Also man kann mir vieles
nachsagen, aber eines ganz bestimmt nicht: nämlich das ich abergläubisch bin!
Ich bin wohl einer
der wenigen, die nicht an Unglückstage, Glückszahlen oder Maskottchen glauben,
bin mir aber sehr wohl darüber im Klaren, das ich von vielen Menschen umgeben
bin, die alltäglich diesem magischen Denken des Aberglaubens verfallen sind.
Ich kann es beim
besten Willen nicht nachvollziehen, dass in unserer modernen, gebildeten
Gesellschaft von heute es tatsächlich Menschen gibt, auch jüngere Menschen, die
oftmals ihr rationales Denken ausschalten und sich dafür lieber dem
irrationalen Denken widmen.
Leider, so scheint es
mir, ist Aberglaube (port.: superstição) auch hier
in Portugal im Alltag sehr weit verbreitet, vielleicht sogar mehr als in
Deutschland – jedenfalls kommt es mir so vor.
Eine dieser modernen,
gebildeten, jungen Menschen, die um jede schwarze Katze einen Bogen macht und die
wegen jeder angelehnten Leiter die Straßenseite wechselt, ist meine liebe
Freundin Fátima Rodrigues, die es beruflich bis zur Architektin gebracht hat,
die überaus erfolgreich ist und die eigentlich als Mensch sehr unkompliziert
ist.
Als ich Fátima dieser
Tage traf und mich mit ihr unterhielt, stellte ich ihr die, eigentlich
nebensächliche, Frage:
„Mensch Fátima, wann
heiratest Du eigentlich?!?“
Denn man muss wissen,
dass Fátima nicht nur erfolgreich, intelligent, kreativ, zuverlässig,
bescheiden und extrem freundlich ist, sondern dass sie auch eine „Schnitte“
ist.
Und deshalb ist es
mir unbegreiflich, weshalb diese Frau keinen Partner findet.
Fátima hatte dann
auch prompt, auf die belanglose Frage die ich ihr gestellt habe, eine Antwort
parat.
Sie sagte zu mir allen
ernstes (und jetzt halte man sich fest):
„Man hat mir schon so
oft über die Füße gekehrt. Wahrscheinlich werde ich wohl nie heiraten!“
(port.: „Já me
varreram tantas vezes por cima dos pés. Provavelmente nunca hei-de casar!“
Also den kannte ich
noch nicht!
Und so habe ich mich
durch Fátima aufklären lassen.
Sie erklärte mir,
dass einem Aberglauben nach, junge Mädchen oder junge Frauen ihr Leben lang
alleine bleiben, wenn mit einem Besen (port.: vassoura) über ihre Füße gefegt
wird.
Dabei spielt es
anscheinend keine Rolle, ob sich die Frau selbst über die Füße fegt oder ob ein
Außenstehender den Fegevorgang vollzieht.
Fegen ist fegen –
jedenfalls für einen Abergläubigen!
Ich habe mich nun ein
bisschen schlau gemacht und herausbekommen, dass dieser Aberglaube seinen
Ursprung im Alltag des Mittelalters hat.
Demnach, so der
Volksmund damals, hatte eine Frau, die sich selber über ihre eigenen Füße
kehrte, keine Ahnung von der Hausarbeit und war somit als Ehe- und Hausfrau komplett
ungeeignet.
In Nordportugal, im
Minho und Trás-os-Montes, gilt es noch heute als schlechtes Omen vor einer
allein stehenden Frau den Besen zu schwingen, denn das bedeutet, dass diese
niemals heiraten wird.
Aber, so habe ich
rausbekommen, es gibt für eine Frau eine Möglichkeit diesen „Fluch“ des ewigen
Single-Daseins zu entkommen:
Sie muss nur einen
Besen über Nacht vor ihre Haustür stellen, und dann kann sich die Single-Frau,
so der Volksmund, wieder Hoffnung auf einen zukünftigen Ehepartner machen!

