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Dienstag, 26. November 2013

Der Haushalt 2014 ist (erst einmal) durch


Heute war hier in Portugal, vor allen Dingen hier in Lissabon, einiges los!

Da haben z.B. heute, inspiriert durch die Massenproteste im fernen Thailand, wo in Bangkok mehrere Regierungsgebäude besetzt wurden, hier in Lissabon ebenfalls mehrere Demonstranten das Finanzministerium (port.: Ministério das Finanças), das Umweltministerium (port.: Ministério do Ambiente), das Gesundheitsministerium (port.: Ministério da Saúde) und das Wirtschaftsministerium (port.: Ministério da Economia) einfach mal so annektiert.

Zur gleichen Zeit versammelten sich vor dem altehrwürdigen Palácio de São Bento, dem portugiesischen Parlament, tausende Rentner und Gewerkschafter des öffentlichen Dienstes und protestierten, zu Recht, gegen noch mehr Kürzungen ihrer Renten und Löhne.

Und auch im Parlament selbst, ging es heiß her.
Während das Hohe Haus, mit der Mehrheit der regierenden Koalition von Premierminister Pedro Passos Coelho, den Staatshaushalt ( port.: Orçamento de Estado) für das kommende Jahr mit 132 zu 98 Gegenstimmen, durchbrachte, machten mehrere Demonstranten ihren Unmut gegen die drastische Sparpolitik der Regierung kund, indem sie mit lauten Zwischenrufen die Parlamentssitzung störten und, in Folge dessen, den Plenarsaal verlassen mussten.

Die Regierung hat den Haushalt für das kommende Jahr 2014 durchgebracht.
Aber – obwohl gerade erst verabschiedet – so ist es doch eher zweifelhaft, ob die Regierung den Haushalt letztendlich halten wird können.

Die Opposition hat sofort nach der Verabschiedung des Etats angekündigt, dass sie das Verfassungsgericht (port.: Tribunal constitucional) einschalten wird, denn ihrer Meinung nach, ist der Haushalt im höchsten Maße Verfassungswidrig.
Sollte das oberste Gericht Portugals den Etat kippen – das Verfassungsgericht hat schon mehrere Gesetzte der jetzigen Regierungskoalition verworfen – dann könnte Premierminister Passos Coelho große Probleme bekommen.
Denn dann könnte er nämlich nicht, wie geplant, Mitte nächsten Jahres den Rettungsschirm von EU, IWF und EZB verlassen, was zur Folge hätte, das er höchstwahrscheinlich um einen zweiten Rettungsschirm bei der Troika anfragen müsste.
Das Wäre eine Katastrophe – eine Katastrophe die die Opposition anscheinend in Kauf nimmt!

Ob Portugal, knappe sechs Monaten vor dem Ende des Rettungsprogramms, also in eine noch größere Krise stürzt (wenn das gefühlsmäßig überhaupt noch möglich ist???) oder vielleicht doch eine hoffnungsvollere Zukunft vor sich hat – keiner weiß es heute genau.

Die nächsten Tage und Wochen werden es zeigen!

Dienstag, 4. Juni 2013

Steuerzahlergedenktag



Die europaskeptische Politikstiftung New Direction Foundation, die im belgischen Brüssel ihren Sitz hat, hat ausgerechnet, das erst mit dem heutigen 04. Juni 2013, der Durchschnittsverdiener hier in Portugal, rein rechnerisch, aufhört Steuern und Sozialabgaben für die Staatskasse zu leisten.
Erst ab dem heutigen Tag, den man hier in Portugal den „Dia da Libertação de Impostos“ (dt.: „Steuerzahlergedenktag“ / engl.: „Tax Freedom Day“) nennt, fängt der durchschnittliche portugiesische Arbeitnehmer für die eigene Geldbörse zu arbeiten.

Errechnet wird dieser Tag von der New Direction Foundation für die 27 jeweiligen Mitgliedsstaaten der EU.
Diese Berechnung geht folgendermaßen:
Die gesamten jährlichen Steuereinnahmen eines jeweiligen Landes, in diesem Fall Portugal, werden einfach durch das gesamte Einkommen der arbeitsfähigen Bevölkerung geteilt.
Als Ergebnis erhält man den prozentualen Anteil der Steuern die in der Bevölkerung erhoben wurden, und die nun die durchschnittliche Steuerbelastung der gesamten Volkswirtschaft darstellen.
Diese Summe wird dann, um sie dann besser veranschaulichen zu können, in Tage ab Neujahr umgerechnet, und so kommt dann die New Direction Foundation für das Jahr 2013, für Portugal, mit einem Wert von 42,20% Gesamtsteuerabzüge auf den heutigen 04. Juni!

Im Vorjahr erreichten die Portugiesen den Steuerzahlergedenktag schon einen Tag vorher, nämlich am 03. Juni 2012.
Und im Jahre 2011 wurde dieser Tag bereits am 29. Mai 2011 erreicht.

Im Vergleich werden deutsche Arbeitnehmer dieses Jahr durchschnittlich etwa sechs Wochen länger für den Staat arbeiten müssen.
In Deutschland ist der Steuerzahlergedenktag erst am 13. Juli 2013 erreicht, da die Gesamtsteuerabzüge der Durchschnittsverdiener hier 52,99% betragen werden.

Rein rechnerisch müssen die Arbeitnehmer auf Zypern die kürzeste Zeit für den Staat arbeiten. Sie haben bereits am 14. März mit 19,97% Gesamtsteuerabzügen den Stichtag gehabt.
Dagegen müssen Arbeitsnehmer aus Belgien noch bis zum 08. August 2013, mit einem Durchschnittswert von 60,25% an Steuern, für die Staatskasse arbeiten.

Samstag, 13. April 2013

Einfach nicht zahlen?!?



Wir durchleben hier in Portugal, wie jeder weiß, sehr harte und schwierige Zeiten, und haben somit leider im Moment sehr wenig zu lachen.
Die Wut auf die skrupellosen Sparmaßnahmen von Premierminister Pedro Passos Coelho und seiner Regierung, die Unfähigkeit von Staatspräsident Anibal Cavaco Silva unparteiisch zu sein, und somit Präsident des ganzen Volkes zu sein, und nicht nur Präsident einiger Portugiesen, und die innenpolitischen Querelen der regierenden Mitte-Rechts-Koalition mit den linken Oppositionsparteien bringen den normalen Bürger hier eher zum weinen, als zum lachen!

Die Regierung ist hier in Portugal, dank der Unterstützung des Staatspräsidenten, im Augenblick politisch so machtvoll, weil die Opposition im Moment nichts und niemanden hat, der der Regierungskoalition legal gefährlich werden könnte.
Schaut man sich die Oppositionspolitiker der Sozialistischen Partei (port.: Partido Sacialista = PS), der Kommunisten (port.: Partido Comunista Português = PCP) und des Linken Blocks (port.: Bloco de Esquerda) an, und hört man ihren interessanten, aber größtenteils völlig unrealisierbaren, politischen Alternativausführungen zu, kann es einem recht bange werden.

So wie diese Woche, als der ehemalige sozialistische Premierminister Mario Soares, der zwischen 1986 und 1996 auch Präsident der Republik war, in einem Radiointerview mit dem Radiosender „Antena 1“, doch tatsächlich den Portugiesen riet, sich der Zahlung der Schulden, die das Land bei der Troika nun hat, einfach zu verweigern!

Wortwörtlich sagte er:

„Portugal wird nie seine Schulden bezahlen können, so sehr die Menschen sich auch anstrengen, so sehr man ihnen das Geld aus den Taschen ziehen wird und so sehr sich der Staat auch anstrengen mag, er wird niemals das bezahlen können was er schuldet. Wenn man nicht bezahlen kann, ist die einzige Lösung einfach nicht zu zahlen!“

(port.: „Portugal não pode nunca pagar aquilo que já deve e, por mais que se empobreça as pessoas, por mais que se roube o dinheiro às pessoas que o têm, por mais que faça, o Estado não é capaz de pagar aquilo que deve. Quando não se pode pagar, a única solução é não pagar!“)

Er gab als Beispiel für seine, wie ich meine, total unqualifizierte und sicherlich nicht überdachte Äußerung, die Argentinische Krise zur Jahrtausendwende an.
Damals, um das Jahr 2000 herum, geriet Argentinien in eine starke Rezession und das Finanzsystem des südamerikanischen Landes brach völlig zusammen. Das führte in Argentinien zu einer großen politischen Instabilität und die sozialen Folgen waren verheerend.

Argentinien hat bis heute den größten Teil der damals angehäuften Schulden an die Geberländer nicht zurückbezahlt, und scheint mit dieser Politik des „Nichtzurückzahlens“ Erfolg gehabt zu haben, denn heute steht das Land verhältnismäßig solide da.

Mario Soares, aufgrund dessen mutigen Kampfes gegen die Diktatur in Portugal sicherlich hier und da noch einige Sympathien entgegengebracht werden, von dem ich aber persönlich meine, dass seine politische Meinung maßlos überbewertet wird, dieser Mario Soares ist also der Meinung, Portugal sollte einfach die vereinbarten Abkommen mit der EU, der EZB und dem IWF nicht einhalten.
Dann würde sich das Problem schon von alleine lösen…

Gott bewahre uns vor einer Ausweitung der Sparwut von Premierminister Passos Coelho und seines Finanzministers Vitor Gaspar, die das Land immer weiter in den Abgrund stürzen.
Aber Gott bewahre uns auch vor solchen Politikern wie Mario Soares und seinen Parteifreunden, allen voran António José Seguro, die uns das Blaue vom Himmel versprechen und dann nichts einhalten werden können.
Die Sozialisten waren nämlich vor zwei Jahren noch selbst an der Macht, und haben die aktuelle Krise im Land mitzuverantworten, obwohl sie jetzt so tun, als ob sie eine weiße Weste hätten.

Die Mehrheit der Politiker hier, egal welcher Partei sie angehören, haben den meisten Portugiesen in den letzten Jahrzehnten vorgegaukelt, sie wären alle Bürger einer Erste-Welt-Nation.
Aber heute müssen viele im Land leidvoll realisieren, das sie hier am Rande Europas nichts weiter sind, als ein Land der Dritten Welt!

Sonntag, 7. April 2013

Schuld sind immer die Anderen



In einer mit Spannung erwarteten Erklärung hat sich heute am späten Nachmittag Premierminister Pedro Passos Coelho in einer Fernsehansprache an die Nation gewandt.
Nachdem das portugiesische Verfassungsgericht (port.: Tribunal Constitucional) am letzten Freitag, dem 05. April 2013, den diesjährigen Staatshaushalt 2013 aus verfassungswidrigen Gründen teilweise für illegal erklärte, sah sich der Regierungschef heute genötigt neue Sparauflagen anzukündigen.

Da ihm die 13 obersten Richter des Landes untersagt haben teilweise neue Steuererhöhungen zu realisieren, wird er, um das nun entstandene Haushaltsloch von über 1 Milliarde Euro zu stopfen, noch mehr Einschnitte bei den Staatsausgaben durchführen.
Diese Einschnitte sollen vor allem die internationalen Geldgeber des IWF, der EZB und der EU beruhigen und zufrieden stellen.

Premierminister Passos Coelho teilte wörtlich mit, dass das Urteil der Verfassungsrichter „ernsthafte Konsequenzen für das Land“ haben werde.
Er werde nun die Ausgaben, vor allem in den Bereichen Bildung, Gesundheitswesen und die sozialen Leistungen kürzen müssen.
Mit anderen Worten:
Er macht die Verfassungsrichter, die obersten Hüter der Verfassung, praktisch für seine fast schon manische Sparsucht verantwortlich!

„Ernsthafte Konsequenzen für das Land“ hat Passos Coelho uns heute prophetisch vorhergesagt.
Wir sind in den letzten zwei Jahren hier am Rande Europas so krisengeschüttelt worden, das kaum noch ein Portugiese diese Worte als Drohung wahrnimmt.
Viel mehr erschreckt es uns da, das ein Politiker sich über die Entscheidung eines hohen Gerichts so abwertend äußert und er dabei vergisst das Richter alleine dem Gesetz und ihrem Gewissen unterworfen sind und nicht der Politik!

Ratlosigkeit



Nachdem das portugiesische Verfassungsgericht (port.: Tribunal Constitucional de Portugal) am letzten Freitagabend, dem 05. April 2013, einige der geplanten Sparmaßnahmen der Regierung gekippt hat, muss Premierminister Pedro Passos Coelho nun neue Wege finden um das entstandene Loch von über 1 Milliarde Euro im diesjährigen Haushalt zu stopfen, will er das Rettungspaket, das 2011 mit der Troika ausgehandelt wurde, nicht gefährden.

Die 13 Richter der höchsten Rechtsinstanz in Portugal legten ihr Veto gegen vier Sparbeschlüsse im Haushalt 2013 ein, da ihrer Meinung nach diese nicht mit dem in der Verfassung verankerten Gleichheitsgrundsatz vereinbar waren.
So urteilten sie, dass die Annullierung des Urlaubsgeldes bei Staatsbeamten und Angestellten im öffentlichen Dienst, sowie eine Kürzung der Renten um 6,4 % nicht mit der portugiesischen Verfassung vereinbar seien. Ebenso sei eine geplante Steuereinführung auf das jetzt schon sehr niedrige Arbeitslosengeld nicht Verfassungskonform.

Das ist ein herber Rückschlag für den Premierminister!
Passos Coelho wird zwar sicherlich Mittel, Wege und Steuern finden um das jetzt entstandene Haushaltsdefizit auszugleichen, aber politisch ist die Entscheidung des Verfassungsgerichtes für ihn ein wahres Fiasko, denn er verliert immer mehr an Autorität!
Diese Autorität ist aber sehr wichtig, wenn er die nun bevorstehenden neuen Sparmaßnahmen durch das Parlament bringen will.
Und was noch viel schlimmer ist:
Portugal riskiert immer mehr, das Vertrauen der Geldgebertroika, bestehend aus der EU, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalem Währungsfond, zu verspielen!

Schon der vorjährige Haushalt 2012 von Passos Coelho, mit seinen extremen Steuererhöhungen und Sparmaßnahmen, war von den Richtern teilweise für verfassungswidrig erklärt worden.
Da aber der Premierminister sehr resistent gegen Kritik ist, hat er versucht im diesjährigen Haushalt noch härtere Sparbeschlüsse durchzubringen.
Das ist nun gewaltig in die Hose gegangen!

Am gestrigen Samstag hat er sein Kabinett zu einer eilig Krisensitzung einberufen, um mit seinen Ministern die schwierige aktuelle Lage zu erörtern und mögliche Alternativmaßnahmen für den Haushalt zu diskutieren.
Doch die stundenlangen Beratungen scheinen nicht sehr gefruchtet zu haben, denn den meisten Ministern seiner Mitte-Rechts-Koalition stand pure Ratlosigkeit in den Gesichtern geschrieben, als sie die Krisensitzung verließen.
Nach dem Zusammentreffen mit seinen Ministern hatte der Premierminister ein halbstündiges Gespräch mit seinem Parteifreund, Staatspräsident Anibal Cavaco Silva.
Dieser sprach sich gegen eine Ablösung der Regierung und Auflösung des Parlaments, und somit auch gegen eventuelle Neuwahlen aus.

Heute, am späten Sonntagnachmittag, will sich Premierminister Passos Coelho in einer Fernsehansprache an das Volk wenden.
Mal sehen was er uns zu sagen hat…

Samstag, 2. März 2013

Zum Teufel mit der Troika



Über 1,5 Millionen Portugiesen, in mehr als 40 Städten landesweit, sind am heutigen Samstag auf die Straße gegangen, um gegen die harte Sparpolitik der hiesigen Regierung und die daraus resultierende Verarmung der Bevölkerung zu protestieren.

Die Proteste richteten sich in erster Linie gegen die Sparauflagen, die die Troika von Europäischer Union (EU), Europäischer Zentralbank (EZB) und Weltwährungsfonds (IWF) der liberalkonservativen Regierung von Premierminister Pedro Passos Coelho in Lissabon auferlegt haben, als sie seinerseits dem Land 78 Milliarden Euro Finanzhilfe gewährten.

Portugals wirtschaftliche Situation ist momentan alles andere als rosig!
Wir stecken, trotz der ganzen drastischen Sozialkürzungen und Steuererhöhungen die uns aufgehalst werden, in einer absoluten Rezession.
Die Wirtschaft wird in diesem Jahr vermutlich um 2 % schrumpfen und die Arbeitslosenquote liegt mit 17,6 % so hoch wie noch nie!

Premierminister Passos Coelho gibt sich trotz der Kundgebungen ungerührt und er hat durch seinen Sprecher schon mitteilen lassen, dass für ihn eine Abkehr seiner Sparpolitik nicht in Frage kommt und das er auch den Rücktrittsforderungen der Demonstranten nicht nachgeben wird.

Die Demonstrationen, die von der überparteiischen Bürgerbewegung „Que se lixe a troika“ (dt.: „Zum Teufel mit der Troika“) organisiert wurden, verliefen überall ausnahmslos friedlich.
Nur in Porto musste die Polizei eingreifen und drei Demonstranten festnehmen, als diese eine Bankfiliale mit Graffiti beschmierten.

Derweil steigt die Wut unter der portugiesischen Bevölkerung immer mehr.
Die heutige Demonstration, die zu einer der größten Protestkundgebungen der vergangenen Jahrzehnte zählt, verlief mal wieder friedlich.
Aber ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Unmut über Steuererhöhungen, die extremen Kürzungen im Sozialwesen und das daraus resultierende wachsende Unwohlsein, auch hierzulande die Menschen wohl zu unüberlegten Handlungen bringen wird!

Ich hoffe, dass ich mich da irre!

Mittwoch, 27. Februar 2013

Trotz aller Umfragen: Ich fühle mich als Europäer!




Laut einer dieser Woche veröffentlichte Umfrage der Europäischen Union, die als Grundsatzfrage den positiven oder negativen Wert Europas für das persönliche Leben jedes einzelnen Bürgers der EU hatte, fühlen sich nur 59 % der Portugiesen als wahre Europäer.
Keine Ahnung ob sich die anderen 41 % meiner Landsleute eher als Asiaten, Afrikaner oder Australier fühlen – Fakt ist aber, das sich noch nie so wenige Portugiesen mit der EU identifizieren konnten.
Ich selber, der ich so viele Jahre im Ausland gelebt habe, fühle mich durch und durch als Europäer.

Für die, die genauso fühlen und denken wie ich, sind der freie Personen- und Warenaustausch zwischen den einzelnen Ländern der EU (27 %), der Frieden in Europa (12 %) und der, trotz aller aktuellen Schwierigkeiten, vorhandene soziale Frieden (10 %) die wichtigsten Argumente um an das politische Europa zu glauben.

Wir Portugiesen sind von Natur keine geborenen Europäer – weiß Gott nicht!
Zwar segeln wir seit Jahrhunderten in der Weltgeschichte herum und haben seit Generationen mit Menschen aller Hautfarben und Kulturen auf allen Kontinenten zu tun, aber erst seit wenigen Jahrzehnten lernen wir auch mit unseren direkten europäischen Nachbarn umzugehen.

So ist, statistisch gesehen, zurzeit nur jeder fünfte Portugiese (20 %) jemals im europäischen Ausland gewesen, und nur 28 % haben in ihrem Bekannten-, Kollegen- bzw. Freundeskreis eine Person aus einem EU-Land.
Nur 13 % haben jemals eine nichtportugiesische Zeitung oder Zeitschrift gelesen oder ein ausländisches Fernsehprogramm gesehen.

Aber das Ergebnis der Umfrage, die am meisten aufhorchen lässt ist, dass heute 14 % der Portugiesen mit Europa nichts mehr anfangen können, bzw. in der Institution der Europäischen Union für sich keinerlei Nutzen oder Zukunft mehr sehen.
Das sind Zahlen, die weit unter dem EU-Durchschnitt liegen!

Angesichts dieser Zahlen, die das Resultat einer schlechten Europapolitik und einem miserablen Management der Euro-Krise sind, müssen sich einige Politiker hier in Lissabon aber auch so mancher Europaabgeordneter in Brüssel, überlegen, ob sie die bisherige Europapolitik fortführen wollen und können.

Brüssel hat seinen Bürgern offene Grenzen, eine gemeinsame Währung und Handels- und Reisefreiheiten geschenkt, ihnen auch das allgemeine Gefühl von Wohlsstand vermittelt, aber es kläglich verpasst, seine Bürger für schwere Zeiten zu solidarisieren und zu motivieren!

Die bittere Lektion, die leider aus dieser Politik zu ziehen ist:
Brüssel hat seine Bürger zu richtigen Europagegnern gemacht!

Mittwoch, 8. Februar 2012

Von fehlgeleiteten Strukturfonds


Der Präsident der Autonomen Region Madeira (port.: Presidente da Região Autónoma da Madeira) Alberto João Jardim hat heute in einer Pressemitteilung verlautbaren lassen, er sei „empört“ und „schockiert“ über die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkels und die Ignoranz die sie, seiner Meinung nach, an den Tag legen würde!

Was treibt Alberto João Jardim zu solch einer Pressemitteilung und ist Frau Merkel wirklich ignorant?

Nun, Angela Merkel hatte sich gestern, bei einem Treffen mit Studenten der Bela Foundation in Berlin, negativ über die Verwendung der Europäischen Strukturfonds (port.: fundos estruturais europeus), die in den letzten Jahren auf der Insel Madeira verwendet wurden, geäußert.
Laut Merkel wurden diese milliardenschweren Fonds regelrecht verschwendet, indem sie, unter anderem, zu Unrecht für den Straßenbau der Insel verwendet wurden, anstatt diese z.B. in die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der kleineren und mittleren Unternehmen auf der Insel zu investieren.

Alberto João Jardim, der wie ein kleiner demokratisch gewählter Diktator die Insel seit 1976 regiert, kann von Natur aus nur sehr schwer mit Kritik umgehen.
Und wenn diese Kritik von einem ausländischen Regierungschef oder einer ausländischen Regierungschefin kommt, dann vergreift er sich auch mal gerne im Ton.
Dies bekommt nun auch die deutsche Bundeskanzlerin zu spüren. Aufgrund ihrer gestrigen Äußerungen vor den Studenten nannte er sie heute, ohne Skrupel, einfach „ignorant“!

Nun, Angela Merkel mag viele Fehler haben – wer hat sie nicht – aber in diesem Fall ist sie keineswegs ignorant gewesen, sondern, auch wenn dies dem Lokalpatrioten Alberto João Jardim nicht passt, einfach nur ehrlich.

Aber bei all ihrer Ehrlichkeit darf Frau Merkel einen ganz wichtigen Aspekt nicht vergessen:
Die Milliarden die auf Madeira ausgegeben wurden, wurden mit dem Wissen der EU, und somit auch Deutschlands, investiert.
Über Jahre hinweg hat die EU Unmengen von Geld nach Madeira transferiert, mit dem Wissen das dieses Geld für den Bau von Autobahnen, Brücken und Tunnels ausgegeben wurde.
Jeder europäische Regierungschef, auch die Bundeskanzlerin, wusste das, weil diese Bauten in aller Öffentlichkeit vollzogen wurden.

Jetzt so zu tun als ob man von diesen fehlgeleiteten Investitionen nichts gewusst hätte, ist von Seiten der EU und ihrer Politiker, auch von Frau Merkel, einfach nur scheinheilig!

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Letzte Ausfahrt: Generalstreik


Die Anzeichen verdichten sich, dass es im November hier in Portugal wohl zu einem Generalstreik kommen wird.
Wer die heutigen Bilder aus Griechenland gesehen hat, wie dort ein Generalstreik das öffentliche Leben vollkommen lahm gelegen hat, bekommt in etwa eine Vorstellung, was da auf uns zukommt.

Während die Regierung seit Anfang dieser Woche im Parlament versucht den Staatshaushalt für das kommende Jahr zu verabschieden, spitzt sich die Lage immer mehr zu.
Die Regierung von Premierminister Pedro Passos Coelho setzt jetzt schon enorme Sparmaßnahmen durch.
Nun plant sie für das kommende Jahr eine weitere Mehrwertsteuererhöhung, eine völlige Streichung des Weihnachts- und Urlaubsgeldes, eine Arbeitszeitverlängerung und sogar die Streichung einiger Feiertage.

Doch trotz all dieser laufenden und angestrebten Maßnahmen, musste die Regierung dieser Tage wieder einmal die Wachstumsprognose nach unten korrigieren.
Die Wirtschaft rutscht nämlich dramatisch ab.

Diese negative Wachstumsprognose bringt Premierminister Passos Coelho in eine immer größer werdende Zwickmühle.
Zwar hat er der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfond hoch und heilig zugesagt weiterhin eisern zu sparen.
Doch andererseits ist die Bevölkerung zunehmend unzufrieden, fühlt sich ungerecht behandelt und geht langsam aber sicher auf die Barrikaden.
Diese Unzufriedenheit wird wohl den befürchteten Generalstreik am kommenden 24. November nach sich ziehen!

Dienstag, 19. Juli 2011

Eurostat-Statistik 2011


Wie die europäische Agentur Eurostat, die für die offiziellen Statistiken innerhalb der EU zuständig ist, vor einigen Tagen veröffentlichte, leben in Portugal zurzeit etwa 457.000 ausländische Mitbürger.
Davon sind in etwa 25.000 deutsche Staatsbürger, die zumeist an der Algarve leben oder sich im Großraum Lissabon aufhalten.

Zum Vergleich:
in Deutschland leben und arbeiten an die 120.000 Portugiesen, die vor allem in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen leben.

Insgesamt machen die ganzen Ausländer die hier leben, 4,3 % der aktuellen portugiesischen Gesamtbevölkerung aus.

Laut Eurostat, stammen von den ca. 457.000 Ausländern, ca. 94.000 aus den Staaten der Europäischen Union (port.: União Europeia) und ca. 353.000 aus Nicht-EU-Ländern (port.: países extracomunitários).

Glaubt man der Statistik, leben im Augenblick ca. 32,5 Millionen Ausländer aus Nicht-EU-Ländern in der Gemeinschaft.
Das sind 6,5 % der gesamten Bürger der EU.

Montag, 13. Juni 2011

Begehrte Staatsbürgerschaft


Wie jetzt durch einen Bericht von Eurostat, dem offiziellen Statistikamt der Europäischen Union (port.: União Europeia) bekannt wurde, war Portugal im Jahre 2009, das Jahr aus dem die letzten Zahlen stammen, das Mitgliedsland der EU, das prozentual die meisten Ausländer eingebürgert hat.

Laut Eurostat bekamen von den 776.000 Nicht-EU-Bürgern, denen ein Mitgliedstaat der Union eine Staatsbürgerschaft angeboten hat, 25.600 die portugiesische Staatsangehörigkeit.

Die Daten des Statistikamtes der EU, die dieses Wochenende in Brüssel (port.: Bruxelas) bekannt gegeben wurden, besagen das die portugiesische Nationalität vor allen an Bürger aus den Kapverdischen Inseln (4.966), Brasilien (3.712), Moldawien (2.739) und Guinea-Bissau (2.150) vergeben wurden.
Im Jahr zuvor waren lediglich 22.400 portugiesische Staatsbürgerschaften ausgegeben worden.
Die restlichen 12.033 Staatsbürgerschaften vergab der portugiesische Staat an die Bürger von insgesamt 67 anderen Nationen.

Dagegen war Luxemburg das Land in der EU, welches die meisten nationalen Staatsbürgerschaften an Portugiesen vergab.
An die 4.000 Portugiesen erhielten die Nationalität des kleinen Großherzogtums im Herzen Europas.

Freitag, 20. Mai 2011

Von Klischees und Populismus


Nun haben wir es hier in Portugal gewissermaßen amtlich, von höchster deutscher Stelle sozusagen, wer für die Euro-Krise in der EU verantwortlich ist:
Laut deutschem Bundeskanzleramt, sind wir faulen Südländer es nämlich selber, die viel zu viel Urlaub bekommen und vor allem viel zu früh in Rente gehen, während die arbeitsfreudigen Deutschen für halb Europa schuften, Rettungsschirme finanzieren und erst viel später in Rente gehen als wir.

Man könnte meinen, so aus ganz hohem berufenem Mund, nämlich aus dem der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, könnte das wirklich stimmen.
Aber es handelt sich bei den Worten von Merkel nur um populistisches und unangemessenes Gerede.

Auf einer CDU-Veranstaltung, im nordrhein-westfälischen Meschede, hatte nämlich die deutsche Bundeskanzlerin diese Woche doch tatsächlich über uns Südländer im Allgemeinen behauptet (und hier zitiere ich Frau Merkel wortwörtlich):

- „Natürlich wollen wir den Euro und natürlich wollen wir nicht, dass einer sozusagen Pleite macht und dann wir alle mitgezogen werden“.

- „Wir können nicht einfach solidarisch sein, und sagen, diese Länder sollen mal einfach so weitermachen wie bisher“.

- „Ja, Deutschland hilft, aber Deutschland hilft nur dann, wenn sich die anderen anstrengen. Und das muss nachgewiesen werden.“

Aber damit nicht genug!
Der Bundeskanzlerin sind auch die frühen Renten-Einstiegsalter sowie die angeblich vielen Urlaubstage in Portugal und Spanien ein Dorn im Auge.
Zu diesem Thema meinte sie:

- „Es geht auch darum, dass man in Ländern wie Griechenland, Spanien, Portugal nicht früher in Rente gehen kann als in Deutschland, sondern dass alle sich auch ein wenig gleich anstrengen - das ist wichtig.“

Vor dem Hintergrund der Heraufsetzung des Rentenalters in Deutschland auf 67 Jahre und nur 20 Tagen gesetzlichen Mindesturlaub, sagte Merkel:

- „Wir können nicht eine Währung haben und der eine kriegt ganz viel Urlaub und der andere ganz wenig. Das geht auf Dauer auch nicht zusammen.“

So schwer attackiert und kritisiert zu werden, tut mir als Portugiesen weh!
Als fauler und betrügerischer Bürger der EU dargestellt zu werden ist für mich in höchstem Maße unerträglich, zumal die Wahrheit ganz anders aussieht!

Ich habe mir mal die Mühe gemacht (vielleicht hätte sich die deutsche Bundeskanzlerin auch diese Mühe machen sollen!) und im Internet einen Statistikbericht der OECD zu diesem Thema gesucht und auch gefunden.
Dieser Bericht ist sehr aktuell, denn er ist erst knappe zwei Monate alt, nämlich vom 17. März 2011!
In ihm wird, unter anderem, das Rentenalter in Frankreich mit durchschnittlich 62 Jahren angegeben, in Deutschland mit durchschnittlich 62,2 Jahren und für Portugal wird das Rentenalter mit durchschnittlich 65 Jahren angegeben!

So arbeiten die Deutschen im Jahr durchschnittlich 1390 Stunden, die Spanier durchschnittlich 1654 Stunden, wir Portugiesen bringen es auf jährlich durchschnittlich 1710 Stunden und die Griechen
Arbeiten durchschnittlich sogar 2119 Stunden jährlich.
Die meisten Portugiesen müssen hier in der Zwischenzeit sogar einem Zweitjob nachgehen, arbeiten 18 Stunden am Tag und das sechs Tage die Woche, und viele erwägen nun, angesichts der schweren wirtschaftlichen Lage in der wir uns befinden, sogar einem Drittjob nachzugehen.
Es wird also bei uns im Süden nicht weniger gearbeitet, sondern einfach weniger produziert!

Das Sparprogramm, das die portugiesische Regierung ihrer Bevölkerung in den nächsten Jahren zumuten wird, ist beispiellos.
Und nicht der Normalbürger ist an der finanziellen Misere schuld, sondern die habgierigen Banken und die korrupten, verschwenderischen Politiker, die uns regieren!

Auch was den Urlaub angeht, geht die Rechnung von Angela Merkel nicht auf.
Laut dem Statistikbericht der OECD haben in Deutschland z.B. Angestellte (dem Lebensalter entsprechend) und z.B. Arbeiter in der Autoindustrie bis zu sechs Wochen Urlaub, und das bei einer 35-Stunden-Woche.
Wir hier in Portugal können maximal von drei bis vier Wochen Jahresurlaub träumen, und arbeiten dafür durchschnittlich mindestens 40 Stunden die Woche.
Nicht umsonst werden die Deutschen „Urlaubsweltmeister“ genannt!

Diese populistischen und absurden Verallgemeinerungen der Kanzlerin, die sie diese Woche wieder einmal vom Stapel losgelassen hat, sind also äußerst verdreht dargestellt und falsch.

Es ist schon wahr, das die Griechen mit ihren – zugegebenen – Problemen uns langsam aber sicher gegen die Wand fahren.
Aber die Situation in Griechenland mit der in Portugal oder Spanien zu vergleichen zeugt von blamablen politischen Kenntnissen seitens der Bundeskanzlerin.

Aber diese Äußerungen der deutschen Bundeskanzlerin sind nicht
nur blamabel, sondern meiner Meinung nach, auch äußerst besorgniserregend, denn sie strotzen nur so vor Vorurteilen und Klischees.

Die wirtschaftlichen Probleme einzelner EU-Länder waren VOR der Wirtschaftskrise und VOR dem Beitritt einiger Staaten bekannt.
Die Bundeskanzlerin, und vor allem ihr Ziehvater Helmut Kohl, hätten damals intervenieren können.
Jetzt ist es zu spät!

Frau Merkel, deren Aufgabe es ist „Schaden vom Deutschen Volke abzuwenden“, hat sich selber mit ihren Bemerkungen diese Woche keinen Gefallen.
Im Gegenteil, sie hat allen bewiesen, das Dummheit ein wahrlich nachwachsender Rohstoff ist…

Freitag, 13. Mai 2011

Deutscher Bundestag stimmt über Milliardenhilfen für Portugal ab


Der Deutsche Bundestag hat gestern über die geplanten Milliardenhilfen für Portugal abgestimmt.
Die Abgeordneten der CDU/FDP-Regierungskoalition, der SPD und der Grünen sprachen sich für die geplanten EU-Hilfsgelder für Portugal in einer Höhe von 78 Mrd. Euro aus.
Als einzige Partei votierten die deutschen Linken gegen das geforderte Hilfspaket.
Diese Abstimmung im Deutschen Bundestag war gesetzlich nicht bindend!
Aber gerade weil nicht bindend, hat die positive deutsche Wahl für die Hilfe an Portugal, für die anderen EU-Mitgliedsstaaten, eine wegweisende Wirkung.

Wenn sich am kommenden Montag, dem 16. Mai 2011, die EU-Länder in Brüssel treffen, um das Hilfspaket für Portugal zu schnüren, werden alle Länder der EU, einschließlich der Finnen, die ja bis zuletzt gezaudert haben, sich für die finanzielle Hilfe an Portugal entscheiden.
Dies ist insofern wichtig, als das nur eine von allen Mitgliedsstaaten einstimmig erzielte Votierung, zählt!

Natürlich ist es für die Länder Europas nicht leicht mal so 78 Mrd. Euro locker zu machen.
Aber es ist auch nicht leicht um diese 78 Mrd. Euro zu betteln.

Es kommen harte und unsoziale Sparauflagen auf uns Portugiesen zu und im Verhältnis dazu, werden die Steuereinnahmen gering sein.
Aber es geht jetzt um die nachhaltige Sanierung und dauerhafte Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit Portugals. Die portugiesische Regierung, egal welcher Partei sie zukünftig angehören wird, und die Mehrheit der Portugiesen, da bin ich mir absolut sicher, werden ihre „Hausaufgaben“ machen.

Donnerstag, 5. Mai 2011

Rettungspaket für Portugal unter Dach und Fach


Nachdem die Portugiesische sozialistische Minderheitsregierung von José Socrates und die beiden größten Oppositionsparteien PSD und CDS das Rettungsprogramm der EU (dt.: Europäischen Union / port.: União Europeia) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) (port.: Fundo Monetario Internacional (FMI)) abgesegnet haben, haben nun auch diese den erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen über das Hilfspaket für Portugal bestätigt.

Beide Seiten sind sich darüber einig, dass das Programm die Grundlangen für die Stärkung der portugiesischen Wirtschaft legen wird.
Von den 78 Milliarden Euro des Rettungspakets entfallen 52 Milliarden Euro auf die EU und 26 Milliarden Euro auf den IWF.

Zugegeben, eine Menge Holz, bzw. Geld, wenn man bedenkt das man nur ungern an das Wort „Union“ in der Europäischen Union, in solchen schweren wirtschaftlichen Situationen, erinnert wird.

Viele EU-Länder, allen voran Deutschland und Finnland, geben daher zu bedenken Portugal soll die Verwertung seiner hohen Goldreserven, immerhin die viertgrößten der Welt, in Erwägung ziehen.
Sie sind der Meinung, das Portugal in Haftung genommen werden muss, bevor andere Nationen zur Rechenschaft gezogen werden können, bedenken aber dabei nicht, das der Euro eine „europäische Währungseinheit“ ist, und keine „Landeswährung“!

Solche Forderungen kann ich sehr klar nachvollziehen, sie aber keineswegs akzeptieren.
Schließlich hätten sich die Gründungsväter des Euro, allen voran ein gewisser Helmut Kohl, mehr Gedanken über solche Fälle machen müssen.

Es obliegt nicht mir, einem einfachen Steuerzahler aus Portugal, für den politischen Traum eines anderen gerade zu stehen.
Hätte man mich bei der Einführung des Euro befragt, ich hätte niemals solch einer unsicheren Währung beigestimmt.

Aber wie so oft im Leben, wird der kleine Mann auf der Straße ja nicht gefragt!
Vielleicht weil seine Meinung irgendeinem europäischen Traum im Wege steht?...

Mittwoch, 2. März 2011

Dokumentierte Geschichte in der Torre do Tombo






In meinem post „Torre do Tombo“ schreibe ich über das älteste Schriftstück welches in dem Nationalarchiv der Torre do Tombo (port.: Arquivo Nacional da Torre do Tombo) lagert, nämlich eine Urkunde aus dem Jahre 882, in der ein lusitanischer Kaufmann den damaligen Kalifen von Córdoba, zu dem das heutige Gebiet Portugals gehörte, um Erlaubnis bittet, in dem kleinen Ort Lardosa bei Penafiel, eine katholische Kirche errichten zu dürfen.
Dieser Bitte wurde auch entsprochen, und so stand wenige Zeit später in Lardosa die älteste Kirche auf lusitanischem Boden, und das zur Maurenzeit!

Weitere wertvolle Dokumente, Urkunde und Akten die im Nationalarchiv lagern, sind unter anderem:

- die päpstliche Bulle „Manifestis probatum“, die vom 23. Mai 1179 datiert ist, und in der Papst Alexander III (port.: Alexandre III) dem portugiesischen König Afonso Henriques die Unabhängigkeit Portugals „Für immer und unwiderruflich“ anerkennt und bestätigt.

- Der Vertrag von Tordesilhas (port.: Tratado de Tordesilhas / esp.: Tratado de Tordesillas), der am 07. Juni 1494 zwischen Portugal und Spanien abgeschlossen wurde, und in dem die damalige „noch zu entdeckende Welt“ in eine portugiesische und eine spanische Hälfte aufgeteilt wurde

- Der Beitrittsvertrag Portugals in die EU, aus dem Jahre 1985

- Die Originale der Lissabonner Verträge (port.: Tratado de Lisboa)

- Briefe verschiedener Könige an Seefahrer, wie Vasco da Gama, Diogo Cão, Bartolomeo Dias, Tristan da Cunha, Pedro Álvares Cabral, und viele mehr, die es ihnen erlaubten „neue Welten für die Welt zu entdecken“ und diese für die portugiesische Krone in Besitz zu nehmen

- Unzählige Prozessakten aus den Zeiten der Inquisition aber auch Akten aus der Zeit der Salazar-Diktatur

Da viele der Originalakten, -urkunden und -dokumente in der Zwischenzeit digitalisiert oder auf Mikrofilm festgehalten sind, können viele dieser einzigartigen Schätze von jedem Besucher des Nationalarchivs bewundert und bestaunt werden.

Ich empfehle jedem, der einmal in der Nähe des Campus von Lissabon etwas zu erledigen hat, einmal im Torre do Tombo vorbeizuschauen, und sich die vielen geschichtlich wertvollen Schätze anzuschauen.
Sie werden einem für immer positiv im Gedächtnis bleiben!

Dienstag, 22. Februar 2011

Der Pleitegeier mag wohl über Portugal seine Kreise drehen…


Die Finanzminister der G20 Länder trafen sich an diesem Wochenende in Paris, um sich auf Kriterien zu einigen, mit denen künftig das Ungleichgewicht zwischen den einzelnen Wirtschaftszonen, und hier vor allem das zwischen der EU, den USA und China, vermindert werden kann.

Am Rande dieses Treffens wurde zwischen den EU-Finanzministern zum wiederholten Male besprochen, ob Portugal baldmöglichst unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen soll, welches seit kurzem besteht.
Vor allem Deutschland und Frankreich wollen Portugal zu solch einem Schritt drängen, obwohl der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble und seine französische Amtskollegin Christine Lagarde vehement bestreiten, Druck ausüben zu wollen.
Zwar kann das finanziell angeschlagene Portugal bald nicht mehr Kredite am Kapitalmarkt aufnehmen, so befürchten Deutschland und Frankreich, aber von einem Zwang oder gar einer Bevormundung Portugals kann keine Rede sein.

Es ist schon ein Alarmsignal, das Portugal erst vor zwei Wochen beim Verkauf von Staatsanleihen 3,69 % Zinsen für eine halbjährige Laufzeit bieten musste, während am selben Tag Deutschland eine Anleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren für 2,87 % auf den Markt brachte.
Man möchte Portugal zu nichts zwingen, aber man wolle Portugal, so Schäuble wörtlich, „sehr wohl raten und helfen größeren wirtschaftlichen Schaden zu vermeiden“.
Im Grunde genommen möchten Schäuble und Lagarde nur verhindern, dass die finanzielle Krise sich auf weitere Länder, wie etwa Spanien oder Belgien, ausbreitet.

Aber beide Länder wissen auch dass es mit Portugal nicht so einfach sein wird wie mit Griechenland und Irland, welche auf Druck der anderen EU-Mitgliedsländer und der Europäischen Zentralbank den Hilfszahlungen schließlich zustimmen mussten.
Der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank ist ein Portugiese, ebenso der EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso.
Und die Bevölkerung in Portugal widersetzt sich ohnehin der Idee von Unterstützungszahlungen des Euro-Rettungsschirms, weil sie genau weiß, das die Sparauflagen die sie dann zu erwarten hätten, schmerzlicher wären, als die, die sie jetzt schon von der portugiesischen Regierung zu ertragen haben.

Der Pleitegeier mag wohl über Portugal seine Kreise drehen.
Es wird ihm aber schwer fallen, hier ein weiches Nest zu finden.

Mittwoch, 2. Juni 2010

Zum 1. Geburtstag von Planet Portugal


Man nehme ein halbes Pfund der schönsten Strände Europas, ein halbes Pfund weiter Ebenen mit Korkeichen- und Pinienwäldern, und zwei Teelöffel einer Kapitale mit alter Weltstadtatmosphäre.
Das Ganze in einem dreiviertel der besten süßen und roten Weine der Welt langsam quellen lassen und dann reichlich Kulturgewürz hinzugeben.
Je nach Geschmack ein paar Spritzer politisches Bittermandel-Essenz und eine Messerspitze Saudade.
Das Ganze gut durchrühren und auf der von der EU verordneten Sparflamme langsam gar kochen lassen.
Das fertige Gericht garniere man mit locker geschlagenem Optimismus und einer Prise Humor…

Sieht es wirklich so aus, mein Portugal?
Sicherlich, die Zutaten stimmen schon.
Und es gibt noch eine Menge anderer die Appetit machen.
Doch „kochen“ muss sich jeder, so glaube ich, Portugal schon selber.

Als ich vor genau einem Jahr, am 03. Juni 2009, anfing „Planet Portugal“ zu schreiben, wollte ich jedem der Interesse an meinem Heimatland hat, „Rezepte anbieten“, wollte jedem zeigen, was es hier im Land der Entdecker zu entdecken gibt.

Alleine die geschichtlichen und kulturellen Angebote meines Heimatlandes sind so umfangreich, dass auch der längste Urlaub nicht ausreicht, alles zu sehen und zu hören.
Die Gastronomie bietet Vielfältiges für jeden Gaumen und jeden Geldbeutel: von der einfachen „Bifana“ im Stehcafé an der Ecke, über den „Pastel de Nata“ in Belém bis zum Diner im Salon des Ritz-Hotels in Lissabon.
Das Nachtleben, die Feste und regionalen Feierlichkeiten sind auch nicht ohne und die vielen Strände und die historischen Städte alle Mal einen Ausflug wert.

Mir wurde einmal gesagt ich würde sehr kreativ und informativ über Portugal und seine Geschichte, seinen Alltag, seine Bürger, seine Politik und seine Gefühle in diesem Blog schreiben.

Aber diese Kreativität war mir nur möglich, weil ich den Lesern von „Planet Portugal“ immer mit „offenen Augen“ begegnete.
Ihre und Eure Anregungen und vor allem der vorgebrachte Lob, aber auch die Kritik, haben mich immer bestärkt weiter zu schreiben.
Deshalb möchte ich Sie und Euch einladen, mir auch in Zukunft Anregungen, Ideen und Empfehlungen zukommen zu lassen.

Hier in Portugal ist manches anders als anderswo – im Positiven wie im Negativen.
Es zu entdecken lohnt sich alle mal.
Ich hoffe „Planet Portugal“ ist meinen Lesern eine Hilfe dabei.

Danke für Ihre und Eure wunderbare Unterstützung in den letzten zwölf Monaten

Ângelo Paulo

Dienstag, 18. Mai 2010

Die Last mit dem Euro


In dem Moment in dem sich der Präsident der Europäischen Zentralbank (port.: Banco Central Europeu), Jean-Claude Trichet, vor den Kameras der Welt hinsetzt, und mit betretenem Gesichtsausdruck uns allen mitteilt, das wir hier in Europa im Augenblick die schwierigste wirtschaftliche Situation seit dem Zweiten Weltkrieg durchleben (als ob wir das nicht schon wüsten!...), versammeln sich die Griechen in den Straßen Athens wieder zum demonstrieren, oder was auch immer sie unter „demonstrieren“ verstehen.
Einer der vermummten Demonstranten hielt ein Plakat auf dem stand: „Portugal and Spain are debtors, too“ (eng.: debtor / dt.: Schuldner).

Nun, die Tatsache das die Helenen jetzt einen Streik nach dem anderen organisieren und andere Nationen für ihre Misswirtschaft verantwortlich machen wollen, zeigt das sie leider noch nicht verstanden haben, dass sie keine andere Wahl haben als die bittere Pille der Lohn- und Rentenkürzung, Steuererhöhung und Staatsverschuldung zu schlucken, die ihnen nun von der EU verabreicht wurde.
Es bleibt ihnen gar nichts anderes übrig als diese einzunehmen, wenn sie weiterhin Mitglied im „Club Euro“ bleiben wollen.
Denn es geht hier nicht mehr um Griechenland, oder Portugal, oder Spanien.
Nein, hier geht es um die „Gemeinschaft“!
Es ist unser aller Euro welches hier zur Disposition steht, und nicht die griechische Drachme, der portugiesische Escudo oder die spanische Pesete.

Aber auch die Geberländer der EU, wie Deutschland, müssen bedenken das nicht die einfachen Griechen Schuld an dieser Misere haben, sondern deren Regierungen.
Schließlich waren es die einzelnen griechischen Regierungen die die Korruptionen stillschweigend, ja sogar fördernd, über Jahrzehnte hinweg hinnahmen, und die nichts, aber überhaupt nichts, gegen die strukturellen Probleme der Pensionskassen, des Gesundheitssystems, der größenwahnsinnigen Staatsverwaltung usw. unternahmen.
Wie kann es z.B. möglich sein, das es in einem Land mit etwa 10 Millionen Bürgern, es über 1,5 Millionen Staatsbedienstete gibt?

Als es um den Eintritt Griechenlands in die Euro-Zone ging, da hat die griechische Regierung gefälschte Bilanzen abgeliefert und falsche Statistiken vorgebracht.
In der normalen Welt gilt das durchaus als kriminell.
In Hellas scheint das aber über Jahrzehnte hinweg normal gewesen zu sein.
Und es scheint so normal gewesen zu sein, das die anderen Länder Europas, auch Deutschland und Portugal, diese Bilanzfälschungen einfach so hinnahmen und nicht nachforschten.

Aber sie hätten nachforschen können.
Ja, sie hätten nachforschen müssen!
Daher sollten die, die sich jetzt über eine finanzielle Spritze an Griechenland, und wer weiß, in naher Zukunft auch an Portugal, künstlich aufregen, einfach mal an die eigene Nase greifen und den erhobenen moralischen Zeigefinger in Richtung Brüssel zeigen.

Und ihr Griechen solltet endlich aufhören, Straßen zu barrikadieren, Autos anzuzünden, Banken und Geschäfte auszuplündern und wehrlose Menschen umzubringen, und das alles unter dem Deckmantel des „Demonstrierens“!
Das was ihr nämlich in Griechenland augenblicklich macht ist nicht demonstrieren, sondern vandalisieren.
Beißt endlich in den sauren Apfel, erfüllt eure Pflicht und zahlt eure Schulden ab.
Wir Portugiesen werden euch, wohl oder übel, dabei leider bald Gesellschaft leisten müssen!
Aber nicht weil wir Bilanzen gefälscht haben und andere Regierungen betrogen haben, sondern weil wir einfach über eine Zeit lang illusorisch über unsere Verhältnisse gelebt haben.

Das ist der einzige Vorwurf den man uns machen kann: wir haben geträumt, wir wären finanziell in der Ersten Welt!

Donnerstag, 10. September 2009

Wo bleibt da die Gerechtigkeit?


Als ich gestern Mittag in die Apotheke gegangen bin, um meine Medikamente zu kaufen, wurde ich ungewollt Zeuge eines Vorfalls, der mir bis dato nicht bewusst war.

Vor mir an der Reihe, war ein Mann der aussah als ob er um die 40 Jahre alt wäre, aber bei genauerem Hinschauen sicherlich erst so um die 25 oder 28 Jahre alt war.
Er bat den Apotheker, den ich persönlich kenne, um zwei Spritzen, und der Apotheker gab sie ihm ohne viele Worte.
Ohne Bezahlung verließ der Junkie darauf hin die Apotheke.

Als ich an der Reihe war, kam ich mit dem Apotheker ins Gespräch und fragte ihn, ob er an diesem Tag die Spendierhosen anhätte, denn laut aushängender Preisliste kostet eine Spritze 1 Euro.

Daraufhin antwortete er mir, mit einer gewissen Resignation in der Stimme:

„Für Dich, mein Freund, kostet die Spritze 1 Euro das Stück.
Für Drogenabhängige sind diese aber umsonst; denn Vater Staat bezahlt sie!“

Ich wusste zwar, dass in den hiesigen Gefängnissen kostenlos Spritzen an die Häftlinge verteilt werden (obwohl Drogen offiziell in den Gefängnissen verboten sind!), aber mir war unbekannt, das in einer öffentlichen Apotheke, wo jeder normale Bürger, Rentner oder Arbeitslose für seine Spritzen bezahlen muss, Junkies diese kostenlos erhalten.

Ich weiß zwar nicht, wie das ganze in Deutschland aussieht (ich werde bei Gelegenheit mal Carla fragen), aber da wir hier in einem Land der Europäischen Union leben, frage ich mich ernsthaft, wo in diesem Fall die EU und ihre so berühmtberüchtigten Verordnungen und Gesetze bleiben.
Denn eine Institution, die die genaue Krümmung einer Banane festlegt und die Menge der Rosinen in einem Christstollen vorschreibt, die sollte doch eine Gleichheit zwischen einem Rentner und einem Junkie herstellen können - jedenfalls was das Bezahlen von Spritzen angeht.

Ich möchte nicht missverstanden werden:
Ich habe nichts dagegen das Spritzen in einer Apotheke kostenlos verteilt werden.
Aber dann bitte, an Alle!

Dienstag, 21. Juli 2009

Wenn Gänseleberpastete fast zu einem Politikum wird


Fernanda Cância, die Freundin des Prämierministers José Socrates, hat Rückrat in Sachen Tierschutz bewiesen.

Eigentlich muss Fernanda Cância nichts beweisen, denn alleine schon die Tatsache, das sie sich als Freundin des Prämierministers im katholisch-konservativen Portugal öffentlich mit ihm zeigt, und Beide zu ihrer Liebe stehen, ist äußerst bemerkenswert.
Viele Politiker hier in Portugal würden nämlich ihre Freundinnen verstecken, und weiterhin ihre zerrüttete Ehe führen.

Während eines Empfangs der Botschafter der EU-Mitgliedsländer in der Residência de São Bento, dem offiziellen Amts- und Wohnsitz des Prämierministers, verschmähte Fernanda Cância, vor laufenden Kameras, vehement die Häppchen mit Foie gras (Gänseleberpastete) die ihr angeboten wurden.

Diese Speise wird von der zuweilen radikal agierenden Tierschutzorganisation PETA als verdammenswert eingestuft: Die zum Verzehr ausgewählten Gänse werden so lange zwangsgefüttert, bis sie regelrecht platzen, und das nur um eine Stopfleber zu bekommen.

Fernanda Câncio Nahrungsverweigerung, die sowohl im Kreise der Banketteilnehmer als auch vielen Fernsehzuschauern nicht unbemerkt blieb, verdiene Respekt, so PETA heute in der portugiesischen Presse.
Die Freundin des Prämierministers, deren große Tierliebe bekannt ist, will die Angelegenheit nicht zu einem Politikum gemacht wissen.
Vielleicht weil sie selber Journalistin ist, und so selber sehr gut weiß, wie manchmal diese Sachen richtig ausufern können.

Der Sekretär des Prämierministers ließ auf Anfrage wissen, dass Gänseleberpastete schlicht eine Sache sei, die Fernanda Câncio nicht esse!