Dienstag, 6. April 2010

Johannes XXI


Portugal bereitet sich dieser Tage auf den Besuch des deutschen Papstes Benedikt XVI (port.: Bento XVI), der Mitte Mai stattfinden wird, vor.
Benedikt XVI wird sich hier in Portugal an Papst Johannes Paul II, dem Polen, (port.: João Paulo II) messen lassen müssen, denn der war ein bekennender Freund Portugals und Marienanhänger, und somit hatte er es bei seinen Portugalbesuchen äußerst leicht die Massen zu bewegen.
Aber Portugal wird auch Benedikt XVI freudig empfangen, denn Portugal hatte mit den einzelnen Stellvertretern Christi auf Erden, woher sie auch immer kamen, nur selten Probleme.

Kaum ein Portugiese aber weiß, dass es auch schon einmal einen portugiesischen Papst gegeben hat.
Vom 08. September 1276, bis zu seinem Tode am 20. Mai 1277, saß nämlich der Lissabonner Pedro Julião (lat.: Petrus Hispanus / ital. : Petrus Juliani) auf dem Heiligen Stuhl.

Der Geburtstag, und sogar das Geburtsjahr, von Pedro Julião sind bis heute ein Geheimnis der Geschichte geblieben.
Man vermutet aber, dass der Sohn des Arztes und Apothekers Julião Rebelo und Teresa Gil, zwischen 1205 und 1215 auf die Welt kam.

Er studierte in Lissabon, im spanischen Léon und an der Pariser Sorbonne zuerst Theologie und Philosophie und dann Medizin und Mathematik, bevor er nach Italien ging, und an den Universitäten von Salerno und Siena selber Medizin zu lehren.
Er wurde ein angesehener Medizinprofessor für Augenheilkunde.
Er war es z.B, der dem Künstler und Maler Michelangelo Buonarroti, als dieser beim Bau der Sixtinischen Kapelle fast erblindete, die Augen behandelte, so das dieser wieder einwandfrei sehen und an der Kapelle weiterarbeiten konnte.
Außerdem wurde Pedro Julião ein Fachmann, man will es kaum glauben, für Empfängnisverhütung und Schwangerschaftsabbrüchen!
Zur damaligen Zeit, eine absolute Revolution.

Um 1260 ernannte ihn der spätere Papst Hadrian V (port.: Adriano V) zu seinem Leibarzt. Später wurde er Hof- und Leibarzt von Papst Gregor X (port.: Gregorio X).
Kaum im Vatikan angekommen begann seine Kirchenkarriere.
1272 wird er im italienischen Frascati zum Erzbischof ernannt und 1273 kehrt er nach Portugal zurück, als Erzbischof von Braga.

Am 08. September 1276 wird Pedro Julião in Viterbo, nach einem kontroversen Konklave, zum neuen Papst Johannes XXI (port.: João XXI) gewählt.
In Viterbo verbringt er dann auch sein kurzes Pontifikat.
Dort lässt er sich, an der Hinterseite seines Papstpalastes, seine Privatbibliothek erweitern, denn er wollte seine medizinischen Forschungen weiter führen, und brauchte dafür eine Unmenge von Fachbüchern.
Am 16. Mai 1277 wird er bei einem Aufenthalt in seiner Bibliothek von herabstürzenden Deckenteilen getroffen und schwer verletzt.
Diesen schweren Verletzungen erliegt er vier Tage später.

Sein plötzlicher Tod war der damaligen Kirche unheimlich suspekt. Viele im Umfeld Johannes XXI waren der Meinung, dass „etwas böses und unheimliches“ geschehen sein musste.
In einer Chronik aus der damaligen Zeit, die sehr mystisch und voller Aberglauben war, schrieb z.B. ein Mönch: „Dieser häretische Schwarzkünstler ist in seinem Palast vom Teufel persönlich erschlagen worden!“

Johannes XXI, der einzige portugiesische Papst auf dem Stuhl Petri, der den Ruf hatte eher den Armen als den Reichen eine Audienzen zu gewähren und der seiner Zeit meilenweit voraus war, ist heute im Dom von Viterbo beigesetzt, unweit seiner geliebten Bibliothek.

Eselsohren: „Dramatische Verwechslung“


Ich lese für mein leben gerne.

Und wer mich kennt weiß, das Bücher mir mitunter das liebste sind was ich besitze.
Deshalb will ich ab heute hier in diesem Blog unter der Rubrik „Von Eselsohren und anderen Dingen“ (die erste Rubrik überhaupt hier im Blog) immer wieder einmal Bücher vorstellen und kommentieren, die ich gerade lese.

Das Buch, das ich gerade fertig gelesen habe und das ich heute euch allen ans Herz legen will, heißt „Dramatische Verwechslung“ und handelt von einem tödlichen Unfall im Jahre 2006, einem folgenschweren Irrtum der auf diesen Unfall folgte und von zwei Familien die zwischen purer Verzweiflung und immenser Hoffnung taumelten.

In diesem Buch wird die wahre, und fast unfassbare Geschichte der beiden amerikanischen Studentinnen Whitney Cerak und Laura Van Ryn erzählt.
Beide haben sie, mit 15 anderen Jugendlichen am 26. April 2006, mit ihrem Schulbus einen schweren Unfall auf der Interstate 69, im US-Bundesstaat Michigan, und beide werden sie dann beim bergen vom Unfallort kurioserweise verwechselt.
Die eine wird unter dem Namen der anderen beerdigt und die andere wird von ihrer Familie über Wochen im Krankenhaus liebevoll gepflegt, bis diese merkt, dass es sich bei dem Mädchen nicht um ihre Tochter handelt.

Die eine Familie, die über mehrere Wochen die Hoffnung hat das ihre Tochter wieder gesund wird, muss so nun erfahren dass diese bereits seit Wochen unter der Erde liegt.
Und die andere Familie, die vor Wochen die vermeintliche Tochter zu Grabe getragen hat, muss nun, nachdem sie den Tod der Tochter einigermaßen verarbeitet hat, damit zurechtkommen, dass diese tatsächlich noch lebt!

Ich finde dieses Buch sehr spannend und emotional, zumal es sich ja nicht um einen Roman handelt, sondern um eine wahre Geschichte über den Verlust, den Glauben und die Hoffnung zweier Familien im Angesicht einer unvorstellbaren Tragödie.

„Dramatisch Verwechslung“ ist im GertMedien Verlag erschienen und wurde von dem Autoren Mark Tabb geschrieben, der auf die wertvollen Informationen der Eltern von Whitney und Laura zurückgreifen konnte.

Port is not english


Ich wurde vor Tagen von einem Arbeitskollegen gefragt warum denn alle Portweine in Portugal englische Namen tragen.
Ich habe ihm geantwortet, dass den Winzern vor über 300 Jahren, als der Portwein seine Geburt hatte, einfach die portugiesischen Namen ausgegangen wären und sie sich damals schon einmal auf die Globalisierung von heute einstellen wollten.

Natürlich ist das Humbug und ich habe ihm auch nur solch eine Antwort gegeben, weil wir kalendarisch den 01. April hatten.
Hier nun aber, im Rahmen dieses Blogs, die richtige Antwort auf diese sehr interessante Frage, die mir gestellt wurde:

Also, zu aller erst stimmt es nicht, dass alle Portweine englische Namen tragen.
Nein, es gibt viele Portweine aus ursprünglich portugiesischem Hause, wie z.B. den Ferreira, den Fonseca und den Calém. Genauso wie die Portweine von Quinta do Noval, Manoel de Poças, Rebello Valente oder Ramos-Pinto.
Alles angesehne und geschichtsträchtige Namen portugiesischer Portweinherstellerfamilien.

Aber es ist schon wahr, dass es auch viele englische Portweinwinzer gab und gibt.
Das hat aber einen geschichtlichen Hintergrund.
Im Jahre 1654 schlossen Portugiesen und Engländer den Vertrag von Westminster (port.: Tratado de Westminster) ab. Dieser Vertrag gewährte den Briten in Nordportugal zahlreiche Handelssonderrechte.
Diese Sonderechte waren so groß, das die Briten den Norden Portugals fast als eine englische Kolonie ansahen, was sie ja theoretisch nun auch war.
Zahlreiche englische Weinhändler und Kaufleute ließen sich damals an der Küste ihres neuen „Hoheitsgebietes“ nieder, und der Handel mit dem britischen Mutterland wurde privilegiert.
Der Wein, der von Porto aus nach England verschifft wurde, hieß von da an Portwein, obwohl der nur wenig mit dem heutigen Portwein gemein hatte.

Aber die Namen der britischen Familien, die sich damals als Kaufleute und Winzer im Tal des Douro niederließen, sind bis heute unverändert geblieben, auch wenn sie alle heute dann doch eher portugiesisch als britisch sind.

Und so kommt es, das Portugals Exportschlager Nr. 1 oftmals englische Namen trägt, wie die Namen Taylor, Warre, Croft und Sandeman (alle schon im 18. Jahrhundert gegründet!). Und natürlich haben auch die Familien Graham, Dow und Cockburn einen großen Anteil an der Produktion des Portweins gehabt und haben ihn immer noch.
Nicht zu vergessen die Familien Gould, Quarles Harris und Smith Woodhouse.

Aber auch die Niederländer haben damals, vor 300 Jahren, Portweinhäuser gegründet, die bis heute überdauert haben. Namentlich sind hier die Häuser Niepoort, Kopke (eine deutsch-niederländische Familie) und Andresen zu erwähnen.

In welchen Familien auch immer diese leckeren Weine ihren Ursprung haben, wichtig ist nur eins: sie erfreuen sich alle nicht nur einer langen Tradition, sondern sie stehen auch heute noch alle hoch im Kurs!

Mein Lesezeichen



Heute Morgen wurde ich auf mein originelles Lesezeichen angesprochen.
Auf dem Weg nach Lissabon, auf der Fähre die Cacilhas mit der Hauptstadt verbindet, pflege ich meistens zu lesen, um die Überfahrtzeit zu überbrücken.
Ein Junge, ca. 5 Jahre alt, welches mit seiner Mutter reiste, fragte mich nach dem Lesezeichen, das ich beim lesen immer in der rechten Hand zu halten pflege.
Ihm fielen die Zeichnungen auf dem Lesezeichen auf, und er meinte er könne auch so gut malen.

Nun, das will ich dem Knirps wohl glauben, denn mein Lesezeichen wurde nämlich von meinem kleinen Neffen Nélson und meiner noch kleineren Nichte Lorena kunstvoll kreiert.

Und das kam so:
Anfang des Jahres kaufte ich in Évora ein Lesezeichen aus Kork (port.: marcador de cortiça).
Daheim angekommen, legte ich das neue Lesezeichen auf meinen Schreibtisch. Lorena war von dem „jungfräulich leeren“ Lesezeichen so angetan, das sie beschloss diesen, als ich ihr den Rücken zukehrte, sofort zu bekritzeln.

Da nun der erste Schritt zu einem „abstrakten Kunstwerk“ getan war, ermutigte ich die Kleine weiter zu malen.
Und ich fragte dann auch Nélson ob er gerne die andere Seite des Lesezeichens bemalen würde. Er stimmte freudig zu, und malte mir eines seiner Lieblingsmotive, eine Space Shuttle, auf das Lesezeichen.

Und so kommt es, das ich ein individuelles Lesezeichen jeden Tag bei mir trage und jeden Tag, wenn ich das Buch aufschlage, welches ich gerade lese, denke ich mit „saudade“ an meine zwei Mini-Künstler.

Nélson und Lorena, meine kleinen Künstler, ich liebe Euch von ganzem Herzen!

Donnerstag, 1. April 2010

Frohe Ostern 2010 / Páscoa Feliz 2010


Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs, sowie allen meinen Freunden, Verwandten und Kollegen ein frohes und von Gott gesegnetes Osterfest, mit vielen bunten Schokoladeneiern und leckeren Mandeln, wie hier in Portugal so üblich.

Frohe Ostern!


Desejo a todos os leitores deste meu Blog, assim como também a todos os meus amigos, familíares e colégas uma Santa Páscoa feliz, com saborosos ovos de chocolate e muitas, muitas amêndoas deliciosas.

Uma Páscoa Feliz!

Dienstag, 30. März 2010

Kunst in Bewegung





Die Lissabonner Verkehrsbetriebe CARRIS haben im Rahmen der Förderung junger zeitgenössischer Künstler eine Kunstaktion mit dem Namen „Arte em Movimento“ (dt.: Kunst in Bewegung / Bewegende Kunst) ins Leben gerufen.
Diese Kunstaktion, die vom 06. Januar bis zum 30. Juni 2010 dauern wird, ermöglicht es jungen portugiesischen Künstlern die vier originellen Lissabonner Aufzüge künstlerisch individuell umzugestalten.
Es handelt sich hierbei um die jungen Künstler Susana Mendes Silva,
Vasco Araújo, Susana Anágua und Alexandre Farto.

Der 1987 in Lissabon geborene Alexandre Farto ist für die Gestaltung des Aufzuges von Bica (port.: Ascensor da Bica) verantwortlich.
Er hat aus den zwei, normalerweise, gelben Waggons, die die Rua da Bica de Duarte Belo rauf und runter fahren, und die die Straßen Largo do Calhariz und Rua de São Paulo miteinander verbinden, zwei spiegelnde Fahrkabinen gezaubert.

Alexandre Farto hat die Waggons nämlich mit Spiegelkacheln verkleidet, und sein Projekt „Espectro“ genannt. Das Wort „Espectro“ steht im portugiesischen für „Spektrum“ oder „Spiegel“, aber auch für „Gespenst“. Der Künstler möchte mit seinem Kunstobjekt erreichen, das sich die Menschen und die Stadt in dem Aufzug spiegeln, d.h. mit anderen Worten der Künstler will dass man sich jederzeit in dem Aufzug wieder findet, und das man sich mit der Stadt identifiziert, auch wenn man „gespenstisch“ verzerrt rüberkommt in diesen Spiegelkacheln.

Es ist das erste Mal, das der von dem französischstämmigen Portugiesischen Ingenieur Raoul Mesnier du Ponsard im Jahre 1892 eingeweihte Aufzug, eine solche radikale Veränderung durchmacht und es ist auch das erste Mal das er als Kunstobjekt bestaunt wird.
Obwohl ich mir sicher bin, das jeder Tourist der die Hauptstadt besucht, in den Lissabonner Aufzügen automatisch Kunstobjekte sieht!

Einen Makel hat diese Kunstaktion aber dennoch:
Obwohl das Kunstobjekt „Arte em Movimento“ (dt.: Kunst in Bewegung) heißt, steht der Aufzug von Bica nun schon seit mehreren Wochen still.
Mir sagte ein Mitarbeiter der CARRIS, das die Hydraulik des einen Waggons defekt sei, und das man daher auf ein wichtiges Ersatzteil aus England wartet.

Nun, ich weiß nicht wieso man im Zeitalter von FedEx und DHL Wochenlang auf ein Ersatzteil aus England warten muss.
Aber alleine die Tatsache das der Aufzug nun so lange stehen muss, verhöhnt auf gewisse Art und Weise den Namen des ganzen Projektes: „Kunst in Bewegung“.

Sollte sich das ganze Ding nicht bewegen?

Carbonara – Mobarchie für die Massen


Eine 6 x 4 Meter große blau-weiße monarchistische Flagge wurde letzten Freitag, den 26. März, an der höchsten Stelle des Parque Eduardo VII, mitten in Lissabon, im Morgengrauen, auf den Fahnenmast hochgezogen, an dem normalerweise die grün-rote Nationalflagge Portugals hängt.

Zu der Tat bekannte sich eine Gruppe, die sich „Carbonara – Movimento Monárquico para as Massas“ (dt.: Carbonara – Monarchistische Bewegung für die Massen) nennt, und die angibt, diese Tat begangen zu haben, um den Geburtstag des portugiesischen Thronfolgers, den 14jährigen Infanten Dom Afonso de Santa Maria de Herédia e Bragança, zu feiern.

Die Flagge wurde auf Halbmast gesetzt um, so eine anonyme Quelle, auf die „aktuelle katastrophale Lage der portugiesisch-republikanischen Nation“ hinzuweisen.
Sie wehte im Parque Eduardo VII, unweit des Marques de Pombal, bis um ca.12 Uhr.
Erst dann konnte die Lissabonner Feuerwehr einen Leiterwagen erübrigen, um mit seiner Hilfe die blau-weiße Flagge vom Mast herunterzunehmen.

Wie der Lissabonner Polizeichef André Gomes der Nachrichtenagentur LUSA mitteilte, wird gegen die „Carbonaras“ Strafanzeige erhoben werden, und der Fall dann dem Innenministerium (port.: Ministério Público) übergeben.
Es obliegt dann dem Innenministerium juristisch gegen diese Carbonara-Gruppe vorzugehen.

Da die Portugiesische Staatsflagge über Nacht nicht am Fahnenmast hing, kann man nicht von einem Diebstahl von dieser Reden, wie damals im letzten August, als Monarchisten die republikanische Nationalflagge gegen die blau-weiße Flagge der Monarchie im Lissabonner Rathaus tauschten (lesen sie hierzu auch meinen post „31 da Armada - Die Monarchie in Portugal lebt” vom 13. August 2099).
Auch von Sachbeschädigung kann nicht die Rede sein, da ja kein Schaden am Fahnenmast entstanden ist.

Aber das republikanische Portugal wird schon Gründe und Wege finden, nach jungen Männern zu suchen, die sich einen Spaß daraus machen, blau-weiße Flaggen zu hissen.
Natürlich machen sich königliche Fahnen im Jahre der 100-Jahresfeiern der Republik nicht gerade gut. Also wird mit aller Kraft gegen solche politischen Aktionen vorgegangen.

Ohne Zweifel ändern sich mit der Zeit die politischen Systeme, genauso wie die Fahnen.
Aber anscheinend ist es eine Tatsache dass es hier in Portugal genug Menschen gibt, die sich die Wiedereinführung der Monarchie vorstellen können, ja sich diese sogar wünschen.
Und solch eine Tatsache zu ignorieren ist nicht nur zutiefst undemokratisch, sondern auch politisch sehr unklug!

Dom Duarte Pio, der Thronprätendent Portugals wurde am Parque Eduardo VII gesichtet, als er den Feuerwehrmännern zusah, wie sie sich Mühe gaben, die Flagge vom Mast runterzuholen.
Er war zu keinem Interview bereit.
Aber sein breites Grinsen sprach Bände.

Samstag, 27. März 2010

Von trotzigen Abgeordneten


Was sich da am letzten Freitag im Portugiesischen Parlament (port.: Assembleia da República / dt.: Republikanische Nationalversammlung) abgespielt hat, hat die Beziehung des Parlamentspräsidenten Jaime Gama und einigen Abgeordneten seiner eigenen Partei PS (port.: Partido Socialista / dt.: Sozialistische Partei) nachhaltig verändert.

An diesem Freitag hatten nämlich einige Abgeordnete der Regierungspartei PS, allen voran der Abgeordnete José Lello, der eigentlich ein großer Freund des Parlamentspräsidenten ist, dagegen protestiert, das Reporter von den Zuschauertribünen des Parlaments die Computerbildschirme der einzelnen Abgeordneten abfotografieren könnten.
José Lello und die anderen protestierenden Abgeordneten verlangten vom Parlamentspräsidenten ein sofortiges Fotografierverbot für die Reporter, so wie es ihn bereits für die normalen Besucher des Hohen Hauses gibt.

Doch der Parlamentspräsident antwortete auf die Proteste hin augenblicklich, und zwar klar und deutlich, in dem er den aufmüpfigen Parlamentariern mitteilte das das Parlament ein „Öffentliches Gebäude“ sei, in dem die Meinungsfreiheit aber auch die Informationsfreiheit existierten.
Und noch eines dürften die Parlamentarier nicht vergessen, das nämlich die Computer nicht Eigentum der einzelnen Abgeordneten seien, sondern Eigentum des Staates.

José Lello, der sicherlich eine andere Antwort von seinem Parteifreund erwartet hatte, war mit den Äußerungen Jaime Gamas überhaupt nicht einverstanden, und vor lauter Wut und Trotz knallte er den Deckel seines Computers mit voller Wucht zu.
Die anderen Abgeordneten, die sich José Lello angeschlossen hatten, taten es ihm nach, und so waren im Hohen Hause mindesten 14 Computer zu hören, die lautstark zugeknallt wurden.

Somit, so hatten viele jetzt gedacht, wäre das Thema wohl vom Tisch.
Aber weit gefehlt.
Wer nämlich den ehemaligen Außenminister und jetzigen Parlamentspräsidenten Jaime Gama kennt, weiß genau dass dieser weder käuflich noch bestechlich ist und dass er Respektlosigkeit nicht ausstehen kann.
Und auch eine mehrjährige Freundschaft mit dem Abgeordneten José Lello hindert ihn nicht daran, jetzt aus diesem Zwischenfall, der sich letzte Woche ereignet hat, Konsequenzen zu ziehen.

Und die Konsequenz die er gezogen hat ist die, das diese Woche, auf seine ausdrückliche Anweisung hin, Parlamentsfunktionäre jeden einzelnen Computer des Parlaments auf Schäden hin untersucht haben. Diese Untersuchung sollte zu Tage bringen, ob bei den „Trotzattacken“ der Parlamentarier die einzelnen Computer zu Schaden gekommen waren oder nicht.
Und die Anweisungen des Parlamentspräsidenten für diese Untersuchung waren sehr deutlich:
Sollten die Computer Schäden aufweisen, so wird den einzelnen Abgeordneten hinterher die entsprechende Rechnung präsentiert, die er dann privat zu begleichen hat.

Ob nun José Lello und die anderen Abgeordneten eine Rechnung erhalten haben oder nicht, ist bis dato nicht bekannt.
Bekannt ist aber, dass Jaime Gama und sein „Freund“ José Lello seit dem letzten Freitag nicht mehr in der Parlamentskantine, wie üblich, zusammen gesehen wurden.

Montag, 22. März 2010

Offener Brief an Hillary Clinton


Liebe Hillary,

wie ich in den täglichen Nachrichten sehen, hören und lesen kann, hast du in letzter Zeit viel zu tun, bist immer im Dienste deiner großen Nation unterwegs.

So kommst du gerade aus dem Nahen Osten zurück, wo du mal wieder zwischen den Israelis und den Palästinensern vermitteln wolltest, was aber ganz schön in die Hose gegangen ist.
Dann sollst du bei dir daheim, den Familien der amerikanischen Soldaten erklären, warum immer mehr von ihren Jungs in Holzkisten aus dem Irak und aus Afghanistan nach hause kommen, was dir auch immer schwerer fällt.
Zwischendurch musst du noch die Beleidigungen von Chavez aus Venezuela und Castro aus Kuba ertragen und dich auch noch mit den atomaren Gelüsten des Irans und Nord-Koreas herumschlagen.
Dann musst du auf deinen Auslandsreisen der ganzen Welt immer wieder erklären, warum ihr Amis nicht endlich Guantanamo schließt, obwohl das eines der wichtigsten Wahlversprechen deines Präsidenten, dessen Amt du ja so gerne ausgeübt hättest, war.
Außerdem hast du innenpolitisch mit der geplanten Gesundheitsreform deines Präsidenten und der immer knapper werdenden Mehrheit im Senat zu kämpfen.
Und da sind natürlich auch noch die Eskapaden von Bill, deinem Ehemann, die dich als Ehefrau sicherlich verletzen, aber die dich als Vollblutpolitikerin dazu bringen, immer wieder alles brav zu dementieren!
Wie gesagt Hillary, du hast viel um die Ohren in letzter Zeit.

Nichtsdestotrotz hast du dir die letzte Woche Zeit genommen einen Bericht deines Außenministeriums publik zu machen, der die Menschenrechte in den anderen Ländern der Welt anprangert, Länder die mit deiner Nation verbündet sind und die du als Außenministerin und Freundin ständig bereist.

In diesem „Bericht zur aktuellen Lage der Menschenrechte außerhalb der USA“ deines Außenministeriums, dem State Department in Washington, wird auch mein Land Portugal erwähnt.
Ich wollte es erst nicht glauben, aber Länder wie Portugal, die Niederlande und Deutschland werden tatsächlich in diesem Bericht in einem Atemzug genannt mit Zimbabwe, Südafrika oder Libyen.

Der Portugiesischen Republik wird unter anderem vorgeworfen dass die hiesige Polizei oft unangebrachte Gewalt bei Festnahmen und Verkehrskontrollen an den Tag legt und dass vor allem in den hiesigen Gefängnissen die Gewalt an der Tagesordnung sei.
Außerdem wird Portugal vorgeworfen eine Drehscheibe des Europäischen Frauen- und Kinderhandels zu sein.

Nun Hillary, das mag ja ansatzweise richtig sein, aber vielleicht sollte ich dich daraufhin aufmerksam machen, das es auch in deinem Land fast täglich rassistische und gewalttätige Übergriffe bei Verkehrskontrollen gibt, bei denen immer die schwarzen US-Bürger das Nachsehen haben.
Auch finden in den Gefängnissen der USA, die eigentlich eher Hochsicherheitstrakte gleichen, fast wöchentlich Revolten statt, die dann fast immer mit Mord und Totschlag enden.
Ehrlich Hillary!
Wusstest du eigentlich das, statistisch gesehen, jeder zehnte Bürger deines Landes im Knast sitzt während es hier in Portugal nur jeder 200ste ist? Mach dir mal darüber Gedanken!
Ach ja, und noch etwas Hillary: wir haben hier im brutalen, blutrünstigen Portugal schon vor über 150 Jahren die Todesstrafe abgeschafft, und somit konnten wir verhindern, dass wir unschuldige Menschen auf den elektrischen Stuhl brachten oder ihnen die Todesspritze setzten, so wie es bei euch leider heute immer wieder noch vorkommt.
Denn Hillary, wenn erst einmal einer hingerichtet ist, dann lässt sich das nur schwer, sehr schwer, wieder gutmachen!
Auch den Vorwurf des Menschenhandels kann ich nur schwer nachvollziehen, wenn ich mir überlege, dass es in Deinem Land der unbegrenzten Möglichkeiten gang und gäbe ist, illegale Erntearbeiter aus Mexiko und Guatemala in den Plantagen und Fabriken zu Hungerlöhnen zu beschäftigen und wo es sogar vorkommt das sich Kongressabgeordnete und Senatoren illegale Hausangestellte aus Costa Rica und Honduras leisten.

Deshalb liebe Hillary, solltest du immer zuerst den Dreck vor deiner eigenen Haustür kehren, bevor du dich mit dem Mist der anderen beschäftigst.
Und um diesen offenen Brief an dich schließlich zu beenden Hillary, möchte ich dir noch ein Sprichwort mit auf den Weg geben, von dem ich leider nicht weiß ob er auch bei euch in den Staaten bekannt ist, der da lautet:
„Wer im Glashaus sitzt, der sollte nicht mit Steinen werfen“ (port: „Quem tem telhados de vidro, não devia de andar à pedrada“).

In diesem Sinne Hillary, viel Erfolg im Nahen Osten, den wünsche ich dir wirklich von ganzem Herzen, und einen lieben Gruß an Bill!

Was ist der Fado?


Schon mehrmals habe ich hier in diesem Blog von dem Fado berichtet, das letzte Mal in einem post vom 02. März 2010, in dem ich den Text des Fados „Bairro Alto“ des Sängers Carlos do Carmo übersetzte.

Nun fragte mich ein Arbeitskollege dieser Tage, was denn der Fado eigentlich sei.
Nun, diese Frage zu beantworten ist nicht so einfach. Natürlich könnte ich sagen es handelt sich bei dem Fado um eine melancholische Liedform, die die „Saudade“, also die Sehnsucht verherrlicht.

Aber das wäre zu einfach und gleichzeitig sehr ungenau.
Denn der Fado entsteht nicht am Klavier oder an der Gitarre, wie andere Musik.
Nein, der Fado entsteht in der Seele – das ist die Magie dieser urigsten aller portugiesischen Musikrichtungen!

Es ist nicht möglich als Tourist nach Portugal zu kommen, und erst recht nicht hier nach Lissabon, ohne dem Fado zu begegnen.
Eigentlich ist diese Musik immer präsent: sie ertönt aus Autoradios, aus den Fadolokalen der Hauptstadt und aus jedem Plattenladen der Baixa.

Aber am häufigsten, so finde ich, ist der Fado direkt in jedem meiner Landsleute anzutreffen. In jedem von uns steckt nämlich diese Melancholie, kombiniert mit der ungestillten Sehnsucht nach Liebe, Glück, Größe und auch Leiden.
Denn Leiden ist hier in Portugal eine Kunst an sich.
Und nichts kann besser diese Leidensfähigkeit erzählen, als eben ein Fado.

Zum Fado kann man auch nicht tanzen!
Im Gegenteil, man setzt sich hin und hört ihn sich an. Schließlich tanzt man zur Musik von Bach oder Mozart ja auch nicht. Nein, man geht in die Oper und genießt ihre Musik. Und die Oper eines Portugiesen ist nun einmal ein Fadolokal oder eine Fadokneipe.

Wer den Fado erwähnt denkt zuerst an Amália Rodrigues, die Göttin des Fado, die über 60 Jahre lang diese Musik geprägt hat. Als Amália 1999 verstarb, ging die Angst um, mit ihr würde auch der Fado sterben.
Aber die Nachfolger Amalia Rodrigues haben uns gelehrt, dass der Fado wohl niemals sterben wird.
Cristina Branco, Mísia, Camané, Mariza und noch viele mehr, alle interpretieren sie den Fado auf ihre Art und Weise, aber alle singen sie den Fado!

Cristina Branco gilt z.B. als sanfte Sängerin.
Mísia setzt für ihren modern angehauchten Fado ungewöhnliche Instrumente ein, wie etwa Trompeten oder Pianos.
Mariza singt den Fado mit ganzen Orchestern, und nicht etwa traditionellerweise mit einer oder zwei Guitarren.
Und der junge Camané singt den Fado schon fast wie eine Opernarie.

Diese, manchmal sehr unterschiedlichen Interpretationen des Fados, sind möglich, weil es keine Schulen für Fado gibt. Der Fado wird nämlich auf den Straßen, in den Gassen oder in den Tavernen gelernt. Und da gibt es nicht etwa einen Gesangslehrer der einem zeigt wie er gesungen wird, sondern die Kunst den Fado zu singen besteht zu 90% aus „Naturtalent“.

Viele sind gegen den modernen Fado und keiner weiss heute so genau welchen Weg er in Zukunft nehmen wird.
Aber eines haben die neuen Fadosänger erreicht: sie haben alte Klischees aufgebrochen. Und sie begeistern damit die junge Generation Portugals, denen der Nationalgesang bislang meistens als zu antiquiert galt.
Wir, die wir Amalia Rodrigues und die anderen alten Fadogrößen nur noch von Schallplatten her kennen, wir leben in einem neuen Portugal, in einem neuen Jahrtausend, und so ist es normal, das der Fado neue Wege geht.

Nichtsdestotrotz, heute wie damals, entsteht der Fado in der Seele. Er entsteht durch Leiden und durch die Liebe. Das ist sein Zauber.
Der Fado basiert auf den Narben, die wir Portugiesen in der Seele haben. Und wenn er heute gesungen wird, dann werden diese Narben aufgerissen. Natürlich tut das weh, aber auch gut zugleich.
Und wenn es ein Fadokünstler schafft, seien es die alten oder die jungen von heute, das Publikum zum weinen zu bringen, dann weil wir alle Portugiesen sind, die etwas fühlen.

Und um schlussendlich die Frage meines Arbeitskollegen zu beantworten, was denn der Fado nun eigentlich sei, antwortete ich ihm mit folgendem Satz:

„Der Fado ist nichts weiter als ein vertontes, portugiesisches Lebensgefühl!“

Osterbasar 2010






Am gestrigen Sonntag fand im Lissabonner Stadtteil Campo de Ourique, unweit des Friedhofs Prazeres (port.: Cemitério dos Prazeres) der alljährliche Ökumenische Osterbasar der deutschen katholischen und evangelischen Kirchengemeinden statt.
Er war mal wieder ein voller Erfolg.

Bei herrlichem Wetter und großer Gastfreundschaft der katholischen Schule der Salesianer (port.:Escola dos Salesarianos) kamen am 21. März, dem kalendarischen Frühlingsanfang, viele Menschen zusammen, die ein reichhaltiges Angebot an Osterdekoration, handbemalten Ostereiern, Kunsthandwerk, Kleider, Lebensmittel Bücher und viele Spezialitäten aus Deutschland erwartete.

Traditionell deutsches Essen, wie z.B. Kartoffelsalat, Bratwurst, Frikadellen und Sauerkraut, sowie Kaffee und Kuchen sorgten für das leibliche Wohlbefinden.

Auch eine Tombola gab es, bei der man von der Mikrowelle, über Hotelwochenendaufenthalten bis hin zu Flügen nach Deutschland, so ziemlich alles gewinnen konnte.
Natürlich habe ich fünf Euro investiert, und mir ein Los gekauft, und natürlich habe ich mal wieder nichts gewonnen.

Wenn man so wie ich, schon beim kauf des Loses nicht an die geringste Gewinnchance glaubt, dann sollte man sich eigentlich dieses Geld lieber sparen und direkt an die Kirche spenden.
Dann würde ich mich vielleicht auch weniger ärgern!...

Ich werde es wohl nie lernen!

Samstag, 20. März 2010

Eine Lektion von Moral und Solidarität


Als im Jahre 1999 das ehemalige Portugiesische Überseegebiet Ost-Timor (port.: Timor-Leste / tetum: Timor-Lorosae) von Indonesien unabhängig wurde, weigerte sich der damalige Präsident der Portugiesischen Autonomen Region der Insel Madeira, Alberto João Jardim, kategorisch, sich an einer finanziellen Hilfe für das arme Timor zu beteiligen.

Madeira war damals somit die einzige Region Portugals, die sich weigerte an einem Wiederaufbau, des durch Indonesien schwer zerstörten Timor, mitzuwirken.
Noch schlimmer, Alberto João Jardim, verkündigte klar und deutlich dass er keine Timorensen auf seiner Insel haben wollte.
Selbst den Studenten, die aus dem anderen Ende der Welt kamen, um hier in Portugal zu studieren, und die von der Portugiesischen Regierung unter anderem an die Universitäten von Madeira geschickt wurden, machte die Regionalregierung der Insel Madeira das Leben nicht gerade einfach.

Als nun vor genau vier Wochen ein Orkan Teile der Insel Madeira, vor allem den Süden mit der Hauptstadt Funchal, verwüstete und 51 Menschen das Leben kostete und mehrere hundert Obdachlos machte, da kamen Hilfsangebote aus aller Welt.
Die Hilfe kam nicht nur aus der EU und aus den USA, Kanada, Venezuela und Südafrika, wo es traditionell große Bevölkerungsgruppen gibt, deren Vorfahren aus Madeira stammen.
Nein, die Hilfe kam auch aus dem entfernten Ost-Timor!

Spontan beschloss drei Tage nach der Naturkatastrophe auf Madeira die Regierung des Inselstaates Timor-Leste den Opfern des großen Orkans, 750.000 US-Dollar zukommen zu lassen, das sind in etwa 556.000 Euro!

Die Schäden auf Madeira betragen schätzungsweise 1,2 Milliarden Euro, und somit sind die 556.000 Euro aus Timor nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Aber es ist die Solidarität die zählt!
Für so ein kleines Land wie Ost-Timor, das augenblicklich in tiefster Armut lebt, sind 750.000 US-Dollar ein Riesenbetrag.
Und daher zollt es höchsten Respekt und Bewunderung, dass gestern der Botschafter von Ost-Timor höchstpersönlich auf Madeira João Cunha e Silva. dem Vizepräsidenten Madeiras, einen Scheck über 750.000 US-Dollar überreichte.

Alberto João Jardim nahm den Scheck nicht persönlich an, da er angeblich andere wichtige Termine wahrnehmen musste.
Aber wer Alberto João Jardim kennt, weiß dass er den Scheck eher aus Scham und falschem Stolz nicht persönlich angenommen hat.

Denn seien wir mal ehrlich:
dieser kleine, geifernde alte Mann hätte niemals daran gedacht das ihn einmal eine politische Äußerung, die er 1999 aus seinem Plappermaul hat entweichen lassen, ihn elf Jahre später so bloßstellen würde.
Das ihm heute ein armer Inselstaat im fernen Asien eine Lektion in Solidarität, Moral und Humanität geben muss, das ist selbst für einen Alberto João Jardim zu viel.

Dienstag, 2. März 2010

Bairro Alto aos seus Amigos tão dedicado



Bairro Alto

Bairro Alto aos seus AMIGOS tão dedicado
Quis um dia dar nas vistas
E saíu com os trovadores mais o fado
Pr’a fazer suas conquistas

Tangem as liras singelas,
Lisboa abriu as janelas, Acordou em sobressalto
Gritaram bairros à toa
Silêncio velha Lisboa, Vai cantar o Bairro Alto

Trovas antigas, saudade louca
Andam cantigas a bailar de boca em boca,
Tristes bizarras, em comunhão
Andam guitarras a gemer de mão em mão

Por isso é que mereceu fama de boémio
Por seu condão fatalista
Atiraram-lhe com a lama como prémio
Por ser nobre e ser fadista

Hoje saudoso e velhinho,
Recordando com carinho seus amores suas paixões
Pr’a cumprir a sina sua
Ainda veio pr’o meio da rua, cantar as suas canções

Trovas antigas, saudade louca...


Dies ist der Text des berühmten Fados "Bairro Alto", welches von den Komponisten Carlos Simões Neves und Nuno Aguiar geschrieben wurde und von Carlos do Carmo noch heute gesungen wird.

Hier nun meine Übersetzung des Fados „Bairro Alto“, das über diesen Lissabonner Stadtteil handelt (wobei sich die Textstrophen, ins deutsche übersetzt, logischerweise leider nicht reimen):


Bairro Alto, seinen Freunden total ergeben
Wollte einmal aus sich herausgehen
Und so brachten die Troubadoure den Fado zum Besten
Um ihre Eroberungen zu machen

Es erklingen die einzelnen Leiern
Und überrascht wachen alle auf, ganz Lissabon öffnet seine Fenster
Und jeder am Fenster ruft laut und bestimmt
Lissabonner seit still, denn der Bairro Alto wird jetzt singen

Alte Weisen, unheimliche Sehnsucht
Liedertexte die von Mund zu Mund tanzen,
Bizarre Traurigkeiten, und gemeinschaftlich
erklingen Gitarren, die von Hand zu Hand gereicht werden

Er (der Stadtteil) hat den Ruf gutbürgerlich zu sein,
Ja fast schon fatalistisch
Als Preis bekommt er den Schlamm der Straße ab
Weil er in seinem innersten edel ist und ein Fadista

Heute traurig und alt
Erinnert er sich liebevoll an seine früheren Geliebten, seine Affären
Und das Schicksal will es
Das inmitten seiner Gassen, die alten Lieder erklingen.

Alte Weisen, unheimliche Sehnsucht...

Lisbona Bar






Am letzten Freitag ging ich mit meinen Arbeitskollegen und Freunden Inês alias Agnes Luno, Marco alias Borga y Borga, Miguel alias Orlando, Lili alias Conchita, Yves alias El Ministro, David alias El Mensagero und ich alias Angel Pablo in den Bairro Alto, wo wir zu Abend aßen und die Nacht mit einer Ginjinha in der „Lisbona Bar“ beendeten.

Die „Lisbona Bar“, mitten im Bairro Alto gelegen, in der Rua da Atalaia, ist eine kleine Bar, die sich durch ihre originellen schwarz-weißen Wandkacheln auszeichnet.
Jede einzelne von ihnen ist ein Original, denn jede einzelne wurde von einem Gast, im nüchternen oder im betrunkenen Zustand, liebevoll bemalt oder beschrieben.

Auch wir wollten uns mit einer Kachel verewigen.
Aber da wir und der Besitzer der Kneipe, keinen Edding hatten, musste die Ausführung dieser Kunstfertigkeit ausbleiben.
Das holen wir aber bestimmt bei unserem nächsten Besuch in der „Lisbona Bar“ nach!

Wer sich in den Gassen des Bairro Alto nicht auskennt, hier die GPS-Daten der Bar: N 38° 42.852, W 9° 8.748

Faca e Garfo






Wer kennt das nicht?
Man will mit seinen Freunden essen gehen, und jeder hat eine andere Idee, wo man denn hingehen kann um zu Speisen.
Als ich am letzten Freitag mit ein paar Kollegen essen gegangen bin, hatten wir eben dieses Problem.
Wenn man hier überhaupt von einem Problem reden kann, denn verhungert wären wir an diesem Abend garantiert nicht.
Ich selbst wäre gerne traditionell „Pão com Chouriço und Caldo Verde“ essen gegangen, aber Lili, Inês, Marco, Miguel, Yves und David waren alles andere als begeistert von meiner Idee.

Also gingen wir, nach langem hin und her, in die Rua da Condessa, unweit des Carmoklosters (port.: Convento do Carmo), in ein kleines Restaurant das traditionelle portugiesische Küche anbietet, und das den Namen „Faca & Garfo“ (dt.: „Messer & Gabel“) trägt.
Es war Yves Freundin Helena, die uns auf dieses Restaurant brachte.

Wir können uns nur bei Helena bedanken, denn wir haben sehr gut gegessen und man kann nicht sagen es wäre sehr teuer gewesen. Im Gegenteil, das Preis-Leistungs-Verhältnis im „Faca & Garfo“ ist indiskutabel!
Auch getrunken haben wir sehr gut, wobei man die hausgemachte Sangria, sowohl die Rote als auch die Weiße, nur loben kann.
Allerdings muss man sagen dass der Rotwein „Pirquita“, Jahrgang 2006, nicht zu empfehlen ist.
Aber vielleicht waren unsere Geschmacksnerven nur durch das vorher getrunkene Bier in der Kneipe „O Estadio“, etwas irritiert.

Die Atmosphäre war klasse, das Personal sehr nett und der Abend durchweg gelungen.
Man kann das Restaurant „Faca & Garfo“ nur weiter empfehlen, obwohl ich felsenfest der Meinung bin, das wir bei „Pão com Chouriço und Caldo Verde“ auch nicht schlecht davon gekommen wären...

Eine Nacht im Bairro Alto






Am letzten Freitag, nach mehrmaligem Planen und Absagen, sind ein paar Kollegen und ich, nach der Arbeit, zum Essen ausgegangen.

Spontan planten Yves alias El Ministro, David alias El Mensagero, Inês alias Agnes Luno, Marco alias Borga y Borga, Miguel alias Orlando, Lili alias Conchita und ich alias Angel Pablo in den Bairro Alto zu gehen, wo wir als erstes in der Kneipe „O Estadio“ landeten, unweit der Kirche São Roque, um uns dort mit ein paar Bierchen und Musik aus der Juke-box den Appetit etwas anzuregen.
Ebenso im Bairro Alto, in der „Lisbona Bar“, beendeten wir dann, später in der Nacht, den Abend mit einer Ginjinha.

Zwischendurch gingen wir in die Rua da Condessa, unweit des Carmoklosters (port.: Convento do Carmo), um dort gemütlich im Restaurant „Faca & Garfo“ (dt.: Messer & Gabel), zu Abend zu essen.
Das Restaurant, das traditionelle portugiesische Küche (port.: cozinha tradicional portuguesa) anbietet, wurde uns von Yves Freundin, Helena, empfohlen, die leider an diesem Abend fehlte.

Wir haben den Abend sehr genossen, uns amüsiert, sehr gut gegessen, gut getrunken und wir haben viel gelacht.

Kurz gesagt: wir hatten eine Menge Spaß!
Und wir haben uns fest vorgenommen den Abend zu wiederholen.

Dienstag, 23. Februar 2010

Delphine im Tejo




Seit einigen Wochen werden ab und zu Delphine (port.: golfinho comum / lat.: Tursiops truncatus) im Tejodelta und in der Tejobucht gesichtet. Einige von ihnen wurden in der Gegend um Almada gesichtet (port.: Margem Sul), andere in der Ufernähe von Lissabon (port.: Zona Ribeirinha de Lisboa) und zwei von ihnen schafften es sogar bis hoch hinauf nach Vila Franca de Xira, im Ribatejo.

Obwohl heute viele Normalsterbliche über diese Besuche überrascht sind, versichern Meeresbiologen, Seeleute und Fischer dass es früher schon immer Delphine im Tejo gab. Bis weit in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden sie in der großen, natürlichen Bucht des größten Flusses der Iberischen Halbinsel, dem so genanten Strohmeer (port.: Mar da Palha), gesichtet.
Bis sie plötzlich, mit dem Eintreten der angesiedelten Hochindustrie, den Schiffswerften und der immer häufiger aufkommenden Schifffahrt, plötzlich verschwanden.

Warum die Delphine nun von Zeit zu Zeit wieder im Tejo auftauchen, ist den Wissenschaftlern und Meeresbiologen noch ein Rätsel.
Zwar hat sich die Wasserqualität des Tejo in den letzten Jahren konstant verbessert, aber man vermutet eher, das sich die Meeressäuger entweder wegen der vielen Fischschwärme, die ihre Nahrung sind, in die Bucht begeben, oder weil sie auf der Flucht vor Haien in die selbige flüchten.
Eines aber ist sicher: sie schwimmen so still und leise wieder von dannen, wie sie gekommen sind.

Obwohl sie leider im Tejo noch selten anzutreffen sind, gehören die bis zu 450 kg schwer werdenden und bis zu 3,50 m großen Kleinwale sehr wohl zum Habitat der portugiesischen Küste.
Vor allem im Süden des Landes, in der Gegend um Setúbal und der Halbinsel Troia gibt es sogar ganze Delphinschulen, die dort im Sommer, in Küstennähe, ihre Jungen zur Welt bringen.

Meeresbiologen, wie Maria José Costa vom Ozeanographischen Institut in Lissabon, sind sich sicher, das in gut 20 bis 30 Jahren Delphine im Tejo genauso zum Alltag gehören werden wie in den früheren Jahrhunderten, als sie zu dutzenden die Schiffe und Segler begleiteten.

Dabei sein ist alles


Ich bin ein großer Anhänger der Olympischen Spiele (port.: Jogos Olímpicos) und des Olympischen Gedankens.
Daher befürworte ich die Teilnahme portugiesischer Athleten bei Olympischen Spielen, ohne wenn und aber!
Aber auch nur wenn es sich dabei um Olympische Sommerspiele (port.: Jogos Olímpicos de Verão) handelt!
Was portugiesische Sportler bei Olympischen Winterspielen (port.: Jogos Olímpicos de Inverno) zu suchen haben, bleibt mir, auch dieses Jahr, bei den XXI. Olympischen Winterspielen, die vom 12. bis zum 28. Februar 2010, im kanadischen Vancouver stattfinden, ein absolutes Rätsel.

Ich bin da etwas konservativ und absolut der Meinung:

„Alles zu seiner Zeit und an seinem Ort“.

Nun ist nun aber mal der Winter nicht gerade die (Jahres)zeit, in der Portugal jemals mit sportlichen Höchstleistungen aufgewartet hat, und seien wir mal ganz ehrlich, auch wohl niemals aufwarten wird!

Nichtsdestotrotz gibt sich Portugal dem Luxus hin, einem Luxus der vom portugiesischen Steuerzahler finanziert wird, heuer zum sechsten Mal an Olympischen Winterspielen teilzunehmen, auch wenn Portugal noch nie eine minimale Chance hatte eine Medaille bei einem dieser Spiele zu gewinnen.

Bei den letzten Olympischen Winterspielen 2006 in Turin ging ein einziger Athlet für Portugal an den Start, nämlich der Skilangläufer Danny Silva, der als Sohn portugiesischer Eltern 1973 in Perth Amboy, im US-Bundesstaat New Jersey, geboren wurde.
Danny Silva, der sicherlich mit Herzblut am Skilanglauf (port.: Esqui cross-country) hängt und wohl wirklich versucht hat, sein bestes zu geben, hat es damals auf den 94. Platz geschafft.

Auf den 94. Platz!
Ich weiß nicht wie viele Skilangläufer damals in Turin an den Start gegangen sind, aber beim erreichen des 94. Platzes, hätten sich sowohl Danny Silva, als auch das Portugiesische Olympische Komitee (port.: Comitê Olímpico de Portugal) mal überlegen sollen, ob sie es bei diesen Olympischen Spielen nicht belassen hätten sollen.

Dieses Jahr, in Vancouver, gingen beim Skilanglauf insgesamt 95 Sportler aus aller Welt an den Start.
Und raten sie mal, welchen Platz Danny Silva dieses Mal belegt hat?
Nein, nicht den 94. Platz; diesmal ist er 95ster geworden, also Letzter!

Bleibt nur zu hoffen, dass Danny Silva und das Nationale Olympische Komitee diesmal ihre Lehre aus diesem schlechten Abschneiden gezogen haben.
Aber so wie ich befürchte, werden wir Danny Silva in vier Jahren erneut bei Olympischen Winterspielen antreffen können.
Schließlich, so hat der Sportler heute in einem Fernsehinterview verlautbaren lassen, sein Traum sei es, einmal unter die ersten 90 zu kommen!
Und so, wird der portugiesische Steuerzahler wohl oder übel auch weiterhin den Traum dieser sportlichen Niete finanzieren müssen.
Außer es würde beim Nationalen Olympischen Komitee einer endlich mit der Faust auf den Tisch hauen und dieser Farce ein Ende setzen.

„Dabei sein ist alles“, so lautet der olympische Gedanke.
Aber Danny Silva sollte sich wirklich überlegen ob er weiterhin den portugiesischen Steuerzahlern zumuten kann, dass sie ihm seine Winterurlaube finanzieren.

Meiner Meinung nach sollte sich Portugal auf die jeweiligen Olympischen Sommerspiele konzentrieren, und die peinlichen Auftritte bei Winterspielen unterlassen!

Mittwoch, 17. Februar 2010

Flugsicherheit


Dieser Tage haben meine Eltern einen Flug nach Deutschland gebucht.
Und obwohl meine Eltern schon oftmals geflogen sind, fliegt bei meiner Mutter, immer noch die Angst mit.
Das Reisen durch die Luft ist für sie auch heute noch so etwas wie eine Herausforderung.
Bei der kleinsten Turbulenz steigen bei meiner Mutter nicht gerade die Panik, aber doch die Angstzustände.

Ich habe ihr schon oft erklärt, das das nicht sein muss, denn das Reisen per Flugzeug ist und bleibt, wie wir alle wissen, die sicherste Art und Weise, um von A nach B zu gelangen.

Laut einer Statistik, so habe ich erst kürzlich gelesen, müsste ein Passagier 4807 Jahre lang, täglich ein Mal fliegen, um statistisch gesehen von einem Flugunfall betroffen zu sein. Diese Bilanz wurde von der „International Air Transport Association“, anlässlich des Absturzes der Air France Maschine, die letztes Jahr auf dem weg von Rio de Janeiro nach Paris, mitten im Atlantik verschwand, errechnet.
Zwar nehmen diese nüchternen Zahlen, den Menschen die Flugangst haben, sicherlich nicht dieselbige.
Aber solche Fakten geben einem doch eine gewisse Beruhigung.

Das „Jet Airliner Crash Data Evaluation Center“ (JACDEC), ein Institut welches die Flugverkehrsunfälle analysiert und im laufe der Jahre berechnet, hat eine Top Ten der weltweit sichersten Fluggesellschaften erstellt.
Demnach sind die zehn Fluggesellschaften mit den höchsten Sicherheitsstandards auf der Welt, folgende:

Platz 1 - Quantas Airways (Australien)

Platz 2 – Finnair (Finnland)

Platz 3 - TAP Portugal (Portugal)

Platz 4 - Cathay Pacific Airways (Hongkong)

Platz 5. El Al (Israel)

Platz 6. All Nippon Airways (Japan)

Platz 7 - Air Berlin (Deutschland)

Platz 8 - Virgin Atlantic Airways (Großbritannien)

Platz 9 - Emirates Airlines (Vereinigte Arabische Emirate)

Platz 10 – Singapore Airlines (Singapur)

Wohlgemerkt, die portugiesische Fluggesellschaft TAP belegt den dritten Platz bei diesem Ranking.
Alleine das ist, wie ich finde, Bemerkenswert.
Aber überraschend ist die Tatsache, dass die deutsche Lufthansa nur auf dem 19. Platz landet.

Ich, der ich immer lieber mit der Lufthansa geflogen bin als mit der TAP, muss jetzt wohl langsam mal umdenken.
Denn so schlimm, wie sie mir immer erschien, scheint Portugals Fluggesellschaft Numero Eins dann doch nicht zu sein.

Samstag, 13. Februar 2010

Karneval in Portugal


Ich bin schon oftmals gefragt worden, wie denn der Karneval (port.: carnaval / lat.: carne vale) hier in meiner Heimatstadt Lissabon sei.
Ob man ihn hier genauso bunt, fröhlich und ausgelassen feiern würde wie den Karneval in Brasilien, schließlich seien ja beide Länder kulturell sehr eng miteinander verbunden.
Mit einem Wort: Nein!

Um ehrlich zu sein, man kann wirklich nicht gerade behaupten Lissabon wäre eine Karnevalshochburg.
Im Gegenteil!
Hier in Lissabon kann der Karneval regelrecht an einem vorbeiziehen, ohne das man von Karnevalsdonnerstag bis Aschermittwoch auch nur einer roten Nase oder einem bunten Kostüm begegnet.

Genauso wie in Deutschland, so gibt es auch hier in Portugal Gegenden in denen der Karneval überhaupt nicht gefeiert wird, und es gibt dann wiederum regelrechte Karnevalshochburgen. Und Lissabon ist nun wirklich keine davon.

Karnevalshochburgen sind hier in Portugal die Städte Sesimbra, Ovar, Loures, Loulé, Torres Vedras, Sines und Funchal auf der Insel Madeira, von wo die ersten Auswanderer dieser Insel den Karneval nach Rio de Janeiro brachten.

Im Gegensatz zu Deutschland, wo traditionell die Fastnacht nach offizieller Zeitrechnung am Elften im Elften um elf Uhr elf, beginnt, startet hier in Portugal die „Fünfte Jahreszeit“ erst am Karnevalssonntag.

Erst an diesem Sonntag beginnen dann hier in manchen Gegenden Portugals die drei „fetten Tage“ (port.: „dias gordos“), die die Fastenzeit anstimmen.
Nach und nach nimmt ab diesem Tag der Karneval von Groß und Klein Besitz und steigert sich dann schließlich in den Rausch der drei tollen Tage.
In den portugiesischen Karnevalshochburgen bricht die Lebenslust auf offener Strasse regelrecht aus (port.: carnaval da rua).
Und mit „offener Strasse“ ist wirklich die Strasse gemeint.
Denn obwohl es um diese Jahreszeit noch empfindlich nass und kalt sein kann in Portugal, würde es hier keinem im Traum einfallen Karneval in einem Saal und mit einer Prunksitzung zu feiern.

Eines hat aber der Karneval hier in Portugal mit allen anderen Karnevals auf der Welt gemeinsam:
Auch hier ist am Aschermittwoch alles vorbei – ausgenommen für die Müllmänner, die dann tonnenweise Konfetti, Luftschlangen und anderen Unrat wegkehren müssen.

Montag, 8. Februar 2010

Spendenaufruf für Fabio


Vor einiger Zeit bekam ich von meiner Freundin Sabine aus Deutschland eine Mail zugesendet, in dem um eine Spende für den kleinen Fabio gebeten wurde.
Da ich aber weder einen Fabio kannte und normalerweise auch eher allergisch auf solche Spendenaufrufe reagiere, habe ich erstmal dem Mail kaum Beachtung geschenkt.

Einige Tage nach dem Erhalt der Mail, las ich sie mir dann doch mit mehr Aufmerksamkeit durch.
Und so erfuhr ich, dass Fabio ein Freund der kleinen Cora ist, der Tochter meiner Freundin Sabine, und das er mit dieser einen integrativen Kindergarten in Mörfelden-Walldorf besucht.
Fabio ist somit also nicht jemand fiktives, sondern ein kleiner, lebensfroher Junge den es wirklich gibt, der für sein Leben gerne mit Feuerwehrautos spielt, der Bob den Baumeister liebt und der leider behindert ist.

Fabio kam als Frühchen auf die Welt.
Er wurde am 23. März 2004, in der 27. Woche, mit nur 480 g geboren.
Sein Zwillingsbruder Marco, der sogar mit nur 385g auf die Welt kam, verstarb zwei Monate nach der Geburt.

Fabio wurden bei seiner Geburt, unter anderem, Hypotrophie, das ist eine unterdurchschnittliche Größenentwicklung des Körpers, Atemnotsyndrom Grad IV, eine Frühgeborenen-Hyperbilirubinämie, eine schwere Fehlbildung des Lungen-Bronchien-Systems, eine Anämie (Blutarmut), ein beidseitiger Leistenbruch und eine Hypospadie (das ist wenn die äußere Mündung der Harnröhre zu weit nach unten gebildet ist) diagnostiziert.

Außerdem wurden Fabio, mit der Zeit, schwere cerebrale und dystone Bewegungsstörungen, globale Retardierungen, Epilepsie und Schluckstörungen diagnostiziert, und leider noch vieles, vieles mehr.

Als behindertes Kind ist sowohl Fabios Leben, als auch das seiner Familie, alles andere als einfach und unproblematisch.
Doch mit viel Liebe und innerer Kraft scheinen alle diese Situation mehr oder weniger gut durchzustehen.

Zuerst führte man Fabios Behinderung auf die sehr seltene Stoffwechselerkrankung Glutarazydurie Typ II, eine so genannte Energiestoffwechselerkrankung, zurück.
Doch nach mehreren langwierigen Untersuchungen nahmen die Ärzte diesen Befund zurück, und sie mussten zugeben, nicht zu wissen an was nun eigentlich genau Fabio leidet.

Fabio wird nächsten Monat sechs Jahre alt.
Er ist, nachdem was man mir erzählte, ein aufgeweckter, neugieriger und lebensfroher Junge, so wie eigentlich alle Kinder in diesem Alter sein sollten.
Die Tatsache das Fabio nicht gehen kann und er auch nicht sprechen kann, heißt noch lange nicht das seine Umwelt ihn nicht versteht.
Es gibt Menschen, die haben so ein reines Herz, die brauchen gar keine Worte, damit man sie versteht!

Aber kommen wir nun auf den Spendenaufruf zu sprechen:
Warum wird für Fabio eigentlich gesammelt?
Nun, durch das Fernsehen, das Internet und durch Gespräche mit Eltern anderer behinderter Kinder, hat Fabios Familie von einer Delphintherapie auf der Insel Coração erfahren, die es behinderten Kindern ermöglicht mit Delphinen zu schwimmen.
Diese Therapie ist sehr, sehr teuer und wird leider auch nicht von den Krankenkassen bezahlt.
Wäre Fabio aber drogenabhängig, kriminell oder asozial würde sich bestimmt eine staatliche Institution finden die ihn sofort unterstützen würde. Es ist schon eine komische Welt in der wir leben.

Für diese Delphintherapie also, sammelt Fabios Familie.
Und auch wenn sie sich darüber im Klaren sind, dass sie nicht auf große Wunder hoffen können, so gibt es oftmals diese kleinen Wunder, die das Leben immer etwas lebenswerter machen.

Ich habe Fabios Traum, mit Delphinen zu schwimmen und zu planschen, mit einer kleinen Spende unterstützt, und außerdem war es mir auch ein Anliegen, hier in meinem Blog, von Fabios Schicksal zu berichten.

Ich weiß, dass jeden Monat mehrere Hundert Leser meinen Blog anklicken.
Vielleicht ist ja der eine oder der andere daran interessiert, sich an dieser Sammelaktion für Fabio zu beteiligen.

Gehen sie auf Fabios Site im Internet www.gofabiogo.de und informieren sie sich ausführlich.

Unter www.kinderhilfe-DELPHIN.de ,einem Verein der Familien mit behinderten Kindern bei der Realisierung von Delphintherapien hilft, ist für Fabio eine Homepage eingerichtet worden.

Durch Angabe des Kennwortes = Namen + Vorname des Kindes beim "Verwendungszweck"/Buchungstext ist gesichert, dass Kinderhilfe Delphin den eingegangenen Überweisungsbetrag dem jeweils angegebenen Kind für dessen Delphin Therapie zuordnen kann.
Daher ist die Angabe des Namens „Fabio Pirajno“ äußerst wichtig.

Das Spendenkonto lautet:


Kinderhilfe DELPHIN e.V.

Nassauische Sparkasse
Konto: 606 218 147
BLZ: 510 500 15
IBAN: DE17 5105 0015 0606 2181 47
BIC: NASSDE55XXX

Verwendungszweck: Fabio Pirajno + Ihr Name und Adresse


Fabio und seiner Familie wünsche ich alles erdenklich Gute für die Zukunft und viel, viel Kraft!

Das Treppenhaus der Hemerothek




In meinem post „Die Hemerothek von Lissabon“ (port.: A hemeroteca de Lisboa), vom 26. Januar 2010, erwähne ich unter anderem das Treppenhaus, und da vor allem das Treppengeländer, welches die Eingangshalle der Hemerothek mit dem ersten Stockwerk verbindet.

Eine Hemerothek (port.: hemeroteca / gr.: heméra théke) ist eine Sammlung verschiedenster Tageszeitungen und Zeitschriften.
Die Hemerothek von Lissabon ist das nationale Archiv aller der im letzten Jahrhundert in Portugal erschienenen Tages- und Wochenzeitungen und Zeitschriften.

Sowohl die Wände des Treppenhauses als auch die Treppenstufen der Hemerothek sind aus reinem, rosafarbenem Marmor.
Dieser Marmor wurde ursprünglich in den Marmorsteinbrüchen der Serra da Arrábida, in der Regionm von Sesimbra, gebrochen.

Aber das Highlight des Treppenhauses ist wohl das Treppengeländer.
Bestehend aus reinem Brasilholz (port.: Pau do Brasil), führt er rechtsseitig vom Erdgeschoß in die erste Etage.
Im Erdgeschoß nimmt das Geländer, origineller Weise, im Maul eines Löwen seinen Anfang.
Der Löwe selbst wird von einem Drachen umschlungen.
Diese, aus hellem Marmor gehauene Figur, ist wohl eines der schönsten die ich kenne.
Überhaupt ist das Treppengeländer wohl eines der originellsten die ich jemals gesehen habe; und ich habe weiß Gott schon viele Treppenhäuser in meinem Leben gesehen.

Die Hemerothek befindet sich in der Rua de São Pedro de Alcântara, genau gegenüber der Igreja de São Roque.

Dienstag, 2. Februar 2010

Wir sind Menschen, keine Gespenster


Während in Frankreich ein Gesetz vorbereitet wird, durch den es Frauen zukünftig verboten sein wird sich in der Öffentlichkeit mit einer Burka zu zeigen, denken nun auch hier in Portugal einige Politiker über die Einführung solch eines Gesetzes ernsthaft nach.

Nicht das es hier in Portugal so viele Muslime gäbe wie in Frankreich, Großbritannien oder Deutschland, oder das es hier zum Alltag gehören würde, das eine Frau verhüllt durch die Straßen laufen würde. Im Gegenteil, man sieht solche Bilder äußerst selten hier in Portugal.
Nein, es soll sich hierbei um ein Gesetz handeln, das vorab solch eine Verhüllung einer Frau überhaupt erst gar nicht möglich macht.

Eine Freundin von mir meinte einmal spaßeshalber (und ich gehe mal sehr schwer davon aus, sie meinte es wirklich spaßeshalber!) sie könne der Burka (port.: burqa) durchaus einiges positives abgewinnen.
Sie meinte nämlich, dass es nun einmal Tage gäbe, an denen eine Frau aufwachen würde, ohne große Lust zu haben sich die Haare zu machen und sich zu schminken. Sich einen Fetzen Stoff überzuziehen, wäre dann eigentlich eher von Vorteil, so ihre Meinung!
Muss man also so eine Verhüllung der Frauen verbieten, fragte sie mich?!?
Meine persönliche Meinung hierzu: Ja, man muss!

Muslime leben hier im Westen Europas in unserem Kulturkreis und nicht wir in dem ihrigem!
Wenn Frauen die Burka zu Hause tragen, ist das ihre Sache.
Aber wenn sie z.B. in Krankenhäusern, Ämtern, öffentlichen Verkehrsmitteln und Schulen die Burka tragen, dann ist es nicht mehr ihre Sache, sondern die Sache der Allgemeinheit.

Warum ich gegen die Burka bin?
Nun, ich persönlich finde es unheimlich wichtig, einem Menschen in das Gesicht schauen zu können, denn das hat mit Vertrauen und Kommunikation zu tun.
Jemanden in die Augen schauen zu können hat auch mit Sicherheit zu tun.

Unsere westeuropäische Zivilisation kennt nicht das Verhüllen des Antlitzes.
Und das aus einem guten Grund:
Schließlich sind wir Menschen und keine Gespenster!

Brian Adams


In einem zwanzigminütigen Interview, den der kanadische Sänger und Komponist Brian Adams dem Fernsehsender SIC dieses Wochenende gab, erzählt er über seine musikalischen Projekte, seine privaten Zukunftspläne und seinen bevorstehenden Aufenthalt in Portugal.

Dieses Interview mit Brian Adams fand auf Portugiesisch statt, sowohl von Seiten des Reporters als auch des Sängers.
Denn, was kaum einer außerhalb Portugals und Kanadas weiß, Brian Adams spricht ein sehr gutes portugiesisch.

Als Sohn britischer Eltern, wurde Brian am 05. November 1959 im kanadischen Kingston, in der Provinz Ontario geboren.
Sein Vater Conrad J. Adams, kanadischer Diplomat, war von 1967 bis 1971 Botschafter in Portugal, und so verbrachte Brian einen Teil seiner Kindheit in Portugal.
Seine Eltern und er lebten in Birre, bei Cascais.
Und es war auch in Cascais wo Brian die Internationale Schule besuchte, und wo er portugiesisch lernte.

1977, mit 18 Jahren und nachdem er die Schule hingeschmissen hatte, begann Brian Adams seine steile Musikkarriere.
Bis heute hat er Millionen von Menschen mit seiner Musik glücklich gemacht.
Ich jedenfalls, bin einer von denen, die bei seiner Musik so etwas wie Glück oder Zufriedenheit fühlen.
Brian Adams ist wohl einer der Musiker, den jeder gerne Mal hört.

Lieder wie „Somebody“, „Heaven“, „Please Forgive Me“, „Everything I Do I Do It for You“ und „Summer of 69“ haben ihn weltberühmt gemacht.
Ach ja, „Summer of 69“; wer weiß schon das Brian Adams in diesem Lied vom sonnigen Sommer in Portugal singt?!?

Brian Adams kommt oft privat nach Portugal, denn er hat in Cascais, unweit des Hauses wo er als Kind aufgewachsen ist, ein Anwesen.
Er wird demnächst wieder hier nach Portugal kommen, diesmal aber nicht um ein Konzert zu geben, sondern um hier Aufnahmen für sein neues Bildband, das er demnächst herausbringen wird, zu machen.
Denn, was auch kaum einer weiß, Brian Adams ist ein talentierter Fotograf und Herausgeber wunderschöner Bildbände.

Vielleicht „erbarmt“ sich aber Brian Adams noch, und gibt seinen portugiesischen Fans doch noch ein Konzert.
Sie würden es ihm danken!
Der bevorstehende Musikevent „Rock in Rio“ hier in Lissabon wäre eine wunderbare Gelegenheit hierzu.

Wenn die Polizei bewacht werden muss


Wer sich, so wie ich, für die deutsche Alltagspolitik interessiert, der kann sich nur darüber amüsieren, wie sich im Augenblick manche in Deutschland über die schwarz-gelbe Bundesregierung ärgern.

Wer nämlich mit der portugiesischen Innenpolitik vertraut ist, der wird jedem Deutschen sagen können, wie gut er es mit Angela Merkel und ihrem liberalen Partner Westerwelle getroffen hat.

Hier in Portugal muss nämlich unser Prämierminister José Socrates versuchen mit einer Minderheitsregierung zu regieren, die leider nicht Grundlos beschuldigt wird, korrupt und verschwenderisch zu sein.

So hat z.B. das Innenministerium hier in Lissabon, Anfang des Jahres, die Anweisungen herausgegeben, das ab sofort in ländlichen Gebieten Portugals, aus Sicherheitsgründen (!!!) die Wachen der Polizei (port.: Policia de Segurança Pública = PSP) und der Republikanischen Nationalgarden (port.: Guarda Nacional Repúblicana = GNR) von privaten Sicherheitsunternehmen bewacht werden sollen!

So ist der Stützpunkt der Guarda Nacional Repúblicana in der Kleinstadt Armação de Pêra, an der Algarve, nun das erste Objekt welches von einer privaten Sicherheitsfirma, nämlich der „Prosegur“, bewacht wird.

Das heißt also, dass ab sofort die portugiesischen Steuerzahler nicht nur für die Polizei aufkommen müssen, wie bisher, sondern ab jetzt müssen sie auch für die privaten Sicherheitskräfte, wie Prosegur, Securita, usw., tief in die Tasche greifen!

Was sich, wie ich selber zugeben muss, am Anfang des Jahres wie ein schlechter Witz anhörte, ist tatsächlich Realität geworden.

Wie muss ich mir denn so die Bewachung einer Polizeistation durch eine private Sicherheitsfirma vorstellen?
Ich meine, wie geht das überhaupt?

Ruft da etwa, nach einem Überfall auf die Polizeiwache, der Securitymensch bei der Polizei an, und sagt:
„Hallo, ist dort die Polizei?
Ich wollte nur melden dass gerade „unsere“ Polizeiwache, die wir vom Sicherheitsdienst bewachen, überfallen wird“.

Und was antwortet ihm wohl der Polizist darauf, der das Gespräch entgegengenommen hat?
Etwa so viel wie:
„Vielen Dank für die Info lieber Kollege. Ich werde das sofort an meinen Chef, der sein Büro neben dem ihrigem hat, weiterleiten“.

Wie grotesk ist das denn?!?

Wohlgemerkt, das Innenministerium stellt die Sicherheitsfirmen nicht ein um die Polizisten zu bewachen, denn die könnten ja, so der Innenminister Rui Pereira, sehr wohl auf sich selber aufpassen.
Nein, die Wachmänner sind dazu bestimmt das Eigentum der Polizei und der GNR zu bewachen, wie etwa z.B. die Polizeiautos, die Grundstücke, die Ausrüstungen, usw.

Wenn dem aber so ist, und wenn das Innenministerium wirklich weiterhin auf diese Anordnung besteht, dann frage ich mich, als Bürger dieses Landes, nun folgendes:

Wer passt, ab jetzt, auf mich und mein Eigentum auf?
Und, wen muss ich das nächste Mal anrufen, wenn ich überfallen werde?
Und, wer ist denn nun eigentlich für meine Sicherheit zuständig?
Und, und, und…

Also liebe Deutschen, wenn ihr Euch das nächste Mal wieder über die Deutsche Bundesregierung aufregt, vergesst nicht, das es andernorts viel, viel chaotischer zugeht, und das leider nicht nur in Deutschland sinnlos Steuergelder ausgegeben werden!