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Samstag, 18. Juli 2015

Die Buchhandlung der Gebrüder Lello in Porto


Die Geschäftsleitung der Buchhandlung der Gebrüder Lello (port.: Livraria Lello e Irmão) – ein kulturelles Symbol der Stadt Porto – hat diese Woche bekannt gegeben, das sie ab dem kommenden 23. Juli 3,- Euro Eintritt von ihren Kunden für den Besuch ihrer Bücherstube verlangen wird.

„Lello e Irmão“ begründet dieses Vorgehen mit der Tatsache, das die meisten Kunden ihre wunderschönen Räumlichkeiten heutzutage nur noch besuchen und bewundern, aber leider nichts kaufen!
Die Kunden aber, die zum kaufen in die Buchhandlung kommen, fühlen sich in der Zwischenzeit von den vielen tausenden Touristen die dieses Buchgeschäft jedes Jahr aufsuchen, so gestört, das „Lello e Irmão“ sich nun zu der Erhebung dieser „Eintrittsgebühr“ entschieden hat.

Die heute unter Denkmalschutz stehende Buchhandlung wurde im Jahre 1906 von dem Buchhändler und Verleger José Pinto de Sousa Lello und seinem Bruder António gegründet und eröffnet.
Mit einem überaus reichhaltigen Angebot an portugiesischer Literatur und Lyrik, u. a. von Camões, Antero de Quental, Eça de Queiroz, Camilo Castelo Branco oder Fernando Pessoa, machten die Gebrüder Lello die Livraria Lello e Irmão schnell zu einer kulturellen Institution Portos und ganz Portugals.
Dies ist sie zweifellos bis heute auch geblieben!

Doch heute sind es immer mehr ausländische Touristen die dieses Jugendstilgebäude mit seiner imposanten, holzvertäfelten Inneneinrichtung und der majestätischen Treppe besuchen.
Das die Livraria Lello e Irmão im Ausland so bekannt und berühmt ist, hat sie vor allem Publikationen wie dem „The Guardian“, der „Time“ oder den Reiseführern „Travel + Leisure“ und „Lonely Planet“ zu verdanken, denn diese Zeitungen und Zeitschriften kürten diese Buchhandlung mehrere Male zu einer der schönsten der Welt – was sie ohne Zweifel auch ist!

Und seitdem bekannt ist, dass die weltberühmte Autorin Joanne K. Rowling, die eine Zeit lang in Porto gelebt hat und die sich gerne in diesem Buchladen aufhielt, die Räumlichkeiten und die imposante Holztreppe wohl als Inspiration für „Hogwarts“ in ihren Romanen aufgenommen hat, kann sich die Livraria Lello e Irmão auch vor hysterischen Harry-Potter-Fans kaum noch retten.

Die traurige Wahrheit ist, dass die meisten Portugiesen sich heutzutage hier in dieser über hundert Jahre alten Buchhandlung nur noch literarische Tipps holen oder die Bücher nur durchblättern.
Kaufen tun sie dann die Bücher – in einem ruhigeren Ambiente – im Internet oder in einem Laden im Shopping Center.

Um diesen Bücherkäufern in Zukunft also eine angenehmere Atmosphäre zu verschaffen, hat sich die Geschäftsleitung der Buchhandlung der Gebrüder Lello nun zu der „Eintrittsgebühr“ von 3,- Euro durchgerungen.
Zu erwähnen sei noch, dass dieses „Eintrittsgeld“ bei einem Warenkauf, wie z. B. von Büchern oder Zeitschriften, natürlich verrechnet wird.

Ob diese Geschäftsidee wirklich von Nutzen sein wird?
Ich persönlich zweifele daran.
Denn solange auch Reiseführer und Postkarten in der Buchhandlung Lello zu kaufen sein werden, werden sich auch die Touristen nicht „abschrecken“ lassen!

Freitag, 19. Juni 2009

„Oh, der trägt Brille. Ist bestimmt ein Portugiese!...“


Anfang dieses Monats musste ich mir leider eine neue Brille und neue Kontaktlinsen beim Augenoptiker machen lassen.
Diese Woche holte ich mir beides dann beim Optiker ab, und nun kann ich wieder „ungetrübt“ in die Welt schauen.

Aber vom Optiker brachte ich nicht nur die Brille und die Kontaktlinsen mit nach hause, sondern auch mehrere Prospekte (insgesamt 9 Stück, ich habe sie gerade gezählt!), die mir unaufgefordert von der netten Verkäuferin in die Tüte mitgegeben wurden. Es geht doch nichts, über Kundenbetreuung!
Heute wollte ich nun die ganzen Prospekte wegwerfen, und entdeckte, zu meiner Überraschung, in der ganzen Papierflut ein „Schätzchen“, das die Bezeichnung „Informationsprospekt“ wirklich verdient und mich sogar dazu bringt dieses post hier zu schreiben!

In diesem Prospekt eines Brillenherstellers, kann ich lesen, das es mal hier in Portugal eine Zeit gab, in der es unheimlich schick war, eine Brille zu tragen.
Im Gegensatz zu heute, wo man es eher vermeidet eine Brille zu tragen, setzten sich wohlhabende Mitmenschen hier in Portugal im 18. und 19. Jahrhundert eine Brille oder einen Monokel auf, und spazierten damit, voller Stolz, herum.
Das tragen einer dicken Hornbrille, den so genannten „Oculos de mocho“ (Eulenbrillen), so wie wir sie heute von Harry Potter kennen, war bei vielen Adeligen, Künstlern und Wissenschaftlern der letzte Schrei.
Aus dieser Zeit stammt wohl auch die Meinung, dass Brillenträger wohl alle Intellektuell und besonders Klug wären. Eine Meinung die sich kurioserweise bis heute gehalten hat, auch wenn die meisten dann heute doch lieber Kontaktlinsen tragen.

Natürlich trugen überall in Europa die Menschen Brillen, wenn sie es sich leisten konnten. Aber laut dem Infoprospekt des Brillenherstellers, trugen die Menschen hier in Portugal ihre Brillen, nicht nur wenn sie sich diese auch leisten konnten, sondern sie trugen sie auch mit einer gewissen Halsstarrigkeit.
Das ging soweit, so heißt es im Prospekt, das selbst die die eigentlich keine Brille brauchten, weil sie keine Sehschwäche hatten (wie z.B. König João VI), sich einfach aus Eitelkeit nur das Brillengestell oder den Monokel ohne Glas, auf die Nase setzten.

Das führte dazu, dass man sich im Ausland erbarmungslos über die Portugiesen lustig machte. Es entstanden sogar geflügelte Worte und Witze über die Brillen tragenden Portugiesen.
Das ging soweit, das man im entfernten London, wenn man jemanden mit einer besonders großen Brille auf der Nase sah, mit echt sarkastischem, britischem Humor meinte:

„Oh, der trägt Brille. Ist bestimmt ein Portugiese!...“

Jetzt im Nachhinein frage ich mich, warum ich dieses post hier eigentlich schreibe.
Denn als Brillenträger (und ich rede hier von einem wirklich dicken, fetten Teil das ich als stark Kurzsichtiger mit mir rumtragen muss) muss ich zugeben, dass es Dinge in Prospekten zu lesen gibt, die man gar nicht wissen will…