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Donnerstag, 6. November 2014

Die Nürnberger Chronik von Hartmann Schedel


So manches Museumsarchiv weltweit beherbergt wahre Schätze, die mindestens genauso interessant und spannend sind, wie die eigentlichen Sammlungen und Ausstellungsstücke die in den jeweiligen Museen ausgestellt werden.

Solch ein Schatz ist nun, wie jetzt bekannt wurde, Ende September in einem Regal der nicht öffentlichen Bibliothek des Lissabonner Nationalmuseums für Alte Kunst (port.: Museu Nacional de Arte Antiga) aufgetaucht.
Es handelt sich hierbei um eines der ersten gedruckten Bücher der Weltgeschichte, dass einstmals vor 1500 mit beweglichen Lettern gedruckt wurde – eine so genannte Inkunabel (port.: incunábulo)!

Diese reich illustrierte Inkunabel ist ein Werk des Nürnberger Arztes, Humanisten und Historikers Hartmann Schedel aus dem Jahre 1493 und trägt den lateinischen Namen „Liber chronicarum“.
Die Nürnberger Chronik (port.: Crónica de Nuremberga) oder die Schedelsche Weltchronik wie das Werk auch genannt wird, gehört zu den bedeutendsten Werken der deutschen Buchdruckkunst.
Von Hartmann Schedel verfasst, mit über 1.800 wunderschönen Holzschnitt-Illustrationen der Maler Michael Wolgemut und Hans Pleydenwurff bebildert und vom Buchdrucker und Verleger Anton Koberger in seiner Werkstatt in Nürnberg gedruckt, ist „Liber chronicarum“ einstmals in einer lateinischen und einer deutschen Ausgabe erschienen. Das jetzt in Lissabon aufgetauchte 656-seitige Exemplar ist in lateinischer Sprache verfasst.

Wie die meisten Chroniken der mittelalterlichen Zeit, die die damalige bekannte Weltgeschichte zeigten, ist auch das Werk von Hartmann Schedel in Zeitaltern oder so genannten Weltaltern verfasst.
„Liber chronicarum“ ist in sieben Weltaltern unterteilt:

- Das erste Weltalter geht von der Erschaffung der Erde bis zur Sintflut.
- Das zweite Weltalter behandelt das Zeitalter von der Sintflut bis zur Geburt Abrahams.
- Im dritten Weltalter zeichnet Schedel die Welt von Abraham bis zu König David auf.
- Im vierten Weltalter geht es um die Zeit von König David bis zur Babylonischen Gefangenschaft.
- Das fünfte Weltalter behandelt die Zeit von der Babylonischen Gefangenschaft bis zur Geburt von Jesus Christus.
- Das sechste Weltalter geht von der Geburt Christi bis zur damaligen bekannten Gegenwart im ausgehenden 15. Jahrhundert.
- Im siebten und letzten Weltalter thematisiert Hartmann Schedel das Ende der Welt und das Jüngste Gericht.

Das jetzt aufgetauchte und ziemlich gut erhaltene Exemplar der Nürnberger Chronik soll zukünftig zu einem Ausstellungsstück des Lissabonner Nationalmuseums für Alte Kunst werden.
Es wäre auch schade ein solch schönes Buch in einem staubigen Regal, irgendwo in einem Museumslager, verkommen zu lassen!

Montag, 22. August 2011

Alfredo Keil


Alfredo Keil ist den meisten Portugiesen vor allem als Komponist der portugiesischen Nationalhymne bekannt.
Doch darüber hinaus war der Portugiese deutscher Herkunft aber auch ein exzellenter Maler, Fotograf, Archäologe, Schriftsteller, Komponist und Sammler.

Geboren wurde er als Alfredo Cristiano Keil am 03. Juli 1850 im Stadtpalast Palácio de Barcelinhos in Lissabon.
Er war der Sohn des aus Hannover stammenden Schneiders Johann Christian Keil und der Elsässerin Maria Josefa Stellpflug.

Sein Vater Johann besaß zwei Schneidereien in der Rua Nova do Almada, im Chiado, die ziemlich gut liefen.
So gut das er alsbald Hoflieferant wurde.
Zu seinen Kunden zählte nicht nur der ebenfalls aus Deutschland stammende Prinzgemahl und König Fernando II und die gesamte Aristokratie Lissabons, sondern alsbald auch das europäische Großbürgertum.
So kam Johann Christian Keil zu einem beträchtlichen Vermögen, der es ihm ermöglichte, seinen Sohn Alfredo eine vorzügliche Erziehung genießen zu lassen und renommierte Schulen zu besuchen.

Die erste Schule die Alfredo Keil besuchte war das Colegio de Santo António in Lissabon. Mit zehn Jahren wechselte er 1860 auf das Englische College „Colégio Britânico“ in der Rua Vale de Pereiro um.
Die Geschäfte des Vaters liefen so gut, das er als Kind sogar vom berühmten ungarischen Pianisten Osca de La Cinna Klavierunterricht erhielt.

Im Jahre 1869, im Alter von 19 Jahren, reiste Alfredo Keil mit seinen Eltern durch Europa.
Er besuchte Madrid, Paris, Genf, Zürich und das Land seines Vaters.
Dort, in Nürnberg (port.: Nuremberga) begann er ein Studium an der Königlichen Akademie der Schönen Künste, wo er unter dem Maler Wilhelm von Kaulbach seine ersten Malversuche startete.
Doch schon im nächsten Jahr, als der Deutsch-Französische Krieg (pt.: Guerra Franco-Prussiana) ausbrach, verließ Alfredo Nürnberg und kehrte in seine Heimatstadt Lissabon zurück.

Hier ging er bei renommierten Lehrern in die Schule.
So erhielt er bei Miguel Luppi Malstunden.
Seine musikalischen Lehrer waren António Soares und Ernesto Vieira.
Bei Joaquim Prieto erlernte er das zeichnen.

Diese Ausbildung zeigte Alsbald Früchte. Schon 1874 wurde Alfredo mit zwei Medaillen der Sociedade Promotora de Belas Artes (dt.: Gesellschaft zur Förderung der Schönen Künste) geehrt. Weitere Auszeichnungen sollten in den nächsten Jahren folgten.
Die größte Anerkennung für ihn als malender Künstler war damals aber der Verkauf seines Bildes „Sesta e Meditação“ (dt.: Mittagsruhe und Meditation), ein Gemälde das von König Luis I erworben wurde.

Mit 26 Jahren, im Jahre 1876, heiratete Alfredo Keil die junge Cleyde Maria Margarida Cinatti, Tochter des berühmten Bildhauers, Architekten und Bühnenbildners Giuseppe Luigi Cinatti.
Mit ihr hatte er vier Kinder, nämlich Joana Maria, die im Kindesalter starb, Paulo Henrique, Luis Cristiano und Guida Maria.

1883 wird seine erste Oper „Susana“ im Teatro da Trindade (dt.: Theater Trindade) Uraufführung.
Im Jahr darauf schreibt Alfredo die Kantate „Pátria“, ein weiteres Jahr später folgt sein symphonisches Gedicht „Uma Caçada na Corte“.
Im März 1888 hat seine zweite Oper „Dona Branca“ Prämiere. Sie wird ein voller Erfolg. Insgesamt 30 Mal wurde das Werk im Teatro São Carlos (dt.: Theater São Carlos) aufgeführt, im Jahr darauf sogar wiederholt.

Am 11. Januar 1890 geschieht ein politisches Ereignis, das in die portugiesischen Geschichtsbücher als „Traição de irmão“ (Bruderverrat) eingeht.
England, das bis dahin als portugiesischer „Bruder“ und Alliierter galt, stellt an diesem Tag dem Königreich Portugal ein Kriegsultimatum.

Portugal, das über Angola im westlichen Südafrika und Moçambique im östlichen Südafrika herrschte, war seit kurzem bestrebt beide Kolonien territorial miteinander zu verbinden.
Da Großbritannien Anspruch auf Südafrika und das nördlich davon liegende Rhodesien stellte, war es mit diesen portugiesischen Ambitionen überhaupt nicht einverstanden.
Beide Seiten pochten auf ihr Recht, was die Situation unweigerlich hochschaukelte.
Sie findet am 11. Januar 1980 ihren Höhepunkt mit dem schon erwähnten englischen Kriegsultimatum an das Königreich Portugal.

Man kann ohne weiteres behaupten, das dieses Ultimatum Portugal wie ein Schlag ins Gesicht traf, da man mit England, seit dem Jahr 1386 mit einer friedlichen Allianz verbunden war.
Wohl oder übel musste Portugal dem Ultimatum der Engländer nachgeben, denn einen Krieg konnte die Nation zu einem politisch sehr schwierigen Zeitpunkt wahrlich nicht gebrauchen.
Dieses Nachgeben führte in der portugiesischen Bevölkerung zu einem Aufschrei, denn man sah sich gedemütigt.
Zwei Regierungen mussten sogar wegen dieses Ultimatums zurücktreten.

Das Thema „Englisches Ultimatum“ hat damals auch viele Komponisten und Maler in ihrem künstlerischen Schaffen beschäftigt.
Einer von ihnen war Alfredo Keil.
Er fühlte sich durch dieses politische Ereignis inspiriert und komponierte ein patriotisches Musikstück, dass Jahre später, mit den Strophen des Dichters Henrique Lopes de Mendonça, mit dem Namen „A Portuguesa“ zur portugiesischen Nationalhymne werden sollte.

1893 bringt Alfredo Keil seine Oper „Irene“ im italienischen Turin heraus und im März 1899 hat seine Oper „Serrana“, die noch heute als beste portugiesische Oper gilt, in Lissabon Weltpremiere.

Aber er schrieb nicht nur Opern, sondern verfasste auch Fados, Polkas, Walzer und Klaviersonaten.
Er malte in seinem Leben mehr als 2.000 Gemälde, wovon die meisten Landschaftsmalereien waren.
Als Schriftsteller schrieb er mehrere Erzählungen und Romane, aber berühmt wurde er als Autor seines Buches „Breve História dos Instrumentos de Música Antigos e Modernos“ (dt.: Kurze Geschichte antiker und moderner Musikinstrumente).
Er sammelte während seines Lebens an die 500 Musikinstrumente, die heute im Musikmuseum (dt.: Museu da Música) von Lissabon ausgestellt werden.

Am 4. Oktober 1907, ironischer Weise genau drei Jahre vor dem Vorabend der republikanischen Revolution die seine „A Portuguesa“ zur portugiesischen Nationalhymne machte, stirbt Alfredo Keil mit 57 Jahren an den Folgen einer misslungenen Nierenoperation, der er sich in Hamburg unterzogen hatte.

Seine letzte Ruhestätte befindet sich heute auf dem Lissabonner Friedhof Cemitério dos Prazeres.

Samstag, 5. September 2009

Die Azoreninsel Faial




Faial, so erzählte mir einmal ein Freund der hobbymäßig malt, ist wie ein Aquarell, auf dem zwei Farben dominieren.
Er meinte damit das frische, saftige grün der Wiesen und der weiten Buchenwälder und die vielen Blauschattierungen der Hortensien, die die Felder begrenzen und mit dem Himmel und dem Meer verschmelzen.

Ich selber war noch nie auf Faial.
Aber an dieser Beschreibung muss etwas dran sein, denn nicht umsonst nennen wir Portugiesen die Insel Faial auch die „A Ilha Azul com coração verde“ (deutsch: Die blaue Insel mit grünem Herzen).

Die Insel Faial (Ilha do Faial) ist die fünftgrö0te Insel der Azoren und die westlichste der Zentralgruppe (Grupo Central). Sie spielte von jeher eine besondere Rolle unter den Azoreninseln, sei es als Zwischenstation für frühere Transatlantikflüge, als wichtiger Yachthafen oder als Standort für die Telekommunikation zwischen Amerika und Europa.

Rund 18.000 Menschen leben auf der im Jahre 1427 vom Seefahrer Diogo de Silves entdeckten Insel Faial (Ilha do Faial / ins deutsche übersetzt „Bucheninsel“). Die Hauptstadt ist Horta (deutsch: Gemüsegarten), im Südosten der Insel.

In Horta liegt eines der berühmtesten Yachthafen der Welt. Die Yachten die hier anlegen, kommen aus allen Himmelsrichtungen, und ihre Besatzungen sind oft so fasziniert von Faial, das sie Tage, Wochen und manche sogar Monate auf der Insel bleiben.
Sie treffen sich dann meistens in „Peter´s Café“ um ihre Erfahrungen und Erlebnisse auszutauschen. Es ist Tradition, dass sich dann jeder Skipper, bevor er die Insel wieder verlässt, mit einem Gemälde auf der langen Kaimauer verewigt.

Faial wurde im laufe der Jahrhunderte mehrmals von gewaltigen Erdbeben und Vulkanausbrüchen heimgeholt. Erst am 09. Juli 1998 erschütterte ein gewaltiges Erdbeben die Insel und richtete in vielen Ortschaften große Schäden an.
Der letzte Vulkanausbruch fand vom 27. September 1957 bis zum 12. Mai 1958 statt, und das austretende Lava sorgte dafür, das Faial um 2,5 km² größer wurde.

Vor über 150 Jahren wurden auf Faial die ersten Überseekabel von Europa nach Amerika und Nordafrika verlegt. Vor allem die deutschen Firmen German Atlantic Telegraph Co. und German Submarine Telegraph Co. sorgten im 20. Jahrhundert dafür, das Faial zu einem der wichtigsten Knotenpunkte in der Telekommunikation wurde.
Heute, mit dem Einsatz der vielen Satelliten, spielen die Kabelstationen jedoch keine Rolle mehr.

Von 1486 bis 1490 lebte der aus Nürnberg stammende Kosmograph und Astronom Martin Behaim (port.: Martinho da Boémia), dessen Verdienste um die Nautik und Geographie im Zeitalter der portugiesischen Entdeckungen von großer Bedeutung waren, auf der Insel Faial.
Obwohl Martin Behaim, wie schon erwähnt, in Nürnberg das Licht der Welt erblickte, gilt er als der berühmteste Sohn der Insel.