Dienstag, 26. Oktober 2010

Von Nonnen und Piraten






Bei meinem letzten Aufenthalt auf Madeira, vor einer Woche, hatte ich die Gelegenheit, die Insel wieder neu zu entdecken.
Ich habe einige Ausflüge gemacht, an Orte die ich noch nicht kannte.
Eines dieser Orte ist Curral das Freiras, ein Ort der nur knapp 20 km von Funchal entfernt ist, aber immerhin 1600 Höhenmeter Unterschied zur Hauptstadt, die am Meer liegt, hat!

In nordwestlicher Richtung, an Câmara de Lobos vorbei, verließ ich Funchal über eine kurvenreiche Straße die durch eine blumen- und waldreiche Berglandschaft aufwärts führte.
Nach gut 6 km kam ich am 355 m hohen Pico dos Barcelos an.
Von der in Blumen gebetteten und mit einem großen Steinkreuz ausgestatteten Aussichtsterrasse bot sich mir ein prächtiger Blick über die ganze Südküste von Madeira.

Von Pico de Barcelos ging es in Windungen und Kehrungen weiter bis zum 1026 m hohen Eira do Serrado (dt.: „Serrado-Sattel“) am Nordostrand des Pico Serrado (dt.: „Abgesägter Gipfel“) der 1115 m über den Meeresspiegel ragt.
Da schönes Wetter war, was zu dieser Jahreszeit wirklich nicht alltäglich sein soll, so sagte man mir, hatte ich einen traumhaften Ausblick über die höchsten Gipfel der Insel.
Den Pico Ruivo (dt.: „Roter Gipfel“), mit 1861 m der höchste Berg Madeiras, den 1810 m hohen Pico do Areeiro (dt.: „Sandgipfel“), im Osten den 1607 m hohen Pico Grande (dt.: „Großer Gipfel“) und im Westen den 1692 m hohen Pico do Jorge (dt.: „Georgsgipfel“).

Vom Eira do Serrado, also vom „Sattel“ aus, hat man einen grandiosen Blick, runter auf den Kraterkessel und die Ortschaft Curral das Freiras.
Curral das Freiras wird in vielen Reiseführern, auch in dem, den ich benutzte als ich den Ausflug machte, fälschlicherweise als „Nonnental“ bezeichnet. Die genaue Übersetztung von Curral das Freiras ist aber „Nonnenpferch“, vergleichbar mit einem Schweinepferch oder einem Rinderpferch.
Die religiös, sensibleren Leser meines Blogs mögen diesen, meinen Vergleich bitte entschuldigen, aber so ist nun einmal die genaue Übersetzung des Wortes „curral“ (laut dem neuen Langenscheidts Taschenwörterbuch ist ein „curral“ ein „Pferch“ oder „Stall“).
Aber wie kam dieser Ort zu seinem eigenartigen Namen?
Nun, dieses Tal ist eines der wenigen Orte auf Madeira, auf dem man Vieh in freier Natur weiden lassen kann, d.h. während wo anders auf der Insel das Vieh konsequent im Stall gehalten werden muss, ist es hier in diesem Tal möglich, das Vieh draußen weiden zu lassen. Da das Tal von hohen Bergen umgeben ist, bildet es einen natürlichen Pferch, aus dem das Vieh nie entfliehen kann. Da die Nonnen, wie schon erwähnt, als erste dieses Tal bevölkerten, blieb, bis heute, im Volksmund der Name „Nonnenpferch“.

Curral das Freiras ist nur über eine einzige Straße, die zum größten Teil untertunnelt ist und erst 1959 fertig gestellt wurde, erreichbar.
Bis 1959 war Curral das Freiras das abgeschiedenste Dorf Europas, und nur über zwei steile Wanderpfade erreichbar.

Gegründet wurde das Dorf, schon Mitte des 15. Jahrhundert, von Nonnen aus dem Santa-Clara-Kloster (port.: Convento de Santa Clára) in Funchal.
Die waren nämlich in Funchal regelmäßig Opfer von Piratenangriffen, und zu ihrem eigenen Schutz, beschlossen sie in die Abgeschiedenheit der Bergwelt zu ziehen. Hier blieben sie auch bis zum Ende des 18. Jahrhunderts.

Als sie wieder nach Funchal umzogen landeten kurze Zeit später napoleonische Truppen auf der Insel.
Nun die Truppen Napoleons waren zwar offiziell keine Piraten, aber sie plünderten, verfolgten und vergewaltigten genauso die Einwohner Madeiras, auch die Nonnen, und machten die Insel genauso unsicher, wie Jahrzehnte zuvor die Piraten.
Also zogen die Nonnen wieder in ihr abgeschiedenes Tal und retteten sich wieder einmal vor den Übergriffen der vermeintlich stärkeren.

Um diese kleine Nonnenansiedlung bildete sich dann mit den Jahren der Ort.
Heute leben etwa 1600 Menschen in Curral das Freiras, die hauptsächlich von der Landwirtschaft leben.
Hauptanbauprodukt ist die Esskastanie.
Kastanienbäume gibt es in diesem Tal sehr viele und die Früchte sind eines der wenigen Einnahmequellen des Ortes.
Sie werden kulinarisch in jeglicher Form verwendet, sei es für Suppen, Kuchen, Soßen oder zum herstellen von Schnäpsen und Likören.

An jedem 01. November findet in Curral das Freiras das Kastanienfest (port.: Festa da castanha) statt.
Ein guter Grund, sicherlich nicht der einzige, um diesen wunderschönen Ort zu besuchen!

Fado da Madeira






In einem fado von Ary dos Santos, den Carlos do Carmo wunderbar besingt, heißt es an einer Stelle über die Fischer der Insel Madeira:

„Sou pescador
do mar fundo da Madeira
Sei prender o teu amor
no anzol da vida inteira.

Este meu fado
está tão cercado de mar
Que é sempre um lugar fechado
até um barco chegar.“

Übersetzt lauten diese zwei Strophen, die im Originaltext die Einsamkeit und die harte Arbeit der Fischer der Insel beschreiben und dessen Originalität ich im Deutschen nur schwer wiedergeben kann, in etwa wie folgt:

„Ich bin Fischer
und fische in der tiefen See Madeiras
Ich weiß wie ich an einem Haken
Deine Liebe für ein Leben lang angeln kann.

Dieser mein Fado
ist so umzingelt vom Meer
Er ist auf immer ein einsamer Ort
bis ein Boot mich abholt.“

Den mutigen Fischern von Madeira gewidmet, deren Arbeit höchsten Respekt von uns abverlangt!

Nossa Senhora dos Pescadores auf Madeira






Als 1420, ein Jahr nach der Entdeckung der Insel Madeira, der Seefahrer und Entdecker João Gonçalves Zarco sich an dem Ort niederließ, an dem sich heute die Stadt Câmara de Lobos befindet, ließ er dort, in der Nähe des Hafens, als eines der ersten Bauwerke eine kleine Kapelle errichten, die er Capela de Nossa Senhora dos Pescadores (dt.: Kapelle Unserer Jungfrau der Fischer), nannte.

Diese Kapelle wurde 1719, bei einem Brand, fast vollständig zerstört.
Doch noch nicht einmal vier Jahre später, 1723, wurde die Kapelle, mit Hilfe der Fischer, vollständig erneut aufgebaut, diesmal im Barockstil.
Nur der Glockenturm blieb aus der Gründerzeit übrig.
Beachtenswert sind, außer dem barocken Altar, die wunderschönen Gemälde, die den Heiligen Lorenz (dt.: São Lourenço) darstellen.
Wer der Maler dieser Gemälde ist, ist bis heute unbekannt.

Bekannt ist allerdings, das seit jeher in dieser alten Kirche, sich die Fischer des Ortes treffen um zu beten, bevor sie mit ihren Booten in See stechen, um auf dem Meer den berühmten Peixe-espada preto (dt.: Schwarzer Degenfisch / lat.: Aphanopus carbo) zu angeln.

Die Höhlen der Mönchsrobben






Verlässt man Funchal in westlicher Richtung und fährt zunächst etwas abseits vom Meer auf der prächtige Ausblicke bietenden Estrada Monumental, vorbei am Lido, an dem ich so viele schöne Erinnerungen, noch von meinem ersten Besuch auf Madeira habe, dann kommt man, nach noch nicht einmal 3 km, in das kleine, malerisch gelegene Fischerstädtchen Câmara de Lobos.

Câmara de Lobos (dt.: Mönchsrobbenhöhle) ist das madeirensische Fischerstädtchen schlechthin, sehr pittoresk.
Benannt wurde der Ort nach den Mönchsrobben (port.: Lobos maritimos / lat.: Monachus monachus) die sich zur Zeit der Entdeckung der Insel durch João Gonçalves Zarco hier zu tausenden rumtummelten, und in den nahen Höhlen der Felsenküste Schutz suchten.

Der Ort, einer der ältesten Siedlungen der Insel, erlangte aus dreierlei Gründen Berühmtheit.
Zum einen ist Câmara de Lobos vor allem wegen seiner Fischer bekannt.
Hier wird, zum größten Teil, der berühmte Peixe-espada preto (dt.: „Schwarzer Degenfisch / lat.: Aphanopus carbo) gefischt.
Dieser Fisch kommt nur in den Gewässern Madeiras und in den Meeren vor Japan vor. Er wird aus einer Tiefe von bis zu 1500 m gefischt und ist sehr schmackhaft.
Außerdem fischen die Fischer dieses kleinen Ortes unter anderem noch den Kabeljau, den sie dann im Hafen zum trocknen aufhängen.

Des Weiteren ist Câmara de Lobos für seinen ausgezeichneten Madeirawein bekannt. Der Wein, der auf den Terrassen der Umgebung wächst, vor allem um den Ortsteil Estreito de Câmara de Lobos, zählt zu den besten Sorten der Insel.

Und zu guter Letzt ist Câmara de Lobos dafür bekannt, das der ehemalige britische Premierminister Sir Winston Churchill, hier mehrmals zum Urlaub verweilte, und der Ort als Lieblingsmotiv für den Hobbymaler als Inspiration herhalten musste.

Unweit des Ortes liegt Cabo Girão, mit 580 m die höchste Steilklippe Europas, und die zweithöchste der Welt.
Hier am Cabo Girão sind auch die Höhlen, in denen sich ehemals die Mönchsrobben aufhielten. Von ihnen gibt es heute leider nur noch sehr, sehr wenige.
Eine einzige Familienpopulation, ca. 30 Tiere, hat sich bis in unsere Zeit hinübergerettet. Sie lebt heute, weit von Câmara de Lobos entfert, auf den Ilhas Desertas, die heute ein Naturschutzgebiet sind.

Freitag, 22. Oktober 2010

Die Blumenwelt der Blumeninsel






18 Wissenschaftler und Botaniker der verschiedensten renommierten portugiesischen Universitäten, haben im Auftrag der Portugiesischen Gesellschaft für Pflanzensoziologie (port.: Associação Lusitana de Fitossociologia – ALFA) nach drei Jahren intensiver Forschung die Pflanzenwelt Portugals neu katalogisiert.

Demnach gibt es in ganz Portugal 3.995 verschiedene Blumen- und Pflanzenarten!
Von diesen kommen insgesamt 3.314 Arten auf dem Festland vor, auf Madeira 1.233 Arten und auf den Azoren immerhin 1.006 verschiedene Arten!

Die Wissenschaftler stellten dabei fest, das die Autonome Region Madeira (port.: Região Autónoma da Madeira) die Region Portugals ist, die die meisten endemischen Pflanzen und Blumen (port.: plantas e flores endémicas) vorzuweisen hat, nämlich stolze 157 Arten, darunter die einzigartige Gebirgs-Orchidee (port.: Orquídia da Serra / lat.: Dactylorhiza foliosa).
Auf dem Festland gibt es 150 verschiedene endemische Arten und auf den Azoren immerhin 78 verschiedene Arten.

Von den 1.233 Pflanzen- und Blumenarten auf Madeira sind 435 tropischen Ursprungs, 412 auf dem Gebiet Kontinentalportugals und Sage und Schreibe 710 Arten auf den Azoren.

Nirgendwo wachsen in Gesamtportugal auf einem Hektar Land mehr verschiedene Pflanzen- und Blumenarten als auf Madeira.
Nicht umsonst wird Madeira deshalb auch die Blumeninsel genannt.

Begegnungstagung 2010






In diesem Jahr fand die Tagung der vier Deutschen Evangelischen Kirchengemeinden in Portugal, vom 15. - 17. Oktober 2010, auf der Blumeninsel Madeira statt.
Alle Gemeindemitglieder und Freunde der Gemeinden aus Lissabon, Porto, der Algarve und aus Madeira waren herzlich eingeladen an dieser Begegnungstagung teilzunehmen.
Und viele, Sage und Schreibe über 50 Personen, nahmen an diesem Treffen teil, welches unter der theologischen und seelsorgerlichen Leitung von Herrn Bischof Dr. Martin Hein aus Kassel, Kurhessen-Waldeck, stand.

Seit nun mehr 1993 treffen sich die vier deutsch-evangelischen Gemeinden Portugals alljährlich, um die Verbindung zwischen den einzelnen Gemeinden und ihren Mitgliedern zu einander zu stärken, und auch um neue Anregungen für das Gemeindeleben aus der alten Heimat Deutschland zu erhalten.

Das Thema der diesjährigen Begegnungstagung lautete: „Worauf kann ich mich verlassen?“, und hatte die Tragfähigkeit des christlichen Glaubens, angesichts der Erfahrung von Krisen, als Basis.
Entstanden ist dieses Thema aus der bestehenden Spannung zwischen Spiritualität und Alltag in diesem krisen- und katastrophenreichen Jahr 2010.

Die Tagung begann am Freitagmittag, mit einer Begrüßung und einer Andacht von Frau Pastorin Ilse E. Berardo.
Nach einer kurzen Vorstellung, bei der die einzelnen Tagungsmitglieder Gelegenheit hatten sich besser kennen zulernen, wurde danach bei Familie Berardo zu Abend gegessen, und nach diesem, der erste Tagungstag abgeschlossen.

Am Samstag begann der Morgen mit einer kurzen Andacht.
In Gesprächskreisen und nach einem sehr interessanten Referat von Bischof Dr. Hein wurde dann das Motto des Treffens „Worauf kann ich mich verlassen?“ in Angriff genommen. Hierbei kamen interessante und sehr informative Gespräche zustande, die den ganzen Nachmittag dauerten.
Der Abend endete mit einem gemeinsamen Abendessen in einem typisch madeirensischen Restaurant.

Am Sonntagmorgen wurde aus den Tagungsmitgliedern eine Reisegruppe, denn mit einem Reisebus ging es aus Funchal hinaus, nach Câmara de Lobos, bis hinauf nach Curral das Freiras, mitten ins Gebirge.
Dort, in Curral das Freiras, nahmen wir einen kleinen Imbiss zu uns und reisten dann wieder, auf für uns Festlandbewohner recht abenteuerlichen Straßen, zurück nach Funchal.
Mit einem Festgottesdienst in der Schottischen Kirche von Funchal (die Deutsche Evangelische Kirche Madeiras hat kein eigenes Kirchengebäude), welches Bischof Dr. Hein zusammen mit Frau Pastorin Berardo hielt, ging das diesjährige Begegnungstreffen der vier Deutschen Evangelischen Kirchengemeinden in Portugal zu Ende.

Es war eine erfahrungsreiche, interessante und sehr gastfreundliche Tagung, die wunderbar von Frau Pastorin Ilse E. Berardo und ihrer ganzen Gemeinde organisiert worden ist.

Die Begegnungstagung 2010 auf Madeira ist nun Geschichte.
Auf Wiedersehen 2011 in Porto!

Madeira - Blume im Atlantik


Etwa 1000 km südwestlich von der portugiesischen Festlandsküste, liegt vor der afrikanischen Küste, mitten im Atlantik, die Blumeninsel Madeira.

Die Inselgruppe, die aus der Hauptinsel Ilha da Madeira (dt.: Insel des Holzes) und der kleineren Nebeninsel Porto Santo (dt.: Heiliger Hafen), sowie aus den drei fast unbewohnten Eilanden Ilhéu Chão (dt.: Flache Felseninsel), Deserta Grande (dt.: Große Unbewohnte), Ilhéu do Bugio (dt.: Affenfelseninsel) und die etwas südlicher gelegenen fünf unbewohnten Inseln Ilhas Selvangens (dt.: Wilde Inseln) besteht, ist sehr bergig und verdankt ihre Entstehung vulkanischer Tätigkeit.
Hauptstadt Madeiras ist Funchal (vomm port. Wort „funcho“ abgeleitet, was auf Deutsch „Fenchel“ bedeutet), im Süden der Insel gelegen.

Madeira verdankt sein mildes, an manchen Orten fast tropisches Klima, der südlichen Lage im freien Meer. Die Temperaturen pendeln konstant zwischen 16°C im Winter und 26°C im Sommer.

Die Vegetation auf Madeira, der „Blume im Atlantik“ (port.: „Flor do Atlantico“) ist sehr reich.
Neben Kiefern und europäischen Laubbäumen gedeihen hier zahllose immergrüne Bäume und Sträucher subtropischer und tropischer Herkunft, darunter Palmen, Araukarien, Hickory, Korkreichen, Feigenbäume, Palmenlilien, Yuccas, Mispeln, Mimosten, Eukalyptus, Bambus, Baumfarne und Agaven, sowie Drachenbäumen, Lorbeerbäumen und endemische Laurusbäumen (port.: „árvores laurisilva“).
Die Blumenwelt besteht meistens aus Kamelien, Rhododendren, Azaleen, Pelargonien, Begonien, Bignonien, Bougainvilleen, Glyzinien, Primadonnas, Strelizien und hunderten Orchideenarten.

Entdeckt wurde die Insel im Jahre 1419 vom Seefahrer João Gonçalves Zarco. Sie war bei ihrer Entdeckung unbewohnt und vollkommen mit dichtem Wald bedeckt, weshalb man ihr auch den Namen „Ilha da Madeira“ (dt.: „Insel des Holzes“) gab.

Nach der Kolonialisierung erlangte Madeira, durch den Anbau von Zuckerrohr, später auch durch den Weinanbau, Wohlstand und Ansehen.
Von diesen Industriezweigen ist heute wenig geblieben.
Haupteinnahmezweig Madeiras, ist heute ohne Zweifel der Tourismus.
Die ersten wohlhabenden Engländer kamen Mitte des 19. Jahrhunderts auf die Insel.
Auch heute stellen die Engländer einen Großteil der Besucher.
Daneben ist die Insel vor allem bei Skandinaviern und Deutschen beliebt.
Aber auch bei uns Portugiesen ist die Insel ein beliebtes Reiseziel, vor allem bei frisch verheirateten Paaren, die hier meistens ihre Flitterwochen verbringen.

Obwohl nicht frisch verheiratet und dementsprechend auch nicht in den Fliutterwochen, habe ich die letzte Woche einige Tage auf Madeira verbracht.
Es war nicht mein erster Besuch auf der Insel, aber ich habe die Insel für mich wieder neu entdeckt.
Man muss keine weite Reise machen, um den idealen Ferienort zu finden.
Er ist, mit Madeira, gerade mal 90 Flugminuten vom portugiesischen Festland und vier Flugstunden von Deutschland entfernt.

Ich will einen König


Ich kann das Thema „100 Jahre Portugiesische Republik“ (port.: „100 anos da República Portuguêsa“) ehrlich gesagt nicht mehr hören.
Nichtsdestotrotz will ich mich heute, hier in diesem post, wieder mit diesem leidigen Thema beschäftigen.

Denn wir leben zwar im 21. Jahrhundert, und offiziell leben wir hier am Rande Europas auch in einer Demokratie, aber die Realität sieht meistens leider anders aus.
Der beste Beweis dafür ist der Fall der sich letzte Woche in einer Schule in Cascais ereignete, und jetzt per Zufall herauskam.

Sebastião Menezes, ein Abiturient der 12. Klasse, der „Escola Secundária de São João do Estoril“, wurde regelrecht vor seinen Klassenkammeraden vorgeführt und gedemütigt.
Und warum?
Nun, er weigerte sich während einer organisierten Schulaufführung anlässlich der 100-Jahr-Feiern, wie von der Klassenlehrerin gefordert, in einem roten oder einem grünen T-Shirt, den heutigen portugiesischen Nationalfarben, in der Schule zu erscheinen.
Stattdessen erschien er mit einem königsblauen T-Shirt, mit der Aufschrift „EU QUERO UM REI“ (dt.: „Ich will einen König“).

Die Lehrerin, die ihre Autorität untergraben sah, und die diese Tat ihres Schülers auch keinesfalls mit ihrem roten Parteibuch vereinbaren konnte, forderte den achtzehnjährigen auf, sein T-Shirt augenblicklich auszuziehen, oder sich eine Jacke überzuziehen.

Da der Schüler sich weigerte, wurde er in die hinterste Ecke der Aula verbannt und ihm wurde verboten an der Veranstaltung teilzunehmen. Außerdem wurden ihm schulische Konsequenzen angedroht

Ich bin leider mit dem heutigen Schulsystem nicht so vertraut, und ich weiß auch nicht was Lehrer heutzutage Schülern beibringen müssen oder sollen.
Aber Demokratie und freie Meinungsäußerung scheinen garantiert nicht auf den heutigen Lehrplänen zu stehen!

Ich will einen König, und Du?

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Endlich mal positive Nachrichten aus der Politik


In meinem post „Portugals Wahlkampf um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat“ vom 28. September 2010, berichte ich wie sich Portugal um einen nicht-ständigen Sitz (port.: lugar de membro não-permanente) im Sicherheitsrat der UN-Vollversammlung bemüht hat.

Diese Bemühungen haben gestern gefruchtet.
Bei einer geheimen Abstimmung der Mitglieder der UN-Vollversammlung (port.: Assembleia das Nações Unidas) in New York erreichte Portugal die notwendige Mehrheit um für die kommenden zwei Jahre einen nicht-ständigen Sitz im Sicherheitsrat (port.: Conselho de Segurança) der Vereinten Nationen zu bekommen.
Leider waren für diesen Erfolg drei Wahlgänge nötig.

Mitbewerber Deutschland dagegen erreichte schon im ersten Wahlgang die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit um einen Sitz zu bekommen.
Kanada, das sich neben Portugal und Deutschland, als drittes westliche Land um einen Sitz beworben hatte, ging leider lehr aus.

Einen nicht-ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat erhielten außerdem die Länder Indien, Südafrika und Kolumbien.

Staatspräsident Cavaco Silva hat die Wahl Portugals in den UN-Sicherheitsrat als eine Ehre für Portugal bezeichnet.
Außenminister Luis Amado nannte die Wahl Portugals ein „Zeichen des Vertrauens in die portugiesische Nation und sein internationales Engagement.“

Portugal hat nach der erfolgreichen Wahl angekündigt die Arbeit im Sicherheitsrat eng mit seinem Mitbewerber Deutschland und mit den anderen europäischen Nationen abzustimmen.

Es wäre schön, wenn Portugal mal auch innenpolitisch die eine oder andere positive Nachricht zu verkünden hätte…

Dienstag, 12. Oktober 2010

Die Allroundbotschafterin


Das portugiesische Außenministerium (port.: Ministério dos Negócios Estrangeiros) im Palácio das Necessidades hat heute in einer Pressekonferenz verlautbaren lassen, dass aufgrund der schweren finanziellen Lage, in der sich die Nation im Augenblick befindet, einige Botschaften und Konsulate Portugals weltweit sich im kommenden Jahr auf starke Einsparungen einstellen werden müssen, manche von ihnen sogar auf Schließungen.

Wer sich in der portugiesischen Politik ein wenig auskennt, weiß dass die Auslandsvertretungen Portugals schon immer finanziell klein gehalten wurden.
Was ihnen aber im nächsten Jahr bevorsteht, wird so ziemlich das Härteste sein, was finanziell in den letzten Jahrzehnten auf sie zugekommen ist.

Um diesem gravierenden Problem entgegenzutreten hat das Außenministerium hier in Lissabon der Weltöffentlichkeit heute auf der Pressekonferenz auch einen neuen diplomatischen Beruf vorgestellt.
Dieser Beruf, oder besser gesagt diese Berufung, soll den Titel eines „Embaixador todo-o-terreno“ (dt.: „Allroundbotschafter“) oder „Embaixadora todo-o-terreno“ (dt.: „Allroundbotschafterin“) haben.

Natürlich habe ich mich, und sicherlich auch viele andere, sogleich gefragt was die Aufgabe eines „Allroundbotschafters“ sein könnte.
Der Sprecher des Außenministeriums hatte sofort eine Antwort parat, und gab als Beispiel der ersten „Allroundbotschafterin“ Dona Luisa Bastos de Almeida an, die bis dato Botschafterin unseres Landes in der Türkei (port.: Turquia) ist.

Dona Luisa Bastos de Almeida wird von einer Botschafterin Portugals in Ankara (port.: Ancara) zur Allroundbotschafterin „berufen“.
Als solche wird sie nicht nur, wie bis jetzt, erfolgreich Portugal im Ausland repräsentieren, sondern sie wird auch ihr eigener Chauffeur sein, ihre eigene Putzfrau, ihre eigene Köchin, und nebenbei wird sie auch noch als Konsularbeamtin Pässe und Visa abstempeln müssen!
Frau Botschafterin Luisa Bastos de Almeida wird all diese Tätigkeiten, ohne auch nur einen einzigen Euro mehr zu verdienen, erledigen.
Laut Außenministeriums hatte sie auch keine andere Wahl.
Denn hätte sie sich geweigert diese ihr übertragenen Mehrarbeiten zu erledigen, hätte man sie ihres Amtes entheben müssen, und die Botschaft in Ankara noch dieses Jahr schließen müssen.

In der portugiesischen Botschaft in Ankara waren einmal 18 Personen angestellt. In der Zwischenzeit wurde das Personal auf drei Personen reduziert.
Laut des Außenministeriums steht es aber der Botschafterin frei, Personal einzustellen. Das Außenministerium legt aber Wert darauf, dem portugiesischen Steuerzahler mitzuteilen, dass die Botschafterin dieses Personal dann aus ihrer eigenen Tasche bezahlen muss!

Einsparungen, zumal wenn sie auch den Staatsapparat betreffen, und nicht nur den normalen Steuerzahler, sind zwar begrüßungswert, aber in solch einem Fall, vielleicht etwas übertrieben.

Ich meine, was soll denn der türkische Staatspräsident bei seinem nächsten Neujahrsempfang in Ankara denken?
Das er „Ihre Exzellenz die Toilettenfrau“ als Vertreterin Portugals empfängt?

Samstag, 9. Oktober 2010

Jean Nicot


“Rauchen schadet ihrer Gesundheit!” – so lautet einer der wohl bekanntesten Antiraucherslogans unserer Zeit.
Das Rauchen, der Tabak, das Nikotin, dies sind alles Dinge auf die heute keiner mehr so recht stolz ist.
Im Gegenteil, wir leben heute in einer Zeit in der es verpönt ist Raucher zu sein.
Das war aber nicht immer so.

Vor etwas mehr als 500 Jahren, wir schreiben das Jahr 1533, bringt der Seefahrer Martim Afonso de Sousa einige Tabakpflanzen (port.: tabaco / lat.: Nicotiana) aus dem vor kurzem entdeckten Brasilien mit nach Europa, die sofort Dank der klimatischen Bedingungen Portugals, in den Gärten des königlichen Hofes von João III und in den Gartenanlagen der portugiesischen Fürsten prächtig gedeihen.
Die Spanier hatten durch Christoph Kolumbus (port.: Cristóvão Colombo) schon Jahre zuvor mit dem Tabak Bekanntschaft gemacht, benutzten die Pflanze aber zuerst lediglich als Zierpflanze in ihren Gärten.

Die Portugiesen, unter besagtem Martim Afonso de Sousa, hatten aber von den heilenden Eigenschaften, die die südamerikanischen Ureinwohner dem Tabak zuschrieben, gehört und brachten dieses nach Europa um es besser zu erforschen.
Es ist überliefert, dass bereits im Jahr 1543 ein Universitätsprofessor aus Coimbra den Tabak wegen seiner Heilkraft empfahl. Eine bereits im Jahre 1545 erschienene Schrift beschreibt eine Vielzahl von Krankheiten, die mit Hilfe des Tabaks geheilt werden könnten.

Im Jahre 1559 wird der 29jähriger französischer Diplomat und Gesandter Jean Nicot an den Hof des jungen portugiesischen Königs Sebastião abberufen, um hier die französische Krone als Botschafter zu repräsentieren.

Der französische Botschafter, der gleichzeitig ein Freizeitbotaniker war und dessen Namen zu seiner Zeit völlig unbekannt war und den heute jeder kennt, freundete sich mit dem berühmten Botaniker Damião de Góis an, und durch ihn lernte er viele Pflanzen kennen, darunter auch die Tabakpflanze.
Ihre Heilkraft interessierte ihn.
Monsieur Nicot führte in Lissabon einige Versuche durch, sogar einige Selbstversuche, und diese überzeugten ihn von der Heilkraft des Tabaks.

1561 schickte Jean Nicot einige Tabaksamen an den französischen Hof.
Schnell verbreitete sich der Tabak in den höheren Kreisen Frankreichs.
Um 1566 benutzte Königin Katharina von Medici Tabak, wie von Nicot geraten, als Schnupfpulver gegen die Kopfschmerzen ihres Sohnes Karl IX. Das Ergebnis war, das der französische König Karl IX seine andauernden Migräneanfälle loswurde.
Die Kunde von der heilenden Wirkung des Tabaks verbreitete sich in den hohen französischen Kreisen, und die Tabakpflanze wurde fortan „Catharinaire“ oder „Herba Prioris“ genannt.

Bereits 1570 benannte der Botaniker Charles Etienne die Pflanze Nicotiana.
Der schwedische Botaniker Carl von Linné nannte sie in seinem 1737 erschienenen Buch Genera plantarum schließlich dann auch Nicotiana tabacum.
Nachdem hier in Portugal der Wirkstoff des Tabaks seit dem Ende des 16. Jahrhunderts bereits nicotina (dt.: Nikotin), nach Jean Nicot, genannt wurde, wurde es erst 1828 offiziell unter diesem Namen weltweit bekannt.

Heute noch, wird in Portugal Tabak angebaut, und zwar auf der Azoreninsel São Miguel.

Wie wir sehen, haben sich im Laufe der Jahrhunderte der Konsum und die Einstellung zum Tabak stark verändert.
Was früher als Wundermittel galt, ist heute als gesundheitsschädigend verschrien und verpönt.

„Rauchen schadet ihrer Gesundheit“ – was hätte wohl Jean Nicot von diesem Slogan gehalten?

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Nachtrag zu „Hundert Jahre Was???“


Am 04. Oktober stellte ich hier in meinem Blog, unter dem post „Hundert Jahre Was???“, die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Geburtstag der portugiesischen Republik in Frage.

Wer mich kennt, und wer dieses Blog aufmerksam liest, weiß das ich Demokrat bin, durch und durch, und hier im Blog ab und zu einzig und alleine meine freie politische Meinung zum Ausdruck bringe, ohne das ich Mitglied einer Partei wäre oder auch nur annährend einen Vorteil daraus ziehen würde.

Auf meinen post „Hundert Jahre Was???“ habe ich einige Mails erhalten.
Die meisten waren positiv, das eine oder andere aber leider auch etwas aggressiv.
So schrieb mir jemand aus Hamburg, ich sei sicherlich adelig, und würde deshalb so den monarchischen Gedanken verteidigen. Zwei Leser aus der Algarve schrieben mich anonym an, und meinten ich wäre sicherlich ein Faschist.

Nun, um es vorweg zu nehmen, ich bin weder adelig noch faschistisch.
Meine Familie ist seit Generationen bürgerlich, um nicht zu sagen arm. Es gibt keinerlei monarchistische Traditionen in meiner Familie.
Im Gegenteil, als ich vor Jahren meiner Familie sagte ich würde an eine moderne, freie und demokratische Monarchie glauben, so war das damals ein ganz besonderes und schwieriges Outing.
Meine Tante Albertina, die stark in der Sozialistischen Partei (port.: Partido Socialista / PS) engagiert ist, hat sogar monatelang nicht mit mir gesprochen.
Denn genauso wie die zwei Leser die mir aus der Algarve schrieben, so herrschte auch in meiner Familie und in meinem Freundeskreis die unerschütterliche Meinung, das ein Monarchist automatisch faschistisch angehaucht sein muss.
Da mich aber meine Familie und meine Freunde sehr gut kennen, wissen sie dass das mit dem Faschisten nicht stimmen kann.
Im Gegenteil, ich bin eher das, was man wohl als sozial-liberal bezeichnen würde.
Warum Monarchisten erst ausgelacht und dann politisch immer an den rechten Rand abgeschoben werden, wird mir immer ein Rätsel bleiben.

Ich habe gemerkt dass ich ein königstreuer bin, als ich so um die 16 Jahre alt war. Damals, in Deutschland groß geworden und im Geiste des Kalten Krieges aufgewachsen, war ich schon immer sehr politisch interessiert.

In meinen Augen, war die Monarchie immer ein Symbol der Freiheit, nicht nur hier in Portugal, sondern in vielen anderen Ländern.
Die vier großen westeuropäischen Diktaturen, wie die deutsche unter Hitler, die italienische unter Mussolini, die spanische unter Franco und die portugiesische unter Salazar wären niemals möglich gewesen, hätte man nicht vorher die Monarchien in diesen Ländern abgeschafft.
Viele Monarchisten meinen, und ich bin einer von ihnen, Portugal wäre nie so „groß“ gewesen, als zu Zeiten der Monarchie.
Im Vergleich dazu, finde ich, dass diese Nation noch nie so „klein“ war wie heute!
Außerdem kann und will ich nicht glauben, das ein politisches System welches sich über 800 Jahre lang bewährt hat, schlechter sein soll als ein politisches System das sich 100 Jahre mehr schlecht als recht über Wasser gehalten hat, und dessen Hälfte der Zeit sogar eine Diktatur war.

Ich akzeptiere und respektiere jede politische Einstellung von Jedermann, solange sie demokratisch ist.
Also möchte ich, dass auch meine politischen Sympathien respektiert werden.

Vor einiger Zeit hat mich eine Freundin gefragt, ob ich die Hoffnung habe, dass jemals wieder ein König über Portugal herrschen wird.
Nun ich habe weder mit Ja noch mit Nein geantwortet, sondern mit folgendem spontanem Satz:
„Als Monarchist in Portugal, lebst du in ständiger Hoffnung!“.

Hoffentlich behalte ich Recht!

Montag, 4. Oktober 2010

Hundert Jahre Was???


Heute vor genau hundert Jahren fand hier in Lissabon ein Denkwürdiges Bankett statt.
Dieses Bankett wurde zu ehren des gewählten brasilianischen Staatspräsidenten Marechal Henrique da Fonseca, der gerade zu einem Staatsbesuch in Portugal weilte, im königlichen Palast von Ajuda gegeben.

Während des Abendessens, drangen mehrere portugiesische Militärs in den Bankettssaal ein und berichteten den Anwesenden, dass sich im Zentrum der Stadt, am Marques de Pombal, bewaffnete Aufrührer zusammengetan hätten, und diese nun auf dem Weg zum Palast seien.
Sofort verließen die anwesenden Politiker, Adelige und selbst der junge König Manuel II den Raum, und begaben sich alle auf die Flucht vor dem Mob, der marodierend durch die Straßen ging und skandierte: „Abaixo o rei, viva a República“ (dt.: Nieder mit dem König, es lebe die Republik).

Am nächsten Tag, dem 05. Oktober1910, wurde in Lissabon die Republik von einer kleinen militärischen und bürgerlichen Elite vom Balkon des Rathauses ausgerufen, gegen den Willen der Mehrheit der Portugiesen.
Man schätzt heute, dass damals lediglich 7% der Bevölkerung dem republikanischen Gedanken zugetan war!
König Manuel musste mit seiner Mutter Amélia, seiner Großmutter Maria Pia und seinem Onkel D. Afonso (aus nur diesen vier Mitgliedern bestand die ganze portugiesische Familie), von Ericeira aus ins britische Exil gehen.

Heute, 100 Jahre nach dieser Vertreibung, feiert man hier in Portugal, die Republik.

Aber ich frage mich allen Ernstens, was diese Republikaner eigentlich feiern wollen?

Den feigen Mordanschlag (port.: regicídio) an König Carlos I und dem Thronfolger Luis Filipe, der der republikanischen Revolution zwei Jahre zuvor voran ging?
Oder feiern sie die Erste Republik, die das Land ins Chos stürzte und innerhalb von 15 Jahren 44 verschiedene Regierungen unter acht Präsidenten vorbrachte, eine inkompetenter als die andere?
Feiern sie etwa die Diktatur Salazars, die der Ersten Republik folgte und die das Land zum Stillstand zwang?
Oder Feiern sie gar die Tatsache, das wir heute vor einem Staatsbankrott stehen und das wir extreme Schwierigkeiten in der Arbeits-, Gesundheits-, Justiz-, Schul- und Wohnungspolitik haben?

Ich weiß nicht wie viele meiner Landsleute die Idee der Wiedereinführung der Monarchie befürworten würden.
In nächster Zeit werde ich dies wohl auch nicht erfahren, denn die aktuellen demokratisch gewählten Regierungen weigern sich beharrlich ein Volksentscheid durchzuführen.

Aber eines weiß ich mit Sicherheit: Die Anhänger der Monarchie werden immer mehr. Sei es im Internet oder auf der Straße, die Idee eines Königs in Portugal ist nicht mehr so abwegig wie noch vor einigen Jahren.

Ein Präsident der Republik kann, auch wenn er das Gegenteil behauptet, niemals der Präsident aller Portugiesen sein!
Dafür hat er eine oder mehrere Parteien hinter sich, die ihn an den Platz gebracht haben, an dem er ist.
Ein König dagegen ist von Natur aus überparteilich und als solcher ist er nicht nur ein natürlicher Repräsentant Portugals und aller Portugiesen, sondern auch ein Garant der Nationalen Einheit und der Stabilität des Landes.

Daher möchte ich gerne der Republik, zu ihrem 100jährigen Geburtstag folgendes in ihr Gästebuch eintragen:

Es lebe der König!
Es lebe die Monarchie!
Es lebe Portugal!

Viva El-Rei!
Viva a Monarquia!
Viva Portugal!

Dienstag, 28. September 2010

III. HerbstKultur-Tage der DEKL


Im Oktober finden hier in Lissabon die III. Herbstkulturtage der DEKL (port.: III. Dias da Cultura na DEKL) statt.

Vom 01. bis zum 21. Oktober werden junge und preisgekrönte Musiker aus Deutschland und Portugal Konzerte in der DEKL (Deutschen Evangelischen Kirche zu Lissabon) geben und sowohl Kammermusik, Orgelmusik als auch Jazzkonzerte zum Besten geben.

Den Anfang macht am 01. Oktober das „Ensemble Divers“ aus Köln mit Kammermusik (port.: Música de Câmara).
Dem Ensemble gehören an:
- Roxana Niesemann, Violine (port.: violino)
- Nastassja Zalica, Flöte (port.. flauta)
- Thea Grützner, Bratsche (port.: viola)
- Tobias Haunhorst, Klavier (port.: piano)
- Johanna Bäß, Cello (port.: violoncello)
Gemeinsam werden sie Stücke von Mozart, Beethoven, Schumann, Taffanel, Blacher und Halvorsen vortragen.

Die Woche drauf, am 08. Oktober, werden die jungen Musiker Johannes Lang, Orgel (port.: orgão) und Julian Fahrner, Violine (port.: violino), beide aus Deutschland, und Christopher Koppitz, Oboe (port.: oboé) aus Lissabon, Werke von Bach und Rheinberger spielen.

Die III. Herbstkulturtage der DEKL werden dann am 21. Oktober ihren Abschluss, mit einem Jazzkonzert der Vierer-Gruppe „Flaura & Phona“, haben.
Die Gruppe „Flaura & Phona, die 2007 den Wettbewerb Jugend jazzt gewonnen hat, besteht aus den Mitgliedern
- Samuel Dobernecker, Saxophon (port.: saxofone)
- Sebastian Skobel, Klavier (port. : piano)
- Robert Lucaciu, Kontrabaß (port. : contrabaixo)
- Philipp Scholz, Schlagzeug (port.. bateria)
Diese vier jungen Künstler werden hauptsächlich eigene Werke spielen.

Alle drei Konzerte der III. Herbstkulturtage der DEKL sind kostenlos!

Sie werden alle in der Deutschen Evangelischen Kirche zu Lissabon, an der Avenida Columbano Bordalo Pinheiro, nahe der Praça de Espanha (Metrostation: Praça de Espanha) stattfinden.

Weitere Infos können unter www.musica-dekl.com bei Carina Lasch eingeholt werden.

I´m a proud socialist


Wie im vorherigen post „Portugals Wahlkampf um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat“ von mir beschrieben, verweilt unser Premierminister José Socrátes im Augenblick in den USA, wo er an der UN-Vollversammlung in New York teilnimmt.

Am Wochenende traf er mit Präsident Obama zusammen. Einerseits um der Weltöffentlichkeit zu zeigen das Portugal und die USA, was die Sicherheits- und Außenpolitik beider Länder angeht, an einem Strang ziehen, und andererseits um den bevorstehenden NATO-Gipfel im November, hier in Lissabon, zu besprechen.

Nach seinem Gespräch mit Obama hatte Socrátes ein Treffen mit Politikstudenten und Professoren der altehrwürdigen Columbia-Universität.
Ihnen versuchte er seine politischen Positionen und die seiner Regierung in einer Diskussionsrunde näher zu bringen.
Aber er kam nicht weit mit seinen Ausführungen.
Denn ganz zu beginn seiner Rede sagte er den verhängnisvollen Satz: „I´m a proud socialist“.

Man konnte später, im Fernsehen, das Entsetzen in den Gesichtern der einzelnen Studenten und Professoren sehen.
Ein portugiesischer Premierminister, der sich als „socialist“ outet!
Warum dieses Entsetzen?
Ganz einfach, in den USA ist „socialist“ das synonym für „Kommunist“, und solch einen Politiker will man als Amerikaner keinesfalls als politischen Partner für seinen Präsidenten haben.

Erst nachdem ein paar Studenten ihren Unmut durch Pfiffe bekundeten, und nachdem einer der Professoren José Socrátes etwas ins Ohr flüsterte, korrigierte der Premierminister augenblicklich seinen politischen Standpunkt, jedenfalls was den englischen Begriff anging.
Er stellte sofort fest, das in Europa ein Sozialist das ist, was in den USA ein „democrat“ ist.
Das beruhigte die Studenten augenblicklich, denn schließlich ist ja Präsident Obama selbst ein „democrat“.

Nach diesem kleinen „Zwischenfall“ weiß ich aber persönlich nicht, was mich mehr schockiert:

Ein Premierminister der nach so vielen Jahren im Amt immer noch nicht weiß, das er ins Fettnapfchen tritt, wenn er in den USA den Begriff „socialist“ benutzt, oder eine Gruppe ausgewählter Politikstudenten der renommierten Columbia-Universität, die nicht weiß das in die Kommunisten in Portugal (noch) nicht regieren?

Portugals Wahlkampf um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat


In New York (port.: Nova Iorque) tagt diesen Monat, wie jedes Jahr im September, die UN-Vollversammlung (port.: Assembleia das Nações Unidas).
Politiker aller Herren Länder geben sich hier mal wieder die Klinke in die Hand, und halten wichtige und weniger wichtige Reden.
Andere, wie der iranische Staatspräsident Ahmadineschad, halten sogar beleidigende, kranke Reden.

Portugals Premierminister José Sócrates hat sich, mit einer politisch sehr positiven Rede, vor den Vereinigten Nationen (port.: Nações Unidas) für einen portugiesischen Sitz im UN-Sicherheitsrat (port.: Conselho de Segurança), dem wichtigsten UN-Gremium, für die nächsten beiden Jahren beworben.

„Portugal ist bereit, globale Verantwortung zu übernehmen, und wir bewerben uns um einen Sitz in diesem Gremium, weil wir nur hier gemeinsam mit den anderen Völkern der Erde in ganz besonderer Weise für den Frieden und die Entwicklung auf der Welt arbeiten können“, sagte Sócrates vor der UN-Vollversammlung in New York.
Ausdrücklich bemühte er sich dabei um die vielen südamerikanischen und afrikanischen Nationen.

Die Entscheidung über einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat fällt bei einer geheimen Wahl am kommenden 12. Oktober.
Direkte Gegenkandidaten Portugals sind Kanada und Deutschland.
Ob Portugal bei dieser außenpolitisch so wichtigen Wahl eine Chance haben wird, ist völlig offen.
Immerhin handelt es sich bei Kanada und Deutschland um zwei ernst zu nehmende politische Konkurrenten.

Spätestens am 12. Oktober werden wir sehen, wer sich neben den USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien an den Runden Tisch setzen darf.

Ich tippe mal auf Deutschland!...

Samstag, 25. September 2010

O zapft is…


Nicht nur in München hat das diesjährige Oktoberfest begonnen. Nein auch hier in Lissabon hat an diesem Donnerstag das wohl typischste deutsche Volksfest angefangen.

Vom 23. – 26. September wird es auf dem Campo Mártires da Pátria, im Lissabonner Stadtteil Pena (port.: Freguesia da Pena), genau vor der Deutschen Botschaft und dem Goethe-Institut, wieder nach leckerer Bratwurst riechen und frisch angezapftes Bier ausgeschenkt werden.
Das diesjährige Motto des Oktoberfestes lautet: „München in Lissabon 2010“ (port.: „Munique em Lisboa 2010“.

Dies ist bereits das vierte Jahr, das die Deutsch-Portugiesische Industrie- und Handelskammer, das Goethe-Institut und das Lissabonner Rathaus, gemeinsam dieses Event veranstalten.
In den letzten drei Jahren fand das Oktoberfest in den Gärten des Goethe-Instituts statt.
Doch von Jahr zu Jahr wurden die Besucher mehr, und so entschloss man sich, mit tatkräftiger Unterstützung des Rathauses von Lissabon, das diesjährige Fest auf dem Park vor der Botschaft stattfinden zu lassen.

Zwar steckt das Lissabonner Oktoberfest mit vier Jahren noch in den Kinderschuhen, aber von Jahr zu Jahr wird das Volksfest geselliger.

Seit dem ersten Fest vor vier Jahren, wird auf dem Oktoberfest für die SOS-Kinderdörfer in Portugal gesammelt.
Und so wird es auch dieses Jahr sein.
Der Erlös der Einnahmen wird, fast ausschließlich, den SOS-Kinderdörfern und ihren kleinen Bewohnern zu gute kommen.

Ein anderes Ziel der Veranstalter dieses Volksfestes ist es, Deutsche, Portugiesen und Touristen aus aller Welt, hier in Lissabon zusammen zu bringen.
Die deutschen Traditionen, die deutsche Volksmusik, das leckere deutsche Bier, das gute deutsche Essen und die deutsche „Gemütlichkeit“ sollen den Portugiesen und den anderen Völkern, die in Portugal leben, näher gebracht werden.

Laut des Goethe-Instituts wird das Festprogramm wie folgt lauten:

Donnerstag, 23. September / von 19 Uhr bis 24 Uhr

- „O zapft is“ Anstich des ersten Bierfasses durch den Bürgermeister des Stadtteils Pena, Senhor Joaquim Lopes Ramos, in Anwesenheit von Vertretern der Stadtverwaltungen von Lissabon und München, sowie Vertretern der Deutschen Botschaft.
- Deutsche Volksmusik wird gespielt und Deutsches Essen und Bier werden gereicht
- Tombola (port.: sorteio)

Freitag, 24. September / von 17 Uhr bis 24 Uhr

- Zu deutscher Volks- und Blasmusik kann man frisch gezapftes Bier trinken und bayrische Spezialitäten zu sich nehmen
- Tombola

Samstag, 25. September / von 11 Uhr bis 24 Uhr

- Familientag auf dem Oktoberfest. Verschiedene Spiele und Veranstaltungen für die Kleinen und die Großen. Großes Familienprogramm
- Deutsches Essen und Trinken
- Tombola

Sonntag, 26. September / von 11 Uhr bis 16 Uhr

- Zum letzten Mal hat man heute die Gelegenheit ein Maß Bier zu trinken und seine Bratwurst oder sein Leberkäs mit Sauerkraut zu genießen
- Abschlusszeremonie und Beendigung des diesjährigen Oktoberfestes
- Tombola

Wer noch mehr Informationen über das Oktoberfest haben will, hier noch zwei Adressen an die man sich wenden kann:

Jovens Empresários e Gestores da
Câmara de Comércio e Indústria Luso-Alemã
Herr Martin Stadter
TM: 917 871 571
E-Mail: martin.stadter@spacecreation.biz
Offizielle Seite im Internet: www.oktoberfest-lisboa.com

Câmara de Comércio e Indústria Luso-Alemã
Deutsch-Portugiesische Industrie- und Handelskammer
Herr Guido Radel
Tel.: 213 211 200
E-Mail: guido-radel@ccila-portugal.com
Offizielle Seite im Internet: www.ccila-portugal.com

Donnerstag, 23. September 2010

Bunte Gesellen im Jardim do Torel



Ein altes chinesisches Sprichwort sagt:

„Die schönsten Gärten sind nicht die mit den schönsten Blumen, sondern die, die Überraschungen vorzuweisen haben“,
oder so ähnlich.

Welche Überraschung kann ein Garten, ein Park uns wohl heutzutage vorweisen?
Vielleicht fliegende Elfen oder bezaubernde Feen?
Vielleicht freche Kobolde oder Gartenzwerge, die tagsüber regungslos da stehen und in der Nacht dann ihr Unwesen treiben?
Oder ist eher ein bunter Schmetterling im Winter eine Überraschung oder vielleicht doch ein bunter Vogel im Sommer?

Also bunter Vogel klingt schon mal gar nicht so schlecht!

Man stelle sich vor in einem ganz normalen Lissabonner Park würde es frei fliegende, bunte Papageien geben.
Wäre das nicht eine Überraschung?

Man braucht sich das gar nicht vorzustellen, denn es gibt sie wirklich.
Im Lissabonner Jardim do Torel (dt.: Torel-Park), unweit der Deutschen Botschaft und des Goethe-Instituts, gibt es frei lebende Papageien (port.: papagaio).
Also um ehrlich zu sein sind es keine Papageien, sondern Großsittiche.
Aber für einen Portugiesen ist jeder Vogel, der bunt ist, kreischt und einen gekrümmten Schnabel hat, automatisch ein Papagei.

Letztes Jahr, nach einem Besuch im Goethe-Institut, nahm ich eine Abkürzung über den Jardim do Torel, um schneller in der Unterstadt (port.: Baixa) zu sein.
Als ich so durch den Park ging, hörte ich ein freches, ich möchte schon fast sagen, spöttisches Kreischen und pfeifen.
Als ich zu einem der Bäume hinaufschaute sah ich zwei Großsittiche auf ihm sitzen, die beide einen ganz zufriedenen Eindruck machten.
Ich blieb stehen fotografierte sie ganz stolz und konnte mein Glück kaum fassen solch originelle Fotos gemacht zu haben.
Schließlich kannte ich frei fliegende Papageien und Sittiche in Stadtparks, bis dahin nur aus meinen diversen Urlauben in Brasilien.

Erst Wochen später erfuhr ich durch einen Gärtner des Parks, dass es an die 10 Großsittiche sein sollen, die sich im Torel-Park tummeln.
Man sieht sie sich sogar paaren, doch man hat nie ein Nest von ihnen gefunden; wahrscheinlich weil die entsprechenden Nistkisten fehlen.

Als ich dieser Tage wieder durch den Jardim do Torel ging, da sah ich sie wieder, diesmal fünf von ihnen.
Sie haben es doch tatsächlich geschafft im Park zu überwintern, und sind dieser kleinen Oase, mitten in Lissabon, treu geblieben. Vielleicht wegen den vielen Obstbäumen, die ihnen Nahrung geben.

Da ich kein Ornithologe bin, weiß ich nicht genau welcher Gattung diese Großsittiche angehören. Man hat mir aber gesagt es handelt sich bei diesen Tieren um Blaukopfsittiche (port.: periquitões-de-cabeça-azul / lat.: Aratinga acuticaudata).
Ob dem so ist, weiß mich nicht.
Aber ich weiß das es wohl eines der außergewöhnlichsten Erfahrungen ist, einer Gruppe frei lebender Papageien (Entschuldigung, ich bin Portugiese. Ich meine natürlich Großsittiche!) mitten in Europa, wo man doch eher Amsel, Fink und Star erwartet, zu begegnen.

Wenn sie diese bunten Gesellen auch einmal sehen wollen:
der Jardim do Torel ist, wie schon beschrieben, unweit der Deutschen Botschaft, am Campo Mártires da Pátria.
Er befindet sich im Stadtteil São José, auf der Anhöhe einer der sieben Hügel der Stadt.
Von dort hat man einen wunderschönen Panoramablick auf die Avenida da Liberdade und auf São Pedro de Alcântara.
Der Haupteingang ist an der Rua Júlio de Andrade, neben dem Aufzug Lavra (port.: Elevador da Lavra).
Dieser 1 h große Park ist nicht nur einer der schönsten Aussichtspunkte der Stadt und nicht nur das Zuhause frei lebender Papageien, sondern er ist vor allem eine Oase für jeden der gerne Mal dem Trubel der Großstadt entfliehen will.

Wie heißt es doch gleich im chinesischen Sprichwort noch einmal?

„Die schönsten Gärten sind nicht die mit den schönsten Blumen, sondern die, die Überraschungen vorzuweisen haben“

Wie wahr, wie wahr, wie wahr…

Mittwoch, 22. September 2010

Schmutzig, verfallen und verlassen


Vor etwas über einem Jahr, im August 2009, eröffnete die Lissabonner Metro, nach jahrelangen Bauarbeiten und Straßensperrungen, die neuen U-Bahnstationen Saldanha II und São Sebastião II.
Vor allem die Avenida Duque de Ávila, eine der Hauptarterien der Stadt unter der die U-Bahnlinie führt, war über Jahre hinweg nicht befahrbar.

Genau einen Monat vor den Kommunalwahlen, wurden die Bauarbeiten dann für beendet erklärt und die U-Bahnstationen, am 29. August 2009 vom amtierenden und zur Wiederwahl stehenden Oberbürgermeister António Costa, feierlich eröffnet.

Aber sind die Bauarbeiten wirklich beendet?
Als ich heute die Avenida Duque de Ávila entlang gefahren bin, sah das nämlich nicht so aus.
Ein Jahr nach dem Ende der Bauarbeiten und den Kommunalwahlen ist die Avenida weiterhin größtenteils nur einseitig befahrbar, ist sie voller Schlaglöcher und alle paar Meter stehen leere Bauwagen und Container auf ihr.
Eine der Hauptstraßen der Stadt ist somit seit Jahren dem Verfall preisgegeben und kein Mensch in der Stadtverwaltung kümmert sich darum.

Das ist eine Schande.
Anstatt die Straße wieder für den Verkehr befahrbar zu machen, lässt man sie lieber weiterhin verrotten.

Oberbürgermeister Costa könnte nicht auf deutlichere Art und Weise die Missachtung zeigen, die er gegen die Einwohner dieser Straße hat, wie wenig ihm der Handel in dieser Gegend bedeutet und wie gleichgültig ihm die Bürger seiner Stadt im Allgemeinen sind!

In Lissabon gab es mal eine Zeit, da wurden die ganzen Straßen, Plätze, Parks und Bürgersteige jede Nacht mit Wasser abgespritzt und sauber gemacht.
Jede Nacht!
Davon ist heute nichts übrig geblieben.
Ich zweifle sogar, das Lissabon überhaupt noch eine Stadtreinigung hat, obwohl es diese angeblich geben soll.

Als vor einigen Tagen ein paar Tropfen Regen vom Himmel fielen, verwandelten sich die Bürgersteige und die Straßen der Stadt in reine Rutschbahnen.
Die Kombination von Wasser und schmierigem Dreck, der sich auf den Bürgerteigen und Straßen über Monate hinweg angesammelt hatte, sorgte unweigerlich dazu dass alles glitschig war.

Eigentlich sollten die Lissabonner Bürgersteige weiß-schwarz sein. In der Zwischenzeit sind sie eher grau-schwarz, denn sie werden einfach nicht gepflegt, gekehrt, gewaschen und sauber gemacht.

Ich glaube Lissabon war noch nie so schmutzig, so verfallen und so verlassen wie heute.
Leider sind erst in vier Jahren wieder Kommunalwahlen.
Ich würde gerne schon heute mit meiner Stimme so manchem Politiker zeigen, was ich von seiner armseligen Stadtpolitik halte.

Dienstag, 21. September 2010

Giant of the American Revolution


Heute vor genau 245 Jahren, an einem verregneten Mittag des Jahres 1765, wurde ein kleiner, etwa fünfjähriger Junge im Hafen von City Point, dem heutigen Hopewell, im US-Bundesstaat Virginia, unter mysteriösen Umständen, weinend zwischen Frachtkisten und Weinfässern, entdeckt.

Das Kleinkind wurde zur Hafenmeisterei gebracht, und nachdem sich das Kind beruhigt hatte, stellte man fest dass er eine fremde Sprache sprach. Zuerst dachte man, das Kind würde spanisch sprechen. Doch ein spanischer Hafenarbeiter meinte, das Kind würde portugiesisch sprechen.
Also wurde ein portugiesischer Matrose herbeigeholt, und der erfuhr von dem Kind, das er Pedro Francisco heißen würde.
Auf die Frage hin, wie alt er sei, zeigte der kleine Junge all die Finger einer Hand, so wie es Kleinkinder immer tun, wenn sie einem zeigen wollen, das sie fünf Jahre alt sind.
Der Matrose meinte, dem Dialekt nach, sei das Kind wohl von den Azoren.
Das Junge war außergewöhnlich gut angezogen, und er erzählte den Männern, die sich nun um ihn in der Hafenmeisterei gruppiert hatten folgende abenteuerliche Geschichte:

Er sei beim spielen mit seiner älteren Schwester gewesen, an einem Ort mit vielen großen Palmen, als beide plötzlich von zwei großen, starken Männern festgehalten worden seien.
Seine Schwester hätte dem einen Mann entfliehen können.
Er selber aber wäre von den Männern auf ein Schiff gebracht worden und hätte viele Tage auf See verbracht. Als sie dann an Land gegangen seien, konnte er seinen Entführern entfliehen und sich im Hafen, zwischen den vielen Kisten und Waren verstecken.

Was an dieser Kindererzählung war ist oder nicht, wird wohl immer ein Geheimnis der Geschichte bleiben.
Tatsache ist aber, das Pedro Francisco (oder Peter Francisco, wie er von nun an von den Amerikanern genant wurde) Glück haben sollte in seinem jungen Leben, denn bereits vier Tage nach seinem Auffinden im Hafen von City Point, wurde er von dem ehrenwerten Richter Anthony Winston adoptiert.
Bei diesem und seiner Familie verbrachte er eine behütete Kindheit und sorgenlose Jugend.
Als er 16 Jahre alt war, trat er der Revolutionsarmee bei, und beteiligte sich nun unter amerikanischer Flagge am Unabhängigkeitskrieg der Vereinigten Staaten gegen das englische Mutterland.
Er war mit vollem Herz Soldat und nahm an zahlreichen Schlachten teil, um die Unabhängigkeit der USA zu ermöglichen.
Er diente sich bis zum General hoch und war das, was man wohl heute einen Kriegshelden nennen würde.

Noch heute ist Peter Francisco in ganz Amerika als „Virginia Giant“ (port.: „O Gigante de Virgina“ / dt.: „Der Riese von Virginia“) bekannt.
Auch unter dem Beinamen „Giant of the American Revolution“ (port.: „O Gigante da Revolução Americana“ / dt.: „Der Gigant der amerikanischen Revolution“) ist er bekannt.
Und auch als „Virginia Hercules“ (port.: „O Hercules da Virginia“ / dt.: „Herkules aus Virginia“) ist er in Amerika ein Begriff.

Georg Washington selbst, nannte Peter Francisco einmal Amerikas größten Soldaten.
Denn hätte Francisco seine Männer in der Schlacht von Yorktown nicht erfolgreich zum Sieg geführt, der amerikanische Unabhängigkeitskrieg und auch Georg Washington, wären wohl verloren gewesen.

Am 16. Januar 1831, etwa 66-jährig, verstarb Peter Francisco in seiner Wahlheimat Richmont / Virginia.
Genauso spektakulär wie sein Leben in Amerika begann und über viele Jahre hinweg auch war, so unspektakulär war sein Tod.
Er hätte auf dem Schlachtfeld sterben können, aber Gott wollte, dass er an einem simplen Blinddarmdurchbruch starb.

Am 18. Januar 1831 wurde dieser wohl berühmteste Amerikaner portugiesischer Abstammung auf dem Friedhof von Shockoe Hill (eng.: Shockoe Hill Cemetery) in Richmond, mit allen militärischen Ehren beigesetzt.

1973 erklärte der amerikanische Senat, den 15. März zum „Peter Francisco Day“.

Wir Portugiesen sind sozial und psychologisch sehr ausgeglichen


Heute Mittag, nachdem ich aus dem Büro kam, begegnete mir im Cais do Sodré ein älteres Touristenpaar aus Österreich, welches mich nach dem Weg nach Belém fragte.
Nachdem ich sie bis an die Straßenbahnhaltestelle gebracht, und ihnen grob die Richtung erklärt hatte, bedankte sich das Paar aus Linz freundlich, und die ältere Dame fügte noch hinzu, sie sei von Lissabon begeistert.
Von allen Städten auf der Spanischen Halbinsel (sie meinte wohl die Iberische Halbinsel), sei Lissabon wohl eine der schönsten.
Noch schöner als Madrid!

Nun, gut erzogen wie ich bin, habe ich mich für das Kompliment bedankt, mich auf den Absatz umgedreht und bin gegangen.

Aber liebe Österreicher, genauso wenig wie ein Kanadier für ein US-Amerikaner gehalten werden will, genauso wenig wie es ein Argentinier toll findet, wenn er mit einem Brasilianer verglichen wird und genauso wenig wie ihr Österreicher gerne als Süddeutsche tituliert werdet, genauso wenig mögen wir Portugiesen es, wenn wir mit den Spaniern in einen und den selben Topf geworfen werden!

Das hat nichts mit Minderwertigkeitskomplexen zu tun, denn wir Portugiesen sind an sich sozial und psychologisch sehr ausgeglichen, und dementsprechend sehr schwer zu beleidigen.

Doch was den ständigen Vergleich mit Spanien angeht, so sind wir doch etwas empfindlich.
Wir sind zwei verschiedene Völker, haben zwei verschiedene Sprachen, gehören zwei verschiedenen Nationen an und haben zwei verschiedene Kulturen.

Ihr Österreicher müsstet es doch wohl am besten wissen was ich meine…

Das Walfangmuseum von New Bedford


Im weltberühmten Walfangmuseum (port.: Museu da Baleação de New Bedford / eng.: The Whaling Museum of New Bedford) im amerikanischen New Bedford, Massachusetts, gibt es eine Liste der Matrosen, die 1841 auf dem amerikanischen Walfänger „Acushnet“ anheuerten, um im südlichen Atlantik auf Walfang zu gehen.

Es handelt sich hierbei um eine zweiseitige, vergilbte Liste, mit 78 Namen, deren Mehrzahl portugiesischen Ursprungs sind, die aber bereits damals amerikanisiert waren, wie etwa George Galvan (port.: Jorge Galvão), Joseph Luis (port.: José Luis), John Adams (port.: João Adão), Ennis Leeshandry (port.: Inácio Alexandre), und viele mehr.

Ein anderer Matrose, der zur Mannschaft gehörte, aber kein Portugiese war, war der Amerikaner Herman Melville.
Melville wird auf dieser Reise, im Jahre 1841, inspiriert werden, später seinen weltberühmten Roman „Moby Dick“ zu schreiben.
Seine portugiesischen Kameraden erwähnt Melville aber mit keinem einzigen Wort in seinem Werk.
Das ist nicht verwunderlich, denn genauso wie es die amerikanische Gesellschaft der damaligen Zeit es vermied, die portugiesischen „Gastarbeiter“ zu erwähnen oder gar zu beachten, so scheint es auch für einen Schriftsteller der damaligen Zeit normal gewesen zu sein, die Kameraden zu ignorieren, die eigentlich ein Teil seines weltberühmtesten Werk sein sollten.

So viel Ignoranz, totschweigen und nicht Beachtung ist, wie selbst renommierte Wissenschaftler heute sagen, ein grober Fehler der Geschichte.
Denn ohne die vielen portugiesischen Matrosen wäre der Walfang in Amerika niemals in den Ausmaßen möglich gewesen, wie er dann schließlich stattfand.

New Bedford, das über Jahrzehnte hinweg die Hauptstadt der Walfänger war, verdankte seine Vormachtstellung in der Welt vor allem den jungen Männern, die aus den Azoren, Madeira und São Vicente nach Amerika kamen, um hier die erste amerikanische Industriealisierung, der der Walfang war, zu ermöglichen.
Nur Dank dieser jungen, mutigen Männer konnte New Bedford, und der ganze Staat Massachusetts, florieren.

Außer den einen oder anderen Namen auf einer Liste, wie der der „Acushnet“ hatte bis jetzt selbst das renommierte Walfangmuseum von New Bedford nichts vorzuweisen, was die Portugiesen dieser Zeit in Amerika, anging.
Aber dies wird sich ab jetzt ändern!

Im New Bedford Whaling Museum wurde diese Woche, in einem Extraraum des Museums, die „Azorean Whalemen Gallery“ (port.: Galeria dos Baleeiros Açorianos / dt.: Galerie der Azoreanischen Walfänger), eine permanente Ausstellung eröffnet, die all die Männer ehrt, die über Jahrzehnte hinweg von der amerikanischen Gesellschaft totgeschwiegen wurden und die doch so bedeutend für die amerikanische Geschichte waren.

Dem New Bedford Whaling Museum kann man, nach dem Motto: „lieber spät als nie!“ für diese permanente Ausstellung über portugiesische Walfänger, der ersten überhaupt in Amerika, nur gratulieren!

Gruß vom geliebten Führer


Der bisherige portugiesische Nationaltrainer Carlos Queiroz, die Unfähigkeit in Person, ist sein Amt als Nationaltrainer letzte Woche losgeworden.
„Endlich“ - möchte man nach einem wochenlangen Hick-Hack über seine Person sagen.

Der portugiesische Fußball ist nun also im Augenblick voll und ganz mit der Suche nach einem neuen Nationaltrainer beschäftigt.
Auch wenn man das anderswo, in der zivilisierten Welt nicht glauben mag: es wird eine schmerzhafte, nervenaufreibende und langwierige Suche sein.
Eben portugiesisch!
Und sie wird, wie auch immer, doch wieder die falsche sein.
Eben portugiesisch!
Alles deutet daraufhin, das der ehemalige Sporting Lissabon-Trainer, Paulo Bento, das Rennen machen wird.

Aber wie auch immer die Entscheidung für den Trainer der portugiesischen Nationalmannschaft (port.: Selecção Nacional) ausfallen wird, und wer auch immer dieser Mann sein wird (ein Mann wird es wohl werden!), ihm wird auch bei der schlimmsten sportlichen Niederlage, die er jemals haben wird, niemals das blühen, was seinem ehemaligen nordkoreanischen Amtskollegen Kim, der bei der letzten Fußball-WM in Südafrika kläglich versagte.

Der ist nämlich seit der WM in Südafrika, mitsamt einem Teil seiner Spieler, von der Erdoberfläche verschwunden.
Und daran sind, so die FIFA, auch wir Portugiesen, nicht gerade schuldig, aber unbeabsichtigt beteiligt.
Portugal hat nämlich, im Gruppenspiel gegen Nordkorea, damals in Südafrika, die Mannschaft aus Asien mit 0:7 vom Platz gefegt.

Jetzt untersucht die FIFA, auch mit Hilfe der Portugiesischen Fußballföderation FPF (port.: Federação Portuguesa de Futebol), diesen dramatischen Fall.

Das der nordkoreanische Diktator Kim Jong Il, der „geliebte Führer“, wie er sich nennen läst, immer wieder damit droht, die Welt mit Atombomben zu vernichten, das er sich von seinem Gehirngewaschenem Volk feiern lässt, das er Kaviar kiloweise verspeist, während sein Volk hungert, das wissen wir alle.
Aber das er seine eigene Nationalmannschaft ins Arbeitslager schickt, und sie foltern lässt, das ist selbst der zivilisierten Welt neu.

Zwar handelt es sich hierbei seit Wochen nur um Gerüchte, aber sie werden immer konkreter.
Sie sind so konkret, das sich jetzt sogar der Weltfußballverband FIFA mit Nachdruck eingeschaltet hat und eine hochoffizielle Untersuchung eingeleitet hat.
Diese Untersuchung wurde eingeleitet, weil der nordkoreanische Trainer Kim, seit Monaten nicht auffindbar ist, weder für die Verantwortlichen der FIFA, noch für die Trainer der anderen Nationalmannschaften.
Fakt ist das alle nordkoreanischen Spieler, nach ihrer Rückkehr aus Südafrika auf einer Bühne vor dem Kulturpalast, mitten in der Hauptstadt Pjöngjang, stundenlang ideologische Kritik von hunderten schreienden und beschimpfenden Funktionären ertragen mussten.

Ob die Untersuchung der FIFA etwas bringen wird, sei mal dahin gestellt.
Aber jeder der sich Hoffnung darauf macht, bald Trainer der portugiesischen Nationalmannschaft zu werden, sollte sich darüber im Klaren sein, welchen Luxusposten er bezieht, wenn er die Selecção trainiert.
Mit anderen Worten, er sollte, im Gegensatz zu seinem Vorgänger Queiroz, mehr Fein- und Taktgefühl und mehr sportlichen Geist zeigen, wenn er mit seiner (unserer) Mannschaft unterwegs ist.

Lagartagis






Mitten im Botanischen Garten der Lissabonner Universität, an der Rua da Escola Politécnica, steht seit nunmehr fast vier Jahren ein Haus, welches in Europa einzigartig ist, und in dem immer Frühling herrscht.
Es ist ein Schmetterlingshaus (port.: borboletário), in dem der Besucher ganz gewöhnliche Schmetterling in ihren verschiedenen Entwicklungsstadien bestaunen kann.
In diesem kleinen Haus werden einheimische Schmetterlinge gezüchtet, und der Besucher des Botanischen Gartens kann sie bewundern, vom Stadium als Raupe, bis hin zur Puppe und als fertigen Schmetterling.
Es handelt sich bei all diesen Schmetterlingen um Tiere die man als Erwachsener eher auf dem Land zu sehen bekommt, als in der Stadt; und erst recht als Kind.

Als meine Nichte Lorena und mein Neffe Nelson diesen Sommer dem Schmetterlingshaus einen Besuch abstatteten, waren sie äußerst begeistert.

Der offizielle Name dieses Schmetterlingshauses ist „Lagartagis“, abgeleitet vom portugiesischen „lagarta“ was so viel wie Raupe heißt.
Wenn man das Haus betritt, dann steigen einem sofort die vielen Gerüche in die Nase auf.
Gerüche nach frischen Gewürzen und aromatischen Pflanzen.
In diesem Ambiente fühlen sich die Schmetterlinge, und die die einmal welche werden wollen, äußerst wohl.

Insgesamt 10 verschiedene Schmetterlingsarten fliegen im „Lagartagis“ frei herum, geschützt vor ihren größten Feinden, den Wespen und den Spinnen.
Wenn sie sich erst einmal entpuppt haben, dann leben Schmetterlinge maximal 15 bis 30 Tage. Eine zu kurze Zeit, um gleich den Fressfeinden zum Opfer zu fallen.

Dem Schmetterlingshaus ist ein Forschungslabor angeschlossen, in dem die Schmetterlinge in all ihren Stadien erforscht werden.
Der häufigste Bewohner des Schmetterlingshauses ist der Königsfalter (port.: borboleta laranja monarca), gefolgt vom Schwalbenschwanz (port.: borboleta de cauda de andorinha).
Alles Schmetterlinge die man kennt, die man in der Stadt aber sehr selten zu sehen bekommt, außer aufgespießt im Naturkundemuseum.

Um sich dieses kleine Schmetterlingsparadies anschauen zu können, muss man lediglich 1,- Euro bezahlen.
Ein Betrag der sich auf alle Fälle lohnt!