Montag, 24. Januar 2011

KINO – Die deutschsprachigen Kinotage von Lissabon


Das Kino São Jorge (port.: Cinema São Jorge), im Herzen Lissabons gelegen, ist die Bühne für die diesjährige stattfindende „KINO – Die deutschsprachigen Kinotage“ (port.: KINO – Mostra de Cinema de Expressão Alemã), mit Kinofilmen aus Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz.

Die integrale Kultur ist das zentrale Thema der diesjährigen Filmtage, und die Mehrheit der Filme widmet sich auch denn dem Thema „Integration des Einzelnen in einer fremden Kultur“.
Die Filme werden aber nicht nur gezeigt, sondern es werden auch Debatten, Workshops und Runden zwischen dem Publikum und den einzelnen anwesenden Schauspielern und Filmemachern stattfinden.

„Die Fremde“, ein Film von Feo Aladag, Träger des Deutschen Filmpreises und vorgeschlagen für den diesjährigen Oscar für den besten ausländischen Film, ist einer der Filme, die bei diesen Kinotagen zu sehen sein werden und bestimmt Furore machen werden.

Mit Unterstützung des Deutschen Goetheinstituts (port.: Instituto Alemão, finden die diesjährigen deutschsprachigen Kinotage zwischen dem 27. Januar und dem 04. Februar 2011 statt.

Über den Wolken…


Vera Silva, Stewardess der portugiesischen Fluggesellschaft TAP, muss am letzten Donnerstag wirklich gedacht haben, sie höre nicht richtig, als sie während des Fluges von Lissabon ins spanische Barcelona, in 10.000 m Höhe, ihren langjährigen Freund João Vieira, mit dem sie seit vier Jahren eine Beziehung hat, über die Bordsprechanlage folgende Worte durchsagen hörte:

„Vera, amo-te! Queres casar comigo?
(dt.: Vera, ich liebe dich! Willst du mich heiraten?)“.

Zuerst war die Stewardess durch diesen unerwarteten Heiratsantrag so fassungslos und überrascht, dass sie sofort in die nächste Bordtoilette fliehen wollte.
Doch ihre Kolleginnen hielten sie zurück und drückten ihr stattdessen ein Kabinenmikrofon in die Hand.
In diesen hauchte Vera dann schließlich auch das von ihrem Freund João so lang ersehnte „Ja“!

Dieser originelle Heiratsantrag war nur möglich, weil sich der Verlobte mit den Arbeitskollegen seiner Traumfrau zusammentat und diese in seinen romantischen Plan einweihte.
Während also die Flugbegleiterin Vera ganz normal zum Dienst antrat, schmuggelten ihre Kolleginnen und Kollegen ihren Freund João in die Maschine rein.

Die anderen 80 Fluggäste, die sich in der Maschine auf dem Weg nach Barcelona befanden, quittierten diesen durchaus originellen Liebesbeweis mit Minutenlangandauerndem Applaus und Glückwunschrufen.

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein - und ohne Zweifel, auch die Romantik!

Donnerstag, 13. Januar 2011

Neujahrsempfang der Deutschen Evangelischen Kirchengemeinde zu Lissabon


Am letzten Samstag, dem 08. Januar 2011, läutete die Deutsche Evangelische Kirchengemeinde zu Lissabon mit einem Neujahresempfang (port.: Recepção de Ano Novo), welches in der Evangelischen Kirche in der Avenida Columbano Bordalho Pinheiro stattfand, das Festjahr zum 250. Jubiläum der Gemeinde ein.

Um kurz nach 11 Uhr begann der Festakt mit dem Orgelsolo „Die ganze Welt hast Du uns überlassen“ von Johannes M. Michel, das von Carina Lasch gespielt wurde.

Nach einer sehr originellen Begrüßung durch einige Schüler der Deutschen Schule zu Lissabon (port.: Escola Alemã de Lisboa) und einigen kurzen Worten des Vorsitzenden der DEKL, Herrn Stephan Stieb, sprach der Vizebotschafter der Bundesrepublik Deutschland, Herr Rückert, im Namen des leider erkrankten Botschafters, Herrn Helmut Elfenkämper, das Grußwort.

Nach dem Lied „Abendempfindung an Laura“, einem Werk des großen Wolfgang Amadeus Mozart, hielt dann Gastrednerin Teresa Caeiro, die Vizepräsidentin des Portugiesischen Parlaments (port.: Vice-Presidente da Assembleia da República), eine kurze, aber sehr persönliche Rede.

Gespielt wurden dann nochmals ein musikalisches Werk von Johannes M. Michel, wieder von Carina Lasch auf der Orgel vorgetragen, und die Arie „Hier soll ich dich denn sehen“, aus der Oper „Die Entführung aus dem Serail“, von Mozart.
Nach diesen musikalischen Leckerbissen fand dann die lang erwartete Vorstellung der Jubiläumsfestschrift (port.: Publicação comemorativa) „250 Jahre Deutsche Evangelische Kirchengemeinde Lissabon 1761 – 2011“ statt.

Danach hielten Julia Oelrich-Campos und das Pfarrerehepaar Anke und Stefan Stalling noch ein kurzes Schlusswort.
Beendet wurde der Neujahrsempfang mit dem „Präludium d-moll“ von Johann Gottfried Walther, gespielt von Carina Lasch auf der Orgel, und einem offenen Empfang im Pfarrhaus und im Hof der Gemeinde.

Leider spielte das Wetter nicht so mit, wie wir es uns alle gewünscht hätten.
Nichtsdestotrotz war dieser Neujahrsempfang 2011 ein voller Erfolg!

Es wird keine Taubstummen mehr geben, sondern nur Taube, die sprechen können


„Es wird keine Taubstummen mehr geben, sondern nur Taube, die sprechen können“ - als Jacob Rodrigues Pereira diesen denkwürdigen Satz sprach, war er auf der Höhe seiner wissenschaftlichen Forschungen, was die Taubstummensprache anging.
Pereiras Methode war revolutionär, denn sie stützte sich nur im Ansatz an die Aufzeichnungen des Gebärdespracheerfinders Juan Pablo Bonet. Pereira selbst entwickelte zur Gebärdensprache Bonets ein schnelleres phonetisches Fingeralphabet, welches die Laute der jeweiligen Sprache deutlicher machte.
Man kann also vereinfacht sagen, das Bonet der Erfinder der „Gebärdensprache“ (port.: lingua gestual) war und Pereira der Erfinder der „Taubstummensprache“ (port.: lingua oralizada)!

Als Jocobo Rodrigues Pereira wurde Jacob am 11. April 1715 im portugiesischen Peniche, als Sohn der jüdischen Bürger Magalhães Rodrigues Pereira und Abigail Ribea Rodrigues, geboren.
Als seine Eltern mit ihm vor der Inquisition in Portugal nach Frankreich fliehen mussten, war Jacob gerade mal sieben Jahre alt.
Sie ließen sich in der Stadt Bordeaux (port.: Bordéus) nieder, und hier in Südfrankreich wurde er zum Pädagogen und Lehrmeister der Taubstummensprache.
Er war der erste Mensch der Welt, der als Lehrer tauben Kindern Unterricht gab.
Für ihn sollten sich Taube nicht nur „stumm“ unterhalten können, sondern für ihn war es unheimlich wichtig das Taube sich vor allem durch Töne miteinander unterhalten konnten.

Da es keine schriftlichen Aufzeichnungen über seine Arbeiten gibt, er selber weigerte sich welche zu verfassen, sind die besonderen Lehrmethoden die er entwickelte nur von Aufzeichnungen einiger seiner Schüler bekannt.

Obwohl er sich voller Hingabe der Verbreitung seiner Lehrmethode hingab, so musste er sich doch zum Ende seines Lebens eingestehen, das die Gebärdensprache von Bonet, für die tauben Schüler wesentlich einfacher zu erlernen war als seine Taubstummensprache.

Traurig darüber, dass seine Lehrmethode nur schwerlich angenommen wurde, aber keineswegs resigniert, verstarb Jacob Rodrigues Pereira am 15. September 1780 in seinem Haus in Paris, als er einigen Schülern unterricht gab.

Donnerstag, 6. Januar 2011

Einladung zum Neujahresempfang


Dieses Jahr feiert die Deutsche Evangelische Kirchengemeinde zu Lissabon ihren 250. Geburtstag.
Nach Stockholm in Schweden und London in Großbritannien ist die Lissabonner Gemeinde somit die drittälteste evangelische Auslandsgemeinde auf der Welt.
Anlässlich der 250-Jahr-Feierlichkeiten, lädt die evangelische Gemeinde zu Lissabon am kommenden Samstag, dem 08. Januar 2011 um 11 Uhr, zum festlichen Neujahrsempfang ein.

Nachdem auf dem Adventsbazar, im letzten November, mit dem Verkauf des Jubilateweins, der dekorativen Jubiläumskacheln und den Festjahreskalendern begonnen wurde, werden am kommenden Samstag, mit besagtem Neujahrsempfang, die Festlichkeiten zum großen Jubeljahr nun endgültig eingeläutet.

An die 150 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur werden in der Kirche, an der Avenida Columbano Bordalho Pinheiro n° 48, erwartet.
Kleine, kurzweilige Reden werden gehalten werden und musikalisch wird das Nationalkonservatorium von Lissabon (port.: Conservatório Nacional de Lisboa) das Programm untermalen.
Höhepunkt des Neujahrsempfangs wird aber die feierliche Vorstellung der Festschrift „250 Jahre Deutsche Evangelische Kirchengemeinde Lissabon 1761-2011“ sein.

Nach den Feierlichkeiten in der Kirche, wird die Gemeinde ihre Gäste zu einem herzlichen Empfang im Gemeinde- und Pfarrhaus einladen.

Alle sind herzlich eingeladen an diesem Festakt teilzunehmen!

Mittwoch, 5. Januar 2011

And the Oscar goes to… Luis Ferreira


Man kann nicht sagen das portugiesische Schauspieler sich in Hollywood die Türklinke in die Hand geben.
Daher sind wir hier in Portugal auf jeden zweit- oder drittklassigen Schauspieler stolz, der die amerikanische Filmindustrie mit ein wenig lusitanischem Esprit bereichert.

Einer dieser Schauspieler (und er möge mir bitte verzeihen dass ich ihn als zweit- oder drittklassig bezeichne) ist der in Portugal geborene Kanadier Luis Ferreira.

Luis Ferreira wurde am 20. Februar 1967 in dem kleinen Ort Caminho d´Além, in der Gemeinde Terra Chã, auf der Azoreninsel Terceira geboren.
1971, als er vier Jahre alt ist, wandern seine Eltern mit ihm nach Kanada aus.
Dort wächst er in North York, einem Stadtteil von Toronto, inmitten der portugiesischen Gemeinde, die sich um den Kensington Market gebildet hat, auf.

1986 startet Luis Ferreira seine Schauspielkarriere in der Krimiserie „Night Heat“. Er spielt zuerst kleine Nebenrollen in Kanada, bis er aufgrund fehlender Arbeit in die USA zieht, um in Los Angeles sein Glück zu versuchen.
Dort hat er dann auch endlich seine erste große Rolle in der Serie „Public Morals“, allerdings unter dem Kunstlernamen Justin Louis. Sein damaliger Agent war nämlich der Meinung, dass er mit dem Namen Luis Ferreira keinen Erfolg haben würde.

Ferreira spielte in Filmen und Serien wie „Fallen arches“, „Hidden hills“, „Durham County“, „Naked Lunch“, „24“, „CSI“, „Missing“, „Criminal Minds“ und „CSI Miami“ mit.
Für „Fallen arches“ erhielt er 1998 den Acting Award und für „Durham County“ bekam er 2008 den Gemini Award.

Luis Ferreira spricht fliesend portugiesisch und eines seiner Träume ist es irgendwann einmal die Rolle eines Portugiesen in einem Film spielen zu können, so sagte er einmal.
In der Zwischenzeit hat Luis Ferreira seinen Künstlernamen Justin Louis abgelegt, und spielt nun wieder unter seinem richtigen Namen seine Rollen.

Luis Ferreira wurde einmal, in einem Interview mit der kanadischen Zeitung „Portuguese Times“ gefragt, was es für ihn bedeuten würde, Portugiese zu sein. Er antwortete darauf hin, das für ihn Portugiese sein bedeuten würde, „…in das Leben verliebt zu sein“!

Möchte gerne mal wissen, aus welchem Drehbuch Ferreira diese Worte entnommen hat!

Joe Raposo und die Sesamstraße


Heute habe ich mir mit meiner kleinen Nichte die Sesamstraße angeschaut und dabei in Kindheitserinnerungen geschwelgt.
Da waren sie alle: Kermit, Miss Piggy, Gonzo, Ernie und Bert, das Krümelmonster, und, und, und…
Es ist in unserer schnelllebigen Zeit schön zu wissen, das heute im Fernsehen noch eine Sendung läuft, die uns als Kinder begleitet hat, ebenso unsere Kinder, und für viele von uns auch schon unsere Kindeskinder begleitet.

Jeder kennt den Titelsong der Sesamstraße, aber kaum einer weiß, dass ein Amerikaner mit portugiesischen Wurzeln (port.: luso-americano), nämlich Joe Raposo, der Komponist dieses Liedes und vieler anderer Kinderlieder ist.

Joe Raposo wurde am 08. Februar 1937 als Joseph Guilherme Raposo im amerikanischen Fall River, als Sohn von José Raposo, geboren.
Sein Vater stammte aus der Azoreninsel São Miguel, wo er in seinem Heimatort Arrifes als Musiklehrer arbeitete und Dirigent der dortigen Musikkapelle „Banda de Santo Cristo“ war.
Joe eiferte musikalisch seinem Vater nach, und lernte bereits sehr früh das Klavier spielen.

1965 lernte Joe Raposo in einer Hotelbar Jim Henson kennen, den „Vater“ der Sesamstraße (engl.: Sesame Street / port.: Rua Sésamo / bras.: Vila Sésamo) und der Muppets Show (engl.: The Muppets Show / port.: Os Marretas).
Schnell wurden die Beiden Freunde und berufliche Kollegen.
Jim Henson wurde Regisseur und entwickelte die Puppen und die Texte und Joe Raposo wurde Musikdirektor der Sesamstraße und der Muppets und komponierte die Musik für die einzelnen Sendungen.
Darunter waren Songs wie „Bein´Green“, „Something come and play“ und „Sing“, die von Stars wie Frank Sinatra, Ray Charles und Barbara Streisand interpretiert wurden.

Am 05. Februar 1989, drei Tage vor seinem 53. Geburtstag, verstarb Joe Raposo plötzlich und unerwartet, in seinem Haus in New York.

2004 schrieben die Portugiesinnen Odete Amarelo und Gilda Arruda, in Zusammenarbeit mit der Zeichnerin Josette Fernandes, eine wunderschön bunte Biographie über Joe Raposo, für Kinder.
In diesem Kinderbuch, welches in englischer und portugiesischer Sprache erschienen ist, wird das interessante Leben von Joe Raposo nacherzählt.

Gibt es eine schönere Art und Weise der Nachwelt erhalten zu bleiben, als mit einem Kinderbuch?

Dienstag, 4. Januar 2011

Es ist etwas faul im Staate Portugal


Wie jeder weiß und wie jeder (der eine mehr, der anderer weniger) es zu spüren bekommt, befinden wir uns hier in Portugal in einer Zeit voller Krisen.
Selten hat Portugal in den letzten 100 Jahren wirtschaftlich so schlecht dagestanden wie im Augenblick (so viel zum Thema „100 Jahre Republik“).

Mit Island, Irland und Griechenland als abschreckende Exempel vor Augen, bemüht sich die Nation das Schicksal dieser bankrotten Staaten nicht zu erleiden.
Aber es wird schwierig in den nächsten Monaten und Jahren, sehr schwierig!...

Und weil wir so schwere Zeiten haben, und uns gewiss noch schwierigere Zeiten bevorstehen, kann ich, wo doch von mir und den anderen Steuerzahlern erwartet wird, dass wir den Gürtel enger schnallen, nicht nachvollziehen wie andernorts das Geld regelrecht aus dem Fenster rausgeschmissen wird.

Und ich rede hier nicht von den staatlichen Institutionen, wie etwa dem Verteidigungsministerium, dem Verkehrsministerium oder dem Innenministerium, denn von denen sind wir sinnloses Geldausgeben schon gewohnt.
Nein, ich rede hier von den Kommunen und den Städten, die hier in Portugal, auf unsinnigste Art und Weise, öffentliche Steuergelder ausgeben und wo sich dann die Herren Bürgermeister lamentierend vor Fernsehkameras stellen und sagen, wie schlecht finanziell es um sie und ihre Kommunen bestellt ist.

Ich habe hier ein paar Beispiele aus dem letzten Jahr, die jedem normalen Bürger die Schamesröte ins Gesicht treibt, nicht so aber anscheinend den Stadtverwaltungen und den Kommunalpolitikern, die folgende Rechnungen an den portugiesischen Rechnungshof (port.: Tribunal de Contas) gesendet haben, in der Hoffnung der portugiesische Steuerzahler würde diese begleichen:

- So hat in Matosinhos, genauer gesagt im Matosinhos Habit, der Zentrale für städtischen Wohnungsbau, die Neuanschaffung der Eingangstür des Hauptgebäudes stolze 142.320.- Euro gekostet. Würde gerne nur mal wissen, aus was diese Tür besteht, denn schließlich kostet sie ja mehr, als so manche Eigentumswohnung hier in Lissabon.

- Die Hochschule für Technologie an der Universität der Algarve (port.: Escola Superior de Tecnologia da Universidade do Algarve) stellt dem Steuerzahler, den Hin- und Rückflug eines Professors zwischen Faro und der kroatischen Hauptstadt Zagreb, mit 33.745,- Euro in Rechnung. Nachdem ich die Internetseite der portugiesischen Fluggesellschaft TAP besucht habe, habe ich herausbekommen das der teuerste Flug zwischen Faro und Zagreb, hin- und zurück, mit Steuern, gerade Mal knapp 1.700,- Euro kostet. Macht den stolzen Unterschied von über 32.000,- Euro.

- Die Regionalhauptverwaltung der Gesundheitsbehörde des Alentejo (port.: Administração Regional de Saúde do Alentejo), in Évora, hat 97.560,- Euro für die Anschaffung eines Büroschrankes, zwei Computertischen und drei Stühlen mit extra hohen Lehnen ausgegeben. Ich weiß nicht wie der aktuelle qm²-Preis für Büromöbel ist, aber entweder sind diese, vom Gesundheitsamt gekauften und in Rechnung gestellten Möbel, aus purem Gold oder man hat die Alentejanos, die sonst so stolz darauf sind genug Bauernschläue zu haben und sich nicht so leicht übers Ohr hauen zu lassen, ganz schön über den Tisch gezogen. Vielleicht hätte man vor dem Erwerb der Büromöbel einmal bei IKEA vorbeischauen sollen. Die haben nämlich ein sehr gutes Preisleistungsverhältnis was Büromöbel angeht.

- Die Stadt Lagoa (port.: Município de Lagoa) an der Algarve hat für das Anbringen von Motorradtaschen an den von ihren Mitarbeitern benutzten Arbeitsmotorrädern stolze 106.596,- Euro ausgegeben. Ich weiß nicht wie viele Motorräder die Stadt Lagoa insgesamt diesen Umbaumaßnahmen unterworfen hat, aber es scheint ein teurer Spaß zu sein, wenn man sich an der Algarve sein zweirädriges Arbeitsgefährt umpimpern lässt.

- Eine weitere kuriose Rechnung hat die Stadtverwaltung von Ilhavo (port.: Município de Ilhavo) beim portugiesischen Rechnungshof eingereicht. Die bezahlte nämlich angeblich für drei Computer, einem Drucker, neun Telefonen und zwei Scannern insgesamt 380.666,- Euro. Es muss sich hierbei wirklich um ganz besondere PC´s handeln, wenn ein jeder von ihnen über 100.000,- Euro kosten tut.

- Das Rathaus von Loures (port.: Câmara Municípal de Loures) gelegen in einem Weinanbaugebiet, hat 652.300,- Euro für spanischen Rot- und Weißwein ausgegeben. Würde jetzt nur gerne wissen, warum ein Weinanbaugebiet über eine halbe Million Euro für spanische Weine ausgibt. Ist man vielleicht von seinen Weinen nicht überzeugt?

- Die Anschaffung eines Lieferwagens beläuft sich, laut der Stadtverwaltung von Vale de Cambra (port.: Município de Vale de Cambra), auf stolze 1.236.000,- Euro! Hierbei handelt es sich nicht etwa um einen Lieferwagen der Marke Porsche oder Bentley, sondern um einen der Marke Renault. Kein Wunder also das es der französischen Wirtschaft besser geht, als der unsrigen.

- Für die Einweihung des neuen Burgmuseums von Sines (port.: Museu do Castelo de Sines), wurde ein Festzelt angemietet, für den die Stadtverwaltung von Sines (port.: Município de Sines) 1.236.500,- Euro hinblätterte. So erfahren wir das das anmieten eines Festzeltes genauso teuer ist, wie das Anschaffen eines Lieferwagens der Marke Renault…

- Aber den Vogel schließt wohl die Stadtverwaltung von Beja ab. Die hat nämlich tatsächlich beim Rechnungshof hier in Lissabon eine Rechnung eingereicht, die an Dreistigkeit ihres gleichen sucht. Für einen multifunktionalen Fotokopierer der Marke Xerox, Model IRC30801, der im normalen Handel 7.698,- Euro kostet, bezahlte die Stadt Beja angeblich, sage und schreibe 6.572.983,- Euro, in Worten: sechsmillionenfünfhundertzweiundsiebzigtausendneunhundertachtunddreißig Euro!!!

Das es sich bei all diesen Rechnungen um glatten Betrug handelt steht, sowohl für den Rechnungshof als auch für jeden normal denkenden Menschen, außer Frage.
Ich wundere mich nur, warum keiner dieser Herren der Stadtverwaltungen festgenommen oder gleich an die nächste Wand gestellt worden ist.

Beruhigend für mich ist nur, dass der Rechnungshof keinem dieser Fantasierechnungen stattgegeben hat, d.h. es kam niemals zu einer Begleichung der jeweiligen Rechnung, jedenfalls in der gewünschten Höhe.
Aber, und hier wiederhole ich mich, ich kann nicht verstehen und nachvollziehen das all diese kommunalen Organe - Bürgermeister, Stadträte, und andere kommunalen Politiker - ohne eine Anzeige, ohne eine Verurteilung, davon gekommen sind.

Es ist etwas faul im Staate Portugal…

Schmunzeln erlaubt…


Wie einige wissen, habe ich den Jahreswechsel an der Algarve verbracht.
Auf der Suche nach mehr Infos über Albufeira und seine Sehenswürdigkeiten, bin ich über ein ausgefallenes Stück fehlgeleiteter Kartographiekunst gestolpert, die ich unbedingt mit meinen Lesern teilen will.

Es handelt sich hierbei um eine Karte Südportugals, die die im äußersten Südwesten Europas gelegene südportugiesische Provinz der Algarve (port.: Província do Algarve), darstellt.

Da werden geographisch genau die Städte Albufeira, Lagos und die Hauptstadt der Provinz, Faro, dargestellt, aber die Algarve liegt hier nicht in Portugal, sondern in Spanien!

Nun, wir sind solche falschen Karten schon gewohnt, vor allem wenn sie von den Spaniern selbst in Umlauf gebracht werden, wie so oft in den letzten Jahrhunderten.
Hierbei handelt es sich aber nicht um eine Karte aus den vergangenen Jahrhunderten und auch nicht um ein spanisches Werk, sondern um eine Veröffentlichung der renommierten Financial Times vom 13. Oktober 2007!

Schmunzeln erlaubt…

Salamaleque und Oxalá


„… der Frieden sei mit Dir (Euch)“ – das meint ein Portugiese, wenn er das Wort „salamaleque“ an sein Gegenüber richtet.
Dieses Wort, das heute eher selten benutzt wird, und das ich zum letzten Mal, jetzt über den Jahreswechsel, an der Algarve gehört habe, als sich zwei ältere Frauen in den Gassen der Altstadt von Albufeira begrüßten, wird heute kaum noch verwendet, und viele Portugiesen kennen es kaum noch.
Nur ältere Menschen, und die ausnahmslos aus dem Süden Portugals, benutzen heute noch diese, aus der Maurenzeit stammende, Begrüßungsformel.
„Salamaleque“ kommt aus dem arabischen „as-salam-malaik“ und bedeutet wortwörtlich: „der Frieden sei mit Dir (Euch)“.

Ein anderer, aus dem arabischen Wortschatz stammender Ausdruck, ist das Wort „oxalá“ (arab.: „inch-Allah“), das soviel bedeutet wie „so Gott will“.
Dieses Wort wird, im Gegensatz zu „salamaleque“ heute noch recht oft benutzt, auch hier im Lissabonner Raum.

Das heute noch das eine oder andere arabische Wort im portugiesischen Wortschatz benutzt wird, und ich meine damit nicht nur geographische Begriffe, haben wir Portugiesen sicherlich der langen maurischen Herrschaft über die Iberischen Halbinsel zu verdanken, aber auch der Tatsache das wir danach, als wir z.B. in Indien mit Arabern und Türken Handel trieben, noch lange mit der arabischen Kultur zu tun hatten.

In diesem Sinne:

„Salamaleque“ Euch allen im Neuen Jahr, und „oxalá“ treffen wir uns hier in meinem Blog!

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Zum neuen Jahr


Ein Jahr erscheint im Meer der Zeit
Als Tropfen von der Ewigkeit;
Jedoch der Mensch legt auf die Waage
Dreihundertfünfundsechzig Tage,
die er durchlebte, Schritt für Schritt,
in Freud und Leid, genoss, erlitt.

Erlebst des Jahres letzte Stunde
Allein du, oder sei es in froher Runde:
Schau erst zurück, dann froh voraus
Und schreite ohne Furcht hinaus
Ins neue Jahr, das Gott geschenkt,
der unser aller Schicksal lenkt.

(A. Schmitt)


Ich wünsche allen ein gesundes und glückliches Neues Jahr 2011!

Die Arglosen im Ausland


Kurz vor meiner Fahrt an die Algarve, wo ich vorhabe den Jahreswechsel zu verbringen, bin ich mit dem lesen des Buches „Die Arglosen im Ausland“ von Mark Twain fertig geworden.

Ich habe diesen, mehr oder weniger amüsanten Reisebericht des amerikanischen Schriftstellers, vor Wochen in die Finger bekommen und es mit einigen Unterbrechungen gelesen.

Der vor gut hundert Jahren verstorbene amerikanische Schriftsteller, Autor von Werken wie „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“ und „Oliver Twist“, ging im Jahre 1867 an Bord des alten Sezessionskriegschiffes „Quaker City“, in Richtung Jerusalem, auf Pilgerfahrt.

Mark Twains erste Station auf dieser Reise war die Azoreninsel Faial.
Damals brauchte man mit dem Schiff 10 Tage von New York bis nach Horta, der Hauptstadt Faials.
Als Twain mit seinen Mitreisenden endlich auf der Insel ankam, waren sie zuerst noch von den barfüßigen und lachenden Kindern angetan.
Doch ihre Freude hielt sich bald in Grenzen, spätestens als besagte Kinder anfingen sie massiv zu bedrängen und anzubetteln.
So wie Twain in seinem Reisebericht erzählt, flüchtete er mit einigen seiner Mitreisenden in das erst beste Wirtshaus der Stadt.

Erschöpft von der langen Reise auf dem Meer, gerade Mal vor lästig bettelnden Kindern geflüchtet und endlich froh festen Boden unter den Füßen zu haben, bestellten sie nicht nur ein gutes Essen, sondern auch Unmengen von Zigarren und guten Wein.
Als dann die Rechnung kam, erschrak die Reisegesellschaft arg.
21.000 Reis sollten die Amerikaner für ihr opulentes Mahl bezahlen.
Die Amerikaner legten zusammen, und brachten es gerade Mal auf 150 US-Dollar. Das war damals eine Menge Geld, und sie hatten auch nicht mehr dabei.

Als der Wirt ihnen den Wechselkurs verriet, war die Erleichterung, sowohl bei Mark Twain als auch bei seinen Begleitern, sehr groß, denn der Wechselkurs belief sich auf 1 zu 1000.
21.000 Reis waren also damals gerade mal 21 US-Dollar!

Den Namen des Restaurants verrät Twain in seinen Aufzeichnungen leider nicht, aber er erwähnt in seinem Reisebericht „Die Arglosen im Ausland“, das die Bewohner der Insel nicht nur zu den Walen, die sie bejagen, ein „sehr enges Verhältnis“ hatten, sondern auch zu ihren „donkeys“, ihren Eseln also.

Fasziniert berichtet Twain „das die Eseln und die Männer, Frauen und Kinder einer Familie alle zusammen im selben Raum schlafen und das alle wahrhaft glücklich sind“.
Man muss wirklich Amerikaner sein, um solch einen Stuss zu schreiben.

Das Buch hat mehrere solcher klugen Stellen, aber ich finde vor allem diese Stelle sehr aufschlussreich, denn so erfahre ich welch inniges Verhältnis einst die Einwohner dieses Eilandes mitten im Atlantik früher zu ihren grauen Gefährten hatten.

Und ich finde wir Portugiesen schneiden bei diesem Reisebericht gar nicht Mal so schlecht ab.
Viel schonungsloser und sarkastischer geht Mark Twain da schon eher mit den Einwohnern von Tanger, Gibraltar, Marseille, Rom oder Athen um.
Wahrscheinlich hatten diese alle damals keine Esel und waren deshalb „wahrhaft nicht glücklich“ …

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Die Nacht vor dem Heiligen Abend


1.
Die Nacht vor dem Heiligen Abend,
da liegen die Kinder im Traum;
sie träumen von schönen Sachen
und von dem Weihnachtsbaum.

2.
Und während sie schlafen und Träumen,
wird es am Himmel klar,
und durch den Himmel fliegen
drei Engel wunderbar.

3.
Sie tragen ein holdes Kindlein,
das ist der Heilige Christ;
er ist so fromm und freundlich,
wie keins auf Erden ist.

4.
Und wie es durch den Himmel
Still über die Häuser fliegt,
schaut es in jedes Bettchen,
wo nur ein Kindlein liegt.

5.
Und freut sich über alle,
dir fromm und freundlich sind;
denn solche liebt vom Herzen
das liebe Himmelskind.

6.
Wird sie auch reich bedenken
Mit Lust aufs allerbeste
Und wird sie schön beschenken
Zum lieben Weihnachtsfeste.

7.
Heute schlafen schon die Kinder
Und sehen es nur im Traum,
doch morgen tanzen und springen
sie um den Weihnachtsbaum.


Ich wünsche allen meinen Lesern und Freunden, die überall auf der Welt verstreut sind, ein frohes, glückliches und friedliches Weihnachtsfest und das eine oder andere kleine Geschenk...

Desejo a todos os meus leitores e amigos, que estão espalhados por todos os cantos do mundo, um Natal muito feliz com páz, alegria, saúde e também algumas prendinhas...

Montag, 20. Dezember 2010

Adventskonzert 2010






Wie vor einigen Tagen hier in diesem blog angekündigt, fand das diesjährige Adventskonzert der Deutschen Evangelischen Kirche zu Lissabon (DEKL) am gestrigen 4. Adventssonntag, den 19. Dezember 2010, statt.

Nach dem Abendgottesdienst, der um 17 Uhr stattfand und einem anschließenden Imbiss im Gemeindehaus, begann um 19 Uhr, in der Evangelischen Kirche an der Praça de Espanha, das traditionelle Weihnachtskonzert.

An dem Adventskonzert nahmen als Intertreten der Chor der Deutschen Evangelischen Kirche zu Lissabon statt, dem ich voller Stolz angehöre, sowie die „Capella Sacra“, mit Bärbel Griesshaber an der Querflöte, Andreas Häusler an der Trompete, Friederike Zühl am Cello, Pedro Lind and der Geige und Carina Lasch an der Orgel.
Des Weiteren trat der Posaunenchor der Kirche auf, mit Andreas Häusler, Stefan und Anke Stalling und Friederike Zühl.
Claus von Oertzen gab seine Baritonkünste zum Besten und sowohl Carina Lasch als auch Rute Martins spielten die Orgel.

Gespielt wurden Werke von Dietrich Buxtehude, Georg Friedrich Händel, Jaques Berthier, Johann Sebastian Bach, Peter Cornelius, Claude Balbastre, Georg Philipp Telemann und John Rutter.

Wir alle sangen und spielten mit voller Begeisterung.
Und als der Chor das alte, englische Weihnachtslied „Hark! The Herald Angels sing“ fertig gesungen hatte, konnte man im Kirchenraum, außer dem begeisterten Applaus, auch einige „Bravo“-Rufe hören, was uns, die wir alle Laien sind, unheimlich gefreut hat und uns gezeigt hat, das all die Mühe nicht umsonst war.

Als Chormitglied hat mich der gestrige Auftritt nur bestärkt weiter zu machen.
Mein herzlichster Dank gehört Carina, für all die Mühe die sie sich macht, die Zeit die sie sich nimmt und all die Freude die sie uns schenkt.
Auch Anke und Stefan gehört mein besonderer Dank, denn sie haben nicht nur immer ein offenes Ohr, sondern auch ein offenes Haus, in dem wir proben können.
Erst durch sie alle wurde dieses Konzert ein voller Erfolg!

Weihnachtserinnerungen


Lezten Freitag, auf dem Weg ins Büro, bin ich in einen Bus eingestiegen, der voller Grundschüler war.
Es war ihr letzter Schultag, und dementsprechend waren sie euphorisch, nicht nur weil sie jetzt Schulferien haben, sondern weil Adventszeit ist, und Weihnachten vor der Tür steht.

Die Adventszeit sollte eigentliche eine Zeit der Ruhe, der Dankbarkeit und Besinnlichkeit sein. Doch leider ist davon in unserem heutigen Alltag leider nur sehr wenig zu merken.
Die Wochen vor Weihnachten arten immer mehr in Stress, Hektik und Streit aus und manchmal sogar dem Verlust der weihnachtlichen Vorfreude.

Früher, als ich noch ein Kind war und in Deutschland lebte, da war das noch anders – zumindest aus meiner kindlichen Sicht.
Ich mag Weihnachten und die Adventszeit und denke in dieser oft an früher zurück, als ich noch unbeschwert und unbekümmert diese Wochen am Jahresende genießen konnte.
Zurückblickend auf meine frühen Lebensjahre und in meine Grundschulzeit, habe ich im Alter von 6 bis 10 meine schönsten Erinnerungen an Weihnachten und die Adventszeit.

Damals, wenn es morgens kalt und dunkel war und schon der erste Schnee lag, hat es mir einen riesigen Spaß gemacht durch diesen zur Schule zu stapfen und mir dabei die eine oder andere Schneeballschlacht mit meinen Schulfreunden zu liefern.
In der Klasse selber wurde ein wenig mit Selbstgebasteltem weihnachtlich dekoriert.
Auf den Marmorfensterbänken lagen Tannenzweige mit Schleifen und Strohsternen und an den Fenstern klebten selbstgemalte Bilder mit weihnachtlichen Motiven.

Jeden Morgen in der 1. Stunde wurden die Kerzen des Adventskranzes, der immer auf dem Lehrerpult stand, angezündet und das Deckenlicht ausgeschaltet. Frau Koppe, unsere Klassenlehrerin las uns dann eine kurze Weihnachts- oder Adventsgeschichte vor. Auch die Klänge weihnachtlicher Lieder wurden mit Blockflöten durch den Raum getragen. Es war ein an der Wilhelm-Busch-Schule übliches Ritual in der Adventszeit, welches jeden Morgen in den ersten 15 Minuten der ersten Stunde zelebriert wurde.

Auch bei uns zu Hause herrschte in der Zeit vor Weihnachten eine angenehme Stimmung, denn auch die elterliche Wohnung war bereits entsprechend dekoriert, in den ersten Jahren mit einer wunderschönen Krippe, so wie hier in Portugal üblich.
Der „deutsche“ Weihnachtsbaum zog erst mit den Jahren bei uns ein.
Selbstgebackene Plätzchen und Kekse kannte ich als Kind auch nicht, aber dafür, dank meiner Mutter, die ganze Facette der portugiesischen Weihnachtsbäckerei.

Da keiner in unserer Familie damals ein begnadeter Sänger war, kannten wir Weihnachtslieder nur aus dem Kassettenrekorder.
Noch heute habe ich eine alte Kassette aus dieser Zeit, auf der Kinderchöre Weihnachtslieder wie „Alle Jahre wieder“, „Stille Nacht, Heilige Nacht“, „O Tannenbaum“ und „Lasst uns froh und munter sein“ singen. Nur habe ich leider keinen Kassettenrekorder mehr, um mir diese abzuhören und in alten Erinnerungen zu schwelgen!
Natürlich gibt es heutzutage CD´s auf denen all diese Lieder drauf sind.
Aber es ist nicht dasselbe!

Da bei uns „auf dem Dorf“ in Wixhausen die Einkaufsmöglichkeiten so gut wie nicht vorhanden waren und es das Internet damals noch nicht gab, war es für mich immer ein Erlebnis, wenn die ganze Familie in der Vorweihnachtszeit in die „große Stadt“ fuhr, um die Weihnachtseinkäufe zu erledigen.
Der Weg führte uns immer nach Darmstadt zum Luisencenter und seinem Karstadt – ein Paradies für jemanden, der die meisten dort angebotenen Dinge nur aus Katalogen und Prospekte kannte.
Natürlich besuchten wir bei dieser Gelegenheit auch den Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz, genau gegenüber dem Darmstädter Schloss, und als Kind bestaunte ich all die schönen Weihnachtsdekorationen dort und auf den Straßen.

Ein Rätsel ist mir allerdings bis heute, wie meine Eltern es schafften, Geschenke für mich und meine Schwester zu kaufen, ohne dass wir etwas davon mitbekamen und uns die Geschenke vom „Christkind“ (wohlgemerkt vom Christkind, nicht vom Weihnachtsmann!) immer wieder aufs Neue überraschten.

Advent und Weihnachten waren in meinen Kindertagen einfach schön und unbeschwert.
Hektik, Sorgen, Stress und Streit sowie Geld waren mir fremd bzw. wurden von unseren Eltern liebevoll von uns fern gehalten.
Irgendwie vermisse ich diese Zeit und möchte am liebsten noch einmal 7 oder 8 Jahre alt sein damit ich das noch einmal erleben kann.

Samstag, 18. Dezember 2010

Der Traum


Ich lag und schlief,
Da träumte mir ein wunderschöner Traum:
Es stand auf unserem Tisch
Vor mir ein hoher Weihnachtsbaum.

Und als ich nach dem Baume sah
Und ganz verwundert stand,
Nach einem Apfel griff ich da,
Und alles, alles schwand.

Da wachte ich auf aus meinem Traum,
und dunkel war es um mich:
Du lieber schöner Weihnachtsbaum,
sag an, wo finde ich dich?

Da war es just, als rief er mir:
Du darfst nur artig sein,
dann stehe ich wiederum vor dir
jetzt aber schlaf nur ein!

Und wenn du folgst und artig bist,
dann ist erfüllt dein Traum,
dann bringt dir der heilige Christ
den schönsten Weihnachtsbaum!

Als Friedrich Reichardt im Jahre 1786 diese Weise komponierte und Jahre drauf Hoffmann von Fallersleben den Text dazu dichtete, war es so, das die Beiden vielen Menschen ihrer Zeit aus dem Herzen sprachen.

Auch heute noch, gut 250 Jahre nach dem Dichten dieses wunderschönen Werkes, können sich viele mit dem Traum von Weihnachten und dem schönen Weihnachtsbaum, den Hoffmann von Fallersleben damals träumte, identifizieren, obwohl wir von Kommerz, Hektik und Stress umgeben sind.
Aber wenn es eine Zeit zum träumen gibt, wenn es wirklich eine Zeit der Hoffnung und Liebe gibt, dann ist es die Weihnachtszeit.

Mögen alle Eure Träume und Hoffnungen in Erfüllung gehen, das wünsche ich Euch von ganzem Herzen.

Allen einen traumhaftschönen 4. Advent!

Weihnachtsbeleuchtung II






Noch nie habe ich die Rua Augusta, die Prachtstraße der Baixa, oder ihre Parallelstraßen, die Rua da Prata und die Rua do Ouro zur Weihnachtszeit so armselig beleuchtet gesehen, wie in diesem Jahr.

Auch die Querstraßen, wie die Rua da Encarnação oder die Rua de São Nicolau, sind eher dunkel als hell erleuchtet.

Nur im Stadtteil Chiado ist die Beleuchtung etwas bunter gehalten. In einem zarten Pink ist dieses Jahr dort die Rua Garrett mit einer Straßenbeleuchtung dekoriert.

Aber wer die Rua Garrett in früheren Jahren bestaunen konnte, wird den Unterschied zu diesem Jahr sehr wohl merken.

Weihnachtsbeleuchtung I






Wer dieser Tage abends durch die Baixa oder den Chiado in Lissabon geht, der kann ganz deutlich sehen, wie tief Portugal in der Krise steckt.
Lissabon ist zu dieser Jahreszeit, an der es normalerweise festlich erleuchtet ist, stockdunkel!
Es muss gespart werden - auch am Licht!
Und nicht nur hier in Lissabon wird gespart, nein, im ganzen Land wird auf Sparflamme dekoriert.

Wer in den letzten Jahren durch die Lissabonner Altstadt ging, der konnte die wunderschön opulente Lichtpracht bewundern, die die Plätze und die Straßen der Stadt erleuchteten.
Überall war es bunt, hell und funkelte es.
Wir hatten sogar hier in Lissabon über Jahre hinweg den größten und hellsten Weihnachtsbaum Europas - wenn auch nur künstlich.
Die Stadt war prachtvoll anzusehen, und von überall kamen die Touristen, zuckten ihre Kameras, um die weihnachtlich dekorierte Stadt für immer auf ihren Bildern festzuhalten!

Und heute?
Heute bilden ein paar einfache Lichterketten und einige armselige Beleuchtungen die ganze Weihnachtsdekoration.
Wie konnte es nur soweit kommen?

Am Cais do Sodré, wo sonst eine große Krippe stand, steht dieser Tage ein aus Lichterketten gemachter Weihnachtsbaum.
Vom Lissabonner Rathaus, das früher über und über von funkelnden Lichtern überseht war, sind heute nur noch die acht Hauptsäulen erleuchtet.
Und die Praça do Comércio, die die letzten Jahre hinweg bunt war, auf der man den riesigen, schon erwähnten Weihnachtsbaum, bewundern konnte, und auf der man die schönste Weihnachtsmusik hörte, ist heute ein schwach beleuchteter, stiller Platz, auf dem die Menschen hasten um ja vor der Kälte zu fliehen.
Keiner bleibt mehr stehen, staunt und bewundert.

Wie konnte es nur soweit kommen?

Mittwoch, 15. Dezember 2010

In der Weihnachtszeit


So klar gefegt der Winterhimmel
Von lieben Weihnachtsengelein,
und in den Straßen ein Gewimmel
von frohen Menschen, groß und klein,
im kalten Wintersonnenschein.

Die Dächer und die hohen Bäume,
die blicken alle still verschneit,
und lauter selige Weihnachtsträume,
die fliegen durch die Dunkelheit
in allertiefster Heimlichkeit.

Es geht ein Raunen durch die Gassen
Und wie verzaubert ist die Nacht.
Und wird die Menschen hoffen lassen?
Die Weihnachtszeit in ihrer Pracht
Hat Frieden nun und Freud´ gebracht.

(Gert Marthner)

Dienstag, 14. Dezember 2010

Einladung zum Adventskonzert 2010


Das diesjährige Adventskonzert der Deutschen Evangelischen Kirche zu Lissabon (DEKL) findet dieses Jahr am Sonntag, den 19. Dezember 2010, dem 4. Advent, statt.

Nach einem Abendgottesdienst, der um 17 Uhr stattfinden wird und einem anschließenden Abendessen im Gemeindehaus, wird um 19 Uhr in der Evangelischen Kirche das traditionelle Weihnachtskonzert erklingen.

Bei dem Adventskonzert werden mitwirken der (immer noch namenlose) Chor der DEKL, der Elternchor der Deutschen Schule Lissabon (DSL), der Capella Sacra Posaunenchor der DEKL, sowie der Bariton Claus von Oertzen und die Organistinnen Rute Martins und Carina Lasch, die nicht nur die Orgel spielen wird sondern auch die Gesamtleitung der Veranstaltung haben wird.

Wie jedes Jahr, so wird auch heuer bei dieser musikalischen Einstimmung auf Weihnachten, der Eintritt frei sein!

Samstag, 11. Dezember 2010

Hark! The Herald Angels sings


Seit nunmehr mehreren Proben hat der Chor der DEKL, dem ich angehöre, unter der Leitung von Carina Lasch, sich dem Weihnachtslied „Hark! The Herald Angels sings“ angenommen.

Unser Ziel ist es, dieses traditionelle englische Weihnachtslied an unserem diesjährigen Weihnachtskonzert, welches im Anschluss an den Abendgottesdienst am 4. Advent stattfindet, zum Besten zu geben.

Nach anfänglichen Anlaufschwierigkeiten sind wir langsam aber sicher mit dem Lied und seinem Text warm geworden, und bei der letzten Probe konnten wir es voller Inbrunst und fast fehlerfrei von uns geben.

Der Urtext dieses Liedes stammt von Charles Wesley, dem Bruder von John Wesley und Begründer der englischen Methodistenkirche (engl.: Methodist church), der diesen 1739 als Gedicht veröffentlichte.
George Whitefield, der ein Freund von Charles Wesley war, änderte später den Text von „Hark! The Herald Angels sings“ in seine heutige Version um.

Die Melodie, nach der wir heute das Lied singen, geht auf den berühmten Felix Mendelssohn Bartholdy zurück, der die Musik im Jahre 1840, in Leipzig, komponierte.

Erst 1855, also 116 Jahre nach dem erscheinen des Gedichtes von Charles Wesley, fanden Musik und Text zusammen, und wurden von nun an zusammen als Weihnachtslied gesungen.

Der Text lautet wie folgt:

„Hark! The Herald Angels sings“

1.
Hark! The herald angels sing
Glory to the newborn King!
Peace on earth and mercy mild
God and sinners reconciled
Joyful, all ye nations rise
Join the triumph of the skies
With the angelic host proclaim:
Christ is born in Bethlehem
Hark! The herald angels sing
„Glory to the newborn King!“

2.
Christ by highest heav'n adored
Christ the everlasting Lord!
Late in time behold Him come
Offspring of a Virgin's womb
Veiled in flesh the Godhead see
Hail the incarnate Deity
Pleased as man with man to dwell
Jesus, our Emmanuel
Hark! The herald angels sing
„Glory to the newborn King!“

3.
Hail the heav'n-born Prince of Peace!
Hail the Son of Righteousness!
Light and life to all He brings
Ris'n with healing in His wings
Mild He lays His glory by
Born that man no more may die
Born to raise the sons of earth
Born to give them second birth
Hark! The herald angels sing
„Glory to the newborn King!“


Ins Deutsche übersetzt lautet der Text in etwa wie folgt:

1.
Horcht! Des Engels Herold singt, -
Ehre sei dem neugeborenen König! Frieden auf Erden, und milde Gnade,
Gott und Sünder ausgesöhnt.
Erhebt Euch fröhlich, alle ihr Nationen,
Stimmt mit ein in den Triumph der Himmel;
Ruft es mit dem Heer der Engel aus,
Christus ist in Bethlehem geboren.
Horcht! Des Engels Herold singt:
„Ehre sei dem neugeborenen König!“

2.
Christus, angebetet von den höchsten Himmeln:
Christus, der ewige Herr;
Seht ihn kommen spät in der Zeit,
Nachkomme des auserwählten einen.
Seht die Gottheit, verschleiert im Fleisch
Grüß die leibhaftige Gottheit:
Zufrieden, als Mensch, unter Menschen zu wohnen,
Jesus, unser Gott-mit-uns!
Horcht! Des Engels Herold singt:
„Ehre sei dem neugeborenen König!“

3.
Gruß dem himmlisch-geborenen Prinzen des Friedens!
Gruß dem Sohn der Rechtschaffenheit!
Er bringt Licht und Leben zu allen,
emporgestiegen mit Heilung in seinen Flügeln
Mild legt er seine Herrlichkeit ab,
geboren, damit kein Mensch mehr sterben muss:
Geboren, um das Ticken der Erde heraufzudrehen,
geboren, um ihnen eine zweite Geburt zu geben.
Horcht! Des Engels Herold singt:
„Ehre sei dem neugeborenen König!“


Es gibt, außer den vielen Choraufnahmen weltweit, auch ein paar berühmte Solisten, die mit diesem Weihnachtslied Erfolg hatten.
Da wären zum einen Vanessa Williams und in neuster Zeit Mariah Carey.
Aber so richtig berühmt mit diesem Lied wurde Frank Sinatra, der in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts einen Riesenerfolg mit ihm hatte.

Unser Chor kann diese und andere Erfolge sobald nicht Toppen.
Aber wir nehmen es sportlich und hoffen mit unseren Chor ein wenig dazu beizutragen Freude in die Herzen der Menschen zu bringen.

Allen einen besinnlichen und friedlichen dritten Advent!

Sonntag, 5. Dezember 2010

Bald kommt der Nikolaus


Im Winter, wenn es stürmt und schneit
Und’s Weihnachtsfest ist nicht mehr weit,
Da kommt weit her aus dunklem Tann
Der liebe, gute Weihnachtsmann.
Knecht Ruprecht wird er auch benannt,
Ist allen Kindern wohlbekannt.
Er kommt mit einem großen Schlitten
Grad aus des tiefsten Waldes Mitte.
In seinem Sack sind gute Sachen,
die braven Kinder Freude machen.
Doch auch die Rute ist zur Hand
Für Kinder, die als bös bekannt.
Das mag wohl früher so gewesen sein;
Heut gibt’s nur brave Kinderlein.
Die sagen schnell ihr Sprüchlein auf,
Knecht Ruprecht macht den Sack dann auf.
Und Äpfel, Nüsse, Pfefferkuchen
Darf gleich das liebe Kind versuchen.
Knecht Ruprecht aber fährt geschwind
Davon zum nächsten artigen Kind.

(E. Heine)


Euch allen, ob groß oder Klein, wünsche ich Morgen einen schönen Nikolaustag, verbunden mit der Hoffnung auf eine Menge leckerer Schokolade, duftendem Lebkuchen und vielen anderen Leckereien aus der Weihnachtsbäckerei.

Eselsohren: „Das Kabinett der Wachsmalerin“


Als ich vor einigen Jahren in Paris war, stand auch das Wachsfigurenkabinett von Madame Tussaud auf meinem Besuchsprogramm, ein Besuch welches ich niemals vergessen werde.
Die Figuren die dort ausgestellt wurden waren sehr realistisch modelliert worden, so realistisch, dass manche von ihnen wie echt aussahen.
Schon vor gut 200 Jahren, als Madame Tussaud ihr erstes Wachsfigurenkabinett in London eröffnete, war das so.

Als Madame Marie Tussaud im Jahre 1802 mit ihrem kleinen Sohn Joseph in England ankam, trauten die Zöllner ihren Augen nicht, denn kaum hatten sie eine Kiste geöffnet, kamen ihnen blutverschmierte Köpfe entgegen.
Die Wachsmalerin konnte aber den Irrtum aufklären.
Die blutverschmierten Köpfe waren aus Wachs und sehr realistisch verarbeitet worden.

Tussaud war von Frankreich nach England gereist, um dort die Figuren der hingerichteten, französischen Revolutionäre auszustellen.
Sie wollte auch nur kurz bleiben auf den britischen Inseln.
Doch der Krieg zwischen England und Frankreich zwang sie zu bleiben.

Marie Tussaud reiste jahrelang kreuz und quer durch das Land, lernte die Gefahren des Reiselebens kennen und musste sich als Geschäftsfrau behaupten, etwas was zu der damaligen Zeit äußerst ungewöhnlich war.
Erst viele Jahre und einige Kriege später, nachdem sie sich in England etabliert hatte, konnte sie in London ihr Weltberühmtes Wachsfigurenkabinett eröffnen, und schließlich zur Legende werden.

Über das Leben und Wirken dieser Frau handelt das Buch das ich heute hier vorstelle, und welches im List Verlag erschienen ist.
Geschrieben wurde dieser geschichtliche Roman von Sabine Weiß, die 1968 geboren wurde, und die dann später in Hamburg Germanistik und Geschichte studierte.
Seit 1995 arbeitet sie als freie Journalistin.
„Das Kabinett der Wachsmalerin“ ist der zweite Roman den Sabine Weiß schreibt und ich hoffe es werden noch viele, viele andere folgen.

Samstag, 4. Dezember 2010

Leise rieselt der Schnee


Mit dem Weihnachtslied „Leise rieselt der Schnee“, einer alten Weise und Worten von Eduard Ebel(1839-1905), und in Anlehnung an das kalte und verschneite Wetter welches in Deutschland und zum Teil auch hier in Portugal gerade herrscht, möchte ich allen weiterhin eine schöne Adventszeit wünschen.


-1-
Leise rieselt der Schnee,
Still und starr liegt der See,
Weihnachtlich glänzet der Wald,
Freue dich, Christkind kommt bald!

-2-
In den Herzen ist´s warm,
Still schweigt Kummer und Harm,
Sorge des Lebens verhallt,
Freue dich, Christkind kommt bald!

-3-
Bald ist Heilige Nacht,
Chor der Engel erwacht,
Hört nur, wie lieblich es schallt:
Freue dich, Christkind kommt bald!

(Eduard Ebel)

Allen einen friedvollen zweiten Advent!

Immigration ist ein Teil der portugiesischen Geschichte


Wir Portugiesen sind schon immer gerne in der Weltgeschichte herumgesegelt und haben auch seit jeher unser Glück in anderen Teilen der Welt gesucht.
Immigration (port.: emigração) ist seit den Tagen der Entdeckungen ein Fakt und Teil unserer Geschichte.
Überall haben Portugiesen, über die Jahrhunderte hinweg, ihr kulturelles Erbe hinterlassen, sei es in der Architektur, in der Gastronomie, der Folklore, den künstlerischen Manifestationen und den Volksfesten.
Und diese Geschichte der Immigration wiederholt sich alle paar Jahrzehnte - immer wieder.

Nach einer Nachricht der Tageszeitung „Diário de Noticias“, vom gestrigen Tag, sind in den letzten Zehn Jahren an die 700.000 Portugiesen immigriert.
Um genau zu sein, waren es 697.962 Menschen, die die dritte Auswanderungswelle der letzten Hundert Jahre hier in Portugal, auslösten.

Seit gut 10 Jahren verlassen ca. 70.000 meiner Landsleute jedes Jahr Portugal, um in Ländern wie Großbritannien, Spanien, Schweiz und sogar Angola, eine neue Heimat zu finden, darunter sind 13% der Hochschulabgänger des Landes.
Im Gegensatz zu den ersten zwei Auswanderungswellen, verlassen heute zunehmend hoch qualifizierte und technisch begabte Arbeitskräfte das Land.

Die erste Auswandererwelle, die von 1910 bis 1930 andauerte, führte die Portugiesen vor allem nach Brasilien und anderen Ländern in Übersee, wie etwa Venezuela und Kanada.
Es war die Armut, die Arbeitslosigkeit und der Hunger, die vor allem junge Männer, die meisten von ihnen Analphabeten, damals Zwang, die Kontinente zu wechseln.
Man schätzt heute, dass etwa 2.500.000 Portugiesen damals ihren Weg über den Atlantik fanden.

Die zweite Auswandererwelle war von 1960 bis 1974, während der Salazardiktatur.
Damals gingen schätzungsweise 1.300.000 Portugiesen außer Landes, einige von ihnen in die Schweiz, Holland, Belgien, Luxemburg und auch nach Deutschland, so wie mein Vater.
Aber vor allen Dingen zog es die Menschen damals nach Frankreich und seine Hauptstadt Paris.
Paris war, über Jahre hinweg, die zweitgrößte Stadt Portugals!
Viele verließen damals Portugal aus wirtschaftlichen Gründen, aber viele auch, aus politischen Gründen.

Die dritte Auswanderungswelle findet, wie schon erwähnt, gerade statt.
Hunderttausende verlassen das Land in Zeiten der Krise.
Viele, vor allem die jüngeren, sehen gar keine andere Auswahl, als auszuwandern.
Wenn sich nicht bald etwas grundlegendes hier in Portugal ändert, und wir die miserable wirtschaftliche Lage nicht überwinden können, dann wird sich dieser Exodus wohl leider noch über Jahre hinziehen!

Nicht das wir das nicht überleben würden, denn wie ich schon bereits erwähnte, ist die Immigration ein Teil der portugiesischen Geschichte.
Aber jede Regierung sollte sich schämen, wenn heutzutage junge Portugiesen aus Not gezwungen werden in England Truthähnen den Hals durchzuschneiden oder in der Schweiz die Straßen zu kehren.
Das dürfte es im 21. Jahrhundert gar nicht mehr geben!