Dienstag, 1. Juni 2010

Viva a Sardinha


Jetzt ist sie endlich da, die Zeit auf die wir Lissabonner ein ganzes Jahr lang gewartet haben.
Die Lissabonner Stadtfeste (port.: Festas de Santo António), zu ehren des Stadtheiligen Antonius, haben begonnen.

Die Feierlichkeiten werden zwar am 13. Juni ihren Höhepunkt erreicht haben, aber schon jetzt, so konnte ich heute mit eigenen Augen sehen, sind die Gassen und Plätze der Altstadt alle mit bunten Fähnchen, Girlanden, Lampions und Papierblumen geschmückt, und hier und da, riecht es auch schon nach gegrillten Sardinen.

Unter dem diesjährigen Motto „Viva a Sardinha“ (dt.: „Es lebe die Sardine“) hat die Zeit der Konzerte, der Partys (port.: „arraiais populares“), der Ausstellungen, der Grillfeste und der Ausgelassenheit begonnen.

Das Fest geht auf die Strasse, und die Stadt wird von uns Feiernden eingenommen!

Hier ein paar wichtige Veranstaltungen die anlässlich des Lissabonner Sankt Antoniusfestes dieses Jahr stattfinden:


- „Lounge Festas de Lisboa“ – bis zum 15. Juli im Kino Cinema de São Jorge, mit Konzerten, Partys und DJ´s

- „Fado nos Eléctricos“ – Fado in der Straßenbahn, an verschiedenen Tagen im Monat Juni

- „Art a bordo“ – vom 23 bis 27. Juni, Theateraufführung in den Zügen der Linie Lisboa/Cascais

- „Jazz às onze“ – Jazzmusik in den historischen Aufzügen der Stadt, an verschiedenen Tagen im Monat Juli, immer um 11 Uhr morgens und um 23 Uhr nachts

- „Noite de Santo António“ – die Nacht des Heiligen Antonius, vom 12. auf den 13. Juni. Diese Nacht ist der Höhepunkt des Lissabonner Stadtfestes

- „Festa do Fado“ – Fadomusik den ganzen Monat Juni, im Fadomuseum (port.: Museu do Fado)

- “Arraial Pride” – GayPride auf der Praça do Comércio am 26. Juni

- “Fado no Castelo” – Fadomusik auf der Georgsburg (port.: Castelo de São Jorge) immer Freitags und Samstags in den Monaten Juni und Juli

- „Marchas Populares“ – In der Nacht vom 12. auf den 13. Juni stellen sich die einzelnen Lissabonner Stadtteile jeweils mit einem Festzug und Musik dem Publikum und einer Jury vor. Diese küren dann die beste Präsentation, und somit den Stadtsieger

- „Casamentos de Santo António“ – wie jedes Jahr, so werden auch dieses Jahr 16 junge Paare sich das Ja-Wort in der Kathedrale von Lissabon (port.: Sé de Lisboa) geben, zu Ehren des Stadtheiligen, des Heiligen Antonius, der als Schutzpatron der Eheleute gilt. Die Kosten dieser Hochzeiten werden von der Stadt Lissabon getragen, die es somit diesen Paaren ermöglicht, eine Hochzeit zu feiern, die sie sich privat wohl nie leisten könnten

- außerdem werden in den Monaten Juni und Juli die verschiedensten Konferenzen, Debatten, Workshops, Aufführungen, Lesungen und Kinofilme in den einzelnen Lissabonner Theater, Kinos, Bibliotheken, Instituten und Museen stattfinden


Die Lissabonner Stadtfeste werden bis zum 15. Juli dauern.
Fast überall ist der Eintritt frei.
Mitgebracht werden muss, soweit ich aus eigener Erfahrung weiß, nur eine Menge gute Laune und Spaß!

Es gibt halt so Tage


Mit dem Titel „Há dias assim“, was ins Deutsche frei übersetzt so viel heißt wie „Es gibt halt so Tage“, hat am Samstag die junge Sängerin Filipa Azevedo für Portugal am Eurovision Song Contest, das dieses Jahr in der norwegischen Hauptstadt Oslo stattfand, teilgenommen.

Filipa, die mit einem wallenden Kleid, auf der riesigen Bühne etwas verloren, ihr Liedchen trällerte, brachte es auf den 18. Platz der 25 Finalteilnehmer.
Immerhin noch vor Nationen wie Norwegen, dem Vorjahressieger, Island, Irland und sogar Großbritannien, das es nur auf den letzten Platz schaffte.

Siegerin des Abends aber wurde die junge deutsche Lena Meyer-Landrut, die die Sensation perfekt machte, und den Grand Prix souverän gewann.
Mit dem Titel „Satellite“ kam die gerade mal 19 Jahre alte Abiturientin auf den 1. Platz, 28 Jahre nachdem eine gewisse Nicole mit dem Titel „Ein bisschen Frieden“ Europa für sich gewinnen konnte.

Lena war erst durch eine vom Fernsehmoderator Stefan Raab, im Februar, organisierten Casting-Show auf PRO7, entdeckt worden.
Bis dahin war Lena selbst in Deutschland vollkommen unbekannt.
Am Samstag, innerhalb von nur drei Minuten, denn so lange dauerte ihr Auftritt, eroberte sie, mit einem Augenzwinkern und viel Charme, ganz Europa.

Insgesamt bekam Lena 246 Punkte von den anderen Teilnehmernationen, darunter neun Mal die Höchstwertung „twelve points“.
Aus Portugal wurde gerade mal ein Punkt an sie vergeben.
Das zeigt, dass wir hier am Rande Europas, was den musikalischen Geschmack angeht, nicht gerade mit den anderen Nationen harmonieren.
Deshalb wohl auch das schlechte Abschneiden des portugiesischen Beitrags.
Ich werde das dumpfe Gefühl nicht los, das unsere Musik, unsere Balladen, kein Mensch hören will!

Lena dagegen, wird ab jetzt auf einer Sympathiewelle reiten, die gewaltig sein wird.
Hier in Portugal hat man ihr, wie schon geschrieben, nur einen Punkt gegeben. Aber heute habe ich dafür ihren Titel schon vier Mal im Radio gehört.
Ebenso habe ich heute gehört, das Lena nun eine Europatournee plant.
Wenn dem so ist, dann hoffe ich sie wird auch bei uns in Portugal vorbeischauen.

„Es gibt halt so Tage“ – so hieß der portugiesische Titel beim diesjährigen Grand Prix.
Und es ist wahr:
Es gibt halt so Tage, da wird man Sieger der größten Musikshow der Welt und erobert so nebenbei die Herzen Europas.
Und das ganze, ohne auch nur einmal eine Gesangsstunde genommen zu haben!
Ganz toll!!!

Gratulation Lena, Gratulation Deutschland!

Samstag, 29. Mai 2010

Telefonkrieg


Der Vetrag von Tordesilhas (port.: Tratado de Tordesilhas / span.: Tratado de Tordesillas), im Jahre 1494 zwischen Portugal und Spanien abgeschlossen, teilte die damals „schon entdeckte und noch zu entdeckende Welt“ zwischen den beiden Königreichen „gerecht“ auf.
Was damals, Ende des 15. Jahrhunderts, die zwei Weltmächte Portugal und Spanien dazu bewegte eine imaginär Grenzlinie auf dem neuen Globus zu ziehen, und somit die Weltkugel in zwei Hälften zu teilen, waren die zu erwartenden Geschäfte und der lukrative Handel den die „noch zu entdeckende Welt“ wohl den beiden Nationen zu bieten hatte.

Damals waren Portugal und Spanien nämlich die einzigen Länder, die sicher daran glaubten, das die Welt rund sei, und nicht etwa eine flache Scheibe, so wie es andere Nationen, wie die deutsche, die englische oder die französische zu dieser Zeit fest behaupteten.

Und so war diese Aufteilung der Welt, in einen portugiesischen und in einen spanischen Machtbereich, so gesehen, der größte „Handelsvertrag“ der damaligen Welt, obwohl es die Welt, so wie wir sie heute kennen, damals noch gar nicht gab, oder besser gesagt, keiner konnte wissen das es sie gab.
Aber Portugal und Spanien ahnten damals schon, zwei Jahre nach der Entdeckung Amerikas, das diese Welt rund, immens groß und wertvoll sein musste.

Aber genauso wenig wie die Spanier sich dann im laufe der Jahre an den Vertrag von Tordesilhas hielten, genauso wenig halten sich die Spanier heute oftmals an Verträgen die in unserer Zeit abgeschlossen werden.

Eines dieser Verträge, ist der zwischen den zwei iberischen Telefongiganten Portugal Telecom (PT) und Telefónica España, abgeschlossene Vivo-Vertrag.
In diesem Vertrag gründen die zwei Widersacher gemeinsam im Jahre 2001 den Mobilfunkanbieter Vivo in Brasilien und teilten sich bis dato die Kontrolle über den boomenden Telefonmarkt in Brasilien.

Bis jetzt funktionierte die Zusammenarbeit zwischen den beiden iberischen Telefonanbietern eigentlich recht gut.
Aber nun, in Zeiten einer weltweiten Krise, will sich Spanien Vivo ganz einverleiben, und sich das Brasiliengeschäft alleine unter den Nagel reißen.
Ein Zusammenschluss von Vivo und Telefónica würde für die Spanier Gewinne in Milliardenhöhe bringen, zumal damit zu rechnen ist, das der Markt in Brasilien, mit der Fußballweltmeisterschaft 2014 und den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016, ins unermessliche steigen wird.

Da ist es klar, dass sich die portugiesische Telecom aus diesem Geschäft nicht rausdrängen lassen will, schließlich ist auch in Portugal die Krise angekommen.
Als gleichberechtigter Partner der Spanier weigert sich Portugal Telecom seine Aktien an die Spanier zu verkaufen.

Wie jeder Spanier, so sind auch die Manager von Telefónica, es nicht gewohnt von Portugiesen ein „Nein“ zu erhalten.
Und so droht jetzt Telefónica offen mit einer feindlichen Übernahme von Portugal Telecom, an der sie immerhin mit 10% beteiligt sind, wenn Portugal nicht einlenkt.
Ein „Telefonkrieg“ droht, wie die portugiesische Tageszeitung „Publico“ in ihrer gestrigen Ausgabe schrieb.

Der Vorstandsvorsitzende von Portugal Telecom, Zeinal Bava, hat heute aber verlautbaren lassen, das er sich keinesfalls dem Druck der Spanier beugen wird, und für diesen „Telefonkrieg“ gewappnet ist.
Er weiß das die meisten portugiesischen Großaktionäre, wie die beiden Banken Banco Espirito Santo und Caixa Geral de Depósitos, fest hinter ihm stehen, ebenso wie die portugiesische Regierung, um nicht zu sagen ein ganzes Volk.

Eines wird bei dieser Auseinandersetzung leider mal wieder klar:
Hier geht es nicht nur um Wirtschaftspolitik, sondern hier geht es wieder einmal darum das Spanien sich nicht an Verträge hält, Abmachungen aus nationalem Stolz ignoriert und das sie, wie schon so oft in der Geschichte, Portugal einfach übergehen wollen.

Aber im Gegensatz zu den Zeiten als der Vertrag von Tordesilhas abgeschlossen wurde, gibt es heute keine „noch zu entdeckende Welt“ mehr.
Die Welt, zumal die wirtschaftliche, ist heute demaskiert, so demaskiert wie Telefónica España sich in diesem Fall präsentiert.

Freitag, 21. Mai 2010

Rock in Rio in Lisbon – por um mundo melhor!


Dieses Wochenende ist dass Megaevent „Rock in Rio“ wieder in der Hauptstadt Portugals zu Gast.
Als ihm Jahre 1985 die brasilianischen Metropole Rio de Janeiro zum ersten Mal Gastgeber dieses Musikspektakels war, konnte noch keiner Ahnen welche Ausmaße dieses Event einmal im Jahre 2010 haben würde. Dreimal, 1985, 1991, 2001, war die Traumstadt am Zuckerhut Gastgeber des gigantischen Spektakels, bevor der Event aus wirtschaftlichen Gründen nach Europa verlegt wurde.

Vor mehr als 30 Jahren schickte sich der brasilianische Industrielle Roberto Medina an, große Musikveranstaltungen zu realisieren, um damit das Vermächtnis seines Vaters, Abraão Medina, zu ehren, der es wie kein anderer verstand, das Potential von Rio de Janeiro für den Tourismus auszuschöpfen, mit einer Serie von Veranstaltungen, die in die Geschichte der Stadt eingegangen sind.

So entstand die Idee zu „Rock in Rio“.
Um dieses Musikevent zu organisieren, führte Medina über alle Grenzen hinweg, Gespräche und Verhandlungen mit internationalen Konzertagenten und Journalisten, um sie vom Erfolg seines Vorhabens zu überzeugen.
Und es gelang ihm dann, einige der größten Stars der internationalen Musikszene in die Stadt zu verpflichten, die er später selber „Cidade do Rock“ (dt.: Stadt des Rock) taufte.

In Lissabon hatte „Rock in Rio“ bereits einen Beinamen.
Aus dem Festival „Rock in Rio“ war nun „Rock in Rio – Por um mundo melhor“ (dt.: „Rock in Rio – für eine bessere Welt“) geworden.
Das Festival war nun so groß geworden, das es bei den Konzerten nicht mehr nur um Musik ging, sondern vor allem auch um soziales Engagement und soziale Projekte.
Die Veranstaltung war zur besten Gelegenheit geworden Musiker und Menschen aller Schichten und Klassen für eine „bessere Welt“ zu mobilisieren, wie z.B. das Schulwesen in der Dritten Welt, den Umwelt- und den Klimaschutz, den Kampf gegen den Hunger, usw.

1985 traten bei „Rock in Rio“, unter anderem, die unvergessliche Gruppe Queen auf, sowie die Scorpions, AC/DC, Nina Hagen, Rod Stewart und die große Tina Turner.

Beim zweiten „Rock in Rio Festival“ im Jahre 1991 füllten Gruppen und Sänger wie Guns N’ Roses, Billy Idol, George Michael, die New Kids on the Block und die norwegische Popband a-ha mehrmals das riesige Stadion Maracanã.

Zehn Jahre später, 2001, beim dritten „Rock in Rio“, kamen unter anderem die Red Hot Chili Peppers, Britney Spears, R.E.M. und die Boygroup NSYNC zusammen.

2004 fand der Event zum ersten Mal in Lissabon statt. Hier kamen die Musiklegenden Paul McCartney und Peter Gabriel unter anderem mit Metallica, den Black Eyed Peas und Britney Spears zusammen.

Zwei Jahre später, bei der fünften Ausgabe von „Rock in Rio“ im Jahre 2006, standen unter anderem die Red Hot Chili Peppers, die Guns N' Roses, Santana und Shakira auf den einzelnen Bühnen.

2008, als sich Lissabon und Madrid das Musikspektakel teilten traten unter anderem Künstler wie Amy Winehouse, Bon Jovi, Alanis Morissette, Lenny Kravitz, Ivete Sangalo, The Police, Shakira und Alejandro Sanz auf.

Und dieses Jahr, in dem die „Rock in Rio Familie“ zum siebten Mal zusammenkommt, sind Bands und Künstler wie Shakira, Motorhead, die Fadosängerin Mariza, Ivete Sangalo, Ramstein, Muse, Xutos & Pontapés und Elton John angesagt.

Der weltgrößte, regelmäßig stattfindende Musikevent wird am heutigen Freitag, den 21. Mai 2010 beginnen, und er wird sich bis zum kommenden Wochenende, dem 30. Mai 2010, hinziehen.

Rock in Rio in Lisbon – por um mundo melhor!

Dienstag, 18. Mai 2010

Die Last mit dem Euro


In dem Moment in dem sich der Präsident der Europäischen Zentralbank (port.: Banco Central Europeu), Jean-Claude Trichet, vor den Kameras der Welt hinsetzt, und mit betretenem Gesichtsausdruck uns allen mitteilt, das wir hier in Europa im Augenblick die schwierigste wirtschaftliche Situation seit dem Zweiten Weltkrieg durchleben (als ob wir das nicht schon wüsten!...), versammeln sich die Griechen in den Straßen Athens wieder zum demonstrieren, oder was auch immer sie unter „demonstrieren“ verstehen.
Einer der vermummten Demonstranten hielt ein Plakat auf dem stand: „Portugal and Spain are debtors, too“ (eng.: debtor / dt.: Schuldner).

Nun, die Tatsache das die Helenen jetzt einen Streik nach dem anderen organisieren und andere Nationen für ihre Misswirtschaft verantwortlich machen wollen, zeigt das sie leider noch nicht verstanden haben, dass sie keine andere Wahl haben als die bittere Pille der Lohn- und Rentenkürzung, Steuererhöhung und Staatsverschuldung zu schlucken, die ihnen nun von der EU verabreicht wurde.
Es bleibt ihnen gar nichts anderes übrig als diese einzunehmen, wenn sie weiterhin Mitglied im „Club Euro“ bleiben wollen.
Denn es geht hier nicht mehr um Griechenland, oder Portugal, oder Spanien.
Nein, hier geht es um die „Gemeinschaft“!
Es ist unser aller Euro welches hier zur Disposition steht, und nicht die griechische Drachme, der portugiesische Escudo oder die spanische Pesete.

Aber auch die Geberländer der EU, wie Deutschland, müssen bedenken das nicht die einfachen Griechen Schuld an dieser Misere haben, sondern deren Regierungen.
Schließlich waren es die einzelnen griechischen Regierungen die die Korruptionen stillschweigend, ja sogar fördernd, über Jahrzehnte hinweg hinnahmen, und die nichts, aber überhaupt nichts, gegen die strukturellen Probleme der Pensionskassen, des Gesundheitssystems, der größenwahnsinnigen Staatsverwaltung usw. unternahmen.
Wie kann es z.B. möglich sein, das es in einem Land mit etwa 10 Millionen Bürgern, es über 1,5 Millionen Staatsbedienstete gibt?

Als es um den Eintritt Griechenlands in die Euro-Zone ging, da hat die griechische Regierung gefälschte Bilanzen abgeliefert und falsche Statistiken vorgebracht.
In der normalen Welt gilt das durchaus als kriminell.
In Hellas scheint das aber über Jahrzehnte hinweg normal gewesen zu sein.
Und es scheint so normal gewesen zu sein, das die anderen Länder Europas, auch Deutschland und Portugal, diese Bilanzfälschungen einfach so hinnahmen und nicht nachforschten.

Aber sie hätten nachforschen können.
Ja, sie hätten nachforschen müssen!
Daher sollten die, die sich jetzt über eine finanzielle Spritze an Griechenland, und wer weiß, in naher Zukunft auch an Portugal, künstlich aufregen, einfach mal an die eigene Nase greifen und den erhobenen moralischen Zeigefinger in Richtung Brüssel zeigen.

Und ihr Griechen solltet endlich aufhören, Straßen zu barrikadieren, Autos anzuzünden, Banken und Geschäfte auszuplündern und wehrlose Menschen umzubringen, und das alles unter dem Deckmantel des „Demonstrierens“!
Das was ihr nämlich in Griechenland augenblicklich macht ist nicht demonstrieren, sondern vandalisieren.
Beißt endlich in den sauren Apfel, erfüllt eure Pflicht und zahlt eure Schulden ab.
Wir Portugiesen werden euch, wohl oder übel, dabei leider bald Gesellschaft leisten müssen!
Aber nicht weil wir Bilanzen gefälscht haben und andere Regierungen betrogen haben, sondern weil wir einfach über eine Zeit lang illusorisch über unsere Verhältnisse gelebt haben.

Das ist der einzige Vorwurf den man uns machen kann: wir haben geträumt, wir wären finanziell in der Ersten Welt!

Dienstag, 11. Mai 2010

Alles liebe zum Geburtstag Mama


Gott segne Dich Mama!
Er sei Dir nahe in allem, was Dir begegnet.
Er nehme Dich in seine starken Arme und lasse Dir aus Glück und Leid Gutes werden.
Er bewahre Deine Seele in allen Gefahren und behüte Dich, wie nur er es kann.
Er schenke Dir weiterhin ein warmes Herz und ein offenes Ohr für alle Deine Mitmenschen, so wie er sie stets für Dich hat.
Er wecke in Dir den Wunsch, ihm stets nahe zu sein.
Er sei, wie über all die Jahre hin, Dein Vater und Du sein geliebtes Kind.

Mit diesem Segen für Dich, liebe Mama, will ich all das zum Ausdruck bringen, was ich Dir für Dein neues Lebensjahr wünsche.

Alles liebe zum Geburtstag Mama!

(meiner geliebten Mutter Maria Luisa, anlässlich ihres 70. Geburtstags)

EXPO 2010


Vor etwas mehr als einer Woche, am 01. Mai 2010, öffnete in der ostchinesischen Stadt Shanghai (port.: Xangai), am Ufer des Flusses Hungpu, die Internationale Weltausstellung Expo 2010, unter dem Motto „Better City, Better Life“ (dt.: „Eine bessere Stadt, Ein besseres Leben“ / port.: „Melhor cidade, Melhor qualidade de vida“) mit einem spektakulären und bunten Feuerwerk ihre Pforten.

Unter den 227 teilnehmenden Nationen und internationalen Organisationen ist auch Portugal mit einem eigenen Pavillon vertreten.
Der Portugiesische Pavillon, des im chinesischen Macau lebenden portugiesischen Stararchitekten Carlos Macedo e Couto, erstreckt sich über eine Fläche von 2.000 m² und ist von außen total mit Kork, dem wohl portugiesischsten Baustoff, verkleidet.
Unter dem Motto „Portugal uma praça para o mundo. Portugal, energias para o mundo” (dt.: Portugal, ein Platz für die Welt. Portugal, Energien für die Welt”) stellt sich Portugal auf dem Europaplatz, in der Zone C, als moderne und ökologische Nation vor.

Portugal war eines der ersten Länder Europas, das im Rahmen der EXPO 2010 eingeladen wurde.
Dieses Zuvorkommen Chinas gegenüber Portugal verdankt sich der großen gemeinsamen Geschichte, den guten Beziehungen der Gegenwart und die Chancen für die gemeinsame Zukunft.

Der Pavillon Portugals (port.: Pavilhão de Portugal) ist in vier Räume (port.: áreas) aufgeteilt.
In eine Área protocolar (dt.: Protokollarischer Raum), in eine Área expositiva (dt.: Ausstellungsraum), in einem Centro de negócios (dt.: Wirtschaftszentrum) und einer Área comercial (dt.: Verkaufsraum).

Der Portugiesische Pavillon macht es sich zur Aufgabe an die gemeinsame Geschichte, die über Jahrhunderte China und Portugal verbunden haben, zu erinnern, und auch die derzeitigen engen wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen vorzustellen und weiter zu fördern.

Außer den Länderpavillons, gibt es auf dem EXPO-Gelände fünf riesige Themenpavillons, die die Mottos Urban Footprints (dt.: Städtische Fußstapfen / port.: Passos urbanos), Urban Planet (dt.: Planet Stadt / port.: Planeta urbano), Urban Dwellers (dt.: Stadtbewohner / port.: Cidadão urbano), Urban Beings (dt.: Städtischer Alltag / port.: Dia-a-dia urbano) und Urban Dreams (dt.: Städteträume / port.: Sonhos urbanos) haben.

Die dynamische Präsentation Portugals wird sich in Shanghai nicht auf den nationalen Pavillon beschränken: ein großes und buntes Straßenfest zum Portugal-Tag am 06. Juni 2010, mit viel Fadomusik, Tanz, Theater und Kino, ist geplant.

Die EXPO 2010 wird bis zum 31. Oktober geöffnet bleiben.
Und in dieser Zeit, so vermutet man, werden 70 Millionen Menschen die Weltausstellung besucht haben. Davon werden ca. 20 Millionen auch im Portugal-Pavillon vorbeischauen.
Sollten von diesen 20 Millionen in den nächsten Jahren nur 500.000 Besucher ihren Weg nach Portugal finden, dann haben sich die 10 Millionen Euro, die die Portugiesische Regierung für den Bau des Pavillons ausgegeben haben, mehr als gelohnt.

Samstag, 8. Mai 2010

Alles liebe zum Geburtstag Carla


Liebes Schwesterherz!

Die Callas und Strelizien auf diesem Bild verwelken nicht.
Sie sind eher ein symbolischer Zeichen von mir an Dich, zu Deinem Geburtstagsfest.
Obwohl nicht für Dich greifbar, darfst Du diesen Blumenstrauß der Liebe und Freundschaft, für immer im Gedächtnis Deines Herzens aufbewahren.
Er soll Dir sagen, dass ich Dich liebe und dass ich Dich sehr schätze und bewundere.

Ich umarme Dich fest, mein Schwesterherz, im Sinne der Worte welche ich Dir hier ausgesucht habe:

„Der Herr gebe Dir, was Dein Herz begehrt, und erfülle alles, was Du vorhast“
(Psalm 20,5)

Alles Liebe zum Geburtstag Carla

Dienstag, 27. April 2010

Kaffeehaus


Der Österreicher im Chiado hat wieder eröffnet.
Nach einer wochenlangen Umbauphase, hat das Wiener Kaffeehaus in der Rua Anchieta n°3, in der Nähe des Buchladens Livraria Bertrand und genau gegenüber des Lissabonner Standesamtes (port.: Registo Cívil de Lisboa) seine Türen wieder für die Liebhaber von Sacher und Linzer Torte geöffnet.

Jetzt hat man dort mehr Platz und alles ist heller.
Auch die Speise- und Getränkekarte ist üppiger geworden.
Jetzt kann man sogar Leberkäse, Wiener Würstchen und Knödel dort zu sich nehmen.
Die verschiedenen leckeren Kaffee- und Kuchensorten blieben erhalten, und um einige süße Spezialitäten sogar noch ergänzt.

Man kann im Kaffeehaus einige schöne Stunden verbringen.
Und meine österreichische Kollegin Julia hat mir bestätigt, dass das Kaffeehaus den Kaffeehäusern ihrer österreichischen Heimat sehr Nahe kommt.
Ein Grund mehr, diesen total untypisch-portugiesischen Ort aufzusuchen und die leckeren Sachen, mit den für uns komischen Namen auf der Speisekarte, einfach mal auszuprobieren!

Der einzige Makel des Kaffeehauses sind die Kellnerinnen, die einen lange warten lassen, bis sie einen endlich bedienen und die dies dann so motiviert tun, als ob man ihnen vom letzten Besuch noch etwas schuldig geblieben wäre.

Da ich aber ins Kaffeehaus wegen der netten Atmosphäre gehe, und nicht wegen des Personals, ist dieser Makel für mich leicht hinzunehmen.
Vielleicht können die beiden Besitzer dennoch den Mädchen einmal einen Schnellkurs in Kundenservice spendieren.
Dem Kaffeehaus täte das nur gut!

Deutsches Kino 2010 in Portugal


Die Medeia Filmes Studios stellen, in Zusammenarbeit mit dem deutschen Goethe-Institut in Portugal, in den Monaten April und Mai den Filmzyklus „Vom Neuen zum Neuen deutschen Film“ (port.: „Do novo ao novo cinema alemão“) vor.

Die Filme deutscher Sprache und deutscher Regisseure werden in Porto im Theater „Campo Alegre“ vorgeführt und in Lissabon im Kino „Cinema Medeia King“ gespielt.
Unter anderem werden zu sehen sein die Filme „Auge in Auge“ von Michael Althen und Hans Helmut Prinzler, „Abschied von Gestern“ vom Regisseur Alexander Kluge und die Komödie „Soul Kitchen“ des Deutsch-Türken Fatih Akin.

Mit dem Filmzyklus will das Goethe-Institut die großen deutschen Regisseure der letzten Jahre vorstellen und die neue deutsche Filmgeneration fördern.
Die Filmvorführungen werden bis zum 26. Mai laufen.

Montag, 26. April 2010

Boa Hora


Gerstern, auf dem Weg vom Chiado zum Cais do Sodré, führte mich der Weg über die Rua Nova do Almada, am Alten Gericht „Boa Hora“ (port.: Tribunal da Boa Hora) vorbei.

Dieses alte Gebäude, ein ehemaliges Kloster irischer Dominikaner, wurde 1677 erbaut und vor 166 Jahren zum Gerichtsgebäude umgebaut.
In ihm fanden historische Prozesse statt, wie zur Zeit der Diktatur, die Prozesse gegen die oppositionellen Politiker Mário Soares und Álvaro Cunhal, die ins Exil gehen mussten, und in neuerer Zeit etwa die Korruptionsprozesse gegen Pedro Caldeira und den Ex-Benficapräsidenten Vale e Azevedo.

Heute ist das Gerichtsgebäude geschlossen, da die Stadtverwaltung Mitte letzten Jahres verschiedene Gerichte zusammengelegt hat, und in den Osten der Stadt verlegt hat.
Aus dem nun verlassenen Haus hätte ein Luxushotel werden sollen.
Aber durch eine Unterschriftsaktion und dem vehementen „Nein“ einer Bürgerinitiative wurde die Idee fallen gelassen, aus dem alten Gericht eine Luxusherberge für Touristen zu machen.

Ich habe mich oft gefragt, zumal jetzt, da das Gebäude leer steht und dazu verurteilt ist, zu vergammeln, warum die Einwohner des Cais do Sordé, und da vor allem die Geschäftsleute, so stark gegen ein Luxushotel in ihrem Stadtviertel waren, zumal sie ja die größten Nutznießer eines solchen gewesen wären, so dachte ich.

Aber wahrscheinlich wollen die Einwohner des Cais do Sodré einfach nicht, dass ihr Stadtviertel einmal als Synonym für Tourismus steht, so wie heute die Alfama oder Belém.
Oder sie wollen nicht, wie die Einwohner der neuen Stadtteile im Osten, das ihre Bürgersteige schon um 20 Uhr hochgeklappt werden, weil sie nur tagsüber die Menschen anziehen.
Und bestimmt wollen sie nicht, wie die Einwohner des Bairro Alto, jede Nacht ins Bett gehen mit dem Wunsch es würde schon bald wieder Morgen sein, weil sie genau wissen, ihr Stadtteil wird über Nacht von marodierenden und alkoholisierten Jugendlichen „überfallen“ werden.

Das Geheimnis des Cais do Sodré ist die gesunde Mischung der „Klassen“.
Hier lebt die gutbürgerliche Mittelklasse neben dem einfachen Arbeiter, die wohlhabenden Ärzte neben den Prostituierten, und die fleißigen Handwerker neben dem Metzger, dem Bäcker und dem Tante-Emma-Ladenbesitzer.
Und alle kommen sie miteinander gut aus in ihrem Stadtteil.
Ein Luxushotel würde eventuell diese Infrastruktur nur zerstören.

Aber vielleicht findet sich ja ein anderer Verwendungszweck für das alte Gericht Boa Hora.
Vielleicht wird aus dem Tribunal ja ein Theater, ein Kino oder eine Bibliothek.
So viel ich weiß, hat Kultur noch Niemanden geschadet!

Grândola, Vila Morena


In meinem Beitrag „Nelkenrevolution“, von Vorgestern, schrieb ich über die Entstehung des wichtigsten politischen Feiertags Portugals, dem 25. April, Tag der Freiheit (port.: „Dia da Liberdade“), und ich erwähnte in diesem Beitrag auch das Lied „Grândola, vila morena“.
Heute wurde ich von einer deutschen Arbeitskollegin über den Liedtext von „Grândola, vila morena“ gefragt und über die Geschichte dieses Liedes.

Also habe ich mich heute hingesetzt und versucht den Originaltext ins Deutsche zu übersetzen und ein wenig über das Lied selbst herauszufinden.

Vor 36 Jahren, schlossen sich breite Teile des portugiesischen Militärs zur „Bewegung der Streitkräfte“ (port.: Movimento das Forças Armadas - MFA“) zusammen, und putschten gegen die faschistische Diktatur, die bereits 48 Jahre andauerte.

Das vereinbarte, verschlüsselte Zeichen für den Putschbeginn der Truppen war das verbotene Lied „Grândola, vila morena“.
Damals, in einer Zeit in der es noch keine Computer oder Handys gab, mussten die revoltierenden Truppen dieses Lied per Radio in das Land hinaus senden.
Und so kam es also, das in der ersten Stunde des 25. April, um genau 00:30 Uhr, der Sprecher des Radiosender „Radio Renascença“ die erste Strophe dieses Liedes vortrug.
Nach dem vorlesen der Strophe wurde dann das Lied selbst abgespielt, und da wussten die Militärs in allen Kasernen und Militärbasen des Landes, das die Stunde zum Aufstand geschlagen hatte.

„Grândola, vila morena“ stammt aus der Feder des kommunistischen Sängers und Liedermachers José Afonso, der damals einer der größten Gegner der Diktatur war.
In seinem Lied besingt der Liedermacher die alentejanische Stadt Grândola, die zur Zeit der Diktatur eines der Widerstandszentren der Opposition war.
Wegen seines doppeldeutigen Textes war „Grândola, vila morena“ von der Staatszensur verboten worden.
Den politisch Verfolgten und dem Normalbbürger war dieses Lied jedoch ein Lied der Hoffnung und Zukunft.

Das Lied besteht aus sechs Strophen und lautet im Originaltext wie folgt:

Grândola, vila morena,
Terra da fraternidade,
O povo é quem mais ordena,
Dentro de ti ó cidade.

Dentro de ti ó cidade,
O povo é quem mais ordena,
Terra da fraternidade,
Grândola vila morena.

Em cada esquina um amigo,
Em cada rosto igualdade,
Grândola vila morena,
Terra da fraternidade.

Terra da fraternidade,
Grândola vila morena,
Em cada rosto igualdade,
O povo é quem mais ordena.

À sombra de uma azinheira,
Que já não sabia a idade,
Jurei ter por companheira,
Grândola a tua vontade.

Grândola a tua vontade,
Jurei ter por companheira,
À sombra de uma azinheira,
Que já não sabia a idade.


Meine Übersetzung von „Grândola, vila morena“ lautet wie folgt:

Grândola, sonnengebräunte Stadt,
In einem Land der Brüderlichkeit gelegen,
Das Volk hat das Sagen,
In Dir, oh du Stadt.

In Dir, oh du Stadt,
Hat das Volk das Sagen,
In einem Land der Brüderlichkeit gelegen,
Grândola du dunkele Stadt.

An jeder Ecke ein Freund,
In jedem Gesicht Gleichheit,
Grândola du dunkele Stadt,
In einem Land der Brüderlichkeit gelegen.

In einem Land der Brüderlichkeit gelegen,
Grândola du dunkele Stadt,
In jedem Gesicht Gleichheit,
In Dir hat das Volk das Sagen.

Im Schatten einer mächtigen Steineiche,
Die ihr Alter nicht mehr wusste,
Habe ich dir Treue geschworen,
Grândola, nach deinem Wunsch.

Grândola, nach deinem Wunsch,
Habe ich dir Treue geschworen,
Im Schatten einer mächtigen Steineiche,
Die ihr Alter nicht mehr wusste.


Zwei wichtige Anmerkungen möchte ich gerne zu meiner Übersetzung noch hinzufügen:

- Ins Deutsche übersetzt verliert dieses Lied leider viel von seiner Doppeldeutigkeit und Aussagekraft.

- Ich habe das Wort „morena“ mit „dunkel“ übersetzt. Aber „morena“ kann auch mit „brünett“, „schwarzbraun“, „braungebrannt“ oder „gebräunt“ übersetzt werden.

Samstag, 24. April 2010

Nelkenrevolution



Wir schreiben das Jahr 1974.
Am frühen Morgen des 25. April, kurz nach Mitternacht, erklingt im portugiesischen Radiosender „Rádio Renascença“ das von der Diktatur bis dahin zensierte Lied „Grândola, Vila Morena“, des Sängers José Afonso.

Dieses einfache, aber vom Text her sehr ausdruckreiche Lied, ist das Startsignal für einen minutiös geplanten Aufstand, der Portugal von seiner damals verhassten faschistischen Diktatur befreien, und als die Nelkenrevolution (port.: Revolução dos Cravos) in die Geschichte eingehen wird.
Über 48 Jahre hinweg hatten die Diktatoren António de Oliveira Salazar und Marcelo Caetano mit strenger Hand über das Land und die Kolonien geherrscht.
Diese Herrschaft endete nun am 25. April, mit besagter unblutigen Nelkenrevolution.

April ist die Zeit der Nelken.
An diesem 25. April wird diese unscheinbare Blume, die ich abschätzig „Friedhofskraut“ nenne, weil ich einfach keine Nelken mag, zum Symbol der friedlichen Revolution.
Inspiriert von der „flower power“ schmückten damals die Studenten und die Arbeiter, die Hausfrauen und selbst Kinder, die Panzer mit den Nelken und stecken sie in die Gewehrläufe der Soldaten.

Als am späten Nachmittag über das Radio die Nachricht verbreitet wurde, das der Diktator Marcelo Caetano sich der MFA (port.: Movimento das Forças Armadas / dt.: Bewegung der Streitkräfte) ergeben und die Macht an General António Sebastião Ribeiro de Spinola übergeben hatte, setzt ein stundenlanger Hupkonzert ein und lockte auch die letzten Zweifler aus ihren Häusern zum Rossio und in die Baixa.
Von diesem Hupkonzert hat mir meine Großmutter Sara später noch oft erzählt.

Ich selber, der ich zu dieser Zeit schon mit meinen Eltern und meiner Schwester in Deutschland lebte, erlebte diesen Morgen in der Wilhelm-Busch-Grundschule in Arheilgen.
Ich weiß noch, als ob es erst gestern gewesen wäre, wie damals meine Grundschullehrerin Frau Koppe auf dem Schulhof auf mich zukam, und mich fragte wie es mir gehen würde, und ob ich wüsste wie es meiner Familie gehen würde.
Als achtjähriges Kind hatte ich damals keine Ahnung von Politik, und auch keine Ahnung was meine Lehrerin eigentlich von mir wollte und erst recht wusste ich nicht, was sich in diesen Stunden in meinem Heimatland abspielte.
Aber selbst als kleines Kind begriff ich, es musste etwas „weltbewegendes“ passiert sein in dem Land das ich damals unter Protest verlassen hatte und welches meine Eltern Portugal nannten.

Für mich als Kind änderte sich damals nichts im Leben.
Aber heute, 36 Jahre später, weiß ich sehr wohl, das an diesem Tag, Werte wie die Meinungsfreiheit, die Versammlungsfreiheit und die Gleichberechtigung in Portugal, ihre Geburtsstunde hatten.

Dennoch gibt es noch heute einige die sich die „Diktatur der Ordnung“ zurückwünschen. Man kann zu den Diktatoren Salazar und Caetano stehen wie man will.
Aber eines muss auch diesen ewig Gestrigen klar sein:
Unter einer faschistischen Diktatur, wie es sie fast 50 Jahre lang in Portugal gegeben hat, wären die Gedanken niemals frei und Portugal nichts weiter als ein riesiges Gefängnis!

Internationaler Tag des Buches


Gestern, am 23. April, feierten wir den Internationalen Tag des Buches (port.: Dia Internacional do Livro / engl.: World Book Day).
Dieser Tag wurde von der UNESCO im Jahre 1995 ausgewählt und anerkannt, um weltweit die Kultur des Lesens, und die Bücher zu überhaupt, zu ehren.
Der 23. April ist der Tag des Heiligen Sankt Georg.
An diesem Tag, so eine alte Tradition, werden Bücher verschenkt.

So bin ich gestern in den Chiado gegangen, in die Livraria Bertrand, und habe mich mit dem Kauf des Buches „Amantes dos Reis de França“ von den Schriftstellerinnen Ana Cristina Pereira und Joana Troni selbst beschenkt, und somit die Tradition fortgeführt.

Ich habe noch nicht angefangen das Buch zu lesen.
Deshalb weiß ich nicht genau was mich literarisch erwartet.
Aber um den Welttag des Buches zu ehren, hier eine Liste der, für mich, zehn besten Bücher, die ich in den letzten 12 Monaten gelesen habe:

- „Se as Jóias Falassem“ von Eduardo Alves Marques

- „Dramatische Verwechslung“ von Mark Tabb

- „Blutiges Erwachen“ von Roger Smith

- „Catarina de Bragança“ von Isabel Stilwell

- „ Auf den Spuren der Sehnsucht“ von Gerhard Nehls

- „JK, o artista do impossível“ von Claudio Bojunga

- „Großmama packt aus“ von Irene Dische

- „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ von Allen & Barbara Pease

- „Império à deriva“ von Patrick Wilcken

- „Filipa de Lencastre“ von Isabel Stilwell

Mittwoch, 21. April 2010

Eselsohren: „Wenn Schmuckstücke reden könnten“


Vor kurzem stellte ich hier im Blog, im Rahmen der Rubrik „Von Eselsohren und anderen Dingen“, das Buch „Dramatische Verwechslung“ vor.
Heute will ich unter dieser Rubrik ein neues Buch vorstellen.

Das Buch ist im Verlag „A Esfera dos Livros“ erschienen und heißt „Se as jóias falassem“ (dt.: “Wenn Schmuckstücke reden könnten”) und erzählt spannende Geschichten über die einzelnen Schmuckstücke und Juwelen der portugiesischen Königinnen und Prinzessinnen.
Genau wie die Frauen die sie trugen, so haben auch die Juwelen Geschichte geschrieben.

Der Autor dieses Buchs ist der junge Eduardo Alves Marques, der auf spannende Art und Weise über die Juwelen und andere Schmuckstücke schreibt die für das portugiesische Königshaus bestimmt waren und unter anderem von den Juwelieren Cartier, Boucheron, Leitão & Irmão, Merellio und Musy kreiert wurden.

Wenn sie reden könnten, die verschiedenen Armbänder, Ringe, Ketten, Diademe und Ohrringe aus Gold, Diamanten, Smaragden und Rubinen, so würden sie über prächtige Hochzeiten und emotionalen Taufen berichten, und von besonderen Staatsbanketts und unvergesslichen Hofbällen erzählen.
Ihr Zauber liegt nicht nur in ihrem Alter und in der Menge der verwendeten Edelsteine. Nein, sie bergen auch ein Geheimnis, das bereits die Frauen begeisterte die sie trugen und uns heute noch alle bei einem Museumbesuch erstaunen lassen.
Auch wer sie hundert Mal gesehen hat, sei es in Natura oder auf alten Gemälden, kann sie beim hundertertsten Mal wieder neu erleben und entdecken. Denn wahre Symbole von königlicher Macht und Liebe ruft in den Seelen derer, die es verstehen wollen, mehr hervor, als die Juweliere die sie kreierten bewusst hineinzulegen vermochten.

Leider ist dieses Buch noch nicht in deutscher Sprache erschienen (wenn er überhaupt jemals erscheinen wird!...).
Aber denen, die der portugiesischen Sprache mächtig sind, denen kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen.
In dem Buch sind viele Fotos der einzigartigen Juwelen und ihren Trägerinnen abgebildet.

Samstag, 17. April 2010

Ich nehme es so, wie es kommt!


Wir leben in einer hochtechnologischen Welt, in einer Welt, die uns das Gefühl gibt, Herr über die Zeit, das Wetter und die Elemente zu sein.
Das dem aber nicht so ist, hat dieser Woche ein Vulkan, dessen Namen ich noch nicht einmal aussprechen kann, und den bis dato hier in Mittel- und Südeuropa kein Mensch kannte, uns allen gelehrt.

Millionen von Fluggästen sitzen seit zwei Tagen an den meisten europäischen Flughäfen fest, und kommen nicht an ihr Ziel, weil der Vulkan Eyjafjllajokull auf Island ausgebrochen ist und nun seine Asche und Gase Kilometerweit in die Erdatmosphäre spuckt.
Da diese Aschewolke für die Luftfahrt äußerst gefährlich ist, sind dementsprechend in fast ganz Europa seit vorgestern alle Flughäfen gesperrt.
Dies beeinträchtigt immens die Reisemöglichkeiten jeden Normalbürgers, sowie auch die der so genannten VIP´s.

Dies musste nun auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erfahren.
Aus den USA kommend, wo sie sich mit Präsident Barack Obama getroffen hatte, wollte die Bundeskanzlerin gestern nach Berlin zurückfliegen.
Doch die Aschewolke machte ihr und ihrer Delegation einen Strich durch die Rechnung.
Und so musste die Regierungsmaschine „Konrad Adenauer“ in Lissabon landen, da alle deutschen Flughäfen bereits für den Flugverkehr gesperrt waren, genauso wie die britischen, die französischen, die niederländischen, die belgischen, die dänischen, usw., usw.
Lissabon ist überhaupt einer der wenigen Flughäfen in Europa die noch angeflogen werden dürfen.

Hier in Lissabon wurde die Bundeskanzlerin zuerst von ihrem Amtskollegen José Socrates am Lissabonner Militärflughafen Figo Maduro empfangen, bevor sie dann zum Hotel Ritz gebracht wurde, um dort die Nacht zu verbringen.

Eine Nacht in Lissabon, zumal im Ritz, nun es gibt sicherlich schlimmeres im Leben eines Politikers.
Und so reagierte dann auch Angela Merkel auf die Frage eines Reporters als dieser sie am Hoteleingang fragte ob es denn nicht „ärgerlich“ sei, in Lissabon „festzusitzen“.
Sie antwortete ihm kurz und bündig: „Ich nehme es so, wie es kommt!“

Heute Morgen flog die Kanzlerin, sichtlich erholt, um 11.30 Uhr von Lissabon aus in Richtung Rom, da die deutschen Flughäfen immer noch für den Flugverkehr gesperrt sind. Anscheinend beflügeln Vulkanausbrüche die Reisediplomatie der Kanzlerin.

Viel schlimmer als die deutsche Kanzlerin hat das momentane Flugchaos aber den Portugiesischen Staatspräsidenten Anibal Cavaco Silva getroffen.
Der weilte nämlich bis gestern in Prag auf Staatsbesuch.
Und da auch der Flughafen von Prag gesperrt ist, mussten nun er und seine ganze Delegation mit einer Auto- und Buskolonne nach Straßburg gefahren werden, wo sie planen heute zu übernachten.
Morgen soll es dann per Auto weiter nach Barcelona gehen, und von dort, wenn das Wetter und die Aschewolke mitspielen, dann mit einer Regierungsmaschine nach Lissabon.

Sollte es aber für die portugiesische Delegation nicht möglich sein von Barcelona nach Lissabon zu fliegen, dann steht den Herrschaften noch eine Busfahrt von 1200 km bevor.

Ich glaube wie werden dann, nach 3000 km auf der Straße, von Cavaco Silva die Worte: „Ich nehme es so, wie es kommt!“, so wie die Kanzlerin sie gesagt hat, ganz bestimmt nicht hören.

Ourivesaria Aliança






Wer früher in Lissabon an das Einkaufen dachte (heute leider nicht mehr so sehr), dachte automatisch an den Chiado.
Der Chiado war und ist das Lissabonner Stadtteil wo man zum Einkaufen oder flanieren hinging und noch heute hingeht.
Der Lissabonner hat für das „flanieren im Chiado“ sogar einen eigenen Begriff erfunden, nämlich „ir namorar as montras ao Chiado“, was ins deutsche übersetzt so viel heißt wie: „man geht in den Chiado um sich in die Schaufenster zu verlieben“.

Es gibt Geschäfte im Chiado, die sind wahre Institutionen der Hauptstadt, wahre Museen, so symbolträchtig und etabliert sind sie.
Eines dieser „Museen des freien Handels“ und ein Symbol des Chiado ist die Ourivesaria Aliança (dt.: Juweliergeschäft Aliança), in der Rua Garrett n° 50, wo heutzutage Lissabonner und Touristen eher einkehren, um das Geschäft zu fotografieren (wie in einem Museum halt), als um das eine oder andere Schmuckstück zu erwerben.

Der Juwelier Aliança wurde im Jahre 1902 von dem Architekten Oliveira Ferreira im Louis XV-Stil erbaut und hat eine imposante, aus Eisen bearbeitete, Fassade.
Aber der eigentliche Schmuck der Ourivesaria Aliança ist nicht ihre wunderschöne Außenfassade, sondern die Wand- und Deckenmalereien in ihrem Inneren.
Die vom Maler Artur Alves Cardoso (1883-1930) im Jahre 1914 gemalte „Toilette de Venus“ an der Decke und den Wänden des Geschäfts sind wohl die originellsten der ganzen Stadt.
Welchen unschätzbaren Wert diese Malereien in dem Juweliergeschäft haben, wird einem erst klar, wenn man weiß, dass Alves Cardoso auch der Maler der Deckenmalereien im Portugiesischen Parlament ist.

Viele betreten diesen Laden, wie gesagt, um Bilder von der Inneneinrichtung zu machen.
Aber man darf nicht vergessen, dass man sich hier eigentlich in einem Juwelier befindet.
Sollte man also ein ausgefallenes Schmuckstück kaufen wollen, so ist man hier in diesem Geschäft bestens aufgehoben.
Denn so originell wie die Inneneinrichtung und die Malereien, sind auch die Edelmetalle und Klunker in den Vitrinen.

Ein beispielhafter Politiker, ein beispielhafter Mann


Die Gemeinde Cruz Quebrada (port.: Junta de Freguesia da Cruz Quebrada), im Lissabonner Großraum gelegen, hat einen Vollzeit-Gemeinderatsvorsitzenden (port.: Presidente da Junta de Freguesia).
Paulo Freitas do Amaral sieht in seinem Amt als Vorsitzender der kleinen Gemeinde am Meer nicht nur seinen Beruf, sondern vor allem seine Berufung.

Als das Kultusministerium in Lissabon, in den letzten Weihnachtsschulferien beschloss, die zwei einzigen Grundschulen im Herzen der Gemeinde Cruz Quebrada aus wirtschaftlichen Gründen für immer zu schließen, und somit den Schulkindern ab den Osterferien einen wesentlich weiteren Schulweg in die Nachbargemeinde Dafundo zuzumuten, da nahm Paulo Freitas do Amaral selbst das Problem in Angriff, und versuchte für mindestens 30 dieser Schüler eine Lösung zu finden.

Und diese Lösung besteht darin, dass er aus eigener Tasche, in nur sechs Wochen, die Busfahrerlizenz machte, sich dann bei einer privaten Busgesellschaft einen Kleinbus zum symbolischen Preis von 1,00 Euro anmietete, um dann höchstpersönlich, nun ab Mai, jeden Morgen die Schulkinder in die weiter entfernte Grundschule Escola Básica Gonçalves Zarco nach Dafundo zu fahren.

Das nächste Ziel von Paulo Freitas do Amaral wird es sein, einen neuen Busfahrer einzustellen.
Der neue Busfahrer soll dann nicht den Gemeinderatsvorsitzenden als Busfahrer ersetzen, sondern im Gegenteil, er soll dann helfen die doppelte Zahl von Kindern in die neue Schule befördern zu können.

Endlich mal ein Politiker, der nicht in die eigene Tasche wirtschaftet, sondern an das Wohl seiner Gemeinde denkt!
Ein beispielhafter Politiker, ein beispielhafter Mann!

Donnerstag, 8. April 2010

In memoriam: Dietrich Bonhoeffer


„Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie uns nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern alleine auf ihn verlassen.“

Diese Worte schrieb der 1906 geborene Dietrich Bonhoeffer in seiner dunklen, nassen Zelle im Konzentrationslager Flossenbürg.
Dort, in der tiefsten Oberpfalz, saß Bonhoeffer seit April 1943 im Gefängnis weil er es gewagt hatte gegen das Naziregime Widerstand zu leisten.

Für die Nationalsozialisten war Bonhoeffer nichts weiter als ein gefährlicher Spion, feiger Vaterlandsverräter, dreckiger Judenfreund und hinterhältiger Verschwörer.
Aber Bonhoeffer war lediglich ein Mensch, der menschliche Gefühle und christliche Werte hatte, und der die unmenschliche Nazipolitik auf keinen Fall mittragen wollte.

Für seine Menschlichkeit und seinen Glauben wurde Dietrich Bonhoeffer vor genau 65 Jahren, im Morgengrauen des 09. April 1945, mit den Gleichgesinnten Admiral Canaris und General Oster, auf persönlichen Befehl Adolf Hitlers, im KZ Flossenbürg, hingerichtet.

Dienstag, 6. April 2010

Blitzkrieg gegen Portugal


Vor nunmehr 70 Jahren, im Frühjahr 1940, der Zweite Weltkrieg hatte wenige Monate vorher mit dem Überfall Deutschlands auf Polen begonnen, trafen sich der spanische Außenminister Ramon Serrano Súñer und sein deutscher Amtskollege Joachim von Ribbentrop in Madrid, um die Kriegsallianz zwischen Spanien und Deutschland zu bekräftigen.

Am Ende dieses Treffens, Ribbentrop steht schon am Flughafen, an seiner Maschine die ihn nach Berlin zurückbringen soll, offenbart der spanische Außenminister dem Deutschen, das der spanische Diktator General Franco mit dem Gedanken spielt das neutrale Portugal noch im Sommer oder im Herbst des gleichen Jahres zu überfallen, so wie es Deutschland zuvor mit Polen gemacht hat.
Diesen Plan kann General Franco aber unmöglich ohne die Mithilfe Deutschlands verwirklichen!

In Unterlagen, die erst jetzt veröffentlicht wurden, plante Spanien damals einen „Blitzkrieg“ gegen Portugal.
Innerhalb von nur 24-48 Stunden sollten Lissabon besetzt und Portugal in drei Teile aufgeteilt werden, mit jeder Macht und Gewalt die dem Heer, der Marine und der Luftwaffe Spaniens zur Verfügung stünden.

Bei dem geplanten Feldzug, der den Namen „Nr. 1/34“ tragen sollte, hätten sich 25 spanische Divisionen nur fünf portugiesischen Divisionen gegenüber gestanden.
Die Argumentation zu diesem Einmarsch in Portugal gab Spaniens Außenminister Ramon Serrano Súñer seinem Amtskollegen von Ribbentrop gleich mit auf dem Weg.
Seiner Meinung nach hatte nämlich „bei der Betrachtung der Landkarte Europas, Portugal, geographisch gesprochen, kein Recht zu existieren!“

Nach mehrmaligem Anfragen aus Madrid, wird der Präventivschlag auf Portugal durch General Franco von Adolf Hitler nicht unterstützt.
Im Gegenteil, Hitler rät damals Franco von einer Besetzung Portugals sogar ab.

Johannes XXI


Portugal bereitet sich dieser Tage auf den Besuch des deutschen Papstes Benedikt XVI (port.: Bento XVI), der Mitte Mai stattfinden wird, vor.
Benedikt XVI wird sich hier in Portugal an Papst Johannes Paul II, dem Polen, (port.: João Paulo II) messen lassen müssen, denn der war ein bekennender Freund Portugals und Marienanhänger, und somit hatte er es bei seinen Portugalbesuchen äußerst leicht die Massen zu bewegen.
Aber Portugal wird auch Benedikt XVI freudig empfangen, denn Portugal hatte mit den einzelnen Stellvertretern Christi auf Erden, woher sie auch immer kamen, nur selten Probleme.

Kaum ein Portugiese aber weiß, dass es auch schon einmal einen portugiesischen Papst gegeben hat.
Vom 08. September 1276, bis zu seinem Tode am 20. Mai 1277, saß nämlich der Lissabonner Pedro Julião (lat.: Petrus Hispanus / ital. : Petrus Juliani) auf dem Heiligen Stuhl.

Der Geburtstag, und sogar das Geburtsjahr, von Pedro Julião sind bis heute ein Geheimnis der Geschichte geblieben.
Man vermutet aber, dass der Sohn des Arztes und Apothekers Julião Rebelo und Teresa Gil, zwischen 1205 und 1215 auf die Welt kam.

Er studierte in Lissabon, im spanischen Léon und an der Pariser Sorbonne zuerst Theologie und Philosophie und dann Medizin und Mathematik, bevor er nach Italien ging, und an den Universitäten von Salerno und Siena selber Medizin zu lehren.
Er wurde ein angesehener Medizinprofessor für Augenheilkunde.
Er war es z.B, der dem Künstler und Maler Michelangelo Buonarroti, als dieser beim Bau der Sixtinischen Kapelle fast erblindete, die Augen behandelte, so das dieser wieder einwandfrei sehen und an der Kapelle weiterarbeiten konnte.
Außerdem wurde Pedro Julião ein Fachmann, man will es kaum glauben, für Empfängnisverhütung und Schwangerschaftsabbrüchen!
Zur damaligen Zeit, eine absolute Revolution.

Um 1260 ernannte ihn der spätere Papst Hadrian V (port.: Adriano V) zu seinem Leibarzt. Später wurde er Hof- und Leibarzt von Papst Gregor X (port.: Gregorio X).
Kaum im Vatikan angekommen begann seine Kirchenkarriere.
1272 wird er im italienischen Frascati zum Erzbischof ernannt und 1273 kehrt er nach Portugal zurück, als Erzbischof von Braga.

Am 08. September 1276 wird Pedro Julião in Viterbo, nach einem kontroversen Konklave, zum neuen Papst Johannes XXI (port.: João XXI) gewählt.
In Viterbo verbringt er dann auch sein kurzes Pontifikat.
Dort lässt er sich, an der Hinterseite seines Papstpalastes, seine Privatbibliothek erweitern, denn er wollte seine medizinischen Forschungen weiter führen, und brauchte dafür eine Unmenge von Fachbüchern.
Am 16. Mai 1277 wird er bei einem Aufenthalt in seiner Bibliothek von herabstürzenden Deckenteilen getroffen und schwer verletzt.
Diesen schweren Verletzungen erliegt er vier Tage später.

Sein plötzlicher Tod war der damaligen Kirche unheimlich suspekt. Viele im Umfeld Johannes XXI waren der Meinung, dass „etwas böses und unheimliches“ geschehen sein musste.
In einer Chronik aus der damaligen Zeit, die sehr mystisch und voller Aberglauben war, schrieb z.B. ein Mönch: „Dieser häretische Schwarzkünstler ist in seinem Palast vom Teufel persönlich erschlagen worden!“

Johannes XXI, der einzige portugiesische Papst auf dem Stuhl Petri, der den Ruf hatte eher den Armen als den Reichen eine Audienzen zu gewähren und der seiner Zeit meilenweit voraus war, ist heute im Dom von Viterbo beigesetzt, unweit seiner geliebten Bibliothek.

Eselsohren: „Dramatische Verwechslung“


Ich lese für mein leben gerne.

Und wer mich kennt weiß, das Bücher mir mitunter das liebste sind was ich besitze.
Deshalb will ich ab heute hier in diesem Blog unter der Rubrik „Von Eselsohren und anderen Dingen“ (die erste Rubrik überhaupt hier im Blog) immer wieder einmal Bücher vorstellen und kommentieren, die ich gerade lese.

Das Buch, das ich gerade fertig gelesen habe und das ich heute euch allen ans Herz legen will, heißt „Dramatische Verwechslung“ und handelt von einem tödlichen Unfall im Jahre 2006, einem folgenschweren Irrtum der auf diesen Unfall folgte und von zwei Familien die zwischen purer Verzweiflung und immenser Hoffnung taumelten.

In diesem Buch wird die wahre, und fast unfassbare Geschichte der beiden amerikanischen Studentinnen Whitney Cerak und Laura Van Ryn erzählt.
Beide haben sie, mit 15 anderen Jugendlichen am 26. April 2006, mit ihrem Schulbus einen schweren Unfall auf der Interstate 69, im US-Bundesstaat Michigan, und beide werden sie dann beim bergen vom Unfallort kurioserweise verwechselt.
Die eine wird unter dem Namen der anderen beerdigt und die andere wird von ihrer Familie über Wochen im Krankenhaus liebevoll gepflegt, bis diese merkt, dass es sich bei dem Mädchen nicht um ihre Tochter handelt.

Die eine Familie, die über mehrere Wochen die Hoffnung hat das ihre Tochter wieder gesund wird, muss so nun erfahren dass diese bereits seit Wochen unter der Erde liegt.
Und die andere Familie, die vor Wochen die vermeintliche Tochter zu Grabe getragen hat, muss nun, nachdem sie den Tod der Tochter einigermaßen verarbeitet hat, damit zurechtkommen, dass diese tatsächlich noch lebt!

Ich finde dieses Buch sehr spannend und emotional, zumal es sich ja nicht um einen Roman handelt, sondern um eine wahre Geschichte über den Verlust, den Glauben und die Hoffnung zweier Familien im Angesicht einer unvorstellbaren Tragödie.

„Dramatisch Verwechslung“ ist im GertMedien Verlag erschienen und wurde von dem Autoren Mark Tabb geschrieben, der auf die wertvollen Informationen der Eltern von Whitney und Laura zurückgreifen konnte.

Port is not english


Ich wurde vor Tagen von einem Arbeitskollegen gefragt warum denn alle Portweine in Portugal englische Namen tragen.
Ich habe ihm geantwortet, dass den Winzern vor über 300 Jahren, als der Portwein seine Geburt hatte, einfach die portugiesischen Namen ausgegangen wären und sie sich damals schon einmal auf die Globalisierung von heute einstellen wollten.

Natürlich ist das Humbug und ich habe ihm auch nur solch eine Antwort gegeben, weil wir kalendarisch den 01. April hatten.
Hier nun aber, im Rahmen dieses Blogs, die richtige Antwort auf diese sehr interessante Frage, die mir gestellt wurde:

Also, zu aller erst stimmt es nicht, dass alle Portweine englische Namen tragen.
Nein, es gibt viele Portweine aus ursprünglich portugiesischem Hause, wie z.B. den Ferreira, den Fonseca und den Calém. Genauso wie die Portweine von Quinta do Noval, Manoel de Poças, Rebello Valente oder Ramos-Pinto.
Alles angesehne und geschichtsträchtige Namen portugiesischer Portweinherstellerfamilien.

Aber es ist schon wahr, dass es auch viele englische Portweinwinzer gab und gibt.
Das hat aber einen geschichtlichen Hintergrund.
Im Jahre 1654 schlossen Portugiesen und Engländer den Vertrag von Westminster (port.: Tratado de Westminster) ab. Dieser Vertrag gewährte den Briten in Nordportugal zahlreiche Handelssonderrechte.
Diese Sonderechte waren so groß, das die Briten den Norden Portugals fast als eine englische Kolonie ansahen, was sie ja theoretisch nun auch war.
Zahlreiche englische Weinhändler und Kaufleute ließen sich damals an der Küste ihres neuen „Hoheitsgebietes“ nieder, und der Handel mit dem britischen Mutterland wurde privilegiert.
Der Wein, der von Porto aus nach England verschifft wurde, hieß von da an Portwein, obwohl der nur wenig mit dem heutigen Portwein gemein hatte.

Aber die Namen der britischen Familien, die sich damals als Kaufleute und Winzer im Tal des Douro niederließen, sind bis heute unverändert geblieben, auch wenn sie alle heute dann doch eher portugiesisch als britisch sind.

Und so kommt es, das Portugals Exportschlager Nr. 1 oftmals englische Namen trägt, wie die Namen Taylor, Warre, Croft und Sandeman (alle schon im 18. Jahrhundert gegründet!). Und natürlich haben auch die Familien Graham, Dow und Cockburn einen großen Anteil an der Produktion des Portweins gehabt und haben ihn immer noch.
Nicht zu vergessen die Familien Gould, Quarles Harris und Smith Woodhouse.

Aber auch die Niederländer haben damals, vor 300 Jahren, Portweinhäuser gegründet, die bis heute überdauert haben. Namentlich sind hier die Häuser Niepoort, Kopke (eine deutsch-niederländische Familie) und Andresen zu erwähnen.

In welchen Familien auch immer diese leckeren Weine ihren Ursprung haben, wichtig ist nur eins: sie erfreuen sich alle nicht nur einer langen Tradition, sondern sie stehen auch heute noch alle hoch im Kurs!

Mein Lesezeichen



Heute Morgen wurde ich auf mein originelles Lesezeichen angesprochen.
Auf dem Weg nach Lissabon, auf der Fähre die Cacilhas mit der Hauptstadt verbindet, pflege ich meistens zu lesen, um die Überfahrtzeit zu überbrücken.
Ein Junge, ca. 5 Jahre alt, welches mit seiner Mutter reiste, fragte mich nach dem Lesezeichen, das ich beim lesen immer in der rechten Hand zu halten pflege.
Ihm fielen die Zeichnungen auf dem Lesezeichen auf, und er meinte er könne auch so gut malen.

Nun, das will ich dem Knirps wohl glauben, denn mein Lesezeichen wurde nämlich von meinem kleinen Neffen Nélson und meiner noch kleineren Nichte Lorena kunstvoll kreiert.

Und das kam so:
Anfang des Jahres kaufte ich in Évora ein Lesezeichen aus Kork (port.: marcador de cortiça).
Daheim angekommen, legte ich das neue Lesezeichen auf meinen Schreibtisch. Lorena war von dem „jungfräulich leeren“ Lesezeichen so angetan, das sie beschloss diesen, als ich ihr den Rücken zukehrte, sofort zu bekritzeln.

Da nun der erste Schritt zu einem „abstrakten Kunstwerk“ getan war, ermutigte ich die Kleine weiter zu malen.
Und ich fragte dann auch Nélson ob er gerne die andere Seite des Lesezeichens bemalen würde. Er stimmte freudig zu, und malte mir eines seiner Lieblingsmotive, eine Space Shuttle, auf das Lesezeichen.

Und so kommt es, das ich ein individuelles Lesezeichen jeden Tag bei mir trage und jeden Tag, wenn ich das Buch aufschlage, welches ich gerade lese, denke ich mit „saudade“ an meine zwei Mini-Künstler.

Nélson und Lorena, meine kleinen Künstler, ich liebe Euch von ganzem Herzen!

Donnerstag, 1. April 2010

Frohe Ostern 2010 / Páscoa Feliz 2010


Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs, sowie allen meinen Freunden, Verwandten und Kollegen ein frohes und von Gott gesegnetes Osterfest, mit vielen bunten Schokoladeneiern und leckeren Mandeln, wie hier in Portugal so üblich.

Frohe Ostern!


Desejo a todos os leitores deste meu Blog, assim como também a todos os meus amigos, familíares e colégas uma Santa Páscoa feliz, com saborosos ovos de chocolate e muitas, muitas amêndoas deliciosas.

Uma Páscoa Feliz!