Montag, 26. April 2010

Grândola, Vila Morena


In meinem Beitrag „Nelkenrevolution“, von Vorgestern, schrieb ich über die Entstehung des wichtigsten politischen Feiertags Portugals, dem 25. April, Tag der Freiheit (port.: „Dia da Liberdade“), und ich erwähnte in diesem Beitrag auch das Lied „Grândola, vila morena“.
Heute wurde ich von einer deutschen Arbeitskollegin über den Liedtext von „Grândola, vila morena“ gefragt und über die Geschichte dieses Liedes.

Also habe ich mich heute hingesetzt und versucht den Originaltext ins Deutsche zu übersetzen und ein wenig über das Lied selbst herauszufinden.

Vor 36 Jahren, schlossen sich breite Teile des portugiesischen Militärs zur „Bewegung der Streitkräfte“ (port.: Movimento das Forças Armadas - MFA“) zusammen, und putschten gegen die faschistische Diktatur, die bereits 48 Jahre andauerte.

Das vereinbarte, verschlüsselte Zeichen für den Putschbeginn der Truppen war das verbotene Lied „Grândola, vila morena“.
Damals, in einer Zeit in der es noch keine Computer oder Handys gab, mussten die revoltierenden Truppen dieses Lied per Radio in das Land hinaus senden.
Und so kam es also, das in der ersten Stunde des 25. April, um genau 00:30 Uhr, der Sprecher des Radiosender „Radio Renascença“ die erste Strophe dieses Liedes vortrug.
Nach dem vorlesen der Strophe wurde dann das Lied selbst abgespielt, und da wussten die Militärs in allen Kasernen und Militärbasen des Landes, das die Stunde zum Aufstand geschlagen hatte.

„Grândola, vila morena“ stammt aus der Feder des kommunistischen Sängers und Liedermachers José Afonso, der damals einer der größten Gegner der Diktatur war.
In seinem Lied besingt der Liedermacher die alentejanische Stadt Grândola, die zur Zeit der Diktatur eines der Widerstandszentren der Opposition war.
Wegen seines doppeldeutigen Textes war „Grândola, vila morena“ von der Staatszensur verboten worden.
Den politisch Verfolgten und dem Normalbbürger war dieses Lied jedoch ein Lied der Hoffnung und Zukunft.

Das Lied besteht aus sechs Strophen und lautet im Originaltext wie folgt:

Grândola, vila morena,
Terra da fraternidade,
O povo é quem mais ordena,
Dentro de ti ó cidade.

Dentro de ti ó cidade,
O povo é quem mais ordena,
Terra da fraternidade,
Grândola vila morena.

Em cada esquina um amigo,
Em cada rosto igualdade,
Grândola vila morena,
Terra da fraternidade.

Terra da fraternidade,
Grândola vila morena,
Em cada rosto igualdade,
O povo é quem mais ordena.

À sombra de uma azinheira,
Que já não sabia a idade,
Jurei ter por companheira,
Grândola a tua vontade.

Grândola a tua vontade,
Jurei ter por companheira,
À sombra de uma azinheira,
Que já não sabia a idade.


Meine Übersetzung von „Grândola, vila morena“ lautet wie folgt:

Grândola, sonnengebräunte Stadt,
In einem Land der Brüderlichkeit gelegen,
Das Volk hat das Sagen,
In Dir, oh du Stadt.

In Dir, oh du Stadt,
Hat das Volk das Sagen,
In einem Land der Brüderlichkeit gelegen,
Grândola du dunkele Stadt.

An jeder Ecke ein Freund,
In jedem Gesicht Gleichheit,
Grândola du dunkele Stadt,
In einem Land der Brüderlichkeit gelegen.

In einem Land der Brüderlichkeit gelegen,
Grândola du dunkele Stadt,
In jedem Gesicht Gleichheit,
In Dir hat das Volk das Sagen.

Im Schatten einer mächtigen Steineiche,
Die ihr Alter nicht mehr wusste,
Habe ich dir Treue geschworen,
Grândola, nach deinem Wunsch.

Grândola, nach deinem Wunsch,
Habe ich dir Treue geschworen,
Im Schatten einer mächtigen Steineiche,
Die ihr Alter nicht mehr wusste.


Zwei wichtige Anmerkungen möchte ich gerne zu meiner Übersetzung noch hinzufügen:

- Ins Deutsche übersetzt verliert dieses Lied leider viel von seiner Doppeldeutigkeit und Aussagekraft.

- Ich habe das Wort „morena“ mit „dunkel“ übersetzt. Aber „morena“ kann auch mit „brünett“, „schwarzbraun“, „braungebrannt“ oder „gebräunt“ übersetzt werden.

Samstag, 24. April 2010

Nelkenrevolution



Wir schreiben das Jahr 1974.
Am frühen Morgen des 25. April, kurz nach Mitternacht, erklingt im portugiesischen Radiosender „Rádio Renascença“ das von der Diktatur bis dahin zensierte Lied „Grândola, Vila Morena“, des Sängers José Afonso.

Dieses einfache, aber vom Text her sehr ausdruckreiche Lied, ist das Startsignal für einen minutiös geplanten Aufstand, der Portugal von seiner damals verhassten faschistischen Diktatur befreien, und als die Nelkenrevolution (port.: Revolução dos Cravos) in die Geschichte eingehen wird.
Über 48 Jahre hinweg hatten die Diktatoren António de Oliveira Salazar und Marcelo Caetano mit strenger Hand über das Land und die Kolonien geherrscht.
Diese Herrschaft endete nun am 25. April, mit besagter unblutigen Nelkenrevolution.

April ist die Zeit der Nelken.
An diesem 25. April wird diese unscheinbare Blume, die ich abschätzig „Friedhofskraut“ nenne, weil ich einfach keine Nelken mag, zum Symbol der friedlichen Revolution.
Inspiriert von der „flower power“ schmückten damals die Studenten und die Arbeiter, die Hausfrauen und selbst Kinder, die Panzer mit den Nelken und stecken sie in die Gewehrläufe der Soldaten.

Als am späten Nachmittag über das Radio die Nachricht verbreitet wurde, das der Diktator Marcelo Caetano sich der MFA (port.: Movimento das Forças Armadas / dt.: Bewegung der Streitkräfte) ergeben und die Macht an General António Sebastião Ribeiro de Spinola übergeben hatte, setzt ein stundenlanger Hupkonzert ein und lockte auch die letzten Zweifler aus ihren Häusern zum Rossio und in die Baixa.
Von diesem Hupkonzert hat mir meine Großmutter Sara später noch oft erzählt.

Ich selber, der ich zu dieser Zeit schon mit meinen Eltern und meiner Schwester in Deutschland lebte, erlebte diesen Morgen in der Wilhelm-Busch-Grundschule in Arheilgen.
Ich weiß noch, als ob es erst gestern gewesen wäre, wie damals meine Grundschullehrerin Frau Koppe auf dem Schulhof auf mich zukam, und mich fragte wie es mir gehen würde, und ob ich wüsste wie es meiner Familie gehen würde.
Als achtjähriges Kind hatte ich damals keine Ahnung von Politik, und auch keine Ahnung was meine Lehrerin eigentlich von mir wollte und erst recht wusste ich nicht, was sich in diesen Stunden in meinem Heimatland abspielte.
Aber selbst als kleines Kind begriff ich, es musste etwas „weltbewegendes“ passiert sein in dem Land das ich damals unter Protest verlassen hatte und welches meine Eltern Portugal nannten.

Für mich als Kind änderte sich damals nichts im Leben.
Aber heute, 36 Jahre später, weiß ich sehr wohl, das an diesem Tag, Werte wie die Meinungsfreiheit, die Versammlungsfreiheit und die Gleichberechtigung in Portugal, ihre Geburtsstunde hatten.

Dennoch gibt es noch heute einige die sich die „Diktatur der Ordnung“ zurückwünschen. Man kann zu den Diktatoren Salazar und Caetano stehen wie man will.
Aber eines muss auch diesen ewig Gestrigen klar sein:
Unter einer faschistischen Diktatur, wie es sie fast 50 Jahre lang in Portugal gegeben hat, wären die Gedanken niemals frei und Portugal nichts weiter als ein riesiges Gefängnis!

Internationaler Tag des Buches


Gestern, am 23. April, feierten wir den Internationalen Tag des Buches (port.: Dia Internacional do Livro / engl.: World Book Day).
Dieser Tag wurde von der UNESCO im Jahre 1995 ausgewählt und anerkannt, um weltweit die Kultur des Lesens, und die Bücher zu überhaupt, zu ehren.
Der 23. April ist der Tag des Heiligen Sankt Georg.
An diesem Tag, so eine alte Tradition, werden Bücher verschenkt.

So bin ich gestern in den Chiado gegangen, in die Livraria Bertrand, und habe mich mit dem Kauf des Buches „Amantes dos Reis de França“ von den Schriftstellerinnen Ana Cristina Pereira und Joana Troni selbst beschenkt, und somit die Tradition fortgeführt.

Ich habe noch nicht angefangen das Buch zu lesen.
Deshalb weiß ich nicht genau was mich literarisch erwartet.
Aber um den Welttag des Buches zu ehren, hier eine Liste der, für mich, zehn besten Bücher, die ich in den letzten 12 Monaten gelesen habe:

- „Se as Jóias Falassem“ von Eduardo Alves Marques

- „Dramatische Verwechslung“ von Mark Tabb

- „Blutiges Erwachen“ von Roger Smith

- „Catarina de Bragança“ von Isabel Stilwell

- „ Auf den Spuren der Sehnsucht“ von Gerhard Nehls

- „JK, o artista do impossível“ von Claudio Bojunga

- „Großmama packt aus“ von Irene Dische

- „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ von Allen & Barbara Pease

- „Império à deriva“ von Patrick Wilcken

- „Filipa de Lencastre“ von Isabel Stilwell

Mittwoch, 21. April 2010

Eselsohren: „Wenn Schmuckstücke reden könnten“


Vor kurzem stellte ich hier im Blog, im Rahmen der Rubrik „Von Eselsohren und anderen Dingen“, das Buch „Dramatische Verwechslung“ vor.
Heute will ich unter dieser Rubrik ein neues Buch vorstellen.

Das Buch ist im Verlag „A Esfera dos Livros“ erschienen und heißt „Se as jóias falassem“ (dt.: “Wenn Schmuckstücke reden könnten”) und erzählt spannende Geschichten über die einzelnen Schmuckstücke und Juwelen der portugiesischen Königinnen und Prinzessinnen.
Genau wie die Frauen die sie trugen, so haben auch die Juwelen Geschichte geschrieben.

Der Autor dieses Buchs ist der junge Eduardo Alves Marques, der auf spannende Art und Weise über die Juwelen und andere Schmuckstücke schreibt die für das portugiesische Königshaus bestimmt waren und unter anderem von den Juwelieren Cartier, Boucheron, Leitão & Irmão, Merellio und Musy kreiert wurden.

Wenn sie reden könnten, die verschiedenen Armbänder, Ringe, Ketten, Diademe und Ohrringe aus Gold, Diamanten, Smaragden und Rubinen, so würden sie über prächtige Hochzeiten und emotionalen Taufen berichten, und von besonderen Staatsbanketts und unvergesslichen Hofbällen erzählen.
Ihr Zauber liegt nicht nur in ihrem Alter und in der Menge der verwendeten Edelsteine. Nein, sie bergen auch ein Geheimnis, das bereits die Frauen begeisterte die sie trugen und uns heute noch alle bei einem Museumbesuch erstaunen lassen.
Auch wer sie hundert Mal gesehen hat, sei es in Natura oder auf alten Gemälden, kann sie beim hundertertsten Mal wieder neu erleben und entdecken. Denn wahre Symbole von königlicher Macht und Liebe ruft in den Seelen derer, die es verstehen wollen, mehr hervor, als die Juweliere die sie kreierten bewusst hineinzulegen vermochten.

Leider ist dieses Buch noch nicht in deutscher Sprache erschienen (wenn er überhaupt jemals erscheinen wird!...).
Aber denen, die der portugiesischen Sprache mächtig sind, denen kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen.
In dem Buch sind viele Fotos der einzigartigen Juwelen und ihren Trägerinnen abgebildet.

Samstag, 17. April 2010

Ich nehme es so, wie es kommt!


Wir leben in einer hochtechnologischen Welt, in einer Welt, die uns das Gefühl gibt, Herr über die Zeit, das Wetter und die Elemente zu sein.
Das dem aber nicht so ist, hat dieser Woche ein Vulkan, dessen Namen ich noch nicht einmal aussprechen kann, und den bis dato hier in Mittel- und Südeuropa kein Mensch kannte, uns allen gelehrt.

Millionen von Fluggästen sitzen seit zwei Tagen an den meisten europäischen Flughäfen fest, und kommen nicht an ihr Ziel, weil der Vulkan Eyjafjllajokull auf Island ausgebrochen ist und nun seine Asche und Gase Kilometerweit in die Erdatmosphäre spuckt.
Da diese Aschewolke für die Luftfahrt äußerst gefährlich ist, sind dementsprechend in fast ganz Europa seit vorgestern alle Flughäfen gesperrt.
Dies beeinträchtigt immens die Reisemöglichkeiten jeden Normalbürgers, sowie auch die der so genannten VIP´s.

Dies musste nun auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erfahren.
Aus den USA kommend, wo sie sich mit Präsident Barack Obama getroffen hatte, wollte die Bundeskanzlerin gestern nach Berlin zurückfliegen.
Doch die Aschewolke machte ihr und ihrer Delegation einen Strich durch die Rechnung.
Und so musste die Regierungsmaschine „Konrad Adenauer“ in Lissabon landen, da alle deutschen Flughäfen bereits für den Flugverkehr gesperrt waren, genauso wie die britischen, die französischen, die niederländischen, die belgischen, die dänischen, usw., usw.
Lissabon ist überhaupt einer der wenigen Flughäfen in Europa die noch angeflogen werden dürfen.

Hier in Lissabon wurde die Bundeskanzlerin zuerst von ihrem Amtskollegen José Socrates am Lissabonner Militärflughafen Figo Maduro empfangen, bevor sie dann zum Hotel Ritz gebracht wurde, um dort die Nacht zu verbringen.

Eine Nacht in Lissabon, zumal im Ritz, nun es gibt sicherlich schlimmeres im Leben eines Politikers.
Und so reagierte dann auch Angela Merkel auf die Frage eines Reporters als dieser sie am Hoteleingang fragte ob es denn nicht „ärgerlich“ sei, in Lissabon „festzusitzen“.
Sie antwortete ihm kurz und bündig: „Ich nehme es so, wie es kommt!“

Heute Morgen flog die Kanzlerin, sichtlich erholt, um 11.30 Uhr von Lissabon aus in Richtung Rom, da die deutschen Flughäfen immer noch für den Flugverkehr gesperrt sind. Anscheinend beflügeln Vulkanausbrüche die Reisediplomatie der Kanzlerin.

Viel schlimmer als die deutsche Kanzlerin hat das momentane Flugchaos aber den Portugiesischen Staatspräsidenten Anibal Cavaco Silva getroffen.
Der weilte nämlich bis gestern in Prag auf Staatsbesuch.
Und da auch der Flughafen von Prag gesperrt ist, mussten nun er und seine ganze Delegation mit einer Auto- und Buskolonne nach Straßburg gefahren werden, wo sie planen heute zu übernachten.
Morgen soll es dann per Auto weiter nach Barcelona gehen, und von dort, wenn das Wetter und die Aschewolke mitspielen, dann mit einer Regierungsmaschine nach Lissabon.

Sollte es aber für die portugiesische Delegation nicht möglich sein von Barcelona nach Lissabon zu fliegen, dann steht den Herrschaften noch eine Busfahrt von 1200 km bevor.

Ich glaube wie werden dann, nach 3000 km auf der Straße, von Cavaco Silva die Worte: „Ich nehme es so, wie es kommt!“, so wie die Kanzlerin sie gesagt hat, ganz bestimmt nicht hören.

Ourivesaria Aliança






Wer früher in Lissabon an das Einkaufen dachte (heute leider nicht mehr so sehr), dachte automatisch an den Chiado.
Der Chiado war und ist das Lissabonner Stadtteil wo man zum Einkaufen oder flanieren hinging und noch heute hingeht.
Der Lissabonner hat für das „flanieren im Chiado“ sogar einen eigenen Begriff erfunden, nämlich „ir namorar as montras ao Chiado“, was ins deutsche übersetzt so viel heißt wie: „man geht in den Chiado um sich in die Schaufenster zu verlieben“.

Es gibt Geschäfte im Chiado, die sind wahre Institutionen der Hauptstadt, wahre Museen, so symbolträchtig und etabliert sind sie.
Eines dieser „Museen des freien Handels“ und ein Symbol des Chiado ist die Ourivesaria Aliança (dt.: Juweliergeschäft Aliança), in der Rua Garrett n° 50, wo heutzutage Lissabonner und Touristen eher einkehren, um das Geschäft zu fotografieren (wie in einem Museum halt), als um das eine oder andere Schmuckstück zu erwerben.

Der Juwelier Aliança wurde im Jahre 1902 von dem Architekten Oliveira Ferreira im Louis XV-Stil erbaut und hat eine imposante, aus Eisen bearbeitete, Fassade.
Aber der eigentliche Schmuck der Ourivesaria Aliança ist nicht ihre wunderschöne Außenfassade, sondern die Wand- und Deckenmalereien in ihrem Inneren.
Die vom Maler Artur Alves Cardoso (1883-1930) im Jahre 1914 gemalte „Toilette de Venus“ an der Decke und den Wänden des Geschäfts sind wohl die originellsten der ganzen Stadt.
Welchen unschätzbaren Wert diese Malereien in dem Juweliergeschäft haben, wird einem erst klar, wenn man weiß, dass Alves Cardoso auch der Maler der Deckenmalereien im Portugiesischen Parlament ist.

Viele betreten diesen Laden, wie gesagt, um Bilder von der Inneneinrichtung zu machen.
Aber man darf nicht vergessen, dass man sich hier eigentlich in einem Juwelier befindet.
Sollte man also ein ausgefallenes Schmuckstück kaufen wollen, so ist man hier in diesem Geschäft bestens aufgehoben.
Denn so originell wie die Inneneinrichtung und die Malereien, sind auch die Edelmetalle und Klunker in den Vitrinen.

Ein beispielhafter Politiker, ein beispielhafter Mann


Die Gemeinde Cruz Quebrada (port.: Junta de Freguesia da Cruz Quebrada), im Lissabonner Großraum gelegen, hat einen Vollzeit-Gemeinderatsvorsitzenden (port.: Presidente da Junta de Freguesia).
Paulo Freitas do Amaral sieht in seinem Amt als Vorsitzender der kleinen Gemeinde am Meer nicht nur seinen Beruf, sondern vor allem seine Berufung.

Als das Kultusministerium in Lissabon, in den letzten Weihnachtsschulferien beschloss, die zwei einzigen Grundschulen im Herzen der Gemeinde Cruz Quebrada aus wirtschaftlichen Gründen für immer zu schließen, und somit den Schulkindern ab den Osterferien einen wesentlich weiteren Schulweg in die Nachbargemeinde Dafundo zuzumuten, da nahm Paulo Freitas do Amaral selbst das Problem in Angriff, und versuchte für mindestens 30 dieser Schüler eine Lösung zu finden.

Und diese Lösung besteht darin, dass er aus eigener Tasche, in nur sechs Wochen, die Busfahrerlizenz machte, sich dann bei einer privaten Busgesellschaft einen Kleinbus zum symbolischen Preis von 1,00 Euro anmietete, um dann höchstpersönlich, nun ab Mai, jeden Morgen die Schulkinder in die weiter entfernte Grundschule Escola Básica Gonçalves Zarco nach Dafundo zu fahren.

Das nächste Ziel von Paulo Freitas do Amaral wird es sein, einen neuen Busfahrer einzustellen.
Der neue Busfahrer soll dann nicht den Gemeinderatsvorsitzenden als Busfahrer ersetzen, sondern im Gegenteil, er soll dann helfen die doppelte Zahl von Kindern in die neue Schule befördern zu können.

Endlich mal ein Politiker, der nicht in die eigene Tasche wirtschaftet, sondern an das Wohl seiner Gemeinde denkt!
Ein beispielhafter Politiker, ein beispielhafter Mann!

Donnerstag, 8. April 2010

In memoriam: Dietrich Bonhoeffer


„Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie uns nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern alleine auf ihn verlassen.“

Diese Worte schrieb der 1906 geborene Dietrich Bonhoeffer in seiner dunklen, nassen Zelle im Konzentrationslager Flossenbürg.
Dort, in der tiefsten Oberpfalz, saß Bonhoeffer seit April 1943 im Gefängnis weil er es gewagt hatte gegen das Naziregime Widerstand zu leisten.

Für die Nationalsozialisten war Bonhoeffer nichts weiter als ein gefährlicher Spion, feiger Vaterlandsverräter, dreckiger Judenfreund und hinterhältiger Verschwörer.
Aber Bonhoeffer war lediglich ein Mensch, der menschliche Gefühle und christliche Werte hatte, und der die unmenschliche Nazipolitik auf keinen Fall mittragen wollte.

Für seine Menschlichkeit und seinen Glauben wurde Dietrich Bonhoeffer vor genau 65 Jahren, im Morgengrauen des 09. April 1945, mit den Gleichgesinnten Admiral Canaris und General Oster, auf persönlichen Befehl Adolf Hitlers, im KZ Flossenbürg, hingerichtet.

Dienstag, 6. April 2010

Blitzkrieg gegen Portugal


Vor nunmehr 70 Jahren, im Frühjahr 1940, der Zweite Weltkrieg hatte wenige Monate vorher mit dem Überfall Deutschlands auf Polen begonnen, trafen sich der spanische Außenminister Ramon Serrano Súñer und sein deutscher Amtskollege Joachim von Ribbentrop in Madrid, um die Kriegsallianz zwischen Spanien und Deutschland zu bekräftigen.

Am Ende dieses Treffens, Ribbentrop steht schon am Flughafen, an seiner Maschine die ihn nach Berlin zurückbringen soll, offenbart der spanische Außenminister dem Deutschen, das der spanische Diktator General Franco mit dem Gedanken spielt das neutrale Portugal noch im Sommer oder im Herbst des gleichen Jahres zu überfallen, so wie es Deutschland zuvor mit Polen gemacht hat.
Diesen Plan kann General Franco aber unmöglich ohne die Mithilfe Deutschlands verwirklichen!

In Unterlagen, die erst jetzt veröffentlicht wurden, plante Spanien damals einen „Blitzkrieg“ gegen Portugal.
Innerhalb von nur 24-48 Stunden sollten Lissabon besetzt und Portugal in drei Teile aufgeteilt werden, mit jeder Macht und Gewalt die dem Heer, der Marine und der Luftwaffe Spaniens zur Verfügung stünden.

Bei dem geplanten Feldzug, der den Namen „Nr. 1/34“ tragen sollte, hätten sich 25 spanische Divisionen nur fünf portugiesischen Divisionen gegenüber gestanden.
Die Argumentation zu diesem Einmarsch in Portugal gab Spaniens Außenminister Ramon Serrano Súñer seinem Amtskollegen von Ribbentrop gleich mit auf dem Weg.
Seiner Meinung nach hatte nämlich „bei der Betrachtung der Landkarte Europas, Portugal, geographisch gesprochen, kein Recht zu existieren!“

Nach mehrmaligem Anfragen aus Madrid, wird der Präventivschlag auf Portugal durch General Franco von Adolf Hitler nicht unterstützt.
Im Gegenteil, Hitler rät damals Franco von einer Besetzung Portugals sogar ab.

Johannes XXI


Portugal bereitet sich dieser Tage auf den Besuch des deutschen Papstes Benedikt XVI (port.: Bento XVI), der Mitte Mai stattfinden wird, vor.
Benedikt XVI wird sich hier in Portugal an Papst Johannes Paul II, dem Polen, (port.: João Paulo II) messen lassen müssen, denn der war ein bekennender Freund Portugals und Marienanhänger, und somit hatte er es bei seinen Portugalbesuchen äußerst leicht die Massen zu bewegen.
Aber Portugal wird auch Benedikt XVI freudig empfangen, denn Portugal hatte mit den einzelnen Stellvertretern Christi auf Erden, woher sie auch immer kamen, nur selten Probleme.

Kaum ein Portugiese aber weiß, dass es auch schon einmal einen portugiesischen Papst gegeben hat.
Vom 08. September 1276, bis zu seinem Tode am 20. Mai 1277, saß nämlich der Lissabonner Pedro Julião (lat.: Petrus Hispanus / ital. : Petrus Juliani) auf dem Heiligen Stuhl.

Der Geburtstag, und sogar das Geburtsjahr, von Pedro Julião sind bis heute ein Geheimnis der Geschichte geblieben.
Man vermutet aber, dass der Sohn des Arztes und Apothekers Julião Rebelo und Teresa Gil, zwischen 1205 und 1215 auf die Welt kam.

Er studierte in Lissabon, im spanischen Léon und an der Pariser Sorbonne zuerst Theologie und Philosophie und dann Medizin und Mathematik, bevor er nach Italien ging, und an den Universitäten von Salerno und Siena selber Medizin zu lehren.
Er wurde ein angesehener Medizinprofessor für Augenheilkunde.
Er war es z.B, der dem Künstler und Maler Michelangelo Buonarroti, als dieser beim Bau der Sixtinischen Kapelle fast erblindete, die Augen behandelte, so das dieser wieder einwandfrei sehen und an der Kapelle weiterarbeiten konnte.
Außerdem wurde Pedro Julião ein Fachmann, man will es kaum glauben, für Empfängnisverhütung und Schwangerschaftsabbrüchen!
Zur damaligen Zeit, eine absolute Revolution.

Um 1260 ernannte ihn der spätere Papst Hadrian V (port.: Adriano V) zu seinem Leibarzt. Später wurde er Hof- und Leibarzt von Papst Gregor X (port.: Gregorio X).
Kaum im Vatikan angekommen begann seine Kirchenkarriere.
1272 wird er im italienischen Frascati zum Erzbischof ernannt und 1273 kehrt er nach Portugal zurück, als Erzbischof von Braga.

Am 08. September 1276 wird Pedro Julião in Viterbo, nach einem kontroversen Konklave, zum neuen Papst Johannes XXI (port.: João XXI) gewählt.
In Viterbo verbringt er dann auch sein kurzes Pontifikat.
Dort lässt er sich, an der Hinterseite seines Papstpalastes, seine Privatbibliothek erweitern, denn er wollte seine medizinischen Forschungen weiter führen, und brauchte dafür eine Unmenge von Fachbüchern.
Am 16. Mai 1277 wird er bei einem Aufenthalt in seiner Bibliothek von herabstürzenden Deckenteilen getroffen und schwer verletzt.
Diesen schweren Verletzungen erliegt er vier Tage später.

Sein plötzlicher Tod war der damaligen Kirche unheimlich suspekt. Viele im Umfeld Johannes XXI waren der Meinung, dass „etwas böses und unheimliches“ geschehen sein musste.
In einer Chronik aus der damaligen Zeit, die sehr mystisch und voller Aberglauben war, schrieb z.B. ein Mönch: „Dieser häretische Schwarzkünstler ist in seinem Palast vom Teufel persönlich erschlagen worden!“

Johannes XXI, der einzige portugiesische Papst auf dem Stuhl Petri, der den Ruf hatte eher den Armen als den Reichen eine Audienzen zu gewähren und der seiner Zeit meilenweit voraus war, ist heute im Dom von Viterbo beigesetzt, unweit seiner geliebten Bibliothek.

Eselsohren: „Dramatische Verwechslung“


Ich lese für mein leben gerne.

Und wer mich kennt weiß, das Bücher mir mitunter das liebste sind was ich besitze.
Deshalb will ich ab heute hier in diesem Blog unter der Rubrik „Von Eselsohren und anderen Dingen“ (die erste Rubrik überhaupt hier im Blog) immer wieder einmal Bücher vorstellen und kommentieren, die ich gerade lese.

Das Buch, das ich gerade fertig gelesen habe und das ich heute euch allen ans Herz legen will, heißt „Dramatische Verwechslung“ und handelt von einem tödlichen Unfall im Jahre 2006, einem folgenschweren Irrtum der auf diesen Unfall folgte und von zwei Familien die zwischen purer Verzweiflung und immenser Hoffnung taumelten.

In diesem Buch wird die wahre, und fast unfassbare Geschichte der beiden amerikanischen Studentinnen Whitney Cerak und Laura Van Ryn erzählt.
Beide haben sie, mit 15 anderen Jugendlichen am 26. April 2006, mit ihrem Schulbus einen schweren Unfall auf der Interstate 69, im US-Bundesstaat Michigan, und beide werden sie dann beim bergen vom Unfallort kurioserweise verwechselt.
Die eine wird unter dem Namen der anderen beerdigt und die andere wird von ihrer Familie über Wochen im Krankenhaus liebevoll gepflegt, bis diese merkt, dass es sich bei dem Mädchen nicht um ihre Tochter handelt.

Die eine Familie, die über mehrere Wochen die Hoffnung hat das ihre Tochter wieder gesund wird, muss so nun erfahren dass diese bereits seit Wochen unter der Erde liegt.
Und die andere Familie, die vor Wochen die vermeintliche Tochter zu Grabe getragen hat, muss nun, nachdem sie den Tod der Tochter einigermaßen verarbeitet hat, damit zurechtkommen, dass diese tatsächlich noch lebt!

Ich finde dieses Buch sehr spannend und emotional, zumal es sich ja nicht um einen Roman handelt, sondern um eine wahre Geschichte über den Verlust, den Glauben und die Hoffnung zweier Familien im Angesicht einer unvorstellbaren Tragödie.

„Dramatisch Verwechslung“ ist im GertMedien Verlag erschienen und wurde von dem Autoren Mark Tabb geschrieben, der auf die wertvollen Informationen der Eltern von Whitney und Laura zurückgreifen konnte.

Port is not english


Ich wurde vor Tagen von einem Arbeitskollegen gefragt warum denn alle Portweine in Portugal englische Namen tragen.
Ich habe ihm geantwortet, dass den Winzern vor über 300 Jahren, als der Portwein seine Geburt hatte, einfach die portugiesischen Namen ausgegangen wären und sie sich damals schon einmal auf die Globalisierung von heute einstellen wollten.

Natürlich ist das Humbug und ich habe ihm auch nur solch eine Antwort gegeben, weil wir kalendarisch den 01. April hatten.
Hier nun aber, im Rahmen dieses Blogs, die richtige Antwort auf diese sehr interessante Frage, die mir gestellt wurde:

Also, zu aller erst stimmt es nicht, dass alle Portweine englische Namen tragen.
Nein, es gibt viele Portweine aus ursprünglich portugiesischem Hause, wie z.B. den Ferreira, den Fonseca und den Calém. Genauso wie die Portweine von Quinta do Noval, Manoel de Poças, Rebello Valente oder Ramos-Pinto.
Alles angesehne und geschichtsträchtige Namen portugiesischer Portweinherstellerfamilien.

Aber es ist schon wahr, dass es auch viele englische Portweinwinzer gab und gibt.
Das hat aber einen geschichtlichen Hintergrund.
Im Jahre 1654 schlossen Portugiesen und Engländer den Vertrag von Westminster (port.: Tratado de Westminster) ab. Dieser Vertrag gewährte den Briten in Nordportugal zahlreiche Handelssonderrechte.
Diese Sonderechte waren so groß, das die Briten den Norden Portugals fast als eine englische Kolonie ansahen, was sie ja theoretisch nun auch war.
Zahlreiche englische Weinhändler und Kaufleute ließen sich damals an der Küste ihres neuen „Hoheitsgebietes“ nieder, und der Handel mit dem britischen Mutterland wurde privilegiert.
Der Wein, der von Porto aus nach England verschifft wurde, hieß von da an Portwein, obwohl der nur wenig mit dem heutigen Portwein gemein hatte.

Aber die Namen der britischen Familien, die sich damals als Kaufleute und Winzer im Tal des Douro niederließen, sind bis heute unverändert geblieben, auch wenn sie alle heute dann doch eher portugiesisch als britisch sind.

Und so kommt es, das Portugals Exportschlager Nr. 1 oftmals englische Namen trägt, wie die Namen Taylor, Warre, Croft und Sandeman (alle schon im 18. Jahrhundert gegründet!). Und natürlich haben auch die Familien Graham, Dow und Cockburn einen großen Anteil an der Produktion des Portweins gehabt und haben ihn immer noch.
Nicht zu vergessen die Familien Gould, Quarles Harris und Smith Woodhouse.

Aber auch die Niederländer haben damals, vor 300 Jahren, Portweinhäuser gegründet, die bis heute überdauert haben. Namentlich sind hier die Häuser Niepoort, Kopke (eine deutsch-niederländische Familie) und Andresen zu erwähnen.

In welchen Familien auch immer diese leckeren Weine ihren Ursprung haben, wichtig ist nur eins: sie erfreuen sich alle nicht nur einer langen Tradition, sondern sie stehen auch heute noch alle hoch im Kurs!

Mein Lesezeichen



Heute Morgen wurde ich auf mein originelles Lesezeichen angesprochen.
Auf dem Weg nach Lissabon, auf der Fähre die Cacilhas mit der Hauptstadt verbindet, pflege ich meistens zu lesen, um die Überfahrtzeit zu überbrücken.
Ein Junge, ca. 5 Jahre alt, welches mit seiner Mutter reiste, fragte mich nach dem Lesezeichen, das ich beim lesen immer in der rechten Hand zu halten pflege.
Ihm fielen die Zeichnungen auf dem Lesezeichen auf, und er meinte er könne auch so gut malen.

Nun, das will ich dem Knirps wohl glauben, denn mein Lesezeichen wurde nämlich von meinem kleinen Neffen Nélson und meiner noch kleineren Nichte Lorena kunstvoll kreiert.

Und das kam so:
Anfang des Jahres kaufte ich in Évora ein Lesezeichen aus Kork (port.: marcador de cortiça).
Daheim angekommen, legte ich das neue Lesezeichen auf meinen Schreibtisch. Lorena war von dem „jungfräulich leeren“ Lesezeichen so angetan, das sie beschloss diesen, als ich ihr den Rücken zukehrte, sofort zu bekritzeln.

Da nun der erste Schritt zu einem „abstrakten Kunstwerk“ getan war, ermutigte ich die Kleine weiter zu malen.
Und ich fragte dann auch Nélson ob er gerne die andere Seite des Lesezeichens bemalen würde. Er stimmte freudig zu, und malte mir eines seiner Lieblingsmotive, eine Space Shuttle, auf das Lesezeichen.

Und so kommt es, das ich ein individuelles Lesezeichen jeden Tag bei mir trage und jeden Tag, wenn ich das Buch aufschlage, welches ich gerade lese, denke ich mit „saudade“ an meine zwei Mini-Künstler.

Nélson und Lorena, meine kleinen Künstler, ich liebe Euch von ganzem Herzen!

Donnerstag, 1. April 2010

Frohe Ostern 2010 / Páscoa Feliz 2010


Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs, sowie allen meinen Freunden, Verwandten und Kollegen ein frohes und von Gott gesegnetes Osterfest, mit vielen bunten Schokoladeneiern und leckeren Mandeln, wie hier in Portugal so üblich.

Frohe Ostern!


Desejo a todos os leitores deste meu Blog, assim como também a todos os meus amigos, familíares e colégas uma Santa Páscoa feliz, com saborosos ovos de chocolate e muitas, muitas amêndoas deliciosas.

Uma Páscoa Feliz!

Dienstag, 30. März 2010

Kunst in Bewegung





Die Lissabonner Verkehrsbetriebe CARRIS haben im Rahmen der Förderung junger zeitgenössischer Künstler eine Kunstaktion mit dem Namen „Arte em Movimento“ (dt.: Kunst in Bewegung / Bewegende Kunst) ins Leben gerufen.
Diese Kunstaktion, die vom 06. Januar bis zum 30. Juni 2010 dauern wird, ermöglicht es jungen portugiesischen Künstlern die vier originellen Lissabonner Aufzüge künstlerisch individuell umzugestalten.
Es handelt sich hierbei um die jungen Künstler Susana Mendes Silva,
Vasco Araújo, Susana Anágua und Alexandre Farto.

Der 1987 in Lissabon geborene Alexandre Farto ist für die Gestaltung des Aufzuges von Bica (port.: Ascensor da Bica) verantwortlich.
Er hat aus den zwei, normalerweise, gelben Waggons, die die Rua da Bica de Duarte Belo rauf und runter fahren, und die die Straßen Largo do Calhariz und Rua de São Paulo miteinander verbinden, zwei spiegelnde Fahrkabinen gezaubert.

Alexandre Farto hat die Waggons nämlich mit Spiegelkacheln verkleidet, und sein Projekt „Espectro“ genannt. Das Wort „Espectro“ steht im portugiesischen für „Spektrum“ oder „Spiegel“, aber auch für „Gespenst“. Der Künstler möchte mit seinem Kunstobjekt erreichen, das sich die Menschen und die Stadt in dem Aufzug spiegeln, d.h. mit anderen Worten der Künstler will dass man sich jederzeit in dem Aufzug wieder findet, und das man sich mit der Stadt identifiziert, auch wenn man „gespenstisch“ verzerrt rüberkommt in diesen Spiegelkacheln.

Es ist das erste Mal, das der von dem französischstämmigen Portugiesischen Ingenieur Raoul Mesnier du Ponsard im Jahre 1892 eingeweihte Aufzug, eine solche radikale Veränderung durchmacht und es ist auch das erste Mal das er als Kunstobjekt bestaunt wird.
Obwohl ich mir sicher bin, das jeder Tourist der die Hauptstadt besucht, in den Lissabonner Aufzügen automatisch Kunstobjekte sieht!

Einen Makel hat diese Kunstaktion aber dennoch:
Obwohl das Kunstobjekt „Arte em Movimento“ (dt.: Kunst in Bewegung) heißt, steht der Aufzug von Bica nun schon seit mehreren Wochen still.
Mir sagte ein Mitarbeiter der CARRIS, das die Hydraulik des einen Waggons defekt sei, und das man daher auf ein wichtiges Ersatzteil aus England wartet.

Nun, ich weiß nicht wieso man im Zeitalter von FedEx und DHL Wochenlang auf ein Ersatzteil aus England warten muss.
Aber alleine die Tatsache das der Aufzug nun so lange stehen muss, verhöhnt auf gewisse Art und Weise den Namen des ganzen Projektes: „Kunst in Bewegung“.

Sollte sich das ganze Ding nicht bewegen?

Carbonara – Mobarchie für die Massen


Eine 6 x 4 Meter große blau-weiße monarchistische Flagge wurde letzten Freitag, den 26. März, an der höchsten Stelle des Parque Eduardo VII, mitten in Lissabon, im Morgengrauen, auf den Fahnenmast hochgezogen, an dem normalerweise die grün-rote Nationalflagge Portugals hängt.

Zu der Tat bekannte sich eine Gruppe, die sich „Carbonara – Movimento Monárquico para as Massas“ (dt.: Carbonara – Monarchistische Bewegung für die Massen) nennt, und die angibt, diese Tat begangen zu haben, um den Geburtstag des portugiesischen Thronfolgers, den 14jährigen Infanten Dom Afonso de Santa Maria de Herédia e Bragança, zu feiern.

Die Flagge wurde auf Halbmast gesetzt um, so eine anonyme Quelle, auf die „aktuelle katastrophale Lage der portugiesisch-republikanischen Nation“ hinzuweisen.
Sie wehte im Parque Eduardo VII, unweit des Marques de Pombal, bis um ca.12 Uhr.
Erst dann konnte die Lissabonner Feuerwehr einen Leiterwagen erübrigen, um mit seiner Hilfe die blau-weiße Flagge vom Mast herunterzunehmen.

Wie der Lissabonner Polizeichef André Gomes der Nachrichtenagentur LUSA mitteilte, wird gegen die „Carbonaras“ Strafanzeige erhoben werden, und der Fall dann dem Innenministerium (port.: Ministério Público) übergeben.
Es obliegt dann dem Innenministerium juristisch gegen diese Carbonara-Gruppe vorzugehen.

Da die Portugiesische Staatsflagge über Nacht nicht am Fahnenmast hing, kann man nicht von einem Diebstahl von dieser Reden, wie damals im letzten August, als Monarchisten die republikanische Nationalflagge gegen die blau-weiße Flagge der Monarchie im Lissabonner Rathaus tauschten (lesen sie hierzu auch meinen post „31 da Armada - Die Monarchie in Portugal lebt” vom 13. August 2099).
Auch von Sachbeschädigung kann nicht die Rede sein, da ja kein Schaden am Fahnenmast entstanden ist.

Aber das republikanische Portugal wird schon Gründe und Wege finden, nach jungen Männern zu suchen, die sich einen Spaß daraus machen, blau-weiße Flaggen zu hissen.
Natürlich machen sich königliche Fahnen im Jahre der 100-Jahresfeiern der Republik nicht gerade gut. Also wird mit aller Kraft gegen solche politischen Aktionen vorgegangen.

Ohne Zweifel ändern sich mit der Zeit die politischen Systeme, genauso wie die Fahnen.
Aber anscheinend ist es eine Tatsache dass es hier in Portugal genug Menschen gibt, die sich die Wiedereinführung der Monarchie vorstellen können, ja sich diese sogar wünschen.
Und solch eine Tatsache zu ignorieren ist nicht nur zutiefst undemokratisch, sondern auch politisch sehr unklug!

Dom Duarte Pio, der Thronprätendent Portugals wurde am Parque Eduardo VII gesichtet, als er den Feuerwehrmännern zusah, wie sie sich Mühe gaben, die Flagge vom Mast runterzuholen.
Er war zu keinem Interview bereit.
Aber sein breites Grinsen sprach Bände.

Samstag, 27. März 2010

Von trotzigen Abgeordneten


Was sich da am letzten Freitag im Portugiesischen Parlament (port.: Assembleia da República / dt.: Republikanische Nationalversammlung) abgespielt hat, hat die Beziehung des Parlamentspräsidenten Jaime Gama und einigen Abgeordneten seiner eigenen Partei PS (port.: Partido Socialista / dt.: Sozialistische Partei) nachhaltig verändert.

An diesem Freitag hatten nämlich einige Abgeordnete der Regierungspartei PS, allen voran der Abgeordnete José Lello, der eigentlich ein großer Freund des Parlamentspräsidenten ist, dagegen protestiert, das Reporter von den Zuschauertribünen des Parlaments die Computerbildschirme der einzelnen Abgeordneten abfotografieren könnten.
José Lello und die anderen protestierenden Abgeordneten verlangten vom Parlamentspräsidenten ein sofortiges Fotografierverbot für die Reporter, so wie es ihn bereits für die normalen Besucher des Hohen Hauses gibt.

Doch der Parlamentspräsident antwortete auf die Proteste hin augenblicklich, und zwar klar und deutlich, in dem er den aufmüpfigen Parlamentariern mitteilte das das Parlament ein „Öffentliches Gebäude“ sei, in dem die Meinungsfreiheit aber auch die Informationsfreiheit existierten.
Und noch eines dürften die Parlamentarier nicht vergessen, das nämlich die Computer nicht Eigentum der einzelnen Abgeordneten seien, sondern Eigentum des Staates.

José Lello, der sicherlich eine andere Antwort von seinem Parteifreund erwartet hatte, war mit den Äußerungen Jaime Gamas überhaupt nicht einverstanden, und vor lauter Wut und Trotz knallte er den Deckel seines Computers mit voller Wucht zu.
Die anderen Abgeordneten, die sich José Lello angeschlossen hatten, taten es ihm nach, und so waren im Hohen Hause mindesten 14 Computer zu hören, die lautstark zugeknallt wurden.

Somit, so hatten viele jetzt gedacht, wäre das Thema wohl vom Tisch.
Aber weit gefehlt.
Wer nämlich den ehemaligen Außenminister und jetzigen Parlamentspräsidenten Jaime Gama kennt, weiß genau dass dieser weder käuflich noch bestechlich ist und dass er Respektlosigkeit nicht ausstehen kann.
Und auch eine mehrjährige Freundschaft mit dem Abgeordneten José Lello hindert ihn nicht daran, jetzt aus diesem Zwischenfall, der sich letzte Woche ereignet hat, Konsequenzen zu ziehen.

Und die Konsequenz die er gezogen hat ist die, das diese Woche, auf seine ausdrückliche Anweisung hin, Parlamentsfunktionäre jeden einzelnen Computer des Parlaments auf Schäden hin untersucht haben. Diese Untersuchung sollte zu Tage bringen, ob bei den „Trotzattacken“ der Parlamentarier die einzelnen Computer zu Schaden gekommen waren oder nicht.
Und die Anweisungen des Parlamentspräsidenten für diese Untersuchung waren sehr deutlich:
Sollten die Computer Schäden aufweisen, so wird den einzelnen Abgeordneten hinterher die entsprechende Rechnung präsentiert, die er dann privat zu begleichen hat.

Ob nun José Lello und die anderen Abgeordneten eine Rechnung erhalten haben oder nicht, ist bis dato nicht bekannt.
Bekannt ist aber, dass Jaime Gama und sein „Freund“ José Lello seit dem letzten Freitag nicht mehr in der Parlamentskantine, wie üblich, zusammen gesehen wurden.

Montag, 22. März 2010

Offener Brief an Hillary Clinton


Liebe Hillary,

wie ich in den täglichen Nachrichten sehen, hören und lesen kann, hast du in letzter Zeit viel zu tun, bist immer im Dienste deiner großen Nation unterwegs.

So kommst du gerade aus dem Nahen Osten zurück, wo du mal wieder zwischen den Israelis und den Palästinensern vermitteln wolltest, was aber ganz schön in die Hose gegangen ist.
Dann sollst du bei dir daheim, den Familien der amerikanischen Soldaten erklären, warum immer mehr von ihren Jungs in Holzkisten aus dem Irak und aus Afghanistan nach hause kommen, was dir auch immer schwerer fällt.
Zwischendurch musst du noch die Beleidigungen von Chavez aus Venezuela und Castro aus Kuba ertragen und dich auch noch mit den atomaren Gelüsten des Irans und Nord-Koreas herumschlagen.
Dann musst du auf deinen Auslandsreisen der ganzen Welt immer wieder erklären, warum ihr Amis nicht endlich Guantanamo schließt, obwohl das eines der wichtigsten Wahlversprechen deines Präsidenten, dessen Amt du ja so gerne ausgeübt hättest, war.
Außerdem hast du innenpolitisch mit der geplanten Gesundheitsreform deines Präsidenten und der immer knapper werdenden Mehrheit im Senat zu kämpfen.
Und da sind natürlich auch noch die Eskapaden von Bill, deinem Ehemann, die dich als Ehefrau sicherlich verletzen, aber die dich als Vollblutpolitikerin dazu bringen, immer wieder alles brav zu dementieren!
Wie gesagt Hillary, du hast viel um die Ohren in letzter Zeit.

Nichtsdestotrotz hast du dir die letzte Woche Zeit genommen einen Bericht deines Außenministeriums publik zu machen, der die Menschenrechte in den anderen Ländern der Welt anprangert, Länder die mit deiner Nation verbündet sind und die du als Außenministerin und Freundin ständig bereist.

In diesem „Bericht zur aktuellen Lage der Menschenrechte außerhalb der USA“ deines Außenministeriums, dem State Department in Washington, wird auch mein Land Portugal erwähnt.
Ich wollte es erst nicht glauben, aber Länder wie Portugal, die Niederlande und Deutschland werden tatsächlich in diesem Bericht in einem Atemzug genannt mit Zimbabwe, Südafrika oder Libyen.

Der Portugiesischen Republik wird unter anderem vorgeworfen dass die hiesige Polizei oft unangebrachte Gewalt bei Festnahmen und Verkehrskontrollen an den Tag legt und dass vor allem in den hiesigen Gefängnissen die Gewalt an der Tagesordnung sei.
Außerdem wird Portugal vorgeworfen eine Drehscheibe des Europäischen Frauen- und Kinderhandels zu sein.

Nun Hillary, das mag ja ansatzweise richtig sein, aber vielleicht sollte ich dich daraufhin aufmerksam machen, das es auch in deinem Land fast täglich rassistische und gewalttätige Übergriffe bei Verkehrskontrollen gibt, bei denen immer die schwarzen US-Bürger das Nachsehen haben.
Auch finden in den Gefängnissen der USA, die eigentlich eher Hochsicherheitstrakte gleichen, fast wöchentlich Revolten statt, die dann fast immer mit Mord und Totschlag enden.
Ehrlich Hillary!
Wusstest du eigentlich das, statistisch gesehen, jeder zehnte Bürger deines Landes im Knast sitzt während es hier in Portugal nur jeder 200ste ist? Mach dir mal darüber Gedanken!
Ach ja, und noch etwas Hillary: wir haben hier im brutalen, blutrünstigen Portugal schon vor über 150 Jahren die Todesstrafe abgeschafft, und somit konnten wir verhindern, dass wir unschuldige Menschen auf den elektrischen Stuhl brachten oder ihnen die Todesspritze setzten, so wie es bei euch leider heute immer wieder noch vorkommt.
Denn Hillary, wenn erst einmal einer hingerichtet ist, dann lässt sich das nur schwer, sehr schwer, wieder gutmachen!
Auch den Vorwurf des Menschenhandels kann ich nur schwer nachvollziehen, wenn ich mir überlege, dass es in Deinem Land der unbegrenzten Möglichkeiten gang und gäbe ist, illegale Erntearbeiter aus Mexiko und Guatemala in den Plantagen und Fabriken zu Hungerlöhnen zu beschäftigen und wo es sogar vorkommt das sich Kongressabgeordnete und Senatoren illegale Hausangestellte aus Costa Rica und Honduras leisten.

Deshalb liebe Hillary, solltest du immer zuerst den Dreck vor deiner eigenen Haustür kehren, bevor du dich mit dem Mist der anderen beschäftigst.
Und um diesen offenen Brief an dich schließlich zu beenden Hillary, möchte ich dir noch ein Sprichwort mit auf den Weg geben, von dem ich leider nicht weiß ob er auch bei euch in den Staaten bekannt ist, der da lautet:
„Wer im Glashaus sitzt, der sollte nicht mit Steinen werfen“ (port: „Quem tem telhados de vidro, não devia de andar à pedrada“).

In diesem Sinne Hillary, viel Erfolg im Nahen Osten, den wünsche ich dir wirklich von ganzem Herzen, und einen lieben Gruß an Bill!

Was ist der Fado?


Schon mehrmals habe ich hier in diesem Blog von dem Fado berichtet, das letzte Mal in einem post vom 02. März 2010, in dem ich den Text des Fados „Bairro Alto“ des Sängers Carlos do Carmo übersetzte.

Nun fragte mich ein Arbeitskollege dieser Tage, was denn der Fado eigentlich sei.
Nun, diese Frage zu beantworten ist nicht so einfach. Natürlich könnte ich sagen es handelt sich bei dem Fado um eine melancholische Liedform, die die „Saudade“, also die Sehnsucht verherrlicht.

Aber das wäre zu einfach und gleichzeitig sehr ungenau.
Denn der Fado entsteht nicht am Klavier oder an der Gitarre, wie andere Musik.
Nein, der Fado entsteht in der Seele – das ist die Magie dieser urigsten aller portugiesischen Musikrichtungen!

Es ist nicht möglich als Tourist nach Portugal zu kommen, und erst recht nicht hier nach Lissabon, ohne dem Fado zu begegnen.
Eigentlich ist diese Musik immer präsent: sie ertönt aus Autoradios, aus den Fadolokalen der Hauptstadt und aus jedem Plattenladen der Baixa.

Aber am häufigsten, so finde ich, ist der Fado direkt in jedem meiner Landsleute anzutreffen. In jedem von uns steckt nämlich diese Melancholie, kombiniert mit der ungestillten Sehnsucht nach Liebe, Glück, Größe und auch Leiden.
Denn Leiden ist hier in Portugal eine Kunst an sich.
Und nichts kann besser diese Leidensfähigkeit erzählen, als eben ein Fado.

Zum Fado kann man auch nicht tanzen!
Im Gegenteil, man setzt sich hin und hört ihn sich an. Schließlich tanzt man zur Musik von Bach oder Mozart ja auch nicht. Nein, man geht in die Oper und genießt ihre Musik. Und die Oper eines Portugiesen ist nun einmal ein Fadolokal oder eine Fadokneipe.

Wer den Fado erwähnt denkt zuerst an Amália Rodrigues, die Göttin des Fado, die über 60 Jahre lang diese Musik geprägt hat. Als Amália 1999 verstarb, ging die Angst um, mit ihr würde auch der Fado sterben.
Aber die Nachfolger Amalia Rodrigues haben uns gelehrt, dass der Fado wohl niemals sterben wird.
Cristina Branco, Mísia, Camané, Mariza und noch viele mehr, alle interpretieren sie den Fado auf ihre Art und Weise, aber alle singen sie den Fado!

Cristina Branco gilt z.B. als sanfte Sängerin.
Mísia setzt für ihren modern angehauchten Fado ungewöhnliche Instrumente ein, wie etwa Trompeten oder Pianos.
Mariza singt den Fado mit ganzen Orchestern, und nicht etwa traditionellerweise mit einer oder zwei Guitarren.
Und der junge Camané singt den Fado schon fast wie eine Opernarie.

Diese, manchmal sehr unterschiedlichen Interpretationen des Fados, sind möglich, weil es keine Schulen für Fado gibt. Der Fado wird nämlich auf den Straßen, in den Gassen oder in den Tavernen gelernt. Und da gibt es nicht etwa einen Gesangslehrer der einem zeigt wie er gesungen wird, sondern die Kunst den Fado zu singen besteht zu 90% aus „Naturtalent“.

Viele sind gegen den modernen Fado und keiner weiss heute so genau welchen Weg er in Zukunft nehmen wird.
Aber eines haben die neuen Fadosänger erreicht: sie haben alte Klischees aufgebrochen. Und sie begeistern damit die junge Generation Portugals, denen der Nationalgesang bislang meistens als zu antiquiert galt.
Wir, die wir Amalia Rodrigues und die anderen alten Fadogrößen nur noch von Schallplatten her kennen, wir leben in einem neuen Portugal, in einem neuen Jahrtausend, und so ist es normal, das der Fado neue Wege geht.

Nichtsdestotrotz, heute wie damals, entsteht der Fado in der Seele. Er entsteht durch Leiden und durch die Liebe. Das ist sein Zauber.
Der Fado basiert auf den Narben, die wir Portugiesen in der Seele haben. Und wenn er heute gesungen wird, dann werden diese Narben aufgerissen. Natürlich tut das weh, aber auch gut zugleich.
Und wenn es ein Fadokünstler schafft, seien es die alten oder die jungen von heute, das Publikum zum weinen zu bringen, dann weil wir alle Portugiesen sind, die etwas fühlen.

Und um schlussendlich die Frage meines Arbeitskollegen zu beantworten, was denn der Fado nun eigentlich sei, antwortete ich ihm mit folgendem Satz:

„Der Fado ist nichts weiter als ein vertontes, portugiesisches Lebensgefühl!“

Osterbasar 2010






Am gestrigen Sonntag fand im Lissabonner Stadtteil Campo de Ourique, unweit des Friedhofs Prazeres (port.: Cemitério dos Prazeres) der alljährliche Ökumenische Osterbasar der deutschen katholischen und evangelischen Kirchengemeinden statt.
Er war mal wieder ein voller Erfolg.

Bei herrlichem Wetter und großer Gastfreundschaft der katholischen Schule der Salesianer (port.:Escola dos Salesarianos) kamen am 21. März, dem kalendarischen Frühlingsanfang, viele Menschen zusammen, die ein reichhaltiges Angebot an Osterdekoration, handbemalten Ostereiern, Kunsthandwerk, Kleider, Lebensmittel Bücher und viele Spezialitäten aus Deutschland erwartete.

Traditionell deutsches Essen, wie z.B. Kartoffelsalat, Bratwurst, Frikadellen und Sauerkraut, sowie Kaffee und Kuchen sorgten für das leibliche Wohlbefinden.

Auch eine Tombola gab es, bei der man von der Mikrowelle, über Hotelwochenendaufenthalten bis hin zu Flügen nach Deutschland, so ziemlich alles gewinnen konnte.
Natürlich habe ich fünf Euro investiert, und mir ein Los gekauft, und natürlich habe ich mal wieder nichts gewonnen.

Wenn man so wie ich, schon beim kauf des Loses nicht an die geringste Gewinnchance glaubt, dann sollte man sich eigentlich dieses Geld lieber sparen und direkt an die Kirche spenden.
Dann würde ich mich vielleicht auch weniger ärgern!...

Ich werde es wohl nie lernen!

Samstag, 20. März 2010

Eine Lektion von Moral und Solidarität


Als im Jahre 1999 das ehemalige Portugiesische Überseegebiet Ost-Timor (port.: Timor-Leste / tetum: Timor-Lorosae) von Indonesien unabhängig wurde, weigerte sich der damalige Präsident der Portugiesischen Autonomen Region der Insel Madeira, Alberto João Jardim, kategorisch, sich an einer finanziellen Hilfe für das arme Timor zu beteiligen.

Madeira war damals somit die einzige Region Portugals, die sich weigerte an einem Wiederaufbau, des durch Indonesien schwer zerstörten Timor, mitzuwirken.
Noch schlimmer, Alberto João Jardim, verkündigte klar und deutlich dass er keine Timorensen auf seiner Insel haben wollte.
Selbst den Studenten, die aus dem anderen Ende der Welt kamen, um hier in Portugal zu studieren, und die von der Portugiesischen Regierung unter anderem an die Universitäten von Madeira geschickt wurden, machte die Regionalregierung der Insel Madeira das Leben nicht gerade einfach.

Als nun vor genau vier Wochen ein Orkan Teile der Insel Madeira, vor allem den Süden mit der Hauptstadt Funchal, verwüstete und 51 Menschen das Leben kostete und mehrere hundert Obdachlos machte, da kamen Hilfsangebote aus aller Welt.
Die Hilfe kam nicht nur aus der EU und aus den USA, Kanada, Venezuela und Südafrika, wo es traditionell große Bevölkerungsgruppen gibt, deren Vorfahren aus Madeira stammen.
Nein, die Hilfe kam auch aus dem entfernten Ost-Timor!

Spontan beschloss drei Tage nach der Naturkatastrophe auf Madeira die Regierung des Inselstaates Timor-Leste den Opfern des großen Orkans, 750.000 US-Dollar zukommen zu lassen, das sind in etwa 556.000 Euro!

Die Schäden auf Madeira betragen schätzungsweise 1,2 Milliarden Euro, und somit sind die 556.000 Euro aus Timor nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Aber es ist die Solidarität die zählt!
Für so ein kleines Land wie Ost-Timor, das augenblicklich in tiefster Armut lebt, sind 750.000 US-Dollar ein Riesenbetrag.
Und daher zollt es höchsten Respekt und Bewunderung, dass gestern der Botschafter von Ost-Timor höchstpersönlich auf Madeira João Cunha e Silva. dem Vizepräsidenten Madeiras, einen Scheck über 750.000 US-Dollar überreichte.

Alberto João Jardim nahm den Scheck nicht persönlich an, da er angeblich andere wichtige Termine wahrnehmen musste.
Aber wer Alberto João Jardim kennt, weiß dass er den Scheck eher aus Scham und falschem Stolz nicht persönlich angenommen hat.

Denn seien wir mal ehrlich:
dieser kleine, geifernde alte Mann hätte niemals daran gedacht das ihn einmal eine politische Äußerung, die er 1999 aus seinem Plappermaul hat entweichen lassen, ihn elf Jahre später so bloßstellen würde.
Das ihm heute ein armer Inselstaat im fernen Asien eine Lektion in Solidarität, Moral und Humanität geben muss, das ist selbst für einen Alberto João Jardim zu viel.

Dienstag, 2. März 2010

Bairro Alto aos seus Amigos tão dedicado



Bairro Alto

Bairro Alto aos seus AMIGOS tão dedicado
Quis um dia dar nas vistas
E saíu com os trovadores mais o fado
Pr’a fazer suas conquistas

Tangem as liras singelas,
Lisboa abriu as janelas, Acordou em sobressalto
Gritaram bairros à toa
Silêncio velha Lisboa, Vai cantar o Bairro Alto

Trovas antigas, saudade louca
Andam cantigas a bailar de boca em boca,
Tristes bizarras, em comunhão
Andam guitarras a gemer de mão em mão

Por isso é que mereceu fama de boémio
Por seu condão fatalista
Atiraram-lhe com a lama como prémio
Por ser nobre e ser fadista

Hoje saudoso e velhinho,
Recordando com carinho seus amores suas paixões
Pr’a cumprir a sina sua
Ainda veio pr’o meio da rua, cantar as suas canções

Trovas antigas, saudade louca...


Dies ist der Text des berühmten Fados "Bairro Alto", welches von den Komponisten Carlos Simões Neves und Nuno Aguiar geschrieben wurde und von Carlos do Carmo noch heute gesungen wird.

Hier nun meine Übersetzung des Fados „Bairro Alto“, das über diesen Lissabonner Stadtteil handelt (wobei sich die Textstrophen, ins deutsche übersetzt, logischerweise leider nicht reimen):


Bairro Alto, seinen Freunden total ergeben
Wollte einmal aus sich herausgehen
Und so brachten die Troubadoure den Fado zum Besten
Um ihre Eroberungen zu machen

Es erklingen die einzelnen Leiern
Und überrascht wachen alle auf, ganz Lissabon öffnet seine Fenster
Und jeder am Fenster ruft laut und bestimmt
Lissabonner seit still, denn der Bairro Alto wird jetzt singen

Alte Weisen, unheimliche Sehnsucht
Liedertexte die von Mund zu Mund tanzen,
Bizarre Traurigkeiten, und gemeinschaftlich
erklingen Gitarren, die von Hand zu Hand gereicht werden

Er (der Stadtteil) hat den Ruf gutbürgerlich zu sein,
Ja fast schon fatalistisch
Als Preis bekommt er den Schlamm der Straße ab
Weil er in seinem innersten edel ist und ein Fadista

Heute traurig und alt
Erinnert er sich liebevoll an seine früheren Geliebten, seine Affären
Und das Schicksal will es
Das inmitten seiner Gassen, die alten Lieder erklingen.

Alte Weisen, unheimliche Sehnsucht...

Lisbona Bar






Am letzten Freitag ging ich mit meinen Arbeitskollegen und Freunden Inês alias Agnes Luno, Marco alias Borga y Borga, Miguel alias Orlando, Lili alias Conchita, Yves alias El Ministro, David alias El Mensagero und ich alias Angel Pablo in den Bairro Alto, wo wir zu Abend aßen und die Nacht mit einer Ginjinha in der „Lisbona Bar“ beendeten.

Die „Lisbona Bar“, mitten im Bairro Alto gelegen, in der Rua da Atalaia, ist eine kleine Bar, die sich durch ihre originellen schwarz-weißen Wandkacheln auszeichnet.
Jede einzelne von ihnen ist ein Original, denn jede einzelne wurde von einem Gast, im nüchternen oder im betrunkenen Zustand, liebevoll bemalt oder beschrieben.

Auch wir wollten uns mit einer Kachel verewigen.
Aber da wir und der Besitzer der Kneipe, keinen Edding hatten, musste die Ausführung dieser Kunstfertigkeit ausbleiben.
Das holen wir aber bestimmt bei unserem nächsten Besuch in der „Lisbona Bar“ nach!

Wer sich in den Gassen des Bairro Alto nicht auskennt, hier die GPS-Daten der Bar: N 38° 42.852, W 9° 8.748

Faca e Garfo






Wer kennt das nicht?
Man will mit seinen Freunden essen gehen, und jeder hat eine andere Idee, wo man denn hingehen kann um zu Speisen.
Als ich am letzten Freitag mit ein paar Kollegen essen gegangen bin, hatten wir eben dieses Problem.
Wenn man hier überhaupt von einem Problem reden kann, denn verhungert wären wir an diesem Abend garantiert nicht.
Ich selbst wäre gerne traditionell „Pão com Chouriço und Caldo Verde“ essen gegangen, aber Lili, Inês, Marco, Miguel, Yves und David waren alles andere als begeistert von meiner Idee.

Also gingen wir, nach langem hin und her, in die Rua da Condessa, unweit des Carmoklosters (port.: Convento do Carmo), in ein kleines Restaurant das traditionelle portugiesische Küche anbietet, und das den Namen „Faca & Garfo“ (dt.: „Messer & Gabel“) trägt.
Es war Yves Freundin Helena, die uns auf dieses Restaurant brachte.

Wir können uns nur bei Helena bedanken, denn wir haben sehr gut gegessen und man kann nicht sagen es wäre sehr teuer gewesen. Im Gegenteil, das Preis-Leistungs-Verhältnis im „Faca & Garfo“ ist indiskutabel!
Auch getrunken haben wir sehr gut, wobei man die hausgemachte Sangria, sowohl die Rote als auch die Weiße, nur loben kann.
Allerdings muss man sagen dass der Rotwein „Pirquita“, Jahrgang 2006, nicht zu empfehlen ist.
Aber vielleicht waren unsere Geschmacksnerven nur durch das vorher getrunkene Bier in der Kneipe „O Estadio“, etwas irritiert.

Die Atmosphäre war klasse, das Personal sehr nett und der Abend durchweg gelungen.
Man kann das Restaurant „Faca & Garfo“ nur weiter empfehlen, obwohl ich felsenfest der Meinung bin, das wir bei „Pão com Chouriço und Caldo Verde“ auch nicht schlecht davon gekommen wären...

Eine Nacht im Bairro Alto






Am letzten Freitag, nach mehrmaligem Planen und Absagen, sind ein paar Kollegen und ich, nach der Arbeit, zum Essen ausgegangen.

Spontan planten Yves alias El Ministro, David alias El Mensagero, Inês alias Agnes Luno, Marco alias Borga y Borga, Miguel alias Orlando, Lili alias Conchita und ich alias Angel Pablo in den Bairro Alto zu gehen, wo wir als erstes in der Kneipe „O Estadio“ landeten, unweit der Kirche São Roque, um uns dort mit ein paar Bierchen und Musik aus der Juke-box den Appetit etwas anzuregen.
Ebenso im Bairro Alto, in der „Lisbona Bar“, beendeten wir dann, später in der Nacht, den Abend mit einer Ginjinha.

Zwischendurch gingen wir in die Rua da Condessa, unweit des Carmoklosters (port.: Convento do Carmo), um dort gemütlich im Restaurant „Faca & Garfo“ (dt.: Messer & Gabel), zu Abend zu essen.
Das Restaurant, das traditionelle portugiesische Küche (port.: cozinha tradicional portuguesa) anbietet, wurde uns von Yves Freundin, Helena, empfohlen, die leider an diesem Abend fehlte.

Wir haben den Abend sehr genossen, uns amüsiert, sehr gut gegessen, gut getrunken und wir haben viel gelacht.

Kurz gesagt: wir hatten eine Menge Spaß!
Und wir haben uns fest vorgenommen den Abend zu wiederholen.