugal jetzt, inmitten der schwersten wirtschaftlichen Krise der vergangenen 30 Jahre sich auf Neuwahlen einstellen muss ist bedauernswert, ließ sich aber nicht verhindern.
Nachdem José Sócrates und seine Minderheitsregierung das vierte Sparpaket innerhalb von 11 Monaten durchbringen wollte, verweigerte das Parlament ihm und seiner Partei die Gefolgschaft, mit all seinen Konsequenzen.

Das Sparprogramm sah massive Steuererhöhungen und weitere Kürzungen im Gesundheits- und Bildungswesen, bei den Renten und auch bei den Sozialleistungen vor.
Sócrates hat schon angedroht bei den Ende Mai oder Anfang Juni stattfindenden Neuwahlen erneut für die Sozialistische Partei anzutreten.
Das klingt nicht nur wie eine Drohung, das ist auch eine!
Wer José Sócrates kennt, weiß dass er seine Drohungen für gewöhnlich wahr macht.

Portugal stehen politisch sehr turbulente Zeiten bevor!

Freitag, 25. März 2011

Surfing in Ericeira


Bisher gab es weltweit nur drei ausgewiesene Surf-Reservate, nämlich die Strände von Malibu und Santa Cruz, beide im US-Bundesstaat Kalifornien gelegen und den Strand Manly Beach in Australien.
Seit dieser Woche gibt es ein Surf-Reservat mehr, wo sich Liebhaber dieser Wassersportart austoben können!

Die Weltsurferorganisation „World Surfing Reserves“ hat nämlich die portugiesische Kleinstadt Ericeira und ihre Strände offiziell zum ersten Surf-Reservat Europas erklärt.

Mit ihrer Wahl zeichnet die WSR-Organisation vor allem die Qualität und Beständigkeit der Wellen entlang der Küste Ericeiras aus, so wie die einzigartigen Surfspots.
Diese müssen wirklich einzigartig sein, denn in Ericeira findet seit dem Jahre 1985, alljährlich, die Surfweltmeisterschaft statt, und das wohl nicht grundlos.

Einladung zum Osterbasar 2011


Es ist wieder soweit:

am 03. April 2011, einem Sonntag, findet im Lissabonner Stadtteil Campo de Ourique, im Hof der Schule der Salesianer (port.: Escola dos Salesianos) der alljährliche ökumenische Osterbasar der Katholischen Gemeinde Deutscher Sprache in Lissabon (port.: Igreja católica alemã de Lisboa) und der Deutschen Evangelischen Kirchengemeinde zu Lissabon (Igreja evangélica alemã de Lisboa) statt.

Ab 12:00 Uhr können traditioneller, handgefertigter Osterschmuck und deutsche Lebensmittel, sowie handgemachter Schmuck und wunderbare Bücher erworben werden.

Verschiedene Spezialitäten der deutschen Küche, eine reichhaltige Kuchentheke und selbst gemachte Bowle werden an diesem Tag für das leibliche Wohl sorgen.

Ein Flohmarkt und eine Tombola mit tollen Gewinnen werden den Osterbasar bereichern und hoffentlich viele Gäste anziehen.

Mittwoch, 23. März 2011

Titus Müller liest vor


Am 31. März 2011, einem Donnerstag, gegen 20 Uhr, wird der junge Nachwuchsautor Titus Müller aus seinem letzten Roman „Die Jesuitin von Lissabon“ (port.: „A Jesuita de Lisboa“) vorlesen.

Die Lesung findet im Rahmen der 250-Jahr-Feierlichkeiten zum Bestehen der Deutschen Evangelischen Kirchengemeinde zu Lissabon (DEKL) in der Evangelischen Kirche, an der Praça de Espanha, statt.

Titus Müller, der am 15. Oktober 1977 in Leipzig geboren wurde, ist in Deutschland bekannt für seine historischen Romane, wie „Der Kaligraph des Bischofs“, „Die Todgeweihte“ und „Das Mysterium“.
„Die Jesuitin von Lissabon“ reiht sich an diese spannenden historischen Romane an. Die Handlung spielt im Jahre 1755 statt, dem Jahr als das große Erdbeben vom 01. November die Stadt Lissabon in Schutt und Asche legte.

Ich selber habe das Buch noch nicht gelesen.
Aber „Die Jesuitin von Lissabon" soll ein kurzweiliger Roman, rund um das Erdbeben sein, welches eine Zeitenwende, nicht nur in Portugal sondern in ganz Europa, herbeiführte.
Für Menschen, die mit Geschichtsbüchern normalerweise nichts anfangen können, aber trotzdem Spaß an Hintergründlichem aus vergangenen Zeiten haben, soll „Die Jesuitin von Lissabon“ die gelungene Lektüre sein.

Ich werde versuchen, mich von Titus Müller überraschen zu lassen.

Musikalisch umrahmt wird die Lesung durch die „Capella sacra“ unter der Leitung von Carina Lasch.

Der Eintritt ist frei!

Mittwoch, 16. März 2011

Al-Qantarah


Wer heute die Nachrichten im portugiesischen Fernsehen gesehen hat, hat erfahren, dass die Rebellen in Libyen, nach mehrtätigen Kämpfen gegen die Soldaten des libyschen Staatschefs Gaddafi, die Ortschaft Al-Qantarah eingenommen haben.

Natürlich ist jeder Sieg gegen den Despoten Gaddafi eine Nachricht wert, denn seine Truppen scheinen leider immer mehr die Kontrolle über das Land wiederzuerlangen.
Aber nicht der Sieg der Rebellen bringt mich dazu diesen post zu schreiben.
Nein, die Tatsache dass von Al-Qantarah die Rede ist, hat meine Aufmerksamkeit geweckt.
Denn obwohl ich noch nie von einem libyschen Al-Qantarah gehört habe, ist mir der Name gleich sehr vertraut vorgekommen.

Al-Qantarah ist arabisch und bedeutet „die Brücke“, ist aber ein geographischer Name der nicht nur im arabischen Raum, sondern auch auf der Iberischen Halbinsel, der Neuen Welt und in Asien vorkommt.

Der Grund warum mir Al-Qantarah so vertraut vorkommt ist der, dass es hier in Lissabon einen Stadtteil mit dem Namen Alcântara gibt.
Und der führt seinen namentlichen Ursprung auf das arabische Al-Qantarah zurück.

Alcântara ist der Name vieler Orte und Städte weltweit.
So gibt es in Algerien, eine Stadt mit dem Namen El-Kantara und in unserem Nachbarland Spanien gibt es eine Kleinstadt in der Extremadura mit dem Namen Alcántara.
In Italien liegt der Ort Mojo Alcantara und in Brasilien, im Bundesstaat Maranhão, liegt die Stadt Alcântara, Sitz des brasilianischen Weltraumbahnhofs.
Auf den Philippinen gibt es eine Stadt Alcantara auf der Insel Cebu und eine Stadt Alcantara auf der Insel Mindoro.

Diese Liste ließe sich noch beliebig fortführen, denn „Alcântara“ gibt es über 30 Mal weltweit.
Aber das würde diesen post nur unnötig verlängern und würde immer wieder nur auf eines hinauslaufen: „Alcântara, Al-Qantarah oder Alcántara“.

Der Vertrag von Tordesilhas


In meinen posts „Torre do Tombo“ und „Dokumentierte Geschichte in der Torre do Tombo“ vom 02. März dieses Jahres erwähne ich den Vertrag von Tordesilhas.
Heute wurde ich gefragt, was denn der Vertrag von Tordesilhas sei und was ihn den so besonders mache, dass er im Nationalarchiv Torre do Tombo, in Lissabon, aufbewahrt wird.

Nun, man kann wirklich behaupten, der Vertrag von Tordesilhas (port.: Tratado de Tordesilhas / esp.: Tratado de Tordesillas) ist der erste „Nichtangriffspakt“ den es zwischen den zwei Seemächten Portugal und Spanien gab.
Am 07. Juni 1494 wurde der Vertrag in der kastilischen Kleinstadt Tordesillas, zwischen diesen zwei verfeindeten Kronen abgeschlossen, um eine zukünftige militärische Auseinandersetzung zwischen dem Königreich Portugal und dem erst vor kurzem gegründeten Königreich Spanien zu verhindern, in dem Moment da sich beide Nationen aufmachten, „neue Welten für die Welt zu entdecken“, wie es ihm Vertrag heißt.

Spanien ging es in dem Vertrag vor allem darum, den erst kürzlich entdeckten Seeweg nach Amerika vom portugiesischen Einfluss frei zu halten, und den Portugiesen ging es vorrangig darum, den damals noch vermuteten Seeweg nach Indien, um Afrika herum, für sich zu sichern.
Beide Parteien sicherten sich in dem Vertrag zu, dem anderen bei seinen Entdeckungsreisen nicht zu stören, anzugreifen oder zu behindern.

So wurde einfach an diesem Junitag des Jahres 1494, mit Einverständnis von Papst Alexander VI, die Welt zwischen diesen zwei iberischen Königreichen aufgeteilt.
In der päpstlichen Bulle „Inter caetera“ wurde eine Trennlinie festgelegt, die gut 500 km westlich der Insel Santo Antão auf den Kapverdischen Inseln (port.: Cabo Verde) in Nord-Süd-Richtung, vom Nordpol zum Südpol, durch den Atlantik verlief.
Alle Länder die westlich dieser Demarkationslinie in Zukunft entdeckt würden sollten Spanien zugesprochen werden und alle östlich dieser Demarkationslinie zu entdeckenden Länder sollten Portugal gehören.

Die anderen Nationen Europas erkannten den Vertrag von Tordesilhas niemals an, schließlich sahen sie in ihm in keinster Weise ihre Interessen vertreten.
Sie sahen in ihm lediglich ein „Rechtsgeschäft“, das zu Lasten Dritter abgeschlossen worden war.
Man muss aber ehrlicherweise dazu sagen, dass sie alle nur so pikiert reagierten, weil der Vertrag es nicht vorsah, dass auch sie an diesem „Rechtsgeschäft“ teilhaben konnten…

Tripa


Heute Mittag, nach dem Büro, bin ich in den Park „Jardim da Estrela“ gegangen, um ein bisschen zu spazieren und um auf andere Gedanken zu kommen.
Ich ließ es mir nicht nehmen, im dortigen Café „Quiosque do Jardim da Estrela“ einen leckeren Crêpe zu mir zu nehmen.

Ich schätze mal, die meisten Portugiesen, und zu denen gehörte ich noch vor ein paar Wochen auch, wissen nicht, dass wir hier in Portugal eine eigene Crêpesrezeptur haben.
Normalerweise denkt ja jeder, Crêpes stammen aus Frankreich – was eigentlich ja auch stimmt.
Aber diese Crêpes, von denen ich hier berichten will, stammen ursprünglich nicht aus Frankreich, sondern aus der nordportugiesischen Stadt Aveiro und hören auf den Namen „tripa“ (singular: tripa – plural: tripas).
Nun das mag auf Deutsch nett klingen, aber „tripa“ ist das portugiesische Wort für „Darm“.
Keiner, auch die Besitzerin des Cafés, konnte mir bis heute erklären wieso die Crêpes diesen außergewöhnlichen Namen tragen.
Fakt ist: sie schmecken besser als es ihr Name erscheinen lässt!

Wie die Crêpes aber nach Lissabon gekommen sind, dafür gibt es eine einfache Erklärung.
Inês Guerra, die Besitzerin des Cafés und so ziemlich der netteste und freundlichste Mensch, den ich in letzter Zeit im Bereich „Dienstleistung“ kennen gelernt habe, stammt ursprünglich aus Aveiro.
Und als sie letztes Jahr hier in Lissabon einen eigenen Laden aufmachen wollte, hat sie an diese Köstlichkeit aus ihrer Heimatstadt gedacht, und diese zur Attraktion ihres Cafés gemacht.
Die Crêpes aus Aveiro sind dicker als ihre französischen Verwandten, aber nicht so dick wie deutsche Waffeln, obwohl sie genauso stopfen wie diese.
Ein einzelner Crêpe reicht normalerweise aus, um satt zu werden.
Klassisch, mit Zimt, Puderzucker und einem Schlag Eiercreme schmecken sie mir am besten.
Aber man kann sie, wie andere Crêpes auch, mit Schokolade, Sahne oder Marmelade zu sich nehmen.
2,50 Euro kostet dieser Genuss, den es in der Hauptstadt nur hier gibt.
Eigentlich ein Schnäppchen, wenn man bedenkt was eine Fahrt nach Aveiro kostet…

Telegramme aus Lissabon


Die renommierte portugiesische Wochenzeitung „Expresso“ hat diese Tage angefangen einige Geheimdokumente in ihrem Blatt zu übersetzen und publik zu machen, die WikiLeaks vor einiger Zeit veröffentlicht hat, und die zeigen das die USA nicht gerade sehr viel von Nationen und Politiker hält, die offiziell als ihre Partner und Verbündeten gelten.

Von den ca. 250.000 Geheimdokumenten, die WikiLeaks der Weltöffentlichkeit präsentiert, haben insgesamt 722 Dokumente, die meisten in Telegrammform, ihren Ursprung in der US-amerikanischen Botschaft (port.: Embaixada dos Estados Unidos da America / engl.: Embassy of the United States of America) in Lissabon.

In diesen 722 Geheimtelegrammen, die jetzt zum ersten Mal in Portugal veröffentlicht werden, wird gnadenlos über den amtierenden Premierminister José Sócrates, Staatspräsidenten Cavaco Silva und anderen portugiesischen Politikern nach Washington berichtet.
Der einzige Politiker der bei diesen US-amerikanischen Bewertungen gut weg kommt, ist Außenminister Luis Amado, der als „absolut amerikafreundlich einzustufen ist“, so ein Telegramm von der US-amerikanischen Botschaft in Lissabon nach Washington vom 24. September 2010.
Was Luis Amado als besonderen Freund Amerikas auszeichnet ist, unter anderem, die Tatsache das er letztes Jahr im portugiesischen Parlament bewiesener Maßen gelogen hat, als er behauptete, über den portugiesischen Luftraum wären niemals Gefangene aus Guantanamo transportiert worden.
Heute weiß man, die Gefangenen aus Afghanistan und dem Irak sind damals nicht nur über den portugiesischen Luftraum geflogen, sondern sie sind, auf dem Weg nach Guantanamo, mit ausdrücklichem Einverständnis von Luis Amado, sogar auf den Azoren zwischengelandet!

Der älteste Geheimbericht stammt vom 24. Mai 2006 und der letzte ist mit dem 25. Februar 2010 datiert.
Insgesamt 105 Geheimtelegramme sind aus dem Jahre 2006, 202 sind aus dem Jahre 2007, 184 stammen aus dem Jahre 2008, 202 aus dem Jahre 2009 und 29 Geheimtelegramme sind aus dem Jahre 2010.
Alle haben sie den ehemaligen US-Botschafter oder den ehemaligen Militärattache als Verfasser, und alle wurden sie in der US-Botschaft (oder sollte man lieber CIA-Zweigstelle sagen) in Lissabon geschrieben.

In wie vielen von den über 250.000 Geheimdokumenten noch über Portugal und portugiesische Politiker berichtet wird, ist bis dato nicht bekannt.
Fakt ist, das nach dem Benutzen einer Suchmaschine (port.: motor de busca) nach Schlagwörtern, ähnlich wie die von „Google“, insgesamt 463 Mal der Begriff „Portugal“, 215 Mal der Begriff „portugiesisch“ und 92 Mal der Begriff „Lissabon“ vorkommt.

Da bleibt viel Raum für Spekulationen…

Sayonara Nippon


Fünf Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Japan, mit mehr als hundert Nachbeben, der alles mitreißenden Tsunami und dem zu erwarteten möglichen Super-GAU im Kernkraftwerk Fukushima, hat die portugiesische Botschaft in Tokio (port.: Embaixada de Portugal em Tóquio) ihren Bürgern, die in Japan arbeiten und leben, die sofortige Ausreise nahe gelegt.

Die Portugiesen in Nippon werden aufgefordert zu prüfen ob ihre Anwesenheit in Japan derzeit erforderlich ist.
Vor allem Familien mit kleinen Kindern sollten eine Rückreise nach Portugal in Erwägung ziehen, nachdem auch in Tokio erhöhte Radioaktivität gemessen wurde.

Ebenso haben das portugiesische Camões-Institut (port.: Instituto Camões) und das dazugehörende Kulturzentrum (port.: Centro Cultural Português) in Tokio (port.: Tóquio), aus dem schweren Erdbeben und den katastrophalen Ereignissen die ihm folgten, Konsequenzen gezogen und ihre Mitarbeiter und Schüler vorübergehend beurlaubt.
Bis voraussichtlich Ende März werden das Camões-Institut, vergleichbar mit dem deutschen Goethe-Institut, und das Kulturzentrum ihren Betrieb einstellen – das erste Mal seit ihrem bestehen.

Heute kam ein Krisenstab, bestehend aus dem Lehrerkollegium des Institutes, Mitarbeitern des Kulturzentrums und Vertretern der portugiesischen Regierung, die die Leiterin des Instituts ist, überein, aufgrund der sehr schwer einzuschätzenden Informationslage und der damit eingehenden unkalkulierbaren Sicherheitsrisiken für die Schüler und die Mitarbeiter, diese Maßnahme zu treffen.

Mit der offiziellen Schließung wollen die Leitung des Instituts und die des Kulturzentrums allen Schülern und Mitarbeitern die Gelegenheit bieten, vorübergehend das Land zu verlassen ohne noch unter dem zusätzlichen Druck zu stehen, Unterrichtsstoff zu versäumen.

Die Portugiesen und die Bürger anderer westlicher Nationen werden ausgeflogen und können so außer Landes kommen, weit weg von dem Chaos der zurzeit in Japan herrscht und der apokalyptischen Gefahr die dem Land droht.
Aber die Japaner?...
Sie müssen bleiben und mit einer Situation zu Recht kommen, dessen Dimension noch nicht übersehbar ist.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Menschen in Japan die Kraft und den Willen haben werden, diese schwere Prüfung zu bestehen.

Freitag, 4. März 2011

Sócrates Gang nach Canossa


Heute musste Premierminister José Sócrates im portugiesischen Parlament, der Assembleia da República, den Abgeordneten der Opposition Rede und Antwort stehen, über seinen gestrigen Besuch in Berlin, bei der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Zwar kamen Sócrates und Merkel am Mittwoch in der deutschen Hauptstadt zusammen, um die aktuelle wirtschaftliche Lage in Portugal zu erörtern, sowie die von Portugal unternommenen Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung, aber der Gang nach Berlin muss für José Sócrates wirklich wie ein Gang nach Canossa gewesen sein.

Bundeskanzlerin Merkel, die den portugiesischen Spar- und Sanierungsmaßnahmen äußerst kritisch gegenüber steht, hatte bis zu Letzt starke Zweifel daran, dass sich Portugal alleine, ohne fremdes Zutun, aus dem Schuldenloch, in das sich das Land manövriert hat, befreien könnte.

Aber Sócrates scheint die Kanzlerin davon überzeugt zu haben, dass Portugal bei den Bemühungen zur Eindämmung der Neuverschuldung schon sehr erfolgreich war.
Schließlich hat Portugal 2010 das selbstgesteckte Ziel zur Senkung des Staatsdefizits auf 7,3 % des Bruttoinlandsprodukts nicht nur erreicht, sondern sogar übertroffen!
Nach einem Negativ-Rekord von rund 9,4 % im Jahre 2009 und den für 2010 erreichten 7,3 % will Sócrates das Defizit in Portugal nun im Jahre 2011 auf 4,6 % herunterschrauben.

Und da die Kanzlerin sich hat überzeugen lassen (wahrscheinlich wollte sie den Gast aus Portugal einfach nur loswerden, schließlich war an diesem Tag ihr Verteidigungsminister zu Guttenberg zurückgetreten und sie hatte jetzt weiß Gott andere Dinge an die sie denken musste!...), konnte heute Premierminister Sócrates mit seinem süffisanten und zynischen Grinsen der gesamten Opposition gegenüber sitzen und so tun als ob er der beste Staatsmann der Welt wäre.

Aber eines hat ihm Bundeskanzlerin Merkel mit auf dem Weg gegeben: Bei dem für den 11. März 2011 geplanten informellen Treffens der Staats- und Regierungschefs der Eurozone werden Portugal und Deutschland an einem Strang ziehen müssen!
Denn ein für alle Male muss dafür Sorge getragen werden, dass der Euro-Stabilitätsfonds oder eventuelle Nachfolgemechanismen bei der Unterstützung von Ländern in finanziellen Schwierigkeiten eingesetzt werden muss, ohne wenn und aber, um ja den Euro nicht zu gefährden!

Das wirtschaftlich schwer angeschlagene Spanien sagt jetzt schon mal „Danke schön!“…

Mittwoch, 2. März 2011

Dokumentierte Geschichte in der Torre do Tombo






In meinem post „Torre do Tombo“ schreibe ich über das älteste Schriftstück welches in dem Nationalarchiv der Torre do Tombo (port.: Arquivo Nacional da Torre do Tombo) lagert, nämlich eine Urkunde aus dem Jahre 882, in der ein lusitanischer Kaufmann den damaligen Kalifen von Córdoba, zu dem das heutige Gebiet Portugals gehörte, um Erlaubnis bittet, in dem kleinen Ort Lardosa bei Penafiel, eine katholische Kirche errichten zu dürfen.
Dieser Bitte wurde auch entsprochen, und so stand wenige Zeit später in Lardosa die älteste Kirche auf lusitanischem Boden, und das zur Maurenzeit!

Weitere wertvolle Dokumente, Urkunde und Akten die im Nationalarchiv lagern, sind unter anderem:

- die päpstliche Bulle „Manifestis probatum“, die vom 23. Mai 1179 datiert ist, und in der Papst Alexander III (port.: Alexandre III) dem portugiesischen König Afonso Henriques die Unabhängigkeit Portugals „Für immer und unwiderruflich“ anerkennt und bestätigt.

- Der Vertrag von Tordesilhas (port.: Tratado de Tordesilhas / esp.: Tratado de Tordesillas), der am 07. Juni 1494 zwischen Portugal und Spanien abgeschlossen wurde, und in dem die damalige „noch zu entdeckende Welt“ in eine portugiesische und eine spanische Hälfte aufgeteilt wurde

- Der Beitrittsvertrag Portugals in die EU, aus dem Jahre 1985

- Die Originale der Lissabonner Verträge (port.: Tratado de Lisboa)

- Briefe verschiedener Könige an Seefahrer, wie Vasco da Gama, Diogo Cão, Bartolomeo Dias, Tristan da Cunha, Pedro Álvares Cabral, und viele mehr, die es ihnen erlaubten „neue Welten für die Welt zu entdecken“ und diese für die portugiesische Krone in Besitz zu nehmen

- Unzählige Prozessakten aus den Zeiten der Inquisition aber auch Akten aus der Zeit der Salazar-Diktatur

Da viele der Originalakten, -urkunden und -dokumente in der Zwischenzeit digitalisiert oder auf Mikrofilm festgehalten sind, können viele dieser einzigartigen Schätze von jedem Besucher des Nationalarchivs bewundert und bestaunt werden.

Ich empfehle jedem, der einmal in der Nähe des Campus von Lissabon etwas zu erledigen hat, einmal im Torre do Tombo vorbeizuschauen, und sich die vielen geschichtlich wertvollen Schätze anzuschauen.
Sie werden einem für immer positiv im Gedächtnis bleiben!

Die Obersten Hüter des Nationalarchivs Torre do Tombo






In meinem post „Torre do Tombo“, in dem ich ausführlich über das nationale Archiv Portugals schreibe, erwähne ich, unter anderem, das das Nationalarchiv der Torre do Tombo (port.: Arquivo Nacional da Torre do Tombo), mit seinen 600 Jahren zu einem der ältesten portugiesischen Institutionen gehört.

Die Aufsicht über diese alte Institution hatte und hat seit dem Mittelalter der „guarda-mor“ inne, was sich leicht mit „Oberster Hüter“ oder „Oberster Wächter“ übersetzen lässt.
Der „guarda-mor“ wurde direkt vom jeweiligen König ernannt, und er hatte, wie der Name schon sagt, die Aufgabe die wichtigsten Dokumente, Urkunden und Akten des Staates, die in seine Obhut gegeben wurden, zu „behüten“ und zu „bewachen“.
Heutzutage nennt man den obersten Dienstherren des Nationalarchivs auch einfach nur Direktor (port.: Director do Arquivo Nacional da Torre do Tombo).

Nach meinen Nachforschungen hat es, seit der Gründung des Nationalarchivs der Torre do Tombo im Jahre 1387, bis heute, insgesamt 59 „guarda-mores“ gegeben.
Es sind, von 1387 als der erste guarda-mor durch seine Majestät König João I ernannt wurde, bis heute, der Reihe nach:

- 1387-1403 João Anes
- 1403-1411 Gonçalo Esteves
- 1414-1418 Gonçalo Gonçalves
- 1418-1454 Fernão Lopes
- 1454-1475 Gomes Eanes de Zurara
- 1475-1482 Afonso Eanes de Óbidos
- 1483-1484 Fernão Lourenço
- 1486-1496 Vasco Fernandes de Lucena
- 1497-1523 Rui de Pina
- 1523-1548 Fernão de Pina
- 1548-1571 Damião de Góis
- 1571-1591 António de Castilho
- 1591-1606 Rodrigo Homem
- 1606-1612 Luís Ferreira de Azevedo
- 1612-1632 Diogo de Castilho Coutinho
- 1632-1634 Manuel Jácome Bravo
- 1634-1640 Gregório Mascarenhas Homem
- 1640-1641 Cristóvão Cogominho
- 1641-1644 Cristóvão de Matos de Lucena
- 1644-1650 João Pinto Ribeiro
- 1650-1656 António de Carvalho de Parada
- 1656-1666 Aires Falcão Pereira
- 1666-1667 José Carneiro de Morais
- 1667-1678 João Duarte de Resende
- 1678-1690 D. António Alves da Cunha, Senhor da Tábua
- 1690-1695 António da Cunha Pinheiro
- 1695-1703 José de Faria
- 1703-1713 Luís do Couto Félix
- 1713-1742 José Couceiro de Abreu e Castro
- 1742-1745 Manuel de Mendonça Pina e Proença
- 1745-1768 Eng.º Manuel da Maia
- 1768-1774 José de Seabra da Silva
- 1774-1799 José Pereira Ramos de Azevedo Coutinho
- 1799-1802 José de Seabra da Silva
- 1802-1806 Luís Pinto de Sousa Coutinho, 1.º Visconde de Balsemão
- 1806-1813 Francisco Velho da Costa Mesquita Castelo Branco
- 1813 Francisco José da Horta Machado
- 1813-1821 António Salter de Mendonça, Visconde de Azurara
- 1821-1834 Manuel Francisco de Barros e Sousa de Mesquita de Macedo Leitão e Carvalhosa, 2.º Visconde de Santarém
- 1834-1836 D. Frei Francisco de São Luís Saraiva,
- 1836-1838 António Nunes de Carvalho
- 1838-1842 António Manuel Lopes Vieira de Castro
- 1842-1856 Manuel Francisco de Barros e Sousa de Mesquita de Macedo Leitão e Carvalhosa, 2.º Visconde de Santarém
- 1856-1861 Joaquim José da Costa Macedo
- 1861-1887 António de Oliveira Marreca
- 1887-1902 José Manuel da Costa Basto
- 1902-1908 Roberto Augusto da Costa Campos
- 1908-1949 António Eduardo Simões Baião
- 1949-1951 Alfredo Augusto Lopes Pimenta
- 1951-1966 João Martins da Silva Marques
- 1966-1988 José Pereira da Costa
- 1988-1990 Humberto Carlos Baquero Moreno
- 1990 Martim Corte-Real de Albuquerque
- 1990-1996 Jorge Borges de Macedo
- 1996-1998 José Mattoso
- 1998-2001 Bernardo de Vasconcelos e Sousa
- 2001-2004 Miriam Halpern Pereira
- 2004-2005 Pedro Dias
- 2005-bis mind. 2011 Silvestre Lacerda

Zu sehen sind hier auf den Bildern die Unterschriften von fünf bedeutenden guarda-mores, nämlich Damião de Góis, Manuel da Maia, Gomes Eanes de Zurara, Fernão Lopes und Rui de Pina.

Torre do Tombo






Am letzten Samstag fuhr ich durch den Campus der Lissabonner Universität (port.: Universidade de Lisboa), im Stadtteil Campo Grande, und ich kam an einem Gebäude vorbei, der imposant aus allen anderen hervorragt, dem Torre do Tombo.

Der Torre do Tombo (dt.: Tomboturm) ist ein öffentliches Archiv das als Zentralarchiv der portugiesischen Nation fungiert, und in dem seit über 600 Jahren alle wichtigen und staatsrelevanten Urkunden, Akten, Dokumente und Schriftstücke Portugals aufbewahrt werden.
Aus dem Mittelalter stammend, und mit über 600 Jahren Geschichte, ist der Torre do Tombo, bzw. das Nationalarchiv, eines der ältesten bestehenden Institutionen der portugiesischen Nation.
Der Titel eines „guarda-mor“ (dt.: Oberster Wächter / Hauptwächter), für den Direktor des Nationalarchivs, ist somit eines der ältesten Titel den der portugiesische Staat zu vergeben hat.
Berühmte guarda-mores waren z.B. Damião de Góis, Fernão Lopes, Gomes Eanes de Zurara und Manuel da Maia.

Seinen Ursprung hat das Nationalarchiv im Jahre 1378, als damals im Hauptturm der Lissabonner Burg Castelo de São Jorge, der so genanten Torre do Tombo, alle wichtigen staatsrelevanten Urkunden und Verträge des Königreiches, gesammelt wurden.
Da sich das Archiv auf der königlichen Burg befand, war das Archiv zu aller erst ein königliches Archiv, bevor er mit der Zeit zum Nationalarchiv wurde.
Diesen Turm gibt es heute leider nicht mehr, da er beim großen Erdbeben im Jahre 1755 völlig zerstört wurde.
Da damals beim Erdbeben aber kein Feuer in der Burg ausbrach, konnten viele geschichtlich-wertvollen Dokumente gerettet werden und bis in die heutige Zeit überdauern.
Die Tatsache, das die Akten und Dokumente des Nationalarchiv beim großen Erdbeben von 1755 so gut wie keinen Schaden nahmen, bedeutet nicht, das das Nationalarchiv über die Jahrhunderte hinweg nicht schwere Krisen überstehen musste.

Die drei verlustreichsten Episoden des Nationalarchivs waren ohne Zweifel die „Filippinische Zeit“ von 1580 – 1640, als die spanischen Könige Filipp II, Filipp III und Filipp IV über Portugal mit absoluter Macht herrschten, und viele Dokumente, vor allem die der Seefahrt- und Entdeckungszeit, in dieser Zeit ins spanische Nationalarchiv von Madrid verschwanden.
Dann war, wie ich schon erwähnte, das Erdbeben vom 01. November 1755, sehr verlustreich für das Archiv, weil es vollkommen zerstört wurde.
Und als dritte, sehr verlustreiche Episode für das Nationalarchiv, gilt die Flucht der portugiesischen Königsfamilie vor den Truppen Napoleons nach Brasilien, im Jahre 1808.
Damals wurde die portugiesische Hauptstadt von Lissabon nach Rio de Janeiro verlegt, und wie alle anderen politischen und kulturellen Institutionen, so musste auch das Nationalarchiv von Portugal nach Brasilien ziehen. Bei diesem Umzug gingen natürlich immens viele Dokumente und Akten der portugiesischen Geschichte unwiederbringlich verloren.

1755 wurde das Nationalarchiv in die Calçada da Estrela verlegt, in das durch das Erdbeben damals nicht zerstörte Benediktinermünster der Gesundheit (port.: Mosteiro de São Bento da Saúde), dem heutigen Benediktinerpalast (port.: Palácio de São Bento), wo es bis 1990 auch blieb.
Obwohl das Nationalarchiv sich nun in einem anderen Gebäude befand, behielt es den Namen „Torre do Tombo“ bei.

Erst 1991 kam das Nationalarchiv der Torre do Tombo (port.: Arquivo Nacional da Torre do Tombo) auf den Campus der Lissabonner Universität.
Dort verteilt er sich auf drei Gebäude und 55.000 m².
In dem einen Gebäude befindet sich die Verwaltung des Nationalarchivs, in einem anderen befindet sich ein Museum, in dem auch kulturelle Veranstaltungen und Ausstellungen stattfinden, und im dritten Gebäude befindet sich das eigentliche Nationalarchiv, in dem auf über 100 Regalkilometern wichtige und geschichtliche Schriftstücke aufbewahrt werden, darunter ein Dokument aus dem Jahre 882, aus der Maurenzeit also, welches das älteste Schriftstück der Torre do Tombo ist, weiterhin über 400 Papsturkunden, über 40.000 Dokumente aus der Zeit der Seefahrten und Entdeckungen und über 36.000 Akten aus den Zeiten der Inquisition.
Das für einen Portugiesen aber wohl wichtigste Schriftstück, das im Archiv der Torre do Tombo lagert, ist wohl die Päpstliche Bulle „Manifestis probatum“, datiert vom 23. Mai 1179, in der Papst Alexander III (port.: Alexandre III), die Unabhängigkeit Portugals „für immer und unwiderruflich“ anerkennt und bestätigt.

Dienstag, 22. Februar 2011

Parque Nacional da Peneda-Gerês






Wer hier nach Portugal reist, den zieht es meistens in die Hauptstadt Lissabon, oder ans Meer, an die Algarve.
Portugal hat über 600 km Küste, von den schönsten Sandstränden im Süden bis zu wildesten und rauesten Klippen im Norden.

Aber außer den vielen Badestränden hat Portugal im hohen Norden auch einen Nationalpark, überhaupt den einzigen des Landes, vorzuweisen. Er galt bis vor wenigen Jahren für die ausländischen Touristen als nebensächlich und unbedeutend. Aber das hat sich die letzten Jahre geändert.

Zumindest wir Portugiesen haben seit einiger Zeit den Charme des Parque Nacional da Peneda-Gerês (dt.: Peneda-Gerês-Nationalpark), mit seinen Bergen, mit seinen klaren Flüssen und mit seinen schönen Süßwasserseen, entdeckt.

Nur zwei Stunden von der Hafenmetropole Porto entfernt, erstreckt sich dieser über 700 km² ha große Nationalpark an der portugiesisch-spanischen Grenze entlang, von der Hochebene von Castro Laboreiro bis zur Hochebene von Mourela, über die Gebirge von Peneda, Soajo, Amarela und Gerês. Der schönste Nationalpark der Iberischen Halbinsel, wie viele ihn nennen, erstreckt sich über die Distrikte Braga, Vila Real und Viana do Castelo.

Für Angler, Wassersportler und Wanderer ist der Nationalpark mit seinen vielen Seen, Flüssen und Wanderwegen ein wahres Paradies.
Die höchste Erhebung befindet sich mit 1545 m in der Serra do Gerês und ist der Nevosa.
Diese herrliche Wald- und Gebirgslandschaft wird von vielen malerischen Gebirgsseen und Stauseen, wie Vilarinho, Caniçada, Salamonde und Paradela, unterbrochen.
Zu den schönsten unter den vielen Wanderwegen des Nationalparks gehört der Trilho da Preguiça, der zu herrlichen Aussichtspunkten führt.

Hier im Nationalpark Peneda-Gerês trifft man, mit etwas Glück, auch auf viele einzigartige Pflanzen- und Tierarten.
Die Vegetation besteht aus ausgedehnten Nadelwäldern, hundertjährigen Eichen, Korkeichenwäldern und heidekrautbestandene Felslandschaften.
Die Fauna umfasst Rot- und Schwarzwild, Hasen, Luchse, Otter, Rebhühner und sogar Wölfe und Königsadlern.
Die eigentlichen Stars sind aber die Wilden Pferde, Garranos genannt.
Die einzige noch existierende Herde dieser kleinen Pferde besteht heute aus ca. 70 Tieren und ist die Attraktion des Naturparks.

Der Parque Nacional da Peneda-Gerês ist heute zum größten Teil touristisch erschlossen.
Nichtsdestotrotz kann man hier und da immer wieder etwas Neues entdecken.
Wer noch nie im Peneda-Gerês war, dem kann ich einen Besuch in diesem Nationalpark nur wärmstens empfehlen.
Er wird diesen Besuch niemals vergessen!

Der Pleitegeier mag wohl über Portugal seine Kreise drehen…


Die Finanzminister der G20 Länder trafen sich an diesem Wochenende in Paris, um sich auf Kriterien zu einigen, mit denen künftig das Ungleichgewicht zwischen den einzelnen Wirtschaftszonen, und hier vor allem das zwischen der EU, den USA und China, vermindert werden kann.

Am Rande dieses Treffens wurde zwischen den EU-Finanzministern zum wiederholten Male besprochen, ob Portugal baldmöglichst unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen soll, welches seit kurzem besteht.
Vor allem Deutschland und Frankreich wollen Portugal zu solch einem Schritt drängen, obwohl der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble und seine französische Amtskollegin Christine Lagarde vehement bestreiten, Druck ausüben zu wollen.
Zwar kann das finanziell angeschlagene Portugal bald nicht mehr Kredite am Kapitalmarkt aufnehmen, so befürchten Deutschland und Frankreich, aber von einem Zwang oder gar einer Bevormundung Portugals kann keine Rede sein.

Es ist schon ein Alarmsignal, das Portugal erst vor zwei Wochen beim Verkauf von Staatsanleihen 3,69 % Zinsen für eine halbjährige Laufzeit bieten musste, während am selben Tag Deutschland eine Anleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren für 2,87 % auf den Markt brachte.
Man möchte Portugal zu nichts zwingen, aber man wolle Portugal, so Schäuble wörtlich, „sehr wohl raten und helfen größeren wirtschaftlichen Schaden zu vermeiden“.
Im Grunde genommen möchten Schäuble und Lagarde nur verhindern, dass die finanzielle Krise sich auf weitere Länder, wie etwa Spanien oder Belgien, ausbreitet.

Aber beide Länder wissen auch dass es mit Portugal nicht so einfach sein wird wie mit Griechenland und Irland, welche auf Druck der anderen EU-Mitgliedsländer und der Europäischen Zentralbank den Hilfszahlungen schließlich zustimmen mussten.
Der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank ist ein Portugiese, ebenso der EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso.
Und die Bevölkerung in Portugal widersetzt sich ohnehin der Idee von Unterstützungszahlungen des Euro-Rettungsschirms, weil sie genau weiß, das die Sparauflagen die sie dann zu erwarten hätten, schmerzlicher wären, als die, die sie jetzt schon von der portugiesischen Regierung zu ertragen haben.

Der Pleitegeier mag wohl über Portugal seine Kreise drehen.
Es wird ihm aber schwer fallen, hier ein weiches Nest zu finden.

Freitag, 18. Februar 2011

Drachen made in China


Im Museum für orientalische Kunst (port.: Museu do Oriente), in Lissabon, findet zur Zeit eine Sonderausstellung statt, die „Papagaios da China (dt.: Drachen aus China) heißt, und in der bis zum 10. April dieses Jahres verschiedene Flugdrachen port.: papagaios), aus verschiedenen Epochen des Reiches der Mitte gezeigt werden.

Von den Chinesen ursprünglich für militärische Zwecke entwickelt, stammen die ersten urkundlich erwähnten Flugdrachen aus einer Epoche die als „Frühling und Herbst“ in China bekannt ist, und die zwischen 780-476 v. Chr ihren Höhepunkt hatte.
Seit damals werden Drachen lediglich aus leichtem Holz oder Bambus hergestellt, welches mit sehr dünner Seide oder einem dünnen Papier bespannt ist, und auf dem ein buntes Motiv gemalt und an dem ein Schweif aus Seidenschleifen oder Papierstreifen befestigt wird.

Der Besuch dieser Sonderausstellung, die ich jedem nur wärmstens empfehlen kann, ist kostenlos und kann noch bis zum 10. April 2011 im Museu do Oriente bewundert werden.

Mittwoch, 16. Februar 2011

Caldeirada wie Mutter sie macht


In meinem post „Caldeirada-Wettbewerb“, vom 02. Februar dieses Jahres, berichte ich über den Caldeirada-Wettbewerb, der diesen Monat in der Stadt Costa de Caparica, südlich von Lissabon, stattfindet.

In diesem post schreibe ich das praktisch jede Hausfrau hier in Portugal ihr eigenes Caldeirada-Rezept hat.
Daraufhin wurde ich jetzt schon mehrere Male von einigen Arbeitskolleginnen und von anderen Leserinnen meines blogs um solch ein Rezept gebeten.
Nun, meine Mutter hat mir freundlicherweise eines ihrer Rezepte verraten, und diesen tue ich nun gerne hier publik machen.
Da ich selber noch nie eine caldeirada gekocht habe, kann ich schlecht beurteilen in wie weit es schwierig ist, eine solche zu machen.
Was ich aber hundertprozentig sagen kann ist, dass die caldeiradas meiner Mutter immer köstlich schmecken!

Als Zutaten für eine caldeirada die für 6 - 8 Personen reichen soll, brauchen wir 2 kg frischen Kochfisch, wie z. B. Seeteufel (port.: tamboril), Adlerfisch (port.: corvina), Rochen (port.: raia), Meeräsche (port.: tainha), Meeraal (port.: safio), Brasse (port.: pargo), etc.
Dann benötigen wir 2 kg Kartoffeln, ½ kg Tomaten, 3 grüne Paprika, 3 große Zwiebeln und 3 – 4 große Knoblauchzehen und 500 g geschälte Gambas.
Zum Würzen nehme man, 2 dl Weißwein, 2 dl Olivenöl, 1 Lorbeerblatt, 1 Bund Petersiele, 1 Bund Koriander und Pfeffer, Salz und Muskatnuss nach belieben.

Die Zubereitung ist wie folgt:
Den Fisch vor dem Kochen sorgfältig auswaschen. Danach den Fisch mit grobem Salz würzen. Die Kartoffeln schälen und in Scheiben schneiden, genauso wie die Paprika, die Tomaten und die Zwiebeln.
Dann nimmt man sich einen Topf und legt schichtweise die Kartoffeln, den Fisch, die Zwiebeln, die Tomaten und die Paprika in diesen hinein. Als oberste Schichten legt man wieder Kartoffeln und Fisch hinein. Jede Schicht wird mit Weißwein und Olivenöl beträufelt und mit einer Prise Salz, Pfeffer und Muskatnuss gewürzt.
Dann bringt man alles auf schwacher Flamme zum Kochen und legt zum Schluss die Gambas, den Bund Petersilie und den Bund Koriander hinein.
Nach gut einer Stunde ist die caldeirada fertig und kann serviert werden.

Meine Mutter schwört auf Koriander in der caldeirada.
Nun ja, um ehrlich zu sein, schört meine Mutter prinzipiell auf Koriander, egal bei welchem essen.
Sollte einer von ihnen dieses Caldeirada-Rezept nachkochen, so lassen sie es mich wissen, wie es ihnen gelungen ist.

In diesem Sinn: Gutes Gelingen und guten Appetit!

Samstag, 12. Februar 2011

Christian Wulff zu Besuch in Portugal




Der Präsident der Bundesrepublik Deutschland (port.: O Presidente da República Federal da Alemanha) Christian Wulff und seine Gattin, Bettina Wulff, haben diese Woche Portugal einen offiziellen zweitägigen Staatsbesuch abgestattet.
Am 10. und 11. Februar war das Bundespräsidentenpaar, auf Einladung des Portugiesischen Staatspräsidenten Aníbal Cavaco Silva, zum ersten Mal in Portugal.

Der Besuch von Christian Wulff soll die bilateralen politischen und kulturellen Beziehungen der beiden Nationen Deutschland und Portugal bekräftigen.

Der offizielle Teil des Besuches begann am Donnerstagnachmittag mit einem Arbeitsbesuch zwischen Christian Wulff und seinem portugiesischen Kollegen, in der Residenz von Staatspräsident Cavaco Silva, im Palácio de Belém.
Nach diesem Arbeitsbesuch gaben Cavaco Silva und seine Ehefrau ein Bankett zu Ehren der deutschen Staatsgäste.

Gestern, am 11. Februar, besuchten Cavaco Silva und Wulff das Volkswagenwerk „Autoeuropa“, in Palmela, südlich von Lissabon.
„Autoeuropa“ ist die größte deutsche Investition des Landes und gilt generell als Beispiel für erfolgreiche Investitionen in Portugal.

Nach dem Besuch bei „Autoeuropa“ traf sich Christian Wulff im Portugiesischen Parlament noch mit dem Präsidenten des Hohen Hauses, Jaime Gama, zusammen und in der Residenz des Premierministers trafen sich der Bundespräsident und der portugiesische Premierminister José Sócrates zu einem einstündigen Meinungsaustausch.

Danach wurden Christian Wulff und seine Delegation mit allen militärischen Ehren verabschiedet und begaben sich, an Bord einer Bundeswehrmaschine, nach Deutschland zurück.

Welche Eindrücke sie nach Deutschland mitnehmen ist nicht bekannt (ich hoffe aber doch nur Gute!).
Was allerdings bekannt ist, ist das kurz vor ihrem Abflug drei Dutzend „pasteis de nata“ an der Deutschen Botschaft abgegeben wurden, mit der Bitte diese auf dem schnellsten Weg zum Flughafen zu bringen…

Freitag, 11. Februar 2011

Die Rolle des Juden in der Literatur im Museum Grão Vasco


Am morgigen Samstag, den 12. Februar 2011, um 15 Uhr, wird es im Museum Grão Vasco (port.: Museu Grão Vasco), in der Stadt Viseu, einen Debatiernachmittag geben, der „Die Rolle des Juden in der Literatur“ (port.: A Figura do Judeu na Literatura) zum Thema hat.

Die Realität portugiesischer Juden in der alten aber auch modernen Geschichte dieses Landes, anhand der Literatur und der Kunst kennen zulernen, stelle ich mir sehr interessant vor.
Leider wird es mir, aus terminlichen Gründen, nicht möglich sein am kommenden Samstag nach Viseu zu fahren.

Nichtsdestotrotz kann ich, wem es möglich ist, diesen Nachmittag im Museum Grão Vasco nur wärmstens empfehlen, denn es wird ein Ort sein, an dem jeder einzelne von uns die abendländliche Kultur, mit allen ihren Facetten, kennen lernen kann.

Aristides de Sousa Mendes im Holocaust Memorial and Tolerance Center


Am letzten Sonntag wurde im „Holocaust Memorial and Tolerance Center” auf Long Island, im Bundesstaat New York (port.: Nova Iorque), eine Ausstellung zu ehren von Aristides de Sousa Mendes, in Anwesenheit seines Enkels António de Sousa Mendes und zahlreicher Nachfolger der durch Sousa Mendes während des 2. Weltkrieges geretteten Juden, eröffnet.

Als Generalkonsul von Portugal in der Südfranzösischen Stadt Bordeaux (port.: Bordéus) hat Sousa Mendes, damals im Jahre 1940, über 30.000 Menschen das Leben gerettet, in dem er sich einer persönlichen Anweisung des Diktators António de Oliveira Salazar widersetzte, und den Flüchtlingen, die vor Nazideutschland flohen, anstandslos Visa ausstellte, obwohl ihm das verboten war.

Noch vor ihrer Öffnung hat die Ausstellung den Ruf die „beste und ausführlichste“ zu sein, die es jemals über den portugiesischen Diplomaten gegeben hat.
Nur wenige Tage nach der Eröffnung, und nach dem riesigen Besucheransturm auf die Ausstellung, scheint sich dieser Ruf zu bestätigen.

Bis zum 26. März wird die Ausstellung im „Holocaust Memorial and Tolerance Center“ zu besichtigen sein.
Und wer nicht mal kurz nach New York reisen kann, um sich die Ausstellung anzuschauen, der wird die Möglichkeit haben, diese später hier in Europa zu besuchen.
Noch in diesem Jahr wird es möglich sein, die Ausstellung hier in Lissabon zu besichtigen.

Mittwoch, 9. Februar 2011

Eselsohren: „Die Wachsmalerin“


Gestern habe ich das Buch „Die Wachsmalerin“, ein Weihnachtsgeschenk meiner Schwester Carla, zu Ende gelesen.

„Die Wachsmalerin“ erzählt die ersten Lebensjahre der Madame Tussaud, die als Marie Grosholtz in Straßburg geboren wurde und die die Tochter und Enkelin elsässischer Scharfrichter war.
Als junge Frau muss sie in den Wirren der Französischen Revolution ums Überleben kämpfen. Doch sie lernt in den Kerkern von Paris auch aufrichtige Liebe kennen.
Erst nachdem sie 1802 mit ihrem kleinen Sohn nach England aufbricht, wird sie zur Legende die sie heute noch ist.

„Die Wachsmalerin“ ist das Debütwerk der 1968 geborenen und in Hamburg lebenden Schriftstellerin Sabine Weiß.

Erschienen ist der Roman „Die Wachsmalerin“ im List-Verlag, wo auch der zweite historische Roman von Sabine Weiß, „Das Kabinett der Wachsmalerin“, der die Lebensgeschichte der Marie Tussaud weitererzählt, erschienen ist.

Ein lebensvoller und atmosphärisch spannender Lesestoff!

Samstag, 5. Februar 2011

Lyonce Viiktória


Zum Glück dauert eine Schwangerschaft, wenn sie denn normal verläuft, ganze neun Monate.

Hier in Portugal brauchen schwangere Eltern diese Zeit auch!
Denn bevor sie sich für einen Namen für ihr Baby entscheiden, müssen sie sich durch einen 80 Seiten langen Namensregister der Behörden quälen, wenn sie sich nicht für einen „normalen“ Namen entscheiden, wie z. B. José, Maria, António oder Paula.

In diesem langen Namensregister sind alle in Portugal NICHT erlaubten Namen zusammengefasst. Fliegt man mal drüber, erkennt man eine sehr strikte, aber auch äußerst willkürliche Vorgehensweise:

- „Tomás“ ist erlaubt, aber „Tom“ darf kein Kind in Portugal genannt werden.
- Alle Namen die mit einem „K“ anfangen werden ausnahmslos verweigert.
- „Deus“ oder „Jesus“, also Gott oder Jesus darf ein männliches Kind sehr wohl heißen. „Deusa“, also Göttin, als Mädchenname ist aber unvorstellbar.
- „Elisabete“ mit einem „s“ ist erlaubt, „Elizabete“ mit einem „z“ dagegen verboten.
- „África“, „America“ oder „India“ sind realistische Mädchennamen.
- Dagegen ist das spanische „Diego“ als Jungenname undenkbar, die portugiesische Variante „Diogo“ aber sehr wohl.
- Ausländische Namen sind erlaubt, wenn eines der Elternteile Ausländer ist und als zweite Staatsbürgerschaft die portugiesische vorweisen kann.

Und so haben dieser Tage, zwei B-Promis, nämlich die Portugiesin Luciana Abreu und der aus Guinea-Bissau (port.: Guiné-Bissau) stammende Yannick Djaló, mitgeteilt, das sie ihre soeben geborene Tochter „Lyonce Viiktória“ nennen wollten.
Aber, um es gleich vorweg zu nehmen: „Lyonce Viiktória“ ist nicht etwa ein guineischer Name, sondern ein armseliger Fantasiename.
Jetzt bahnt sich vor einem Lissabonner Familiengericht ein Verfahren an, ob die Eltern ihre Tochter „Lyonce Viiktória“ nennen dürfen oder nicht.

Kein Mensch konnte mir bis heute erklären wonach beim portugiesischen Namensrecht entschieden wird.

Namensrecht hin oder her: Autoliebhaber können sich in Portugal auf alle Fälle freuen, denn der Mädchenname Mercedes ist sehr wohl erlaubt!
Das hat aber nichts mit der Automarke zu tun, sondern die Automarke eher mit dem Vornamen.
In Portugal und auch in Spanien, hießen Mädchen Mercedes, da war das Auto noch gar nicht erfunden. Mercedes kommt vom portugiesischen Wort für „Gnade“ (port.: mercê / engl.: mercy = dt.: Gnade, Gunst).

Freundlichst,
Ihr vom Namensregister erlaubter
Ângelo Paulo

Donnerstag, 3. Februar 2011

Die ägyptische Prinzessin


Francisco de Gouveia Martins Sarmento ist ohne Zweifel einer der bekanntesten Archäologen Portugals, und zu seiner Zeit, Ende des 19. Jahrhunderts, war er wohl der berühmteste seines Fachs.

Geboren wurde Martins Sarmento am 09. März 1833 in der Stadt Guimarães.
Sein ganzes Leben widmete er der Archäologie Nordportugals und den ersten Bewohnern dieser Gegend - den Kelten, den Lusitaniern und den Iberern.
Vor allem die Gegend um seine Heimatstadt Guimarães hatte es ihm angetan, und man sah Martins Sarmento oft bei Ausgrabungen in dieser Gegend, die dann mit den Jahren auch zu seinem Hauptforschungsgebiet wurde.
Er war Autor interessanter und wichtiger Fachliteratur, wie z.B. „Os Argonautas“ (dt.: Die Argonauten), „Lusitanos“ (dt.: Lusitanier), „Ora Marítima“ und „Ligures e Celtas“.

Sein Herz schlug aber nicht nur für die nationale, sondern auch für die fremdländische Archäologie, auch wenn diese eher sein Hobby wurde, als seine Berufung.
Martins Sarmento hat nie an einer archäologischen Ausgrabung in Ägypten teilgenommen, obwohl er dies durchaus gerne getan hätte.
Wie damals üblich, hatte auch er einen Hang für alles was ägyptisch war.

1871 bestellte er sich deshalb bei einem englischen Händler in Porto die Mumie einer Prinzessin aus Ägypten, die so eine Art Attraktion seines neuen Heimes werden sollte, wenn ihn seine Freunde zuhause besuchen sollten.
Irgendwann, im laufe des Jahres 1872, traf diese Mumie dann auch in Porto, aus London kommend, endlich ein.
Als Martins Sarmento sie am Hafen abholen wollte, um sie nach Hause zu bringen, war die Mumie aber wie vom Erdboden verschwunden.
Es stellte sich heraus, dass die Hafenverwaltung - heute würde man gemeinhin sagen der Zoll - die Kiste geöffnet hatte.
Sie fanden einen schwärzlichen Körper vor und kamen zu dem Schluss, dass er einem Menschen gehört haben musste, den man in einem Ofen geröstet hatte.
Die antiken Bandagen, die die Mumie umhüllten, waren ihrer Ansicht nach, die Reste eines angesengten Hemdes.
Man brachte die Mumie daraufhin in eines der städtischen Leichenhäuser von Porto.
Wäre Martins Sarmento nicht rechtzeitig gekommen um die Mumie auszulösen, wäre die ägyptische Prinzessin sicherlich nach zweitausendjährigem Schlaf in den Pyramiden noch in einem katholischen Grab gelandet.

Noch heute kann man diese Mumie im Museum Sociedade Martins Sarmento bestaunen, welches in Sarmentos Geburtstadt Guimarães liegt. Dort kann man viele archäologische Objekte finden, die von Martins Sarmento persönlich ausgegraben und gesammelt wurden.
Die Sociedade Martins Sarmento ist „die“ kulturelle Institution von Guimarães.

Hier, in der Stadt in der er das Licht der Welt erblickte, verstarb er auch am 09. August 1899, im Alter von 66 Jahren.

Mittwoch, 2. Februar 2011

Fröhlich und Zufrieden


Das Geschenk wurde anlässlich der Feierlichkeiten zum 10° Jahrestag der Übergabe des ehemaligen portugiesischen Überseegebietes Macau an die Volksrepublik China, die im Dezember 2009 stattfanden, gemacht.
Damals, vor nunmehr etwas über einem Jahr, machte der Präsident Chinas, Hu Jingtao, der Sonderverwaltungszone Macau (port.: Região Administrativa Especial de Macau (RAEM), ein Pärchen Riesenpandas (port.: pandas-gigantes) zum Geschenk.

Die Riesenpandas, die die Namen „Kai Kai“ (port.: Alegria / dt.: Fröhlich) und „Xin Xin“ (port.: Contente / dt.: Zufrieden) tragen, stammen aus einem Zuchtprogramm in der Provinz Sichuan und befinden sich nun seit gut einem Monat in Macau, wo sie noch unter Quarantäne stehen, um sich besser an ihre Umgebung zu gewöhnen.
Kai Kai, das männliche Tier und Xin Xin, das Weibchen, sind in einem riesigen Pavillon im Naturpark Seac Pai Van, auf der Insel Coloane, untergebracht worden und sollen bald für Nachwuchs sorgen.

Bei der Übergabe der zwei Riesenpandas, die für die Chinesen so etwas wie einen nationalen Schatz darstellen, war auch der portugiesische Generalkonsul der Stadt, als Ehrengast, zugegen.
In einem Interview meinte er, die Staatssekretärin für Verwaltung und Justiz von Macau, die luso-chinesin Florinda Chan, hätte ihm zugesagt, das man sich sehr gut vorstellen könnte, sollten „Fröhlich“ und „Zufreiden“ fleißig für Nachwuchs sorgen, eins oder zwei ihrer Nachkommen an das ehemalige Mutterland Portugal, zu dem Macau knapp 400 Jahre gehörte, abzugeben.

Nun ja, wer es glaubt, wird selig!
Aber bei so vielen chinesischen Läden die es hier mittlerweile in Portugal gibt, wo man größtenteils Nepp und Kitsch kaufen kann und dabei immer Gefahr läuft etwas zu erwerben das entweder von vornherein defekt, krebserregend oder giftig ist, wären die Riesenpandas mal etwas aus China, was man wirklich ohne Skrupel importieren könnte.

Caldeirada-Wettbewerb


Seit dem letzten Samstag, dem 29. Januar 2011, findet in Costa de Caparica, unweit von Lissabon, der 7°Caldeirada-Wettbewerb (port.: Concurso de Caldeirada) statt.
Dieser Wettbewerb wird bis zum 28. Februar dauern, und hat als Ziel, die „Caldeirada“, bei Nichtkennern dieses Fischgerichtes, bekannt zu machen und zu fördern.
Was dem Franzosen seine Bouillabaisse ist, ist dem Portugiesen seine Caldeirada, wobei man bei der Caldeirada eher von einem Fischeintopf als von einer Fischsuppe sprechen muss.

An dem diesjährigen Wettbewerb nehmen insgesamt 16 verschiedene Restaurants der Stadt Costa de Caparica teil, jedes mit seinem eigens für den Event kreierten Caldeirada-Rezept.
Die traditionelle Caldeirada besteht aus verschiedenen Kochfischsorten, Zwiebeln, Tomaten, Paprika und Kartoffeln.
Die Kunst bei der Caldeirada besteht darin, sie zu würzen und sie so geschmacklich verschieden zu servieren.
Die einen begnügen sich nur mit Salz und Pfeffer als Gewürz. Wiederum andere geben ihr eine Menge Weißwein, Fenchel und Koriander bei.
Wieder andere geben ihr Knoblauch, Olivenöl und Zitrone hinzu und andere eine pikante Wurst in Scheiben und Speck.
Und manche werfen von allem etwas in den Kochtopf hinein.
So hat jedes Restaurant, ja jede Hausfrau, ihr eigenes Caldeirada-Rezept.

Costa de Caparica, ein Ort der im Sommer von den Lissabonnern als Badeort regelrecht überrannt wird, ist jetzt im Winter wie ausgestorben.
Daher findet dieser Wettbewerb, mit Absicht, seit sieben Jahren im Winter statt, um der dortigen Gastronomie wirtschaftlich entgegenzukommen und den Liebhabern dieses Fischgericht einen Grund zu geben, Costa de Caparica nicht nur im Sommer zu besuchen, sondern auch jetzt in dieser Jahreszeit.

Ende Februar wird fest stehen, welcher gastronomische Betrieb der diesjährige Gewinner des Caldeirada-Wettbewerbes ist.
Und das besondere an diesem Wettbewerb ist, das nicht etwa Meisterköche oder Restaurantkritiker die beste Caldeirada auswählen, sondern der normale Restaurantbesucher, der nach dem essen, seine Caldeirada auf einer Bewertungsskala von 1 bis 5 bewertet.
So gesehen ist jeder Restaurantbesucher der beste Kritiker den sich ein Restaurant nur wünschen kann!