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Montag, 15. Juni 2015

Chegas de bois – wenn in Nordportugal die Hörner krachen



Wer jemals einem typisch-portugiesischen Stierkampf beigewohnt hat, der weiß dass dieser wesentlich unblutiger über die Bühne läuft als etwa z.B. die spanische Version dieses Schauspiels.
Wem aber die portugiesische „tourada“ trotz allem doch ein wenig zu „gewalttätig“ ist, der sollte eine der in Nordportugal um diese Jahreszeit üblichen „chegas de bois“ besuchen.

Im Gegensatz zu einem normalen Stierkampf in der Arena, bei dem sich immer Mensch und Tier gegenüber stehen, ist die „chegas de bois“ immer nur ein Kräftemessen zwischen zwei Tieren.
Diese Duelle zwischen zwei Stieren, bei dem die männlichen Tiere auf natürliche Art und Weise ihre Rangordnung klären, gehen für gewöhnlich immer unblutig aus. Sobald einer der kämpfenden Tiere mit den Knien den Boden berührt oder er vor seinem Gegner Reißaus nimmt, ist der Kampf beendet.
So ein Wettbewerb kann nur wenige Sekunden lang dauern, kann sich aber auch über eine gute halbe Stunde hinziehen – es kommt immer auf das Aggressionspotential der einzelnen Tiere an.

Der Kampf zwischen zwei männlichen Rindern, bei dem die Tiere instinktiv ihre Rangfolge klären, war schon bei den alten Römern ein beliebtes Schauspiel. Mit den Jahrhunderten aber starb diese Art des Spektakels aus und der klassische Stierkampf, zwischen Torero und Stier, setzte sich hierzulande durch.

Erst vor einpaar Jahrzehnten kam die seit vielen Generationen ausgestorbene Tradition der „chegas de bois“ wieder in Mode.
Durch die immer größer werdende technische Industrialisierung der Landwirtschaft nach der Nelkenrevolution in Portugal waren sehr viele heimische landwirtschaftliche Nutztiere, die nicht rentabel waren, plötzlich vom aussterben bedroht.
So „entdeckten“ einige Bauern und Grundbesitzer in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts die „chegas de bois“ wieder, organisierten zahlreiche Wettbewerbe, schrieben Preisgelder für die Duelle aus, erlaubten das Wetten und machten so auf diese Weise fast ausgestorbene Rinderrassen für Züchter und Publikum wieder attraktiv.

Der Ausdruck „chegas de bois“, mancherorts auch unter dem Begriff „chegas de touros“ bekannt, setzt sich aus dem portugiesischen Verb „chegar“ (dt.: beikommen, annähern) und dem Wort für Stier (port.: boi, touro) zusammen, und beschreibt einfach so die „Annährung von Stieren“ (port.: „chegas de bois“) die miteinander kämpfen wollen.

Zwei fast ausgestorbene portugiesische Rinderrassen kamen durch diese ausgefallenen Stierkämpfe bei Bauern und Rinderzüchtern wieder in Mode:
das kleine Barrosão-Rind (port.: raça barrosã), mit seinen langen, geschwungenen und bis zu 100 cm langen Hörnern, das in der Region um die nordportugiesischen Städte Montalegre, Alfândiga da Fé, Mirandela und Vila Flor seine Heimat hat und das bis 1.200 kg schwere und temperamentvolle Mirandesa-Rind (port.: raça mirandesa), aus der Gegend um die Städte Miranda do Douro, Bragança, Vinhais, Vimioso und Mogadouro, in der nordöstlichsten Provinz Portugals, dem Trás-os-Montes.

Die meisten Stiere dieser beiden Rinderrassen die zum Kampfwettbewerb antreten, gehören heute zumeist privaten Züchtern und Bauern.
Doch einige Dörfer und Gemeinden im Norden Portugals, in denen traditionsgemäß das Vieh immer der ganzen Dorfgemeinschaft gehörte und gehört, stellen heute noch so genannte „bois do povo“ (dt.: Volksstiere / Allgemeinheitsstiere) zum Kampf auf.

Die „chegas de bois“ finden den ganzen Sommer lang – meistens bis Mitte August – in vielen Städten und Dörfern Nordportugals statt und sind ein imposantes und spektakuläres Schauspiel, das ich jedem nur empfehlen kann!

Mittwoch, 5. Februar 2014

Miley Cyrus made in Portugal


Der Norden Portugals ist für seine reichhaltige Gastronomie, seine ausgezeichneten Weine und die offene Gastfreundschaft seiner Bewohner nicht nur hierzulande bekannt.
Vor allem die vielen qualitativ hochwertigen und frischen regionalen Produkte sind es, die seine schmackhafte regionale Küche so beliebt machen.
Da das nördliche Portugal naturgegeben viel Weideland besitzt, werden hier viele Rinder, Ziegen, Schafe und Schweine gehalten und gezüchtet, um dann irgendwann auch zu leckeren Steaks, Koteletts, Schinken und Würsten verarbeitet zu werden.
Die regionale Vielfalt an Innereien- und Räucherwurstspezialitäten sowie an Grieben- und Blutwurstgerichten ist in dieser Region schier unerschöpflich!

Ein Ort an dem man viele dieser Spezialitäten mal probieren kann, ist die seit 1980 existierende alljährliche Gastronomiemesse „Feira do Fumeiro“ (dt.: „Räucherwurstmesse), die in der nordportugiesischen Kleinstadt Vinhais, unweit von Bragança, in der Provinz Trás-os-Montes, immer Anfang des Jahres stattfindet.
Diese Messe, auf der man die originellsten und traditionellsten Wurstspezialitäten Nordportugals vorfinden und genießen kann, erfreut sich jedes Jahr großer Besucherzahlen und ist eigentlich ein Event, der heutzutage ohne viel Werbung auskommt.

Nichtsdestotrotz lassen sich die Veranstalter der „Feira do Fumeiro“ jedes Jahr den einen oder anderen witzigen Spot einfallen, um auf ihre Messe aufmerksam zu machen.
Noch im letzten Jahr hat eine spritzige Gangnamstyle-Persiflage auf die Gastronomieschau aufmerksam gemacht und dieses Jahr sorgt eine Parodie des Musikvideos „Wrecking Ball“, von der US-Popsängerin Miley Cyrus, hierzulande im Netz für Furore.

Während im Originalmusikvideo zu sehen ist, wie Miley Cyrus sich nackig auf einer Abrissbirne räkelt und dabei den Hammer schwingt, zeigen die Macher vom witzigen Clip für die „Feira do Fumeiro“ wie ein gestandener junger Mann in Unterwäsche und mit Dreitagebart auf einer riesigen Wurst hin und her schaukelt und ein „Wurstlied“ singt.
Während der junge Kerl so dahinpendelt, hält er sich lasziv einen gefüllten, geräucherten Schweinemagen an seinen Mund – mit solch einem erotischen Blick, der das ganze prüde Amerika wohl in seinen Grundfesten erschüttern würde…

Ein witziger Genuss!

Die diesjährige Gastronomiemesse „Feira do Fumeiro“ in Vinhais findet vom morgigen Donnerstag, den 06. Februar, bis zum kommenden Sonntag, den 09. Februar 2014, statt.
Mir selber wird es dieses Jahr leider nicht vergönnt sein nach Vinhais zu fahren. Wer aber zu dieser Zeit im Norden Portugals verweilt, dem kann ich einen Besuch der Messe nur empfehlen.

Anbei der Link der originellen Wrecking Ball-Persiflage der Miley Cyrus made in Portugal: