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Donnerstag, 18. Dezember 2014

Portugals einzigartige Leuchttürme


Wie die portugiesische Marine (port.: marinha portuguesa) gestern auf ihrer Internetseite verlautbaren ließ, sind ab sofort 29 der über 100 portugiesischen Leuchttürme (port.: farois) das ganze Jahr über für Besucher geöffnet.

Leuchttürme sind hier in Portugal, wie wohl überall auf der Welt, strahlende Wahreichen der Seefahrt.
Ihre weithin leuchtenden Feuer haben über Jahrhunderte hinweg hierzulande unzählige Seeleute, vom anonymen Matrosen bis hin zum bekannten Seefahrer und Entdecker, vor gefährlichen Sandbänken, Korallenriffen und Untiefen gewarnt und ihnen so oftmals das Leben gerettet.

17 Leuchttürme in Kontinentalportugal, elf auf den Azoreninseln und ein Leuchtturm (port.: farol) auf der Insel Madeira können fortan immer mittwochs von 14 h bis 17 h kostenlos und ohne Voranmeldung besucht werden.
Diese Leuchttürme sind, von Nord nach Süd:

Festlandsportugal

- Farol de Montedor – gelegen in der Stadt Viana do Castelo, ist dies der nördlichste Leuchtturm an Portugals Küste. Er ging 1910 in Betrieb und hat eine Leuchtkraft von 22 Seemeilen

- Farol da Barra – dieser Leuchtturm trägt auch den Namen Farol de Aveiro, benannt nach der Hafenstadt an dem es liegt, und steht am Strand von Barra. Er ist mit 62 m der höchste Leuchtturm Portugals und wurde zwischen 1885 und 1893 erbaut. Seine Leuchtkraft hat eine Reichweite von 23 Seemeilen

- Farol de Leça – er ist auch unter dem Namen Farol da Boa Nova bekannt und liegt in der nordportugiesischen Gemeinde Leça da Palmeira. Der 1926 errichtete Leuchtturm ist 46 m hoch und steht auf einer 57 m hohen Klippe. Er hat eine Leuchtkraft von 28 Seemeilen

- Farol do Cabo Mondego – dieser am Kap Mondego, in der Stadt Figueira da Foz, gelegene Leuchtturm ist zwar nur 15 m hoch, liegt aber auf einer 98 m hohen Anhöhe und sein Lichtstrahl ist so bis zu 28 Seemeilen weit zu sehen. Erbaut wurde er 1858

- Farlo do Penedo da Saudade – errichtet wurde er 1912. Dieser Leuchtturm ist 32 m hoch, steht in der Gemeinde São Pedro de Moel und seine Leuchtkraft reicht bis zu 30 Seemeilen weit ins Meer

- Farol do Cabo Carvoeiro – dieser Leuchtturm wurde 1790 auf Anordnung des Premierministers Marques de Pombal errichtet und ist heute eines der ältesten noch erhaltenen Leuchttürme Portugals. Er steht an der steilen Klippe des Cabo Carvoeiro bei Peniche und seine Leuchtkraft hat eine Reichweite von 15 Seemeilen

- Farol da Berlenga – dieser auf der Insel Berlenga Grande, vor der Küstenstadt Peniche, stehende Leuchtturm, ist auch unter dem Namen Farol do Duque de Bragança bekannt. 1841 errichtet, wurde er im Jahr darauf, 1842, in Betrieb genommen. Seine Leuchtkraft beträgt bis zu 27 Seemeilen

- Farol do Cabo da Roca – „Dort wo das Land endet und das Meer beginnt“, dort befindet sich das Cabo da Roca. Hier, am westlichsten Punkt des europäischen Festlands, steht dieser bereits 1772, auf Anordnung Premierministers Marques de Pombal, errichtete Leuchtturm. Er ist 22 m hoch, steht auf einer 165 m hohen Klippe und sein Lichtkegel reicht bis zu 26 Seemeilen ins Meer hinein

- Farol do Cabo Espichel – schon Anfang des 15. Jahrhunderts soll am Cabo Espichel, gut 50 km südlich von Lissabon, ein Leuchtturm gestanden haben. Der heutige Leuchtturm stammt aus dem Jahre 1790 und wurde auf Anordnung des Marques de Pombal, dem Premierminister von König José I, erbaut. Er hat eine Leuchtkraft von gut 26 Seemeilen

- Farol do Cabo de Sines – dieser 1880 erbaute Leuchtturm steht unweit der Stadt Sines, auf dem Kap gleichen Namens. Er hat eine Höhe von 22 m und sein Lichtkegel ist bis zu 26 Seemeilen weit zu sehen

- Farol do Cabo Sardão – obwohl schon im Jahre 1883 geplant, wurde dieser Leuchtturm erst 1915 in Betrieb genommen. Er steht auf dem Kap Sardão, unweit des Städtchen Odemira, im Küstenstreifen des Alentejo. Er hat eine Höhe von 22 m und eine Leuchtkraft die gut 23 Seemeilen weit ins Meer hinausstrahlt

- Farol do Cabo de São Vicente – das Kap São Vicente an der Algarveküste ist der südwestlichste Punkt des europäischen Festlandes. Hier, in der Nähe von Sagres, wurde einstmals der erste Leuchtturm Portugals errichtet. 1520 versah man den Turm des alten Klosters São Francisco mit einem Leuchtfeuer und benutzte ihn fortan als Leuchtturm. Dieser wurde dann aber 1587 bei einem Angriff des englischen Freibeuters Francis Drake völlig zerstört. Der heutige 28 m hohe Leuchtturm Farol do Cabo de São Vicente steht auf einer 86 m hohen Klippe und wurde ursprünglich im Jahre 1846, auf Anordnung von Königin Maria II, erbaut. Sein Lichtkegel reicht 32 Seemeilen in den Atlantik hinein und er ist somit der lichtstärkste Leuchtturm Europas

- Farol da Ponta da Piedade – die Ponta da Piedade, unweit der Stadt Lagos, ist eine der schönsten und charakteristischsten Felsklippenlandschaften an der Algarveküste. Hier, auf einer 51 m hohen Klippe, steht der zwischen 1912 und 1913 erbaute Leuchtturm, der nur eine Höhe von 5 m besitzt und eine Leuchtkraft von etwa 20 Seemeilen aufweist

- Farol da Ponta do Altar – gut 7 km südwestlich der Stadt Portimão, an der Algarveküste, steht der 1893 erbaute Leuchtturm Farol da Ponta do Altar. Er ist 10 m hoch und sein Lichtkegel reicht 16 Seemeilen ins Meer hinaus

- Farol de Alfanzina – über der Praia do Carvoeiro, an der Algarveküste, steht auf einer 63 m hohen Felsklippe der Leuchtturm Farol de Alfanzina, mit einem Lichtkegel der bis zu 29 Seemeilen in den Atlantik hinausleuchtet

- Farol do Cabo de Santa Maria – dieser im Naturpark Ria Formosa, auf der kleinen Insel Ilha da Culatra befindliche Leuchtturm wurde einstmals im Jahre 1864 errichtet um die Zufahrt in die Hafenstädte Faro und Olhão zu sichern. Er ist 46 m hoch und hat eine Leuchtkraft von 25 Seemeilen

- Farol de Vila Real de Santo Antonio – an der Mündung des Rio Guadiana in den Atlantik, unweit der Grenze zu Spanien, befindet sich in der Stadt Vila Real de Santo Antonio dieser Leuchtturm. Er wurde 1923 errichtet, ist 46 m hoch und sein Lichtkegel leuchtet bis zu 26 Seemeilen weit ins Meer hinaus

Azoren

- Farol da Ponta das Lajes – dieser auf der westlichen Azoreninsel Flores (port.: Ilha das Flores) stehende 16 m hohe Leuchtturm ist bereits 1881 geplant, aber erst im Oktober 1910 in Betrieb genommen worden. Er befindet sich etwa 1,5 km von der Inselkleinstadt Lajes entfernte, auf dem Kap Ponta das Lajes, und hat eine Leuchtreichweite von 26 Seemeilen. Ursprünglich, wie jeder Leuchtturm auf den Azoren, errichtet um eine sichere Navigation zwischen Europa und Nordamerika zu gewährleisten, diente er über mehrere Jahrzehnte hinweg auch den Walfängern auch als Aussichtsturm

- Farol da Ponta do Albernaz – der Leuchtturm von Ponta do Albernaz, auf der Azoreninsel Flores, ist der westlichste Leuchtturm Europas. Obwohl 1902 geplant, wurde er erst im Jahre 1925 fertig gestellt. Dieser 15 m hohe Leuchtturm, der heute eine Leuchtkraft von 22 Seemeilen hat, wurde erst im Jahre 2005 an das öffentliche Stromnetz angeschlossen

Farol da Ponta do Topo – der im äußersten Südosten der Azoreninsel São Jorge (port.: São Jorge) gelegene 18 m hohe Leuchtturm steht auf einer 58 m hohen Klippe. Er wurde 1927 in Betrieb genommen und im Jahre 1980, bei einem verheerenden Erdbeben, fast völlig zerstört. Danach wurde er wieder aufgebaut und heute hat er einen Lichtschein der 20 Seemeilen in den Atlantik hinausstrahlt

- Farol da Ponta da Ilha – der 19 m hohe Leuchtturm von Ponta da Ilha, auch unter dem Namen Farol da Manhenha bekannt, befindet sich in der Gemeinde Lajes auf der Azoreninsel Pico (port.: Ilha do Pico). Obwohl schon 1883 geplant, wurde er erst 1946 erbaut. Die Reichweite des Lichtes des Leuchtturmes, der erst 1983 an das öffentliche Stromnetz angeschlossen wurde, beträgt rund 26 Seemeilen

- Farol da Ponta da Barca -  mit 71 m über dem Meeresspiegel ist er einer der höchstgelegenen Leuchttürme der Azoren. Der 1930 erbaute Farol da Ponta da Barca steht im Nordosten der Insel Graciosa (port.: Ilha da Graciosa)

- Farol das Contendas – dieser 13 m hohe Leuchtturm befindet sich auf einer Anhöhe Namens Ponta das Contendas, auf der Azoreninsel Terceira (port.: Ilha Terceira). Der Leuchtturm Farol das Contendas ging im Februar 1934 in Betrieb

- Farol da Ponta Garça – an der Südküste der Azoreninsel São Miguel (port.: Ilha de São Miguel) gelegen, unweit der Stadt Vila Franca do Campo, ist der Leuchtturm von Ponta Garça mit einem Lichtkegel ausgestattet, der 16 Seemeilen ins Meer hinausleuchtet. Er ist 1957 erbaut worden, 14 m hoch und befindet sich auf einer 101 m hohen Anhöhe

- Farol do Arnel – ein anderer Leuchtturm auf der Azoreninsel São Miguel ist der Farol do Arnel, der im Nordosten der Insel liegt. Er misst 15 m und ist seit September 1876 in Betrieb. Erst 1993 wurde der Leuchtturm an das öffentliche Stromnetz angeschlossen

- Farol da Ponta do Cintrão – mit 14 m Höhe hat der Leuchtturm von Ponta do Cintrão eine Leuchtkraft von 16 Seemeilen. Er befindet sich unweit der Stadt Ribeira Grande auf der Azoreninsel São Miguel

- Farol da Ferraria – ein weiterer Leuchtturm auf der Azoreninsel São Miguel ist der 18 m hohe Farol da Ferraria, auf einer Anhöhe mit dem Namen Ponta da Ferraria. Sein Lichtkegel strahlt bis zu 22 Seemeilen hinaus in den Atlantik

- Farol de Gonçalo Velho – der Leuchtturm Gonçalo Velho befindet sich auf der Azoreninsel Santa Maria (port.: Ilha de Santa Maria). Er steht in der Gemeinde Santo Espirito, unweit der Kleinstadt Vila do Porto, der ältesten Siedlung der Azoren. Obwohl schon 1883 geplant, wurde dieser Leuchtturm erst 1927 in Betrieb genommen. Der Farol de Gonçalo Velho, der auch unter dem Namen Farol da Ponta do Castelo bekannt ist, erhebt sich 114 m über dem Meeresspiegel und hat eine Leuchtkraft von 25 Seemeilen

Madeira

- Farol da Ponta do Pargo – der Leuchtturm Ponta do Pargo steht in der Gemeinde Calheta, im äußersten Westen der portugiesischen Atlantikinsel Madeira. Dieser im Jahre 1922 erbaute, 14 m hohe Leuchtturm steht auf einer 312 m hohen Felsenklippe der Insel. Seine Leuchtkraft hat eine Reichweite von 26 Seemeilen


Die von der portugiesischen Marine jetzt angekündigten wöchentlichen Besichtigungen werden bei allen hier genannten Leuchttürmen von den jeweiligen Leuchtturmwärtern durchgeführt werden.

Viele stellen sich hierzulande die Frage, zumal heute im Zeitalter knapper Kassen, ob Leuchttürme im Zeitalter elektronischer Karten und Satellitennavigation noch zeitgemäß sind.
Ich persönlich glaube sie sind zeitgemäß!
Denn obwohl heute technisch oftmals weit überholt, sind die Leuchttürme weiterhin einzigartige Symbole der maritimen Vergangenheit Portugals.

Montag, 25. Juni 2012

Die Schornsteine der Algarve









Gestern, beim Sommerfest der DEKL (Deutsche Evangelische Kirche in Lissabon) wurde ich für meinen Blog, und hier im Besonderen für meinen letzten aktuellen Beitrag über die Algarve, gelobt.
Nun, solches Lob ist für mich zweifelsohne der Hauptgrund wieso ich so viel von meiner Freizeit in diesen Blog investiere.

Gestern wurde ich nun auch gefragt, wieso ich, als ich über die Algarve geschrieben habe, nicht auch die originellen Schornsteine erwähnt habe, die für die Algarve so charakteristisch sind.
Nun, ich habe in meinem Beitrag sicherlich vieles nicht erwähnt, was nicht heißen soll, das ich über originelle Themen, die mir angetragen werden, nicht schreiben kann oder will.
Im Gegenteil, ich bin meinen Lesern immer dankbar für ihre Ideen, Anregungen und Vorschläge.

Deshalb will ich hier heute über die Schornsteine an der Algarve (port.: chaminés algarvias) schreiben.

Zuallererst sei einmal gesagt, dass es natürlich in ganz Portugal Schornsteine gibt.
Ob in Trás-os-Montes, den Beiras oder im Alentejo, ob in der Hauptstadt Lissabon, auf der Insel Madeira oder auf den Azoren, überall im Lande gibt es Schornsteine die die Häuserdächer verzieren.
Aber nirgendwo in Portugal sind die Schornsteine so unterschiedlich, außergewöhnlich und schmückend schön wie an der Algarve.

Sie sind groß oder klein, schlank oder gedrungen.
Sie sind entweder viereckig, rund oder zylindrisch und haben manchmal eine kleine Haube als Verzierung, die als Rauchabzug dient.
Sie sind zumeist einfarbig weiß, können aber auch ockerfarben und mit blauen oder gelben Randstreifen sein.
Oftmals sind sie auch mit spitzenartigen Ornamenten durchbrochen, und manche von ihnen erinnern mit ihren metallenen Wetterhähnen sogar an Kirchtürmen.

Im ländlichen Algarve findet man oftmals Häuser mit zwei Schornsteinen. Einer von ihnen ist meistens einfach und schmucklos und befindet sich meistens über der Wohnküche (port.: casa do forno), in der meistens gekocht und gegessen wurde und wird.
Ein anderer Schornstein, der zumeist kunstvoll verzierter ist, befindet sich über dem Wohnzimmer (port.: sala) oder dem Raum im Haus in dem sich der Kamin befindet und indem sich das gemeinschaftliche Leben abspielt. Dieser Schornstein ist etwas Besonderes und wird, im Gegensatz zum ersten, nur zu besonderen Anlässen benutzt.

So abwechslungsreich und unterschiedlich die Schornsteine der Algarve auch sein mögen, sie sind weitaus mehr als nur ein Schmuckelement auf den Dächern der Häuser.
Sie sind ein Symbol der Algarve und ein Erbe der maurischen Vergangenheit dieser südportugiesischen Region.

Montag, 18. Juni 2012

Algarve









Letzte Woche war ich an der Algarve und habe dort einige Tage Urlaub verbracht.
Da ich absolut kein Freund des Massentourismus bin, ich keine Appartement-Komplexe und große, grölende Menschenansammlungen mag, bin ich von Natur aus kein allzu großer Freund dieser südportugiesischen Region.
Nichtsdestotrotz habe ich im kleinen Carvoeiro, das ich vorher nicht kannte, sehr erholsame Tage verbracht.

Die im äußersten Südwesten Europas gelegene südportugiesische Provinz Algarve umfasst einen etwa 160 km langen und maximal 50 km breiten Landschaftsgürtel an der nach Süden gerichteten Atlantikküste Portugals zwischen dem Cabo de São Vicente, dem südwestlichsten Punkt Festlandeuropas, und dem Mündungsgebiet des Flusses Guadiana an der portugiesisch-spanischen Grenze.
Die Algarve hat eine Fläche von etwa 5.000 km² und ca. 450.000 Einwohner.

Die gegen Norden durch einen von Osten nach Westen mächtiger werdenden Gebirgsriegel geschützte Region hat sich durch ihre extreme und isolierte geographische Lage viel Ursprüngliches bewahrt und unterscheidet sich sowohl in landschaftlicher und klimatischer, als auch in kultureller Hinsicht, ganz wesentlich vom übrigen Portugal. Zudem ist keine andere portugiesische Region so sehr vom Tourismus geprägt, wie die Algarve.
Noch vor der Hauptstadt Lissabon und der Insel Madeira ist die Algarve die wichtigste Ferienregion Portugals.

Die Landschaft der Algarve ist weit ärmer an kunsthistorischen Sehenswürdigkeiten als andere Teile Portugals.
Ihre Beliebtheit bei, in erster Linie deutschen, britischen und spanischen Besuchern, verdankt sie dem überaus gleichmäßigen Klima, einer überquellenden subtropischen Pflanzen- und Blumenpracht und reizvollen, feinsandigen Stränden.

In den letzten Jahrzehnten hat der Fremdenverkehr einen stürmischen Zuwachs erlebt. Zwar haben die Bausünden generell nicht das Ausmaß erreicht, das entlang der spanischen Mittelmeerküste und den spanischen Inseln zu beklagen ist, dennoch sind leider auch an der Algarve, vor allem an der so genannten Felsalgarve (port.: Algarve rochosa), etliche Landschaftsstriche durch ausufernde Hotel- und Ferienanlagen verschandelt.

Immerhin versucht man mittlerweile, die spezifischen Eigenheiten der Landschaft zu erhalten und die Hotelstädte der Umgebung anzupassen. So sind viele Urbanisationen aufgelockert angelegt und vielfach im maurischen Stil errichtet.

Die Provinz Algarve teilt sich in zwei Teile auf:
Zum einen gibt es im Norden das dünn besiedelte Alto Algarve (dt.: Obere Algarve), mit dem Mittelgebirge der Serra de Monchique, das kaum einer kennt.
Und zum anderen gibt es, weiter im Süden, den Küstenstreifen des Baixo Algarve (dt.: Niedere Algarve), der vor allem wegen seiner feinen Sandstrände mit pittoresken und gelb leuchtenden Felswänden mit Nischen und Grotten weltberühmt ist.

Mit über 3.000 Stunden jährlicher Sonnenscheindauer gehört die Algarve zu den wettersichersten Gebieten der Erde.
Das Klima der Algarveküste entspricht bereits den nordafrikanischen Verhältnissen, d.h. die Sommer sind zumeist trocken und heiß und die Wintertemperaturen sind sehr mild.

Dieses angenehme Klima hat schon immer Menschen angezogen.
Wenngleich nur geringe Reste erhalten sind, so ist doch gesichert, dass an der Algarve bereits die Phönizier und später auch die Griechen Kolonien unterhielten.
Später siedelten sich hier auch die Kelten und die Karthager an. So soll die Stadt Portimão eine Gründung Hannibals sein.
Unter dem Namen Cyneticum war die Algarve in römischer Zeit ein hochkulturell entwickeltes Gebiet.
Nach den Römern folgte die fast dreihundertjährige Herrschaft der Westgoten.

Diese wurden von den Mauren abgelöst, die 500 Jahre blieben und Volk und Kultur sehr nachhaltig beeinflussten.
Noch heute zeugen die architektonische Bauweise und die zahlreichen Trachten unverkennbar maurische Züge. Und auch in vielen Namen und im Dialekt sind zahlreiche Reste aus dem Arabischen erhalten.
Hierzu gehört nicht zuletzt der Name Algarve.
Seinen Namen leitet die Algarve nämlich vom arabischen Wort „al-Garbh“ her, was so viel heißt wie „der Westen“. Diese Bezeichnung bezieht sich auf die Lage dieses Gebietes innerhalb des ehemaligen islamischen Herrschaftsbereiches in Südeuropa.

Im Jahre 1249 leitet der portugiesische König Afonso III durch die Einnahme der Stadt Faro die Rückeroberung (port.: reconquista) der Algarve für das Christentum ein.
Als letztes Glied und selbständiges Königreich wurde die Algarve der portugiesischen Krone in Personalunion unterstellt.
Ab dem 15. Jahrhundert gelangte die Algarve ins Blickfeld weltweiten Interesses, als nämlich Heinrich der Seefahrer (port.: Henrique o Navegador) angeblich in Sagres seine berühmte Marineschule gründete und dort mit seinen systematischen Forschungsarbeiten die technischen Grundlagen für die großen Entdeckungsreisen des folgenden Jahrhunderts schuf.
Heute weiß man, dass es diese Schule wahrscheinlich nicht gab…

Die Algarve lebt heute, wie schon von mir beschrieben, vor allem vom Tourismus. Aber zwei andere Wirtschaftszweige sind für die Region äußerst wichtig.
Zum einen ist die Fischerei, vor allem die auf Thunfisch und Sardinen und deren Verarbeitung vor Ort, ein wichtiger Industriezweig.
Und zum anderen ist die Landwirtschaft, mit dem Anbau von Mandeln, Reis, Johannisbrotfrüchten, Baumwolle, Obst und Wein, ein anderer wichtiger Wirtschaftszweig dieser Provinz, die infolge der günstigen klimatischen Gegebenheiten, bis zu vier Ernten im Jahr einfahren kann.

Die Hauptstadt der Algarve, und gleichzeitig auch die größte Stadt der Region, ist die lebhafte Industrie- und Hafenstadt Faro.
Auch wenn Faro durch seinen Flughafen zum Durchgangsort des Tourismusverkehrs der gesamten Region geworden ist und auch wenn einige gute Strände in der Nähe liegen, ist Faro kein Urlaubsort im eigentlichen Sinne.
Zwar hat die knapp 60.000 Einwohner zählende Stadt eine schöne verwinkelte Altstadt, eine alte Kathedrale, einpaar interessante Museen und einige malerische Plätze, dennoch kann es Faro touristisch nur sehr schwer mit den anderen Städten an der Algarve aufnehmen.

Sehenswerte Orte an der Algarve sind:

- Albufeira – Das reizvoll in einer von der bizarren Felsenklippe Ponta da Baleeira geschützten Bucht ansteigende Albufeira hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem der bedeutendsten Seebäder der Algarve entwickelt. In den 60er und 70er Jahren war Albufeira das „Saint Tropez der Algarve“, und als solches bevorzugter Aufenthaltsort von vielen Künstlern und denen, die sich dafür hielten. Dieses Flair hat Albufeira heute leider verloren. Ausgeglichen wird dieser Prestigeverlust nur durch das umfangreiche Unterhaltungs- und Sportangebot, wie z.B. Wasserski, Surfen, Tennis, Reiten und vor allem Golf. Von dem miradouro (dt.: Aussichtsterrasse) Bem Parece hat man einen hervorragenden Blick über die Stadt, den Strand und das Meer.

- Carvoeiro – Das ca. 5 km von der Stadt Lagoa gelegene Carvoeiro ist einstmals als gelungenes Beispiel für die Neugestaltung der Küstenlinie gepriesen worden. Mittlerweise haben die exklusiven Ferienzentren, die sich auf dem Felsen oberhalb des alten Ortskerns aufdehnen, aber solch ein Ausmaß erreicht, dass die schöne Steilküste samt Hinterland fast flächendeckend mit Ferienhausanlagen im maurischen Stil überzogen ist. Recht malerisch ist am östlichen Ortsrand die als „Algar Seco“ bezeichnete Felsformation. Die Meeresbrandung hat hier in das weiche Kalkgestein bizarre Formen, Grotten und Höhlen hinein gewaschen. Auf den Klippen von Carvoeiro befindet sich die alte katholische Capela da Nossa Senhora da Encarnação, in der die Deutsche Evangelische Gemeinde an der Algarve regelmäßig ihre Gottesdienste feiert.

- Lagos – Die einstige Hauptstadt der Algarve ist heute eines der vielen Bettenhochburgen der Region, deren meisten Einwohner vom Tourismus leben. Ein Teil der Bevölkerung lebt aber nach wie vor von der Fischerei. Obwohl sich Lagos, wie schon erwähnt, in den letzten Jahrzehnten zu einem typischen Tourismusort entwickelt hat, bittet die Stadt dennoch ein recht geschlossenes Stadtbild.

- Olhão – Das noch sehr orientalisch anmutende Olhão ist eine der wenigen Städte der Algarve, die vom Tourismus noch weitgehend unberührt sind. Die Stadt liegt nur wenige Kilometer östlich der Hauptstadt Faro. Wichtigster Erwerbszweig der Bewohner ist der Fischfang auf Sardinen und Thunfisch, die hier, in einer ortsansässigen Konservenfabrik, auch gleich weiterverarbeitet werden. Ich verbinde mit Olhão viele schöne Erinnerungen, denn als Kind habe ich mehrere Male meine Sommerferien in diesem Ort, bei guten Freunden meiner Eltern, verbracht.

- Portimão – Mit seinen knapp 50.000 Einwohnern ist Portimão nicht gerade das was man „schön“ nennen kann, denn Portimão hat weder ein hübsches Stadtbild, noch interessante Sehenswürdigkeiten. Nichtsdestotrotz hat die Stadt mit dem malerischen und felsgesäumten Strand Praia da Rocha, wohl einen der bekanntesten Strände Portugals. Unweit von Portimão liegt mit dem Fischerort Ferragudo ein anderer berühmter Badeort an der Algarve.

- Silves – Das von Korkreichenwäldern umgebene, unweit von Portimão und Lagoa am Rio Arade gelegene Landstädtchen Silves war einstmals unter dem Namen „Xelb“ die Hauptstadt des maurischen Algarve. Silves ist sicherlich nicht die allerschönste Stadt, hat aber eine sehr sehenswerte alte maurische Burg (port.: Castelo dos Mouros) und eine schöne alte Kathedrale (port.: Sé), die einstmals über eine Moschee erbaut wurde.

- Tavira – Das noch recht maurisch anmutende Städtchen Tavira liegt zu beiden Seiten der Mündung des Rio Gilão. Im Vergleich zu anderen Orten an der Algarve geht es hier noch recht beschaulich zu. Tavira ist ein Zentrum des Thunfischfangs und besitzt im Mündungsbereich des Rio Gilão ausgedehnte Salinen.

Freitag, 8. Juni 2012

Tagung der Deutschen Evangelischen Kirchengemeinden an der Algarve 2012



Dieses Wochenende findet in Carvoeiro, an der Algarve, das 20jährige Jubiläumsfest zum Bestehen der dortigen Deutschen Evangelischen Gemeinde statt.

Gleichzeitig findet dieses Wochenende, an gleicher Stelle, die alljährliche Gemeindetagung der Deutschen Evangelischen Kirchengemeinden in Portugal statt.
Alle Gemeindemitglieder und Freunde der Gemeinden aus Lissabon, Porto, der Blumeninsel Madeira und der Algarve sind herzlich eingeladen an dieser Begegnungstagung teilzunehmen.

Das diesjährige Treffen steht unter dem Motto „Singt, singt dem Herren neue Lieder – Reformation und Musik“.
Begleitet wird dieses Treffen von dem aus dem fränkischen Herzogenaurach stammenden Musikwissenschaftler und -pädagogen Dr. Gerald Fink, der auch als Chorleiter, Organist und Konzertmusiker bekannt ist.
Er wird den teilnehmenden Gästen etwas über die jüngere Kirchenmusik vermitteln und sie auch sicherlich zum singen animieren.

Die vier deutsch-evangelischen Gemeinden organisieren seit 1993 alljährlich diese Begegnungstreffen, um die Verbindung zwischen den einzelnen Gemeinden und ihren Mitgliedern zu einander zu stärken, und auch um immer wieder neue Anregungen für das Gemeindeleben aus der alten Heimat Deutschland zu erhalten.

Diese Begegnungen, die Abwechselnd in Lissabon, Porto, an der Algarve und auf Madeira stattfinden, sind stets erfahrungsreich, überaus interessant und finden immer in einer sehr gastfreundschaftlichen Atmosphäre statt.

Ich freue mich auf dieses Begegnungstreffen an diesem Wochenende!

Freitag, 16. März 2012

Welcome by Taxi


Taxifahrer sind meistens die Ersten, die mit Touristen in Kontakt kommen, wenn diese fremde Städte und Länder besuchen.
Die Visitenkarte eines Landes sollten oftmals seine Taxifahrer und Taxis sein.
Auch für Portugal sollte dies zutreffen.
Aber leider sieht die Wahrheit oft anders aus!

Wer z.B. jemals hier in Lissabon Taxi gefahren ist – oder fahren musste – weiß so manche abenteuerliche und absurde Geschichte über den Berufsstand der Taxifahrer zu berichten.

Lissabonner Taxifahrer haben oftmals schlechte Manieren, schlechte Laune, sind unfreundlich, arrogant und leider auch sehr oft schlecht ausgebildet.
Trotz Beförderungspflicht weigern sich z.B. viele von ihnen Kurzstrecken zu fahren. Und wenn sie diese fahren, dann drehen sie nicht selten mit den ortsunkundigen Touristen immer ein paar teure Ehrenrunden.
Vor allem am Lissabonner Flughafen Aeroporto da Portela, wo die Wartezeit lang und die Konkurrenz groß ist, werden oft Touristen übers Ohr gehauen, sobald sie ein Taxi betreten.

Natürlich gibt es auch anständige Taxifahrer, die den Dienst am Fahrgast pflichtbewusst, ordentlich und zur vollsten Zufriedenheit erledigen.
Umso trauriger ist es da, dass ein paar wenige schwarze Schafe ausreichen, um einen ganzen Berufsstand in Misskredit zu stürzen.

Um das Verhältnis zwischen den Taxifahrern und ihren Fahrgästen in Zukunft zu verbessern, hat das portugiesische Touristikamt (port.: Turismo de Portugal) nun das Projekt „Welcome by Taxi“ ins Leben gerufen.

Dieses Projekt sieht vor, das Taxifahrer zukünftig an einem besonderen „Benimmkurs“ teilnehmen können, bei dem sie lernen sollen freundlicher und höflicher zu ihren Fahrgästen zu sein.
Außerdem wird ihnen die Möglichkeit geboten einen kostenlosen Englischkurs zu belegen.
Des Weiteren sollen sie einen Grundkurs als Möchtegernstadtführer absolvieren, um in Zukunft dann ihren Fahrgästen wichtige Informationen, wie etwa Infos über das pulsierende Nachtleben, die besten Cafés, die interessantesten Museen, die schönsten Parks und noch vieles mehr, während der Fahrt zu geben.

Ab April sollen die ersten Taxifahrer den „Welcome by Taxi“ – Kurs belegen können.
Zuerst wird er sich nur auf Lissabon, Porto und die Algarve beschränken.
Aber zukünftig sollen dann auch Taxifahrer anderer Städte und Regionen Portugals an diesem Projekt teilnehmen können.

Damit auch weiterhin die Höflichkeit portugiesischer Taxifahrer nicht auf der Strecke bleibt, ist zu hoffen, dass sich viele von ihnen an diesem, wie ich finde, nützlichen Projekt beteiligen werden.

Mittwoch, 4. Januar 2012

Perlenfund in der Crassostrea angulata


Wissenschaftler des renommierten wissenschaftlichen Instituts für Fischerei- und Meeresforschung der Algarve (port.: Instituto de Investigação das Pescas e do Mar do Algarve) und des Meeresforschungszentrums der Universität Algarve (port.: Centro de Ciências do Mar da Universidade do Algarve) haben Anfang dieser Woche in zwei Portugiesischen Austern (port.: Ostras Portuguêsas) Perlen entdeckt.
Eine Perlenbildung ist bei dieser Austernart ein äußerst seltenes Phänomen.
Seit nunmehr 10 Jahren erforschen die Meeresbiologen die seltene Austernart, die auch unter dem lateinischen Namen „Crassostrea angulata“ bekannt ist, aber erst jetzt scheint ihre Forschungsarbeit Früchte zu tragen.


In zwei der Austern wurden insgesamt fünf cremefarbene Perlen entdeckt, jede von ihnen zwischen 2 mm und 5 mm groß.
Diese zwei Portugiesischen Austern gehören zu den etwa 800 Austern die zwischen der Bucht von Alvor (port.: Ria de Alvor), der Bucht von Formosa (port.: Ria Formosa) und dem Delta des Flusses Guadiana in den letzten Jahren zu Versuchszwecken an der Algarve ausgesetzt wurden.

Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass es sich bei den Perlen, die jetzt zufälligerweise entdeckt worden sind, nicht um Zuchtperlen handelt, sondern um ein ganz und gar natürliches Produkt.
Dieser Fund gilt als Indiz dafür, dass die Gewässer in Südportugal zwischenzeitlich eine hervorragende Wasserqualität vorweisen.

Es ist wahr, das die Universität der Algarve nun ein eventuelles Perlenzuchtprogramm für die Zukunft nicht ausschließen will.
Unwahr allerdings ist es, dass die portugiesische Regierung sich Hoffnungen macht, den miserablen Staatshaushalt zukünftig mit teuren, echten Perlen ausgleichen zu können…

Sonntag, 11. Dezember 2011

Cliff Richard und sein Weingut „Adega do Cantor“


Gestern lief im portugiesischen Fernsehen der Film „The Young Ones“, ein alter englischer Streifen.
Diesen schwarz-weiß Film, in dem der junge Cliff Richard die Hauptrolle spielt, und der darüber handelt wie ein Musiker mit seinen Freunden in einer Garage die Musikband „The Shadows“ gründet, habe ich schon mehrere Male gesehen und kann ihm leider nichts mehr neues abgewinnen.

Wem ich aber, ohne Zweifel, etwas abgewinnen kann, das sind die Weine die Cliff Richards hier in Portugal produziert.
Der Sänger hat an der Algarve, genauer gesagt in der Nähe von Albufeira, ein Weingut das den Namen „Adega do Cantor“ (dt.: Weingut des Sängers) trägt, und inmitten von Weinbergen liegt.

Das Weingut besteht aus drei Quintas.
Eine Quinta ist hier in Portugal für gewöhnlich ein landwirtschaftlich betriebener Hof; hier in diesem Fall ein Weinberg.
Die drei Quintas sind zum einen die über 300 Jahre alte „Quinta do Moinho“, die das persönliche Eigentum des berühmten Sängers ist und zum anderen die „Quinta do Vale do Sobreiro“ und die „Quinta do Miradouro“ die der Familie Birch gehören, die Geschäftspartner und enge Freunde von Cliff Richard sind.

Cliff Richard lebt seit über 40 Jahren an der Algarve.
Es war immer sein Traum, seinen eigenen Wein zu produzieren. Diesen Traum realisierte er sich ab 1997 mit seinen Freunden Nigel und Lesley Birch, Max und Michelle Birch, Luisa Braziel und Rebecca Birch, Geni Barros und Liz Briggs.

Die „Adega do Cantor“ erhebt für sich den Anspruch, den qualitativ besten Wein seiner Region zu produzieren.
Auf den drei Weinbergen werden, auf einer Fläche von 26 Hektar, nur ausgewählte Rebsorten wie der Alicante Bouschet, der Shyrah, der Trincadeira und seit kurzem auch der Verdelho, eine portugiesische Rebsorte aus der man frische Weißweine gewinnt, angebaut.
Das Weingut produziert zwei berühmte Weine.
Es sind dies der „Vida Nova“ (dt.: Neues Leben) und der „Onda Nova“ (dt.: Neue Welle).

Empfehlen mag ich hier zum einen den roten „Adega do Cantor Onda Nova Syrah 2009“ und den Rosewein „Adega do Cantor Vida Nova Rosé 2010“.
Und auch wenn ich für gewöhnlich keine Weißweine trinke, so kann ich den „Adega do Cantor Onda Nova Verdelho 2010“ nur wärmstens empfehlen.

Zu Cliff Richard und den „The Shadows“ sei noch anzumerken, dass sie heute vor genau 46 Jahren, am 11. Dezember 1965, hier in Lissabon, im damaligen „Cinema Império“, das erste Rockkonzert in der Geschichte Portugals gaben.
Angeblich soll die Band mit der Crew damals, nach dem Konzert, mehrere dutzend Flaschen guten portugiesischen Weins geköpft haben.

So gesehen, schließt heutzutage Cliff Richard mit seiner Weinproduktion, den Kreis!

Sonntag, 14. August 2011

Pack die Badehose ein an der Algarve






In meinem Beitrag „Pack die Badehose ein“, vom 07. August 2011, berichte ich über die Lissabonner Hausstrände und Liste dort auch die Strände auf, die zu meinen persönlichen Highlights gehören.

Viele fanden den Beitrag lesenswert und meine liebe Freundin Melanie, die nächste Woche an die Algarve fährt um dort ein paar Urlaubstage mit ihrer Familie zu verbringen, fragte mich, ob ich nicht solch eine ähnliche Auflistung meiner liebsten Strände an der Algarve erstellen könnte.

Diesem Wunsch komme ich nun hiermit gerne nach, stelle aber auch gleich fest, das ich nicht sehr oft an der Algarve Urlaub gemacht habe, und ich somit, was die Quantität und Qualität der Strände dort angeht, etwas limitiert bin.
Nichtsdestotrotz habe ich mich mal an meine schönsten Urlaubstage an der Algarve erinnert, und an die Strände die ich dort aufgesucht habe.

Hier nun meine persönlichen Top10 der Strände an der Algarve:

• Praia de Vale Fiqueiras (Aljezur)
• Praia da Bordeira (Carrapateira)
• Praia do Camilo (Lagos)
• Praia da Marinha (Lagoa)
• Praia da Rocha (Portimão)
• Praia da Galé (Albufeira)
• Praia de São Rafael (Albufeira)
• Praia da Ilha Deserta (Faro)
• Praia da Cacela Velha (Ria Formosa bei Olhão)
• Praia do Barril (Tavira)

Außer diesen von mir ausgewählten zehn Stränden, besitzt die Algarve natürlich noch viele, viele mehr.
Nicht umsonst ist die Algarve das beliebteste Urlausgebiet vieler Portugiesen und vieler Nichtportugiesen schlecht hin.

Die Algarve ist bei ihnen allen im Allgemeinen wegen ihres außerordentlichen Klimas, der mancherorts von wildzerklüfteten Felswänden umrahmten schönen feinen Sandstrände und den angenehmen Wassertemperaturen beliebt.
Aber dadurch, dass die meisten Strände sehr malerisch sind, werden sie auch dementsprechend sehr stark frequentiert.

Nichtsdestotrotz wünsche nun Melanie und allen anderen Lesern meines Blogs schöne Urlaubstage, sei es an der Algarve oder wo auch immer sie die schönsten Tage des Jahres verbringen werden.

Dienstag, 4. Januar 2011

Es ist etwas faul im Staate Portugal


Wie jeder weiß und wie jeder (der eine mehr, der anderer weniger) es zu spüren bekommt, befinden wir uns hier in Portugal in einer Zeit voller Krisen.
Selten hat Portugal in den letzten 100 Jahren wirtschaftlich so schlecht dagestanden wie im Augenblick (so viel zum Thema „100 Jahre Republik“).

Mit Island, Irland und Griechenland als abschreckende Exempel vor Augen, bemüht sich die Nation das Schicksal dieser bankrotten Staaten nicht zu erleiden.
Aber es wird schwierig in den nächsten Monaten und Jahren, sehr schwierig!...

Und weil wir so schwere Zeiten haben, und uns gewiss noch schwierigere Zeiten bevorstehen, kann ich, wo doch von mir und den anderen Steuerzahlern erwartet wird, dass wir den Gürtel enger schnallen, nicht nachvollziehen wie andernorts das Geld regelrecht aus dem Fenster rausgeschmissen wird.

Und ich rede hier nicht von den staatlichen Institutionen, wie etwa dem Verteidigungsministerium, dem Verkehrsministerium oder dem Innenministerium, denn von denen sind wir sinnloses Geldausgeben schon gewohnt.
Nein, ich rede hier von den Kommunen und den Städten, die hier in Portugal, auf unsinnigste Art und Weise, öffentliche Steuergelder ausgeben und wo sich dann die Herren Bürgermeister lamentierend vor Fernsehkameras stellen und sagen, wie schlecht finanziell es um sie und ihre Kommunen bestellt ist.

Ich habe hier ein paar Beispiele aus dem letzten Jahr, die jedem normalen Bürger die Schamesröte ins Gesicht treibt, nicht so aber anscheinend den Stadtverwaltungen und den Kommunalpolitikern, die folgende Rechnungen an den portugiesischen Rechnungshof (port.: Tribunal de Contas) gesendet haben, in der Hoffnung der portugiesische Steuerzahler würde diese begleichen:

- So hat in Matosinhos, genauer gesagt im Matosinhos Habit, der Zentrale für städtischen Wohnungsbau, die Neuanschaffung der Eingangstür des Hauptgebäudes stolze 142.320.- Euro gekostet. Würde gerne nur mal wissen, aus was diese Tür besteht, denn schließlich kostet sie ja mehr, als so manche Eigentumswohnung hier in Lissabon.

- Die Hochschule für Technologie an der Universität der Algarve (port.: Escola Superior de Tecnologia da Universidade do Algarve) stellt dem Steuerzahler, den Hin- und Rückflug eines Professors zwischen Faro und der kroatischen Hauptstadt Zagreb, mit 33.745,- Euro in Rechnung. Nachdem ich die Internetseite der portugiesischen Fluggesellschaft TAP besucht habe, habe ich herausbekommen das der teuerste Flug zwischen Faro und Zagreb, hin- und zurück, mit Steuern, gerade Mal knapp 1.700,- Euro kostet. Macht den stolzen Unterschied von über 32.000,- Euro.

- Die Regionalhauptverwaltung der Gesundheitsbehörde des Alentejo (port.: Administração Regional de Saúde do Alentejo), in Évora, hat 97.560,- Euro für die Anschaffung eines Büroschrankes, zwei Computertischen und drei Stühlen mit extra hohen Lehnen ausgegeben. Ich weiß nicht wie der aktuelle qm²-Preis für Büromöbel ist, aber entweder sind diese, vom Gesundheitsamt gekauften und in Rechnung gestellten Möbel, aus purem Gold oder man hat die Alentejanos, die sonst so stolz darauf sind genug Bauernschläue zu haben und sich nicht so leicht übers Ohr hauen zu lassen, ganz schön über den Tisch gezogen. Vielleicht hätte man vor dem Erwerb der Büromöbel einmal bei IKEA vorbeischauen sollen. Die haben nämlich ein sehr gutes Preisleistungsverhältnis was Büromöbel angeht.

- Die Stadt Lagoa (port.: Município de Lagoa) an der Algarve hat für das Anbringen von Motorradtaschen an den von ihren Mitarbeitern benutzten Arbeitsmotorrädern stolze 106.596,- Euro ausgegeben. Ich weiß nicht wie viele Motorräder die Stadt Lagoa insgesamt diesen Umbaumaßnahmen unterworfen hat, aber es scheint ein teurer Spaß zu sein, wenn man sich an der Algarve sein zweirädriges Arbeitsgefährt umpimpern lässt.

- Eine weitere kuriose Rechnung hat die Stadtverwaltung von Ilhavo (port.: Município de Ilhavo) beim portugiesischen Rechnungshof eingereicht. Die bezahlte nämlich angeblich für drei Computer, einem Drucker, neun Telefonen und zwei Scannern insgesamt 380.666,- Euro. Es muss sich hierbei wirklich um ganz besondere PC´s handeln, wenn ein jeder von ihnen über 100.000,- Euro kosten tut.

- Das Rathaus von Loures (port.: Câmara Municípal de Loures) gelegen in einem Weinanbaugebiet, hat 652.300,- Euro für spanischen Rot- und Weißwein ausgegeben. Würde jetzt nur gerne wissen, warum ein Weinanbaugebiet über eine halbe Million Euro für spanische Weine ausgibt. Ist man vielleicht von seinen Weinen nicht überzeugt?

- Die Anschaffung eines Lieferwagens beläuft sich, laut der Stadtverwaltung von Vale de Cambra (port.: Município de Vale de Cambra), auf stolze 1.236.000,- Euro! Hierbei handelt es sich nicht etwa um einen Lieferwagen der Marke Porsche oder Bentley, sondern um einen der Marke Renault. Kein Wunder also das es der französischen Wirtschaft besser geht, als der unsrigen.

- Für die Einweihung des neuen Burgmuseums von Sines (port.: Museu do Castelo de Sines), wurde ein Festzelt angemietet, für den die Stadtverwaltung von Sines (port.: Município de Sines) 1.236.500,- Euro hinblätterte. So erfahren wir das das anmieten eines Festzeltes genauso teuer ist, wie das Anschaffen eines Lieferwagens der Marke Renault…

- Aber den Vogel schließt wohl die Stadtverwaltung von Beja ab. Die hat nämlich tatsächlich beim Rechnungshof hier in Lissabon eine Rechnung eingereicht, die an Dreistigkeit ihres gleichen sucht. Für einen multifunktionalen Fotokopierer der Marke Xerox, Model IRC30801, der im normalen Handel 7.698,- Euro kostet, bezahlte die Stadt Beja angeblich, sage und schreibe 6.572.983,- Euro, in Worten: sechsmillionenfünfhundertzweiundsiebzigtausendneunhundertachtunddreißig Euro!!!

Das es sich bei all diesen Rechnungen um glatten Betrug handelt steht, sowohl für den Rechnungshof als auch für jeden normal denkenden Menschen, außer Frage.
Ich wundere mich nur, warum keiner dieser Herren der Stadtverwaltungen festgenommen oder gleich an die nächste Wand gestellt worden ist.

Beruhigend für mich ist nur, dass der Rechnungshof keinem dieser Fantasierechnungen stattgegeben hat, d.h. es kam niemals zu einer Begleichung der jeweiligen Rechnung, jedenfalls in der gewünschten Höhe.
Aber, und hier wiederhole ich mich, ich kann nicht verstehen und nachvollziehen das all diese kommunalen Organe - Bürgermeister, Stadträte, und andere kommunalen Politiker - ohne eine Anzeige, ohne eine Verurteilung, davon gekommen sind.

Es ist etwas faul im Staate Portugal…

Schmunzeln erlaubt…


Wie einige wissen, habe ich den Jahreswechsel an der Algarve verbracht.
Auf der Suche nach mehr Infos über Albufeira und seine Sehenswürdigkeiten, bin ich über ein ausgefallenes Stück fehlgeleiteter Kartographiekunst gestolpert, die ich unbedingt mit meinen Lesern teilen will.

Es handelt sich hierbei um eine Karte Südportugals, die die im äußersten Südwesten Europas gelegene südportugiesische Provinz der Algarve (port.: Província do Algarve), darstellt.

Da werden geographisch genau die Städte Albufeira, Lagos und die Hauptstadt der Provinz, Faro, dargestellt, aber die Algarve liegt hier nicht in Portugal, sondern in Spanien!

Nun, wir sind solche falschen Karten schon gewohnt, vor allem wenn sie von den Spaniern selbst in Umlauf gebracht werden, wie so oft in den letzten Jahrhunderten.
Hierbei handelt es sich aber nicht um eine Karte aus den vergangenen Jahrhunderten und auch nicht um ein spanisches Werk, sondern um eine Veröffentlichung der renommierten Financial Times vom 13. Oktober 2007!

Schmunzeln erlaubt…

Salamaleque und Oxalá


„… der Frieden sei mit Dir (Euch)“ – das meint ein Portugiese, wenn er das Wort „salamaleque“ an sein Gegenüber richtet.
Dieses Wort, das heute eher selten benutzt wird, und das ich zum letzten Mal, jetzt über den Jahreswechsel, an der Algarve gehört habe, als sich zwei ältere Frauen in den Gassen der Altstadt von Albufeira begrüßten, wird heute kaum noch verwendet, und viele Portugiesen kennen es kaum noch.
Nur ältere Menschen, und die ausnahmslos aus dem Süden Portugals, benutzen heute noch diese, aus der Maurenzeit stammende, Begrüßungsformel.
„Salamaleque“ kommt aus dem arabischen „as-salam-malaik“ und bedeutet wortwörtlich: „der Frieden sei mit Dir (Euch)“.

Ein anderer, aus dem arabischen Wortschatz stammender Ausdruck, ist das Wort „oxalá“ (arab.: „inch-Allah“), das soviel bedeutet wie „so Gott will“.
Dieses Wort wird, im Gegensatz zu „salamaleque“ heute noch recht oft benutzt, auch hier im Lissabonner Raum.

Das heute noch das eine oder andere arabische Wort im portugiesischen Wortschatz benutzt wird, und ich meine damit nicht nur geographische Begriffe, haben wir Portugiesen sicherlich der langen maurischen Herrschaft über die Iberischen Halbinsel zu verdanken, aber auch der Tatsache das wir danach, als wir z.B. in Indien mit Arabern und Türken Handel trieben, noch lange mit der arabischen Kultur zu tun hatten.

In diesem Sinne:

„Salamaleque“ Euch allen im Neuen Jahr, und „oxalá“ treffen wir uns hier in meinem Blog!

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Die Arglosen im Ausland


Kurz vor meiner Fahrt an die Algarve, wo ich vorhabe den Jahreswechsel zu verbringen, bin ich mit dem lesen des Buches „Die Arglosen im Ausland“ von Mark Twain fertig geworden.

Ich habe diesen, mehr oder weniger amüsanten Reisebericht des amerikanischen Schriftstellers, vor Wochen in die Finger bekommen und es mit einigen Unterbrechungen gelesen.

Der vor gut hundert Jahren verstorbene amerikanische Schriftsteller, Autor von Werken wie „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“ und „Oliver Twist“, ging im Jahre 1867 an Bord des alten Sezessionskriegschiffes „Quaker City“, in Richtung Jerusalem, auf Pilgerfahrt.

Mark Twains erste Station auf dieser Reise war die Azoreninsel Faial.
Damals brauchte man mit dem Schiff 10 Tage von New York bis nach Horta, der Hauptstadt Faials.
Als Twain mit seinen Mitreisenden endlich auf der Insel ankam, waren sie zuerst noch von den barfüßigen und lachenden Kindern angetan.
Doch ihre Freude hielt sich bald in Grenzen, spätestens als besagte Kinder anfingen sie massiv zu bedrängen und anzubetteln.
So wie Twain in seinem Reisebericht erzählt, flüchtete er mit einigen seiner Mitreisenden in das erst beste Wirtshaus der Stadt.

Erschöpft von der langen Reise auf dem Meer, gerade Mal vor lästig bettelnden Kindern geflüchtet und endlich froh festen Boden unter den Füßen zu haben, bestellten sie nicht nur ein gutes Essen, sondern auch Unmengen von Zigarren und guten Wein.
Als dann die Rechnung kam, erschrak die Reisegesellschaft arg.
21.000 Reis sollten die Amerikaner für ihr opulentes Mahl bezahlen.
Die Amerikaner legten zusammen, und brachten es gerade Mal auf 150 US-Dollar. Das war damals eine Menge Geld, und sie hatten auch nicht mehr dabei.

Als der Wirt ihnen den Wechselkurs verriet, war die Erleichterung, sowohl bei Mark Twain als auch bei seinen Begleitern, sehr groß, denn der Wechselkurs belief sich auf 1 zu 1000.
21.000 Reis waren also damals gerade mal 21 US-Dollar!

Den Namen des Restaurants verrät Twain in seinen Aufzeichnungen leider nicht, aber er erwähnt in seinem Reisebericht „Die Arglosen im Ausland“, das die Bewohner der Insel nicht nur zu den Walen, die sie bejagen, ein „sehr enges Verhältnis“ hatten, sondern auch zu ihren „donkeys“, ihren Eseln also.

Fasziniert berichtet Twain „das die Eseln und die Männer, Frauen und Kinder einer Familie alle zusammen im selben Raum schlafen und das alle wahrhaft glücklich sind“.
Man muss wirklich Amerikaner sein, um solch einen Stuss zu schreiben.

Das Buch hat mehrere solcher klugen Stellen, aber ich finde vor allem diese Stelle sehr aufschlussreich, denn so erfahre ich welch inniges Verhältnis einst die Einwohner dieses Eilandes mitten im Atlantik früher zu ihren grauen Gefährten hatten.

Und ich finde wir Portugiesen schneiden bei diesem Reisebericht gar nicht Mal so schlecht ab.
Viel schonungsloser und sarkastischer geht Mark Twain da schon eher mit den Einwohnern von Tanger, Gibraltar, Marseille, Rom oder Athen um.
Wahrscheinlich hatten diese alle damals keine Esel und waren deshalb „wahrhaft nicht glücklich“ …

Freitag, 22. Oktober 2010

Begegnungstagung 2010






In diesem Jahr fand die Tagung der vier Deutschen Evangelischen Kirchengemeinden in Portugal, vom 15. - 17. Oktober 2010, auf der Blumeninsel Madeira statt.
Alle Gemeindemitglieder und Freunde der Gemeinden aus Lissabon, Porto, der Algarve und aus Madeira waren herzlich eingeladen an dieser Begegnungstagung teilzunehmen.
Und viele, Sage und Schreibe über 50 Personen, nahmen an diesem Treffen teil, welches unter der theologischen und seelsorgerlichen Leitung von Herrn Bischof Dr. Martin Hein aus Kassel, Kurhessen-Waldeck, stand.

Seit nun mehr 1993 treffen sich die vier deutsch-evangelischen Gemeinden Portugals alljährlich, um die Verbindung zwischen den einzelnen Gemeinden und ihren Mitgliedern zu einander zu stärken, und auch um neue Anregungen für das Gemeindeleben aus der alten Heimat Deutschland zu erhalten.

Das Thema der diesjährigen Begegnungstagung lautete: „Worauf kann ich mich verlassen?“, und hatte die Tragfähigkeit des christlichen Glaubens, angesichts der Erfahrung von Krisen, als Basis.
Entstanden ist dieses Thema aus der bestehenden Spannung zwischen Spiritualität und Alltag in diesem krisen- und katastrophenreichen Jahr 2010.

Die Tagung begann am Freitagmittag, mit einer Begrüßung und einer Andacht von Frau Pastorin Ilse E. Berardo.
Nach einer kurzen Vorstellung, bei der die einzelnen Tagungsmitglieder Gelegenheit hatten sich besser kennen zulernen, wurde danach bei Familie Berardo zu Abend gegessen, und nach diesem, der erste Tagungstag abgeschlossen.

Am Samstag begann der Morgen mit einer kurzen Andacht.
In Gesprächskreisen und nach einem sehr interessanten Referat von Bischof Dr. Hein wurde dann das Motto des Treffens „Worauf kann ich mich verlassen?“ in Angriff genommen. Hierbei kamen interessante und sehr informative Gespräche zustande, die den ganzen Nachmittag dauerten.
Der Abend endete mit einem gemeinsamen Abendessen in einem typisch madeirensischen Restaurant.

Am Sonntagmorgen wurde aus den Tagungsmitgliedern eine Reisegruppe, denn mit einem Reisebus ging es aus Funchal hinaus, nach Câmara de Lobos, bis hinauf nach Curral das Freiras, mitten ins Gebirge.
Dort, in Curral das Freiras, nahmen wir einen kleinen Imbiss zu uns und reisten dann wieder, auf für uns Festlandbewohner recht abenteuerlichen Straßen, zurück nach Funchal.
Mit einem Festgottesdienst in der Schottischen Kirche von Funchal (die Deutsche Evangelische Kirche Madeiras hat kein eigenes Kirchengebäude), welches Bischof Dr. Hein zusammen mit Frau Pastorin Berardo hielt, ging das diesjährige Begegnungstreffen der vier Deutschen Evangelischen Kirchengemeinden in Portugal zu Ende.

Es war eine erfahrungsreiche, interessante und sehr gastfreundliche Tagung, die wunderbar von Frau Pastorin Ilse E. Berardo und ihrer ganzen Gemeinde organisiert worden ist.

Die Begegnungstagung 2010 auf Madeira ist nun Geschichte.
Auf Wiedersehen 2011 in Porto!

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Nachtrag zu „Hundert Jahre Was???“


Am 04. Oktober stellte ich hier in meinem Blog, unter dem post „Hundert Jahre Was???“, die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Geburtstag der portugiesischen Republik in Frage.

Wer mich kennt, und wer dieses Blog aufmerksam liest, weiß das ich Demokrat bin, durch und durch, und hier im Blog ab und zu einzig und alleine meine freie politische Meinung zum Ausdruck bringe, ohne das ich Mitglied einer Partei wäre oder auch nur annährend einen Vorteil daraus ziehen würde.

Auf meinen post „Hundert Jahre Was???“ habe ich einige Mails erhalten.
Die meisten waren positiv, das eine oder andere aber leider auch etwas aggressiv.
So schrieb mir jemand aus Hamburg, ich sei sicherlich adelig, und würde deshalb so den monarchischen Gedanken verteidigen. Zwei Leser aus der Algarve schrieben mich anonym an, und meinten ich wäre sicherlich ein Faschist.

Nun, um es vorweg zu nehmen, ich bin weder adelig noch faschistisch.
Meine Familie ist seit Generationen bürgerlich, um nicht zu sagen arm. Es gibt keinerlei monarchistische Traditionen in meiner Familie.
Im Gegenteil, als ich vor Jahren meiner Familie sagte ich würde an eine moderne, freie und demokratische Monarchie glauben, so war das damals ein ganz besonderes und schwieriges Outing.
Meine Tante Albertina, die stark in der Sozialistischen Partei (port.: Partido Socialista / PS) engagiert ist, hat sogar monatelang nicht mit mir gesprochen.
Denn genauso wie die zwei Leser die mir aus der Algarve schrieben, so herrschte auch in meiner Familie und in meinem Freundeskreis die unerschütterliche Meinung, das ein Monarchist automatisch faschistisch angehaucht sein muss.
Da mich aber meine Familie und meine Freunde sehr gut kennen, wissen sie dass das mit dem Faschisten nicht stimmen kann.
Im Gegenteil, ich bin eher das, was man wohl als sozial-liberal bezeichnen würde.
Warum Monarchisten erst ausgelacht und dann politisch immer an den rechten Rand abgeschoben werden, wird mir immer ein Rätsel bleiben.

Ich habe gemerkt dass ich ein königstreuer bin, als ich so um die 16 Jahre alt war. Damals, in Deutschland groß geworden und im Geiste des Kalten Krieges aufgewachsen, war ich schon immer sehr politisch interessiert.

In meinen Augen, war die Monarchie immer ein Symbol der Freiheit, nicht nur hier in Portugal, sondern in vielen anderen Ländern.
Die vier großen westeuropäischen Diktaturen, wie die deutsche unter Hitler, die italienische unter Mussolini, die spanische unter Franco und die portugiesische unter Salazar wären niemals möglich gewesen, hätte man nicht vorher die Monarchien in diesen Ländern abgeschafft.
Viele Monarchisten meinen, und ich bin einer von ihnen, Portugal wäre nie so „groß“ gewesen, als zu Zeiten der Monarchie.
Im Vergleich dazu, finde ich, dass diese Nation noch nie so „klein“ war wie heute!
Außerdem kann und will ich nicht glauben, das ein politisches System welches sich über 800 Jahre lang bewährt hat, schlechter sein soll als ein politisches System das sich 100 Jahre mehr schlecht als recht über Wasser gehalten hat, und dessen Hälfte der Zeit sogar eine Diktatur war.

Ich akzeptiere und respektiere jede politische Einstellung von Jedermann, solange sie demokratisch ist.
Also möchte ich, dass auch meine politischen Sympathien respektiert werden.

Vor einiger Zeit hat mich eine Freundin gefragt, ob ich die Hoffnung habe, dass jemals wieder ein König über Portugal herrschen wird.
Nun ich habe weder mit Ja noch mit Nein geantwortet, sondern mit folgendem spontanem Satz:
„Als Monarchist in Portugal, lebst du in ständiger Hoffnung!“.

Hoffentlich behalte ich Recht!

Mittwoch, 8. September 2010

Calantha


Letzte Woche kam Calantha in der Karibik (port.: caraíbas) an!
Wer ist Calantha, wird sich wohl der aufmerksame Leser nun fragen?!?
Calantha ist eine weibliche Meeresschildkröte, der Art Unechte Karettschildkröte (port.: tartaruga-comum / lat.: Caretta caretta), die knapp 40 Jahre alt ist.
Alleine das ist nichts Besonderes.
Besonders an Calantha ist, das sie 30 Jahre ihres Lebens im Aquarium Vasco da Gama, im Lissabonner Stadtteil Dafundo (port.: Aquário Vasco da Gama em Dafundo), in einem kleinen Wasserbecken in Gefangenschaft gehalten wurde.
30 Jahre lang hatte dieses Meerestier einen Lebensraum der so groß war wie ein Kinderplanschbecken.

Im Jahre 2005 beschlossen das Aquarium und Tierschützer Calantha auszuwildern.
Hierzu wurde sie in die Algarve, ins Rehabilitationszentrum für Wassertierarten des Zoomarine (port.: Centro de Reabilitação de Espécies Marinhas do Zoomarine), gebracht.
Dort, im Rehabilitationszentrum, musste Calantha erst einmal wieder lernen auf die Jagd zu gehen, und sie musste vor allem lernen fressbare und nicht fressbare Beutetiere von einander zu unterscheiden.
Und Calantha musste wieder schwimmen lernen, etwas was sie 30 Jahre lang in ihrem kleinen Becken im Aquarium Vasco da Gama, nicht tun konnte.

Am 30. September des letzten Jahres wurde Calantha vom Zoomarine, und mit Hilfe der Portugiesischen Marine (port.: Marinha Portuguesa), in die Freiheit entlassen.
60 Seemeilen von der portugiesischen Küste entfernt, wurde Calantha in den Atlantik freigelassen.
Aber sie ging nicht alleine auf die Reise.
Nein, an ihrem Panzer brachten Biologen des Meeresbiologischen Institus (port.: Instituto da Conservação da Natureza e da Biodiversidade (ICNB) einen Peilsender an, der es ermöglicht die Wasserschildkröte über Satellit zu verfolgen.
So konnten die Wissenschaftler des Meeresbiologischen Instituts die Reise Calanthas bis heute immer haargenau mitverfolgen, denn immer wenn die Schildkröte, mitten im Atlantik, auftauchte um nach Luft zu schnappen, wurde sie vom Satelliten erfasst, und die Daten an den Hauptcomputer des Instituts weitergegeben.

So weiß man heute, das Calantha 322 Tage brauchte, um in die Karibik zu kommen. Sie legte eine Strecke von immerhin 10.600 km zurück, in einem Meer das sie nicht mehr kannte.
Der Atlantik ist riesig, und die Schildkröte, die 30 Jahre in Gefangenschaft gelebt hat, hätte überall hin schwimmen können.
Das sie ausgerechnet dahin geschwommen ist, wo die verschiedensten Meeresschildkrötenarten zusammenkommen um sich zu paaren und zu überwintern, bleibt wohl für Ewig ein Rätsel der Natur.

Ob sich Calantha wohl paaren wird, so wie es sich die Meeresbiologen wünschen, das steht noch in den Sternen. Jedenfalls ist sie in dem besten Alter dafür.
Fakt ist aber, das es weltweit das erste mal ist, das eine Meeresschildkröte nach so langer Zeit in Gefangenschaft, es geschafft hat sich wieder in der Natur zurechtzufinden.

Der Peilsender, den Calantha an ihrem Panzer trägt, soll noch gute drei bis vier Jahre funktionieren.
Mal sehen, in wie weit eine knapp 40 Jahre alte Meeresschildkröte die den größten Teil ihres Lebens in Gefangenschaft gehalten wurde, die Wissenschaft und uns alle noch überraschen wird.

Dienstag, 19. Januar 2010

BTL


Dieses Wochenende ging hier in Lissabon eine weitere BTL (port.: Bolsa de Turismo de Lisboa / dt.: Lissabonner Tourismusbörse) zu Ende.
Auf der FIL, dem Internationalen Messegelände von Lissabon (port.: Feira International de Lisboa) präsentierten sich vom 13.01.2010 bis zum 17.01.2010, in vier Pavillons, über 400 nationale und internationale Aussteller der Tourismus- und Hotelbranche.

Die BTL ist die größte internationale Messe Portugals.
Länder wie Brasilien, Spanien, China, Andorra, Südafrika, Frankreich, Argentinien, Cuba und Japan präsentierten sich hier genauso von ihrer besten Seite, wie die einzelnen Provinzen und Regionen Portugals, wie unter anderem die Inseln Madeira und Azoren, der Alentejo, die Algarve, der Ribatejo und das Dourotal.

Ich habe dieses Jahr zum sechsten Mal die BTL besucht.
Das die Tourismusbörse mit den Jahren gewachsen ist, ist nicht zu bestreiten.
Das diese Messe aber in den letzten zwei, drei Jahren auch nicht gerade vor Neuigkeiten strotzt ist leider ebenso nicht von der Hand zu weisen.
Mit der BTL kann es also zukünftig nur aufwärts gehen!

Ach ja, Deutschland hat zum wiederholsteten Male nicht an der BTL teilgenommen.
Das zeigt, das das Deutsche Touristikamt es wohl nicht nötig hat, an einer „kleinen Messe am Rande Europas“ teil zu nehmen.
Da soll mir doch noch mal einer kommen, und sagen, der deutschen Tourismusbranche würde es nicht gut gehen!...

Mittwoch, 6. Januar 2010

Nichts ist unmöglich: Kork


Anfang dieser Woche besuchte ich mit meiner Schwester und meinen Schwager in Lissabon den Laden eines Korkfabrikanten aus São Brás de Alportel.

Portugal ist der größte Korkproduzent auf Erden, und die Region um São Brás de Alportel, an der Algarve, rühmt sich, Herkunftsgebiet des „besten Korks der Welt zu sein“.
Die Stadt São Brás de Alportel liegt etwa 20 km nördlich der Provinzhauptstadt Faro und hat etwa 14.000 Einwohner, die alle, mehr oder weniger, von der Korkindustrie leben.
Schon immer war hier ein wichtiges Zentrum der portugiesischen Korkindustrie, denn in den angrenzenden Bergen der Serra do Caldeirão wird, wie gesagt, der qualitativ „beste Kork der Welt“ gewonnen.

Kork wird aus der Korkeiche (port.: sobreiro / lat.: Quercus suber) gewonnen.
Dieser immergrüne Laubbaum, mit ledrigen Blättern, kommt im ganzen westlichen Mittelmeerraum und Portugal, meistens in großen Korkeichenwäldern (port.: montados) vor und kann bis zu 400 Jahre alt werden.
Die Frucht der Korkeiche nennt man Eichel (port.: bolota).

Ihren Namen verdankt die Korkeiche den großen Korkschichten des Stammes, aus denen der Kork gewonnen wird.
Ein einzelner Baum kann während seines ganzen Lebens bis zu 250 kg Kork liefern.
Kork ist eigentlich nichts weiter als mit Luft gefüllte abgestorbene Rinde.
Kork ist sehr wärme- und schalldämmend und extrem wasserdicht.
Daher wird Kork nicht nur zur Herstellung von Flaschenkorken, sondern auch zur Herstellung von Wärme- und Schallisolierungen und Boden- und Wandverkleidungen verwendet.

Aber es werden auch Taschen, Geldbörsen, Lesezeichen, Krawatten, Mützen, Gürtel, Schreibmaterial, Schuhe, Stiefeln, Kissen und sogar Regenschirme und Schmuck hergestellt.
Eigentlich gibt es kaum etwas was sich nicht aus Kork produzieren lässt.
Selbst eine Briefmarken aus Kork, die die Portugiesische Post (port.: Correios de Portugal) in Umlauf gebracht, gibt es.

Kork, eigentlich ein uraltes Produkt, wird erst jetzt langsam wieder wertgeschätzt, nachdem, über Jahrzehnte hinweg, dieser Stoff nur zur Flaschenkorkenherstellung verwendet wurde.
Aber jetzt, da hier in Portugal, und auch im Ausland, die Liebe zum Kork wiederentdeckt wurde, steht diesem Produkt, so bin ich mir sicher, eine glänzende Zukunft bevor.

Dienstag, 17. November 2009

Kleine Maus – großer Ärger


Ein Fußballsondergericht hat heute entschieden, das das Liga-Pokalspiel zwischen dem Erstligaclub Académico aus Coimbra und dem Zweitligisten SC Portimonense im kommenden Frühjahr wiederholt werden muss.

Die Partie zwischen den zwei Mannschaften war am vergangenen Mittwoch in der 51. Minute vom Schiedsrichter abgebrochen worden, nachdem es den Verantwortlichen nicht gelungen war, die Flutlichtanlage nach einer halben Stunde wieder anzuschalten.

Wie am nächsten Tag herauskam, hatte eine Maus, durch das Knabbern an einem der Kabel dafür gesorgt das die 22 Profi-Fußballer vorzeitig in die Kabinen mussten.

Das Spiel zwischen dem Zweit- und dem Erstligisten sei so schlecht gewesen, dass die Maus wohl mit Absicht gehandelt habe, mutmaßte die Zeitung „A Bola“.

Im Dunkeln tappten plötzlich nicht nur die 1.200 Zuschauer im Municipal-Stadion von Portimão, an der Algarve, sondern auch unzählige vor den Fernsehschirmen, denn das Spiel wurde live im Sender RTP übertragen.
Die Teams und die meisten Zuschauer warteten nach Medienberichten eine halbe Stunde im Stadion vergeblich auf die Fehlerbehebung der Flutlichtanlage, bevor der Schiedsrichter die Begegnung, gemäß Reglement, endgültig abbrach.

Da man die Maus nicht mehr verantwortlich machen kann, da diese den Freitod starb, haben die Stadionbetreiber jetzt angekündigt, die Firma, die die Flutlichtanlage installiert hat und auch wartet, zur Rechenschaft zu ziehen, da diese angeblich an der Isolation der entsprechenden Kabel gespart haben soll.

Dienstag, 25. August 2009

Das Unglück von Maria Luisa


Bei einem Erdrutsch (derrocada) am beliebten Badestrand Praia Maria Luisa in Albufeira, an der Algarve, unweit des weltberühmten Badestrandes Praia da Rocha sind am letzten Freitag, den 21.08.2009, fünf Menschen getötet und vier weitere schwer verletzt worden. Das Unglück ereignete sich zur Mittagszeit, als der Strand voller Badegäste war.

Um genau 11:52 Uhr brach ein riesiger Felsbrocken (rochedo) von einer Felswand (rocha) am Strand ab, und stürzte in Richtung Meer, auf einige Badegäste, die im Schatten der Felswand Schutz vor der sengenden Mittagssonne gesucht hatten. Der Strand war, eigentlich wie alle Strände im Hochsommer an der Algarve, voller Badeurlauber.

Ausgelöst wurde dieser Erdrutsch höchst wahrscheinlich von einem Seebeben der Stärke 4,2 auf der Richterskala, der sich tags zuvor 110 Kilometer vor der Algarveküste ereignet hatte, und der, so vermutet man, das Gestein locker und brüchig gemacht hat.

Bei den Toten handelt es sich um drei Frauen und zwei Männer, darunter vier Mitglieder einer einzigen Familie aus dem Großraum Porto, die ihren Jahresurlaub an der Algarve verbrachten.

Dutzende Feuerwehrmänner, Rettungshelfer und Polizisten waren mit Baggern, Hacken, Schaufeln und mit ihren bloßen Händen im Einsatz. Die Rettungsarbeiten wurden durch die Gezeiten erschwert, denn im Laufe des Nachmittags kam die Flut.
Nach Angaben der Polizei war der Erdrutsch „absehbar“. Die Behörden kannten das Einsturzrisiko und hatten sogar Warnschilder angebracht.

In den kommenden Tagen und Wochen werden nun die Behörden sicherlich jede Schuld von sich weisen, und behaupten die Badegäste wären durch eigenes Verschulden zu Tode gekommen, da sie die Warnschilder missachtet hätten.
Und die Familien der Toten und Verletzten werden wiederum von den Behörden wissen wollen, warum der Strand, da ja die Gefahr eines Erdrutsches bekannt war, nicht abgesperrt war.

Wie es auch sei, die Toten werden dadurch nicht wieder lebend gemacht.
Aber vielleicht ist dieser tragische Unfall der Auslöser dafür, dass die Behörden hier in Portugal zukünftig mehr ihrer Aufsichtspflicht an den hiesigen Badestränden nachgehen.

Denn eines hat uns dieses Unglück leider gezeigt: die Gefahr kommt nicht immer vom Wasser…

Freitag, 3. Juli 2009

Von zwei legendären Raben


Das Lissabonner Stadtwappen, besteht aus einem Schiff und zwei Raben.
Wie Lissabon zu diesem Wappen kommt, erzählt eine alte Legende, die sich über jahrhunderte lang überliefert hat.
Diese Legende lautet wie folgt:

Vor langer, langer Zeit, als König Rodrigo von Valencia die Schlacht von Guadalete gegen die arabischen Mauren verlor, und diese sein Königreich besetzten, da machten sich ein paar wagemutige Christen, mit den sterblichen Überresten des Heiligen Vinzenz, einem Diakon aus Saragossa der den Märtyrertod gestorben war, auf einem alten Nachen, auf den Weg ins noch nicht besetzte Asturien, um die Gebeine des Heiligen vor den Mauren zu retten.

Sicher reisten sie über das Mittelmeer, bis zur Straße von Gibraltar. Doch ab da, als sie den Atlantik erreichten, da wurde das Meer stürmisch, dort wo die Erde mit einem Paukenschlag aus Fels ins Meer endete. Und sie waren gezwungen an Land zu gehen.
Die Christen fragten den Bootsführer, wie denn das Land heißen würde, welches sie vom Schiff aus sehen konnten, und wie denn dieses, ins Meer hinausragende Kap, genannt wurde. Der Bootsführer antwortete ihnen, dass das Land von den Mauren Algarve genannt werden würde, und dass das Kap keinen Namen hätte.

So beschlossen die Christen aus Valencia an Land zu gehen um sich vor der stürmischen, rauen See zu schützen. Am nächsten Morgen, sie wollten schon ihre Reise fortsetzen, da erblickten sie in der Ferne ein Piratenschiff. Schnell ging der Bootsführer wieder an Bord und segelte davon, nicht ohne vorher versprochen zu haben, er würde wieder kommen und sie alle wieder mitnehmen. Er wolle nur sein Nachen vor den Piraten in Sicherheit bringen, so sagte er. Natürlich kam der Bootsführer nie wieder zurück, und so blieben die Christen einsam und verlassen an diesem namenlosen und verlassenen Kap, zurück.

Mit der Zeit errichteten sie eine kleine Kapelle, um die Gebeine des Heiligen Vinzenz zu beherbergen. Um die Kapelle herum bauten sie eine kleine Ortschaft. Das Kap nannten sie nach dem Heiligen, Kap Sankt Vinzenz („Cabo São Vicente“) und dem Ort gaben sie den Namen Sagres. Über viele Jahre ließen die Mauren sie gewähren, und sie konnten sogar unbehelligt ihrem christlichen Glauben nachgehen.

Viele Jahre gingen ins Land, und eines Tages führte der portugiesische König Afonso Henriques mit seinen Rittern Krieg gegen die maurischen Kalifen. Diese waren über die christlichen Ritter so erzürnt, dass sie die kleine Ortschaft Sagres dem Erdboden gleich machten und die Christen in die Sklaverei schickten.
Nach vielen, vielen Jahren, und vielen, vielen Schlachten, bezwang Afonso Henriques endlich die maurischen Kalifen, befreite die Algarve von den arabischen Herrschern und machte sie zu seinen Gefangenen. Durch Zufall erfuhr der König dass unter seinen Gefangenen auch ein alter Mönch aus Valencia war. Der König ließ diesen zu sich kommen und schenkte ihm die Freiheit.

Voller Ehrfurcht erbat sich der Mönch von König Afonso Henriques, die Gebeine des Heiligen Vinzenz, die er bei Zeiten vor den Mauren vergraben und versteckt hatte, an einen sicheren Ort bringen zu dürfen.
Der König kam dieser Bitte nach, ließ ein Schiff kommen und segelte mit dem Mönch zu der Ruine der Kapelle um die Gebeine des Heiligen Vinzenz zu bergen. Doch während der Überfahrt verstarb der alte Mönch, bevor er sagen konnte, wo denn genau die Gebeine des Heiligen vergraben und versteckt waren.

Afonso Henriques ging also alleine zur Ruine der Kapelle, und in ihrer Nähe sah er mehrere Raben, wie sie eine bestimmte Stelle umkreisten. An dieser bestimmten Stelle ließ er seine Männer graben, und tatsächlich fanden sie die Gebeine des Heiligen.
Er ließ die Gebeine mit einem Segelschiff nach Lissabon bringen, und während der ganzen Überfahrt begleiteten zwei Raben das Schiff, so erzählt man sich.

Dieses Segelschiff, und diese zwei Raben sind bis heute das Wappen von Lissabon!

Die Gebeine des Heiligen Vinzenz ruhen heute in einem kostbaren orientalischen Perlmuttschrein in der Sakristei der Kathedrale Sé von Lissabon.
Die Ironie der Geschichte aber ist es, das ausgerechnet ein spanischer Heiliger der Schutzpatron Lissabons geworden ist.

Um ehrlich zu sein, sind die Lissabonner mit dem Heiligen Vinzenz auch nie so richtig warm geworden. Er mag zwar der Schutzpatron der Stadt sein, geliebt und verehrt, wird aber der Heilige Antonius, ein Sohn der Stadt.

Auch mit den Raben haben die Lissabonner so ihre Schwierigkeiten. Denn die Mehrzahl der Lissabonner hat in ihrem ganzen Leben noch nie einen Raben in freier Wildbahn gesehen. Aus dem einfachen Grund, weil Raben in Portugal, und schon gar nicht in Lissabon, in freiere Wildbahn vorkommen.
Will der Lissabonner einen Raben sehen, so muss er in den Zoo gehen. Dies führt dazu, das nicht nur der Heilige Vinzenz zu einer Legende wurde, sondern auch die Raben regelrecht zu „Fabeltieren“ mutierten, so wie für andere z.B. ein Einhorn.

Die Lissabonner Stadtfarben sind übrigens die Farben Schwarz und Weiß. Schwarz steht für die Farbe der Raben und weiß für die Farbe der Segel des Schiffes, welches den Sarg mit den Gebeinen des Heiligen Vinzenz nach Lissabon gebracht hat.

Ich als Lissabonner, glaube natürlich an diese Legende.
Da der Glaube, so heißt es, Berge versetzen kann, warum soll er dann auch nicht Heilige auf die Reise schicken können, in Begleitung von Raben?