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Donnerstag, 16. August 2012

Eselsohren: „Die Raben von Carcassonne“

In meinem Urlaub, letzte Woche, habe ich den Roman „Die Raben von Carcassonne, des Schriftstellers E. W. Heine, gelesen.
Ich hatte dieses Buch Ende März auf dem alljährlich stattfindenden ökumenischen Osterbasar der DEKL erstanden und ihn schon fast wieder zwischen all meinen anderen Büchern vergessen.

Die Hauptperson dieses Romans, der im mittelalterlichen Frankreich spielt, ist der junge Leander Latour, der in der südfranzösischen Stadt Carcassonne das Amt des Henkers und Scharfrichters innehat.
Trotz seiner blutigen Ausübung ist er ein liebevoller, intelligenter und einfühlsamer Mensch, der immer Versucht den Verurteilten, ein schnelles und, soweit wie möglich, schmerzloses Ende zu bereiten.

Eines Tages lernt er in seinem geheimnisvollen Turmkerker eine verurteilte Katharerin kennen, die er auf einem Scheiterhaufen verbrennen soll.
Da sie in ihm den Erben des heiligen Grals sieht, schenkt sie ihm ein Amulett der sein Leben schicksalhaft verändern soll.
Die Katharer waren eine christliche Sekte die, vom 12. bis zum 14. Jahrhundert, vor allem in Südeuropa verbreitet war, und die die katholische Kirche erbarmungslos verfolgte und schließlich vernichtete.

Ich habe „Die Raben von Carcassonne“ in nur zwei Tagen gelesen.
Obwohl es sich bei diesem Roman um eine sehr seltsame und historisch mehr als zweifelhafte Geschichte handelt, die voller überraschender Wendungen ist, so ist sie doch ein sehr spannendes und voller Magie geschriebenes Werk, das es mit jedem Bestseller von Dan Brown aufnehmen kann.

E. W. Heine, der mit vollem Namen Ernst Wilhelm Heine heißt, ist 1940 in Berlin geboren und ist von Hause aus Architekt.
Er ist Autor verschiedener satirisch-skurrilen Kurzgeschichten, die unter der Bezeichnung „Kille-Kille-Kurzgeschichten“ bekannt sind und einen gewissen Kultstatus erreicht haben.
Seinen Roman „Die Raben von Carcassonne“ schrieb E. W. Heine im Jahre 2004 und die erste Auflage erschien ein Jahr später, im Mai 2005, im Bertelsmann Verlag.

Dienstag, 11. August 2009

Portugal gibt Europa ein Beispiel. Europa soll dem folgen


In der Nähe von Coimbra, am Ufer des Rio Mondego, liegt der kleine, ca. 3000 Einwohner zählende Ort, Figueira de Lorvão. Kein Mensch außerhalb Portugals kennt diesen Ort. Und selbst in Portugal wissen nur wenige, das Figueira de Lorvão existiert.
Aber Figueira de Lorvão hat seinen Platz in der portugiesischen Rechtsgeschichte.
Hier wurde nämlich, im Jahre 1750, die Bäckerstocher Luísa de Jesus geboren.
Den Namen kennt außerhalb des Ortes praktisch niemand. Es sei denn, er interessiert sich für Gruselgeschichten.

Luísa de Jesus war Portugals einzige Massenmörderin!
Sie tötete 34 Säuglinge und wurde dafür zum Tode verurteilt.
Luísa de Jesus war die letzte Frau, an der in Portugal die Todesstrafe vollstreckt wurde. Das war am 1. Juli 1772.
Männer wurden weiterhin hingerichtet.

Die letzte Hinrichtung die in Portugal vollzogen wurde, fand im April 1846 statt. Damals traf der zweifache Mörder Jorge Antunes in Lagos auf seinen Henker.
Schon damals bestürzte die Barbarei des nicht revidierbaren Urteils die Mehrheit der Bevölkerung. Der Historiker Luís Fraga da Silva sieht in dem Widerstand gegen die Todesstrafe auch den Einfluss liberaler Bewegungen in Europa. Das abstoßende Bild von Hinrichtungen passte den „sanftmütigen Portugiesen“ nicht, so Luís Fraga da Silva. Sie wollten Sühne ohne Blutvergießen.

Und so wurden im Jahre 1852, nach einer Strafrechtsreform, die Todesstrafe und das Töten im Namen des Volkes und im Namen von Recht und Gerechtigkeit abgeschafft.
Somit wurde Portugal das erste Land in Europa, das die Todesstrafe als Justizpraxis außer Kraft setzte.

Aber es war nicht nur die „Sanftmütigkeit“ und der „ausgeprägter Gerechtigkeitssinn“ der die Portugiesen zur Abschaffung der Todesstraffe veranlasste. Vielmehr befand sich Portugal in der Mitte des 19. Jahrhunderts in einer großen finanziellen Notlage, und konnte die Scharfrichter und Henker, die übrigens als Staatsdiener hoch angesehene Spitzenverdiener ihrer Zeit waren, nicht mehr bezahlen.

Das staatlich geduldete und geförderte Töten erlebte seinen Höhepunkt im Mittelalter. Die Spanier führten in ihrer Regierungszeit über Portugal die Inquisition ein.
Von 1536 bis 1821 fanden knapp 14.000 Inquisitionsprozesse statt. Als Ketzer oder Hexen verurteilt, landeten ca. 8000 Menschen auf dem Scheiterhaufen, wurden gepfählt, gerädert oder auf andere brutale Art und Weise ums Leben gebracht.
Die Vollstreckungen fanden öffentlich statt; je grausamer, desto abschreckender, hieß die nie belegte These der Richter und Henker.

Die Art der Hinrichtung spiegelte den gesellschaftlichen Stand des Verurteilten: Wer niederer Geburt war, endete am Galgen, Schuldiggesprochene aus gutem Hause starben unter der Axt oder dem Schwert – das galt als ehrenvoll.

Delikte wurden variabel bestraft. So wurden notorische Langfinger gehenkt, Kindsmörder(innen) meist ertränkt – die niedrigste Stufe der Hinrichtung.
Luísa de Jesus wurde am Pelourinho (dem Pranger) angebunden und später gehenkt.
Der Pelourinho stand, reich verziert, seit dem 12. Jahrhundert in fast jeder portugiesischen Gemeinde (bitte lesen sie auch mein post „Der Pranger als Symbol der Gerechtigkeit“ vom 01.07.2009).

Luísa de Jesus hatte sich bei ihren Morden einer öffentlichen Einrichtung bedient.
In Figueira de Lorvão existierte die so genannte „Roda“, an der ungewollte Babys abgelegt werden konnten (mit der heutigen Babyklappe in Krankenhäusern und Kirchen vergleichbar).

Um diese Babys kümmerte sich dann die Kirche oder mildtätige Bürger, bis jemand gefunden wurde, der ein ausgesetztes Kind als sein eigenes annehmen wollte.
Dafür erhielt er dann von der Gemeinde eine Aussteuer und einen hohen Geldbetrag.
Luísa de Jesus holte sich ein Kind nach dem anderen und somit auch das Geld. Daheim vergiftete sie dann die Babys, wofür sie später am Galgen endete.
Heute, in einer Zeit in der immer mehr Kinder missbraucht, misshandelt, geschlagen und getötet werden, wird der Ruf nach der Todesstrafe immer lauter.

Aber, um es mit den Worten Victor Hugos zu sagen, der 1852 Portugal zur Abschaffung der Todesstrafe beglückwünschte: „Portugal gibt Europa ein Beispiel. Europa soll dem folgen“.