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Freitag, 11. Februar 2011

Aristides de Sousa Mendes im Holocaust Memorial and Tolerance Center


Am letzten Sonntag wurde im „Holocaust Memorial and Tolerance Center” auf Long Island, im Bundesstaat New York (port.: Nova Iorque), eine Ausstellung zu ehren von Aristides de Sousa Mendes, in Anwesenheit seines Enkels António de Sousa Mendes und zahlreicher Nachfolger der durch Sousa Mendes während des 2. Weltkrieges geretteten Juden, eröffnet.

Als Generalkonsul von Portugal in der Südfranzösischen Stadt Bordeaux (port.: Bordéus) hat Sousa Mendes, damals im Jahre 1940, über 30.000 Menschen das Leben gerettet, in dem er sich einer persönlichen Anweisung des Diktators António de Oliveira Salazar widersetzte, und den Flüchtlingen, die vor Nazideutschland flohen, anstandslos Visa ausstellte, obwohl ihm das verboten war.

Noch vor ihrer Öffnung hat die Ausstellung den Ruf die „beste und ausführlichste“ zu sein, die es jemals über den portugiesischen Diplomaten gegeben hat.
Nur wenige Tage nach der Eröffnung, und nach dem riesigen Besucheransturm auf die Ausstellung, scheint sich dieser Ruf zu bestätigen.

Bis zum 26. März wird die Ausstellung im „Holocaust Memorial and Tolerance Center“ zu besichtigen sein.
Und wer nicht mal kurz nach New York reisen kann, um sich die Ausstellung anzuschauen, der wird die Möglichkeit haben, diese später hier in Europa zu besuchen.
Noch in diesem Jahr wird es möglich sein, die Ausstellung hier in Lissabon zu besichtigen.

Samstag, 24. April 2010

Nelkenrevolution



Wir schreiben das Jahr 1974.
Am frühen Morgen des 25. April, kurz nach Mitternacht, erklingt im portugiesischen Radiosender „Rádio Renascença“ das von der Diktatur bis dahin zensierte Lied „Grândola, Vila Morena“, des Sängers José Afonso.

Dieses einfache, aber vom Text her sehr ausdruckreiche Lied, ist das Startsignal für einen minutiös geplanten Aufstand, der Portugal von seiner damals verhassten faschistischen Diktatur befreien, und als die Nelkenrevolution (port.: Revolução dos Cravos) in die Geschichte eingehen wird.
Über 48 Jahre hinweg hatten die Diktatoren António de Oliveira Salazar und Marcelo Caetano mit strenger Hand über das Land und die Kolonien geherrscht.
Diese Herrschaft endete nun am 25. April, mit besagter unblutigen Nelkenrevolution.

April ist die Zeit der Nelken.
An diesem 25. April wird diese unscheinbare Blume, die ich abschätzig „Friedhofskraut“ nenne, weil ich einfach keine Nelken mag, zum Symbol der friedlichen Revolution.
Inspiriert von der „flower power“ schmückten damals die Studenten und die Arbeiter, die Hausfrauen und selbst Kinder, die Panzer mit den Nelken und stecken sie in die Gewehrläufe der Soldaten.

Als am späten Nachmittag über das Radio die Nachricht verbreitet wurde, das der Diktator Marcelo Caetano sich der MFA (port.: Movimento das Forças Armadas / dt.: Bewegung der Streitkräfte) ergeben und die Macht an General António Sebastião Ribeiro de Spinola übergeben hatte, setzt ein stundenlanger Hupkonzert ein und lockte auch die letzten Zweifler aus ihren Häusern zum Rossio und in die Baixa.
Von diesem Hupkonzert hat mir meine Großmutter Sara später noch oft erzählt.

Ich selber, der ich zu dieser Zeit schon mit meinen Eltern und meiner Schwester in Deutschland lebte, erlebte diesen Morgen in der Wilhelm-Busch-Grundschule in Arheilgen.
Ich weiß noch, als ob es erst gestern gewesen wäre, wie damals meine Grundschullehrerin Frau Koppe auf dem Schulhof auf mich zukam, und mich fragte wie es mir gehen würde, und ob ich wüsste wie es meiner Familie gehen würde.
Als achtjähriges Kind hatte ich damals keine Ahnung von Politik, und auch keine Ahnung was meine Lehrerin eigentlich von mir wollte und erst recht wusste ich nicht, was sich in diesen Stunden in meinem Heimatland abspielte.
Aber selbst als kleines Kind begriff ich, es musste etwas „weltbewegendes“ passiert sein in dem Land das ich damals unter Protest verlassen hatte und welches meine Eltern Portugal nannten.

Für mich als Kind änderte sich damals nichts im Leben.
Aber heute, 36 Jahre später, weiß ich sehr wohl, das an diesem Tag, Werte wie die Meinungsfreiheit, die Versammlungsfreiheit und die Gleichberechtigung in Portugal, ihre Geburtsstunde hatten.

Dennoch gibt es noch heute einige die sich die „Diktatur der Ordnung“ zurückwünschen. Man kann zu den Diktatoren Salazar und Caetano stehen wie man will.
Aber eines muss auch diesen ewig Gestrigen klar sein:
Unter einer faschistischen Diktatur, wie es sie fast 50 Jahre lang in Portugal gegeben hat, wären die Gedanken niemals frei und Portugal nichts weiter als ein riesiges Gefängnis!

Donnerstag, 14. Januar 2010

Jardim Botânico Tropical: Die Kunst






Mitten im „Tropischen Botanischen Garten“ (port.: „Jardim Botânico Tropical“) im Lissabonner Stadtteil Belém, zwischen all den Zypressen, den Mammutbäumen, Palmen und anderen exotischen Bäumen und Blumen befinden sich mehrere Statuen, portugiesischer Künstler, zumeist aus der Kolonialzeit.

Vor allem die „Negerbüsten“ (port.: „Bustos dos negros“), die schwarze Ureinwohner der ehemaligen portugiesischen Kolonien darstellen, fallen einem ins Auge.
Sie sind sehr originalgetreu und stammen alle aus den 30iger und 40iger Jahren des letzten Jahrhunderts, als der Diktator António de Oliveira Salazar sie extra für den Jardim Botânico Tropical hat anfertigen lassen.

Diese Büsten sind die einzigen Kolonialkunstwerke, außer natürlich die, die in Museen ausgestellt werden, die heute noch öffentlich in Lissabon zu besichtigen sind!
Schon alleine ihretwegen lohnt sich ein Besuch im Tropischen Botanischen Garten zu Belém.

Dienstag, 18. August 2009

Gelungene Kopie


Hier in Almada, der Stadt in der ich lebe, steht auf einem 75 Meter hohen Sockel die 28 Meter hohe Statue des „Cristo Rei“ (Christkönig-Statue).
Sie befindet sich auf einem über 100 Meter hohen Hügel im Stadtteil Pragal, am Tejoufer, genau gegenüber der Stadt Lissabon.

Obwohl in Almada gelegen, so denken viele im Ausland der „Cristo Rei“ wäre ein Lissabonner Denkmal. Aber dem ist nicht so! Zwar hat man vom „Cristo Rei“ wohl den spektakulärsten Blick auf die Stadt Lissabon, aber geografisch gesehen, gehört er zu der Stadt Almada.

Die Gründung dieses imposanten Denkmals, im Jahre 1959, geht auf den damaligen Erzbischof von Lissabon und Kardinal Manuel G. Cerejeira, einem Studienfreund des Diktators António de Oliveira Salazar, zurück.

Kardinal Cerejeira hatte bei einem Besuch in Rio de Janeiro im Jahre 1934 die dort kurz zuvor eingeweihte Christusstatue auf dem Corcovado bewundert.
In Lissabon wieder angekommen, beschloss er eine Nachbildung der weltberühmten Christusstatue von Rio de Janeiro in Lissabon nachbauen zu lassen.
Jahrelang versuchte Kardinal Cerejeira seine Bischofskollegen und den Diktator vom Bau der Statue zu überzeugen.

Dann endlich, bei einer Versammlung der portugiesischen Bischofskonferenz im Walfahrtort Fátima, im Jahre 1940 gelobten die Bischöfe die Christusstatue zu errichten, sollte Gott das neutrale Portugal vor dem Zweiten Weltkrieg verschonen.

Portugal wurde verschont, und 1949, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, begannen die Bauarbeiten, die sich über 10 Jahr hinweg ziehen sollten. Die Statue wurde von dem Bildhauer Francisco Franco de Sousa errichtet. Für den Sockel war der Architekt António Lino verantwortlich.

Wer vor dem Denkmal steht, und sich Statue und Sockel anschaut, der wird merken, dass die Proportionen nicht so ganz zu einander passen.
Der Sockel ist wesentlich größer und globiger als die, im Verhältnis, zierliche Statue. Das liegt daran, dass die Kirchenmänner eigentlich vorhatten eine wesentlich größere Statue bauen zu lassen. Doch dann ging der Kirche das Geld aus, und man musste sich mit der heutigen Statue zufrieden geben.

Angeblich soll aber der Diktator Salazar von so viel Protz und Verschwendung kirchlicher Gelder so erzürnt gewesen sein, das die Kardinäle eine kleinere Statue bauen ließen. Der Sockel aber, war bereits aufgestellt und konnte nicht mehr verkürzt werden.

Am 17. Mai 1959, einem Pfingstsonntag, wurde der „Cristo Rei“, in Anwesenheit von über 300.000 Menschen, darunter vielen Würdenträgern der katholischen Kirche und des portugiesischen Staates, feierlich eingeweiht.

Dieses Jahr, am 17. Mai 2009, feierte der „Cristo Rei“ seinen fünfzigsten Geburtstag.