Dienstag, 23. Februar 2010

Delphine im Tejo




Seit einigen Wochen werden ab und zu Delphine (port.: golfinho comum / lat.: Tursiops truncatus) im Tejodelta und in der Tejobucht gesichtet. Einige von ihnen wurden in der Gegend um Almada gesichtet (port.: Margem Sul), andere in der Ufernähe von Lissabon (port.: Zona Ribeirinha de Lisboa) und zwei von ihnen schafften es sogar bis hoch hinauf nach Vila Franca de Xira, im Ribatejo.

Obwohl heute viele Normalsterbliche über diese Besuche überrascht sind, versichern Meeresbiologen, Seeleute und Fischer dass es früher schon immer Delphine im Tejo gab. Bis weit in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden sie in der großen, natürlichen Bucht des größten Flusses der Iberischen Halbinsel, dem so genanten Strohmeer (port.: Mar da Palha), gesichtet.
Bis sie plötzlich, mit dem Eintreten der angesiedelten Hochindustrie, den Schiffswerften und der immer häufiger aufkommenden Schifffahrt, plötzlich verschwanden.

Warum die Delphine nun von Zeit zu Zeit wieder im Tejo auftauchen, ist den Wissenschaftlern und Meeresbiologen noch ein Rätsel.
Zwar hat sich die Wasserqualität des Tejo in den letzten Jahren konstant verbessert, aber man vermutet eher, das sich die Meeressäuger entweder wegen der vielen Fischschwärme, die ihre Nahrung sind, in die Bucht begeben, oder weil sie auf der Flucht vor Haien in die selbige flüchten.
Eines aber ist sicher: sie schwimmen so still und leise wieder von dannen, wie sie gekommen sind.

Obwohl sie leider im Tejo noch selten anzutreffen sind, gehören die bis zu 450 kg schwer werdenden und bis zu 3,50 m großen Kleinwale sehr wohl zum Habitat der portugiesischen Küste.
Vor allem im Süden des Landes, in der Gegend um Setúbal und der Halbinsel Troia gibt es sogar ganze Delphinschulen, die dort im Sommer, in Küstennähe, ihre Jungen zur Welt bringen.

Meeresbiologen, wie Maria José Costa vom Ozeanographischen Institut in Lissabon, sind sich sicher, das in gut 20 bis 30 Jahren Delphine im Tejo genauso zum Alltag gehören werden wie in den früheren Jahrhunderten, als sie zu dutzenden die Schiffe und Segler begleiteten.

Dabei sein ist alles


Ich bin ein großer Anhänger der Olympischen Spiele (port.: Jogos Olímpicos) und des Olympischen Gedankens.
Daher befürworte ich die Teilnahme portugiesischer Athleten bei Olympischen Spielen, ohne wenn und aber!
Aber auch nur wenn es sich dabei um Olympische Sommerspiele (port.: Jogos Olímpicos de Verão) handelt!
Was portugiesische Sportler bei Olympischen Winterspielen (port.: Jogos Olímpicos de Inverno) zu suchen haben, bleibt mir, auch dieses Jahr, bei den XXI. Olympischen Winterspielen, die vom 12. bis zum 28. Februar 2010, im kanadischen Vancouver stattfinden, ein absolutes Rätsel.

Ich bin da etwas konservativ und absolut der Meinung:

„Alles zu seiner Zeit und an seinem Ort“.

Nun ist nun aber mal der Winter nicht gerade die (Jahres)zeit, in der Portugal jemals mit sportlichen Höchstleistungen aufgewartet hat, und seien wir mal ganz ehrlich, auch wohl niemals aufwarten wird!

Nichtsdestotrotz gibt sich Portugal dem Luxus hin, einem Luxus der vom portugiesischen Steuerzahler finanziert wird, heuer zum sechsten Mal an Olympischen Winterspielen teilzunehmen, auch wenn Portugal noch nie eine minimale Chance hatte eine Medaille bei einem dieser Spiele zu gewinnen.

Bei den letzten Olympischen Winterspielen 2006 in Turin ging ein einziger Athlet für Portugal an den Start, nämlich der Skilangläufer Danny Silva, der als Sohn portugiesischer Eltern 1973 in Perth Amboy, im US-Bundesstaat New Jersey, geboren wurde.
Danny Silva, der sicherlich mit Herzblut am Skilanglauf (port.: Esqui cross-country) hängt und wohl wirklich versucht hat, sein bestes zu geben, hat es damals auf den 94. Platz geschafft.

Auf den 94. Platz!
Ich weiß nicht wie viele Skilangläufer damals in Turin an den Start gegangen sind, aber beim erreichen des 94. Platzes, hätten sich sowohl Danny Silva, als auch das Portugiesische Olympische Komitee (port.: Comitê Olímpico de Portugal) mal überlegen sollen, ob sie es bei diesen Olympischen Spielen nicht belassen hätten sollen.

Dieses Jahr, in Vancouver, gingen beim Skilanglauf insgesamt 95 Sportler aus aller Welt an den Start.
Und raten sie mal, welchen Platz Danny Silva dieses Mal belegt hat?
Nein, nicht den 94. Platz; diesmal ist er 95ster geworden, also Letzter!

Bleibt nur zu hoffen, dass Danny Silva und das Nationale Olympische Komitee diesmal ihre Lehre aus diesem schlechten Abschneiden gezogen haben.
Aber so wie ich befürchte, werden wir Danny Silva in vier Jahren erneut bei Olympischen Winterspielen antreffen können.
Schließlich, so hat der Sportler heute in einem Fernsehinterview verlautbaren lassen, sein Traum sei es, einmal unter die ersten 90 zu kommen!
Und so, wird der portugiesische Steuerzahler wohl oder übel auch weiterhin den Traum dieser sportlichen Niete finanzieren müssen.
Außer es würde beim Nationalen Olympischen Komitee einer endlich mit der Faust auf den Tisch hauen und dieser Farce ein Ende setzen.

„Dabei sein ist alles“, so lautet der olympische Gedanke.
Aber Danny Silva sollte sich wirklich überlegen ob er weiterhin den portugiesischen Steuerzahlern zumuten kann, dass sie ihm seine Winterurlaube finanzieren.

Meiner Meinung nach sollte sich Portugal auf die jeweiligen Olympischen Sommerspiele konzentrieren, und die peinlichen Auftritte bei Winterspielen unterlassen!

Mittwoch, 17. Februar 2010

Flugsicherheit


Dieser Tage haben meine Eltern einen Flug nach Deutschland gebucht.
Und obwohl meine Eltern schon oftmals geflogen sind, fliegt bei meiner Mutter, immer noch die Angst mit.
Das Reisen durch die Luft ist für sie auch heute noch so etwas wie eine Herausforderung.
Bei der kleinsten Turbulenz steigen bei meiner Mutter nicht gerade die Panik, aber doch die Angstzustände.

Ich habe ihr schon oft erklärt, das das nicht sein muss, denn das Reisen per Flugzeug ist und bleibt, wie wir alle wissen, die sicherste Art und Weise, um von A nach B zu gelangen.

Laut einer Statistik, so habe ich erst kürzlich gelesen, müsste ein Passagier 4807 Jahre lang, täglich ein Mal fliegen, um statistisch gesehen von einem Flugunfall betroffen zu sein. Diese Bilanz wurde von der „International Air Transport Association“, anlässlich des Absturzes der Air France Maschine, die letztes Jahr auf dem weg von Rio de Janeiro nach Paris, mitten im Atlantik verschwand, errechnet.
Zwar nehmen diese nüchternen Zahlen, den Menschen die Flugangst haben, sicherlich nicht dieselbige.
Aber solche Fakten geben einem doch eine gewisse Beruhigung.

Das „Jet Airliner Crash Data Evaluation Center“ (JACDEC), ein Institut welches die Flugverkehrsunfälle analysiert und im laufe der Jahre berechnet, hat eine Top Ten der weltweit sichersten Fluggesellschaften erstellt.
Demnach sind die zehn Fluggesellschaften mit den höchsten Sicherheitsstandards auf der Welt, folgende:

Platz 1 - Quantas Airways (Australien)

Platz 2 – Finnair (Finnland)

Platz 3 - TAP Portugal (Portugal)

Platz 4 - Cathay Pacific Airways (Hongkong)

Platz 5. El Al (Israel)

Platz 6. All Nippon Airways (Japan)

Platz 7 - Air Berlin (Deutschland)

Platz 8 - Virgin Atlantic Airways (Großbritannien)

Platz 9 - Emirates Airlines (Vereinigte Arabische Emirate)

Platz 10 – Singapore Airlines (Singapur)

Wohlgemerkt, die portugiesische Fluggesellschaft TAP belegt den dritten Platz bei diesem Ranking.
Alleine das ist, wie ich finde, Bemerkenswert.
Aber überraschend ist die Tatsache, dass die deutsche Lufthansa nur auf dem 19. Platz landet.

Ich, der ich immer lieber mit der Lufthansa geflogen bin als mit der TAP, muss jetzt wohl langsam mal umdenken.
Denn so schlimm, wie sie mir immer erschien, scheint Portugals Fluggesellschaft Numero Eins dann doch nicht zu sein.

Samstag, 13. Februar 2010

Karneval in Portugal


Ich bin schon oftmals gefragt worden, wie denn der Karneval (port.: carnaval / lat.: carne vale) hier in meiner Heimatstadt Lissabon sei.
Ob man ihn hier genauso bunt, fröhlich und ausgelassen feiern würde wie den Karneval in Brasilien, schließlich seien ja beide Länder kulturell sehr eng miteinander verbunden.
Mit einem Wort: Nein!

Um ehrlich zu sein, man kann wirklich nicht gerade behaupten Lissabon wäre eine Karnevalshochburg.
Im Gegenteil!
Hier in Lissabon kann der Karneval regelrecht an einem vorbeiziehen, ohne das man von Karnevalsdonnerstag bis Aschermittwoch auch nur einer roten Nase oder einem bunten Kostüm begegnet.

Genauso wie in Deutschland, so gibt es auch hier in Portugal Gegenden in denen der Karneval überhaupt nicht gefeiert wird, und es gibt dann wiederum regelrechte Karnevalshochburgen. Und Lissabon ist nun wirklich keine davon.

Karnevalshochburgen sind hier in Portugal die Städte Sesimbra, Ovar, Loures, Loulé, Torres Vedras, Sines und Funchal auf der Insel Madeira, von wo die ersten Auswanderer dieser Insel den Karneval nach Rio de Janeiro brachten.

Im Gegensatz zu Deutschland, wo traditionell die Fastnacht nach offizieller Zeitrechnung am Elften im Elften um elf Uhr elf, beginnt, startet hier in Portugal die „Fünfte Jahreszeit“ erst am Karnevalssonntag.

Erst an diesem Sonntag beginnen dann hier in manchen Gegenden Portugals die drei „fetten Tage“ (port.: „dias gordos“), die die Fastenzeit anstimmen.
Nach und nach nimmt ab diesem Tag der Karneval von Groß und Klein Besitz und steigert sich dann schließlich in den Rausch der drei tollen Tage.
In den portugiesischen Karnevalshochburgen bricht die Lebenslust auf offener Strasse regelrecht aus (port.: carnaval da rua).
Und mit „offener Strasse“ ist wirklich die Strasse gemeint.
Denn obwohl es um diese Jahreszeit noch empfindlich nass und kalt sein kann in Portugal, würde es hier keinem im Traum einfallen Karneval in einem Saal und mit einer Prunksitzung zu feiern.

Eines hat aber der Karneval hier in Portugal mit allen anderen Karnevals auf der Welt gemeinsam:
Auch hier ist am Aschermittwoch alles vorbei – ausgenommen für die Müllmänner, die dann tonnenweise Konfetti, Luftschlangen und anderen Unrat wegkehren müssen.

Montag, 8. Februar 2010

Spendenaufruf für Fabio


Vor einiger Zeit bekam ich von meiner Freundin Sabine aus Deutschland eine Mail zugesendet, in dem um eine Spende für den kleinen Fabio gebeten wurde.
Da ich aber weder einen Fabio kannte und normalerweise auch eher allergisch auf solche Spendenaufrufe reagiere, habe ich erstmal dem Mail kaum Beachtung geschenkt.

Einige Tage nach dem Erhalt der Mail, las ich sie mir dann doch mit mehr Aufmerksamkeit durch.
Und so erfuhr ich, dass Fabio ein Freund der kleinen Cora ist, der Tochter meiner Freundin Sabine, und das er mit dieser einen integrativen Kindergarten in Mörfelden-Walldorf besucht.
Fabio ist somit also nicht jemand fiktives, sondern ein kleiner, lebensfroher Junge den es wirklich gibt, der für sein Leben gerne mit Feuerwehrautos spielt, der Bob den Baumeister liebt und der leider behindert ist.

Fabio kam als Frühchen auf die Welt.
Er wurde am 23. März 2004, in der 27. Woche, mit nur 480 g geboren.
Sein Zwillingsbruder Marco, der sogar mit nur 385g auf die Welt kam, verstarb zwei Monate nach der Geburt.

Fabio wurden bei seiner Geburt, unter anderem, Hypotrophie, das ist eine unterdurchschnittliche Größenentwicklung des Körpers, Atemnotsyndrom Grad IV, eine Frühgeborenen-Hyperbilirubinämie, eine schwere Fehlbildung des Lungen-Bronchien-Systems, eine Anämie (Blutarmut), ein beidseitiger Leistenbruch und eine Hypospadie (das ist wenn die äußere Mündung der Harnröhre zu weit nach unten gebildet ist) diagnostiziert.

Außerdem wurden Fabio, mit der Zeit, schwere cerebrale und dystone Bewegungsstörungen, globale Retardierungen, Epilepsie und Schluckstörungen diagnostiziert, und leider noch vieles, vieles mehr.

Als behindertes Kind ist sowohl Fabios Leben, als auch das seiner Familie, alles andere als einfach und unproblematisch.
Doch mit viel Liebe und innerer Kraft scheinen alle diese Situation mehr oder weniger gut durchzustehen.

Zuerst führte man Fabios Behinderung auf die sehr seltene Stoffwechselerkrankung Glutarazydurie Typ II, eine so genannte Energiestoffwechselerkrankung, zurück.
Doch nach mehreren langwierigen Untersuchungen nahmen die Ärzte diesen Befund zurück, und sie mussten zugeben, nicht zu wissen an was nun eigentlich genau Fabio leidet.

Fabio wird nächsten Monat sechs Jahre alt.
Er ist, nachdem was man mir erzählte, ein aufgeweckter, neugieriger und lebensfroher Junge, so wie eigentlich alle Kinder in diesem Alter sein sollten.
Die Tatsache das Fabio nicht gehen kann und er auch nicht sprechen kann, heißt noch lange nicht das seine Umwelt ihn nicht versteht.
Es gibt Menschen, die haben so ein reines Herz, die brauchen gar keine Worte, damit man sie versteht!

Aber kommen wir nun auf den Spendenaufruf zu sprechen:
Warum wird für Fabio eigentlich gesammelt?
Nun, durch das Fernsehen, das Internet und durch Gespräche mit Eltern anderer behinderter Kinder, hat Fabios Familie von einer Delphintherapie auf der Insel Coração erfahren, die es behinderten Kindern ermöglicht mit Delphinen zu schwimmen.
Diese Therapie ist sehr, sehr teuer und wird leider auch nicht von den Krankenkassen bezahlt.
Wäre Fabio aber drogenabhängig, kriminell oder asozial würde sich bestimmt eine staatliche Institution finden die ihn sofort unterstützen würde. Es ist schon eine komische Welt in der wir leben.

Für diese Delphintherapie also, sammelt Fabios Familie.
Und auch wenn sie sich darüber im Klaren sind, dass sie nicht auf große Wunder hoffen können, so gibt es oftmals diese kleinen Wunder, die das Leben immer etwas lebenswerter machen.

Ich habe Fabios Traum, mit Delphinen zu schwimmen und zu planschen, mit einer kleinen Spende unterstützt, und außerdem war es mir auch ein Anliegen, hier in meinem Blog, von Fabios Schicksal zu berichten.

Ich weiß, dass jeden Monat mehrere Hundert Leser meinen Blog anklicken.
Vielleicht ist ja der eine oder der andere daran interessiert, sich an dieser Sammelaktion für Fabio zu beteiligen.

Gehen sie auf Fabios Site im Internet www.gofabiogo.de und informieren sie sich ausführlich.

Unter www.kinderhilfe-DELPHIN.de ,einem Verein der Familien mit behinderten Kindern bei der Realisierung von Delphintherapien hilft, ist für Fabio eine Homepage eingerichtet worden.

Durch Angabe des Kennwortes = Namen + Vorname des Kindes beim "Verwendungszweck"/Buchungstext ist gesichert, dass Kinderhilfe Delphin den eingegangenen Überweisungsbetrag dem jeweils angegebenen Kind für dessen Delphin Therapie zuordnen kann.
Daher ist die Angabe des Namens „Fabio Pirajno“ äußerst wichtig.

Das Spendenkonto lautet:


Kinderhilfe DELPHIN e.V.

Nassauische Sparkasse
Konto: 606 218 147
BLZ: 510 500 15
IBAN: DE17 5105 0015 0606 2181 47
BIC: NASSDE55XXX

Verwendungszweck: Fabio Pirajno + Ihr Name und Adresse


Fabio und seiner Familie wünsche ich alles erdenklich Gute für die Zukunft und viel, viel Kraft!

Das Treppenhaus der Hemerothek




In meinem post „Die Hemerothek von Lissabon“ (port.: A hemeroteca de Lisboa), vom 26. Januar 2010, erwähne ich unter anderem das Treppenhaus, und da vor allem das Treppengeländer, welches die Eingangshalle der Hemerothek mit dem ersten Stockwerk verbindet.

Eine Hemerothek (port.: hemeroteca / gr.: heméra théke) ist eine Sammlung verschiedenster Tageszeitungen und Zeitschriften.
Die Hemerothek von Lissabon ist das nationale Archiv aller der im letzten Jahrhundert in Portugal erschienenen Tages- und Wochenzeitungen und Zeitschriften.

Sowohl die Wände des Treppenhauses als auch die Treppenstufen der Hemerothek sind aus reinem, rosafarbenem Marmor.
Dieser Marmor wurde ursprünglich in den Marmorsteinbrüchen der Serra da Arrábida, in der Regionm von Sesimbra, gebrochen.

Aber das Highlight des Treppenhauses ist wohl das Treppengeländer.
Bestehend aus reinem Brasilholz (port.: Pau do Brasil), führt er rechtsseitig vom Erdgeschoß in die erste Etage.
Im Erdgeschoß nimmt das Geländer, origineller Weise, im Maul eines Löwen seinen Anfang.
Der Löwe selbst wird von einem Drachen umschlungen.
Diese, aus hellem Marmor gehauene Figur, ist wohl eines der schönsten die ich kenne.
Überhaupt ist das Treppengeländer wohl eines der originellsten die ich jemals gesehen habe; und ich habe weiß Gott schon viele Treppenhäuser in meinem Leben gesehen.

Die Hemerothek befindet sich in der Rua de São Pedro de Alcântara, genau gegenüber der Igreja de São Roque.

Dienstag, 2. Februar 2010

Wir sind Menschen, keine Gespenster


Während in Frankreich ein Gesetz vorbereitet wird, durch den es Frauen zukünftig verboten sein wird sich in der Öffentlichkeit mit einer Burka zu zeigen, denken nun auch hier in Portugal einige Politiker über die Einführung solch eines Gesetzes ernsthaft nach.

Nicht das es hier in Portugal so viele Muslime gäbe wie in Frankreich, Großbritannien oder Deutschland, oder das es hier zum Alltag gehören würde, das eine Frau verhüllt durch die Straßen laufen würde. Im Gegenteil, man sieht solche Bilder äußerst selten hier in Portugal.
Nein, es soll sich hierbei um ein Gesetz handeln, das vorab solch eine Verhüllung einer Frau überhaupt erst gar nicht möglich macht.

Eine Freundin von mir meinte einmal spaßeshalber (und ich gehe mal sehr schwer davon aus, sie meinte es wirklich spaßeshalber!) sie könne der Burka (port.: burqa) durchaus einiges positives abgewinnen.
Sie meinte nämlich, dass es nun einmal Tage gäbe, an denen eine Frau aufwachen würde, ohne große Lust zu haben sich die Haare zu machen und sich zu schminken. Sich einen Fetzen Stoff überzuziehen, wäre dann eigentlich eher von Vorteil, so ihre Meinung!
Muss man also so eine Verhüllung der Frauen verbieten, fragte sie mich?!?
Meine persönliche Meinung hierzu: Ja, man muss!

Muslime leben hier im Westen Europas in unserem Kulturkreis und nicht wir in dem ihrigem!
Wenn Frauen die Burka zu Hause tragen, ist das ihre Sache.
Aber wenn sie z.B. in Krankenhäusern, Ämtern, öffentlichen Verkehrsmitteln und Schulen die Burka tragen, dann ist es nicht mehr ihre Sache, sondern die Sache der Allgemeinheit.

Warum ich gegen die Burka bin?
Nun, ich persönlich finde es unheimlich wichtig, einem Menschen in das Gesicht schauen zu können, denn das hat mit Vertrauen und Kommunikation zu tun.
Jemanden in die Augen schauen zu können hat auch mit Sicherheit zu tun.

Unsere westeuropäische Zivilisation kennt nicht das Verhüllen des Antlitzes.
Und das aus einem guten Grund:
Schließlich sind wir Menschen und keine Gespenster!

Brian Adams


In einem zwanzigminütigen Interview, den der kanadische Sänger und Komponist Brian Adams dem Fernsehsender SIC dieses Wochenende gab, erzählt er über seine musikalischen Projekte, seine privaten Zukunftspläne und seinen bevorstehenden Aufenthalt in Portugal.

Dieses Interview mit Brian Adams fand auf Portugiesisch statt, sowohl von Seiten des Reporters als auch des Sängers.
Denn, was kaum einer außerhalb Portugals und Kanadas weiß, Brian Adams spricht ein sehr gutes portugiesisch.

Als Sohn britischer Eltern, wurde Brian am 05. November 1959 im kanadischen Kingston, in der Provinz Ontario geboren.
Sein Vater Conrad J. Adams, kanadischer Diplomat, war von 1967 bis 1971 Botschafter in Portugal, und so verbrachte Brian einen Teil seiner Kindheit in Portugal.
Seine Eltern und er lebten in Birre, bei Cascais.
Und es war auch in Cascais wo Brian die Internationale Schule besuchte, und wo er portugiesisch lernte.

1977, mit 18 Jahren und nachdem er die Schule hingeschmissen hatte, begann Brian Adams seine steile Musikkarriere.
Bis heute hat er Millionen von Menschen mit seiner Musik glücklich gemacht.
Ich jedenfalls, bin einer von denen, die bei seiner Musik so etwas wie Glück oder Zufriedenheit fühlen.
Brian Adams ist wohl einer der Musiker, den jeder gerne Mal hört.

Lieder wie „Somebody“, „Heaven“, „Please Forgive Me“, „Everything I Do I Do It for You“ und „Summer of 69“ haben ihn weltberühmt gemacht.
Ach ja, „Summer of 69“; wer weiß schon das Brian Adams in diesem Lied vom sonnigen Sommer in Portugal singt?!?

Brian Adams kommt oft privat nach Portugal, denn er hat in Cascais, unweit des Hauses wo er als Kind aufgewachsen ist, ein Anwesen.
Er wird demnächst wieder hier nach Portugal kommen, diesmal aber nicht um ein Konzert zu geben, sondern um hier Aufnahmen für sein neues Bildband, das er demnächst herausbringen wird, zu machen.
Denn, was auch kaum einer weiß, Brian Adams ist ein talentierter Fotograf und Herausgeber wunderschöner Bildbände.

Vielleicht „erbarmt“ sich aber Brian Adams noch, und gibt seinen portugiesischen Fans doch noch ein Konzert.
Sie würden es ihm danken!
Der bevorstehende Musikevent „Rock in Rio“ hier in Lissabon wäre eine wunderbare Gelegenheit hierzu.

Wenn die Polizei bewacht werden muss


Wer sich, so wie ich, für die deutsche Alltagspolitik interessiert, der kann sich nur darüber amüsieren, wie sich im Augenblick manche in Deutschland über die schwarz-gelbe Bundesregierung ärgern.

Wer nämlich mit der portugiesischen Innenpolitik vertraut ist, der wird jedem Deutschen sagen können, wie gut er es mit Angela Merkel und ihrem liberalen Partner Westerwelle getroffen hat.

Hier in Portugal muss nämlich unser Prämierminister José Socrates versuchen mit einer Minderheitsregierung zu regieren, die leider nicht Grundlos beschuldigt wird, korrupt und verschwenderisch zu sein.

So hat z.B. das Innenministerium hier in Lissabon, Anfang des Jahres, die Anweisungen herausgegeben, das ab sofort in ländlichen Gebieten Portugals, aus Sicherheitsgründen (!!!) die Wachen der Polizei (port.: Policia de Segurança Pública = PSP) und der Republikanischen Nationalgarden (port.: Guarda Nacional Repúblicana = GNR) von privaten Sicherheitsunternehmen bewacht werden sollen!

So ist der Stützpunkt der Guarda Nacional Repúblicana in der Kleinstadt Armação de Pêra, an der Algarve, nun das erste Objekt welches von einer privaten Sicherheitsfirma, nämlich der „Prosegur“, bewacht wird.

Das heißt also, dass ab sofort die portugiesischen Steuerzahler nicht nur für die Polizei aufkommen müssen, wie bisher, sondern ab jetzt müssen sie auch für die privaten Sicherheitskräfte, wie Prosegur, Securita, usw., tief in die Tasche greifen!

Was sich, wie ich selber zugeben muss, am Anfang des Jahres wie ein schlechter Witz anhörte, ist tatsächlich Realität geworden.

Wie muss ich mir denn so die Bewachung einer Polizeistation durch eine private Sicherheitsfirma vorstellen?
Ich meine, wie geht das überhaupt?

Ruft da etwa, nach einem Überfall auf die Polizeiwache, der Securitymensch bei der Polizei an, und sagt:
„Hallo, ist dort die Polizei?
Ich wollte nur melden dass gerade „unsere“ Polizeiwache, die wir vom Sicherheitsdienst bewachen, überfallen wird“.

Und was antwortet ihm wohl der Polizist darauf, der das Gespräch entgegengenommen hat?
Etwa so viel wie:
„Vielen Dank für die Info lieber Kollege. Ich werde das sofort an meinen Chef, der sein Büro neben dem ihrigem hat, weiterleiten“.

Wie grotesk ist das denn?!?

Wohlgemerkt, das Innenministerium stellt die Sicherheitsfirmen nicht ein um die Polizisten zu bewachen, denn die könnten ja, so der Innenminister Rui Pereira, sehr wohl auf sich selber aufpassen.
Nein, die Wachmänner sind dazu bestimmt das Eigentum der Polizei und der GNR zu bewachen, wie etwa z.B. die Polizeiautos, die Grundstücke, die Ausrüstungen, usw.

Wenn dem aber so ist, und wenn das Innenministerium wirklich weiterhin auf diese Anordnung besteht, dann frage ich mich, als Bürger dieses Landes, nun folgendes:

Wer passt, ab jetzt, auf mich und mein Eigentum auf?
Und, wen muss ich das nächste Mal anrufen, wenn ich überfallen werde?
Und, wer ist denn nun eigentlich für meine Sicherheit zuständig?
Und, und, und…

Also liebe Deutschen, wenn ihr Euch das nächste Mal wieder über die Deutsche Bundesregierung aufregt, vergesst nicht, das es andernorts viel, viel chaotischer zugeht, und das leider nicht nur in Deutschland sinnlos Steuergelder ausgegeben werden!

Dienstag, 26. Januar 2010

Die Hemerothek von Lissabon






Wissen sie was eine „Hemerothek“ ist?
Also ich wusste es bis vor ein paar Tagen noch nicht!
Noch nicht einmal ansatzweise.

Aber seit dem letzten Freitag, als ich mit meinen Kollegen Yves und Miguel in Lissabon unterwegs war (bitte lesen sie hierzu auch den vorhergehenden post „Igreja de São Roque“), ist mein Wortschatz um ein Fremdwort reicher.

Eigentlich wollten Miguel, Yves und ich im Bairro Alto einen trinken gehen.
Aber als wir kurz vor der Kneipe, in der Rua São Pedro de Alcântara, an besagter „Hemerothek“ vorbeikamen, und mit dem Begriff, der an einem Schild an der Tür befestigt war, nichts anfangen konnten, trieb uns die Neugierde in das Gebäude rein.

Als wir durch die Eingangstür gingen, kamen wir in eine Empfangshalle an deren Ende ein großes Treppenhaus in die oberen Stockwerke führte.
Was mir auf den ersten Blick auffiel, war das Treppengeländer.
Ich glaube ich habe noch nie so ein ausgefallenes und künstlerisch wertvolles Treppengeländer gesehen, wie diesen in der „Hemerothek“.

Schließlich fragte ich die Dame am Empfang, was denn eine „Hemerothek“ sei, und wo wir uns denn eigentlich befinden würden.
Ohne zu zögern gab uns die junge Frau augenblicklich eine Lehrstunde in Griechisch.
Denn „Hemerothek“ (port.: „Hemeroteca“), so meinte sie, käme aus dem griechischen, und würde sich aus den zwei Wörtern „heméra“ (dt.: Tag oder täglich) und „théke“ (dt.: Depot oder Sammlung) zusammensetzen.

Eine Hemerothek ist also nichts weiter als eine Sammlung von Tageszeitungen oder Zeitschiften, im Gegensatz zu einer Bibliothek, in der wir doch eher eine Sammlung von Büchern vorfinden.

Ohne es zu wissen, befanden wir uns also im Archiv der Tageszeitungen und Zeitschriften der Stadt Lissabon (port.: Hemeroteca Municipal de Lisboa), in dem seit 1973 alle Tageszeitungen und Zeitschriften die in Portugal publiziert wurden, gesammelt und archiviert werden.

Obwohl erst in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts gegründet, besitzt die Hemerothek Zeitungen und Zeitschriften die bis ins 18. Jahrhundert zurückgehen.
Insgesamt befinden sich im Archiv der Hemerothek über 500.000 verschiedene Publikationen, die meisten auf Mikrofilm festgehalten, da die Originale aus Sicherheitsgründen dem Publikum nicht mehr zugänglich sind.

Ich fand unseren kurzen Besuch in der Hemerothek sehr interessant.
Und ich habe mir fest vorgenommen demnächst wieder vorbeizuschauen, denn ich konnte, aus Zeitgründen, leider nicht so in den Publikationen rumstöbern wie ich es gerne getan hätte.
Schließlich hatten Miguel, Yves und ich noch ein paar Bierchen auf uns warten…

Igreja de São Roque






Am letzten Freitag ging ich mit meinen Arbeitskollegen Yves und Miguel im Bairro Alto einen trinken.
Auf dem Weg zur Kneipe, die in der Rua de São Pedro de Alcântara liegt, steht auch die Igreja de São Roque (dt.: Sankt Rochuskirche), eines der reich geschmücktesten Kirchen der Hauptstadt.
Spontan beschlossen wir die Kirche zu besuchen, denn im Gegensatz zu mir, hatten Yves und Miguel noch nie die Kirche von innen gesehen, obwohl sie, wie sie selber meinten, schon tausende Male an ihr vorbeigelaufen waren.

Wer so vor der nüchternen, und gradlinigen Fassade der Igreja de São Roque steht, kann sich kaum vorstellen wie opulent und reich die Kirche von innen dekoriert und ausgestattet ist.

Die ursprüngliche Fassade dieser Jesuitenkirche, aus dem Ende des 16. Jahrhunderts, war aber durchaus nicht so schlicht wie die heutige.
Sie war ein Werk des italienischen Architekten Fillipo Terzi, und wurde beim großen Erdbeben von 1755 leider zerstört.
Nicht so aber die wertvolle Innenausrichtung.
Die blieb der Nachwelt glücklicherweise bis heute erhalten.

Das Innere der Igreja de São Roque ist ein Überschwank aus purem Gold, Gemälden, Elfenbein, Marmor, Azulejos und barocken, vergoldeten Holzschnitzereien (port.: telha dourada).
Glanzvoller Höhepunkt dieser Innenausstattung ist die letzte Seitenkapelle, auf der linken Seite, die dem Heiligen Johannes dem Täufer (port.: Capela de São João Baptista) gewidmet ist.

Diese Kapelle, die zu den wertvollsten auf der Welt zählt, hat eine außergewöhnliche Geschichte.
Im Jahre 1742 gab König João V, dem italienischen Künstler und Architekten Luigi Vanvitelli in Rom den Auftrag, eine Kapelle zu bauen, „die alle bis dahin gebauten in den Schatten stellen sollte“.

So baute Vanvitelli in fünf Jahren in Rom die außergewöhnliche Kapelle zusammen.
Nachdem sie zusammengebaut war, wurde sie dann feierlich vom Papst geweiht, um dann wieder in ihre Bestandteile zerlegt zu werden, damit sie dann 1747 auf drei Schiffen nach Lissabon gebracht werden konnte.
Kaum war die wertvolle Fracht in Lissabon angekommen setzte man die Kapelle, wie ein Puzzle, Teil für Teil wieder zusammen, bis sie 1750 fertig gestellt war.
Diese einzigartige Kapelle ist ein barockes Kunstwerk in Gold, Edelsteinen, Silber, Elfenbein und Bronze.
Die Säulen sind aus reinem Lapislazuli, der Altar aus seltenem blauem Marmor und die Engel und Johannes der Täufer sind aus Carraramarmor und Elfenbein.

Überhaupt ist die ganze Kirche Igreja de São Roque ein einziges Wunderwerk an Pracht, Kunst und Reichtum.

Wer also von euch jemals an der schlichten Igreja de São Roque vorbeigehen sollte, der sollte sich wirklich die Zeit nehmen reinzuschauen.
Glaubt mir, es wird sich lohnen!

Warum „Sagres III“?




Ich schreibe den Blog „Planet Portugal“ in erster Linie für mich, als Ausgleich für den Stress den ich im Alltag habe, und dann natürlich für all die Menschen, die meine Berichte, Geschichten und Erlebnisse gerne lesen.

Umso mehr freut es mich, wenn ich dann Kommentare, Anregungen und Kritiken, seien sie schriftlicher oder mündlicher Art, von all diesen Lesern bekomme.

Und wenn mich dann einer dieser aufmerksamen Leser, auf den einen oder anderen Fehler, bzw. Versäumnis hinweist, dann nehme ich das demjenigen nicht übel, sondern im Gegenteil, ich nehme dies als eine Art Verbesserungsvorschlag an.

Am 19. Januar 2010 veröffentlichte ich hier im Blog den post „Sagres III“, in dem ich über das aktuelle Segelschulschiff der Portugiesischen Marine und seine laufende Weltreise berichtete.

Ich habe eigentlich ziemlich ausführlich über die Geschichte des Schulsegelschiffs „Sagres III“ geschrieben.
Doch einen Tag nach dem Veröffentlichen des posts über die „Sagres III“ fragte mich meine liebe Freundin Rita, die mein Blog sehr aufmerksam verfolgt, eine sehr interessante und berechtigte Frage, nämlich:
„Warum heißt die „Sagres III“ eigentlich „Sagres III“?
Das heißt, warum kommt nach dem Schiffsamen Sagres, eine römische drei?
Warum heißt der Segler „Sagres III“ und nicht etwa „Sagres II“ oder „Sagres IV“?

Nun, die „Sagres III“ heißt so, weil sie das dritte Segelschulschiff mit diesem Namen ist!
So einfach ist das!

Aber wer mich genau kennt, weiß dass ich es mir nie so einfach mache.
Also habe ich ein paar Bücher gewälzt, und nun hier, sozusagen als Nachtrag, ein paar interessante Informationen über die „Sagres I“ und die „Sagres II“ zusammengebracht.

Die „Sagres I“ wurde in der Werft Messrs. Young, Son and Magnay, im britischen Limehouse gebaut. Sie war eine 79 m lange Korvette, mit 137 Mann Besatzung, die zwischen 1858 und 1898, im Dienste der Portugiesischen Marine stand.
Die „Sagres I“ unternahm mehrere diplomatische Missionen und Reisen in die alten Kolonien, bevor sie 1976 als Schulschiff in Dienst genommen wurde.
Als Schulschiff der Portugiesischen Marine verbrachte die „Sagres I“, die letzten Jahre ihres Daseins angeleint am Ufer des Douro, in Porto.
Nach ihrer Ausmusterung im Jahre 1898, wurde das Schiff demontiert und außer ein paar Bilder und ein paar nautischen Geräten, die heute im Lissabonner Marinemuseum (port.: Museu da Marinha) gezeigt werden, ist nichts von diesem Segelschiff übrig geblieben.

Die „Sagres II“ wurde 1896 in der Werft der Rickmers Reismühlen, Reederei und Schiffsbau AG, in Bremerhaven, als Dreimaster vom Stapel gelassen.
Ihr erster Name war „Rickmer Rickmers“, nach dem damaligen Reeder Willi Rickmer Rickmers. Das Segelschiff machte mehrere Reisen von Deutschland nach Asien und Afrika.
1912 wechselte die „Rickmer Rickmers“ die Reederei, und der neue Besitzer taufte sie auf den Namen „Max“ um.
1914, von einer Reise aus Chile kommend, ging die „Max“ auf der Azoreninsel Horta vor Anker.
Obwohl sich Deutschland damals noch nicht im Krieg mit Portugal befand, konfiszierten die Portugiesen auf Drängen Englands, da dringend Frachtschiffe benötigt wurden, nach Seerecht widerrechtlich die „Max" und nannten sie fortan „Flores“.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Segler umgebaut und umbenannt.
Aus einem Kriegstransporter wurde ein Segelschulschiff und aus der „Flores wurde die „Sagres II“.
Bis 1962 wurde die „Sagres II“ als Segelschulschiff eingesetzt.
Dann wurde sie, nach dem Kauf der „Sagres III“, ausgemustert und verbrachte ihre letzten Jahre in Portugal als Depotschiff auf dem Marinestützpunkt Alfeite in Almada, jetzt mit dem Namen „Santo André“.
1983 kaufte der Hamburger Verein „Windjammer für Hamburg“ das schon stark heruntergekommene Segelschiff der portugiesischen Marine ab, und nach einer mehrjährigen Restaurierung, ging der Segler mit seinem ersten Namen „Rickmer Rickmers“ in seinem alten Heimathafen Hamburg als Museumsschiff vor Anker.
Dort findet man ihn bis heute, bei den St. Pauli Landungsbrücken, an.

Ich hoffe nun, liebe Rita, dir alle ungeklärten Fragen über die „Sagres I“ und die „Sagres II“ beantwortet zu haben.
Danke für deine Anregung, und Dank auch an all diejenigen, die mit ihren Anregungen, Kommentaren und Fragen diesen Blog erst möglich machen!

Donnerstag, 21. Januar 2010

„Es war das Ende der Welt...“


„Gegen zehn Uhr morgens spürte ich ein leichtes Zittern, begleitet von einem Rumoren, wie von zehn zu schnell gefahrenen Karren, die in der Gasse näher kommen. (...)
Das Zittern wurde stärker, ich konnte mich kaum auf den Beinen halten, das Haus schien sich zu drehen, ich sah Risse in den Wänden, die tiefer und tiefer wurden. Verriegelte Türen sprangen aus den Angeln, ich hörte draußen Menschen schreien (...)
Ich hörte wie alle das Haus verließen. Ich zog mir eilig eine Jacke über. Während ich herunter gefallene Bücher aufhob, begann das Zittern und Rumoren erneut, diesmal um einiges stärker.
Ich ließ von meinem Vorhaben ab, griff nach meinem Hut und lief hinaus. Ich hatte viel Glück, denn das Haus hätte mich begraben können. Jetzt erst sah ich nämlich, wie sich unser Haus vor und zurück beugte, wie ein Schiffsmast im Sturm. Es war gespenstig (...)
Später sah ich, dass in der ganzen bemitleidenswerten Nachbarschaft keiner außer mir etwas Anständiges am Leibe trug (…).“

„Das Volk war durchdrungen von dem Gedanken, dies sei der Jüngste Tag. So taten sie in den Momenten zwischen den Erdstößen Frommes. Sie beteten und bekreuzigten sich mitten auf den Straßen. Männer wie Frauen murmelten Litaneien und riefen schreiend die Toten an. Bei jedem neuen Erdstoß sanken sie auf die Knie und flehten um Gnade (...).“

„Jetzt erst, wo ich umherirrte merkte ich, dass mein Bein verletzt war und ich aus den Augen blutete. Ich ging zurück in den Hof, wo meine Brüder waren. Gott sei Dank, sie lebten (…)! Andere liefen zum Fluss, ein Schiff zu erreichen. Sie wollten fort, fort aus dieser toten Stadt, doch dort sollte sie bald ein noch schlimmeres Schicksal treffen, denn das Meer kam in riesigen Wellen in die Stadt. Es war das Ende der Welt (…).“



Dies ist nicht etwa der Bericht eines Überlebenden des schrecklichen Erdbebens von Haiti, vom 12. Januar dieses Jahres.
Nein, es ist der Auszug aus einem Brief des englischen Kaufmanns und Handelsgesandten Thomas Chase, der im heutigen Stadtteil Lapa lebte, und der über das große Erdbeben vom 01. November 1755, hier in Lissabon berichtet.
Er schrieb diese Zeilen an seinen Bruder, der in London weilte, am 13. November 1755.

Aber auch wenn diese Zeilen schon über 254 Jahre alt sind, so sind sie so doch so erschreckend aktuell, als ob sie wirklich erst heute geschrieben worden wären.

Dienstag, 19. Januar 2010

Sagres III


Heute Morgen startete von Lissabon aus das Segelschulschiff „Sagres III“ zu seiner dritten Weltumseglung.
Diese Weltumseglung wird ca. 11 Monate dauern und an Bord werden 203 Mann Besatzung sein.
Diese 203 Mann unterteilen sich in 63 Kadetten, 114 Matrosen, 16 Unteroffizieren und neun Offizieren.
Sie alle bilden die Besatzung des wichtigsten Segelschulschiffes der Portugiesischen Marine.
Gemeinsam werden sie bei dieser Weltumseglung drei Ozeane durchqueren und über 35.800 Seemeilen zurücklegen.

Die Hauptaufgaben der „Sagres“ sind die Ausbildung der Marinekadetten zu zukünftigen Matrosen und Offizieren und die Repräsentation Portugals im Ausland.

Und Portugal repräsentieren wird die „Sagres“ auch dieses Mal, wenn sie nun die Welt umreist.
Sie wird Häfen in Brasilien, Uruguay, Argentinien, Chile, Peru, Ecuador, USA, Japan, China, Macau, Indonesien, Ost-Timor, Singapur, Thailand, Indien, Ägypten und Algerien anlaufen.

Ihren ursprünglichen Heimathafen Hamburg, wird die „Sagres“ auf dieser Weltumrundung nicht anlaufen.
Die „Sagres“ ging nämlich 1937 bei „Blohm & Voss“ in Hamburg vom Stapel.
Damals hieß sie noch „Albert Leo Schlageter“ und diente den Nazis unter anderem als Büroschiff.
Nach Kriegsende wurde das Segelschiff dann von den Amerikanern an Brasilien verkauft, und es wurde auf den Namen „Guanabara“ getauft.
1961 verkauften wiederum die Brasilianer das Schiff.
Diesmal an Portugal.
Am 08. Februar 1962 wurde das Segelschiff mit dem Namen „Sagres III“ („Sagres III“, weil es schon vorher zwei andere Segelschiffe mit dem Namen Sagres gab) von der portugiesischen Marine in Dienst genommen.
Eines der Schwesternschiffe der „Sagres“ ist die „Gorch Fock“, der Deutschen Bundesmarine.

Auf dieser nun heute beginnenden, nach 1978/79 und 1983/84, dritten Weltreise wird die „Sagres III“ an verschiedenen wichtigen Events teilnehmen, wie z.B. am Portugal-Tag (port.: Dia de Camões, de Portugal e das Comunidades Portuguesas) im US-amerikanischen San Diego, an den Feierlichkeiten zu der 150-Jahr-Feier des Freundschaftsvertrags zwischen Japan und Portugal und an der EXPO 2010 in Shanghai.

Dem Schiff und der Mannschaft allzeit eine gute Fahrt und „Schiff Ahoi!“

Entweder man mag sie nicht oder man mag sie überhaupt nicht


Am Samstag, als ich mit meiner Arbeitskollegin Bea zur BTL (port.: Bolsa de Turismo de Lisboa / dt.: Lissabonner Tourismusbörse) gefahren bin, haben wir im Bus mehrere Themen angeschnitten.
Bea und ich können nämlich wunderbar über die unterschiedlichsten Themen reden.
Unter anderem fragte mich Bea wie ich, bzw. wir Portugiesen zu unseren spanischen Nachbarn stehen.

Also versuchte ich Bea schonend beizubringen, das die portugiesische Welt (ja, es gibt sie tatsächlich, die portugiesische Welt!) sich, ganz vereinfacht gesagt, in eine Gruppe aufteilt die die Spanier nicht mag und in eine Gruppe die sie überhaupt nicht mag.
Man muss aber fairer Weise sagen das die erste Gruppe leicht im Vorteil ist.

Heutzutage haben wir uns hier in Portugal an unseren iberischen Nachbarn einigermaßen gewöhnt, vielleicht weil uns das „gemeinsame Europa“ das aufzwingt.

Das war aber nicht immer so!
Es gab eine Zeit, besonders die zwischen 1580 und 1640, da herrschte Spanien über Portugal, mit all seiner Macht, Strenge, Gewalt und Brutalität.
Diese Jahre eines „gemeinsamen Königreiches von Spanien und Portugal“ waren wohl die schwärzesten in der Geschichte Portugals.
Das haben wir den Spaniern nicht vergessen!

Für Spanien waren wir hier in Portugal nichts weiter als eine ihrer Kolonien, so wie Peru, Bolivien oder Mexiko.
Sie wollten, mit aller Macht, dass wir intellektuell und gesellschaftlich zu Musterspaniern werden. Wir wurden gezwungen spanisch zu sprechen, spanisch zu schreiben und sogar spanisch zu denken!
Aber da hatten die Spanier wenig Erfolg.
Denn wir Portugiesen waren schon immer ein Volk das nach dem Motto lebt: „Die Gedanken sind frei!“

Heute hat sich das Verhältnis zwischen uns Portugiesen und unseren Nachbarn sehr verändert.
Natürlich gibt es heute nicht mehr diese Hispanofobie wie noch vor ein paar Jahrzehnten.
Aber wir sind noch meilenweit von einer Hispanoeuphorie entfernt.

Wie weit unsere zwei Nationen eigentlich auseinander sind, obwohl wir so nahe bei einander leben, zeigt sich z.B. daran, das man an fast jedem Lissabonner Kiosk die „Financial Times“ kaufen kann, während man nach dem spanischen „El Mundo“ lange suchen muss.
Auch werden im portugiesischen Fernsehen jeden Tag amerikanische, englische und sogar deutsche Filme gezeigt, während spanischen TV-Beiträge vielleicht nur zwei oder drei Mal im Monagt laufen.
Die Welt kommt für uns, genauso wie z.B. in Deutschland, auf Englisch daher, und nicht auf Spanisch!

Nur eines bringen wir hier in Portugal nicht fertig:
Wir schaffen es nicht, Obama in der Beliebtheitsskala vor den spanischen König Juan Carlos zu platzieren.
Juan Carlos ist hier in Portugal so beliebt, das er sogar vielen portugiesischen Politikern den Rang abläuft.

Die Welt, sowohl die portugiesische als auch die spanische (denn ja, genauso wie es eine portugiesische Welt gibt, so gibt es auch eine spanische!), hat sich in den letzten Jahren verändert.
Auch wenn viele es hier auf der Iberischen Halbinsel nicht wahr haben wollen:
Wir sind auf dem Weg, zwar langsam aber sicher, uns näher zu kommen!

BTL


Dieses Wochenende ging hier in Lissabon eine weitere BTL (port.: Bolsa de Turismo de Lisboa / dt.: Lissabonner Tourismusbörse) zu Ende.
Auf der FIL, dem Internationalen Messegelände von Lissabon (port.: Feira International de Lisboa) präsentierten sich vom 13.01.2010 bis zum 17.01.2010, in vier Pavillons, über 400 nationale und internationale Aussteller der Tourismus- und Hotelbranche.

Die BTL ist die größte internationale Messe Portugals.
Länder wie Brasilien, Spanien, China, Andorra, Südafrika, Frankreich, Argentinien, Cuba und Japan präsentierten sich hier genauso von ihrer besten Seite, wie die einzelnen Provinzen und Regionen Portugals, wie unter anderem die Inseln Madeira und Azoren, der Alentejo, die Algarve, der Ribatejo und das Dourotal.

Ich habe dieses Jahr zum sechsten Mal die BTL besucht.
Das die Tourismusbörse mit den Jahren gewachsen ist, ist nicht zu bestreiten.
Das diese Messe aber in den letzten zwei, drei Jahren auch nicht gerade vor Neuigkeiten strotzt ist leider ebenso nicht von der Hand zu weisen.
Mit der BTL kann es also zukünftig nur aufwärts gehen!

Ach ja, Deutschland hat zum wiederholsteten Male nicht an der BTL teilgenommen.
Das zeigt, das das Deutsche Touristikamt es wohl nicht nötig hat, an einer „kleinen Messe am Rande Europas“ teil zu nehmen.
Da soll mir doch noch mal einer kommen, und sagen, der deutschen Tourismusbranche würde es nicht gut gehen!...

Der 62-Tage-Prinzgemahl


Fast auf den Tag genau, vor 175 Jahren, nämlich am 25. Januar des Jahres 1835, landete mit der Korvette „Nauenburg“, aus London kommend, ein junger Prinz im Tejo an, der dazu bestimmt war durch die Heirat mit Königin Maria II, Prinzgemahl von Portugal zu werden.

Dieser junge Prinz war August, Herzog von Leuchtenberg (port.: Augusto, Duque de Leuchtenberg).
August war ein stattlicher, gut aussehender und hoch intelligenter junger Prinz, der sowohl der Kunst und der Literatur, als auch dem Militärhandwerk zugeneigt war.
Er hätte eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des portugiesischen Königshauses werden können.
Doch das Schicksal wollte es anders, und so wurde aus Augusto de Leuchtenberg nur eine der tragischsten Figuren der Monarchie.

Als Sohn des Generals Eugen de Beauharnais und Leuchtenberg und der bayerischen Prinzessin Auguste Amelie, wurde er am 09. Dezember 1835, als August Karl Eugen Napoleon de Beauharnais, Herzog von Leuchtenberg (port.: Augusto Carlos Eugénio Napoleão de Beauharnais, Duque de Leuchtenberg), in München geboren.

August war ein Nachfahre von Kaiserin Josefine, der Gemahlin Napoleon Bonapartes und er war ein Bruder der brasilianischen Kaiserin Maria Amélia, die Kaiser Pedro I geehelicht hatte.

Als 1828, die damals 12jährige Kronprinzessin Maria von Portugal in London als Gast von Queen Victoria weilt, trifft sie zum ersten Mal, auf einem Ball, auf August von Leuchtenberg.
Es soll Liebe auf den ersten Blick gewesen sein, so berichten die Chronisten. Und da muss auch etwas Wahres dran sein, denn über sieben Jahre lang, bis zu ihrer Heirat, sollen die Kronprinzessin und der Prinz sich mehrere hundert Briefe geschrieben haben.

Kaiser Pedro I von Brasilien, selbst ein hoffnungsloser Romantiker, der zugunsten seiner Tochter Maria auf den portugiesischen Thron verzichtet hatte, steht damals einer Liebesheirat seiner Tochter mit dem deutschen Prinzen nicht im Wege.

Und so gehen Augusto de Leuchtenberg, wie er fortan in Portugal heißen wird, und die gerade erst 19jährige Königin Maria II, am 26. Januar 1835, den Bund der Ehe ein.

Die Hochzeit wurde in der Kathedrale von Lissabon (port.: Sé de Lisboa) zelebriert und laut den Chroniken sollen auf den Straßen der Hauptstadt tausende von Menschen dem jungen Paar begeistert zugejubelt haben.
Als Hochzeitsgeschenk bekam der Prinz den Titel eines Grafen von Santa Cruz.

Die Heirat zwischen Augusto und Maria II war, wie schon erwähnt, eine Liebeshochzeit, was zur damaligen Zeit, als es noch ganz normal war eine königliche Ehe rein aus politischen Gründen zu arrangieren, äußerst selten war.
Um so tragischer ist dann aber die Tatsache, das die Ehe zwischen Königin Maria II und ihrem Prinzgemahl gerade mal nur zwei Monate hielt.

Augusto de Leuchtenberg übernimmt als königlicher Prinzgemahl am 20. März 1835 das Amt des Oberbefehlshabers der Portugiesischen Truppen (port.: Comandante-chefe do Exército das Tropas Portuguêsas). An diesem Tag nimmt er in Almeirim, bei strömendem Regen, eine Ehrenparade ab.
Hier fängt er sich eine so schwere Grippe ein, von der er sich nicht mehr erholen wird.
Am 28. März 1835 stirbt Augusto de Leuchtenberg, nach nur 62 Tagen in Portugal, im Palácio das Necessidades, in Lissabon.

Barbados


Heute hat der Veranstalter des Mega-Events „Rock in Rio“, welches diesen Frühsommer wieder hier in Lissabon stattfinden wird, bekannt gegeben, das die R&B-Sängerin Rihanna hier in Lissabon auftreten wird.

Sie freue sich außerordentlich endlich einmal nach Lissabon zu kommen, um hier am größten Konzert der Welt teilzunehmen, ließ Rihanna, die im Moment in ihrer Heimat Barbados weilt, verlauten.
Außerdem freue sie sich darauf Portugal zu entdecken, das Land, dem ihre kleine Insel den Namen verdankt!

Ironie der Zeitgeschichte: noch vor Jahrhunderten reisten wir Portugiesen nach Barbados, um die Insel zu entdecken.
Heute kommt eine aus Barbados nach Europa um Portugal zu entdecken…

Barbados ist eine Insel der Kleinen Antillen im Atlantischen Ozean, in der Karibik.
Den Namen Barbados erhielt die Insel im Jahre 1536 von dem portugiesischen Seefahrer und Entdecker Pedro Campos.
Als der nämlich die Insel betrat, und die frei herabhängenden Wurzeln der dort häufig vorkommenden Feigenbäume sah, erinnerten ihn diese an riesige Bärte und so nannte er die Insel dem entsprechend „Barbados“, was auf Deutsch so viel heißt wie „die Bärtige“.

Bis 1625 gehörte Barbados zur portugiesischen Krone.
Dann wurde die Karibikinsel an England abgetreten.
Außer dem Namen ist uns von dieser Karibikinsel nichts übrig geblieben.
Oder vielleicht doch: eine Rihanna die sich darauf freut endlich mal nach Portugal zu kommen…

Donnerstag, 14. Januar 2010

Jardim Botânico Tropical: Die Kunst






Mitten im „Tropischen Botanischen Garten“ (port.: „Jardim Botânico Tropical“) im Lissabonner Stadtteil Belém, zwischen all den Zypressen, den Mammutbäumen, Palmen und anderen exotischen Bäumen und Blumen befinden sich mehrere Statuen, portugiesischer Künstler, zumeist aus der Kolonialzeit.

Vor allem die „Negerbüsten“ (port.: „Bustos dos negros“), die schwarze Ureinwohner der ehemaligen portugiesischen Kolonien darstellen, fallen einem ins Auge.
Sie sind sehr originalgetreu und stammen alle aus den 30iger und 40iger Jahren des letzten Jahrhunderts, als der Diktator António de Oliveira Salazar sie extra für den Jardim Botânico Tropical hat anfertigen lassen.

Diese Büsten sind die einzigen Kolonialkunstwerke, außer natürlich die, die in Museen ausgestellt werden, die heute noch öffentlich in Lissabon zu besichtigen sind!
Schon alleine ihretwegen lohnt sich ein Besuch im Tropischen Botanischen Garten zu Belém.

Mittwoch, 13. Januar 2010

Jardim Botanico Tropicál: Palacio dos Condes de Calheta






Mitten im Tropischen Botanischen Garten (port.: Jardim Botânico Tropical) von Lissabon, im Stadtteil Belém, liegt der „Palacio dos Condes de Calheta“, ein altes Palastgebäude in dem das „Tropisch-Landwirtschaftliche Museum“ (port.: Jardim Museu Agrícola Tropical (JMAT) untergebracht ist.
Am 25. Januar 1906, vor nunmehr auf den Tag genau 104 Jahren, wurde das Museum gegründet.
Dieses Museum hat die Aufgabe seinen Besuchern die Pflanzen- und Tierwelt der Tropen und Subtropen, nahe zu bringen.
So sollen die Besucher die landwirtschaftliche Nutzung der Früchte und Samen der verschiedensten Bäume und Pflanzen, wie den Kaffee, den Kakao, den Kautschuk, usw. kennen lernen.

Im Palacio dos Condes de Calheta befindet sich nicht nur die Verwaltung des Parks, sondern auch eine der größten Blumen- und Baumsamensammlungen Europas.
Berühmt ist der Palast auch für seine einzigartigen Azulejos, die zu den schönsten in Lissabon gehören.
An den Palast grenzen mehrere alte Gewächshäuser an, die schon wesentlich bessere Zeiten gesehen haben, und die heute leider sehr heruntergekommen sind.

Vergessen sie aber die Gewächshäuser, und nehmen sie sich dafür Zeit für die schönen Azulejos.
Sie werden es garantiert nicht bereuen!

Jardim Botânico Tropical: Der Park






Letzte Woche besuchte ich den „Tropischen Botanischen Garten“ (port.: „Jardim Botânico Tropical“) im Stadtteil Belém, nicht zu verwechseln mit dem „Botanischen Garten“ (port.: „Jardim Tropical“) im Stadtteil Rato.

Der Tropische Botanische Garten, der, wie der Name schon sagt, hauptsächlich tropische und exotische Bäume, Blumen und Pflanzen aus den ehemaligen Kolonien Portugals und der ganzen Welt beherbergt, erstreckt sich über ein etwa 8 Hektar großes Areal, und beherbergt, unter anderem, ein altes Gewächshaus, ein Kakteenhaus, wunderschöne Statuen aus der Kolonialzeit und den alten Palast der Grafen von Calheta (port.: Palacio dos Condes de Calheta), dessen Außenwände mit wunderschönen Azulejos (dt.: Kacheln) ausgeschmückt ist.

Im „Palacio dos Condes de Calheta“ ist das „Tropisch-Landwirtschaftliche Museum“ (port.: Jardim Museu Agrícola Tropical (JMAT) untergebracht. Er wurde am 25. Januar 1906 in Anwesenheit seiner Majestät, König Carlos I, eingeweiht.

Seit seiner Gründung, soll es Aufgabe des Tropisch-Botanischen Gartens sein, die Pflanzen- und Tierwelt der Tropen, seinen Gästen nahe bringen.
Hier sollen die Besucher die landwirtschaftliche Nutzung der verschiedensten Bäume und Pflanzen aus den tropischen und subtropischen Gebieten der ehemaligen Kolonien Portugals kennen lernen.

Insgesamt wachsen in diesem Park über 430 verschiedene Bäume, Blumen und Pflanzen, wie

- riesige Zedern (dt.: Zeder / port.: cedro / lat.: Cedrus) aus dem heutigen Libanon
- mächtige Zypressen (dt.: Zypresse / port.: cipreste / lat.: Cupressus) aus Mexiko
- Gummibäume (dt.: Gummibaum / port.: árvore da borracha / lat.: Ficus elastica) aus Indien
- Drachenbäume (dt.: Drachenbaum / port.: dragoeiro / lat.: Dracaena draco) aus China
- uralte Ginkobäume (dt.: Ginkobaum / port.: gincgo / lat.: Ginkgo biloba) aus Japan
- Pfefferbäume (dt.: Pfefferbaum / port.: pimenteiro / lat.: Piper nigrum) aus Timor und
- Jakarandabäume (dt.: Palisanderbaum / port.: jacarandá / lat.: Jacaranda mimosifolia) aus Brasilien.

Außerdem leben hier, in freier Wildbahn, zusätzlich zu den vielen einheimischen Vögeln, 8 verschiedene exotische Vogelarten, die alle einmal aus Käfigen entflogen sind, und nun hier eine zweite Heimat gefunden haben, wie Papageien, Pfaue und die in Europa größte in Freiheit lebende Gruppe von Nymphensittichen.

Ich habe den Botanischen Garten jetzt im Winter besucht, und war begeistert, von der Vielfalt der Vegetation.
Aber man sagte mir, dass ein Besuch im Frühling oder Sommer besonders reizvoll sein soll.
Ich werde also wieder kommen, in ein paar Monaten!

Mittwoch, 6. Januar 2010

Nichts ist unmöglich: Kork


Anfang dieser Woche besuchte ich mit meiner Schwester und meinen Schwager in Lissabon den Laden eines Korkfabrikanten aus São Brás de Alportel.

Portugal ist der größte Korkproduzent auf Erden, und die Region um São Brás de Alportel, an der Algarve, rühmt sich, Herkunftsgebiet des „besten Korks der Welt zu sein“.
Die Stadt São Brás de Alportel liegt etwa 20 km nördlich der Provinzhauptstadt Faro und hat etwa 14.000 Einwohner, die alle, mehr oder weniger, von der Korkindustrie leben.
Schon immer war hier ein wichtiges Zentrum der portugiesischen Korkindustrie, denn in den angrenzenden Bergen der Serra do Caldeirão wird, wie gesagt, der qualitativ „beste Kork der Welt“ gewonnen.

Kork wird aus der Korkeiche (port.: sobreiro / lat.: Quercus suber) gewonnen.
Dieser immergrüne Laubbaum, mit ledrigen Blättern, kommt im ganzen westlichen Mittelmeerraum und Portugal, meistens in großen Korkeichenwäldern (port.: montados) vor und kann bis zu 400 Jahre alt werden.
Die Frucht der Korkeiche nennt man Eichel (port.: bolota).

Ihren Namen verdankt die Korkeiche den großen Korkschichten des Stammes, aus denen der Kork gewonnen wird.
Ein einzelner Baum kann während seines ganzen Lebens bis zu 250 kg Kork liefern.
Kork ist eigentlich nichts weiter als mit Luft gefüllte abgestorbene Rinde.
Kork ist sehr wärme- und schalldämmend und extrem wasserdicht.
Daher wird Kork nicht nur zur Herstellung von Flaschenkorken, sondern auch zur Herstellung von Wärme- und Schallisolierungen und Boden- und Wandverkleidungen verwendet.

Aber es werden auch Taschen, Geldbörsen, Lesezeichen, Krawatten, Mützen, Gürtel, Schreibmaterial, Schuhe, Stiefeln, Kissen und sogar Regenschirme und Schmuck hergestellt.
Eigentlich gibt es kaum etwas was sich nicht aus Kork produzieren lässt.
Selbst eine Briefmarken aus Kork, die die Portugiesische Post (port.: Correios de Portugal) in Umlauf gebracht, gibt es.

Kork, eigentlich ein uraltes Produkt, wird erst jetzt langsam wieder wertgeschätzt, nachdem, über Jahrzehnte hinweg, dieser Stoff nur zur Flaschenkorkenherstellung verwendet wurde.
Aber jetzt, da hier in Portugal, und auch im Ausland, die Liebe zum Kork wiederentdeckt wurde, steht diesem Produkt, so bin ich mir sicher, eine glänzende Zukunft bevor.

Das Kutschenmuseum in Belém






An der Praça Afonso de Albuquerque, im Lissabonner Stadtteil Belém, liegt Portugals meist besuchtestes Museum, das „Nationale Kutschenmuseum“ (port.: „Museu Nacional dos Coches“.
Erst diese Woche war ich dort, und habe somit mit meinem Besuch dafür gesorgt, dass das Kutschenmuseum auch weiterhin das beliebteste des Landes ist.

Befinden tut sich das Kutschenmuseum in der ehemaligen alten königlichen Hofreitschule (port.: Picadeiro Real do Palácio de Belém), das vom italienischen Architekten Giacomo Azzolini im Jahre 1726 erbaut wurde.
Bereits im Jahre 1905 gründete Königin Maria Amélia, die Ehefrau von König Carlos I, das Königliche Kutschenmuseum.
Das Museum feiert somit dieses Jahr seinen 105 Geburtstag.

Das Nationale Kutschenmuseum in Lissabon beherbergt die weltgrößte Sammlung, einmalig in ihrer Art, an königlichen Fuhrwerken, darunter Kutschen, Kaleschen, Sänften, Cabrioletts und Kinderwägen, wie sie an den Höfen Europas zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert benutzt wurden.

Außerdem werden eine Reihe von Pferdegeschirren, Waffen, Sätteln und Gala-Uniformen ausgestellt.
Ein besonderes Highlight ist die Ölgemäldegalerie im Ersten Stock mit den Portraits der Monarchen der Dynastie Bragança.

Die schönsten Kutschen die in diesem Museum ausgestellt sind, sind unter anderem die Reisekutsche von Phillip II von Spanien, der als Filipe I seinerzeit über Portugal herrschte, dann die drei imposanten Kutschen von Rodrigo Almeida e Menezes, dem Marquês de Abrantes, die er als Botschafter im Vatikan benutzte und die jede über unglaubliche fünf Tonnen wiegt.
Und dann die Staatskutsche von João VI, die er sich nach seiner Rückkehr aus Brasilien bauen lies, und die noch 1957, beim Staatsbesuch der britischen Königin Elisabeth II, benutzt wurde.

Außerdem kann man zur Zeit im Museum, als Leihgabe, die Kutsche besichtigen, in der die königliche Familie am 01. Februar 1908 einem Anschlag zum Opfer fiel, bei dem König Carlos I und sein Sohn Infante D. Luis Filipe, der Thronfolger, ums leben kamen.
Normalerweise wird diese Kutsche im königlichen Schloss von Vila Viçosa, im Alentejo, ausgestellt.

Heute, am 06. Januar 2010, beginnen, schräg gegenüber vom jetzigen Museum, die Bauarbeiten an dem neuen Kutschenmuseum. Die Bauarbeiten sollen in etwa zwei Jahre dauern.
Dann sollen die Kutschen ins neue Gebäude einziehen.
Aus dem alten Gebäude wird dann das, was es ursprünglich einmal war: eine Hofreitschule.