Dienstag, 21. September 2010

Botanischer Garten der Lissabonner Universität






Heute bin ich mal wieder an der Rua da Escola Politécnica, am Botanischen Garten, vorbeigelaufen, eine wahre Grünoase inmitten meiner Heimatstadt.
Der Botanische Garten der Politechnischen Universität von Lissabon (port.: Jardim Botânico da Universidade Politécnica de Lisboa), unweit des Rato gelegen, darf nicht mit dem Tropischen Botanischen Garten (port.: Jardim Botânico Tropical) im Stadtteil Belém verwechselt werden (bitte lesen sie hierfür auch mein post vom 13. Januar 2010 „Jardim Botânico Tropical: Der Park).
Es handelt sich hierbei um verschiedene botanische Gärten.

Das letzte Mal das ich im Botanischen Garten der Lissabonner Universität war, war diesen Sommer, zusammen mit meinem Neffen Nelson, der Hobbybotaniker ist, und meiner Nichte Lorena.
Dort bestaunten wir die seltenen Zedern, Araukarien, Palmen, die riesigen Kakteen und die vielen, vielen Schmetterlinge.

Gegründet wurde der Park im Jahre 1873 von der botanischen Fakultät der Universität um den Studenten die Möglichkeit zu geben, „echte“ Anschauungsobjekte zu haben.
Denn bis dahin besaß die Fakultät für Botanik nur getrocknete und gepresste Blumen, Blätter, Früchte und Blühten als Anschauungsmaterial.

Dank des Lissabonner Klimas gedieh der Garten nach wenigen Jahren überaus üppig, so dass er im Jahre 1878 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

Der erste Gärtner, der für die Anpflanzung und die Gestaltung des Botanischen Gartens zuständig war, war der deutsche Landschaftsgärtner (port.: jardineiro-paisagista) Edmund Göze.
Von König Luis I persönlich von Deutschland nach Lissabon geholt, pflanzte Göze eigenhändig die ersten Gummibäume und Palmen des Gartens.
Er gab dem Botanischen Park das Gesicht, welches er heute, nach 150 Jahren, noch hat.

Der Nachfolger von Edmung Göze wurde 1876 der französische Botaniker Jules Daveau. Sein größtes Werk ist die Palmenpromenade am Eingang des Botanischen Gartens, den jeder Besucher heute noch durchschreiten muss.

Auf dem 4 h großen Gelände finden sich Bäume, Sträucher und Pflanzen aus allen Erdteilen der Welt, vor allem aus den ehemaligen portugiesischen Überseegebieten Brasilien, Afrika, Indien und Timor, aber auch aus Neuseeland, Australien, Japan und China.
Zum Botanischen Garten gehört ein großes Gewächshaus, in dem subtropische Pflanzen großgezogen werden, ein Samenhaus, in dessen Regalen und Schubladen die größte Blumen- und Baumsamensammlung Portugals existiert und ein in Europa einzigartiges Schmetterlingshaus (zum Schmetterlingshaus werde ich in einem baldigen post mehr schreiben!).

Die Sammlung der botanischen Fakultät besitzt unvorstellbare Schätze, die leider uns normalsterblichen nicht zugänglich sind.
Ein Besuch des Botanischen Gartens lohnt sich aber allemal.
Auch jetzt im nahenden Herbst!

Dienstag, 14. September 2010

Essig-Kuchen


Letzten Sonntag hatten wir in der Evangelischen Kirche zu Lissabon mal wieder „volles Haus“.
Zwei Reisegruppen aus Deutschland und noch einige andere Gäste, insgesamt an die 50 Personen, sorgten dafür dass der Gottesdienst sehr gut besucht war.
Und da nach jedem Gottesdienst der Pastor oder die Pastorin immer zu Kaffee und Kuchen einladen, galt es am Sonntag diese ganzen Kirchenbesucher zu versorgen, und da reichten nicht wie üblich zwei oder drei Kaffeekannen aus und ein Kuchen.
Nein, da musste eine Kaffeeautomat angeworfen werden, der 100 Kaffeetassen auf einmal kochen kann und mehrere Kuchen mussten gebacken werden.
Fürs Kuchen backen ist, wie fast immer, Frau Prado zuständig gewesen. Frau Prado ist so etwas wie die gemeindeeigene Konditorin. Fakt ist: backen kann die Frau!

Der Besuch aus Deutschland lobte jedenfalls die Kuchen über alle Maßen. Es wurde auch schnell das eine oder andere Rezept ausgetauscht.
Als ich gefragt wurde, ob ich auch mit der Rezeptur einer portugiesische Kuchenspezialität beitragen könnte, fiel mir spontan der Kuchen ein, den meine Mutter, nach einem alten Familienrezept, ab und zu backt, nämlich den „Bolo de vinagre“ (dt.: Essig-Kuchen).
Nun, von den deutschen Gästen konnte sich keiner vorstellen, dass man einen Kuchen mit Essig backen könnte, und erst recht konnte sich keiner vorstellen das der überhaupt schmecken könnte.

Ich konnte den Interessierten leider das Rezept nicht geben (denn eigentlich esse ich für gewöhnlich den Kuchen, und backe ihn nicht!), habe aber versprochen hier in meinem Blog, nach Absprache mit meiner Mutter, das Rezept zu veröffentlichen.

Hier also für alle, die mal einen außergewöhnlichen Kuchen backen wollen, das Rezept für den Essig-Kuchen:


Zutaten:

- 8 Eier
- 500 g Zucker
- 250 Kartoffelstärkemehl
- 2 Teelöffel Hefe
- 2 Suppenlöffel besten weißen Essig

Vorbereitung:

Man verrührt das Eigelb mit dem Zucker. Dann schlägt man das Eiweiß steif und tut es zum Eigelb und dem Zucker hinzu. Dann fügt man das Kartoffelstärkemehl und die Hefe dazu und verrührt alles bis es eine cremige Masse gibt. Zum Schluss gibt man den Essig dazu.
In eine, mit Butter, ausgefettete Kuchenform wird dann die Backasse rein gegeben und für 40 Minuten im Backofen, bei 200°C gebacken.

Das Ergebnis ist ein sehr luftiger Kuchen, der nicht all zu süß schmeckt, und keine Kalorienbombe ist.

In diesem Sinne, gutes Gelingen beim backen!

Mittwoch, 8. September 2010

Calantha


Letzte Woche kam Calantha in der Karibik (port.: caraíbas) an!
Wer ist Calantha, wird sich wohl der aufmerksame Leser nun fragen?!?
Calantha ist eine weibliche Meeresschildkröte, der Art Unechte Karettschildkröte (port.: tartaruga-comum / lat.: Caretta caretta), die knapp 40 Jahre alt ist.
Alleine das ist nichts Besonderes.
Besonders an Calantha ist, das sie 30 Jahre ihres Lebens im Aquarium Vasco da Gama, im Lissabonner Stadtteil Dafundo (port.: Aquário Vasco da Gama em Dafundo), in einem kleinen Wasserbecken in Gefangenschaft gehalten wurde.
30 Jahre lang hatte dieses Meerestier einen Lebensraum der so groß war wie ein Kinderplanschbecken.

Im Jahre 2005 beschlossen das Aquarium und Tierschützer Calantha auszuwildern.
Hierzu wurde sie in die Algarve, ins Rehabilitationszentrum für Wassertierarten des Zoomarine (port.: Centro de Reabilitação de Espécies Marinhas do Zoomarine), gebracht.
Dort, im Rehabilitationszentrum, musste Calantha erst einmal wieder lernen auf die Jagd zu gehen, und sie musste vor allem lernen fressbare und nicht fressbare Beutetiere von einander zu unterscheiden.
Und Calantha musste wieder schwimmen lernen, etwas was sie 30 Jahre lang in ihrem kleinen Becken im Aquarium Vasco da Gama, nicht tun konnte.

Am 30. September des letzten Jahres wurde Calantha vom Zoomarine, und mit Hilfe der Portugiesischen Marine (port.: Marinha Portuguesa), in die Freiheit entlassen.
60 Seemeilen von der portugiesischen Küste entfernt, wurde Calantha in den Atlantik freigelassen.
Aber sie ging nicht alleine auf die Reise.
Nein, an ihrem Panzer brachten Biologen des Meeresbiologischen Institus (port.: Instituto da Conservação da Natureza e da Biodiversidade (ICNB) einen Peilsender an, der es ermöglicht die Wasserschildkröte über Satellit zu verfolgen.
So konnten die Wissenschaftler des Meeresbiologischen Instituts die Reise Calanthas bis heute immer haargenau mitverfolgen, denn immer wenn die Schildkröte, mitten im Atlantik, auftauchte um nach Luft zu schnappen, wurde sie vom Satelliten erfasst, und die Daten an den Hauptcomputer des Instituts weitergegeben.

So weiß man heute, das Calantha 322 Tage brauchte, um in die Karibik zu kommen. Sie legte eine Strecke von immerhin 10.600 km zurück, in einem Meer das sie nicht mehr kannte.
Der Atlantik ist riesig, und die Schildkröte, die 30 Jahre in Gefangenschaft gelebt hat, hätte überall hin schwimmen können.
Das sie ausgerechnet dahin geschwommen ist, wo die verschiedensten Meeresschildkrötenarten zusammenkommen um sich zu paaren und zu überwintern, bleibt wohl für Ewig ein Rätsel der Natur.

Ob sich Calantha wohl paaren wird, so wie es sich die Meeresbiologen wünschen, das steht noch in den Sternen. Jedenfalls ist sie in dem besten Alter dafür.
Fakt ist aber, das es weltweit das erste mal ist, das eine Meeresschildkröte nach so langer Zeit in Gefangenschaft, es geschafft hat sich wieder in der Natur zurechtzufinden.

Der Peilsender, den Calantha an ihrem Panzer trägt, soll noch gute drei bis vier Jahre funktionieren.
Mal sehen, in wie weit eine knapp 40 Jahre alte Meeresschildkröte die den größten Teil ihres Lebens in Gefangenschaft gehalten wurde, die Wissenschaft und uns alle noch überraschen wird.

Endlich Regen…


Gestern hat es endlich wieder einmal geregnet.
Zwar nur ein paar Tropfen; aber immerhin es hat geregnet.
Seit Monaten fiel kein Wasser vom Himmel, abgesehen von den paar Tropfen, die mit Saharasand vermischt, Anfang August hier in Zentralportugal herunterkamen, und die eher für verschmutzte Autos und Gartenmöbel sorgten, als für Erfrischung.

Der Regen tut uns, nach dem heißen Sommer den wir hatten, nur gut. Endlich, so scheint es, sind diese brüllendheißen Sommertage vorbei.
Und auch die vielen Waldbrände werden jetzt wohl zurückgehen.
Was hat es diesen Sommer wieder hier in Portugal gebrannt.

Niemand weiß so genau, wie groß die Fläche aller Wälder in Portugal ist, jedenfalls habe ich das nicht rausbekommen.
Aber eines wissen wir alle, die wir hier am Rande Europas leben: diese Fläche wird von Jahr zu Jahr geringer.
Jedes Jahr aufs Neue zeigt man sich hier in Portugal unfähiger und ohnmächtiger, den Wald vor den verheerenden Bränden zu retten.
Es nimmt mehr Zeit in Anspruch die Waldbrände zu analysieren, als diese brauchen um sich immer wieder erneut zu entfachen und alles in Schutt und Asche zu legen was ihnen in den Weg kommt.

Von Anfang Juni bis heute im September, wurden hier in Portugal über 10.000 Waldbrände und Steppenfeuer gezählt.
Der schlimmste Tag war der 08. August 2010.
An diesem Tag brannte es an 501 verschiedenen Orten gleichzeitig!
Das muss man sich einmal vorstellen!

Laut der Nationalen Waldschutzbehörde (port.: Autoridade Florestal Nacional) haben die Feuer dieses Sommers schon über 110.000 Hektar Wald vernichtet.

Laut einer Erhebung, die ich der Tageszeitung „Diário de Noticias“ entnehmen konnte, ernährt der portugiesische Wald 150.000 Familien. Diese werden wohl bald hausieren gehen können.

Den Gesamtwert des Waldes schätzt man auf knappe 1,3 Milliarden Euro.
Rund 300 Millionen Euro gingen davon diesen Sommer verloren.
Aber nicht nur diese materielle Summe ging verloren.
Nein, es ging viel mehr verloren.
Drei Feuerwehrmänner verloren z. B. dieses Jahr ihr Leben in den Flammen.
Und weil wir schon von verlieren sprechen, so muss ich sagen, das ich und viele andere langsam aber sicher die Hoffnung verlieren, dass dieses Grauen in naher Zukunft ein Ende findet, wenn nicht bald massiv und hart gegen die Brandstifter vorgegangen wird, die aus purem Leichtsinn und Egoismus die Existenz von tausenden von Menschen ruinieren.

Samstag, 4. September 2010

Feira da Luz






Wie jedes Jahr, findet diesen Monat im Lissabonner Stadtteil Carnide, die Feira da Luz (dt.: Jahrmarkt des Lichtes) statt.
Dieses Jahr wird die Feira da Luz zum fünfhundertsten Mal stattfinden.
Sie ist somit eine der wenigen Jahrmärkte des Landes, die ein halbes Jahrtausend Geschichte vorweisen können.

Vom heutigen 04. September bis zum 26. September werden im Jardim da Luz, dem Stadtpark des Stadtteiles Carnide, wieder einmal tausende von Menschen zusammenkommen, um diesen, für mich, einzigartigen Jahrmarkt zu besuchen.
Natürlich ist die Feira da Luz nicht mehr das, was sie einmal war. Und ich meine nicht die Feira da Luz vor 500 Jahren. Nein, ich meine die Feira da Luz vor noch gut 35 Jahren.

Bereits als Kleinkinder besuchten meine Schwester und ich, in Begleitung unserer Mutter, die Feira da Luz, um dort die beste Zuckerwatte der Welt zu essen, jedenfalls kam sie uns als Kinder so vor.
Die Feira war für uns Kinder auch so etwas wie ein Spielzeugbazar. Denn nie verließen wir die Feira ohne das eine oder andere bunte Holzspielzeug.
1972, als unser Vater bereits als Gastarbeiter in Deutschland weilte, ließ meine Mutter ein Foto von uns Kinder auf der Feira da Luz machen, um dieses Foto dann meinem Vater nach Deutschland zu schicken.
Dieses Foto, auf dem meine Schwester und ich auf zwei schwarz bemalten Holzpferdchen sitzen, gibt es heute noch.
Gemacht wurde dieses Foto, am 03. September 1972, damals von einem Fotografen, der noch diese alten Stehkameras mit einem schwarzen Tuch benutzte, welches er sich über den Kopf zog.

Heute sucht man auf der Feira da Luz vergeblich nach dem alten Fotografen, nach der besten Zuckerwatte der Welt und nach buntem Holzspielzeug.
Wie jedes andere Volksfest der Welt, hat auch die Feira da Luz sich weiter entwickelt.
In welche Richtung auch immer…

Wie es auch sei, die Feira da Luz ist immer einen Besuch wert. Und sie hat einen, wie ich finde, großen Vorteil: da sie noch heute ein Stadtteilfest ist, ist die Feira da Luz vielen im Land unbekannt; was den Vorteil hat, das sie noch, trotz allen Veränderungen, recht ursprünglich geblieben ist.

Ihren Höhepunkt wird die Feira, wie jedes Jahr, am letzten Sonntag des Monats haben.
Dann wenn die Prozession zu Ehren der Jungfrau da Luz (port.: Procissão da Nossa Senhora da Luz) stattfinden wird.
Es ist dieser Prozession zu verdanken, dass es die Feira da Luz überhaupt gibt!
Um diese Prozession herum, die noch heute eine der wichtigsten religiösen Demonstrationen der portugiesischen Hauptstadt ist, bildete sich mit den Jahren der Jahrmarkt.
Und während in den ersten Jahrhunderten die Prozession im Mittelpunkt stand, und die Festbuden, Schwenkbraten, Feuerschlucker und Liedermacher nur Beiwerk waren, so ist es heute genau umgekehrt.
Jeder kennt den Jahrmarkt, aber nur wenige die Prozession.

Der Sage nach, soll ein portugiesischer Ritter, der im 14. Jahrhundert am Feldzug gegen die Mauren, im marokkanischen Ceuta teilnahm, während der Schlacht schwer verletzt worden sein.
Auf dem Schlachtfeld, dem Tode nahe, soll er durch ein Licht gerettet worden sein, welches die Figur einer Jungfrau ausstrahlte (Luz ist das portugiesische Wort für Licht. Also ist die „Nossa Senhora da Luz“, die Jungfrau des Lichtes und die „Feira da Luz“ ist wörtlich übersetzt der Jahrmarkt des Lichtes. Ganz nebenbei, das Benfica-Stadion „Estadio da Luz“, ganz in der Nähe, ist nichts weiter als das Stadion des Lichtes!).
Als er wieder vom Krieg nach hause kam, errichtete er, dort wo sich heute die Kirche Nossa Senhora da Luz befindet, eine Kapelle zu Ehren der Jungfrau, die ihn, der Sage nach, gerettet hatte.

Wie jede Sage und Legende, hat auch diese ihre wahren und unwahren Seiten. Fakt ist, das heute noch eine kleine Madonnenfigur aus dem 14. Jahrhundert zum Kirchenschatz der Kirche Nossa Senhora da Luz gehört.

Wer an der Prozession teilnehmen will, sollte wissen, dass der letzte Sonntag im September, dieses Jahr auf den 26. fällt.
Die Prozession selber, so hat mir das Pfarramt in Carnide mitgeteilt, wird wie jedes Jahr, ihren Anfang an der Kirche, am Largo da Luz, haben, und dann weiter durch die Straßen Rua da Fonte, Rua Neves da Costa, Estrada da Correia, Rua Maria Brown und Estrada do Colégio Militar ziehen, um dann, wieder an der Kirche angekommen, ihr Ende finden.

Allen eine wunderschöne Feira da Luz!

Septembermorgen






Nachdem ich mich über einen Monat hier auf meinem Blog nicht habe blicken lassen, habe ich mir heute den PC gegriffen um fleißig in die Tasten zu hauen (jedenfalls habe ich das, mit „in die Tasten hauen“, vor!).

Ich habe die letzen sechs Wochen so etwas wie eine „Schreibblockade“ gehabt.
Ich kann es schlecht beschreiben, dieses Gefühl, nicht schreiben zu können und zu wollen; also etwas nicht zu tun, was ich sonst für mein Leben gerne tue.
Wie es auch sei, ich fühlte mich in den letzten Wochen alles andere als inspiriert, um mich hier im Blog zu Wort zu melden.

Aber als ich gestern Morgen, auf dem Weg zur Arbeit, mit einen traumhaften Sonnenaufgang über den Tejo belohnt wurde, hatte ich das Gefühl, dies mit der ganzen Welt teilen zu müssen und dies hier im Planet Portugal auch zu zeigen und zu schreiben.

Es ist unglaublich wie die Zeit vergeht, aber wir sind schon im Monat September.
Ich habe das Gefühl, die Zeit rast regelrecht an mir vorbei.
Mein Gott, und wie sie vorbeirast!

Als ich den Sonnenaufgang heute Morgen sah, ist mir spontan das Gedicht „Septembermorgen“ von Eduard Mörike eingefallen.
„Septembermorgen“ ist eines meiner deutschen Lieblingsgedichte, noch aus meiner Schulzeit!

Eduard Mörike, ein sprachbegabter Dichter und Lyriker der Schwäbischen Schule, der 1804 in Ludwigsburg geboren wurde, schrieb das Gedicht „Septembermorgen“ im Jahre 1838, als auch er eine „Schreibblockade“ hinter sich gebracht hatte.

Natürlich würde ich mich niemals mit Mörike auf eine Stufe setzen können und wollen!
Aber wenn es dieser große deutsche Volksdichter geschafft hat, seine Schreibblockade zu überwinden, so werde ich dies sicherlich auch noch hinbekommen.

Ich fange am besten damit an, in dem ich „Septembermorgen“ ins portugiesische übersetze, denn soweit ich mich kundig gemacht habe, gibt es zwar eine englische Version von „Septembermorgen“, eine portugiesische Version aber, existiert bis Dato nicht.

Also sorge ich jetzt dafür, dass dies sich ändert:


Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst Du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.

(Eduard Mörike)


Manhã de Setembro

Entre novoeiros ainda descansa o mundo,
Ainda as florestas e os prados sonham:
Não tarda muito, e quando o veu caír,
Poderás ver o céu azul impecável,
O mundo abafado com toda a força do outono
Desauguando em ouro caloroso.

(Eduard Mörike)


Allen meinen Lesern einen wunderschönen September, voll traumhafter Morgen!

Dienstag, 27. Juli 2010

Eselsohren: „Dona Amélia“


Heute möchte ich Euch und Ihnen ein Buch ans Herz legen, welches mir eine Menge Spaß beim lesen gebracht hat.

Es handelt sich hierbei um die Romanbiografie der letzten portugiesischen Königin Amélia, die mit vollem Namen Maria Amélia Luísa Helena de Bourbon Orleães e Bragança hieß, und die 1865 im englischen Twickenham, als erste Tochter der Grafen von Paris (port.: Condes de Paris), geboren wurde.

„Eine Königin flüchtet nicht, und lässt ihr Land und ihr Volk im Stich“ – nach diesem Motto lebte Königin Amélia ein Leben lang.
Aber das Schicksal sollte sie eines anderen belehren.

Amélia war eine von der Tragödie gezeichnete Frau, als sie am 05. Oktober 1910, von Ericeira aus, nach Ausrufung der Republik in Portugal, ins englische Exil gehen musste.
Exil – dieses verfluchte Wort, hatte sie und ihre ganze Familie ein Leben lang verfolgt, und sollte sie nun weiter verfolgen, bis an ihr Lebensende.

Mit Jubel wurde sie als Prinzessin 1886, als Braut von Kronprinz Carlos, in Lissabon empfangen.
Und als Prinzessin war sie auch eine zeitlang glücklich.
Aber mit der Zeit wurde aus der glücklichen Prinzessin eine unglückliche Königin.
Ihr Mann, der König, betrog sie nach Strich und Faden mit anderen Frauen, die Politiker, egal welcher Partei, sahen in ihr nur die „Französin“ und der Hof intrigierte und konspirierte gegen sie, wo es nur konnte.

In dem Buch „D. Amélia – A rainha exilada que deixou o coração em Portugal“ (dt.: „Amélia – Die Königin im Exil, die ihr Herz in Portugal zurückließ“) erzählt die Bestsellerautorin Isabel Stilwell, in einem Roman, die Geschichte der letzten Königin Portugals, die 24 Jahre in einem Land lebte, das sie wie ihr eigenes liebte.
Obwohl dieses Land ihr alles nahm was sie liebte: ihren Erstgeborenen und ihren Ehemann, die beide bei einem Attentat am 01. Februar 1908, in Lissabon starben.

Isabel Stilwell hat wieder einmal ein wunderbares Buch geschrieben, das mich sehr gefesselt hat und das auch sie, sollten sie der portugiesischen Sprache mächtig sein, fesseln wird.

Erschienen ist das Buch im Verlag „A esfera dos livros“.

Wie viel ist Portugal eigentlich wert?


In Zeiten der Krise, in der manche Länder am Rande des Ruins und der Verzweiflung stehen, gibt es immer den einen oder anderen Vorschlag von Außenstehenden, der zwar gut gemeint ist, sich dann aber doch leider als blödsinnig erweist.

Als, z.B. in diesem Frühling, Griechenland kurz vor seinem Staatsbankrott stand, schlugen manche Deutsche Politiker den Griechen vor, sie mögen doch einige ihrer Inseln verkaufen, damit sie ihre finanzielle Lage verbessern könnten.
Mit Verlaub: auf solch eine Idee, kann auch nur ein deutscher Politiker kommen!
Natürlich würde Griechenland das niemals tun.

Aber hier in Portugal hat dieser Vorschlag den einen oder anderen angeregt, mal nachzuforschen, wie viel denn Portugal so wert wäre, wenn es zum Verkauf stehen würde.

Nun, stünde Portugal zum Verkauf, würde der Staat, alleine an Grundstückspreisen, die stolze Summe von 8,1 Billionen Euro erzielen, so die Zeitschrift „Sábado“ in ihrer Ausgabe von dieser Woche.

8,1 Billionen Euro, das wären 88,- Euro pro Quadratmeter.
Das Problem wäre nur, einen Käufer zu finden, der diese ungeheure Summe aufbringen würde können.
Selbst der reichste Mann der Welt, der Mexikaner Carlos Slim, wäre dazu nicht in der Lage, außer er würde seinen finanziellen Besitz 151 Mal multiplizieren können.
Selbst wenn Carlos Slim nur die Grundstücke Lissabons kaufen würden wollen, müsste er einen Kredit aufnehmen, denn die Grundstücke in der Hauptstadt sind, laut renommierter Grundstücksmakler, über eine Billion Euro wert!

Natürlich wären 8,1 Billionen Euro für Portugal ein Segen.
Alleine 0,2 % dieser Summe würden ausreichen, um das erwartete, kommende Haushaltsdefizit für das Jahr 2010, immerhin 13,8 Milliarden, auszugleichen.
Und 2,3 % dieses Betrages würde reichen, die ganzen Staatsschulden zu tilgen.
Würde man die 8,1 Billionen Euro unter den 10,627 Millionen Portugiesen aufteilen, dann wäre jeder Bürger dieses Landes um 762.000 Euro reicher.

Aber da der Verkauf der Portugiesischen Nation wohl außer Frage steht, könnte man vielleicht darauf kommen, ein paar historische Gebäude zu veräußern.
So würde der Forte do Bugio (bitte lesen sie hierzu auch mein post „Der Leuchtturm von Bugio“ vom 21.07.2009) immerhin 10 Millionen Euro einbringen, der Palast von Palmela (port.: Palácio de Palmela) wäre zwischen 20 und 40 Millionen Euro zu haben.
Der Palácio de Seteais (dt.: Palast von Seteais), bei Sintra, würde die stolze Summe von 30 Millionen einbringen und der Quartel dos Lóios (dt.: Kaserne von Lóios), an der Lissabonner Burg gelegen, wäre zu einem Schnäppchen von 3 Millionen Euro zu haben.

Auch die portugiesischen Inseln mitten im Atlantik würden einiges einbringen.
So würden die Berlenga-Inseln (port.: Ilhas Berlengas) vor Peniche ca. 25 Millionen Euro einbringen und die Ilhas Desertas, ein paar unbewohnte Eilande vor der Insel Madeira, wären an die 10 Millionen wert.
Die Azoren-Inseln (port.: Ilhas dos Açores) und die Insel Madeira (port.: Ilha da Madeira) wären, was Grundstückspreise angeht, jeweils nicht unter 400 Millionen Euro zu haben.

So gesehen kann man bei Portugal nicht von einem Schnäppchen reden, wenn es um die Grundstücks- und die Immobilienpreise geht.
Deshalb, sollte die Krise nun größer werden, stelle ich freiwillig, als Patriot der ich bin, meinen Vorgarten zum Verkauf!

Dienstag, 20. Juli 2010

Dispensário de Alcântara






Von meinem Büro aus habe ich Sicht auf ein altes, ockerfarbenes Gebäude, mit einer riesigen Eingangstür und großen, hohen Fenstern, aus dem Ende des 19. Jahrhunderts.
Dieses Gebäude hat zweifellos seine besten Jahre schon hinter sich, und das es heute überhaupt noch steht, und noch nicht einem modernen Büro- oder Wohnhauskomplex weichen musste, ist eher einem Zufall der Geschichte als einer gewollten Altstadtplanung zu verdanken.

An der Avenida Infante Santo, Ecke Rua Tenente Valadim, genau gegenüber dem Büro in dem ich arbeite, auf der anderen Straßenseite, steht der 1893 erbaute Dispensário de Alcântara, damals noch Dispensário Real de Alcântara, wobei „Real“ für „königlich“ steht.
Ein „dispensário“ kann man als eine „ärztliche Beratungsstelle“ übersetzen oder „Ärztehaus“.
In diesem Fall war der dispensário „ein Erste-Hilfe-Posten für Bedürftige und Arme“, vor allem für Kinder bis 12 Jahre.

An dem Platz, an dem heute dieses Gebäude steht, stand vorher schon ein anderes, in dem Kinder ärztlich untersucht und behandelt wurden.
Hier bekamen sie jeden Tag frische Milch zu trinken, frisches Obst und eine warme Mahlzeit zu essen.
Und hier wurden sie auch auf die Wichtigkeit von Hygiene und Sauberkeit unterwiesen.

Die größte Unterstützerin des Dispensário Real de Alcântara, und die Verantwortliche für den Bau der heute noch steht, war die damalige Königin Amélia von Orleans und Bragança (port.: Amélia de Orleães e Bragança), Ehefrau von König Carlos I.
Königin Amélia, eine gebürtige Französin, setzte sich mit viel persönlichem und finanziellem Engagement, auch gegen den Willen vieler republikanischer und anderer politischer Widersacher, für diese von Dominikanerschwestern geführte und vom Oberarzt Dr. Augusto da Silva Carvalho geleitete Anlaufstelle für arme, verwahrloste und zum Teil misshandelte Kinder, ein.

Die Königin und ihre beste Freundin, Mariana, Condessa de Sabugosa (dt.: Mariana, Gräfin von Sabugosa), die auch gleichzeitig eine ihrer Hofdamen war, verbrachten viel ihrer Freizeit im dispensário bei der Pflege der vielen Kinder die sich tagtäglich auf den Weg nach Alcântara machten um dort behandelt zu werden.
Die Königin stattete dem dispensário, sehr zum Missfallen ihres Mannes, mehrmals in der Woche einen Besuch ab.
Ein altes Kachelgemälde (port.: Painel de Azulejos), das früher an der Veranda des dispensários angebracht war, und welches heute im Lissabonner Apothekermuseum zu sehen ist, zeigt die Königin bei einem dieser Besuche.

Nach dem Attentat auf König Carlos I im Jahre 1908, den Königin Amélia nur knapp überlebte, und nach dem Sturz der Monarchie im Jahre 1910, waren auch die Tage des dispensários gezählt.
Nach dem Ersten Weltkrieg musste der Dispensário de Alcântara, aus Geldmangel, seine Tore schließen.

Das das Gebäude heute noch steht, ist wie schon gesagt, ein glücklicher Zufall der Geschichte.
Denn in einer Stadt, in der normalerweise wenig zimperlich mit alten Stadtpalästen, Bürgerhäusern, Kirchen und anderen alten Bauwerken umgegangen wird, ist es schon fast ein Wunder das dieses alte Gebäude noch steht.

Altes abreißen und Neues bauen, das ist hier in Portugal leider noch immer die traurige Normalität.
Und wenn dann Stadtarchitekten ihre modernen Bausünden aus Glas und Beton in eine Reihe stellen wollen, wie den Barock oder die Gotik, dann ist das für mich so, als ob einer versucht mir eine Käsestulle als vollwertiges Mittagessens darzustellen.

Ich hoffe, ich werde noch lange, von meinem Bürofenster aus, den alten, prachtvollen dispensário sehen können!

Schönen Urlaub






Mit diesen „erfrischenden“ Bildern aus Lissabon und seinem Hausstrand Caparica möchte ich allen Lesern und Leserinnen von Planet Portugal, einen schönen Sommer wünschen und einen tollen Urlaub.
Viele werden wegfahren, Freunde besuchen, ausspannen oder zuhause bleiben und es sich auf Balkonia und Terrasia gemütlich machen.

Ich selber werde erst im Herbst in Urlaub fliegen, was bedeutet, dass Planet Portugal keinen Urlaub machen wird und sie weiterhin mit dem einen oder anderen Bericht unterhalten wird.

All meinen Lesern und Leserinnen wünsche ich auf diesem Wege einen schönen und erholsamen Urlaub.

Dienstag, 13. Juli 2010

11.° Festival do Caracol Saloio


Vom 16. Juli bis zum 26. Juli 2010, findet in dem Lissabonner Vorort Loures das „11.° Bauernschneckenfestival“ (port.: „11.° Festival do Caracol Saloio“) statt.

Das von der Stadtverwaltung Loures (port.: Câmara Municipal de Loures) organisierte Event findet im Stadtpavillon „Pavilhão Paz e Amizade“ statt und wird wieder einmal die Schnecke (port.: caracol), die zu einem der typischsten portugiesischen Snacks gehört, kulinarisch darbieten.

Der Portugiese an sich isst für gewöhnlich die Schnecken (port.: caracois) im Sommer, gerne Mittags, als Zwischenmahlzeit, mit einem kühlen Bier.
Und wenn wir hier von Schnecken reden, dann meine ich nicht die Weinbergschnecken (port.: caracoleta), die der Franzose so gerne isst, sondern die kleinen normalen Schnecken, die in Deutschland bei jedem Gartenfreund als bekämpfungswürdige Schädlinge gelten.

In Loures wird die Schnecke aber nicht bekämpft, sondern kulinarisch in den verschiedensten Varianten dargeboten, wie z.B. als

- Schneckenkroketten (port.: Pasteis de Caracois)
- Gefüllte Paprika mit Schnecken (port. : Pimentos com Caracois)
- Gefüllter Schinken mit Schnecken (port.: Rolinhos de Presunto com Caracois)
- Schneckensuppe (port.: Sopa de Caracois)
- Gefüllte Kartoffeln mit Schnecken (port.: Batatas recheadas com Caracois)
- Schneckenquiche (port.: Quiche de Caracois)
- Spaghetti mit Tomaten-Schneckensoße (port.: Esparguette com molho de Caracois),

und noch vieles mehr.

Natürlich ist bei all diesen Rezepten den Schnecken das Haus schon nach dem vorkochen entfernt worden, denn sonst wäre das ganze ja keine kulinarische Köstlichkeit, sondern eher ein kulinarischer Alptraum.

Das Festival ist jeden Tag von 17 Uhr bis 24 Uhr geöffnet, an den Wochenenden sogar ab 16 Uhr.
Wer sich noch nie kulinarisch an diese kleinen Schleimer rangewagt hat, der sollte die nächsten Tage nach Loures fahren, um es dort auszuprobieren.
Denn dort wird es ihm leicht gemacht die Schnecke nicht von ihrer schleimigen, sondern auch mal von ihrer leckeren Seite zu bewundern.

Dienstag, 6. Juli 2010

Bedrohte Artenvielfalt






Heute wurde die neue „Rote Liste der bedrohten Tierarten in Portugal“ (port.: „Livro Vermelho dos Vertebrados de Portugal“) veröffentlicht.
Demnach leben zur Zeit, in Portugal und auf seinen Inseln, 399 verschiedene Vogelarten (port.: aves), 129 Säugetierarten (port.: mamíferos), 46 Reptilien (port.: répteis), 20 Amphibien (port.: anfíbios) und 73 verschiedene Flussfischarten (port.: peixes de água doce).

Von den 399 Vogelarten stehen leider 96 auf der Roten Liste, sind also somit vom Aussterben bedroht. Darunter sind der Fischadler (port.: Águia-pesqueira / lat.: Pandion haliaetus) und der Königsgeier (port.: Abutre-preto / lat.: Aegypius monachus).

Von den Säugern stehen 25 kurz vor der völligen Ausrottung, darunter der Iberische Luchs (port.: Lince-ibérico / lat.: Lynx pardinus), der Wolf (port.: Lobo / lat.: Canis lupus) und die Bergziege (port.: Cabra-montês /lat.: Capra pyrenaica).

Bei den Reptilien stehen z.B. die Furchenpanzerschildkröte (port.: Cágado-de-carapaça-estriada / lat.: Emys orbicularis) und die Seoaneviper (port.: Vibora de Seoane / lat.: Vipera seoanei) unter akuter Ausrottungsgefahr. Insgesamt 9 Reptilien stehen auf der Roten Liste.

Bei den Flussfischen sind fast 1/3 vom Aussterben bedroht, nämlich 22 Arten. Darunter sind der Flussneunauge (port.: Lampreia-do-rio / lat.: Lampetra fluviatilis), der Aal (port.: Enguia / lat.: Anguilla anguilla) und die Alse (port.: Sável / lat.: Alosa alosa).
Vor allem die Begradigung der Flüsse, die teilweise schlechte Wasserqualität und die vielen Staudämme machen diesen Wasserbewohnern ein überleben schwer.

Von den in Portugal lebenden 20 Amphibienarten sind glücklicherweise nur 2 Arten vom Aussterben bedroht, nämlich der Lusitanische Salamander (port.: Salamandra lusitânica / lat.: Chioglossa lusitanica) und der Plattmolch (port.: Tritão-palmado / lat.: Triturus helveticus). Alle 18 anderen sind in ihren Beständen einigermaßen sicher.

Der Tierschutz hat in den letzten Jahren in Portugal einen großen Auftrieb erhalten und viel Unterstützung.
Man geht heute mit der Umwelt, und somit auch mit dem Tierschutz, wesentlich konsequenter um.
So kommt es, dass heute weniger Tiere auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten aufgeführt werden als noch vor einigen Jahren.

Vor allem bei den endemischen Tierarten, d.h. Tierarten die nur in Portugal und den Inseln Madeira und Azoren vorkommen und sonst nirgendwo auf der Welt, gibt es in den letzten Jahren positive Zahlen zu vermelden.
So ist z.B. die Population des Madeira-Seelöwen, der nur auf einigen kleinen unbewohnten Inseln, die der Insel Madeira vorgelagert sind, vorkommt, in den letzten Jahren von durchschnittlich 200 Stück auf 240 Stück gewachsen.

Nichtsdestotrotz ist die biologische Artenvielfalt (port.: biodiversidade) in Portugal weiterhin in Gefahr!

Mittwoch, 30. Juni 2010

Sardinhada






Vor ein paar Tagen war ich zu einer „sardinhada“, in der Nähe von Abrantes, eingeladen.
Waltraut, eine liebe Freundin, hatte auf ihrer Quinta ein paar Leute um sich versammelt.

Was dem Amerikaner sein „Barbecue“, dem Brasilianer sein „churrasco“ und dem Deutschen seine „Grillparty“ ist, das ist für uns Portugiesen die „sardinhada“.
Aber im Gegensatz zum Barbecue, zum churrasco und zur Grillparty, wo überwiegend gegrilltes Fleisch oder Würstchen auf dem Grillrost liegen, spielt bei der sardinhada ein einziger Fisch die Hauptrolle.

Wie der Name schon erahnen lässt, handelt es sich hierbei um die Sardine. Sardinhada heißt nichts anderes als „gegrillte Sardinen“.
Nur mit Salz gewürzt, werden die Sardinen, ohne ausgenommen worden zu sein, fein säuberlich nebeneinander auf den Grillrost gelegt und dann von beiden Seiten leicht bräunlich gegrillt.

Man kann sie dann direkt vom Grill auf ein Stück Brot (Brot – kein Brötchen!) legen und verspeisen, oder man serviert die Sardinen mit Pellkartoffeln und einem Salat.
Mit einem guten Rotwein wird dann das ganze „runtergespült“.
Was früher ein Arme-Leute-Essen war, ist heute teilweise ein teurer Spaß.
Denn die Sardinenschwärme werden, durch die weltweit starke Überfischung, von Jahr zu Jahr immer weniger, und treiben so den Preis dieses Fisches in die Höhe.

Zum Lissabonner Stadtfest, dem Sankt Antonius Fest (port.: Festas de Santo António) z.B., kann es vorkommen, dass die Sardinen in den Gassen der Altstadt mal zu einem Stückpreis von zwei Euro verkauft werden, was für einen Sterblichen absoluter Wucher ist.
Denn normalerweise kostet ein Kilo Sardinen nicht mehr als drei oder vier Euro, und das sind gut ein Dutzend Sardinen.

Nichtsdestotrotz, handelt es sich bei einer sardinhada um eines der typischsten portugiesischen kulinarischen Erlebnisse.
Sollten sie jemals zu einer sardinhada eingeladen werden, lassen sie sich diesen Schmaus und dieses Gemeinschaftsgefühl nicht entgehen!

Dienstag, 29. Juni 2010

Den Pasteis de Nata total verfallen


Wie schon in meinem post „EXPO 2010“, vom 11. Mai dieses Jahres, berichtet, findet die diesjährige Weltausstellung EXPO 2010 in der chinesischen Handelsmetropole Shanghai (port.: Xangai) statt.
Der portugiesische Pavillon gehört, wenn man nach den stundenlangen Warteschlangen und den hohen Besucherzahlen geht, zu den beliebtesten der internationalen Pavillons auf dem Expogelände.

Man mag es aber kaum glauben, welches die größte Aktration des portugiesischen Pavillons in Shanghai ist?
Ich jedenfalls wollte es nicht glauben, als ich es heute in den Abendnachrichten hörte.
Die größte Aktration des Portugalpavillons sind die hierzulande ebenso beliebten „Pasteis de Nata“, die in Shanghai tausendfach jeden Tag in der eigenen Pavillonkonditorei hergestellt werden.

So berichtet Rolando Borges Martins, der Generalkommissar (port.: Comissário-Geral) des portugiesischen Pavillons, das seit dem 01. Mai 2010, dem Tag an dem die EXPO ihre Tore öffnete, bis heute, über 150.000 dieser kleinen Blätterteigcremetörtchen verkauft wurden, vor allem an die chinesischen Besucher. Um dem Ansturm Herr zu werden, wurde sogar ein Pasteis de Nata-Automat vor dem Eingang des Portugalpavillons aufgestellt, um so die langen Warteschlangen zu verkürzen.
Laut des Generalkommissars, ist dies „zweifellos“ ein Erfolg.

Handelt es sich hierbei aber nicht eher um einen „zweifelhaften“ Erfolg?
Angeblich sollen sich nämlich viele Chinesen nur stundenlang in die Schlange stellen, um dann die viel gepriesenen Törtchen zu probieren, und verzichten dann ganz auf einen Besuch des Pavillons.
Seien wir Portugiesen doch einmal ehrlich:
soll die einzige Erinnerung der Millionen Besucher der EXPO 2010 in Shanghai an den portugiesischen Pavillon nur ein Törtchen sein?

Noch etwas soll die chinesischen Besucher an den Portugalpavillon magisch anziehen: seine Korkfassade!

Da die Chinesen selbst Kork nicht produzieren, und selbst Flaschenkorken bei ihnen fast ausnahmslos aus Plastik bestehen, ist es zum leidigen „Volkssport“ auf dem Expogelände geworden, ganze Stücke von Kork von der Fassade des Portugalpavillons abzureißen.
So musste diese Woche eine Lieferung Korkplatten nach Shanghai geflogen werden, um den schon an manchen Stellen etwas nackten Pavillon, auszubessern.

Man stelle sich vor, der Pavillon wäre, so wie eine Art Knusperhäuschen aus dem Märchen der Gebrüder Grimm, mit Pasteis de Nata verkleidet, und nicht mit Kork.
Die Chinesen hätten diesen Pavillon garantiert zum Fressen gern…

Sommerfest 2010 der DEKL





Wie jedes Jahr, so fand auch dieses Jahr im Garten der Deutschen Evangelischen Kirchengemeinde zu Lissabon (port.: Igreja Evangélica Alemã em Lisboa) ein Sommerfest statt, dem zuvor ein ökumenischer Familiengottesdienst einherging.

Der 27. Juni 2010 war ein Tag mit herrlichem Sommerwetter, einer vollen Kirche, einem gutgelaunten Pastor Stalling mit einer originellen Predigt, schmackhaftem Essen, kühlen Getränken und einem schönen Gartenfest.

Für die musikalische Umrahmung des Tages sorgten Carina Lasch, Rute Martins und der neu gegründete Chor der Kirchengemeinde, dem ich seit seiner Gründung Anfang dieses Jahres, angehöre.
Die musikalische Leitung des Chors liegt in den Händen von Carina Lasch (unserem Hauptfeldwebel, wie ich sie liebevoll nenne).
Wir sangen an diesem Festtag die Lieder „Was Gott tut, das ist wohl getan“ und „Oh happy day!“.

Obwohl mir im Augenblick, wegen eines Todesfalls in der Familie (bitte lesen sie hierzu auch mein post „In memoriam: Raul Rodrigues Pires, vom 07. Juni 2010), wahrlich nicht nach dem singen von „Oh happy day!“ zumute war, so muss ich doch gestehen, das das vortragen dieses Liedes hinterher für mich doch befreiend war.

Auch den anderen Besuchern des Gottesdienstes muss das Lied recht gut gefallen haben, denn das anschließende Fest im Gemeindegarten war ein voller Erfolg.
So schlecht können wir also gar nicht gesungen haben…

Das Sommerfest 2010 ist nun Geschichte.
Jetzt arbeiten wir auf das Fest im kommenden Jahr hin, einem besonderen Fest.
Denn dann wird die Deutsche Evangelische Kirchengemeinde Lissabon ihren 250 Geburtstag feiern.

Samstag, 26. Juni 2010

Tod eines Schriftstellers


Vor genau einer Woche verstarb der portugiesische Schriftsteller José Saramago.
Ich habe noch nie sehr viel von Saramago und seinen Werken gehalten.
Als Schriftsteller fand ich ihn eher Mittelmäßig, um nicht zu sagen schlecht.
Wie Saramago 1998 zu seinem Nobelpreis für Literatur kam, ist mir bis heute ein Rätsel geblieben.
Und als Mensch, obwohl ich ihn nie persönlich kennen gelernt habe, war er mir, was seine politischen und sozialen Einstellungen anging, eher suspekt und peinlich, als vertrauenswürdig.

Aber da man ja über Tote weder schlecht reden noch schlecht schreiben sollte, werde ich versuchen mich mit Kritik an diesem erzkonservativen Kommunisten zurückzuhalten, der für sich in Anspruch nahm, die „Stimme Portugals“ zu sein.
Wo ich mich allerdings nicht zurückhalten kann, ist über die Art und Weise, wie nun hier in Portugal, nach seinem Tod, die Presse und die Politik mit Saramagos Tod umgeht, ihn ja schon fast in den Himmel emporhebt und verehrt.

So hat gestern António Costa, der Bürgermeister von Lissabon, öffentlich verkündet, dass die Asche von Saramago in Lissabon bleiben soll, und zwar genau vor der Casa dos Bicos, wo sich die Stiftung Saramago befindet, begraben unter einem jahrhundert alten Olivenbaum, welches extra aus seinem Heimatort Azinhaga, herbeigebracht werden soll.
Dies alles gibt mir langsam das Gefühl, dass der Tod Saramagos, einem Mann der sich zu Lebzeiten provokativ von Portugal abwandte, um auf der spanischen Atlantikinsel Lanzerote zu leben, langsam zu so etwas wie einer Heiligsprechung eines Atheisten entwickelt.
Und das ist mir, und vielen meiner Landsleute, zuwider.

Die Zeitungen und Fernsehsender, die noch vor Monaten über Saramago lästerten, seine Bücher teilweise zerrissen und ihn für seine „Portugalfeindlichkeit“ kritisierten, diese selben Zeitungen und Fernsehsender füllen seit einer Woche ganze Seiten und Sendezeiten mit Huldigungen an ihn.

Natürlich ist das alles eine Sache des Geschmacks, so auch Saramagos Werke.
Man liest sie gerne, oder man liest sie eben nicht.
Fakt ist, das Saramago, noch vor Fernando Pessoa und Camões, heute der meistgelesene Schriftsteller Portugals im Ausland ist.
Vor allem in der Dritten Welt, wo er als ein Demokrat und Freiheitskämpfer gilt, wird Saramago wie eine Art Literaturgott verehrt.

Aber trotz aller Verehrungen und trotz all der Huldigungen die über Saramago jetzt nach seinem Tod geschrieben werden, darf man nicht in Versuchung geraten, aus Saramago das zu machen, was er in Wirklichkeit nie war: nämlich ein „Demokrat“ und „Freiheitskämpfer“.
Außer die hier verwendeten Begriffe wie „Demokratie“ und „Freiheitsliebe“ werden auf die marxistisch-leninistische Doktrin reduziert.
Eine Doktrin, die alleine im 20. Jahrhundert Millionen von Menschen Elend, Hunger, Leid, Verfolgung und den Tod gebracht hat.
Eine Doktrin die Saramago, wohlgemerkt, nie kritisiert hat und auf die er ein Leben lang stolz war!

Deshalb, wer Saramago ehren will, der darf nicht nur seine Bücher als Maß aller Dinge nehmen, sondern muss vor allem seine Biografie genau studieren.

Ein Mann, der zu Lebzeiten die Politik Nordkoreas Beispielhaft nannte und der die Festnahe kubanischer Regimegegner als notwendig erachtete, der mag zwar mit ach und krach einen Literaturnobelpreis verdient haben, aber niemals eine letzte Ruhestätte in der portugiesischen Hauptstadt.
Eine Ruhestätte die mit der Zeit dann wohl zum marxistisch-leninistischen Anlaufpunkt mutieren wird.
Auf Lanzerote, der Insel die Saramago so sehr geliebt hat und auf der er die letzten Jahre seines Lebens verbracht hat, wäre noch viel Platz für seine Beisetzung gewesen.

Freitag, 18. Juni 2010

Sommerfestivals für jeden Geschmack


Kaum ist der große Musikevent „Rock in Rio“ hier in Lissabon vorbei, da stehen schon andere Sommerkonzerte und Musikveranstaltungen hier in Portugal vor der Tür.
Von Paredes de Coura im Norden, über Lissabon, Cascais und Sesimbra im Zentrum, bis hin nach Loulé, Sagres und Zambujeira do Mar im Süden, werden in den nächsten Sommerwochen hier in Portugal Megakonzerte stattfinden.

Hier nun ein paar Konzertdatendaten und Eintrittspreise für die Musikveranstaltungen die in den kommenden Wochen stattfinden werden:

- In Loulé, an der Algarve, findet vom 23. - 26. Juni das „MED 2010“ statt, eine Musikveranstaltung mit den unterschiedlichsten Musikrichtungen. Auftreten werden beim MED unter anderen King Khan and the Shrines, Amparo Sanchéz und Goran Bregovic. Die Tageskarte kostet 12,50 €.

- Das „Cool Jazz Fest“ wird vom 01. – 29. Juli in Cascais steigen. Wie der Name schon andeutet ist dieses Musikevent völlig dem Jazz verschrieben. Auftreten werden in Cascais Regina Spektor, Norah Jones, Diana Krall, Elvis Costello und noch viele andere. Preis noch unbekannt.

- Das „Delta Tejo Festival“, gesponsert von einem der größten Kaffeehäuser der Welt, ist Künstlern und Musikern aus Ländern wie Brasilien, Kolumbien, Angola gewidmet, Länder die Kaffeeproduzenten sind. Auftreten werden beim „Delta Tejo Festival“ in Lissabon vom 02. – 04. Juli unter anderem Ana Moura, Shaggy und die Gruppe Puto Prata. Preis noch unbekannt.

- In Estoril steigt vom 02. – 11. Juli der „Estoril Jazz“. „Estoril Jazz“ ist voll und ganz dem Jazz gewidmet. Für 30,00 € kann man unter anderem Renee Rosnes, das Charles Lloyd New Quartet und die Dee Dee Bridgewater singen hören.

- Pearl Jam, La Roux und LCD Soundsystem sind einige der Gruppen, die vom 08. – 10. Juli beim „Optimus Alive“ in Algés ihren Auftritt haben werden. Die Tageskarte wird 50,00 € kosten und die 3-Tageskarte wird für 90,00 € zu haben sein.

- Der diesjährige „Super Rock – Super Bock“, eines der größten Festivals des Sommers, wird dieses Jahr vom 16. – 18. Juli in der Praia do Meco, bei Sesimbra, steigen, mit Stars wie die Pet Shop Boys und Prince. Die Tageskarte kostet hier 40,00 € und für die drei Tage muss man 70,00 € berappen. Aber es lohnt sich allemal.

- Wer alternative Musik mag, der wird im nördlichen Tabuão beim Konzert “Paredes de Coura” voll auf seine Kosten kommen. Vom 28. – 30. Juli treten hier Künstler wie Best Coast, Memory Tapes, Vivian Girls, Peter Hook und The Prodigy auf. Der Eintrittspreis ist mir noch unbekannt.

- Eines der berühmtesten Sommerfestivals des Landes wird vom 04. – 08. August in Zambujeira do Mar stattfinden, das „Sudoeste TMN“. Auf vier Bühnen treten unter anderem die Sänger und Gruppen Sugababes, Diabo na Crúz, Massive Attack, Mica und Jamiroquai auf. Die Tageskarte wird 40,00 € kosten, 80,00 € kostet die 4-Tageskarte.

- In Sagres, in der Praia do Tonel, steigt an zwei Tagen, dem 12. und 13. August der „Super Bock Surf Fest“. Wie der Name schon andeutet dreht sich bei diesem Musikkonzert alles um das Surfen. Und so ist dann die Musik sehr reggae, sehr sommerlich, sehr locker. Für 25,00 € am Tag kann man coole Musik hören und sich mit Beachboys und Surfernixen über Wellen, das Meer und Surfbretter austauschen.

Alle Konzertdaten die ich hier aufgeführt habe, stehen so ziemlich fest.
Was die Eintrittspreise angeht, so sind diese hier leider ohne Gewähr, denn selbst nach mehrmaligen Anfragen bei einigen Veranstaltern, konnten mir viele nicht den genauen Eintrittspreis nennen.
Allen meinen Lesern wünsche ich einen wunderschönen Sommer!

Dienstag, 15. Juni 2010

Nerventötende Vuvuzelas


Als sich vor Tagen Portugals Fußballstar Cristiano Ronaldo, bei einer Pressekonferenz in Magaliesburg, über die südafrikanischen Traditions-Tröten, die Vuvuzelas, erbost ausließ, und meinte ein Spielen bei dem höllischen Lärm dieser Tröten wäre fast unmöglich, hielt ich das zuerst für „Starallüren“ eines verwöhnten Fußballers, der es gewohnt ist, das alle nach seiner Pfeife tanzen, und nicht er nach den Tönen der Vuvuzelas.

Als ich aber vorgestern im Fernsehen, das WM-Spiel Deutschland gegen Australien sah, welches in Durban stattfand und von den Deutschen mit 4 : 0 gewonnen wurde, und heute das Spiel Portugal gegen die Elfenbeinküste, das mit einem entmutigendem 0 : 0 in Port Elizabeth endete, so konnte ich dies nur tun, in dem ich die Lautsstärke des Fernsehers etwas höher stellte als normal.
Denn sonst wären die Kommentatoren der Spiele, überhaupt nicht zu verstehen gewesen.
Die Vuvuzelas übertönten jeden Kommentar, jedes einzelne Wort.
Eigentlich war außer diesem ständigen Tröten so gut wie nichts zu hören und ich muss auch zugeben das das Tröten der Vuvuzelas so durchdringend war, das ich diese Dauerbeschallung auch jetzt, eine Stunde nach dem Portugalspiel, mental gar nicht ignorieren kann.

Und so muss ich ehrlich zugeben, dass wenn ich, als Zuschauer, Schwierigkeiten habe den Kommentaren eines Fußballspieles zu folgen, weil tausende Tröten eine unangenehme Geräuschkulisse schaffen, um wie viel schwerer müssen es da die Spieler auf dem Platz haben, die sich dann ja nicht untereinander verständigen können oder gar den Schiedsrichter nicht hören oder den Trainer?

Laut den Südafrikanern sind die Plastiktröten ein Teil der afrikanischen Fußballkultur, was auch immer sie darunter verstehen mögen.
Nun wir hier in Europa haben die Fan-Gesänge und die La Ola-Welle.
Während aber die Gesänge und die Welle dem jeweiligen Spiel eher Dynamik und positive Impulse geben, überdecken die Vuvuzelas jede spontane, akustische Emotion einer Partie.

Wir werden uns wohl oder übel, falls die Vuvuzelas nicht in den Stadien verboten werden, die nächsten vier Wochen an „90 Minuten-Tröten“ bei jedem Fußballweltmeisterschaftsspiel gewöhnen müssen.

Aber so gesehen, haben Cristiano Ronaldo und die anderen jetzt schon eine Ausrede parat, wenn sie vorzeitig aus dem Turnier ausscheiden.
Sie können es jederzeit auf die Vuvuzelas, die nerventötenden Vuvuzelas, schieben!

Magaliesburg


Die Portugiesische Nationalmannschaft (port.: „selecção“) hat ihr Hauptquartier in der südafrikanischen Kleinstadt Magaliesburg (port.: Magaliesburgo / dt.: Magaliesburg) aufgeschlagen, und dort, in der Nähe von Johannesburg (port.: Joanesburgo) bereiten sich die Nationalspieler Portugals auf ihren ersten Auftritt bei dieser Fußballweltmeisterschaft 2010, in Südafrika, vor.

Obwohl Portugal, vor jeder anderen Nation der Welt, schon vor 600 Jahren im südlichen Afrika präsent war, und Städte wie Kapstadt (port.: Cidade do Cabo / engl.: Cape Town) und das heutige Port Elizabeth (port.: Porto Elisabete) auf eine portugiesische Gründung zurückgehen, ist Magaliesburg für die meisten Portugiesen, auch für mich, bis zu dieser Weltmeisterschaft, kein Begriff gewesen.

Magaliesburg liegt zu Füßen der Magaliesberge, von denen die Stadt auch ihren Namen erhalten hat, in der südafrikanischen Provinz Guateng.
Nördlich der Metropole Jahannesburg gelegen, hat die Kleinstadt nur etwa 5000 Einwohner, davon schätzungsweise nicht mehr als 200 Portugiesen.

Doch seitdem die Portugiesische Nationalmannschaft im luxuriösen Hotel „Valley Lodge“ von Magaliesburg residiert, bevölkern tausende Portugiesen die Kleinstadt und das örtliche Fußballstadion, um die Mannschaft bei ihren täglichen Trainingsspielen moralisch, farblich und akustisch zu unterstützen. Ganz Magaliesburg ist in den Nationalfarben Portugals, grün und rot, getaucht.

Sogar eine kleine Brücke im Stadtzentrum wurde von portugiesischen Fans grün-rot angestrichen, und ist seit kurzem die Attraktion der Stadt.
Die Stadtverwaltung von Magaliesburg war zuerst nicht besonders angetan von diesem „Vandalismus“, hat dann aber beschlossen die Brücke bis zum Ende der Weltmeisterschaft in den portugiesischen Farben zu belassen.

Der Handel ist, so habe ich gelesen, um über 30 % gestiegen, seitdem die Portugiesen in der Stadt sind.
Und welche Stadtverwaltung will sich schon wegen einer angemalten Brücke, dieses Geschäft mit den portugiesischen Fans entgehen lassen?
Schließlich ist auch in Südafrika die Krise angekommen!

Die Portugiesische Fußballföderation hat das Hotel, in dem die Nationalspieler abgestiegen sind, bis zum 11. Juli, dem Tag des Endspiels, reserviert.
Bleibt zu hoffen dass sich die Geschäfte für die Bürger Magaliesburgs bis zu diesem Tag lohnen werden.
Es wäre ein wunderbares Omen!

Montag, 7. Juni 2010

In memoriam: Raul Rodrigues Pires


Ich schaue hinauf zu den Bergen – woher kann ich Hilfe erwarten?
Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat!
Der Herr wird nicht zulassen dass du fällst; er dein Beschützer schläft nicht.
Ja, der Beschützer Jerusalems schläft und schlummert nicht.
Der Herr gibt auf dich Acht; er steht dir zur Seite und bietet dir Schutz vor drohenden Gefahren.
Tagsüber wird dich die Sonnenglut nicht verbrennen, und in der Nacht wird der Mond dir nicht schaden.
Der Herr schützt dich vor allem Unheil, er bewahrt dein Leben.
Er gibt auf dich Acht, wenn du aus dem Hause gehst und wenn du wieder heimkehrst. Jetzt und für immer steht er dir bei!

(Psalm 121, 1-8)

Zum Gedenken an Raul Rodrigues Pires (geb. in Lissabon, 20. Mai 1942), meinen Onkel, Patenonkel und Freund, der am letzten Freitag, dem 04. Juni 2010, plötzlich und unerwartet, von uns gegangen ist.
Ich werde ihn nie vergessen!


Á memória de Raul Rodrigues Pires

Elevo os meus olhos para os montes; de onde me virá o socorro?
O meu socorro vem do Senhor, que fez o céu e a terra.
Não deixará vacilar o teu pé; aquele que te guarda não tosquenejará.
Eis que não tosquenejará nem dormirá o guarda de Israel.
O Senhor é quem te guarda; o Senhor é a tua sombra e a tua direita.
O sol não te molesterá de dia nem a lua de noite.
O Senhor te guardará de todo o mal, ele guardará a tua alma.
O Senhor guardará a tua entrada e a tua saída, desde agora e para sempre!

(Salmo 121, 1-8)

Á memória de Raul Rodrigues Pires, (nas. Lisbao, 20 de Maio de 1942), meu estimado tio, padrinho e grande amigo, que faleceu nesta última sexta-feira, 04. de Junho 2010, e que deixa um enorme vazio no meu coração!

Mittwoch, 2. Juni 2010

Zum 1. Geburtstag von Planet Portugal


Man nehme ein halbes Pfund der schönsten Strände Europas, ein halbes Pfund weiter Ebenen mit Korkeichen- und Pinienwäldern, und zwei Teelöffel einer Kapitale mit alter Weltstadtatmosphäre.
Das Ganze in einem dreiviertel der besten süßen und roten Weine der Welt langsam quellen lassen und dann reichlich Kulturgewürz hinzugeben.
Je nach Geschmack ein paar Spritzer politisches Bittermandel-Essenz und eine Messerspitze Saudade.
Das Ganze gut durchrühren und auf der von der EU verordneten Sparflamme langsam gar kochen lassen.
Das fertige Gericht garniere man mit locker geschlagenem Optimismus und einer Prise Humor…

Sieht es wirklich so aus, mein Portugal?
Sicherlich, die Zutaten stimmen schon.
Und es gibt noch eine Menge anderer die Appetit machen.
Doch „kochen“ muss sich jeder, so glaube ich, Portugal schon selber.

Als ich vor genau einem Jahr, am 03. Juni 2009, anfing „Planet Portugal“ zu schreiben, wollte ich jedem der Interesse an meinem Heimatland hat, „Rezepte anbieten“, wollte jedem zeigen, was es hier im Land der Entdecker zu entdecken gibt.

Alleine die geschichtlichen und kulturellen Angebote meines Heimatlandes sind so umfangreich, dass auch der längste Urlaub nicht ausreicht, alles zu sehen und zu hören.
Die Gastronomie bietet Vielfältiges für jeden Gaumen und jeden Geldbeutel: von der einfachen „Bifana“ im Stehcafé an der Ecke, über den „Pastel de Nata“ in Belém bis zum Diner im Salon des Ritz-Hotels in Lissabon.
Das Nachtleben, die Feste und regionalen Feierlichkeiten sind auch nicht ohne und die vielen Strände und die historischen Städte alle Mal einen Ausflug wert.

Mir wurde einmal gesagt ich würde sehr kreativ und informativ über Portugal und seine Geschichte, seinen Alltag, seine Bürger, seine Politik und seine Gefühle in diesem Blog schreiben.

Aber diese Kreativität war mir nur möglich, weil ich den Lesern von „Planet Portugal“ immer mit „offenen Augen“ begegnete.
Ihre und Eure Anregungen und vor allem der vorgebrachte Lob, aber auch die Kritik, haben mich immer bestärkt weiter zu schreiben.
Deshalb möchte ich Sie und Euch einladen, mir auch in Zukunft Anregungen, Ideen und Empfehlungen zukommen zu lassen.

Hier in Portugal ist manches anders als anderswo – im Positiven wie im Negativen.
Es zu entdecken lohnt sich alle mal.
Ich hoffe „Planet Portugal“ ist meinen Lesern eine Hilfe dabei.

Danke für Ihre und Eure wunderbare Unterstützung in den letzten zwölf Monaten

Ângelo Paulo

Dienstag, 1. Juni 2010

Viva a Sardinha


Jetzt ist sie endlich da, die Zeit auf die wir Lissabonner ein ganzes Jahr lang gewartet haben.
Die Lissabonner Stadtfeste (port.: Festas de Santo António), zu ehren des Stadtheiligen Antonius, haben begonnen.

Die Feierlichkeiten werden zwar am 13. Juni ihren Höhepunkt erreicht haben, aber schon jetzt, so konnte ich heute mit eigenen Augen sehen, sind die Gassen und Plätze der Altstadt alle mit bunten Fähnchen, Girlanden, Lampions und Papierblumen geschmückt, und hier und da, riecht es auch schon nach gegrillten Sardinen.

Unter dem diesjährigen Motto „Viva a Sardinha“ (dt.: „Es lebe die Sardine“) hat die Zeit der Konzerte, der Partys (port.: „arraiais populares“), der Ausstellungen, der Grillfeste und der Ausgelassenheit begonnen.

Das Fest geht auf die Strasse, und die Stadt wird von uns Feiernden eingenommen!

Hier ein paar wichtige Veranstaltungen die anlässlich des Lissabonner Sankt Antoniusfestes dieses Jahr stattfinden:


- „Lounge Festas de Lisboa“ – bis zum 15. Juli im Kino Cinema de São Jorge, mit Konzerten, Partys und DJ´s

- „Fado nos Eléctricos“ – Fado in der Straßenbahn, an verschiedenen Tagen im Monat Juni

- „Art a bordo“ – vom 23 bis 27. Juni, Theateraufführung in den Zügen der Linie Lisboa/Cascais

- „Jazz às onze“ – Jazzmusik in den historischen Aufzügen der Stadt, an verschiedenen Tagen im Monat Juli, immer um 11 Uhr morgens und um 23 Uhr nachts

- „Noite de Santo António“ – die Nacht des Heiligen Antonius, vom 12. auf den 13. Juni. Diese Nacht ist der Höhepunkt des Lissabonner Stadtfestes

- „Festa do Fado“ – Fadomusik den ganzen Monat Juni, im Fadomuseum (port.: Museu do Fado)

- “Arraial Pride” – GayPride auf der Praça do Comércio am 26. Juni

- “Fado no Castelo” – Fadomusik auf der Georgsburg (port.: Castelo de São Jorge) immer Freitags und Samstags in den Monaten Juni und Juli

- „Marchas Populares“ – In der Nacht vom 12. auf den 13. Juni stellen sich die einzelnen Lissabonner Stadtteile jeweils mit einem Festzug und Musik dem Publikum und einer Jury vor. Diese küren dann die beste Präsentation, und somit den Stadtsieger

- „Casamentos de Santo António“ – wie jedes Jahr, so werden auch dieses Jahr 16 junge Paare sich das Ja-Wort in der Kathedrale von Lissabon (port.: Sé de Lisboa) geben, zu Ehren des Stadtheiligen, des Heiligen Antonius, der als Schutzpatron der Eheleute gilt. Die Kosten dieser Hochzeiten werden von der Stadt Lissabon getragen, die es somit diesen Paaren ermöglicht, eine Hochzeit zu feiern, die sie sich privat wohl nie leisten könnten

- außerdem werden in den Monaten Juni und Juli die verschiedensten Konferenzen, Debatten, Workshops, Aufführungen, Lesungen und Kinofilme in den einzelnen Lissabonner Theater, Kinos, Bibliotheken, Instituten und Museen stattfinden


Die Lissabonner Stadtfeste werden bis zum 15. Juli dauern.
Fast überall ist der Eintritt frei.
Mitgebracht werden muss, soweit ich aus eigener Erfahrung weiß, nur eine Menge gute Laune und Spaß!

Es gibt halt so Tage


Mit dem Titel „Há dias assim“, was ins Deutsche frei übersetzt so viel heißt wie „Es gibt halt so Tage“, hat am Samstag die junge Sängerin Filipa Azevedo für Portugal am Eurovision Song Contest, das dieses Jahr in der norwegischen Hauptstadt Oslo stattfand, teilgenommen.

Filipa, die mit einem wallenden Kleid, auf der riesigen Bühne etwas verloren, ihr Liedchen trällerte, brachte es auf den 18. Platz der 25 Finalteilnehmer.
Immerhin noch vor Nationen wie Norwegen, dem Vorjahressieger, Island, Irland und sogar Großbritannien, das es nur auf den letzten Platz schaffte.

Siegerin des Abends aber wurde die junge deutsche Lena Meyer-Landrut, die die Sensation perfekt machte, und den Grand Prix souverän gewann.
Mit dem Titel „Satellite“ kam die gerade mal 19 Jahre alte Abiturientin auf den 1. Platz, 28 Jahre nachdem eine gewisse Nicole mit dem Titel „Ein bisschen Frieden“ Europa für sich gewinnen konnte.

Lena war erst durch eine vom Fernsehmoderator Stefan Raab, im Februar, organisierten Casting-Show auf PRO7, entdeckt worden.
Bis dahin war Lena selbst in Deutschland vollkommen unbekannt.
Am Samstag, innerhalb von nur drei Minuten, denn so lange dauerte ihr Auftritt, eroberte sie, mit einem Augenzwinkern und viel Charme, ganz Europa.

Insgesamt bekam Lena 246 Punkte von den anderen Teilnehmernationen, darunter neun Mal die Höchstwertung „twelve points“.
Aus Portugal wurde gerade mal ein Punkt an sie vergeben.
Das zeigt, dass wir hier am Rande Europas, was den musikalischen Geschmack angeht, nicht gerade mit den anderen Nationen harmonieren.
Deshalb wohl auch das schlechte Abschneiden des portugiesischen Beitrags.
Ich werde das dumpfe Gefühl nicht los, das unsere Musik, unsere Balladen, kein Mensch hören will!

Lena dagegen, wird ab jetzt auf einer Sympathiewelle reiten, die gewaltig sein wird.
Hier in Portugal hat man ihr, wie schon geschrieben, nur einen Punkt gegeben. Aber heute habe ich dafür ihren Titel schon vier Mal im Radio gehört.
Ebenso habe ich heute gehört, das Lena nun eine Europatournee plant.
Wenn dem so ist, dann hoffe ich sie wird auch bei uns in Portugal vorbeischauen.

„Es gibt halt so Tage“ – so hieß der portugiesische Titel beim diesjährigen Grand Prix.
Und es ist wahr:
Es gibt halt so Tage, da wird man Sieger der größten Musikshow der Welt und erobert so nebenbei die Herzen Europas.
Und das ganze, ohne auch nur einmal eine Gesangsstunde genommen zu haben!
Ganz toll!!!

Gratulation Lena, Gratulation Deutschland!